Die Verwirklichung

Die Einsetzung der Eucharistie

Es gibt im Leben einige feierliche Augenblicke, wo die Liebe in ihrer ganzen Kraft und Größe aufstrahlt.

Der feierlichste Augenblick ist jener des Todes, des letzten Abschieds; denn der Mensch will durch die Liebe überleben wie durch seine Ehre.

Auch Jesus will sein Gedächtnis hinterlassen, sein Vermächtnis, sein Meisterwerk, das ihn in den Herzen der Seinen unsterblich macht und unaufhörlich seine Liebe zum Menschen wiederholen lässt. Er erfindet und schafft es. Er heiligt es als sein Testament, und sein Tod wird durch dieses Gedächtnis sein Leben und seine Ehre sein.

Was ist dieses höchste Gedächtnis der Liebe Jesu Christi? Es ist die göttliche Eucharistie.

Als der Apostel Johannes schrieb: "Da Jesus die Seinen, die in der Welt waren, liebte, liebte er sie bis zur Vollendung", zeigte er uns den Grundsatz des gesamten Lebens Jesu: die Liebe. Die Liebe bewog ihn, vom Himmel herabzusteigen und damit Freund und Bruder des Menschen, sein Erlöser am Kreuz zu werden.

Jeder Gedanken, jedes Wort und jede Tat des Erlösers war von nichts anderem beseelt als von der Liebe seines Herzens. Nun verlangt es das Wesen der Liebe, dass sie ständig wächst an Geschenken und Zuneigung. Sie lebt auch nicht nur von alltäglichen Geschenken, sondern will überdies ein königliches Fest, an dem sie triumphiert.

Dieses Fest der Liebe Jesu Christi fand im Abendmahlssaal, beim letzten Abendmahl statt; es ist die Einsetzung der Eucharistie.

Jesus hat es für das Ende seines Lebens vorbehalten als unüberbietbares und zeitloses Geschenk seiner Liebe.

Von daher kommt der Ausdruck "Sakrament der Liebe". Ja, die Eucharistie ist das erhabenste Sakrament der Liebe Jesu Christi zur erlösten Menschheit.

Betrachten wir die Liebe Jesu Christi, wie sie das Hlst. Sakrament des Altars vorbereitet, einsetzt und fortsetzt.

* * *

1. Vorbereitung

Nachdem Jesus in feierlicher Weise die Eucharistie angekündigt und selbst alle Einzelheiten ihrer Einsetzung festgelegt hatte, wartete er nur mehr auf den Zeitpunkt, sie durchzuführen.

Wie glücklich muss er das Morgengrauen dieses Tages begrüßt haben! Sein Herz hat wohl die Stunden und Minuten gezählt.

Ein junger Bräutigam erwartet nicht sehnsüchtiger die Stunde seiner Hochzeit. Durch die Eucharistie konnte Jesus Christus die denkbar innigste Vereinigung mit den Seelen hier auf Erden verwirklichen.

Ein König strebt danach, von seinem Königreich Besitz zu ergreifen. Die Eucharistie ist das Königtum Jesu Christi über den Menschen, sie bedeutet den Himmel seiner Liebe im Herzen der Menschen.

So kann man auch seine Worte gut verstehen: "Mit großem Verlangen habe ich mich danach gesehnt, dieses Paschamahl mit euch zu essen".

Wer war der Besitzer, dessen Haus zur Feier des neuen Pascha diente? Wer hatte den Abendmahlssaal erbaut, aus dem Jesus die erste Kirche machen wird? Wir wissen es nicht.

Das Evangelium berichtet nur, dass Jesus "einen großen und mit Polstern ausgestatteten Saal ausgesucht hat". Sonderbar! Jesus wollte sich immer in Häusern der Armen aufhalten. Hier aber herrscht beinahe ein Luxus. Für die Eucharistie ist nichts zu schön. Es braucht einen königlichen Kult zur Verehrung der königlichen Liebe Jesu Christi. Er will uns damit zeigen, dass die zukünftigen Abendmahlssäle nach dem Vorbild des ersten gestaltet werden sollen.

Nach Vollendung und Aufhebung des gesetzlichen Paschamahles steht Jesus auf, bindet sich ein Leinentuch um, nimmt nach Dienerart eine Schüssel, füllt sie mit Wasser, kniet sich vor jedem seiner Apostel hin und wäscht ihnen die Füße; er erklärt auch den geistigen Sinn dieser Geste: "Wer gebadet hat, braucht sich nur noch die Füße waschen, um ganz rein zu sein".

Unsere Vorbereitung auf die Eucharistie muss sich an jene von Jesus halten. Sie soll mit Sehnsucht, Demut und Reinheit geschehen. Wir sollen zur Kommunion gehen, wie Jesus sich in den Abendmahlssaal begeben hat, in Sammlung und Liebe.

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2. Einsetzung

Nach orientalischem Brauch lagen Jesus und seine Apostel zum Teil auf Sofas, die rund um den Tisch aufgestellt waren. Das ist eine würdige Ruhestellung und entspricht dem Festmahl der Eucharistie, dem Hochzeitsmahl des Sohnes Gottes mit der Menschheit; zum Unterschied vom Essen des Paschamahles, das stehend, in voller Eile, die Lenden umgürtet, Sandalen an den Füßen und mit dem Reisestab in der Hand, geschehen musste.

Hier ißt man in Ruhe, denn es ist nicht mehr der Vorübergang des Herrn, der gefeiert wird, sondern es wird seine bleibende Wohnung eingeweiht, die Besitzergreifung seines Königtums; das muss in Frieden geschehen.

Und Jesus nimmt Brot, um es zu verwandeln; dieses Weizenbrot ohne Sauerteig, das mit soviel Feierlichkeit angekündigt worden war und zum größten Wunder des Erlösers dienen wird, wird also die Materie des Sakramentes der Eucharistie bleiben. O Wunder!

Um den Leib des menschgewordenen Wortes zu bilden, nimmt der Hl. Geist die Substanz des jungfräulichen Fleisches Mariens. Zur Einsetzung der Eucharistie wandelt Jesus Christus die Substanz von Brot und Wein in seine eigene Substanz!

Der Weizen ist die reinste und unverweslichste Frucht der Erde. Er ist das königliche Nahrungsmittel. Jakob sagt: "Köstlich ist das Brot von Ascher, es liefert Königsbrot" 5. Jesus Christus ist der Weizen der Christen.

Um unser lebendiges Brot zu werden, ist dieser Weizen vom Himmel gekommen und auf der Erde unter der schönen Sonne der Gnade gereift; dann wurde er zermalmt und zermahlen unter den Qualen der Passion und in die Erde versenkt; dadurch gewann er wieder das Leben im Grabe, aus dem er glorreich erstand.

Seht, das ist die Eucharistie. Die Eucharistie im Abendmahlssaal war die Hinopferung der Liebe. Unsere Eucharistie ist die Frucht seines Todes und seiner Auferstehung.

Nun soll der Christ seinerseits zum Weizen Jesu Christi werden, wie sich der hl. Ignatius von Antiochien so wunderbar ausgedrückt hat. Durch die Eucharistie lebt er nicht nur durch ihn, sondern für ihn, und er arbeitet mit für sein Leben in den Seelen.

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3. Zeitlosigkeit

Die Eucharistie ist ein immerwährendes Geschenk, das Jesus Christus der Welt gemacht hat; seine Liebe selbst erbittet dies, seine Ehre erfordert es.

a) Die Liebe hat zwei Feinde: die Abwesenheit und den Tod; sie ist vergleichbar mit einer Flamme ohne Herd. Nichts widersteht dieser Probe. Das wusste Unser Herr. Auch sein Gedächtnis ist das Zeichen und die bezeichnete Wirklichkeit; es ist er selbst, zwar ohne Zweifel verschleiert, aber trotzdem voll des Lebens, der Gnade und Liebe, so wie er im Himmel ist. Oh! Wie spürt das Herz des Christen mit lebendigem Glauben die Gegenwart seines Gottes beim Anblick der anbetungswürdigen Hostie! Wer keinen oder nur einen schwachen Glauben hat, bleibt empfindungslos. Ein Toter spürt das Feuer nicht.

Die Liebe will auch die Gleichheit. Soll Jesus Christus nicht allen Menschen das geben, was er einigen gegeben hat?

Die Eucharistie ist sein Testament. Sein Herz soll keines seiner Kinder, die alle durch das Kreuz zum Leben erstanden sind, enterben.

Hat er nicht mit beschwörenden Worten gesagt: "Wenn ihr mein Fleisch nicht esst und mein Blut nicht trinkt, werdet ihr das Leben nicht in euch haben". Er muss uns also dieses Brot des Lebens geben, damit es den Keim der herrlichen Auferstehung in uns lege.

 

b) Auch seine Herrlichkeit fordert, dass dies so ist. Ein König verweilt in Person bei seinen Untertanen, ein Vater inmitten seiner Kinder. Wenn Satan das Kommando über die Armeen des Bösen in die Hand nimmt, muss dann nicht Jesus Christus der Anführer der Armeen des Guten auf der Erde sein?

Ja, die Eucharistie ist seine Residenz des Kampfes. Sie bildet das Waffenlager der Christen, von wo sie die Waffen erhalten, die übernatürlichen Kräfte, um den Fürsten dieser Welt zu verjagen und den Triumph des göttlichen Friedens zu sichern.

  

 

Die reale Gegenwart

Jesus Christus wurde der Welt durch ein doppeltes Zeugnis kundgetan: das eine, äußerliche, stammt von Johannes dem Täufer; das andere, persönliche, kommt von seinen eigenen Werken.

In der Eucharistie zeigt sich Jesus Christus der Welt auf die gleiche Weise: durch das Zeugnis der Kirche und durch sein eigenes. Das erstere ist die Grundlage des Glaubens, das zweite die Grundlage der Liebe.

 

Das Zeugnis der Kirche

Der Auftrag des Johannes bestand im Ankündigen und Hinweisen auf den Messias unter den Juden; er sagte ihnen: bereitet dem Herrn den Weg; es gibt unter euch einen, den ihr nicht kennt. Seht das Lamm Gottes. Nachdem er seine Sendung vollbracht hatte, ging der Stern des Vorläufers unter, und die Sonne ging auf.

Der Auftrag der Kirche ist jener des Johannes des Täufers: Jesus Christus kundtun und auf ihn hinzeigen, aber noch mehr, nämlich ihn zu schenken.

Diese Sendung ist ausgedehnter: sie erfasst die ganze Welt. Diese Sendung ist dauerhafter: sie erstreckt sich bis zum Ende der Jahrhunderte, weil Jesus Christus verschleiert bleibt bis zum Tag seiner Herrlichkeit beim letzten Gericht.

Diese Sendung ist herrlicher: sie verhilft der Liebe Jesu Christi zum Triumph.

Was die Eucharistie betrifft, so zeigt die Kirche Unseren Herrn im Hlst. Sakrament durch ihr Wort und ihren Glauben.

1. Die Kirche ist hier mit dem Evangelium, dem göttlichen Wort Jesu Christi, in der Hand. Sie erklärt uns mit gleicher Autorität wie Jesus Christus den Sinn der Einsetzungsworte: Das ist mein Leib, das ist mein Blut; tut dies zu meinem Gedächtnis!

Die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche lehrt uns: dass durch die göttliche Kraft dieser sakramentalen Worte, in ihrem natürlichen und wörtlichen Sinn genommen, Jesus Christus wahrhaft, wirklich und wesenhaft im Hlst. Sakrament des Altars unter den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig ist.

Ferner, dass Jesus Christus kraft seiner Macht das Wesen von Brot und Wein in das Wesen seines Leibes und seines Blutes gewandelt hat und dass mit diesem unzertrennlich seine Seele und seine Gottheit verbunden sind.

Dass das Wunder der Wesensverwandlung - das Wunder aller Wunder1 - durch das katholische Priestertum ständig fortgeführt wird, weil es mit denselben Vollmachten ausgestattet ist wie Jesus Christus kraft dieser Worte: Tut dies zu meinem Gedächtnis!

Und seit dem ersten Abendmahl bis heute erhebt die hl. Kirche unablässig diese Stimme in die weite Welt: Unter euch steht einer, den ihr nicht kennt! Bereitet euch auf die Begegnung des Herrn vor, hier lebt das Lamm Gottes.

Die Apostel sprachen alle diese Sprache, die Kirchenlehrer vertraten die nämliche Lehre; seine Kinder besitzen denselben Glauben und dieselbe Liebe zum verborgenen Gott, zum Gott der Eucharistie.

Wie majestätisch ist doch diese Stimme des christlichen Volkes rund um den Tabernakel! Wie schön und rührend ist die Harmonie seiner Lobpreisungen und seiner Liebe!

Jeder will eine Opfergabe, ein Liebesgeschenk zu Füßen dieses göttlichen Königs herbeibringen: die einen bringen Gold, die anderen Myrrhe, alle aber Weihrauch. Jeder möchte im Hofstaat des eucharistischen Königs seinen Platz einnehmen. Selbst die Feinde der Kirche - die Schismatiker mit Ausnahme gewisser Sekten - glauben, veröffentlichen und beten die Gegenwart Jesu Christi in der Eucharistie an. Man muss wohl sehr blind sein, um die Sonne zu verneinen; sehr gottlos, um die Göttlichkeit Christi zu verwerfen; und sehr undankbar, um seine Liebe, die sich im Sakrament mitten unter den Menschen fortsetzt, zu verachten.

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2. Die Kirche zeigt Jesus Christus im Hl. Sakrament nicht nur durch ihr Wort auf, sondern auch durch ihren praktischen Glauben.

Johannes, der Täufer, erkannte den Messias nicht früher, als er sich in Gegenwart des Volkes zu seinen Füßen warf; er weigert sich zuerst, ihn zu taufen, und hält sich für unwürdig, ihm die Schuhriemen zu lösen.

So gibt sich auch die Kirche nicht zufrieden, Jesus Christus zu predigen, sondern zeigt ihn und leistet ihm einen Kult der Anbetung.

a) Die Kirche betet den verborgenen Jesus Christus in der hl. Hostie an; sie huldigt ihm mit göttlichen Ehren, sie beugt das Knie, sie wirft sich vor dem Hlst. Sakrament nieder, wie es der himmlische Hofstaat vor dem Thron des Lammes tut.

Ob es sich um den Augenblick der Wandlung des Hlst. Sakramentes, um die Wegzehrung oder die im Tabernakel aufbewahrte hl. Hostie handelt, alle fallen instinktiv auf die Knie: der Hl. Vater und alle Priester, die Könige und ihre ganze Dienerschaft, alle katholischen Gläubigen auf der Welt. Er ist ihr König, ihr Gott, der erscheint oder vorübergeht. Ein unwiderstehlicher Beweis ist es, wenn man einen Heiligen vor dem Hlst. Sakrament sieht: man betet mit ihm an2 .

 

b) Die Kirche verehrt Jesus in der Hostie durch einen ihres Glaubens würdigen Kult. Die herrlichen Gotteshäuser sind ein Zeugnis dafür, ein Bedürfnis ihres Glaubens an das Hlst. Sakrament. Sie wollte keine Gräber bauen, sondern Gotteshäuser, einen Himmel auf Erden, einen Thron, wo ihr Erlöser seinen Ehrenplatz hat. Darin findet alles auf dem Altar seine Mitte, wie die Strahlen in ihrem Zentrum, die Diener in ihrem König.

Die Kirche überlässt niemand das Recht, den Kult ihres göttlichen Bräutigams zu bestimmen. Sie selbst regelt, ordnet und gebietet, geleitet von der Erhabenheit ihres Glaubens und durchdrungen von seiner Liebe kraft ihrer vollen Autorität, den Kult der Eucharistie bis in die kleinsten Einzelheiten; wenn es um Jesus Christus geht, ist alles groß, alles heilig und göttlich. Sie wünscht, dass alles, was an den Dingen am reinsten, in der Welt am kostbarsten, in der Gesellschaft am herrlichsten ist, dem königlichen Dienst für Jesus Christus dienen soll.

In ihrem Kult bezieht sich alles auf das Geheimnis der Liebe Jesu Christi, alles hat einen geistigen und himmlischen Sinn, alles hat eine Tugend und umschließt eine Gnade.

Wie erhebend ist doch die Einsamkeit und Stille unserer Gotteshäuser, wie sammeln sie die Seele! Wie lässt uns eine fromme Gruppe von Gläubigen, die sich vor der anbetungswürdigen Hostie niedergeworfen haben, ausrufen: Hier ist mehr als Salomo, mehr als ein Engel! Es ist Jesus Christus, vor dem jedes Knie sich beugt: im Himmel, auf Erden und unter der Erde; ihm gebührt alle Liebe und Verherrlichung.

In der Gegenwart Jesu Christi im Hlst. Sakrament verblasst jede Größe wie die Sterne vor der Sonne, jede Heiligkeit demütigt sich und vergeht, so wie im Himmel sich alles verbeugt und singt, um die Majestät Gottes zu preisen, um den Triumph des geopferten Lammes zu feiern.

  

 

Die wirkliche Gegenwart
Das Zeugnis Jesu Christi

 

Die Kirche sagt uns: Jesus Christus ist in der hl. Hostie wesenhaft gegenwärtig.

Aber darüber hinaus zeigt sich Jesus in zwei Formen: einmal innerlich, sodann öffentlich.

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1. Die innerliche Kundgebung ereignet sich im Kommunizierenden, in dem Jesus Christus ein dreifaches Wunder bewirkt.

a) Wunder der Erneuerung.

Jesus Christus gibt dem gut vorbereiteten Kommunikanten einen sicheren Halt gegen seine Leidenschaften. Jesus selbst hat nämlich gesagt: "Habt Vertrauen, ich habe die Welt besiegt". Er gebot dem Sturm: "Schweig, besänftige dich!"; er gebietet dem Stolzen, dem Geizigen, dem Egoisten und dem Sklaven der Sinne: lege deine Fesseln ab und sei befreit!

Das hl. Konzil von Trient lehrt, dass die Eucharistie ein Gegengift für die Todsünden ist und von täglichen Fehlern befreit.

Der hl. Johannes Chrysostomus versichert, dass sich der Christ vom Tisch des Herrn, vom Teufel gefürchtet, durch die Glut des göttlichen Feuers der Liebe, die ihn erfasst, erhebt.

Der Kommunikant spürt in seinem Innersten, stärker geworden zu sein. Mit dem hl. Paulus kann er wiederholen: "In allen Versuchungen sind wir Sieger durch Den, der uns geliebt hat" 6. Wenn Jesus Christus nicht in der Hostie gegenwärtig wäre, würden sich nicht so große Wunder der Erneuerung in so kurzer Zeit ereignen. Die menschliche Natur ist schwieriger zu erneuern als zu formen. Es kostet dem Menschen mehr, sich zu korrigieren und zu besiegen als eine heldenhafte Tat auszuführen. Die Gewohnheit ist eine zweite Natur.

Gewöhnlich gibt nur die Eucharistie dem Menschen diese allmächtige Gnade, diesen so großen Sieg.

Das trifft auf den hl. Paulus zu, wenn er sagt: "Gott sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat durch Jesus Christus, unseren Herrn".

 

b) Das Wunder der Wesensverwandlung.

Es gibt nur eine Kraft, nur eine göttliche Gnade, die befähigt, den Menschen zu heiligen, sein natürliches Leben zu verwandeln in ein übernatürliches Leben. Es ist der Triumph der Eucharistie; es ist die christliche Erziehung des Menschen durch Jesus Christus selbst. Erziehung des Geistes durch die Wahrheit. In der Taufe empfängt der Mensch im Keim die Tugend des Glaubens. Hier empfängt er dessen Entfaltung: er glaubt und verkostet die geoffenbarte Wahrheit.

In den anderen Sakramenten empfängt er besondere Gnaden. Das sind Strahlen. Hier erfreut er sich der Sonne, des Gesetzgebers selber.

Erziehung des Willens durch die Kraft Jesu Christi. Wie viel Texte, voll von heiliger Begeisterung, gibt es, in denen die Väter und Kirchenlehrer die Kraft lobpreisen, welche von der Eucharistie ausgeht, um die Schwächen der Seele, insbesondere des Willens zu heilen!

Der hl. Zyprian schreibt: "Dieses zutiefst wesenhafte Brot ist das Leben und die Gesundheit der Seele... Jesus Christus hat uns diesen Trank gegeben, damit die Kraft dieses Heilmittels uns ganz durchdringe, damit sie alles vertreibe, was sich dem Guten widersetzt und alles Verdorbene in unserem alten Leben des Leibes erneuere".

Der hl. Chrysostomus beteuert: "Dieser Tisch ist die Kraft unserer Seele, die Stärke unserer Gedanken und die Stütze unseres Vertrauens; er ist unsere Brüstung, unsere Hoffnung, unser Heil, unser Licht, unser Leben".

Der hl. Bernhard sagt: "Wenn jemand weniger häufig und mit weniger Heftigkeit wenige Regungen des Zornes, Neides, der Ausschweifung und anderer Leidenschaften erfährt, so danke er dafür dem Leib und Blut Jesu Christi, denn es ist die Kraft dieses Sakramentes, die in ihm wirkt; er freue sich festzustellen, dass seine bösartigen Wunden auf dem Weg der Heilung sind".

Bildung des Herzens. - Die Eucharistie reinigt, veredelt und erhebt die Liebe zu ihrer höchsten Vollendung. Sie lehrt zu lieben wie eine Mutter ihr Kind. Die göttliche Liebe ist ausgegossen in unseren Herzen. Liebe bedeutet reine, selbstlose und ergebene Hingabe seiner selbst. Die Liebe ist der süße Austausch des Lebens: "Mein Leben ist Christus, der in mir lebt“, sagt der hl. Paulus; und Jesus bekräftigt schon vor ihm: "Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm".

Bildung des Leibes. Jesus Christus vermittelt ihm die Gnade und Schönheit seines inneren Lebens. Er ist wie ein Kristall, der der Sonne ausgesetzt ist; auf dem Gesicht des Kommunikanten spiegelt sich die Göttlichkeit. So war es auch bei Mose auf dem Sinai. Aus den Worten des Kommunikanten hört man die Milde des Herrn heraus. In allen seinen Sinnen liegt etwas Heiliges: ein "guter Geruch Jesu Christi".

 

c) Wunder der Opferung. Darin liegt der schönste Triumph Jesu Christi in der Eucharistie; der Mensch, dem ein Unglück zustößt, etwa der Verlust von Gütern, der verleumdeten Ehre oder eines Familienangehörigen, wird dank der Eucharistie stärker als das Unglück. Der Christ bleibt trotz fortwährender Anfechtungen ruhig, fest und friedlich durch die Eucharistie.

Dieser Christ steht wie auf einem Schlachtfeld, wo seine Kraft unablässig angegriffen wird, aber immer triumphiert; er wird stets verfolgt, bleibt aber dennoch treu.

Er ist der Bekenner des Glaubens inmitten der Stürme, mächtiger als die ganze Grausamkeit der Tyrannen, größer als alle Versprechen, stärker als der Tod.

Es ist die christliche Jungfrau, die mitten in allen Verführungen und häuslichen Auseinandersetzungen rein bleibt.

Das alles ist der Triumph der Eucharistie, das innere, augenscheinliche Zeugnis der Gegenwart Jesu Christi im Hlst. Sakrament.

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2. Die öffentliche Kundgebung zeigt sich in drei Arten.

a) Kundgebung der Gerechtigkeit: 

Gar oft hat man Sünder und Schänder der Eucharistie gesehen, wie sie sofort nach dem Verbrechen bestraft worden sind.

Kaum hatte Judas die hl. Kommunion empfangen, fuhr der Satan in ihn hinein14; zuvor wurde er nur versucht; als er aber unwürdig kommuniziert hatte, ergreift Satan Besitz von ihm. Er machte seinem Verbrechen durch Erhängen ein Ende, und sein Leib spaltete sich und ließ die Eingeweide heraustreten.

Der hl. Paulus warf den Korinthern vor, dass sie unwürdig kommunizierten; er schreibt: "Deswegen sind unter euch viele schwach und krank und nicht wenige sind schon frühzeitig gestorben".

Wenn die Eucharistie nur ein Bild, eine Gegenwart durch den Glauben wäre, würde sich dann eine solche Bestrafung erklären? Würde sich Jesus, der so gut ist, beim Missbrauch eines Symbols so streng zeigen?

Der hl. Zyprian zitiert unter ähnlichen Fällen eine Frau, die Götzenopferfleisch gegessen hatte und noch die Kühnheit besaß, zum Tisch des Herrn zu gehen. Kaum hatte sie die hl. Kommunion empfangen, wird sie von einem Dämon besessen, gerät in Wut, beißt sich in die Zunge, will sich das Leben nehmen und stirbt plötzlich in Wut und Verzweiflung.

 

b) Kundgebung der Macht. 

1. Über die Dämonen. Vor allem während der Exorzismen zeigt sich die Macht Jesu Christi. Beim Anblick der hl. Hostie erzittert der Teufel und stößt Wutschreie aus.

In Mailand lässt der hl. Ambrosius eine Frau in die Kirche bringen, die seit langen Jahren vom Teufel besessen war und nirgends eine Hilfe fand. Der Heilige schreitet zum Altar und feiert das hl. Messopfer. Nachdem er das Vaterunser beendet hatte, nimmt er den Kelch und die hl. Hostie auf der Patene, steigt vom Altar herunter, erhebt das Hlst. Sakrament über den Kopf der Besessenen und sagt zum Dämon: "Böser Geist, sieh da deinen Richter, sieh da den Allmächtigen. Widerstehe jetzt, wenn du es vermagst, demjenigen, der zu unserem Heil sterben musste und die Worte sprach: die Zeit ist gekommen, wo der Fürst dieser Welt von seinem Königreich vertrieben wird. Sieh hier den hl. Leib, der im Schoß einer Jungfrau Gestalt annahm und ans Kreuz gespannt wurde; der ins Grab gelegt wurde, aber von den Toten erstanden ist und vor den Augen seiner Jünger in den Himmel auffuhr. Durch die gewaltige Kraft dieser anbetungswürdigen Majestät befehle ich dir, höllischer Geist, den Leib der Dienerin Gottes zu verlassen und nie mehr in ihn zurückzukehren." Und der Teufel schüttelte voll Wut und Grausamkeit sein Opfer und fuhr dann aus ihm heraus; seitdem ließ er die Frau zufrieden und glücklich17.

 

2. Über die Krankheiten. Wie viele Kranke wurden durch die Eucharistie geheilt! Immer ist es Jesus, der die Blinden, Aussätzigen, Lahmen heilt und Tote zum Leben erweckt. Die Eucharistie ist das Heilbad, das alle möglichen Leiden heilt; hier handelt aber nicht ein Engel, sondern Jesus Christus18.

Der hl. Gregor von Nazianz erzählt die Heilung seiner Schwester wie folgt: "Meine Schwester war von einer tödlichen Krankheit befallen. Die heilkundigen Fachleute waren hoffnungslos. So steht diese liebe Schwester mitten in der Nacht auf, begibt sich in die Kirche und wirft sich nieder vor dem Tabernakel, wo Jesus Christus aus Liebe zu uns ruht; und sie zeigt ihm seine Güte, Wohltaten und Wunder seiner Liebe. 'Einstmals', so sprach sie, 'berührte eine von grausamer Krankheit geplagte Frau den Saum deines Kleides und wurde im gleichen Augenblick geheilt. Und jetzt, Herr Jesus, soll dein Arm machtloser sein? Jetzt soll dein ganzer Leib weniger vermögen als der Saum deines Kleides? Du, der dich von der Stimme der armen Kananäerin erweichen ließest, Herr Jesus, willst du jetzt mein Gebet nicht erhören? Lässt dich deine Güte und so mitfühlende Sanftmut nicht mehr bewegen, den Leidenden zu helfen? Ist denn die Unendlichkeit deiner Macht, deines Willens und deiner Liebe eingeschränkt worden? Siehe, ich liege demütig auf den Knien vor deiner unerschöpflichen Barmherzigkeit! In der Gegenwart dieses Tabernakels, wo du im Übermaß deiner Liebe zu den Menschenkindern deine Wohnung aufgeschlagen hast, hier gelobe ich, mich nicht eher zu erheben, bevor du mich geheilt hast' ". Nach Vollendung dieses Gebetes, von dem man nicht weiß, ob man mehr seinen lebendigen Glauben oder seine Liebe bestaunen soll, erhob sich Gorgonia; ihr Gebet war erhört worden, sie war gesundet.

 

3. In den Prüfungen. Zahlreich sind die von der Hl. Eucharistie gewirkten Wunder, um Katastrophen zu vermeiden, Unglücksfällen vorzubeugen und Seuchen aufzuhalten.

Der Bruder des hl. Ambrosius befand sich auf einem vom Untergang bedrohten Schiff, konnte aber nicht wie die anderen Passagiere kommunizieren, weil er erst Taufschüler war. Es gelang ihm, die Hl. Eucharistie an seinen Hals zu hängen, und er warf sich so ins Meer im Vertrauen, gerettet zu werden. Und er wurde tatsächlich gerettet. Gegen alle Erwartung erreichte er als erster das Ufer und aus Dankbarkeit zögerte er nicht länger, sich taufen zu lassen.

Der hl. Gregor der Große berichtet über den Fall eines Gefangenen, der es erlebte, wie seine Ketten entzweibrachen, und zwar in jenem Augenblick, als seine Frau, die ihn schon für tot hielt, für ihn eine hl. Messe feiern ließ.

Als die hl. Klara sah, dass ihr Kloster in Assisi in höchster Gefahr stand, von den Sarazenen gestürmt zu werden, ließ sie den Speisekelch mit den hl. Hostien zu sich an den Eingang des Klosters bringen und flehte im Kreise ihrer Mitschwestern Unseren Herrn um seinen Schutz an. Dann nahm sie selbst das hl. Ziborium in die Hand und schritt damit zur Bresche vor, welche die Feinde soeben in die Mauer geschlagen hatten. Im gleichen Augenblick wurden die Barbaren von einem himmlischen Licht geblendet und ergriffen panikartig die Flucht. 

 

c) Kundgebung der Liebe. 

Von Zeit zu Zeit erneuert Jesus sozusagen das Wunder seiner Verklärung. Er zeigt sich in verschiedenen Formen, welche Symbole der Gnade sind: einmal in der Gestalt von Licht, das wie die Sonne strahlt; dann wieder in Form eines seiner Geheimnisse: als Kleinkind oder als Gekreuzigter; ein anderesmal wieder unter einem Bild der Liebe; am häufigsten durch "die Gnade der erneuerten Pfingsten in der Hl. Eucharistie".

* * *

Diese Erscheinungen, die nicht notwendig sind, da wir ja Jesu Christi Wort selbst besitzen, bezeugen auf ihre Weise die Wahrheit und Wirksamkeit dieses Wortes. Sie ergänzen und vollenden das öffentliche Zeugnis, das Jesus Christus selbst für seine wirkliche Gegenwart im Hlst. Sakrament ablegt.

  

 

Das ist mein Leib 

Diese vier Worte Jesu Christi genügen zur Anspornung unseres Glaubens und unserer Frömmigkeit zur anbetungswürdigen Eucharistie. Sie sagen uns, dass Jesus Christus wahrhaft, wirklich und wesenhaft im Hlst. Sakrament des Altars gegenwärtig ist.

Diese Worte sind so klar und verständlich durch sich selbst, dass weder der Schleier der Gestalten noch die Tiefgründigkeit der Philosophen und auch nicht die Boshaftigkeit der Häretiker deren eigentlichen Sinn verdrehen könnten.

Diese Worte sind so geeignet, uns die unendliche Vollkommenheit Gottes erkennen zu lassen, dass "er nichts Großartigeres tun konnte, mag er auch allmächtig und allweise sein, uns kein kostbareres Geschenk geben konnte, mag er auch noch so reich sein" 24, als dass er sich selbst uns in der Eucharistie schenkte mit den bedingungslosen Worten: "Das ist mein Leib, das ist mein Blut."

Diese gebieterischen Worte sind so wirksam, dass sie das verwirklichen, was sie bezeichnen zum Unterschied von den Worten der Menschen, die stets eine prinzipielle Schwäche darstellen und nichts erzeugen oder mit ihrem Klang aufhören.

Diese vier göttlichen Worte bekräftigen also den Glauben, den Respekt der Anbetung und Liebe, die wir Jesus Christus in der hl. Hostie schulden.

 

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Mit welchem Respekt behandelten doch die Juden ihren Tempel in Jerusalem!

Mit welch heiligem Erschaudern näherten sich doch die Leviten und Priester der Bundeslade! Und als eine wunderbare Wolke den Tempel Salomos erfüllte, warf sich dieser große König auf die Knie, mit dem Kopf zu Boden, und mit ihm das ganze Volk.

Nun sind unsere Kirchen noch viel größerer Ehrfurcht würdig; wohnt doch Gott in Person darin; Jesus Christus residiert darin wie ein König in seinem Palast, der Tabernakel ist sein Heiligtum, der hl. Speisekelch ist der Schrein der Hostien, wo er wirklich lebt. Jesus Christus wollte sich zwar in allen Geheimnissen verschleiern und verbergen. Aber der Glaube entdeckt ihn trotzdem immer und tut ihn kund. Der hl. Bernhard sagt: „Seht, welch durchdringenden Blick der Glaube besitzt, welche Falkenaugen er hat!"

Jesus Christus schließt sich im Schoße einer Frau ein! Der Glaube entdeckt ihn und legt davon in der Person des Johannes des Täufers Zeugnis ab am Tag des Besuches Marias bei Elisabeth. - Ist er nicht in einem Stall geboren? Der Glaube, der durch einen leuchtenden Stern darauf hinwies, sucht und betet ihn an durch die Weisen aus dem Morgenland. Er mischt sich unter die Sünder im Wasser des Jordan? Der Glaube macht ihn kund durch den Mund des hl. Johannes des Täufers, und offenbart ihn der Welt als den Heiligen der Heiligen, als das Lamm Gottes. - Als selbst sein Vater ihn zu verkennen schien, bezeugt ihn der Glaube - mag er am Kreuz auch noch so gedemütigt sein, so überschüttet von Verwünschungen und von Schmerzen gepeinigt - durch den Mund eines zum Tod verurteilten Diebes, der seine Unschuld und seine königliche Würde beteuert.

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Der Glaube glänzt und triumphiert aber vor allem im Geheimnis der Eucharistie. Ohne Zweifel ist Jesus Christus darin mehr verborgen als in allen anderen Geheimnissen. Auf sich allein gestellt, verliert sich der Glaube und wird verwirrt; die Sinne entdecken darin von Jesus Christus nichts; oder besser: sie erreichen ihn durch den vollkommensten und treuesten Sinn: das Gehör, welches seine göttlichen Worte vernimmt: das ist mein Leib, das ist mein Blut. Das Nachforschen der Augen und Hände ist nutzlos. Die Augen würden uns vielleicht gar nicht überzeugen und sie würden die strahlende Herrlichkeit Unseres Herrn auch gar nicht ertragen. Häretiker haben erklärt, Jesus Christus habe bei der Menschwerdung lediglich einen Scheinleib angenommen. Wenn man nun von Jesus Christus in seinem sterblichen Leben so etwas behaupten konnte, wie sollte man dann nicht auch für die Eucharistie dasselbe glauben, falls er darin sichtbar wäre? Tatsächlich nennen die Protestanten die Eucharistie ein Bild oder ein Symbol von Jesus Christus.

Aber der auf das Gehör sich stützende Glaube täuscht sich nicht. Jesus Christus hat gesagt: Das ist mein Leib. Die Stimme der Apostel wiederholt diese Worte, ebenso die Kirchenlehrer, die Märtyrer und Bekenner verkünden überall diese Wahrheit. Die Kirche, die heilige Kirche, die unfehlbare Kirche, fasst diese Worte als sein Erbe auf und bildet daraus ihr Gesetz, ihr Dogma, ihren Kult, ihre Ehre und ihre Liebe. Mit ihrer Stimme, die ebenso mächtig ist wie ihre Autorität, stark wie jene auf dem Sinai und zeitlos wie ihr Priestertum, verkündet sie: Ausgeschlossen sei, wer immer sich weigert zu glauben an die wirkliche, wahrhafte und wesenhafte Gegenwart Jesu Christi in der Eucharistie.

Der Gläubige könnte nicht zweifeln. In Unterwerfung und Dankbarkeit bekennen Verstand und Sinne zusammen: "Wahrlich, der Herr ist an diesem Ort".

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Nach alldem brauchen wir Judäa nicht zu beneiden. Er ist nicht mehr der Gott einer Region, sondern der Gott aller Länder und Völker. Es ist nicht mehr Jesus Christus, der durch die Ortschaften Judäas wandelt, sondern er selbst wohnt unter uns bis zum Ende der Zeiten. So hat Jesus Christus, ohne Judäa und nicht einmal den Himmel zu verlassen, seitdem er in Herrlichkeit dorthin aufgefahren ist, dieses große Wunder seiner grenzenlosen Liebe gestiftet, überall dort gegenwärtig zu sein, wo ein gültig geweihter Priester zelebriert.

O Geheimnis aller Geheimnisse! Gott, der reiner Geist ist, ist überall gegenwärtig; und an allen Orten ist er derselbe und trotzdem nirgends sichtbar. Jesus Christus, Gott und Mensch, ist in gleicher Weise in allen konsekrierten Hostien zugegen, und nirgends kann er in der Eucharistie so gesehen werden, wie er wirklich ist.

Der hl. Paulus lehrt, dass seit der Schöpfung die unsichtbaren Vollkommenheiten Gottes und seine ewige Macht dem Verstand mittels seiner Werke sichtbar gemacht worden sind". Denn die Geschöpfe sind die Spuren und Bilder Gottes, der sich nicht von ihnen entfernt hat, sondern in ihnen lebt und wirkt.

In der Eucharistie ist jedoch der unsichtbare Jesus Christus irgendwie sichtbar durch die sakramentalen Gestalten, die ein Zeichen seiner wirklichen Gegenwart sind, und uns andeuten, wo er lebt und wirkt.

Salomo rief mit Bewunderung aus: "Wohnt denn Gott wirklich auf der Erde? Siehe, selbst der Himmel und die Himmel der Himmel fassen dich nicht, wie viel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe! Halte indessen, o Gott, deine Augen offen über diesem Haus bei Tag und bei Nacht, über die Stätte, von der du gesagt hast: Hier wohnt mein Name".

Was würde dieser weiseste König zur Wirklichkeit sagen im Vergleich zu den Schatten und Bildern, die er feierte?

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Ach, Jesus Christus, mein Heiland, ist es möglich, dass deine übergroße Liebe zu den Menschen den Anlass ihrer Ungläubigkeit, ihrer Gleichgültigkeit und ihrer Sakrilegien bietet? So ist es. Der Ungläubige erklärt: Es ist unmöglich, dass ein Gott den Menschen so geliebt hat, dass er sich herablässt, sein Gast, seine Nahrung und sein ewiges Opfer zu werden. Der Häretiker meint: Wäre Jesus Christus wirklich in der Eucharistie gegenwärtig, dann müssten doch die Katholiken, die sich zu dieser Wahrheit bekennen, mehr seine Person respektieren; würden sie ihn dann einsam und verlassen dastehen lassen?

O Gott! Ist es möglich, dass wir die Ursache des Unglaubens jener geworden sind, die außerhalb des wahren Glaubens stehen? Seien wir uns doch unserer Verantwortung bewusst und umgeben wir die Eucharistie stets mit dem Kult des gelebten Glaubens, der Ehrfurcht und der Liebe!

  

 

 

Die Eucharistie hat sich den Menschen kundgetan 

Ein schöner Tag ist jener, an welchem der Mensch Jesus Christus, seinen Heiland und Meister, kennenlernt.

Noch schöner ist jener Tag, an welchem der Christ Gott in der Eucharistie kennenlernt, ihn anbetet und empfängt.

Diese Offenbarung war der Gegenstand einer langen Vorbereitung; sie bestärkt das biblische Wort. Sie findet ihre Vollendung in der gegenseitigen Liebe zwischen Jesus Christus und der treuen Seele.

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1. Vorbereitung

Gott, der Vater, hat während 4000 Jahren den Menschen auf das Kommen Jesu Christi vorbereitet. Wäre dieser sofort nach dem Sündenfall Adams Mensch geworden, hätte der Mensch die Güte und Liebe Gottes, der zu seiner Erlösung gekommen ist, nicht geschätzt.

Zum Geschenk der Eucharistie hat er die Menschen auch durch die geheimnisvollen Weissagungen vorbereitet. David besingt die Nahrung, das göttliche Manna, das Gott in seiner Güte jenen reichen wird, die ihn fürchten. Malachias kündigt die Darbringung eines reinen Opfers an, das an allen Orten die anderen Opfer ersetzen und den Namen des Herrn preisen wird.

Das Paschalamm, das herabkommende Manna in der Wüste, das Brot, welches durch einen Engel dem verfolgten Elia herbeigebracht wurde, all das versinnbildet die Eucharistie; und noch deutlicher die Wunder der Verwandlung von Wasser in Wein bei der Hochzeit von Kana und die Brotvermehrung für die Zuhörer Jesu. Schließlich verspricht Unser Herr selbst die Einsetzung der Eucharistie, damit die Menschen, insbesondere die Apostel, von der Wirklichkeit weniger überrascht würden.

So ist auch die Kirche ihrerseits bzgl. des Glaubenssatzes der Eucharistie vorgegangen. Sie verbarg sie vor den Heiden. Sie offenbarte sie den Taufschülern nicht gleich zu Beginn. Sie mussten vorher in das sterbliche Leben Jesu und in die anderen Wahrheiten und Tugenden eingeführt werden; sie musste ihnen schrittweise seine Liebe erklären, bevor sie über sein sakramentales Leben und das Meisterwerk seiner Liebe berichtete.

Hatte nicht Gott auf dem Sinai eine ähnliche Vorgangsweise angewendet, um das Volk auf seine Gegenwart und Mose auf seine Schau vorzubereiten?

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2. Offenbarung

Wie kräftig war doch das Wort des Vorläufers, der auf Jesus hinwies, als er noch unbekannt war! Seht das Lamm Gottes! Sofort verließen zwei seiner Jünger alles, um Jesus nachzufolgen.

Wie noch gewaltiger war das Wort Jesu, als er sich der Samariterin und dem Blindgeborenen offenbarte: Ich bin es!

Auf dem Tabor waren die Apostel geblendet und außer sich durch die Verklärung ihres Meisters, der etwas von seiner göttlichen Herrlichkeit durchblicken ließ, die aus seiner menschlichen Natur hervorstrahlte.

Wer kann die Verzückung und Freude beschreiben, die den Konvertiten, Ungläubigen oder Häretikern zuteil wird, wenn ihnen unter dem Licht der Gnade die Wirklichkeit und Liebe der Eucharistie aufgeht!

Welch schöne Erfahrungen können die Missionare über die Getauften unter den Heidenvölkern, die sie evangelisieren, berichten!

Wie versteht es doch Jesus selbst, sich jenen zu offenbaren, die ihn empfangen, sogar den Kleinkindern!

Der Glaube an die Eucharistie ist nämlich nicht nur eine Glaubenssache und eine Unterwerfung unter ein Geheimnis, das unseren Sinnen unzugänglich ist und unseren Verstand überschreitet; unter dem Einfluss der Eucharistie selbst entwickelt sich unser Glaube und führt zu einer starken und gleichzeitig milden Überzeugung von der wirklichen Gegenwart und lässt eine übernatürliche Empfindung über die Wahrheit der Eucharistie aufkommen.

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3. Fortschreitende und abwechslungsreiche Offenbarung

Dieser lebendige Glaube an die Eucharistie kann nicht umhin, in der Seele eine innigere Liebe zu Jesus Christus zu fördern. Es ist unmöglich, ihn besser zu kennen, ohne ihn mehr zu lieben.

Diese Liebe ist anfänglich eine Verstandesliebe, die bereits auf den Eigenschaften der geliebten Person fußt, aber noch unbestimmt ist, weil sie noch starke Gegensätzlichkeiten in sich enthält.

Wenn man aber treu ist, entwickelt sich diese Liebe zum Zentrum des Lebens und wird zur Gegenliebe, welche das ganze Herz erfasst. Der Glaube selber erhebt sich zur Anbetung und Liebe, zum erhabenen Willen Gottes im Geschenk der Eucharistie. Der Verstand ist an der Pforte des Tabernakels angelangt. Nur die Liebe, die reine und freie Liebe, losgelöst von jeder Knechtschaft der Sinne, tritt darin ein.

Nun beginnt ihr Leben, ihre Betrachtung Jesu Christi mit allen ihren milden Wirkungen. Die Seele gewinnt eine tiefe Kenntnis von Jesus Christus, durch ihn und mit ihm; stufenweise dringt sie ein in die Tiefen der göttlichen Liebe. Jesus Christus passt sich der menschlichen Schwäche der Seele und ihrer geringen übernatürlichen Einsicht an, um sie zu einer immer tieferen Erkenntnis und innigeren Liebe heranreifen zu lassen, die sich vervollkommnet und vergeistigt.

Diese Tätigkeit Jesu Christi erfordert die hl. Kommunion; hier entspringt ihre Quelle; und sie setzt sich fort in der eucharistischen Anbetung.

Die Liebe verspürt damit eine tiefe Ruhe. Sie hat in der göttlichen Eucharistie ihre Mitte und ihr Ziel gefunden. Sie lebt unter dem Einfluss dieser Sonne, die erleuchtet und wärmt. In der Eucharistie verkostet sie Jesus Christus in allen Geheimnissen seines sterblichen Lebens und seines verherrlichten Zustandes. Sie ist eine stets alte und stets neue Schönheit! Die Seele wird die für sie stets neue Liebe und Güte Jesu Christi in der Eucharistie nie ausschöpfen. Die Eucharistie ist für sie wie ein vorausgelebter Himmel. Hat nicht Unser Herr gesagt: "Wenn mich jemand liebt, werde auch ich ihn lieben und ich werde mich ihm offenbaren"?

  

  

Die Ehre des himmlischen Vaters 

 

Die Ehre des himmlischen Vaters, das war der erste Grund der Menschwerdung, des Lebens und Sterbens Jesu Christi.

Sie war auch der tiefste Grund der Einsetzung der Eucharistie.

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1. Das Wort ist Fleisch geworden, um die Ehre des Schöpfers, welche durch den Fall des ersten Menschen und seinen Stolz besudelt und herabgesetzt worden war, wiederherzustellen.

Deswegen erniedrigte sich Jesus Christus und nahm im Schoß Mariens die menschliche Natur an; er hielt nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern entäußerte sich und wurde wie ein Sklave; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz 1.

Das Versöhnungswerk mit Gott war vollbracht, die Erde gereinigt, die Menschen losgekauft und der himmlische Vater verherrlicht. Jesus hat mit Recht gesagt: "Vater, ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast" 2.

Was für ein herrlicher Tag für den Himmel war doch die triumphale Himmelfahrt des Erlösers!

Aber welch trauriger Tag für die Welt! Sie verlor ihren König und Erretter. Sie verblieb nur mehr ein Ort der Erinnerungen, vielleicht gar ein Land des Vergessens, gegen das sich die Stürme des göttlichen Zornes entladen würden.

Freilich, Jesus hinterließ wohl den Menschen sein Evangelium, seine Taufe und sein Kreuz, aber die Gabe wiegt den Geber nicht auf; er wird fromme und heilige Apostel zurücklassen, diese sind aber nicht der Meister. Es wird immer Heilige geben, welche seinen Vater verherrlichen durch ihr Leben in seinem Geist und in der Nachahmung ihrer Tugenden; das sind aber nur schwache Menschen, die im Grunde Sünder bleiben und rasch vorübergehen.

Die Herrlichkeit Gottes wird gewiss im Himmel durch die Gegenwart des auferstandenen Jesus größer sein, würde aber auf Erden viel verlieren, weil ja Jesus nicht mehr da wäre.

Würde das nicht bedeuten, Gottes Erlösungswerk und seine Verherrlichung zu großer Gefahr auszusetzen, wenn es den so unvollkommenen und unbeständigen Menschen anvertraut würde?

Nein und nochmals nein! Man verlässt nicht auf solche Weise ein mit unerhörten Opfern der Menschwerdung und Passion errungenes Reich; man setzt nicht in derartiger Form das göttliche Gesetz der Liebe in Gefahr.

Was wird der Erlöser tun?

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2. Er wird auf der Erde bleiben und hier sein Werk der Anbetung und Verherrlichung seines Vaters fortsetzen. Er wird sich zur Eucharistie, zum Opfer und Sakrament machen. Seht ihr ihn auf dem Altar und im Tabernakel?

Er betet seinen Vater an und dankt ihm. Er setzt sein Werk der Fürsprache für die Menschen fort. Er macht sich zum Opfer der Versöhnung und Abbitte, das zur Ehre des beleidigten Gottes dargebracht wird. Der Altar ist sein mystischer Kalvarienberg, und hier wiederholt er: Vater, verzeih' ihnen, ich opfere dir meine Wunden und mein Blut.

Jesus vervielfacht überallhin seine Gegenwart. Überall, wo Sühne nottut, lässt er einen Altar errichten.

Überall, wo es eine christliche Familie gibt, schlägt er seinen Tabernakel auf, um eine Gemeinschaft der Anbetung im Geist und in der Wahrheit einzurichten.

Der himmlische Vater freut sich über diese Hulderweise und sieht die alte Prophetie in Erfüllung gehen: "Vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang ist mein Name groß unter den Nationen, denn allerorts wird meinem Namen ein reines Opfer dargebracht".

3. Das größere Wunder ist aber noch die Tatsache, dass der himmlische Vater durch die Eucharistie einen neuen Hulderweis empfängt, wie er ihn von keinem Geschöpf weder im Himmel noch auf Erden erhält; dieses Geschenk ist heiliger und umfassender als jenes des WORTES bei der Menschwerdung.

Was ist nun dieses so außergewöhnliche Geschenk? Es ist das Geschenk des Königs der Herrlichkeit, der im Himmel mit Macht und Majestät gekrönt wird, der ihm in der Eucharistie in äußerlicher Form das Opfer seiner Ehre darbringt, und zwar nicht nur seiner göttlichen Ehre wie bei der Menschwerdung, sondern auch seiner menschlichen Ehre, und das noch ausdrücklicher als während seines Leidens; denn jetzt ist seine Menschheit mit den Eigenschaften des auferstandenen Leibes bereichert.

Weil er also im Himmel seinen Vater nicht in der Demütigung und im Opfer seiner Ehre anbeten konnte, blieb der Erlöser auf Erden im Altarssakrament gegenwärtig. Und siehe! Auch hier ist er arm wie in Betlehem, er, der König des Himmels und der Erde; demütig und gedemütigt wie in Nazaret; er ist nicht nur gehorsam bis zum Kreuz, sondern er trägt mit Gelassenheit die Entbehrungen und sakrilegischen Kommunionen.

Ein geduldiges Lamm, das sich nie beklagt; ein sanftes Opfer, das sich nie widersetzt.

Ein guter Heiland, der niemals Rache übt.

Warum? Warum alles das?

Um seinen Vater durch die Erfüllung des Gesetzes der Anbetung in völliger Erniedrigung zu verherrlichen: durch die Weiterführung seiner evangelischen Tugenden, durch die zeit-lose Hinopferung seiner Freiheit, seiner Macht und seiner Herrlichkeit, die kraft seiner Liebe bis zum Ende der Welt gebunden bleiben werden.

Was für ein Schauspiel der Bewunderung für die Engel und der Verwerfung für die Dämonen!

Im Himmel sündigten Luzifer und seine englischen Kampfgefährten durch den Stolz. Jesus Christus, der im Himmel verherrlicht wird, demütigt sich auf Erden in der Eucharistie, um den himmlischen Vater zu ehren und seine Glorie wieder herzustellen, als Gegengewicht und Sühneleistung gegen den Stolz der Menschen.

  

 

Die Einsetzung der Eucharistie als Bedürfnis der Kirche

 

Nach der Ehre Gottes bildet die Liebe Jesu Christi zu seiner Kirche den hauptsächlichen Grund der Eucharistie.

Jesus ist gestorben, um dieser zweiten Eva, dieser Braut seines Herzens, göttliches Leben zu vermitteln. Schön und rein trat sie hervor aus der geöffneten Seite des zweiten Adam, der am Kreuze ruhte.

Wenn aber Jesus Christus nach seiner Auferstehung zu seinem Vater zurückkehren und sich zufrieden geben müsste, seine Kirche als Trägerin der Wahrheit des Evangeliums und der Erlösungsgnaden zurückzulassen, wie würde es mit der Kirche bestellt sein?

Und wie würden die Beziehungen zu ihrem göttlichen Bräutigam, der im Himmel regiert, aussehen?

Also nun! Der Geburtstag der Kirche würde zu ihrem ersten Trauertag werden. Sie entstünde durch den Tod ihres Erlösers; sie würde von Jesus nur sein Kreuz und den Kalvarienberg erben! Jesus würde diese wahrhafte Eva der Gnaden verlassen, er ließe die unbefleckte Braut seines Herzens ehrlos zurück und setzte sie den Verfolgungen ihrer Feinde aus.

Nein und nochmals nein! Das ist nicht möglich. Das wäre seiner Liebe und seiner Stärke unwürdig. Deshalb wurde also die Eucharistie eingesetzt. Jesus wird mit seiner Kirche und für seine Kirche auf Erden bleiben, um so ihr Leben, ihre Macht und Ehre zu sein.

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1. Ihr Leben

Wenn das Leben einer Braut ihres Bräutigams beraubt wird, ist das kein Leben mehr, sondern Trauer, Todeskampf; hingegen ist es an der Seite des Bräutigams groß und stark. Die Braut spiegelt die Strahlen ihres Herzens wider und ist glücklich, ihm zu dienen.

So verhält es sich mit der Kirche im Hinblick auf die göttliche Eucharistie. Die Eucharistie ist das Zentrum ihres Herzens, das erste Gesetz ihres Dienstes, das Glück ihres Lebens. Sie wacht Tag und Nacht durch ihre Kinder zu Füßen Gottes im Tabernakel, um ihn zu ehren, zu lieben und ihm zu dienen. Die Eucharistie bildet das große Gesetz ihres Kultes, sie ist dessen Seele und Zweck.

 

2. Ihre Macht

Die Kirche ist Mutter, eine fruchtbarere Mutter als die Synagoge, welche ein Bild der Kirche darstellte. Von woher erhält sie aber diese Fruchtbarkeit? Von der Taufe oder von der Beichte, welche die hl. Väter eine zweite Taufe nennen. Aber nicht ausschließlich, denn man muss diese Kinder göttlicher Wiedergeburt ernähren und aufziehen. Die Kirche ist nämlich durch die Eucharistie fruchtbar, weil diese die Ausweitung der Menschwerdung darstellt. Mit der Eucharistie, dem Brot des Himmels, nährt sie in göttlicher Weise die Seelen und lässt in ihnen Jesus Christus erstarken; sie vollendet in ihnen ihre Bildung gemäß Jesus Christus und seinem Geist.

Sie ist nicht wie Hagar, noch wie die Frauen, von denen Jeremias spricht, deren Kinder nach Brot verlangten, ohne dass es jemand gab, er es ihnen gebrochen hätte.

Die Kirche empfängt jeden Morgen das Brot des Himmels für jedes ihrer Kinder, dieses Brot der Könige, dieses Brot der Engel. Auch diese Kinder sind schön wie das Brot, das sie nährt; sie sind stark mit diesem Weizen der Auserwählten; jeden Tag können sie sich zu diesem königlichen Festmahl setzen. Im Haus der Kirche, ihrer Mutter, sind die Tische des Herrn immer gedeckt.

 

3. Ihre Ehre

Der Bräutigam ist die Ehre der Braut. Ist ihr Bräutigam König, wird der Braut königliche Ehre zuteil. Jesus Christus, der im Himmel mit Ehre gekrönt wurde, kann seine Braut auf Erden nicht ohne Ehre zurücklassen. Ist es nicht so, dass der Stern der Nacht die Strahlen der Sonne widerspiegelt?

Im Angesicht der Eucharistie erstrahlt die Kirche prachtvoll an den Festtagen ihres göttlichen Bräutigams und Erlösers. Sie schmückt sich mit der Schönheit des göttlichen Kultes und kleidet sich in Gewänder der Ehre.

Die Kirche fühlt sich glücklich bei den Liebes- und Ehrengesängen, die sie zu ihrem König und ihrem Gott erhebt. Sie läuft mit dem himmlischen Hofstaat vor dem Thron des Lammes um die Wette.

Die Kirche triumphiert durch ihren eucharistischen Dienst. Sie ladet Könige und Untergebene, Große und Kleine, Priester und Gläubige ein zur Feier der göttlichen Eucharistie.

Königin-Mutter, so ist sie das Haupt ihrer Kinder in einer einzigen Huldigung, einer einzigen Liebe: das ist das Reich der Eucharistie und der Kirche.

  

  

Die Einsetzung der Eucharistie als Bedürfnis des Herzens

 

Die Apostel waren traurig, als sie die Nachricht vom baldigen Tod ihres guten Meisters vernahmen. Erst jetzt fühlten sie die Schwere des Verlustes, dem sie entgegengingen.

Das ist nämlich leider eine Gegebenheit unserer armen Natur, erst dann die Liebe eines Vaters oder einer Mutter zu verstehen, sobald man ihnen ein letztes Lebewohl sagen muss.

Der Erlöser ist von der Traurigkeit seiner Apostel gerührt. Er tröstet sie. Auch für ihn ist es schwer, sie zu verlassen; er verspricht ihnen, in ihre Mitte zurückzukehren, um sich nie mehr von ihnen zu trennen. Man könnte fast sagen, dass er ohne sie nicht mehr leben kann.

Wie soll das geschehen, da er ja sterben sollte, als Auferstandener in den Himmel zurückkehren und sich zur Rechten seines Vaters setzen sollte? Seien wir getrost: er hat es versprochen und er wird sein Versprechen halten. Seine Weisheit wird das Mittel erfinden, um gleichzeitig im Himmel und auf der Erde zu sein. Im Himmel wird er als König der Herrlichkeit, auf Erden als König der Liebe bleiben. Seine Macht wird seine göttliche Erfindung verwirklichen und seine Güte wird sie verewigen.

Aber mit welchem Mittel und in welcher Gestalt ist Unser Herr zurückgekommen und bleibt auf Erden? Der Glaube heißt uns antworten: durch die Eucharistie!

Ja, durch sie überlebt Jesus Christus und verewigt sich in unserer Mitte.

Durch die Eucharistie erfüllt er das Gesetz und das Bedürfnis der Liebe, denn die Liebe verlangt nach drei Dingen: die Anwesenheit der geliebten Person, ihren ganzen Besitz und eine vollkommene Einheit mit ihr.

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1. Anwesenheit.

Die Abwesenheit bedeutet Schmerz, Krankheit, Absterben der Freundschaft und selbst der stärksten Liebe. Die Abwesenheit Unseres Herrn würde notgedrungen eine auflösende Wirkung der Abwesenheit nach sich ziehen. Das liegt im Wesen des Menschen und der Liebe. Dann wäre der Mensch entschuldbar gewesen.

Das wahre Gesetz der Liebe ist schwierig, und man kann es unmöglich in vollkommener Weise verwirklichen; dessen ungeachtet bleibt dem Menschen dieses Gesetz ein Bedürfnis und eine Aufgabe. Nichts kann eine geliebte Person ersetzen, weder Erinnerungen noch Geschenke noch Abbildungen. In allen diesen Dingen pulsiert ja kein Leben.

Desgleichen kann die geliebte Person Jesus Christus durch nichts ersetzt werden.

Etwa durch sein Wort? - Es klingt und bewegt nicht mehr so, wie es aus seinem Munde kam.

Durch sein Evangelium? - Das ist sein Testament.

Durch seine Sakramente? - Sie vermitteln göttliches Leben, aber nicht den Urheber dieses Lebens.

Durch seine Gnade? - Wir verlangen nach ihrem Spender selbst.

Durch sein Kreuz? - Ohne Christus bewirkt es nur Traurigkeit.

Durch seine Hoffnung? - Ohne Jesus dauert ihre Erwartung zu lange.

Durch seine Liebe? - Wenn er nicht da ist, welche Pein!

Durch seine Priester? - Diese sind nur Diener und nicht der Meister.

Wahrhaftig, nichts wiegt Jesus auf, nichts ersetzt ihn. Seht euch eine protestantische Kirche, eine Moschee oder eine Synagoge an. Welch tödliche Leere!

Die Liebe ruft also nach Jesus Christus selbst, gemäß seiner Verheißung: "Ich bin das lebendige Brot; das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, das hingegeben wird für das Leben der Welt."

Neunzehn Jahrhunderte des Christentums haben mit Anbetung und Liebe auf seine Gegenwart in der Eucharistie geantwortet.

 

3. Besitz

Die Liebe will den Gegenstand ihrer Zuneigung ganz und für immer besitzen. So hat auch Jesus Christus die Vervielfältigung seiner eucharistischen Gegenwart gewollt. Das Wunder der vermehrten fünf Brote in der Wüste war ein Bild dafür.

Die erste Konsekration war wie ein Keim, ein Weizenkorn, das der Erde übergeben wurde zur Vermehrung. Jesus wollte die Erde mit konsekrierten Hostien übersäen, um allen und jedem einzeln, ohne miteinander in Streit zu geraten, den Besitz seiner selbst zusichern.

Die Eucharistie ist wie ein Lebensstrom, der vom Abendmahlssaal herausfließt, sich durch alle Völker hindurchschlängelt, um sich dann im Ozean der Ewigkeit zu verlieren.

Sie ist eine unerschöpfliche, schöne Sonne der Liebe, die allen Generationen vorangeht, sie begleitet und ihnen folgt.

Sie ist die Feuersäule und die Wolke in der Wüste des Lebens, das Manna für die Reise ins Jenseits; der mit dem Volk Gottes wandelnde Tabernakel; der Quell lebendigen Wassers, der sprudelt bis zum ewigen Leben.

 

3. Vollkommene Vereinigung

In der menschlichen Sprache drückt sich dieses Liebesbedürfnis in Begriffen aus, die deutlich genug besagen, wie weit entfernt dieses Verlangen von dem ist, was es gern erreichen möchte. Man spricht von der Umarmung der geliebten Person; eine Mutter sagt, sie verschlinge ihr Kind mit ihren Küssen, sie esse es auf!

Durch die Kommunion kommt Jesus Christus mit seiner hl. Menschheit zu uns, um uns an seinem eigenen Leben durch das Wachsen der heiligmachenden Gnade für die Bedürfnisse unserer Seelen teilhaben zu lassen.

Wenn wir in der richtigen Verfassung sind, entsteht durch die Kommunion eine ständig neue Freude und eine stets fruchtbarere Verschmelzung des Lebens.

Die Seele sehnt sich dann nur mehr nach dem Himmel, wo die Vereinigung durch den totalen und ewigen Besitz Gottes in der beglückenden und intuitiven Schau ihre Vollendung findet.

  

  

Der Diener der Eucharistie -
die Person des Priesters 

Mit welchem Mittel will sich Jesus Christus in der Eucharistie fortsetzen? Durch sich selbst? Nein, denn dann müsste er sich sichtbar machen, wenigstens während der hl. Messe. Aber welche Unannehmlichkeiten würde diese Situation bereiten? Soll es durch die Engel geschehen? Nein. Sie können nicht die gewöhnlichen Spender der Sakramente sein.

Das Mittel ist der Priester. Er ist der Konsekrator der Eucharistie!

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Um Mensch zu werden, wollte Jesus eine Mutter, eine Tochter Adams haben; sie sollte gesegnet unter allen Frauen und gerühmt unter allen Geschöpfen sein.

Er bildete aus ihr das Meisterwerk seiner Macht und seiner Gnade. Diese Frau ist Maria, die Unbefleckte, Jungfrau und Gottesmutter.

Maria war die Frucht von 4000 Jahren der Vorbereitung, die Blume aus Jesse. Aus einem königlichen Geschlecht stammend, besaß sie alle Voraussetzungen, die seine erhabene Würde erforderten.

Um sein Leben in der Eucharistie zu beginnen, beruft Jesus Männer, die er zu seinen Priestern macht. Und als er das Priestertum eingesetzt und die Priester geweiht hatte, stieg er wieder in den Himmel auf: seine sichtbare Aufgabe als Erlöser war somit vollbracht. Er hat aus dem Priester sein zweites Selbst gemacht; durch den Priester erlöst er die Menschen und herrscht auf Erden.

Der Priester war also das Ziel der evangelischen Arbeit Jesu. Ihm sollte er die Wahrheit offenbaren; ihn musste er belehren, in der Welt zu predigen; ihn musste er zur Heiligkeit erziehen und selbst als Meister und Vorbild dienen.

Das ist der Grund, warum Jesus während drei aufeinanderfolgenden Jahren mit jenen das Leben in Gemeinschaft geteilt hat, die eines Tages die ersten Priester werden sollten. Er musste sie die Barmherzigkeit gegen die Sünder lehren.

Deshalb hat er seine Apostel unter den Kindern Adams ausgewählt, um ihnen das leuchtendste Beispiel seiner Barmherzigkeit zu geben.

Vor dem Abendmahl war das Priestertum noch nicht eingesetzt. Aber die Jünger empfingen die Vollmacht, die von Jesus mitgeteilte Wahrheit zu lehren. Sie durften auch die Hände auflegen, um die Kranken zu heilen und die Dämonen auszutreiben; sie sind Apostel.

Um aber Priester zu sein, müssen sie bevollmächtigt sein, das hl. Opfer darzubringen; dies gehört zum Wesen der Religion und des Priestertums.

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Dieser Opferpriester braucht aber ein Opfer, einen Altar, eine Kirche und die Konsekration.

Darin besteht nun das große Wunder Jesu Christi; es ist der höchste Grad seiner Liebe im Geschenk seiner selbst an die Welt! Beim Abendmahl war der Zeitpunkt gekommen, dass der Heiland die ersten Priester geweiht hat; er ist der höchste Priester nach der Ordnung des Melchisedek. Er begründet das Opfer des neuen Bundes und feiert die erste aller Messen, um ihnen ein Opfer bereitzustellen, das kein anderes ist, als er selbst. Und der Altar? Das sind die Hände Jesu Christi, und es werden die Hände der Apostel und bald auch die Leiber der Märtyrer sein, über welchen die hl. Messe gefeiert werden wird.

Die Kirche? Das ist der Abendmahlssaal und alle künftigen katholischen Kirchen.

Jesus fügt dann diese unerhörten und durch ihre Kraft erschreckenden Worte hinzu, die wegen ihrer Wirkung anbetungswürdig sind: "Tut dies zu meinem Gedächtnis!"

Tut dies! Das ist der Auftrag, welcher die Vollmacht verleiht und das priesterliche Merkmal einprägt.

Tut dies: d.h. das, was ich getan habe und wie ich es getan habe. So will es die Regel. Darin liegt aber der Zweck: zu meinem Gedächtnis, zur Erinnerung meiner Liebe und meines Todes, der die Bedingung und der Triumph sein wird.

* * *

Nach dieser unaussprechlichen Einsetzung der Eucharistie und des Priestertums richtete sich Jesus an seinen himmlischen Vater mit einem überfließenden Liebeserguss. "Ich habe dich auf Erden verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und dass du die Meinen ebenso geliebt hast wie mich" 1.

 

Oh! Wie glücklich war Jesus, nachdem er die Apostel zu seinen Priestern gemacht hatte! Wie sprang sein Herz vor Freude! Bis dahin hatte er einigen Zwang verspürt, er hatte ja dieses Evangelium der Liebe, das uns der Liebesjünger offenbart, noch nicht verwirklicht.

Kaum aber hatte er die Eucharistie und das Priestertum eingesetzt, kaum hatte er seinen ersten Priestern die Kommunion gereicht, rief er auf: "Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht. Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn verherrlichen, und er wird ihn bald verherrlichen. Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Auch gebe ich euch ein neues Gebot! Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben".

Ach! Wie können wir für die Güte unseres Herrn hinreichend danken? Wie können wir seine Herablassung genügsam bewundern? Denn was an der Einsetzung des Priestertums besonders beeindruckt, ist die menschliche Armseligkeit des Priesters, die mit einer solchen Vollmacht ausgestattet wurde.

Das ewige Wort wollte eine unbefleckte, jungfräuliche und heilige Mutter haben; sie war das Paradies der Menschwerdung. Aber wenn ich mir den Priester ansehe, was sehe ich? Jesus bewahrte ihn nicht vor all den Folgen der Erbsünde, mit denen er bei der Geburt behaftet war. Auch kann ich sündhafte Priester, Sklaven Satans antreffen, die trotzdem ihre Würde und ihre Vollmacht beibehalten. Welch ein Gegensatz! Welche Entehrung für Jesus Christus! Das Priestertum bewirkt also nicht Sündenlosigkeit. Warum ließ Unser Herr den Priester im sündigen Ursprung des Menschen? Aus Barmherzigkeit zu ihm und aus Liebe zu den Gläubigen.

Jesus Christus ließ dem Priester im Leib des sündigen Menschen, um ihn in der Demut zu erhalten; sonst liefe er Gefahr, wie der Seraph Luzifer in Stolz sich zu verlieren; um ihn wachsam bleiben zu lassen: sonst würde er sich in der weltlichen Umgebung verlieren. Er braucht diesen Schleier der armseligen Menschlichkeit, um sich zu erinnern, dass er selbst zu Füßen des Altars ein Mensch bleibt.

Jesus Christus hat ihn auch im Hinblick auf die Seelen so gewollt, damit ihre Liebe geradlinig und rein auf seine anbetungswürdige Person zuschreite; damit ihr Glaube einfach und stark sei, gegründet auf der Göttlichkeit des priesterlichen Charakters und nicht auf der Heiligkeit des Priesters. Denn wenn die Gültigkeit der Konsekration an die Vollkommenheit des Priesters gebunden wäre, wer würde es dann noch wagen, an den Altar zu schreiten? Die heiligmäßigsten Priester wären die ersten, sich für unwürdig zu erachten; und wie würden die Gläubigen im Glauben zweifeln und ängstlich sein? Es bräuchte also einen fortwährenden göttlichen Eingriff, um die erforderliche Heiligkeit festzustellen.

Die Liebe Jesu Christi hat diese Schwierigkeit überwunden. Die Wandlungsgewalt bleibt im Wesen der Priesterweihe und am Willen des Priesters verankert. Die Handlung des Priesters ist menschlich und göttlich.

Oh! Warum bleibt man selbst in der christlichen Welt bei dieser menschlichen Seite, bei der Schwachheit und selbst bei der Sündhaftigkeit des Priesters stehen?

Bewundert vielmehr die Güte Jesu Christi, die alle Folgen der menschlichen Freiheit auf sich nimmt, um durch den Menschen alle Gnaden seiner Liebe auszuteilen.

Die Nebel können, besonders wenn sie mit fremdartigen Elementen geladen sind, für den Menschen dieser Welt die Sonne verschleiern und verfinstern; aber die Sonne bleibt schön für jene, die sich über die Nebel erheben. Ach! Mögen sich doch die Christen hüten, diesen gedemütigten Jesus Christus zu missachten; es wäre ihre größte Bestrafung, den Glauben an das Priestertum zu verlieren; sie mögen sich hüten, dieses göttliche Sein zu vermenschlichen: sie würden sich der Wohltaten seines geheiligten Dienstes berauben.

Sieht man einen Priester, soll man sich sagen: wie ist doch Jesus Christus gut und großartig!

  

  

Der Diener der Eucharistie -
seine Konsekrationsvollmacht

"Tut dies zu meinem Gedächtnis!" (Lk 22,19)

Zur Zeit des sterblichen Lebens Jesu musste man trotz der äußeren Demütigung seiner Person Glauben schenken. Die Juden, vorab die Führer des Volkes, fanden in ihm ein Subjekt des Ärgernisses und einen Vorwand für ihre Glaubenslosigkeit. Sie sagten sich: "Ist er nicht der Sohn Josephs, des Zimmermanns. Er hat keine Schule besucht, wie kann er die Schrift kennen".

Jesus machte sie darauf aufmerksam: "Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt", wenn er mich so arm und gedemütigt sieht; denn er wusste, dass sie nur einen großen und mächtigen Messias nach Art dieser Welt erwarteten.

Ebenso verhält es sich mit dem Priester.

Um an die Eucharistie zu glauben, muss man zuerst an das Priestertum glauben. Der Priester kann sich uns wie ein gewöhnlicher Mensch zeigen. Die Welt nimmt an ihm Ärgernis.

Und dennoch ist es der Priester, der die Hl. Eucharistie konsekriert. Um an die Eucharistie zu glauben, muss man vor allem an diese Vollmacht des Priesters glauben.

Studieren wir das göttliche Priestertum in seiner Legitimität, im Wesen seiner Vollmacht und in der Ausübung seines Rechtes.

* * *

1. Seine Legitimität

Die Gesellschaft stützt sich auf die legitime Autorität, auf die rechtliche Nachfolge dieser gesetzlichen Autorität, sowie auf die Beweiskraft der Übertragung dieser Vollmacht.

Nun war die priesterliche Vollmacht möglich; sie ist gesichert und zeitlos.

Man kann Jesus Christus, dem göttlichen Begründer der christlichen Gesellschaft, nicht die Vollmacht absprechen, sein Priestertum einzusetzen durch die Übergabe seiner eigenen Vollmacht an rechtmäßige Amtspersonen.

Die Kirche muss universal und unbefristet sein, denn "das Evangelium muss allen Geschöpfen verkündet werden" 3. Folglich ist ein universales und zeitloses Priestertum notwendig.

Seine Einsetzung erfolgte am Ort des Abendmahlssaales. Dort hat Jesus Christus als erster mit der Ausübung der Vollmacht begonnen. Er ist der Ursprung und das Vorbild, die Quelle und der Fluss; er übergibt diese Vollmacht in einer Befehlsform: Tut dies! Die Apostel müssen die erhaltene Vollmacht anderen weitergeben. Sie bilden nur das erste Glied der eucharistischen Kette. Hätte ihre Vollmacht nur für sie Geltung gehabt, so hätte Jesus Christus nur die Religion für die Dauer eines Tages festgelegt.

Aber die Apostel gehorchten dem Auftrag Jesu. Der hl. Paulus sagt zu seinen Gläubigen: "Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi?". Das heißt also, dass er die Eucharistie gefeiert hat, obwohl er nicht beim Abendmahl dabei war.

Im darauffolgenden Jahrhundert hat auch der hl. Ignatius von Antiochien konsekriert; er spricht von Bischöfen und Priestern, die gleich wie er die Vollmacht der Eucharistiefeier empfangen haben 5.

Die apostolische Rechtmäßigkeit des katholischen Priestertums ist also unbestreitbar. Sie erstreckt sich bis zum letzten katholischen Priester in Raum und Zeit. Sie geht wie eine ununterbrochene Kette bis auf die Apostel zurück.

Sie erstreckt sich selbst auf die schismatischen Priester, die am Beginn katholisch waren. Hingegen hatte der Protestantismus in Luther nur einen Priester, der zur Weitervermittlung des Priesteramtes an andere unfähig war. Im Protestantismus gibt es also weder Priester noch Opfer.

* * *

2. Sein Wesen

Es handelt sich um eine Vollmacht der Verwandlung, die die Substanz des Brotes und Weines in den Leib und das Blut Jesu Christi wandelt.

Es ist eine Vollmacht der Verherrlichung, denn eine Messe gereicht Gott zu größerer Ehre als die Huldigungen aller geschaffenen Wesen zusammengenommen, und zwar im Himmel und auf Erden. Es ist eine Vollmacht der Heiligung. Was würde die Welt ohne Zwecke und Früchte der hl. Messe sein?

* * *

3. Die Ausübung dieser Vollmacht

Sie ist an den priesterlichen Stand und nicht an die Heiligkeit des Priesters gebunden.

Jesus Christus hat es in seiner Weisheit und Barmherzigkeit so gewollt, um allen Zweifel in unserem Glauben aus der Welt zu schaffen.

Er lässt die Vereinigung von Hoheit und Niedrigkeit, von Heiligkeit und Barmherzigkeit zu.

Es ist das Bild des Kalvarienberges, wo sich am blutigen Opfer Jesu Christi sowohl die unwürdigen jüdischen Priester als auch die Heiligkeit Mariens und die Liebe des Apostels Johannes befanden, genauso die mitfühlenden hl. Frauen zusammen mit der gleichgültigen und feindseligen Volksmenge.

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