Vorwort

Der hl. Peter-Julian Eymard wurde geboren am 4. Februar 1811 in La Mure d'Isère (Frankreich); er ist gestorben am 1. August 1868; er wurde seliggesprochen von Pius XI. am 12. Juli 1925 und heiliggesprochen von Papst Johannes XXIII. am 9. Dezember 1962 am Ende der I. Session des II. Vat. Konzils.

Durch die göttliche Vorsehung für seine eucharistische Sendung vorbereitet, kam Eymard in Kontakt mit allen Lebenslagen und allen Klassen der Gesellschaft. Der Reihe nach war er Kaplan, Pfarrer, Ordensmann und Provinzial der Maristen, Leiter eines Kleinen Seminars und Direktor des Dritten Ordens Mariens, sowie Katechet der Lumpensammler von Paris; so hat er die Bedürfnisse aller Art von Seelenzuständen erfahren und kam zur Überzeugung der notwendigen Einflussnahme durch die Eucharistie 1.

Zahlreich sind seine hinterlassenen Manuskripte. Der Großteil davon war für seine persönliche Seelsorgsarbeit gedacht oder nur für eine begrenzte Öffentlichkeit bestimmt.

Man begann jedoch zwei Jahre nach seinem Tod einige Schriften in Form einer Reihe kleiner Bändchen unter der Bezeichnung "Serien" und unter dem allgemeinen Titel "Die göttliche Eucharistie" herauszugeben.

Das in Rom im April 1949 abgehaltene Generalkapitel der Eucharistiner hat den dringenden Entschluss gefasst, dass die noch nicht gedruckten Schriften Eymards herausgebracht werden mögen, und dass die bereits veröffentlichten, aber etwas zu voreilig herausgegebenen Texte nach den Manuskripten korrigiert werden sollen.

Dieses Bändchen, welches hiemit der Öffentlichkeit übergeben wird, stellt die erste Frucht dieser Arbeit dar.

Es beinhaltet vier Gegenstände, welche alle geschriebene Konferenzen oder Predigten (als breite Zusammenfassungen) des Heiligen sind 2.

21 Schriften erscheinen in diesem Bändchen zum erstenmal, die übrigen wurden genauestens überprüft. Im Inhaltsverzeichnis werden die ersteren mit einem Sternchen (*) bezeichnet. 

Zusätzlich werden die aus den Handschriften des Heiligen stammenden Gegenstände mit der Abkürzung "M" (= Manuskripte) angegeben; nur drei tragen die Abkürzung "N" (= Notizen), um anzudeuten, dass sie aus Notizen bestehen, welche während der Predigt des Heiligen gemacht worden sind; sie stammen von hochw. P. Tesniere, seinem Lieblingsschüler, und wurden im allgemeinen vom Heiligen nachher durchgesehen und verbessert.

Vielleicht wundert sich der Leser darüber, dass auf den folgenden Seiten das Thema und Wort "Liebe" so häufig wiederkehrt; einige könnten sich vielleicht fragen, ob es sich nicht etwa um Sentimentalismus handle. Man kann beruhigt sein: der Heilige ist streng und unerbittlich, wenn es um die praktischen Folgerungen der Liebe geht, die er immer wieder unterstreicht.

Man soll vor allem bedenken - oder es hier erfahren - , dass Eymard seit dem Alter von 26 Jahren, er war damals Kaplan in Chatte, mit einer mystischen Gnade beschenkt wurde, während welcher er im Laufe einer Betrachtung in eine Art Exstase geriet und in einer außergewöhnlichen Weise in die Wahrheit der Liebe und Güte Gottes eindringen durfte 3. Noch viel später sprach er davon mit Begeisterung. Das war der Ausgangspunkt für sein Apostolat in dieser Thematik. Er fühlte sich als Apostel und unermüdlicher Vorkämpfer dieser Liebe Gottes, die sein Innerstes getroffen hatte und zur Verherrlichung des Altarssakramentes führen sollte.

Möge diesem bescheidenen Bändchen in seiner neuen Form derselbe Erfolg beschieden sein wie der ersten Serie von einst.

Rom, am 15. Jänner 1950, am Fest des heiligen P. J. Eymard.

  

Einleitung

Die Anbetung des Heiligsten Altarssakramentes:
ihre Begründung und Aktualität


Man muss Jesus Christus anbeten. Er hat ein Recht darauf. Der himmlische Vater ordnet es an. Er will, dass jedes Knie sich beuge vor dem menschgewordenen Wort, im Himmel, auf der Erde und unter der Erde.

Im Himmel betet ihn der ganze himmlische Hofstaat an. Die Geheime Offenbarung beschreibt diese Huldigungen in großartiger Weise: "Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde, Macht zu empfangen, Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre, Lob und Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit!" 2 

Während seines sterblichen Lebens hier auf Erden indessen wurde Jesus angebetet bei seiner Geburt, während seiner apostolischen Tätigkeit, am Kreuz und nach seinem Tod.

Jetzt soll er im allerheiligsten Sakrament angebetet werden. Der Tabernakel ist seine königliche Residenz; die eucharistische Aussetzung ist sein Thron auf Erden, freilich eine bescheidene Nachahmung des Thrones im Himmel.

* * *

1. Was heißt anbeten? Anbeten heißt: die Gottheit Jesu Christi, seine Erhabenheit und Macht in der hl. Hostie anerkennen. Die Anbetung ist ein Glaubensbekenntnis.

Anbetung ist die Erweckung eines Aktes der Unterwerfung unter das Wort Jesu Christi und unter die Abhängigkeit seiner Autorität.

Anbetung ist ein Akt der Danksagung für seine Güte, ein Akt der Liebe für seine Liebe, des Lobes und Preises für seine unendliche Barmherzigkeit.

Die Anbetung ist die erhabenste Tätigkeit des Christen; sie schließt alles in sich ein. So warf sich der Blindgeborene, als er Jesus Christus erkannte, ihm zu Füßen und betete ihn an; es wird nicht erwähnt, dass er dabei etwas gesprochen oder etwas anderes getan hätte.

Und wie groß ist auch der Glaube der Kirche an den Kult der Anbetung, den sie Jesus im Hlst. Sakrament erweist! Wie ladet sie doch alle ihre Kinder dazu ein!

Man darf sich indes nicht mit der innerlichen Anbetung begnügen; Jesus muss mit dem äußerlichen Kult der Ehrfurcht und Huldigung angebetet werden.

Welche Predigt liegt doch in der Fronleichnamsprozession auf dem Petersplatz in Rom, die vom Heiligen Vater selbst angeführt wird!

In einigen Ländern begleitete eine Ehrenwache den Priester, der in feierlicher Weise die hl. Wegzehrung zu den Kranken brachte; anderswo nimmt heute noch das Militär offiziell an den wichtigsten Prozessionen mit dem Hlst. Sakrament teil. Im Augenblick des Segens erklingen Trompetenstöße; einst war dabei auch der Befehl zu hören: "Auf die Knie!", "Zu Boden!"

Und ist nicht Jesus Christus in den Kirchen, wo die Ewige Anbetung gepflegt wird, oder während des feierlichen 40stündigen Gebetes mit allem menschlich möglichen Prunk umgeben? So ist er dann wie ein König auf seinem Thron; es ist der Triumph des Königs der Könige in seiner eucharistischen Gegenwart.

Dennoch wird Jesus Christus in der katholischen Kirche, selbst von den Seinen, noch zu wenig angebetet. Wo sind die Großen dieser Welt, wo die Prinzen, die Reichen? An wie vielen Orten und wie lange bleibt Jesus Christus allein?

Ist es also nicht gerechtfertigt, wenn sich heute alles auf die Eucharistie hinbewegt?

* * *

2. Kann man nicht das Wort Jesu an die Samariterin auf unsere Zeit anwenden: "Die Stunde ist gekommen, in der die Anbeter, wie es der Vater verlangt, ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten werden" 3 .
Unser Jahrhundert braucht eine große Tat. Nie hat ein Jahrhundert so heftig unseren Herrn Jesus Christus angegriffen; das ist das große Ärgernis unserer Epoche. Aber andererseits war Jesus Christus niemals so groß; er gewinnt ständig an Boden; sein Sieg beginnt, sein Triumph bahnt sich an.

Ohne vom Fortschritt des Glaubens in den protestantischen Ländern und in den Missionen zu sprechen, begnügen wir uns mit der Feststellung folgender Tatsachen: der Kult für die heilige Eucharistie nimmt zu; er erwacht, breitet sich aus und bewirkt Wunderwerke des Heils.

Man kann also sagen, dass unser Jahrhundert das Jahrhundert der Eucharistie ist; dass sie die Gnade und Heiligkeit unserer Epoche ist. Das ist die Frucht des so schönen und glorreichen Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis. So wie die Unbefleckte Empfäng-nis die Ankündigung und Vorbereitung der Geburt des Erlösers und Messias bedeutete, war die Verkündigung dieses Dogmas die Ankündigung des Reiches Jesu Christi als Triumphator.

a) Der eucharistische Kult ist die Gnade unserer Zeit. Er ist ein übernatürlicher Strom, der eine allgemeine Bewegung in der Christenheit auslöst.

Er ist eine Gnade, welche die Gläubigen zur Verehrung des Hlst. Sakramentes zieht und bei ihnen in allem, was damit in Verbindung steht, Sympathie erweckt; daraus erklären sich auch eine größere Anzahl von eucharistischen Ordensberufen.

Warum geschieht dies gerade in der heutigen Zeit? Weil das Übel so groß, so mächtig und so verwurzelt ist, dass die gewöhnlichen Mittel zur Wiederbelebung des christlichen Geistes nicht mehr ausreichen. Die Religion wurde in ihren Grundfesten angegriffen, nämlich die Gottheit Jesu Christi selbst. Es braucht eine neue Verkündigung, eine neue Kundgebung für Jesus Christus, um den Glauben, der im Schwinden ist, zu erneuern.

Der Glaube muss durch die Liebe, die Liebe durch ihren göttlichen Feuerherd, die Eucharistie, belebt werden.

Die Erfahrung bestätigt, dass dies der einzuschlagende Weg ist. Ohne die Eucharistie sind die gewöhnlichen Mittel, die apostolischen Werke, selbst die Predigt, zur Erneuerung des christlichen Lebens sicher zum Scheitern verurteilt. Wenn Unser Herr selbst angegriffen und verbannt wird, was können dann seine Priester tun?

Die erstarrten und durch negative Ungläubigkeit oder durch die praktische Gleichgültigkeit erstarrten Seelen bedürfen der göttlichen Sonne.

Man heilt den Kopf durch das Herz.


b) Die Frömmigkeit zum Hlst. Sakrament ist ein notwendiger Protest gegen die heutige Glaubenslosigkeit. Die Weisen (aus dem Morgenland) haben dem Unglauben des Herodes und der Priester Jerusalems ihren Glauben entgegengesetzt.

Der Blindgeborene hat durch seine spontane Anbetung aufbegehrt gegen die Boshaftigkeit und Lästerungen der Hohenpriester und Gesetzeslehrer.

Der Apostel Petrus hat Jesus mit seinem Glauben gehuldigt, um den Unglauben der Volksmenge und der Jünger von Kapharnaum wieder gutzumachen.

Die Anbetung des Hlst. Sakramentes ist also auch eine so notwendige Sühne für jene, die sich der Mäjestätsbeleidigung, der Gottheitsentehrung Jesu Christi in der Eucharistie schuldigmachen; sie ist Bitte und Sühne zur Besänftigung der göttlichen Gerechtigkeit, in Vereinigung mit Jesus, der in der Hostie wie am Kreuz betet: "Vater, verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun" 3.

Schließlich ist die Anbetung der Eucharistie für uns selbst von großem geistlichen Vorteil; denn sie ist die beste Übung unseres Glaubens und unserer Liebe.

  


Die Anbetung im Geist und in der Wahrheit

Gegenstand der eucharistischen Anbetung ist die göttliche Person Unseres Herrn Jesus Christus, der im Altarssakramente gegenwärtig ist.

Dort lebt er und will, dass wir mit ihm sprechen, und er wird zu uns sprechen.

Jeder kann mit Unserem Herrn sprechen. Ist er nicht da für alle? Ruft er uns nicht zu: "Kommet alle zu mir"?

Diese Zwiesprache, welche sich zwischen dem Menschen und Unserem Herrn abwickelt, das ist die wahre Betrachtung und Anbetung.

Jeder hat dafür seine Gnade. 

* * *

Die Betrachtung bedeutet eine fromme und praktische Überlegung zu einem christlichen Gedanken. 

Man kann darin auch die Verinnerlichung des Wortes Gottes, einer Gnade oder empfangenen Wohltat sehen.

Jeder ist zur Betrachtung fähig: dazu braucht es nur den guten Willen; denn ob man über den einen oder den anderen Gegenstand betrachtet, die Arbeit des Geistes ist die gleiche. Alles hängt von der Gewöhnung ab.

Damit jedoch allen die Betrachtung gelingt, muss man sie gemäß der Gnade und in der gerade bestehenden Verfassung halten. Weil man seinem Geist oder der eben erhaltenen Gnade Gewalt antut, deshalb kann man nicht betrachten. Die Seele braucht ihre besondere Gnade genauso wie der Leib.

Um der Betrachtung einen natürlichen Verlauf zu ermöglichen, muss der Geist den Anfang machen, hernach soll das Herz lieben, und der Wille schließlich ans Werk gehen.

Der hl. Augustinus erklärt diese Wahrheit anhand eines passenden Vergleiches mit der Arbeit einer Stickerin: die Nadel sticht durch das Gewebe: so dringt der Geist in den Betrachtungsgegenstand ein; - der Faden folgt der Nadel: das ist die Zuneigung des Herzens; man liebt nur das, was man kennt. Schließlich bildet der Faden eine endgültige Zeichnung: das ist die praktische Seite des Gebetes: in unsere Seele eine Eigenschaft oder eine Tugend Unseres Herrn hineinsticken.

Zur Verinnerlichung einer Glaubenswahrheit oder Tugend braucht unsere Seele eine gewisse Zeit; nur behutsam voranschreitenden Seelen gelingt es, in einer Sache Meister zu werden. Das Eisen rötet sich nicht sofort durch das Feuer. Und es ist sicher, dass man an einer Wahrheit um so mehr Schönheiten entdeckt, je tiefer man darin eindringt.

Es ist eine absolute Regel, dass der Geist in der Erforschung einer Wahrheit vom Bekannten zum Unbekannten vorwärtsschreitet. Solange also eine Seele in einer Wahrheit neue Nahrung findet, geht sie davon nicht ab! Die beste Nahrung ist jene, die man am leichtesten verdaut.

Man soll nicht glauben, dass man damit seine Zeit verschwendet: alle Tugenden sind genau wie alle Wahrheiten Schwestern; der kleinste Strahl führt zur ganzen Sonne und spiegelt sie uns wider.

* * *

Um den Leerlauf oder die Trockenheit des Geistes wie des Herzens während der Anbetung zu vermeiden, muss sich die Seele vom Zug ihrer Gnade oder der verschiedenen Geheimnisse des Lebens Unseres Herrn und der hlst. Jungfrau oder der Tugenden der Heiligen leiten lassen. So wird sie Gott in der Eucharistie durch alle Tugenden seines sterblichen Lebens ehren und verherrlichen; ebenso durch jene aller Heiligen, denen er Gnade und Ziel war und jetzt die ewige Krone ist.

Geht daher zu Unserem Herrn so, wie ihr seid: pflegt eine natürliche Betrachtung; schöpft zuerst eure eigenen Mittel der Frömmigkeit und Liebe aus, bevor ihr zu Büchern greift; liebt das unausschöpfbare Buch der bescheidenen Liebe!

Ihr könnt aber dann, wenn sich der Geist verirrt oder die Sinne ermüden, ein Andachtsbuch zur Hand nehmen, um euch wieder zu sammeln und auf den rechten Weg zu eurem guten Meister zurückzuführen; ihr sollt aber wissen, dass er die Armut unseres Herzens den erhabensten Gedanken und Erwägungen anderer vorzieht. Wisset wohl, dass Gott unser Herz und nicht jenes der anderen, sowie den Gedanken und das Gebet eures Herzens als natürlichen Ausdruck unserer Liebe zu ihm wünscht.

Nicht selten sind Eigenliebe, Ungeduld und Trägheit die Ursache, dass sich der Mensch weigert, mit seiner eigenen Gebrechlichkeit und gedemütigten Armseligkeit zu Gott zu gehen. Aber gerade diese zieht Unser Herr allem anderen vor; diese liebt und segnet er.

Ihr befindet euch in einem Zustand geistiger Trockenheit? Preiset dennoch die Gnade Gottes, ohne die ihr nichts tun könnt. Erhebt euer Herz zum Himmel, wie die Blume am Morgen ihren Kelch öffnet, um den wohltuenden Tau zu empfangen.

Ihr befindet euch vielleicht in einer vollständigen Ohnmacht, euer Geist ist umnachtet, eure Seelenstimmung ist niedergeschlagen und euer Körper leidend? - Dann macht eine Anbetung der Armen, geht heraus aus eurer Bedürftigkeit, um bei Unserem Herrn zu verweilen; oder opfert ihm eure Armut auf, damit er euch bereichere: das ist ein Meisterwerk und seiner Ehre würdig.

Oder ihr befindet euch im Zustand der Versuchung: alles widersetzt sich in euch, alles drängt euch, die Anbetung aufzugeben unter dem Vorwand, dass ihr in dieser Weise Gott beleidigt oder dass ihr ihn mehr entehrt als ihm dient? Hört nicht auf diese trügerische Versuchung: das ist eine Anbetung des Kampfes und der Treue zu Jesus gegen euch selbst.

Nein, nein: ihr missfallt ihm nicht! Ihr erfreut vielmehr euren Meister, der euch ansieht und dem Satan erlaubt hat, euch zu verwirren. Er erwartet von euch die huldigende Ausdauer bis zur letzten Minute der Zeit, die ihr ihm schenken sollt.

Erinnert euch zu eurem Trost und für euer inneres Verhalten, dass der Seelenzustand beim Gebet nicht von euch, sondern von Gott abhängt. Er verändert ihn, um in den Akten der Liebe Abwechslung hineinzubringen und euch teilnehmen zu lassen an einer der Befindlichkeiten seines sterblichen Lebens, damit ihr ihn anbetet und ihm dient, wie er seinen himmlischen Vater angebetet und ihm gedient hat.

* * *

Betrachtet die euch zugeteilte Anbetungsstunde als eine Stunde des Paradieses; tretet sie an, als würdet ihr zum Himmel schreiten, zum göttlichen Gastmahl; dann werdet ihr diese Stunde herbeisehnen, ihr werdet sie mit Freuden begrüßen. In aller Ruhe bewahrt in euch die Sehnsucht nach dieser Stunde in eurem Herzen. Sagt euch: in 4 Stunden, in einer Stunde werde ich zur Audienz der Gnade und Liebe zu Unserem Herrn gehen; er hat mich dazu eingeladen, er erwartet mich, er sehnt sich nach mir.

Sollte euch eine eurer Natur unangenehme Stunde zugewiesen werden, freut euch um so mehr: eure Liebe wird stärker werden, weil ihr mehr leidet. Das ist eine bevorzugte Stunde, die doppelt gezählt wird.

Seid ihr wegen Unpässlichkeit, Krankheit oder anderswie verhindert, eure Anbetung zu halten, so lasst ruhig euer Herz einen Augenblick lang darüber traurig sein, ähnlich wie die heiligste Jungfrau, die für eine kurze Zeit lang ihres göttlichen Sohnes beraubt wurde; dann aber versetzt euch im Geist in die Anbetung, als ob ihr die regelmäßige Anbetung halten würdet; bleibt in dieser Stunde in einer größtmöglichen Sammlung und ihr werdet dieselbe Frucht davontragen. Diese Stunde wird euch angerechnet und vielleicht sogar doppelt gezählt werden 4.

* * *

Wollt ihr glücklich sein in der Liebe? - Dann lebt ohne Unterlass in seiner stets neuen Güte zu euch! Folgt Jesus in seinem Bestreben nach Liebe zu euch! Betrachtet die Schönheit seiner Tugenden, überlegt mehr das Licht seiner Liebe in euch als deren heftiges Verlangen: das Feuer eurer Liebe geht rasch vorüber, aber deren Wahrheit bleibt.

Beginnt alle eure Anbetungen mit einem Akt der Liebe und so öffnet ihr behutsam eure Seele für sein göttliches Werk. Wenn ihr mit euch selber anfangt, bleibt ihr am Weg stehen. Wenn ihr aber mit einer anderen Tugend als jener der Liebe beginnt, so steht ihr erst in der Vorbereitung: umarmt nicht zuerst das Kind seine Mutter, bevor es ihr gehorcht? Die Liebe ist die einzige Tür zum Herzen.

Habt ihr übrigens eine unangenehme Pflicht zu erledigen, fangt sie zuerst mit einem Akt der Liebe an. Sagt: Mein Gott, ich liebe dich mehr als mich selbst; um es dir zu beweisen, will ich mit bereitem Herzen diesen Akt der Liebe, der Demut, der Selbstverleugnung usw. ausführen. Wenn euer Herz diesen Akt der Liebe ausgesprochen hat, gilt er wie vor Gott geschehen und er wird in euch eine andere Einstellung bewirken. Das, was unsere Mühe und Abneigung in unseren Pflichten und Tugendübungen verursacht, ist unsere Eigen-liebe.

Wollt ihr sogar in der Liebe edelmütig sein? Dann sprecht von der Liebe Jesu selbst, von Jesus über seinen Vater, über seine Werke zur Ehre des Vaters: ihr erfreut dadurch seine Liebe zu den Menschen: ihr werdet sein Herz mit Glückseligkeit erfüllen und das eure mit Freude. - Sprecht mit Jesus über seine heilige Mutter, die er so geliebt hat, und ihr werdet in hm das Glück eines guten Sohnes erneuern. Sprecht mit ihm über die Heiligen, und ihr werdet seine Gnade in ihnen verherrlichen.

Das wahre Geheimnis der Liebe besteht darin, dass man sich selbst vergisst wie Johannes der Täufer, um jenen zu loben und zu preisen, der ihn liebt, der sich sein Freund, sein Bräutigam nennt. Die wahre Liebe schaut nicht auf das, was sie gibt, sondern auf das, was ihr Geliebter verdient.

Dann wird Jesus mit euch zufrieden sein und zu euch über sich selber reden. Er wird euch von seiner Liebe zu euch erzählen, und euer Herz wird sich seinem Handeln öffnen, wie sich eine feuchte und durch die Nacht erkaltete Blume den Strahlen der Sonne öffnet; seine sanfte Stimme wird in eure Seele dringen, wie das Feuer einen brennenden Gegenstand durchdringt. Ihr werdet wie die Braut im Hohen Lied ausrufen: "Ich war außer mir vor Freude, als mein Geliebter zu mir redete!" 5. Und ihr hört ihm dann schweigend zu oder verharrt vielmehr in tiefster Liebesversenkung; ihr werdet kommen und in ihm bleiben.

Was der Entwicklung der Gnade und der Liebe in uns am stärksten zuwiderläuft, ist die Tatsache, dass wir - kaum zu Füßen des guten Meisters angekommen - sofort mit ihm über uns selber reden, über unsere Sünden, Fehler und unsere geistliche Armut; das heißt, dass wir unseren Geist ermüden beim Überdenken unserer Schwächen und unser Herz durch das Gewicht der Undankbarkeit und Untreue betrüben. Dieser Kummer führt zur Traurigkeit, und die Traurigkeit zur Entmutigung. Nur kraft der Demut, der Anstrengung und Leiden kommt man aus diesem Labyrinth heraus und gelangt wieder zu Gott.

Handelt also nicht mehr so! Die erste Regung der Seele bestimmt gewöhnlich ihre Taten. Richtet also diese erste Regung auf Gott aus! Sagt ihm: "Mein guter Jesus, wie glücklich und zufrieden bin ich, dich besuchen zu dürfen, diese Stunde mit dir zu verbringen und dir meine Liebe zu gestehen! Wie gut bist du, dass du mich gerufen hast! Wie liebenswürdig von dir, ein so armes Geschöpf, wie ich bin, zu lieben! O ja, ich will dich lieben."

Fahre so fort. Die Liebe hat dir das Tor zu Gott geöffnet: trete ein, liebe und bete an!

* * *

Ihr Anbeter, wollt ihr das Geheimnis des eucharistischen Gebetes kennenlernen? - Dann schaut durch dieses göttliche Prisma alle Wahrheiten und Tugenden der Religion. Die Hl. Eucharistie möge euer erster Ausgangspunkt sein - von der Sonne gehen alle Strahlen aus -, und so werdet ihr vom Herd allen Lichtes ausgehen.

Die Hl. Eucharistie ist der vergangene, gegenwärtige und zukünftige Jesus. Sie ist das Ziel der Liebe seines sterblichen Lebens; alle Geheimnisse sind in ihr verherrlicht, alle seine Tugenden finden sich in ihr in einer wunderbaren Weise.

Sie ist das königliche Geheimnis des Glaubens, wo alle Wahrheiten zusammenfließen wie die Flüsse in den Ozean.

Wenn man "Eucharistie" sagt, ist alles gesagt!

Soll aber die Eucharistie alles überstrahlen, muss man in ihr leben und sie zur königlichen Wissenschaft seines Geistes und zur erhabenen Liebe seines Herzens erheben. Dann wird sie zur edlen Leidenschaft unseres Lebens: das Leben des Menschen geht ganz in jener Leidenschaft auf, von der er beherrscht wird.

Es gibt nichts Einfacheres, als die Geburt Jesu im Stall mit seiner Ankunft auf dem Altar zu vergleichen 6 ; sein verborgenes Leben in Nazaret mit dem im Tabernakel, sein Leiden in Jerusalem mit seiner Hingabe auf den Altären.

Ist er nicht milde und demütig von Herzen in seinem sakramentalen Zustand, so wie er in seinem sterblichen Leben war? Ist er nicht ständig der gute Hirt, der göttliche Tröster, der Freund des Herzens?

Glücklich also jene Seele, die es versteht, Jesus in der göttlichen Eucharistie und alles in Jesus, der Hostie, zu finden!

* * *

Wenn auch die Liebe keine Methode kennt, wie der hl. Franz von Sales sagt, so ist es doch gut, einem natürlichen Weg zu folgen, um sich nicht zu verirren oder seine Zeit zu verlieren.

Die vier Opferzwecke sind die natürlichste und beste Methode, die man befolgen soll, sei es das Gebet vorzubereiten, sei es dasselbe auszuführen.

  

 

Anbetungsmethode nach den vier Opferzwecken

Man teilt die Anbetungsstunde in vier Teile ein. Während jeder Viertelstunde ehrt man Unseren Herrn durch einen der vier Opferzwecke, nämlich: die Anbetung, die Danksagung, die Sühne und die Bitte.

Erste Viertelstunde: die Anbetung

1. Betet zuerst einmal Unseren Herrn in seinem göttlichen Sakrament an durch eine würdige äußere Haltung. Kniet gleich nieder, sobald ihr vor Jesus in der anbetungswürdigen Hostie getreten seid. Verbeugt euch in tiefster Ehrfurcht und denkt dabei an die Weisen aus dem Morgenland, die sich niederwarfen und das göttliche Kind, das in armseligen Windeln gewickelt, in einer einfachen Krippe lag, anbeteten.

2. Nach diesem ersten, schweigsamen und spontanen Akt der Huldigung betet Unseren Herrn an durch einen äußeren Akt des Glaubens. Dieser Akt ist zur Sammlung der Sinne, des Herzens und des Geistes für die eucharistische Frömmigkeit äußerst hilfreich. Er öffnet euch Gottes Herz und seine Gnadenschätze; man muss diesen Glaubensakt stets getreu, einfach und ehrfürchtig erwecken.

3. Hierauf opfert euch Jesus Christus mit eurem ganzen Sein auf, schenkt ihm einzeln alle Fähigkeiten eurer Seele: opfert ihm euren Verstand, um ihn immer besser zu erkennen; euer Herz, um ihn zu lieben; euren Willen, um ihm zu dienen; euren Leib mit seinen verschiedenen Sinnen, damit jeder Sinn ihn auf seine Weise verherrliche. Opfert ihm vor allem die Gabe euerer Gedanken mit dem Wunsch, dass die göttliche Eucharistie der königliche Gedanken eures Lebens sei; eure Gefühle, indem ihr Jesus den Herrn und Gott eures Herzens nennt; euren Willen, dass er kein anderes Gesetz oder anderes Ziel anstrebe als seinen Dienst, seine Liebe und seine Ehre; euer Gedächtnis, um euch stets nur an ihn zu erinnern und so nur aus ihm, durch ihn und für ihn zu leben.

4. Weil eure Anbetungen so unvollkommen sind, vereinigt sie mit den Anbetungen der heiligsten Jungfrau in Betlehem, in Nazaret und auf dem Kalvarienberg und später zu Füßen der Hl. Eucharistie; vereinigt sie mit allen gleichzeitig stattfindenden Anbetungen der hl. Kirche und allen frommen Seelen, die Unseren Herrn in diesem Augenblick anbeten; mit dem ganzen himmlischen Hofstaat, der ihn im Himmel verherrlicht. So wird eure Anbetung an der Heiligkeit und der Frucht ihrer Anbetungen teilhaben.


Zweite Viertelstunde: die Danksagung

1. Betet an und preist die unendliche Liebe Jesu zu euch in seinem Hl. Sakrament. Um euch auf dieser Erde des Exils und der Armseligkeit nicht als Waisen alleinzulassen, kommt er für euch persönlich vom Himmel herab, um euch Gesellschaft zu leisten und euch zu trösten. Dankt ihm dafür aus ganzem Herzen und mit all euren Kräften; dankt ihm zusammen mit allen Heiligen.

2. Bewundert die Opfer, die er sich in seinem sakramentalen Zustand auferlegt: er verbirgt seine göttliche und leibliche Herrlichkeit, um euch nicht zu blenden; er verhüllt seine Majestät, damit ihr es wagt, euch ihm zu nähern und mit ihm zu reden wie ein Freund zu seinem Freund; er bindet seine Macht, um euch nicht zu erschrecken oder zu strafen; er zeigt euch im Sakrament nicht seine vollkommenen Tugenden, um nicht eure Schwachheit zu entmutigen; er zügelt sogar die Flamme seines Herzens und seiner Liebe zu euch, weil ihr seine Milde und Kraft nicht ertragen könntet; er lässt euch nur seine Güte schauen, die in den hl. Gestalten aufscheint, wie die Strahlen der Sonne durch einen dünnen Nebel durchscheinen. Wie gütig ist doch Jesus im Hl. Sakrament! Er empfängt euch zu jeder Stunde des Tages und der Nacht. Seine Liebe kennt keine Ruhe; er ist stets voll Sanftmut zu euch; er vergisst eure Sünden und Unvollkommenheiten, wenn ihr ihn besuchen kommt, und drückt euch nur seine Freude, seine Milde und seine Liebe aus. Durch euren Empfang möchte man glauben, dass er euer bedarf, um glücklich zu sein. Oh, danket also diesem guten Jesus aus ganzem Herzen! Dankt dem Vater, dass er euch seinen göttlichen Sohn gegeben hat; dankt dem Hl. Geist, dass er immer noch mitwirkt, und zwar für euch persönlich, an der Ausdehnung seiner Menschwerdung durch den Dienst des Priesters auf dem Altar 2. Ladet den Himmel und die Erde, die Engel und die Menschen ein, euch beizustehen, um ihm zu danken, ihn zu loben und zu preisen für soviel Liebe zu euch!

3. Betrachtet den sakramentalen Zustand, den Jesus aus Liebe zu euch auf sich genommen hat, und lasst euch erfüllen mit seinen Gefühlen und seinem Leben. In der Eucharistie ist Jesus so arm wie in Betlehem, ja noch ärmer, denn in Betlehem besaß er seine Mutter; hier hat er sie nicht; vom Himmel bringt er nur sich selbst mit seiner Liebe und seinen Gnaden mit; seht, wie gehorsam er in der göttlichen Hostie ist: prompt und gütig schenkt er sich jedem, der nach ihm verlangt, selbst seinen Feinden 3. Bewundert seine Demut!4 Er steigt bis zur Grenze des Nichts herab, da er doch in sakramentaler Sicht eins ist mit den gewöhnlichen und unbeseelten Gestalten, die ihres Wesens beraubt sind und nur deswegen erhalten bleiben, weil sie vom Allmächtigen durch ein fortwährendes Wunder getragen werden. Seine Liebe zu uns macht ihn zum Gefangenen; sein Wille macht ihn zum Sklaven in seiner eucharistischen Zurückgezogenheit, die unser Himmel auf Erden sein soll.

4. Vereinigt eure Danksagung mit jener der heiligsten Jungfrau nach der Menschwerdung und vor allem nach der hl. Kommunion. Mit ihr wiederholt vor Freude und Glück das Magnifikat eurer Dankbarkeit und Liebe; sprecht ohne Unterlass: "O Jesus in der Hostie, wie bist du so gut, liebend und liebenswürdig!"


Dritte Viertelstunde: die Sühne

1. Betet Jesus an und tröstet ihn in seiner Einsamkeit, verlassen von den Menschen in seinem Sakrament der Liebe. Der Mensch hat Zeit für alles, ausgenommen für den Besuch seines Herrn und Gottes, der ihn in seinem Tabernakel sehnsüchtig erwartet. In den Straßen und Vergnügungshäusern wimmelt es von Menschen; das Haus Gottes aber steht leer da. Man ist geflohen, man hat Angst davor. Oh, armer Jesus, wie konntest du soviel Gleichgültigkeit von denen erwarten, die du losgekauft hast, von deinen Freunden, deinen Kindern, von mir selber!

2. Beweint den verratenen, verachteten, verhöhnten und gekreuzigten Jesus in seinem Sakrament der Liebe, genauso wie im Ölgarten, in Jerusalem und auf dem Kalvarienberg 5. Und das sind jene Menschen, die er am höchsten auszeichnet, geliebt und mit seinen Gaben und Gnaden bereichert hat; sie beleidigen ihn besonders und entehren ihn in seinem Haus durch ihre mangelhafte Ehrfurcht; sie kreuzigen ihn neuerlich in ihrem Leib und ihrer Seele durch die sakrilegische Kommunion6 und liefern ihn dem Teufel aus, dem Lehrer ihres Herzens und ihrer Liebe. Leider! muss ich mir darüber keine Vorwürfe machen? Hättest du dir denken können, o mein Jesus, dass deine allzugroße Liebe zu den Menschen zum Grund ihrer Bosheit würde? Und dass sie dir deine Gaben und kostbaren Gnaden verweigern würden? Und ich? War ich dir nicht untreu? 

3. Betet Jesus an und sühnt eine so große Undankbarkeit, soviel Entheiligungen und Gottesraube, die in der Welt geschehen. Opfert in dieser Meinung alle Leiden auf, die ihr im Laufe des Tages und während der Woche durchstehen müßt. Legt euch einige sühnende Bußwerke auf für eure eigenen Beleidigungen, für eure Verwandten oder jene, die durch eine mangelhafte Ehrfurcht und fehlende Frömmigkeit dich geärgert haben könnten.

4. Weil aber alle eure Genugtuungen und Bußen so gering und schwach sind zur Sühne sovieler Verbrechen, deshalb vereinigt sie mit jenen eures Erlösers Jesus Christus, der am Kreuz erhöht wurde. Fangt das göttliche Blut, das aus seinen Wunden rann, auf und opfert es der göttlichen Gerechtigkeit zur Sühne auf. Nehmt seine Schmerzen und Gebete am Kreuz und bittet damit den himmlischen Vater um Gnade und Barmherzigkeit für euch und für alle Sünder. Vereinigt eure Sühne mit jener der hlst. Jungfrau zu Füßen des Kreuzes oder des Altars; so könnt ihr teilhaben an der Liebe Jesu zu seiner göttlichen Mutter.


Vierte Viertelstunde: die Bitte

1. Betet schließlich Unseren Herrn in seinem Sakrament an, indem ihr unablässig seinen Vater für euch bittet; zeigt ihm Jesu Wunden, um ihn zu besänftigen; zeigt ihm sein geöffnetes Herz über euch und für euch. Vereinigt eure Bitten mit den seinen und erbittet das, was er erbittet. 


2. Nun bittet Jesus seinen Vater, er möge seine Kirche segnen, verteidigen und ermutigen, damit sie ihn besser bekannt mache, ihn vor allen Menschen lieben und ihm dienen lehre. Betet inständig für die hl. Kirche, die so geprüft und in der Person des Stellvertreters Jesu Christi so verfolgt wird, damit Gott sie befreie von ihren Feinden, die doch seine Kinder sind; er möge sie rühren, bekehren und als demütige Brüder zu Füßen der Barmherzigkeit und der Gerechtigkeit hinführen. Jesus betet unaufhörlich für alle Mitglieder seines Priesterstandes, damit sie von seinem Geist und seinen Tugenden erfüllt seien; damit sie sich eifrig einsetzen für seine Verherrlichung und das Heil der Seelen, die er mit dem Preis seines Blutes und Lebens losgekauft hat.

Betet innig für euren Bischof, dass Gott ihn euch erhalte, all seine seelsorglichen Bemühungen segne und ihn tröste. Betet ebenso für euren Seelsorger, auf dass ihm Gott alle Gnaden gewähre, die er braucht, um die Herde zu leiten und zu heiligen, die seiner Obsorge und seinem Gewissen anvertraut wurde. Betet, dass Gott seiner Kirche zahlreiche und heilige Priesterberufe schenke; ein heiliger Priester ist das größte Geschenk des Himmels; er kann ein ganzes Land retten. Betet für alle religiösen Orden, dass sie den Gnaden ihrer evangelischen Berufung treu bleiben; damit alle Berufenen den Mut und die Liebe haben, dem göttlichen Ruf zu folgen und darin ausharren. Ein Heiliger erhält und rettet seine Heimat; seine Gebete und Tugenden sind mächtiger als alle Armeen der Welt.

3. Betet für den Eifer und die Ausdauer der frommen Seelen, die sich dem Dienst Gottes in der Welt weihen; sie sind wie Ordensschwestern seines Herzens und seiner Liebe; sie brauchen mehr Unterstützung, weil sie in der Welt größeren Gefahren und Opfern begegnen.

4. Betet während einer bestimmten Zeit um die Bekehrung der großen Sünder; nichts gereicht Gott zu größerer Herrlichkeit als diese mächtigen Hiebe seiner Gnade.

Betet schließlich auch für euch, dass ihr euch bessert und diesen Tag heiligmäßig verbringt; bindet mit euren Gaben einen Strauß für Jesus, eurem Gott und König, und erbittet seinen Segen.

  


 

Ratschläge zur Einübung in diese Methode

Das hl. Messopfer ist das erhabenste aller Gebete: darin opfert sich Jesus Christus seinem Vater, er betet ihn an, dankt ihm, leistet ihm ehrenvolle Sühne und bittet ihn für seine Kirche, die Menschen, seine Brüder und armen Sünder.

Dieses erhabene Gebet setzt Jesus ohne Unterlass fort durch seinen Opferzustand in der Eucharistie; vereinigen wir uns daher mit dem Gebet Unseres Herrn. Beten wir wie er nach den vier Opferzwecken; dieses Gebet umfasst die ganze Religion und schließt alle Tugendakte in sich ein.


I. Über die Anbetung

Der Akt der eucharistischen Anbetung bezieht sich auf die göttliche und unendliche Erhabenheit Jesu Christi, die aus sich selbst jeder Verehrung und Verherrlichung würdig ist.

Vereinigt euch also mit dem Lobpreis des himmlischen Hofstaates, der - hingeworfen zu Füßen des Thrones des Lammes - voll Bewunderung ausruft: "Demjenigen, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm, gebührt Lob und Ehre, Herrlichkeit und Kraft in alle Ewigkeit!" 1 

Mit den 24 Ältesten, die zu Füßen des Thrones Gottes ihre Kronen zum Geschenk niederlegen, legt das Geschenk eurer ganzen Person, eurer Fähigkeiten und Werke zu Füßen des eucharistischen Thrones nieder mit den Worten: "Würdig bist du, unser Herr und Gott, Ehre, Herrlichkeit und Macht zu empfangen, denn du bist es, der die Welt erschaffen hat." 2 

Betrachtet sodann die Größe der Liebe Gottes, die ihn bewogen hat, die göttliche Eucharistie einzusetzen, zu vervielfachen und zu verewigen bis zum Ende der Welt; bewundert an dieser göttlichen Erfindung, welche selbst die Engel entzückt, seine Weisheit; lobet seine Macht, welche über alle Hindernisse triumphiert hat; preist seine Güte, mit der er alle Gaben verteilt. Laßt euch hinreißen zu Empfindungen der Freude und Liebe beim Gedanken, dass ihr das Ziel des größten und heiligsten Sakramentes seid; denn Jesus Christus hätte auch nur für euch allein getan, was er für alle getan hat. Welche Liebe!

Da es euch nicht möglich ist, Jesus Christus in der Eucharistie so anzubeten, wie er es verdient, ruft euren guten Engel, diesen treuen Begleiter in eurem Leben, zu Hilfe. Er wird so glücklich sein, mit euch hier auf Erden so zu handeln, wie er in der Herrlichkeit mit euch ewig tut!

Vereinigt euch mit allen Anbetungen der Heiligen auf Erden, mit den Engeln und Heiligen im Himmel; vor allem aber mit den Anbetungen der hlst. Jungfrau und des hl. Joseph, die als erste in den Besitz des verborgenen Gottes gelangten und so seinen ganzen Hofstaat und seine Familie bildeten.
Betet Jesus, das menschgewordene Wort, durch Jesus selbst an; das ist die beste Anbetung. Er ist Gott und Mensch, euer Erlöser und gleichzeitig euer Bruder.

Betet den himmlischen Vater an durch seinen Sohn; er ist der Gegenstand seines ganzen Wohlgefallens. Eure Anbetung wird somit zur Anbetung Jesu, zu seiner Anbetung.

Ergänzt eure Anbetung durch die Opferung und das Geschenk aller eurer Fähigkeiten und eures ganzen Selbst, um ihm zu seiner größten Ehre zu dienen. Vereinigt dieses persönliche Opfer mit demjenigen der hlst. Jungfrau während der Menschwerdung und Passion des Erlösers. Gebt euch schließlich dem Dienst an Jesus hin, wie er sich euch hingibt.


II. Über die Danksagung

Die Danksagung ist der zarteste Liebesakt für die Seele und der Gott am wohlgefälligste. Sie ist das bevorzugte Geschenk an seine unendliche Güte.

Die Eucharistie ist an sich schon die vollkommene Danksagung: darin dankt Jesus seinem Vater an unserer Statt. Sie wird somit unsere Danksagung.
Dankt also Gott, dem Vater, dass er euch seinen göttlichen Sohn gegeben hat, und zwar nicht nur als Bruder durch seine Menschwerdung, als Lehrer der Wahrheit, als Erlöser am Kreuz, sondern vor allem als eure Eucharistie, euer Brot des Lebens, euren angefangenen Himmel.

Danket dem Hl. Geist, dass er durch den priesterlichen Dienst am Altar die Menschwerdung, die er im jungfräulichen Schoß Mariens vollzogen hat, weiterführt.

Eure Danksagung soll wie wohlduftender Weihrauch, wie die schönste Harmonie eurer Seele, wie die reinste und mildeste Liebe eures Herzens zum eucharistischen Thron des Lammes, zum verborgenen Gott emporsteigen.

Danket in der Demut eures Herzens wie Elisabet in der Gegenwart Mariens und des fleischgewordenen Wortes; dankt mit den Freudenbewegungen Johannes' des Täufers, der im Schoße der Elisabet verborgen war, als er die Nähe seines guten Meisters spürte; dankt mit der Freude und dem Edelmut des Zachäus, als er Jesus in seinem Haus als Gast empfing; dankt mit der hl. Kirche, mit dem himmlischen Vater.

Und damit eure Danksagung andauere und ständig zunehme, macht es wie im Himmel: betrachtet die Schönheit und die ewig alte und die stets sich erneuernde Güte Gottes in der Eucharistie.

Betrachtet seinen sakramentalen Zustand, seine Opfer, die er seit dem Geschehen im Abendmahlssaal gebracht hat, bis er euch erreicht hat; die Kämpfe, die er bestehen musste gegen das Recht auf seine eigene Verherrlichung, um sich bis zur Grenze des Nichts zu erniedrigen, und so auf seine äußere Freiheit, die Eigenschaften seines verherrlichten Leibes und auf die Ehre seiner Person verzichtet hat; und das tat er alles ohne zeitliche oder örtliche Bedingungen, sondern er lieferte sich einzig und allein mit der Liebe, seiner einzigen Verteidigungswaffe, der Liebe ebenso gut wie dem Hass der Menschen aus.

Beim Anblick der so großen Güte des Erlösers zu den Menschen und vor allem zu euch, da ihr ihn ja besitzt, davon lebt und euch an ihm erfreut, öffnet euer Herz, dass eure Danksagung wie die Flamme aus einer Kohlenglut aufsteige. Diese Flamme umgebe den eucharistischen Thron, sie vereinige und verschmelze sich mit diesem göttlichen Feuerherd, mit der strahlenden und verzehrenden Flamme des Herzens Jesu. Mögen diese beiden Flammen bis zum Himmel emporsteigen, bis zum Throne Gottes, des Vaters, der uns seinen Sohn geschenkt hat, ja bis ins Zentrum der ganzen Heiligsten Dreifaltigkeit.


III. Über die Sühne

Der Danksagung muss die ehrenvolle Buße, die Genugtuung oder die Sühne folgen: von der Freude muss euer Herz zur Traurigkeit übergehen; es muss seufzen, in Tränen ausbrechen und tiefen Schmerz empfinden beim Gedanken an die Undankbarkeit, Gottlosigkeit und Gleichgültigkeit, die bei der Mehrheit der Menschen gegen den Erlöser in der Eucharistie herrschen.

Schaut! Wie viele Menschen gibt es doch, die Gott zwar angebetet und geliebt haben, ihn dann aber vergessen! - Hat er denn aufgehört, liebenswürdig zu sein? Hat er aufgehört, die Menschen zu lieben? Oh, diese Undankbaren! Weil er zu gut ist, wollen sie ihn nicht mehr empfangen; weil er sich zu klein, zu demütig und ihrer Ansicht nach zu nichtswürdig gemacht hat, deshalb wollen sie ihn nicht mehr sehen und fliehen vor ihm; sie verscheuchen den Gedanken und die Erinnerung an ihn, die sie belästigen und verfolgen.

Es gibt Leute, die sich an seiner allzu großen Liebe dadurch rächen, dass sie ihn verspotten, beleidigen und leugnen, weil sie nicht imstande sind, diesen so guten Vater und sanften Meister zu ignorieren. Sie drücken ihre Augen zu vor dieser Sonne der Liebe, um sie nicht mehr zu sehen. Und unter diesen Undankbaren gibt es Apostaten, gestürzte Cherubim und Seraphim und gottgeweihte Seelen.
Oh! Hier gibt es für euch, Anbeter, eine große Aufgabe: weint zu Füßen Jesu, der von den Seinen verachtet wird und in so vielen Herzen gekreuzigt und an so vielen Orten verlassen wird! Tröstet das Herz dieses so milden Vaters, dem der Satan, sein Feind, seine Kinder entrissen hat. Als Gefangener in der Eucharistie kann er nicht mehr den verlorenen Schäflein, die sich der Gefahr aussetzen, zerrissen zu werden, nachlaufen. 

Eure Aufgabe ist es, für die Schuldigen um Gnade zu bitten, der göttlichen Barmherzigkeit ihr Lösegeld zu zahlen; sie bedarf ja vieler bittender Herzen; ihr müsst euch, gemeinsam mit Jesus, dem Erlöser, zu Sühneopfern machen. Er kann als Auferstandener ja nicht mehr leiden; daher leidet er durch euch und in euch.


IV. Über die Bitte

Schließlich soll die Bitte eure Anbetung krönen und ehrenvoll beschließen. Die Erhörung ist die Macht und Kraft des eucharistischen Gebetes.
Es ist nicht jedem gegeben, durch das Wort Jesus Christus zu predigen, noch direkt zur Bekehrung der Sünder und zur Heiligung der Seelen zu arbeiten. Wohl aber haben alle Anbeter die Sendung Mariens zu Füßen Jesu; es ist die apostolische Sendung des Gebetes, und zwar des eucharistischen Gebetes am Thron der Gnade und Barmherzigkeit.

Beten heißt, die unendliche Güte Gottes verherrlichen, seine göttliche Barmherzigkeit tätig werden lassen und die Liebe Gottes zu seinem Geschöpf erfreuen und ausbreiten durch die Erfüllung des Gesetzes der Gnade, die im Gebet besteht.

Das Gebet ist also die höchste Verherrlichung Gottes durch den Menschen.
Das Gebet ist die größte Tugend des Menschen: es schließt alle Tugenden in sich ein, weil sie das Gebet alle vorbereitet und zusammensetzt.

Es ist Glauben, der annimmt; Hoffnung, die stützt; Liebe, die bittet, um zu geben; es ist die Demut des Herzens, welche das Gebet beseelt; Vertrauen, das zum Ausdruck kommt; Barmherzigkeit, welche selbst über Gott triumphiert.

Das eucharistische Gebet besitzt noch einen weiteren Vorzug: es fliegt wie ein flammender Wurfspieß direkt auf das Herz Gottes zu; es läßt Jesus in seinem Sakrament tätig werden und entfesselt seine Macht. Der Anbeter bewirkt noch mehr: er betet mit Jesus Christus, der wie ein göttlicher Anwalt seiner losgekauften Brüder sich beim Vater einsetzt.

Aber für wen sollen man beten? Die Bitte "zu uns komme dein Reich - Adveniat regnum tuum" muss das Ziel und die Regel des Gebetes der Anbeter sein. - Sie sollen beten, dass das Licht der Wahrheit Jesu Christi alle Menschen erleuchte, vor allem die Ungläubigen, die Juden, die Häretiker, die Schismatiker, damit alle zum wahren Glauben kommen und zur echten Liebe gelangen. Sie sollen vor allem beten für den Heiligen Vater und alle seine Herzensanliegen; für den Ortsbischof und alle seine seelsorglichen Anliegen; für alle Priester der Diözese, dass Gott ihre apostolischen Arbeiten segne und sie vom Eifer zu seiner Verherrlichung und von der Liebe zur hl. Kirche erfasst werden.

Zur Abwechslung ihrer Gebete können sie bald das Vaterunser, bald das folgende schöne Gebet verrichten: "Seele Christi, heilige mich! Leib Christi, rette mich! Blut Christi, tränke mich! Wasser der Seite Christi, wasche mich! Leiden Christi, stärke mich! O guter Jesus, erhöre mich! Birg in deinen Wunden mich! Lass nimmer von dir scheiden mich! Vom bösen bösen Feind beschütze mich, in meiner Todesstunde rufe mich, zu dir zu kommen heiße mich, damit ich möge loben dich, mit deinen Heiligen ewiglich, Amen." - 

Ihr könnt auch den so innigen Hymnus des hl. Namens Jesu beten.

* * *

Die Anbeter sollen sich nicht von der Gegenwart ihres göttlichen Meisters entfernen, ohne ihm vorher für seine Liebesaudienz zu danken. Sie sollen ihn um Vergebung bitten für die Zerstreutheiten und Ehrfurchtslosigkeiten; sie mögen als Treuegeschenk eine Blume der Tugend, einen Strauß kleiner Opfer darbringen; dann können sie wie vom Abendmahlssaal wegziehen, wie ein Engel vom Throne Gottes auszieht, um seine göttlichen Weisungen auszuführen.

 

  

 

Vorbereitung

Das Osterlamm als Zeichen der Eucharistie


Am Osterlamm, dem Zeichen der Eucharistie, muss man drei Gesichtspunkte unterscheiden: das geopferte Lamm, das gegessene Lamm und das erlösende Lamm.

* * *

1. Das geopferte Lamm.

Es ist das Symbol Jesu Christi, das wahre Lamm Gottes, wie dies mehrere Stellen der Heiligen Schrift bezeugen.

Es ist schon dargestellt durch den Ziegenbock, den Abraham anstelle seines Sohnes Isaak zum Opfer darbrachte.

Indes spricht Jesaia ausdrücklich vom Lamm, dessen Opferung den König von Juda besänftigen wird. Er vergleicht jenen, der die Sünde der Welt auf sich nimmt, mit dem Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird und sich dem Leiden unterwirft, ohne einen Klagelaut von sich zu geben.

Johannes der Vorläufer, bezeichnet Jesus nicht als den Friedensfürsten, sondern sagt: "Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt".

Schließlich schildert der hl. Apostel Johannes den Triumph des geopferten Lammes in einer Schau vom Himmel, die ihm zuteil wurde.

Das Lamm, welches für das jüdische Pascha bestimmt war, musste ohne Fehler sein; es musste "zwischen zwei Abenden", d.h. zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang, geschlachtet werden - zwischen zwei und sechs Uhr nachmittags - und sein Fleisch musste auf dem Feuer gebraten werden.

Jesus, das Lamm Gottes, war nicht nur von jedem Makel der Sünde ausgenommen, sondern ausgestattet mit allen Vollkommenheiten und Tugenden. Er wurde geopfert durch die Oberhäupter seines Volkes; in Jerusalem, der Stadt für die gesetzlichen Opfer; zur Zeit des Paschafestes, innerhalb zweier Abende, da das Evangelium bestätigt, dass er um die neunte Stunde starb, - nach römischer Zählungsweise -, was drei Uhr Nachmittag bedeutet.

Aber das Feuer, welches sein Opfer verzehrte, war seine brennende Liebe, die sein Herz verzehrte.

 

2. Das gegessene Lamm.

Man musste das Paschalamm essen, um am versprochenen Heil teilzuhaben. Das Essen des Opfers bedeutete ein geheiligtes Pfand, welches für jene geopfert wurde, die sich daran nährten; so bildete es in gewisser Weise schon eine Teilhabe am Heil. 

Der hl. Paulus schreibt: "Christus, unser Osterlamm, ist geschlachtet worden. Lasst uns also das Fest nicht mit dem alten Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit den ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit feiern".

Die Eucharistie ist das Pascha Jesu Christi und der Gläubigen. Beim letzten Abendmahl sagte er: "Ich habe mich sehr danach gesehnt, vor meinem Leiden dieses Pascha mit euch zu essen".

Hier handelte es sich nicht um das gesetzliche Pascha; es war ja bereits beendet. Jesus spricht hier von einem neuen Pascha, einem neuen Lamm: er selbst ist dieses Lamm, weil er sich opferte und als Nahrung hingab: "Nehmt und esset! Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird." 7 Er ist das gegessene Lamm. Auch die Kirche wiederholt vor der hl. Kommunion: Seht das Lamm Gottes!

Warum hat Jesus Christus im eucharistischen Pascha nicht die Form und äußere Gestalt eines Lammes? Das war unnötig und unmöglich. Da er die Wirklichkeit ist, warum sollte er die Gestalt dessen beibehalten, was selbst bereits Symbol ist? Dadurch, dass er, das Opferlamm, zum Brot des Lebens geworden ist, zur Speise der Seelen.

Wie muss man das neue Paschalamm essen? Mit der inneren Verfassung, von der die mosaischen Vorschriften ein Bild waren. Die Hebräer mussten das Lamm in der Familie verzehren und - wenn nötig - die nächsten Nachbarn herbeirufen, um die notwendige Anzahl zu erreichen; sie mussten gleichzeitig ungesäuertes Brot samt bitteren Kräutern essen; sie mussten ein an den Lenden gegürtetes Kleid und Sandalen an den Füßen tragen; mit dem Stab in der Hand mussten sie das Mahl in Eile einnehmen zur Erinnerung an die eilfertige Flucht aus Ägypten dank des raschen Eingreifens Jahwes gegen ihre Unterdrücker in Israel.

So darf auch der Christ nur mit der Bereitschaft zur brüderlichen Liebe sich dem Tisch des Herrn nähern, um das göttliche Lamm zu essen; um die Vereinigung der Herzen zu bewirken, die Einheit der Tischgenossen herbeizuführen und zu stärken.

Um dafür würdig zu sein, muss er sich zuerst einer ernsthaften Abtötung der Leidenschaften unterziehen und sich jene Reinheit des Lebenswandels aneignen, die ihn wenigstens von jeder Todsünde befreit. Das ist es, wenn uns der hl. Paulus ermahnt, den alten Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit wegzuwerfen und uns auszurüsten mit den ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit.

Der Christ sei sich schließlich bewusst, dass die Welt nur ein Ort des Durchgangs ist, den er jederzeit, selbst unerwartet, zu verlassen bereit ist mit Hilfe der Eucharistie, der Wegzehrung des Heiles.

* * *

3. Das erlösende Lamm 

Die Hebräer mussten mit dem Blut des Paschalammes den Türsturz und die beiden Türpfosten des Hauses, wo sie versammelt waren, bestreichen. Beim Anblick dieses Zeichens zog der Würgengel vorüber und schlug nur die Wohnungen der Ägypter. Das Paschalamm war für die Hebräer also ein Lebenspfand und die Ankündigung ihrer Befreiung.

Jesus Christus, das Lamm Gottes, ist durch die Eucharistie das Leben der Welt.

Sein göttliches Blut, das auf dem Altar zum Opfer dargebracht wird, sühnt unsere Schuld, vergibt die lässlichen Sünden, lässt die Sündenstrafen nach und bewirkt die Bekehrung der Sünder.

Jesus Christus ist das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist: wer es isst, wird ewig leben; denn die Kommunion ist eine verlässliche Arznei gegen den übernatürlichen Tod der Sünde und selbst für den Leib ein besonderes Pfand zur Auferstehung in Herrlichkeit.

Der hl. Johannes Chrysostomus sagt, dass beim Anblick des Blutes Jesu Christi auf unseren Lippen der Teufel erschreckt und machtlos flüchtet.

Das Paschalamm kündigte den Juden ihren Auszug aus Ägypten ins Gelobte Land an.

Die Eucharistie ist durch die hl. Kommunion der Durchzug Jesu Christi in uns; sie lässt uns im geistlichen Leben durch ihn und in ihm vorankommen. Sie bereitet uns vor auf den Einzug in den Himmel, das Gelobte Land der Christen.

* * *

Hören wir, was uns Jesus Christus sagt: "Tut dies zu meinem Andenken..." Erinnert euch, dass ich am Vorabend meines Todes hier auf Erden zum letzten Mal dieses Pascha gefeiert habe. Erneuert es nicht nur jedes Jahr wie das alte Pascha, sondern alle Tage, denn ich bin allzeit das geopferte Lamm auf dem Altar und im Himmel. Ich bin euer Ostern, euer Vorübergang von dieser Welt zu meinem Vater, vom natürlichen Leben zum übernatürlichen, von Ägypten zum Gelobten Land, von der Erde zum Himmel.

  

 

Das Verheißung der Eucharistie:
Die Tatsache

Jesus hatte in der Wüste nahe bei Tiberias die Brote vermehrt und 5000 Männer gesättigt.

Diese Volksmenge wurde Zeuge des Wunders und rief mit Begeisterung: "Dieser ist wahrhaft der Prophet, der in die Welt kommen soll"; und sie träumte davon, ihn zu ihrem König auszurufen. 

Weil Jesus aber ihre Pläne voraussah, zog er sich neuerlich im geheimen auf einen nahegelegenen Berg zurück; er lässt die Volksmenge und die Apostel in ihrer Enttäuschung zurück; er wollte von einem zeitlichen Königtum nichts wissen.

Die Apostel entschließen sich, den See in Richtung Kapharnaum zu überqueren. Es war bereits Nacht. Aber während der Überfahrt erhebt sich ein Sturm. Ihre Furcht verdoppelte sich, als sie Jesus auf den Wogen dahinwandeln sahen. Jesus nähert sich ihrem Boot und sagt: "Habt keine Furcht, ich bin es!"

Kaum wollten sie ihn in ihr Boot nehmen, da waren sie auch schon an ihr Ziel gelangt.

Als die Leute am folgenden Morgen gewahrten, dass die Apostel ohne Jesus abgefahren waren, bestiegen sie die am Ufer des Sees zurückgebliebenen Boote, andere machten sich zu Fuß auf den Weg; alle wollten nach Kapharnaum gelangen. Dort trafen sie Jesus in der Synagoge und fragten ihn: "Meister, wann bist du hiehergekommen?" Aber Jesus durchschaute ihre Absichten. Nicht seinetwegen, nicht seiner selbst willen suchten sie ihn, sondern sie erhofften sich weitere wunderbare Sättigungen wie jene am Vorabend. Und so sagte er ihnen: "Strengt euch nicht für eine Nahrung an, die verdirbt, sondern für jene, die ewigen Bestand hat und die euch der Menschensohn geben wird."

Daraufhin beginnt jenes Gespräch, das man die Verheißungsrede der Eucharistie nennt, und das der hl. Johannes als einziger im 6. Kapitel seines Evangeliums aufgezeichnet hat.

Man muss dieses Kapitel lesen und betrachten, wo Unser Herr die Eucharistie aus eigenem Mund ankündigt und deren Bedingungen und Wirkungen näher bestimmt. Der Einsetzungsbericht genügt nicht, Unseren Herrn kennenzulernen.

Und hier gleich ein Rat: wenn der hl. Geschichtsschreiber erzählt, so haltet euch in einer allgemeinen Verfassung des Glaubens, denn seine Worte kommen von Gott. Wenn ihr aber einem Ausdruck begegnet, den Unser Herr ausgesprochen hat, sagt ihn euch vor und betet kniend dieses von Unserem Herrn gebildete und ausgesprochene Wort für uns an! Ich kenne einen heiligmäßigen Mann, der auf seinem Herzen, eigenhändig geschrieben, alle Worte trug, die Jesus Christus ausgesprochen hat.

* * *

Was die Erklärung des 6. Kapitels des hl. Johannes anlangt, so muss man zuerst folgenden Grundsatz aufstellen: Unser Herr wollte uns nicht überraschen, als er die Eucharistie einsetzte. Das war etwas so Großartiges, dass er uns darauf vorbereiten wollte. Und das, was die Liebe gibt, überrascht nicht.

Die Liebe verlangt, dass man ihr die Tür öffnet, sie drückt sie nicht ein.

Kein anderer als Unser Herr selbst hatte die Aufgabe, die Eucharistie anzukündigen und sie auch zu schenken.

Ein Engel hat die Menschwerdung angekündigt; hier nimmt Jesus seine Sache selbst in die Hand; er verspricht und knüpft seine Bedingungen daran.

Und Jesus wartete zur Ankündigung der Eucharistie nicht das Ende seiner evangelischen Sendung ab. Er handelte, wie man auch sonst in der Welt handelt; man reißt die Leute nicht mit einem Schlag aus der Gewöhnung heraus. Die Vorurteile der Erziehung, der Rasse und des Landes sind sehr schwer zu zerstören. Die falsche und ichsüchtige Frömmigkeit macht sich in diesem Punkt Illusionen; sie will nicht über die eigenen Ideen hinaussehen, noch die notwendige Anstrengung dafür auf sich nehmen. Wie soll man also vorgehen? Wie die großen Männer, die ihre Gedanken in die Welt setzten: es wird ihnen zuerst widersprochen, sie werden anfangs verkannt, doch schließlich gibt man ihnen doch recht.

So ist auch Unser Herr vorgegangen. Er verkündete die eucharistische Idee. Man hat sie anfangs zurückgewiesen, doch dann sagte man sich: vielleicht ist es doch eine gute Idee. Er wusste, dass seine Jünger und das jüdische Volk sich gegen diese Offenbarung auflehnen werden. Aber er ließ sich deswegen nicht aus der Fassung bringen. Die Wahrheit fürchtet das Licht nicht; und nachdem er einmal das Wort gegeben hatte, nimmt er alle Folgen auf sich - was soll's! - sein Wort wird Bestand haben, und man kann es annehmen.

Das ist eine vorbildliche Verhaltensregel! Man soll sich nicht über die Gnaden Gottes zum Richter machen. Über eine neue Frömmigkeit, einen neuen Gedanken soll man nicht sofort sagen: das ist falsch; sondern vielmehr nachdenken und zu verstehen suchen. Wurde nicht die Herz-Jesu-Frömmigkeit und die Festlegung des Fronleichnamsfestes zuerst für nutzlos und sogar für schädlich angesehen?

* * *

Unser Herr hat sich nicht begnügt, die Eucharistie zu verheißen, um die Seelen darauf einzustellen, und damit man ihm bei der Einsetzung keine Fragen stelle, und die Apostel einen schon vorgebildeten Glauben hätten1. Deswegen wirkte er vor der Verheißung ein Wunder, damit dadurch seine Worte leichter angenommen würden. Er wollte niemand vor den Kopf stoßen, sondern vielmehr die Köpfe auf sanfte Art dahin bringen, sich zu überzeugen. Sein Wort dringt in die Seelen ein wie Tau, der ohne Gewalt sich in die Erde senkt.

Welches sollte nun das Wunder sein, das sie - ganz auf sich gestellt - bewegen sollte, die Schlussfolgerung zu ziehen? Es ist die Brotvermehrung, das Symbol der Eucharistie, die sich ebenso auf wunderbare Art vermehren sollte, gleichbleibend für alle, dass sie keinem fehlt und dass alle damit gesättigt werden.

So nimmt Jesus, wie beim Abendmahl, die Brote, erhebt die Augen zum Himmel, dankt, segnet die Brote, bricht sie und teilt sie seinen Aposteln aus2. Preisen wir die Güte Jesu Christi, die sich in dieser Ankündigung und diesem Versprechen der Eucharistie zeigt.

Im irdischen Paradies sagte Gott zu Adam und Eva: "Ihr dürft von der Frucht des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, nicht essen; daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben" 3. Sie haben aber nicht gehorcht. Ihre Bestrafung bestand im Verlust des übernatürlichen Lebens und in der unausbleiblichen Folge, eines Tages den natürlichen Tod zu erleiden.

Hier ist das Gegenteil der Fall.

Jesus beteuert mit einem Schwur: "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht eßt und sein Blut nicht trinkt, werdet ihr das Leben nicht in euch haben" - Joh 6,53 4.

Gott nimmt sein Werk wieder auf. Durch die Eucharistie wird er im Menschen leben und der Mensch in Gott, damit der Stolz der Vernunft in Verwirrung gerate, und sich die Sinne unterwerfen, die dem Mysterium fremd sind.

Glauben wir an das göttliche Wort Jesu und sprechen wir in Dankbarkeit: glücklich derjenige, der von der Frucht des neuen Lebensbaumes isst!

  

 


Die Verheißung der Eucharistie:
Die Voraussetzungen

Bevor Unser Herr in ausdrücklicher und endgültiger Form die Einsetzung der Eucharistie ankündigte, verlangte er von seinen Zuhörern als erste Bedingung ihren Glauben an seine Gottheit. Erst am Ende seiner Rede forderte er den Glauben an die Wahrheit der Eucharistie. Untersuchen wir nun diese zwei Punkte.

* * *

1. Der Glaube an die Gottheit Jesu Christi.

Als Unser Herr zu den Juden gesagt hatte: "Müht euch nicht um die Nahrung, die verdirbt, sondern um jene, die ewig bestehen bleibt", antworteten seine Zuhörer: "Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen?" Jesus erwiderte: "Das ist das Werk, welches der Vater verlangt, dass ihr nämlich an den glaubt, den er gesandt hat... Er ist es, der Sohn Gottes, der euch eine Nahrung geben wird, die ewig bleibt, denn ihn hat Gott, d.h. der Vater, mit einem Siegel bezeichnet."

Nach der Erklärung des hl. Johannes Chrysostomus heißt das: ich bin es, der Menschensohn, der euch eine himmlische Nahrung geben wird; zweifelt nicht daran! Der Vater hat den Menschensohn mit seinem Siegel bezeichnet, mit dem Siegel der Gottheit. Er selbst hat diesen Sohn seines Wohlgefallens kundgemacht, und der Menschensohn hat sich durch seine Werke und seine Wunder als Gottessohn ausgewiesen. Habt daher Vertrauen auf seine Verheißung, dass er euch diese göttliche Nahrung geben wird.  

Bewundern wir nebenbei die Demut Jesu. Welch schönes Beispiel der Bescheidenheit gibt er uns doch durch diese Tat!

Er spricht von sich selbst in der dritten Person, wie die Armen, die Bettler; er spricht nicht über seine Wunder; er leitet den Beweis seiner göttlichen Sendung und seiner Gottheit vom Zeugnis des Vaters ab; er bezeichnet sich als denjenigen, den der Vater gesandt hat; denjenigen, den der Vater mit einem Siegel bezeichnet hat.

Ein Priester, der in seinem eigenen Namen auftritt, ist ein Nichts. Kommt er von Gott und von der Kirche, geht er in Ordnung. Er muss sich durch seine Sendung ausweisen, noch bevor ihn seine Werke als solchen identifizieren.

Man darf aus seinen Werken kein Postament machen, sondern seine Sendung aufzeigen. So glaubt man an seine Sendung und nicht seinen Werken. Die Häretiker forderten stets den Glauben an ihre Person und gingen zusammen mit ihren Anhängern ins Verderben. Daher beruft sich Unser Herr zuerst auf das Zeugnis seines Vaters, um einen Akt des Glaubens an seine eigene Gottheit zu erreichen; denn es handelte sich für ihn um die Verheißung eines Wunders, das unter allen Wundern einmalig ist.

Am Jordan hat der Vater seinen menschgewordenen Sohn bezeichnet und geheiligt; damit hat er gezeigt, dass er auf diese Weise der Menschheit des Erlösers das Recht, Wunder zu wirken, mitgeteilt hat.

Bevor also Jesus den Glauben an die Eucharistie fordert, beweist er seine göttliche Macht, die ihn befähigt, eine derartige Wunderleistung zu vollbringen. Sagen: ich glaube an die Liebe Jesu Christi, heißt nicht: bis zum Grund der Eucharistie, die Macht bedeutet, vorzudringen. An die Eucharistie glauben zu wollen, ohne an der Allmacht Jesu festzuhalten, hieße etwas Unmögliches fordern. Ein liebender Mensch kann nicht mehr geben, als er zu leisten imstande ist. Jesus Christus muss Gott sein, dann ist er allmächtig und kann das tun, was er möchte, und noch mehr. 

Jene, die nicht an die Eucharistie glauben, glauben auch nicht an seine Gottheit und Macht. Jene, die einen schwachen Glauben haben, glauben nicht an die eucharistische Liebe und können es nicht hinnehmen, dass Unser Herr von seiner Macht Gebrauch gemacht hat, um sich zum sakramentalen Zustand zu erniedrigen. Bevor man dem Werk des Herzens Jesu Christi glaubt, muss man seine Gottheit annehmen und sagen: Herr, du kannst mehr bewirken, als ich zu verstehen vermag.

Das ist so wahr, dass der erste Einwand der Juden gegen seine Macht gerichtet war. "Wie kann dieser Mensch uns sein Fleisch zu essen geben?"

Zuerst wollten sie seine Macht unter Beweis stellen: "Welches Wunder wirkst du, dass wir an dich glauben? Mose hat unsere Väter in der Wüste mit dem Manna, das vom Himmel kam, ernährt. Welches Werk tust du?" 

Wie demütigt sich doch Unser Herr! Er erschien ihnen so arm, zu erbärmlich. Sie hatten das Wunder am Vorabend, die Brotvermehrung, bereits vergessen.

Jesus hätte darauf zurückkommen können, aber er lässt sie weiterreden: "Mose ließ während vierzig Jahren das Manna vom Himmel fallen" und hat nicht darauf bestanden, an seine Gottheit zu glauben. Nun steht also Jesus tiefer als Mose! Dieser Einwand war falsch, denn Mose kündigte das Wunder des Manna, das von Gott gewirkt wird, lediglich an, um dem Murren der Hebräer in der Wüste ein Ende zu bereiten.

Jesus bemüht sich, ihnen klarzumachen, dass er eine Speise für die Seele verspricht. Sie aber bleiben in ihren materiellen Vorurteilen stecken; sie träumen wie ein Tier nur von einer Nahrung für den Leib. Wenn sie weiterhin Jesus suchten, so nur, um weitere Brot-wunder zu erleben. Als Jesus ihnen wiederholte, dass das wahre Gottesbrot der Welt das Leben gibt, schreien sie sofort: Herr, gib uns immer dieses Brot!

In der Eucharistie darf man jedoch nicht die Sinnenhaftigkeit suchen. Diese himmlische Nahrung, die für das ewige Leben bleibt, verlangt eine ganz geistige und übernatürliche Einstellung.

Jesus hält nun den Zeitpunkt für gekommen, seinen Zuhörern ihre Vorurteile oder ihren Unglauben zu entreißen und ihnen eindeutig zu erklären, über welche Art von Nahrung er reden will.

* * *

2. Der Glaube an die Eucharistie.

Unser Herr sagt zu ihnen: "Ich selbst bin das Brot des Lebens... das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist, damit man davon esse und nicht mehr sterben werde, ...und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch; ich gebe es hin für das Heil der Welt." Und der gleiche Einwand gegen die Gottheit Unseres Herrn kehrt wieder. Die Juden murrten: "Ist dieser nicht Jesus, der Sohn Josephs, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie kann er sagen: ich bin vom Himmel herabgestiegen?" Dann befassen sie sich mit der Machbarkeit der Tat, die er ankündigt: "Wie kann uns dieser Mensch sein Fleisch zu essen geben?"

Unser Herr besteht auf seiner Herkunft und seiner göttlichen Sendung und erklärt ihnen, dass seine Worte Geist und Leben sind; dass es sich also nicht um ein materielles Essen von menschlichem Fleisch handle. Das besänftigt sie aber nicht. Sie nehmen Ärgernis daran; und nicht nur die Volksmenge, sondern auch viele seiner Jünger ziehen sich zu-rück und sagen: "Diese Rede ist zu hart, wer kann sie annehmen?" Von diesem Zeit-punkt an gingen sie nicht mehr mit ihm. Jesus unternimmt nichts, sie zurückzuhalten. Welche Strenge! Er hatte stets die Sünder gesucht und sich mit ihnen abgegeben. Hier nicht. Er war sogar bereit, auch die Zwölf zu entlassen, wenn sie ihm und seinen Worten nicht glaubten! Er hatte sie ständig ertragen und mit Geduld belehrt. Hier zwing er sie, ihre Meinung zu äußern; er sagte zu ihnen: "Und ihr, wollt auch ihr weggehen?" Petrus antwortete im Namen aller: "Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Und wir haben geglaubt und erkannt, dass du Christus, der Sohn Gottes bist."

Dieses schöne Bekenntnis des Glaubens nimmt Jesus an, ohne es jedoch besonders zu loben, wie er es bei anderen Gelegenheiten getan hatte. Ohne Zweifel war er sehr traurig über die Anwesenheit des Judas, denn er sagt: "War nicht ich es, der euch, die Zwölf, ausgewählt hat? Und doch ist einer von euch ein Teufel." Er hatte bereits wenige Augenblicke vorher vor der Volksmenge und den Jüngern erklärt: "Unter euch gibt es einige, die nicht glauben."

Und der hl. Johannes beschließt das 6. Kapitel mit der schmervollen Überlegung: "Jesus wusste von Anfang an, wer nicht an ihn glauben werde und ihn verraten sollte ..." Er sprach von Judas, den Sohn des Simon Iskariot, denn er, einer der Zwölf, sollte ihn verraten.

Wir aber sollen wie der Apostel Petrus die Worte Jesu annehmen.

Der eucharistische Glaube ist das erhabenste Werk, das Gott von uns wünscht. Dadurch unterwirft sich der Mensch Gott ganz und gar; er betet ihn an mit einem vollen und direkten Akt des Glaubens und opfert ihm alles, was dem alten Menschen anhaftet. Unser Herr wollte, dass die Sünde Adams, eine Sünde des Unglaubens - mehr als eine Sünde der Gaumenlust -, welche die Ursache allen Übels war, stufenweise gesühnt werde.

Die verbotene Frucht sah verlockend aus; sie bildete eine Gefahr für den Gehorsam. Der Teufel nützte diese Versuchung aus, und so erlag ihr Adam.

Unser Herr gibt das Gegengift zur Sünde, indem er den Glauben an eine göttliche Frucht, aber ohne äußere Schönheit 6, abietet. Die hl. Gestalten üben keine besonders spürbare Anziehungskraft aus: was gibt es einfacheres und weniger köstliches als eine gewandelte Hostie! Dafür enthalten sie aber Jesus Christus, der das Leben ist, und der Seele die ganze Sanftmut schenkt.

Wie groß und heilsam ist daher der eucharistische Glaube, der allein auf der Wahrhaftigkeit Jesu Christi beruht!

Wie liebe ich den hl. Ludwig, der sich weigerte, in eine Kirche zu gehen, um die Erscheinung Unseres Herrn in der Eucharistie zu bewundern! Das Wort Gottes bot ihm größere Sicherheit als seine Augen.

Der Apostel Thomas verhielt sich wie die Leute von Kapharnaum: er wollte sehen, um zu glauben. Unser Herr hat ihn nicht allzu sehr bloßgestellt; er hat seiner Forderung entsprochen und ihm sogar das Privileg gewährt, seine hl. Wundmale berühren zu dürfen. Aber er empfahl ihm, nicht mehr ungläubig zu sein, und er pries jene selig, die glauben, obwohl sie nicht sehen.

Das will heißen, dass Unser Herr, wenn er sich in der hl. Hostie unter einer sichtbaren Form zeigt, dies nicht tut, um uns dadurch den Glauben zu schenken, weil wir diesen ja schon besitzen, sondern um unsere Frömmigkeit, unsere Bewunderung und Liebe zu stärken, um uns zu trösten und unser Herz zu erfreuen.

Wunder zu fordern, um zu glauben, z.B. Unseren Herrn oder Engel zu schauen, Heilungen von Kranken oder Leidenden zu erleben, hieße die göttliche Wahrhaftigkeit Jesu Christi entehren. 

Gehen wir nicht mit der Vernunft zu Werk und trachten wir nicht, die Eucharistie mit den Sinnen zu beurteilen!

Wenn sich Unser Herr oder die ihn umgebenden Engel uns zeigen würden, müssten wir die Augen schließen und ausrufen. Herr, ich glaube auf dein Wort hin!

So vollbringen wir das Werk Gottes, nämlich an den zu glauben, der ihn gesandt hat.

Vergessen wir jedoch nicht, dass wir in dieser Einstellung nicht nur an die Person Unseres Herrn, sondern auch an den Grund seines Kommens in diese Welt glauben müssen.

Wiederholen wir mit dem hl. Apostel Johannes: "Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen".

An die Liebe glauben, das ist alles. Es genügt nicht, an die Wahrheit zu glauben; man muss an die Liebe glauben. Und Liebe heißt: Unser Herr Jesus Christus im Hlst. Sakrament.

Das ist der Glaube, der zur Liebe Unseres Herrn hinzieht. Erbittet diesen reinen und einfachen Glauben an die Eucharistie. Die Menschen werden euch unterweisen, aber Jesus Christus allein gibt euch die Gnade, an ihn zu glauben.

Geht zur hl. Kommunion, um den Glauben zu stärken, nicht um der Befriedigung des Sinnenhaften im Glauben wegen; dies trifft nur ein, wenn Gott es will.

Die Eucharistie ist da, was willst du mehr?

  

 

Das Geschenk des Herzens Jesu

"Jesus nahm das Brot... und reichte es den Aposteln mit den Worten: nehmet und esset, das ist mein Leib".
Mt 26,26.

Jesus war am Ende seines sterblichen Lebens angelangt. Der Himmel fordert seinen König zurück; er soll den Fürsten der Finsternis bekämpfen und besiegen; das Werk der Erlösung wird bald vollbracht sein. Die Engel lassen bereits ihren Willkommensgesang erklingen: "Erhebt euch, ihr ewigen Tore, damit der König der Herrlichkeit eintrete!"

Aber Jesu Herz kann sich nicht entschließen, seine neue Familie, die Kinder, die er durch das Opfer auf dem Kalvarienberg zeugen wird, zurückzulassen. Er will sie nicht inmitten ihrer Feinde zurücklassen, allein, in diesem Tal der Verbannung und der Tränen.

Die Liebe kennt keine Hindernisse, sie scheut vor keinem Opfer zurück.

Jesus Christus wird also zwei Throne haben: einen Thron der Herrlichkeit im Himmel und einen anderen Thron der Gnade auf Erden. - Er wird zwei Hofstaaten besitzen: einen himmlischen und einen menschlichen durch seine Erlösten.

Hätte die Kraft seiner Liebe nicht dieses Wunder der Gegenwart im Himmel und gleichzeitig auf Erden bewirken können, hätte er dann überhaupt den Aufenthalt mitten unter uns gewählt? Ein siegreicher König zieht seine Kampfgenossen der ganzen Dienerschaft in Friedenszeiten vor. Und Jesus zieht den Menschen, den letzten der Armen, für den er gelitten und sein Leben hingegeben hat, seiner eigenen Herrlichkeit und seinem Triumph inmitten der Engelschar vor. David rief aus: "Was ist doch der Mensch für dich, o Herr, dass du an ihn denkst...mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt" 2.

Welchen Zustand, welche Form und welche Mittel wird also Jesus wählen, um diese Gegenwart mitten unter den Menschen einzurichten? Welchen Kampf musste also sozusagen das Herz Jesu gegen seinen göttlichen Vater und gegen sich selbst durchstehen!


1. a) Der Zustand

Das Herz Jesu will einen fortdauernden und ununterbrochenen Zustand. Aber die göttliche Gerechtigkeit wendet ein: die Erlösung wird vollendet, die Menschheit losgekauft, die Kirche gegründet sein; der Mensch wird Erbe des Evangeliums und der Gnade des Erlösers sein. Die Juden hatten weniger als das erhalten.

Diesem Einwand antwortet das Herz Jesu, dass das, was für die Erlösung genügte, seine Liebe nicht befriedige. Eine Mutter begnügt sich nicht, einem Kind unter Schmerzen das Leben zu schenken, sondern sie nährt es, sie zieht es auf, folgt ihm überall, wenigstens mit den Gedanken und der Zuneigung. Jesu Liebe wird für seine Kinder des Kreuzes noch mehr tun als die beste Mutter für die Kinder ihres Schoßes.


b) Die Form

Das Herz Jesu will seine Residenz inmitten der Seinen unter der Form eines Sakramentes, das selbst seine Menschheit verschleiert. Dazu bedient es sich der eucharistischen Gestalten, mit denen es unzertrennlich vereinigt sein wird, und die das sinnenhafte Zeichen seiner Gegenwart, des Opfers und der Kommunion sein werden.

Aber die göttliche Majestät protestiert gegen eine derartige Demütigung, die noch weitergeht als bei der Menschwerdung, und noch erniedrigender als während seines Leidens sein wird, wo er wenigstens noch die menschliche Gestalt beibehielt. So etwas wäre eines Königs der Herrlichkeit, des majestätischen Gottes unwürdig, auf diese Welt herabzusteigen. Das Heil des Menschen erfordert keine derartige Erniedrigung, die der Mensch nie verstehen würde.

Jesus entgegnet: mein Herz wählt diese Form des Sakramentes, damit alle ohne Schwierigkeit und mit ganzem Vertrauen zu mir kommen können. Die Juden wollten nicht einmal, dass Gott mit ihnen spreche. Sie fürchteten sich vor Mose, dessen Gesicht zu leuchten begann. Wie wird dann den Menschen zumute sein, wenn ich mich ihnen in meiner verherrlichten Menschheit zeigen würde?

Wenn mich die Menschen so sehen, nicht mehr bloß einem Sklaven gleich 3, sondern erniedrigt zur Gestalt eines kleinen Brotes, dann wird der Mensch die Worte, die ich ihm mit noch mehr Recht wiederhole, leichter verstehen: "Lernet von mir, denn ich bin gütig und demütig von Herzen".


c) Die Mittel

Mit welchem Mittel wird sich Jesus Christus im Hlst. Sakrament gegenwärtigsetzen?

Der Hl. Geist bewirkte in Maria das Geheimnis der Menschwerdung des Wortes. Beim ersten Mahle wird Jesus Christus selbst von seiner göttlichen Macht Gebrauch machen und zum Sakrament werden. Wenn er aber wieder in den Himmel zurückgekehrt sein wird, wie wird er sich dann auf Erden gegenwärtigsetzen? Durch einen Vermittler. Und wer ist dieser Vermittler? Das Herz Jesu antwortet: das wird ein Mensch sein; ein Mensch, der mein Priester geworden ist.

Die göttliche Weisheit ist verwundert. Wie? Ein Mensch, ein gewöhnlicher Sterblicher soll ausersehen werden, um das Wunder der Eucharistie zu vollziehen? Er soll dazu die Vollmacht erhalten? Und der Sohn Gottes soll der Willkür dieses menschlichen Priesters ausgeliefert werden? Das verbietet die Ehre der göttlichen und königlichen Majestät Jesu Christi. Er war von der Krippe bis zum Kreuz lange genug gehorsam.

Das Herz Jesu antwortet: Ich will den Menschen so innig lieben, dass ich mich ihm ganz und für alle Zeit unterwerfe. Auf das Wort des Priesters hin werde ich in der Hostie gegenwärtig; und auf Wunsch jedes Gläubigen hin werde ich vom Tabernakel heraustreten; um sein Verlangen zu stillen, werde ich ihn auf seinem Krankenlager, im düsteren Gefängnis oder mitten in der Wüste besuchen; ja, ich bin glücklich, mich ihm zu schenken. Die Ehre der Liebe besteht in der Liebe selbst, in ihren Geschenken und Opfern. Wenn der Mensch diese meine Herablassung sieht, wird er meine Liebe verstehen.

Aber du wirst wenigstens, so fragt die göttliche Weisheit, in einer würdigen Kirche residieren? Du wirst nur Priester auswählen, die zur Feier dieses Geheimnisses der Liebe würdig sind! Das Volk Gottes besaß einst nur einen Tempel, aber einen glanzvollen, und zwar in Jerusalem, wo nur ein einziger Hohepriester seinen Dienst versah. Der königliche Tempel des Erlösers Jesu Christi wird doch wohl noch herrlicher sein und seine Priesterschaft noch heiliger!

Das Herz Jesu antwortet: meine Liebe ist vorbehalt- und bedingungslos. Ich werde meine Priesterschaft vermehren wie die Sterne am Himmel; meine Priester werden "auf der ganzen Welt Kirchen und Altäre errichten, auf dass man mir für meinen Vater ein reines Opfer darbringe". - Meine Priester werden dieses göttliche Feuer entzünden, das ich vom Himmel herabgebracht habe und das sie im heiligen Tabernakel angezündet finden. Das ganze Universum soll mit diesem Feuer der Liebe angezündet werden". -

"Aber was dann, o Herr, wenn ein schlechter Priester die Eucharistie feiern und sie als Opfer deinem himmlischen Vater darbringen wird und dich den Gläubigen als Brot des Lebens austeilen wird? Deine Liebe scheint dich zu verwirren!" 6 -

"Ja, ich werde einem Judas ebenso wie einem Heiligen, einem Feind meiner Liebe ebenso wie meinem bevorzugten Jünger gehorchen.

Ich habe meinen Henkern am Kalvarienberg gehorcht, um das Opfer für das Heil der Welt zu werden.

Ebenso werde ich dem Priester, der meinen Leib auf dem Altar darbringt, um ein Opfer der Liebe zu werden, gehorchen".

* * *

2. Aber welchen Kampf musste das Herz Jesu noch gegen sich selber ausstehen?


Im Ölgarten wird er in einen Todeskampf verfallen beim Anblick der Schmach, die ihn erwartet, beim Verlust seines Volkes und beim Abfall eines Großteils seiner Erlösten.

Beim Abendmahl will Jesus alles, was er hat und ist, allen und jedem einzeln durch ein ewiges und unwiderrufliches Geschenk hergeben. Welches werden die Früchte einer solchen Liebe sein?

Werden alle Menschen an dieses Geschenk glauben wollen? Werden alle, die daran glauben, dieses Geschenk in Dankbarkeit annehmen? Und werden alle, die ihn empfangen und verkostet haben, ihm auch treu bleiben? Leider nein! Jesus wusste dies im voraus. Die Passion wird in gewisser Hinsicht durch sein göttliches Sakrament erneuert, und zwar alle Tage durch christliche Herzen. Das Leiden Jesu wird, wie er sich bei seiner Vertrauten Margarete-Maria beklagte, durch ihm geweihte Herzen vollzogen.

Jesus sieht sich verraten durch den Abfall, verkauft durch den Eigennutz und gekreuzigt durch lasterhafte Menschen, die ihn mit schuldiggewordenen Herzen empfangen werden.

Was wird das Herz Jesu dagegen tun? Es ist nicht unsicher und zögert nicht, wohl aber ist es verwirrt. Es gibt sich trotz allem hin.

Liebt nicht eine Mutter ihr Kind mehr als sie von diesem geliebt wird?

Was macht es schon aus, wenn nicht alle Menschen ein so großes Geschenk anerkennen, ihn anbeten und ihn empfangen wollen!

Schaut die Liebe auf den Missbrauch ihres Vertrauensvorschusses oder die Rückgabe dessen, was sie ausgibt? Nein. Die Liebe befragt nur sich selbst, sie hört nicht auf bis zum Tod, der sie trifft; sie scheut sich auch nicht, selbst dem Tod die Stirne zu bieten.

 

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