Die eucharistische Daseinsweise

Wunderwerke der Eucharistie

Jahwe ist gnädig und barmherzig. Er hat ein Gedächtnis an seine Wunder gestiftet. (Ps 110,4)

 

Jesus Christus ist groß in der Eucharistie; seine Macht erscheint darin in ihrer ganzen Herrlichkeit.

Nach den Worten des hl. Thomas von Aquin ist die Einsetzung der göttlichen Eucharistie das größte aller Wunder Jesu Christi 1: die Eucharistie übersteigt alle durch ihren Gegenstand und beherrscht alle durch ihre Dauer. Sie ist die ständige Menschwerdung, das zeitlose Opfer Jesu Christi; sie ist der brennende Dornbusch, der auf dem Altar fort-während glüht; sie ist das Manna, das wahre Brot des Lebens, das jeden Tag vom Himmel herabsteigt.

Zu oft begreift man die Liebe Unseres Herrn in der Eucharistie lediglich an seinem verborgenen Leben. Es ist aber gut, sie auch in ihrer Macht zu erkennen.

* * *

1. Das Wunder der Wesensverwandlung.

Jesus nahm Brot, dann Wein und sagte: Das ist mein Leib, das ist mein Blut. Das Wunder ist geschehen. Wer wagte es, daran zu zweifeln? Derjenige, welcher in Kana Wasser in Wein verwandelt hat, kann ebenso gut die Substanz des Brotes und Weines in seine eigene Substanz verwandeln 2. Derjenige, welcher aus dem Schlamm der Erde den Körper des Menschen geformt hat, kann ebenso gut Brot und Wein in seinen Leib und sein Blut verwandeln 3.

Übrigens verwandelt der Mensch auf natürliche Weise das gegessene Brot und den getrunkenen Wein in seinen Leib und sein Blut 4. Aber das ist nur eine Analogie. Wenn Jesus Christus das Wunder der Wesensverwandlung bewirkt, so tut er dies, um sich uns als Nahrung und Trank zu schenken.

 

2. Das Wunder der Transformation

Jesus ist der Substanz nach in der hl. Hostie gegenwärtig. Aber was sehe ich? Die Gestalten bleiben nach der Konsekration die gleichen: dieselbe Farbe - warum macht die in ihm eingeschlossene göttliche Sonne die weiße Farbe nicht noch weißer? - Dieselbe runde Form, derselbe Geschmack, dieselbe Festigkeit. Aber das ist doch in der Natur des Leibes unerhört. Es gibt keine Akzidenzien ohne Subjekt, das sie zusammenhält; es gibt keine Form ohne Objekt, das sie gestaltet; es gibt keine wahrnehmbaren Gestalten ohne Substanz.

Darin besteht eben das Wunder! Durch seine Kraft ersetzt Jesus Christus selbst die natürliche Substanz und erhält trotzdem die Akzidenzien, die Gestalten von Brot und Wein. Diese sind weder sein Leib noch sein Blut, sondern sie sind mit ihm vereinigt, so wie ein Kleid einen menschlichen Körper bedeckt; und sie ermöglichen es zu wissen, wo er gegenwärtig ist.

So sind die sakramentalen Gestalten die Bedingung zum öffentlichen Kult für Jesus Christus. Durch sie erscheint er inmitten seines Volkes und nimmt die Huldigungen seiner Frömmigkeit und seiner Liebe entgegen. Ein König, der aus Güte den Glanz seiner Majestät verhüllt, ist nicht weniger König; er ist nur liebenswürdiger und teurer für seine Untertanen.

Die eucharistischen Gestalten bilden auch einen Schutz Jesu Christi gegen seine Feinde. Durch sie kann die Sünde seiner Person nichts anhaben, sie besudelt nur das sakramentale Zeichen. Die Profanierung bleibt an diesem Schleier stecken; seine Person bleibt im Sumpf rein, ähnlich wie ein undurchlässiger Gegenstand, der ins Meer geworfen wird.

 

3. Das Wunder der Vermehrung

Jesus Christus liebt alle Menschen. Er möchte sich jedem einzelnen persönlich in der Hl. Eucharistie schenken; er will, dass jeder einzelne dieses himmlische Manna, dieses Brot des Lebens esse. Dann aber muss er seine Gegenwart so oft vermehren, als Menschen kommunizieren wollen; so ist es irgendwie notwendig, dass der eucharistische Tisch die ganze Welt bedeckt.

Jesus Christus hat das zustandegebracht. In der Eucharistie erneuert er - aber in einer noch wunderbareren Weise die wunderbare Brotvermehrung in der Wüste. Die Brechung der hl. Gestalten zerteilt ihn nicht, nur seine Gegenwart vermehrt sich. So wie sich ein Bild unversehrt in jedem einzelnen Stück eines zerbrochenen Spiegels widerspiegelt, wie sich die ganze Seele in jedem einzelnen Teil des Körpers findet.

* * *

4. Das Wunder der Vervielfältigung des Ortes

Zur Zeit seines sterblichen Lebens befand sich Jesus Christus jeweils nur an einem einzigen Ort, er wohnte nur in einem Haus, sprach nur vor einem Zuhörerkreis oder mit einem Gast. Durch seinen sakramentalen Zustand will er die Orte seiner Gegenwart vervielfältigen. Er will eine Unmenge von Gotteshäusern und Tabernakeln. Mehrere Heilige besaßen die wunderbare Gabe der Bilokation (d.h. gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten anwesend zu sein, A.d.Ü.). Durch seine Allmacht bewirkt Jesus Christus, dass er wirklich überall dort gegenwärtig ist, wo sich eine konsekrierte Hostie befindet.

Wenn alle Christen den mystischen Leib Christi bilden, ist es dann nicht notwendig, dass er - deren Haupt - selbst seine eucharistische Gegenwart überall dorthin ausdehne, wo sich seine Glieder befinden, um ihnen das göttliche Leben aufrechtzuerhalten?

* * *

5. Das Wunder der Weisheit

In der Eucharistie strahlt die Weisheit Jesu Christi in ihrer vollen Pracht.

Die Weisheit bedeutet die Wahl und die Zielrichtung der geeignetsten Mittel zu einem edlen und heilsamen Zweck.

Wenn man die Eucharistie betrachtet, zeigt sich diese Weisheit

a) in der Wahl der Elemente, aus denen sie sich zusammensetzt: das Brot und der Wein, alltägliche Nahrungsmittel, die gewöhnlich leicht zu beschaffen sind; die nicht teuer und von angenehmem Geschmack sind.

b) in der Symbolik dieser Elemente: das Brot nährt, der Wein erfreut. Das sind die Wirkungen der Eucharistie in der Seele. Man kann auf sie den Text der Hl. Schrift anwenden: Die Weisheit ist der Architekt dieser Einrichtung.

* * *

Die Eucharistie ist tatsächlich das Gedächtnis der Wundertaten Gottes. Seine Macht, beseelt von seiner Liebe und geleitet von seiner Weisheit, hat uns "das wunderbare Sakrament" 6 der Eucharistie geschenkt.

  

 

Die Opfer Jesu Christi in der Eucharistie

An welchen Merkmalen erkennt man die Liebe? An einem einzigen: an den Opfern, die dafür gebracht werden oder die dafür mit Freuden auf sich genommen werden.

Eine Liebe ohne Opfer ist ein leeres Wort. Das ist nur Eigenliebe. Wollen wir die eucharistische Liebe Jesu zum Menschen, die Größe und den Preis dieser unaussprechlichen Liebe erkennen? Betrachten wir die Opfer, die sie erfordert; dann werden wir die "Breite, Tiefe und Höhe" 1 verstehen.

Jesus Christus setzt in der göttlichen Eucharistie die drei großen Opfer seines Leidens fort. Er gibt darin sein bürgerliches, sein natürliches und in einem gewissen Sinn selbst sein göttliches Leben hin.

* * *

1. Das bürgerliche Leben

Es ist das legale Recht zum Schutz der Gesetze und der Autorität; es ist die Ehre des Bürgers in seinem Stande und in seiner bürgerlichen Aufgabe; es ist die Liebe der Mitbürger.

In seinem göttlichen Leiden stirbt Jesus in diesem bürgerlichen Leben. Die Gesetze werden gegen ihn angewendet: in seinem Gerichtsprozess werden sie alle missbraucht.

Die römische Behörde überlässt ihn trotz seiner anerkannten und ausgesprochenen Unschuld seinen Feinden. Die Hohenpriester und Gesetzeslehrer werden zu seinen Verfolgern und öffentlichen Anklägern. Man erklärt ihn für ruflos und verflucht vor seinem Volk, das ihn ablehnt. Er stirbt am Kreuz wie der schuldigste und niederträchtigste Schurke.

Jesus nimmt alle diese Opfer an. Er nimmt sein Recht nicht in Anspruch, sondern opfert es zum Heil seines Volkes.

In der Eucharistie setzt Jesus diese Hingabe seines bürgerlichen Lebens fort. Er hat darin kein Recht. Das Gesetz erkennt ihn als solchen in sehr zahlreichen Ländern nicht an.

Eine eigenartige Situation! Die falschen Propheten und Gründer falscher Religionen bilden die Seele der Zivilgesetze dieser Länder. So Konfuzius für die Chinesen, Mohamed für die Muselmanen und Luther für die Protestanten.

Jesus Christus, der Gründer aller christlichen Gesellschaften, der höchste Gesetzgeber, der Erlöser des Menschengeschlechtes, der menschgewordene Gott hat im Kodex der meisten Nationen, sogar der christlichen, kein Wort mehr zu sagen. In einigen Ländern bedeutet sein Name die Entscheidung auf Leben und Tod.

Er hat in der Gesellschaft keine Ehren, die äußeren Feierlichkeiten des Fronleichnamsfestes sind aufgehoben, die Prozessionen verboten worden. Jesus Christus im Hl. Sakrament kann sich in der Öffentlichkeit nicht zeigen, er muss sich verbergen; der Mensch schämt sich seiner, er fürchtet sich vor ihm, er würde ihn bei einer Begegnung beschimpfen.

Und welche Menschen sind jene, die vor Jesus Christus erröten? Etwa Juden oder Mohamedaner? Nein, es sind Christen!

Er steht da ohne Schutz und Verteidigung. Wer Lust dazu hat, kann ihn verachten und beschimpfen; der Gottesraub wird nicht aufgedeckt.

Auch der Himmel beschützt ihn nicht.

Er steht dort wie vor Kaiaphas und Pilatus, ausgeliefert dem Willen derjenigen, die ihn lästern und entheiligen.

Er ist der Liebe beraubt. Sicher gibt es noch liebende Seelen; aber besucht die Kirchen, zählt darin die Anbeter und schätzt die Liebe ab, welche Jesus im Hlst. Sakrament selbst von Seiten der Gläubigen entgegengebracht wird!

O Gott! Jesus wusste das alles und hat trotzdem die Eucharistie gewählt!

Aber warum? Um den Ordensleuten ein Beispiel des Lebens zu geben, das der Welt abgestorben ist; den verfolgten Christen zum Trost; allen und jedem einzelnen das Beispiel und die Gnade, sich der Leidenschaft nach Ehrsucht zu entziehen.

* * *

2. Das natürliche Leben

In seinem heiligen Leiden hat Jesus zum Heil der Menschen seinen Willen, seine Freiheit, die Glückseligkeit seiner Seele und des Leibes geopfert. In der anbetungswürdigen Eucharistie setzt er diese Hinopferung fort.

 

a) Er gibt seinen Willen hin

Er gehorcht seinem Geschöpf; der König seinen Untertanen; der Erlöser seinem Erlösten; Gott dem Menschen. Er gehorcht den Priestern und Gläubigen, selbst seinen Feinden; nicht nur im Augenblick der Wandlung, sondern zu jeder Tageszeit. Sein Dasein ist ein Dasein reinen und völligen Gehorsams. Welche Seligkeit empfinden doch die Engel bei einer derartigen Herablassung! Ach, wenn doch der Mensch die Liebe Jesu in der Eucharistie verstünde!

 

b) Er gibt seine Freiheit hin

Während seines Leidens wurde Jesus gebunden und von den Soldaten in Ketten gelegt; hier bindet er sich selbst und kettet sich durch die Worte seiner göttlichen Verheißung an. Er hat keine eigenständige Bewegung, er liegt wie im Grab, obwohl er das Leben in Fülle und das Leben als Auferstandener besitzt. Er ist untrennbar verknüpft mit den heiligen Gestalten wie ein Gefangener auf sein Wort und seine Ehre hin. Er will weder die Bindung aufheben noch die eucharistische Gefangenschaft brechen. Ein Engel könnte ihn nicht fortnehmen. Selbst der himmlische Vater könnte seine eucharistische Gegenwart nicht aufheben, solange die sakramentalen Gestalten erhalten bleiben.

Jesus wird der freiwillige Gefangene des Menschen bis zur letzten Stunde der Welt bleiben. Der Liebesvertrag läuft nicht ab.

c) In seinem Leiden hat Jesus auch die Glückseligkeit seiner Seele geopfert; denn ohne jemals die beseeligende Anschauung Gottes zu verlieren, ließ er ihn neuerlich den spürbaren Gegenschlag seiner Leiden fühlen. So beteuert er in Getsemani, dass seine Seele traurig sei bis in den Tod; und am Kreuz beklagt er sich über die mysteriöse Verlassenheit von seinem Vater.

Als glorreich Auferstandener ist Jesus in der Eucharistie nicht mehr dem geringsten Leiden zugänglich, aber er lässt es zu, nur von armseligen Huldigungen umgeben zu werden, von unwürdigen Gläubigen entheiligt zu werden; und er bittet uns, auf seine Liebe zu antworten, um die Beleidigungen zu sühnen, denen er im Hl. Sakrament ausgesetzt ist.

 

d) In seinem Leiden hat Jesus das Leben seines Leibes hingegeben. In der Eucharistie kann er nicht mehr das Leben durch eine wirkliche Trennung seines Leibes von seiner Seele verlieren. Aber nach seinem Beispiel verwandelt der Priester das Brot und den Wein getrennt, um die gewaltsame Trennung zu versinnbildlichen, die auf dem Kalvarienberg vollzogen wurde; ferner um zu zeigen, dass Jesus Christus auf diese Weise sich im Opferzustand befindet.

Zudem wird seine sakramentale Gegenwart durch die Entheiligungen gewaltsam aufgehoben, weil die hl. Gestalten zerstört werden, während sich seine Gegenwart normalerweise durch eine gute Kommunion vollendet, wird sie durch jene zur Gelegenheit des Todes, die durch einen sakrilegischen Empfang der Eucharistie Jesus Christus in ihren Seelen sozusagen ans Kreuz schlagen.

* * *

3. Das göttliche Leben

Bei seinem Leiden lässt Jesus nichts von seiner Majestät aufscheinen, nichts von seiner Macht und seiner göttlichen Herrlichkeit. Man sieht nur den Mann der Schmerzen, den von Gott und den Menschen Verfluchten, das letzte aller menschlichen Wesen. Oder besser: Jesus lässt in seinem Leiden nur seine Liebe erkennen. Ach! Unglückliche Juden, die es nicht verstanden, seine Liebe aufgrund seiner Wunden zu erkennen! Es musste ein Räuber sein, der Jesu Unschuld, sein Königtum und seine Göttlichkeit bekannte; es musste die menschliche Natur mit ihren heftigen Krämpfen den Tod ihres Schöpfers beweinen.

In der Eucharistie setzt Jesus mit noch mehr Liebe diese Auslöschung seiner göttlichen Eigenschaften fort.

Zur Zeit seines sterblichen Lebens bewunderte man seine Weisheit; in den Wundern seine Macht; hier zeigt er nur Schwachheit, wenn man von der Heilung einer gewissen Anzahl von Kranken und der Bestrafung einiger Gottesräuber absieht; man bewundert seine Gerechtigkeit, z.B. während der Vertreibung der Händler aus dem Tempel; hier herrscht eine Geduld, die sich bis zum Ärgernis steigern würde, wüsste man nicht, dass seine Liebe bis ins Unendliche fortschreitet; man bewunderte seine Herrlichkeit, wie auf dem Tabor und am Tag der Himmelfahrt; hier ist nichts von alldem, alles ist mit dem sakramentalen Schleier überdeckt; man staunte über seine erhabene Macht, als er die Stürme und Dämonen in die Schranken verwies: hier nichts oder besser alles davon ist in seiner Liebe weit größer und triumphaler.

* * *

Nun denn! Hat Jesus Christus in der Eucharistie genug Opfer gebracht? Verdient er nun unsere Liebe? Was kann er noch hinzufügen? Denkt nach? Er ist bis zur äußersten Grenze des Möglichen gegangen! Plus non dare potuit (mehr konnte er nicht geben). Ach! Die Eucharistie gibt mir eine Ahnung der Gerechtigkeit und der Qualen der Hölle!

Aber lassen wir diesen Gedanken. Die Eucharistie ist das Paradies der Liebe auf Erden und der Anfang der ewigen Herrlichkeit.

  

 

Der verborgene Gott

Du bist wahrhaftig ein verborgener Gott; Israels Gott ist der Retter. (Jes 45,15)

 

Die Tatsache, dass der Sohn Gottes den Menschen so geliebt hat, dass er selbst Mensch wurde, begreift meine Liebe in der unendlichen Liebe des Schöpfers zu seinem Geschöpf.

Dass er arm, demütig und gehorsam wurde, das überrascht mich. Aber es ist wahr: weil er durch seine Menschwerdung mein Bruder werden wollte, wollte er mir ähnlich werden: "se nascens dedit socium" 1.

Dass er gestorben ist, gestorben auf einem Kreuz, lässt meine Liebe zu seinen Füßen versinken. Aber ich begreife ihn noch in seiner überschwänglichen Liebe zum Menschen. Ein Vater stirbt für seine Kinder, ein König für seine Untertanen, Jesus Christus für den Loskauf des Menschengeschlechtes.

Was man aber nicht mehr begreifen kann, was den Glauben des Menschen erschreckt, ist die Tatsache, dass der auferstandene, verherrlichte und triumphierende Jesus Christus, um in unserer Mitte zu bleiben, einen noch demütigeren Zustand gewählt hat als bei der Menschwerdung, noch untergebener als in Nazaret, noch erniedrigter als in seinem Leiden. Hatte er denn nicht das Werk unserer Erlösung vollendet? Was fehlte noch seinem armen Leben und seinem so demütigenden Tod?

Nichts fehlte dem göttlichen Werk unserer Erlösung, aber Jesus Christus wollte aus Liebe sich noch sakramental opfern, um das Werk unserer Heiligung in einem jeden einzelnen von uns fortzusetzen und zur vollen Vollendung zu führen. Darin liegt auch der Grund, warum sich der verborgene Gott in die Eucharistie zurückgezogen hat. Dieser sakramentale Zustand ist den Schwachen ein Ärgernis, eine Torheit in den Augen der Ungläubigen und eine Möglichkeit zur Verachtung für die Heiden.

Nehmen wir kein Ärgernis an dem, was unsere unerschöpfliche Bewunderung, unsere Liebe und unsere Dankbarkeit hervorrufen muss: es handelt sich um den ewigen Triumph der Liebe Jesu Christi.

Heben wir daher für einen Augenblick diesen geheimnisvollen Schleier, welcher den Heiligen der Heiligen bedeckt.

* * *

1. Durch seinen verborgenen Zustand setzt Jesus Christus in unserer Mitte seine Sendung als Erlöser zur Ehre seines Vaters und aus Liebe zu uns fort.

a) Der Stolz ließ den Menschen verloren gehen. Durch seine Demut richtet ihn Jesus Christus wieder auf, gibt ihm seine Ehre wieder zurück und stellt seine anfängliche Würde wieder her. Welchen harten Kampf hat Jesus Christus dem menschlichen Stolz geliefert! Dieser Kampf beginnt im Stall von Betlehem, er setzt sich fort in der Werkstätte von Nazaret und endet mit den Demütigungen am Kreuz.

Aber welch herrlicher Sieg war auch damit verbunden!

Wie glorreich ist die Auferstehung Jesu, wie triumphal seine Himmelfahrt!

Jesus Christus will inmitten der Menschen die demütige Dienerkleidung seines Kampfes als den herrlichsten Zustand für seinen Vater und als die ermutigendste Form für die Seinen beibehalten. Durch seinen sakramentalen Zustand will er die großen Tugenden seines Lebens aufrechterhalten, was er in seinem verherrlichten Zustand im Himmel nicht erreichen könnte.

Wie schön ist doch seine eucharistische Demut, wie reich seine eucharistische Armut! Wie bewundernswert ist sein sakramentaler Gehorsam!

Mit welch wohlwollenden Blicken muss der himmlische Vater auf diese göttliche Hostie blicken, wo sich der verherrlichte Jesus noch immer zu seiner Verherrlichung opfert und ihn mit neuer Erniedrigung anbetet; wo er das Mittel fand, das Kalvarienopfer ununterbrochen bis zu seinem Thron aufsteigen zu lassen.

 

b) Jesus verherrlicht in seinem verborgenen Zustand alle Daseinsformen seines sterblichen Lebens. Mit der Eucharistie beneide ich nicht das Glück von Betlehem, das Leben in der Familie von Nazaret und die Gastfreundschaft von Betanien. Ich habe alle diese Daseinsweisen, alle diese Liebesformen und Gnaden im eucharistischen Zustand Unseres Herrn. Es fehlt uns nur mehr das Herz von Maria und vom hl. Joseph, die Liebe Magdalenas, der Eifer Martas und die Dankbarkeit des Lazarus und Zachäus.

Wenn aber Jesus von seinem sterblichen Leben lediglich das verborgene Leben beibehalten will, so deshalb, um uns durch diese Wahl zu zeigen, dass dieser Zustand der vollkommenste, seinem Herzen am liebste und für Gott der ehrenvollste ist.

Welche menschliche Ehre müsste sich fürchten, sich zu erniedrigen und zu demütigen, wenn der König der Herrlichkeit bis zu einem solchen Dasein herabgestiegen ist?

Welcher Reiche würde nicht die liebenswürdige Armut Gottes in der Hostie schätzen?

Wer weigerte sich, Gott zu gehorchen, wenn Gott selbst hier dem Menschen gehorcht?

 

2. Verborgen setzt Jesus Christus noch immer seine Sendung als Erlöser durch das Werk unserer Heiligung fort.

a) Der verborgene Jesus ermutigt meine Schwachheit. Er verhüllt seine Herrlichkeit, damit ich es wage, mich ihm zu nähern, ihn anzusehen, mit ihm zu sprechen.

Wie? Die Hebräer konnten Mose nicht anblicken, weil sein Gesicht strahlte; wie würde es erst sein, die Sonne der Gerechtigkeit, den majestätischen Gott selbst anzusehen?

Angenommen, wir ertrügen den Anblick des verherrlichten Jesus, dann wäre er strahlender als auf dem Tabor. Die Christen würden nicht mehr von dieser Welt sein; sie würden nicht mehr daran denken, ihren Pflichten nachzugehen; das wäre sozusagen die Ekstase eines vorweggenommenen Himmels. Nun soll aber die Welt ein Schlachtfeld sein, wo die Liebe Gottes ständig auf dem Posten zu stehen hat.

Jesus verhüllt seine Macht. Sie ist so hoch, so erhaben, dass sie unsere schwachen Tugenden entmutigen würde. Eine Mutter stammelt mit ihrem Kleinkind, um es bis zu sich, bis zum Vater, bis zu Gott zu erheben.

Jesus verbirgt auch seine Liebe; sie ist so groß, so innig und unendlich, dass sie uns verzehrte, wäre sie nicht mit dem sakramentalen Schleier eingeschränkt.

 

b) Der eucharistische Schleier vermehrt den Glauben des Christen. Dieser ist an sich ein von den Sinnen losgelöster, reiner Verstandesakt. Vor allem für die Eucharistie nützen einem die Sinne nichts. Die Eucharistie ist das einzige Geheimnis Jesu Christi, wo das der Fall ist. Einstmals haben die Sinne Jesus Christus wirklich gesehen, sie haben ihn berührt und bewundert. Hier aber haben sie keine Möglichkeit mehr dazu. Ihr Zeugnis könnte uns sogar täuschen, würden sie nicht vom Glauben korrigiert.

Man muss Jesus Christus auf sein Wort hin glauben und das Opfer unserer Sinne, unseres Geistes und unseres Verstandes bringen. Der Mensch hat nur eine einzige Frage zu stellen, so wie der geheilte Gelähmte: wer ist der Messias, damit ich an ihn glaube? Jesus antwortet: Ich bin es; und er warf sich nieder und betete ihn an.

Oder wie die Weisen aus dem Morgenland fragten: Wo ist der König der Juden? Und sie traten in das Haus ein und beteten ihn an 4.

Dieser von den Sinnen losgelöste, freie und in seiner Tat reine Glaube vereinigt uns einfach mit der Wahrheit Jesu Christi im hlst. Sakrament. "Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe", beteuert er, "sind Geist und Leben".

So versetzt sich die Seele dann in die wunderbare Schau dieser göttlichen Gegenwart, die hinreichend verschleiert ist, um ihren Glanz zu mildern, aber auch durchsichtig genug für die Sicht durch den Glauben.

Dieser eucharistische Schleier ist für den Glauben eher ein Stachel als eine Prüfung. Es reizt einen, in eine verschleierte Wahrheit vorzudringen, einen verborgenen Schatz zu entdecken oder eine Schwierigkeit zu überwinden. So sucht eine treue Seele im Angesicht des eucharistischen Schleiers ihren Herrn wie Magdalena am Grabe. Sie ruft nach ihm wie die Braut im Hohen Lied. Es gefällt ihr, ihm alle Schönheiten zu schenken und ihn mit allen Ehren zu krönen. Es ist wie im Himmel: eine stets neue Wahrheit, eine stets neu-geborene Schönheit.

 

c) Der eucharistische Schleier vervollkommnet die Liebe des Gläubigen. Er reinigt sie und löst sie von den Sinnen. Was die irdische Liebe, die Liebe zur Welt grobschlächtig macht, ist die Tatsache, dass dem Sinnenreiz und sinnlichen Vergnügen die Hauptrolle zukommt.

Der eucharistische Schleier vergeistigt unsere Liebe zu Jesus Christus. So kommt eine Vereinigung von Geist zu Geist und von Herz zu Herz zustande. Das Fleisch bringt dabei keinen Vorteil.

Der eucharistische Schleier stachelt unsere Liebe an, indem er ihre Innigkeit anfacht. Unser Herr sagt: Selig sind jene, die Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit haben.

Das verborgene Dasein erleichtert auf wunderbare Weise die Betrachtung. So dringt die Seele, wie Mose, durch den geheimnisvollen Nebel und bittet Unseren Herrn um die Offenbarung seiner anbetungswürdigen Person: Ostende mihi faciem tuam. (Lass mir dein Angesicht schauen.)

Der eucharistische Schleier erhält jedoch bei den Gläubigen die Ehrfurcht, die durch eine hl. Scheu vor dieser verborgenen Majestät entfacht wird; gleichzeitig ist dieser Schleier für die Ungläubigen eine Art Barmherzigkeit, der sie nicht wie die Dämonen der Gefahr aussetzt, dieser göttlichen Majestät die Stirn zu bieten.

Überdies braucht die Liebe Unseres Herrn das Geheimnis, weil sie unendlich mächtig ist. Die Liebe, welche durch Anblick und Zuneigung ihren Gegenstand umarmen kann, muss begrenzt bleiben; sie ist endlich; sie hat keine neue Nahrung und bald kein Leben mehr.

Das ist der tiefste Grund, warum so viele Liebesgeschichten nur einen Tag dauern. Sie haben sich erschöpft; sie haben die Nichtigkeit und Leere dessen gesehen, was sie geliebt haben. Und somit umgibt sich auch eine solche Liebe mit Geheimnischarakter und Heuchelei; sie will groß sein und mit allen Eigenschaften geziert sein, denn die Liebe beginnt mit der Wertschätzung. Von dort kommen dann die Enttäuschungen, die Hoffnungslosigkeit zum Zeitpunkt, wo man die Wirklichkeit erfährt.

Aber Jesus Christus verbirgt sich in diesem Geheimnis nur aus Rücksicht auf die Schwäche der Menschen, um sich ihm stufenweise zu zeigen in dem Maße, wie er in der Liebe wächst; so ähnlich wie sich eine Mutter bis zu ihrem Kind erniedrigt, um es dann zu seiner Urteilsfähigkeit, seiner Tugend und seinem Leben emporzuheben.

So findet die Liebe im eucharistischen Geheimnis eine stets neue Nahrung, weil ihr ihr göttlicher Gegenstand mit einer neuen Eigenschaft, einer neuen Güte entgegentritt.

Wie nun auf dieser Welt die Liebe von Glück und Wünschen lebt, lebt auch die Seele in der Eucharistie von Glück und Wünschen, sie freut und sehnt sich, sie isst und hat doch noch Hunger. Es spielt sich in ihr etwas ab wie im Himmel, wo die Heiligen Gott in ewiger Ekstase von Liebe und Glück schauen und betrachten: eine stets alte und gleichzeitig neue Schönheit.

So schöpft auch die Seele Jesus nie aus.

In dem Maße, wie sie in die unergründlichen Tiefen seiner Güte eindringt, entdeckt sie dabei immer neue Schätze. Jesus wird in ihren Augen immer liebenswürdiger. "Wer mich liebt", sagt Jesus, "wird auch von meinem Vater geliebt werden, und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren".

Was bedeutet diese Offenbarung Jesu? Es ist das Geheimnis seiner Liebe, welches Licht, Milde, Kraft, Freude und Glück wird: der Himmel in der Seele.

  

 

Die Eucharistie, das Gedächtnis des Todes des Erlösers

"Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus diesem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er wiederkommt." (1Kor 11,26)

 

Auf welche Weise ist die Hl. Eucharistie die Verkündigung des Todes des Erlösers? Ist sie nicht im Gegenteil das lebendige Gedächtnis seiner selbst, der beständige Sieg seiner Auferstehung und seiner Liebe?

Die Hl. Eucharistie ist sowohl das eine als auch das andere. Sie erinnert uns, dass seine Liebe durch seinen Tod am Kreuz gesiegt hat; sie schenkt uns sein göttliches Leben, das aus seinem mystischen Tod auf dem Altar entspringt.

Deshalb sieht der hl. Paulus in der göttlichen Eucharistie in direkter Weise nicht die Liebe, die sich opfert und sich noch immer durch das eucharistische Opfer schenkt. Der Tod ist nämlich der größte Beweis der Liebe, und hier in der Hl. Eucharistie ist sie sein ewiger Triumph.

Betrachten wir nun die Liebe Jesu Christi in seinem Opfer; so werden wir dann die Größe und Macht dieser Liebe besser begreifen.

Die Hl. Eucharistie ist die Frucht und der Zweck des Todes Jesu; sie setzt in unblutiger Weise seine Hinopferung unter uns fort. Sie verlängert seinen Tod in uns durch das christliche Leben.

* * *

1. Die Eucharistie ist Jesu Testament, das in seinem Blut gründet. So nennt er selbst. Nun ist es der Tod, wie Paulus sagt, der einem Testament seinen Wert und sein Leben gibt. Jesus musste also sterben, um sich selbst uns zu vermachen. Wenn ich die anbetungswürdige Hostie sehe, muss ich mir sagen: dies ist das Testament meines Erlösers, das letzte Geschenk seiner Liebe. Er setzte es in jener Nacht ein, in der er verraten wurde, am Vorabend seines Todes, und er sagt: Tut dies zu meinem Andenken!

Er ist ein Sterbender, der seinen Kindern oder einem Freund ein letztes Liebespfand schenkt und sagt: vergesst mich nicht, hier gebe ich euch mein Andenken.

O göttliches Testament, das uns Jesus Christus gibt und mit ihm alle anderen Güter!

O Liebe meines Gottes, die das Geheimnis des Überlebens gefunden hat, um sich nie mehr von den Menschen trennen zu müssen! Wie undankbar wäre doch ein Mensch, wenn er seinen Wohltäter vergäße. Leider! Wer denkt schon an den Testamentgeber vor der göttlichen Eucharistie? Wollen wir wie entartete Kinder sein, die nur von der Freude einer Erbschaft träumen, dabei aber den Vater und die Mutter vergessen, die sie bereichert haben?

Überdies ist die Hl. Eucharistie das Ziel des Todes unseres Erlösers. Sie ist sein immer-währendes Opfer. Um dieses göttliche Opfer einzusetzen, das alle anderen Opfer ersetzen sollte, brauchte es einen Priester, ein stets lebendiges Opfer, um zur Verherrlichung des Vaters und für das Heil der Welt dargebracht zu werden.

Jesus Christus ist dieses Opfer; um dieses Opfer zu werden, stirbt er einmal in blutiger Weise am Kreuz. So opfert er sich selbst in sichtbarer Weise, bevor er es durch die Amtshandlung seiner Priester tut. Er bringt das erste Opfer dar, bevor er dies als göttliche Einsetzung festlegt und dazu die Vollmacht erteilt, dieses Opfer in seinem Namen zu erneuern.

* * *

2. Die Eucharistie setzt die Aufopferung Jesu Christi in unserer Mitte fort. Der Priester verwandelt getrennt das Brot und den Wein, indem er zum einen sagt: das ist mein Leib; und zum andern: das ist mein Blut. Durch die eindeutige Kraft dieser Worte wird der Leib vom Blute getrennt. Wenn dabei dennoch der Tod nicht eintritt, so deshalb, weil sich der verherrlichte Zustand des auferstandenen Jesus dem widersetzt. Der Tod kann ihn nicht mehr erreichen, d.h. dessen Zustand; er versinnbildet seinen blutigen Tod und bringt so ein wirkliches Opfer dar; er wird tatsächlich geopfert, wenn auch in unblutiger Form, er befindet sich in einem Opferzustand, aber ohne zu leiden noch zu sterben.

Das ist es, was uns die Riten des hl. Messopfers in Erinnerung rufen; und der Priester, bekleidet mit den liturgischen Gewändern, vertritt Jesus Christus in seiner Passion 1.

Das Schultertuch ist das Bild des Schleiers, das von den Soldaten auf das anbetungswürdige Gesicht Jesu geworfen wird. Die Albe versinnbildet das weiße Kleid, das ihm Herodes zur Verspottung anziehen ließ.

Das Zingulum erinnert an die Fesseln, die Jesus angelegt wurden, um ihn von Getsemani zum Gerichtshof des Kaiaphas zu führen. Der Manipel weist auf die Ketten hin, die ihn an die Geißelsäule banden.

Die Stola stellt die Seile dar, an denen er bis auf den Kalvarienberg gezogen wurde.

Die Kasel ist der Scharlatanmantel, mit dem Jesus im Prätorium verhöhnt wurde, oder auch das Kreuz, das ihm auferlegt wurde. Übrigens ziert das Kreuz alle heiligen Gewänder der Messe und beherrscht den Altar. Bei der Weihe des Korporale nennt die Kirche dies: novum sudarium, ein neues Schweißtuch.

Und der Altar hat die Form eines Grabes.

Auch hat sich bei Erscheinungen der hl. Hostie, z.B. in Paris 1290 und in Brüssel 1369 Unser Herr mit seinen Wunden gezeigt, um uns zu sagen, dass er in der hl. Messe wie im Himmel das geopferte Lamm ist das seinem himmlischen Vater die geheiligten Wundmale seiner Passion zeigt, "stets lebendig, um für uns einzutreten".

 

3. Die Eucharistie verlängert in uns seinen Tod. Warum sollte Jesus Christus so enge Beziehungen herstellen zwischen der Eucharistie und seinen Tod? Um uns zu lehren, welches die Wirkungen der Eucharistie in uns sein sollen.

Vor allem geht es darum, dass wir der Sünde absterben, welche den Tod Jesu verursacht haben; diese Sünde, die in uns lebt und wogegen das BROT des Lebens ein sicheres Gegengift darstellt. Es geht auch darum, dass wir der Welt absterben, die der Sünde als Instrument gedient hat und noch immer ihr mächtiger Helfer in uns ist. Durch die Kommunion kann der Christ das Wort des hl. Paulus verwirklichen: "Durch Jesus Christus ist die Welt für mich gekreuzigt worden, wie ich für die Welt gekreuzigt bin".

Schließlich geht es darum, dass wir uns selber absterben, unsere abwegigen Neigungen, unsere Laster und eigensüchtigen Wünsche ablegen, damit wir in Jesus Christus leben und ihn anziehen. Das war der Sinn der weißen Kleider, die einst die Neugetauften trugen, die das erstemal zum Tisch des Herrn traten.

Dank dieser Wirkungen lässt uns die Eucharistie teilhaben an der Auferstehung Jesu Christi: "Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt", sagt er, "hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag".

Die Kommunion ist also das Unterpfand einer glorreichen Auferstehung. Jesus Christus wird wie ein Same in unseren Leib gesät, und dieser Keim wird zur gewollten Zeit seine Früchte tragen; aber jetzt schon sichert uns Jesus Christus das Leben der Gnade in unserer Seele zu, das eine unverzichtbare Bedingung für die Auferstehung zur Herrlichkeit des Himmels ist.

  

 

Überall und jederzeit

Hätte sich Unser Herr nur einmal, und zwar seinen Aposteln in der Eucharistie geschenkt, so hätten wir ohne Zweifel seine Güte bewundert, denn auch wir hätten irgendwie immer an dieser einmaligen Gnade teilgenommen; aber wir würden sie um ihr Glück beneiden, und es würde uns leidtun, nicht auch diese Gunst zu genießen, die ihnen zuteil wurde.

Nun gut! Unser Herr wollte, dass keines seiner Kinder dieser Gnade beraubt würde und niemand auch nur den Schatten des Bedauerns verspüre; weil er sie alle in gleicher Weise liebt, deshalb hat seine Allmacht und Liebe diese Gunst durch das Wunder der Vermehrung der eucharistischen Gegenwart für alle und für immer ermöglicht. Er schenkt sich allen; wir haben also ebensoviel wie die Apostel.

* * *

Warum handelt er so? Zuerst einmal, um sich den Dämonen zu widersetzen, die uns nie verlassen, und um uns gegen ihre Angriffe zu stärken.

Überdies: als Unser Herr auf Erden weilte, zog er gewöhnlich immer weiter, wie es das hl. Evangelium zeigt. Er zog vorüber, indem er Gutes tat, alle heilte, die er auf seinem Weg antraf, die Blinden, Lahmen und Besessenen. Aber wie viele Gegenden gab es, wo er nicht vorbeikam; und wie viel Orte gab es, wo er bereits vorbeigezogen war, als aber die Kranken ankamen, war es schon zu spät.

Nun aber zieht Jesus nicht mehr vorüber, er verweilt unter uns; er erwartet uns Tag und Nacht, und das bis zum Ende der Welt! Er bleibt im Sakrament; er weilt hier, um unsere Wunden zu heilen, unsere Tränen zu trocknen und alle unsere Gebrechlichkeiten zu lindern.

Oh, welche Liebe!

Unser Herr dachte an uns und sagte: sie können mich vielleicht nicht besuchen, wann sie möchten. Nun gut! Ich werde auf sie warten, ich werde hier bleiben, ich werde sie nicht warten lassen.

Ist das möglich? Hat man so etwas je in der Welt erlebt? Nicht einmal die Rangordnung wird dabei eingehalten: der Diener wartet auf seinen Meister, aber der Meister wartet nicht auf seinen Diener. Der König wartet nicht auf seinen Untertanen.

Kann man begreifen, dass sich ein Gott so verschwendet? Seine Liebe kennt keine Grenzen!

* * * 

Wenn es wenigstens darum ginge, seine treuen und ergebenen Diener zu empfangen und sie im Kreise seiner Freunde aufzunehmen! Aber nein, er wartet inmitten eines ihm feindlich gesinnten Volkes und muss oft nur Beleidigungen hinnehmen.

Oft passieren Gottesraube. Macht nichts. Er wartet in der Stille der Einsamkeit. Er setzt sich nie den Entheiligungen zur Wehr, wenn die Tür seines Tabernakels aufgesprengt wird, das Ziborium zerbrochen wird und die heiligen Hostien mit Füßen zertreten werden... oder den Tieren vorgeworfen werden: das ist geschehen!

Unser Herr wusste das alles, und seine Weisheit hat dies erwogen; aber seine Liebe hat alle Schwierigkeiten überwunden. Die Hostie kann sich aus sich selbst nicht bewegen und nicht verteidigen. Ja, die Liebe Jesu Christi ist - menschlich gesehen - unerklärbar. Das ist es, was die Menschen nicht begreifen.

* * *

Wenn er wenigstens einen Endpunkt oder eine Bedingung für seine wirkliche Gegenwart in der Hl. Eucharistie festgelegt hätte! Aber nein! Er hat versprochen, dass er darin unter uns bleiben werde bis zur Vollendung der Jahrhunderte 1.

Wenn er wenigstens zu seinem Schutz Wächter an seiner Tür aufgestellt hätte. Aber nein! Unser Herr bedarf ihrer nicht. Die Wächter sind da, um jene auszusondern und zurückzuweisen, die sich nähern wollen. Die Großen dieser Welt brauchen sie, weil ihre Schwachheit die Anwesenheit der Volksmenge nicht ertragen könnte. Jesus könnte sicher seine Engel sichtbar machen, um auf ihn achtzugeben und rings um seinen Thron der Liebe zu wachen. Nein, er will es nicht. Die Engel sind da, aber sie beten ihn unsichtbar an, um die Menschen nicht fernzuhalten. Jesus Christus ist nämlich nicht für die Engel auf die Welt gekommen, die Eucharistie ist nicht für sie bestimmt. Sie gehört den Menschen: für die Menschen bleibt Jesus auf Erden; für sie setzt er sich so vielen Beschimpfungen aus; seine Liebe zu ihnen bewegt ihn, sich in der Hostie verborgen zu halten.

Oh! Welche Liebe zu den Menschen! Oh! Wie groß ist doch der Mensch!

* * *

Hätte Unser Herr in der Eucharistie seine Herrlichkeit beibehalten, so hätte uns der Glanz seiner Majestät geblendet; die Schwachheit unserer Augen hätten ihn nicht ohne zu erzittern ertragen können. Würde er seine Stimme hören lassen, die doch so sanft ist, würden wir erschrecken.

Was hat Unser Herr getan, dass wir ohne Furcht zu ihm kommen können? Er hat sich versteckt, verschleiert, vernichtet, er hat die Gestalten von ein wenig Brot und Wein angenommen, um allen zugänglich zu sein, damit sich alle seine Kinder ohne zu zittern ihm nähern können.

Dieser Jesus ist jener, den unsere Väter angebetet haben. So wie die Sonne, die uns bescheint, die nämliche ist, die sie beschienen und gewärmt hat, ebenso ist auch Unser Herr in der Eucharistie stets derselbe und stets neu wie die Sonne, die Tag für Tag auf- und untergeht. Die eucharistische Sonne kennt keinen Untergang, sie befindet sich immer am vollen Mittag und bescheint und wärmt alle Menschen.

Wir sind alle zum Tisch des Herrn geladen, wir nehmen alle teil an der gleichen Nahrung; der Gläubige erhält ebensoviel wie der Priester; und die Apostel haben beim letzten Abendmahl nicht mehr erhalten.

Es scheint zumindest, dass Unser Herr, wenn er auf der Erde bleiben wollte, nur reine und jungfräuliche Seelen um sich scharen sollte. Aber nein, Jesus Christus gibt sich in großzügiger Weise allen in gleicher Weise, er nimmt niemanden aus. Er bleibt in den hl. Gestalten, solange diese erhalten bleiben.

* * *

Was anderes sollte aus all diesen Beweisen der Herablassung geschlossen werden, als dass wir Unseren Herrn in seinem göttlichen Tabernakel oft besuchen und uns sehr glücklich schätzen sollen, ihn so nahe bei uns zu wissen. Lassen wir ihn in unseren Kirchen nicht allein. Preisen wir uns glücklich über seine hl. Gegenwart auf Erden in der Erwartung, dass wir die Freude erlangen, ihn in seiner Herrlichkeit zu schauen.

  

 

Glaube und Liebe

Eucharistischer Glaube und Unglaube

 

Während des Gespräches, das Jesus nahe am Jakobsbrunnen mit der Samariterin führte, war diese zuerst ungehalten über ihn, weil sie in ihm nur einen Juden vor sich sah; aber nach und nach fühlte sie sich angenommen. Jesus sprach zu ihr: "Wenn du bloß das Geschenk Gottes kenntest!" 1 Durch diesen Ausruf hellhörig geworden, wünscht sie sich das lebendige Wasser, von dessen Existenz ihr Jesus gesprochen hatte. In der Meinung, dieser Fremdling könnte ein Prophet sein, stellt sie ihm die große und noch unbeantwortete religiöse Frage: Wann und woher wird der Messias kommen? Als ihr nun Jesus seine Identität enthüllt, konnte sich diese Frau vor Glück nicht mehr fassen; sie wollte ihren Glauben mit ihren Mitbürgern teilen, selbst unter dem Preis eines öffentlichen Eingeständnisses ihres sündhaften Lebens.

Ach, wenn wir doch verstünden, was die Eucharistie ist! Wenn wir einen lebendigen Glauben an das Hlst. Sakrament besäßen, wie weise, reich, glücklich und heilig wären wir doch! Sie ist die königliche Wahrheit des Glaubens, sie ist die erhabenste Tugend der Liebe. Die Eucharistie ist die gesamte Religion in Aktion.

* * *

1. Der Glaube an die Eucharistie

Jesus Christus ist im Hlst. Sakrament gegenwärtig. Das lehrt uns der göttliche Glaube.

Wir glauben das, gestützt auf die Wahrhaftigkeit Jesu Christi. Er kann uns nicht täuschen. Er musste sein in der Synagoge von Kapharnaum abgegebenes Versprechen einlösen. Seine Worte im Abendmahlssaal können keine andere Bedeutung haben als die Wirklichkeit dieser Verheißung.

Der Glaube an die Eucharistie beruht einzig und allein auf dem Wort Jesu Christi, was wohlgemerkt durch das unfehlbare Lehramt der katholischen Kirche überliefert wird.

Es ist ein Akt der Unterwerfung unter einem Zustand und einer Gegenwart Jesu Christi, der menschlich unerklärlich ist. Äußerlich gibt es keinen Unterschied zwischen einer konsekrierten und einer nicht kongsekrierten Hostie. Die hl. Hostie hat, für sich genommen, keinen Beweis zu ihren Gunsten.

Auch der Zustand der Vernichtung, in welchem Jesus Christus verbleibt, ebenso seine scheinbare Indifferenz gegen erduldetete Schmähungen gereichen den Schwachen zum Ärgernis wie zur Zeit seiner Passion.

Es ist auch ein Glaubensakt am Priestertum, das von Jesus Christus im Abendmahlssaal eingesetzt wurde, an seine Dauerhaftigkeit, seine Heiligkeit und seine unveränderliche Wirksamkeit, selbst in einem sündhaften Priester.

Diese Opfer der Demut, welche unserem Verstand und unseren Sinnen abverlangt werden, bringen dem eucharistischen Glauben einen großen Wert und unschätzbare Vorteile ein.

* * *

Der Glaube an das Hlst. Sakrament ist der für Jesus Christus herrlichste Glaubensakt; er ist für den Christen der verdienstvollste und für sein Herz der trostreichste.

 

a) Die größte Ehre, die man einem Menschen erweisen kann, ist es, dass man ihm auf sein Wort hin glaubt; ebenso wäre es die größte Beleidigung, ihn der Lüge zu verdächtigen und von ihm einen Beweis, eine Garantie und eine Kaution zu fordern.

Wenn nun ein Kind, ein Diener oder ein Untertan einem Vater, einem Meister oder König aufs Wort glaubt, wie sollten wir dann nicht an Jesus Christus glauben, wenn er uns unter Eid und auf seine göttliche Wahrheit hin versichert hat, dass er wirklich im Hlst. Sakrament gegenwärtig ist?

Der Glaube des Christen an die Eucharistie beruht nicht auf Wundern, die er erlebt; nein, sondern vielmehr auf der Verheißung Jesu Christi. Die Wunder trösten und bestärken, aber sie bilden nicht das Fundament unseres Glaubens.

Dieser Glaube fußt auch nicht auf der Wissenschaft, auf den Beweisführungen und Verstandesüberlegungen; das wäre ein menschlicher Glaube. Der christliche Glaube an die Eucharistie ist für Jesus Christus deshalb so ehrenhaft, weil er in einer unüberbietbaren Weise seine erhabenste Wahrhaftigkeit ehrt.

Auch gereicht ihm dieser Glaube deshalb zur Verherrlichung, weil er ihn in seinem verborgenen Zustand anerkennt und anbetet. Die Ehre, welche einem Freund, einem Chef oder einem verkleideten König dargebracht wird, ist viel größer und liebenswürdiger. Es ist die Person, die man ehrt, die man nicht sieht, ohne bei den gegensätzlichen Äußerlichkeiten stehen zu bleiben.

Jesus Christus, der unter den hl. Gestalten verborgen ist, ist derselbe wie im Himmel, auf dem Tabor und am Kreuz. Ihn in dieser verschleierten Form verehren heißt: seiner göttlichen Person huldigen, das Geheimnis seiner Liebe respektieren.

 

b) Das ist auch verdienstvoller für uns. Der Glaube an die Hlst. Eucharistie ist ein äußeres und öffentliches Bekenntnis der göttlichen Gegenwart ohne Rücksicht auf den Menschen. Der hl. Bernhard sagte vom fleischgewordenen Wort: Es ist mir umso teurer, je verachtungsvoller es mir erscheint.

Desgleichen war der Glaube des Apostels Petrus angesichts der ungläubigen Volksmenge; der Glaube des Blindgeborenen trotz der Drohungen des Synedriums; des guten Schächers trotz der Erniedrigung des gekreuzigten Jesus.

Was ist es doch für ein schöner Tugendakt, von Jesus Christus zu bezeugen, dass er das ist, was er nicht aufscheinen lässt, und das Gegenteil von dem, was aufscheint.

 

c) Für den Christen ist es der trostreichste Akt. Hätte er nicht die heilige und anbetungswürdige Eucharistie, so würde er zwar gewiß aus dem Leben Jesu Christi, von seiner Lehre und nach seinen Beispielen leben; aber er könnte sich beklagen, weniger geliebt worden zu sein als die ersten Jünger. Die Juden wären mit ihrem Tempel und ihrem Kult reicher gewesen.

O ja, obwohl wir das Evangelium, die Gnade der Sakramente, das Erbe der Krippe und des Kreuzes des Erlösers besitzen, wäre das gegenwärtige Leben sehr traurig; nichts würde uns auf dieser Welt anziehen außer die Hoffnung auf den Himmel und die Liebe des Kreuzes.

Ebenso beklagenswert sind jene, die nicht oder nicht mehr an die Eucharistie glauben!

* * *

2. Die eucharistische Ungläubigkeit

Sie zeigte sich erstmals, als Jesus in der Synagoge von Kapharnaum die Eucharistie ankündigt und verheißt. Die von Petrus angeführten Apostel nehmen die Worte ihres Meisters an und halten ihm die Treue. Aber die Mehrheit der Jünger beeinflussten die Volksmenge und widersetzte sich diesem so pharisäischen Ärgernis.

Sie stellen die Macht Jesu in Frage: "Ist das nicht der Sohn Josephs, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie kann er sagen: Ich bin vom Himmel herabgekommen? Wie kann dieser Mensch sein Fleisch zu essen geben?"

Sie weigerten sich also, seinem Wort zu glauben. Jesus macht ihnen das zum Vorwurf: "Es gibt unter euch einige, die nicht glauben".

Schließlich verschmähten sie seine Güte. "Diese Rede ist zu hart. Wer kann sie anhören? - Von diesem Zeitpunkt an gingen sie nicht mehr mit ihm".

Das ist das Verbrechen desjenigen, der die Eucharistie leugnet. Wehe ihm! Denn auch sein Glaube an die anderen Geheimnisse Jesu Christi wird sich bald verdunkeln, er-schüttern und verlieren. Die Eucharistie ist das Leben und die Vollkommenheit aller Geheimnisse. Sie ist das "Geheimnis des Glaubens".

Es ist eine Tatsache: diejenigen, welche die Eucharistie leugnen, enden damit, dass sie Jesus Christus verlassen.

Selbst die Frömmigkeit ohne lebendigen Glauben an die Eucharistie welkt dahin. Sie hat kein aktuelles Zentrum der Zuneigung mehr.

Ist es möglich, dass ein Christ, der einmal geglaubt und die hl. Kommunion empfangen hat, den Glauben an die Eucharistie verliert? Den positiven Glauben? Nein. Ein Kind kann seinen Vater verachten, seine Mutter beschimpfen und beide verleugnen; aber leugnen, dass sie seine Eltern sind, niemals.

So kann auch ein Christ nicht leugnen, dass er kommuniziert hat, dass er damals glücklich oder wenigstens zufrieden war. Er muss bestätigen, dass sein Unglaube erst infolge von offensichtlichen Gründen des Gegenteils entstanden ist.

 

a) Sein Unglaube ist vielleicht nur sein eingeschlafener Glaube, weil er es unterlassen hat, von Gott in der Eucharistie zu träumen, weil er ganz mit irdischen Dingen beschäftigt war. Das ist ein Fehler des Vergessens, nicht des Unglaubens. Er erkennt seinen Gott nicht mehr an, weil es schon allzu lang her ist, seitdem er ihn gesehen oder empfangen hat.

Es ist wie mit einem Kind, das ganz jung von seinem Vater getrennt wurde und ihn aus den Augen verloren hat; wenn man man ihm aber die Ankunft seines Vaters mitteilt, oder wenn sich dieser zu erkennen gibt, dann beeilt sich das Kind und wirft sich in seine Arme.

So ergeht es auch dem Christen: wenn er in sich geht, zur Religion zurückkehrt und die Augen der Seele öffnet, weil er von einem Unglück getroffen wurde oder auf einem Schmerzenslager liegt, fühlt er, dass sein Glaube an die Eucharistie wiederkehrt, lebendig und stark wird. Das Fieber der Geschäftigkeit hat sich gelegt, er hat den Sinn des Glaubens wiedergefunden.

 

b) Sein Unglaube ist vielleicht die Folge einer Leidenschaft, die ihn beherrscht. Eine Leidenschaft, die herrschen will, ist grausam; wenn sie angegriffen wird, leugnet sie.

Solch ein Mensch soll sich fragen, seit wann er nicht mehr an die Eucharistie glaubt; er möge zur Quelle und zum Urgrund zurückkehren.

 

c) Sein Unglaube kommt vielleicht von einem zweifelnden Glauben: Zweifel des Ärgernisses beim Anblick soviel gleichgültiger, praktisch ungläubiger Menschen; Ärgernis einer falschen Wissenschaft, welche ihre Trugschlüsse verbreitet; Ärgernis des Schweigens Unseres Herrn - dann sagt man: wenn Jesus da wäre, ließe er sich nicht verspotten, er würde sich von Zeit zu Zeit zeigen; Ärgernis, das von seiten so vieler ehrlicher Menschen kommt, die nicht an die Eucharistie glauben und sich im Irrtum befinden.

Nehmen wir uns also in acht! Wiederholen wir oft das Gebet eines Familienvaters zu Unserem Herrn im Evangelium: "Ich glaube, Herr, aber hilf meinem Unglauben!"

Beim Eintritt in eine Kirche sei unser erster Gedanke: Jesus Christus ist hier! Unser erster Eindruck sei eine große Ehrfurcht; unser erster Akt eine tiefe Anbetung.

Das wird das Maß, die Stütze unseres Glaubens und selbst unserer Liebe sein.

  

 

Glaube an die persönliche Liebe Jesu Christi

Er hat mich geliebt (Gal 2,20)

Es ist ein tiefer Gedanke, der vom hl. Johannes ausgesprochen wurde, wenn er schreibt: "Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen".

Es gibt nämlich den Glauben an die göttliche Wahrheit, der von allen Christen verlangt wird; und den Glauben an die göttliche Liebe, der vollkommen ist. Die erstere Form des Glaubens muss aber an die zweite Stelle rücken, sonst droht er unfruchtbar zu bleiben.

Nun ist die Liebe, an die man glauben muss, vor allem jene, die Gott uns bezeugt hat, indem er uns seinen eigenen Sohn geschenkt hat, und die Jesus Christus uns kundtut, indem dem er sich uns in der Hl. Eucharistie schenkt.

Glücklich jene Menschen, die an diese Liebe glauben! Diese lieben nämlich tatsächlich.

Wie können wir wissen, dass Unser Herr uns liebt? - Aber welche Beweise würden wir von einem Menschen verlangen, der behauptet, er liebe uns? Wenn er ehrlich und in seiner Zuneigung beständig ist und uns dafür persönliche Zeichen gibt, dann haben wir keinen Grund mehr, daran zu zweifeln.

So verhält es sich auch bei Unserem Herrn.

* * *

1.- Er hat bestätigt, dass er uns liebt, wenn er sagt: "Niemand hat eine größere Liebe, als wer sein Leben hingibt für seine Freunde". Und er opfert sich für uns am Kreuz.

Aber am Vorabend seines Todes versammelt er ein letztes Mal seine Apostel im Abendmahlssaal. "Mit großer Sehnsucht", sagte er, "habe ich danach verlangt, dieses Pascha mit euch zu essen"; dieses Pascha ist jenes des neuen Bundes. Und er setzt die Eucharistie ein. Also hat er die Wahrheit gesagt. Wenn man einem ehrlichen Menschen aufs Wort glaubt, muss man dann nicht umso mehr dem Wort Unseres Herrn glauben?

Wenn jemand seinem Freund beweisen will, dass er ihn liebt, so sagt er es ihm persönlich und gibt ihm die Hand. Die Liebe mag keine Mittelspersonen.

Unser Herr hat nicht Engel oder auch nur die Amtspersonen der Kirche beauftragt, uns seine Liebe mitzuteilen; er ist persönlich in unserer Mitte geblieben, weil er wusste, dass nichts die dauernde Gegenwart und Lebensgemeinschaft aufwiegt, um die Liebe zu beweisen und zu erreichen.

Man wird einwenden, dass man ja das Evangelium mit den Berichten seines Lebens, seiner Tugenden und seiner Wunder hat. Ja, das hätte aber nicht genügt.

Seht diesen Christen, der lediglich seine Osterpflicht erfüllt. Wird er sich an Jesus Christus erinnern, wird er seine Liebe erkennen? Wenn er gelegentlich an Unseren Herrn denkt, so ist das eine entfernte, oberflächliche Erinnerung, die nicht imstande ist, in seinem Herzen auch nicht die geringste Liebesregung aufkommen zu lassen. Unser Herr will etwas anderes als das. Er hat sich zum lebendigen und fortdauernden Gedächtnis seiner selbst gemacht, damit man an ihn denken kann, ohne ihn zu lieben. Wenn er sich so hingibt, kann er hoffen, dass wir ihm als Gegenleistung unsere Liebe nicht versagen.

* * *

2.- Die Dauerhaftigkeit der Liebe Unseres Herrn in der Eucharistie ist ein weiterer unüber-sehbarer Beweis seiner Aufrichtigkeit. Es gibt für jemanden, der darüber nachdenken will, eine sehr betrübliche Tatsache. Jeden Tag werden auf der Erdoberfläche 250.000 Messen gefeiert. Ununterbrochen und zu jeder Stunde lösen sie einander ab. Sie sind der göttliche Blitzableiter gegen die von der Gerechtigkeit Gottes vorgesehenen Strafen. Und oft ist bei diesen Messen niemand dabei. Während Jesus für sie um Barmherzigkeit fleht, trotzen die Sünder Gott und seinem Christus.

Warum erneuert Unser Herr auf diese Weise sein Opfer, da sich doch so wenige die Mühe geben, daran teilzunehmen? Warum bleibt er immer auf so vielen Altären, wo doch fast niemand kommt, die Gnaden zu empfangen, die er mit vollen Händen bereithält?

Er liebt, er hofft, er wartet! Er möchte nicht, dass ein Sünder auch nur einen Augenblick lang auf ihn warten muss, wenn er nur an gewissen Tagen wiederkehrt. Er zieht es vor, lieber selber jahrelang auf den Sünder zu warten, um stets bereit zu sein und ihn nicht zu entmutigen, wenn er die Sklaverei der Sünde abschüttelt. Ach, wie traurig! Er wartet, gewöhnlich die ganze Woche lang, ohne dass jemand käme. Er hofft auf den Sonntag, um wenigstens an diesem Tag einige gute Gnaden auszuteilen.

Wie wenige denken doch an diese fortwährende Liebe Unseres Herrn!

* * *

3. Was noch bedenklicher ist, selbst bei guten Christen, ist die Frage, ob diese Liebe Jesu im Hlst. Sakrament wirklich eine für jeden einzelnen von uns persönlich ist.

Dazu gibt es nur eine Antwort: gehört ihr zu seiner Familie? Am Tag eurer Taufe seid ihr von Rechts wegen in die christliche Familie eingetreten. Nun lieben in einer Familie Vater und Mutter nicht jedes einzelne ihrer Kinder mit der gleichen Liebe? Und wenn sie jemand vorziehen, wäre es dann nicht das kleinste, das schwächste Kind?

Unser Herr liebt euch, weil ihr ein Kind der Familie des himmlischen Vaters seid, eines der Glieder seines Leibes, der die Kirche ist. Je mehr ihr Wunden zu heilen habt, desto zärtlicher liebt er euch.

Steigt er nicht jeden Morgen auf den Altar hernieder, um uns einen neuerlichen Beweis seiner persönlichen Liebe zu geben? Die Messe enthält als vervollständigenden Teil die Kommunion für Priester und Gläubige. Gibt er sich nicht ganz und gar jedem einzeln, der ihn empfangen will, hin? Spaltet man ihn, wenn man die Hostien teilt, weil mehr Leute zur Kommunion gehen, als man voraussehen konnte? Nein, er ist ganzheitlich gegenwärtig in jedem Teil der Hostie. Und er kommt mit gleichviel Güte und Gnaden wie das erstemal. Seine Liebe altert nicht und wird unsertwegen nicht müde.

Und wenn die Kirche mit Anbetern gefüllt ist, kann nicht jeder einzelne zu ihm beten, mit ihm sprechen? Und gibt er nicht jedem einzeln eine Antwort, als ob er der einzige Ratsuchende wäre? Jeder nimmt ihn für sich in Anspruch und tut dennoch niemandem Unrecht.

Noch mehr, die Kirchenväter bestätigen, dass Unser Herr alles, was er für alle getan hat, auch für jeden einzelnen von uns getan hätte.

Das ist wirklich die persönliche Liebe Jesu Christi in der Eucharistie!

Warum lassen wir uns nicht von dieser königlichen Wahrheit durchdringen?

Man hält sich bei zweitrangigen Andachten auf, wo die Eigenliebe und Kleinlichkeit auf ihre Rechnung kommen. Man geht in eine Kirche hinein, man besucht Kapellen, man bleibt vor den Statuen, vor Heiligenbildern stehen. Aber für Unseren Herrn, der wahrhaft gegenwärtig ist, hat man nichts übrig. Das ist ein Skandal! Der Türke, der eine Moschee betritt, lässt uns die Schamröte ins Gesicht steigen. Ach! Wir haben noch lange nicht den Glauben an die Liebe Unseres Herrn! Man sage nicht: das ist übertrieben. Sehen wir einmal, ob wir einen gewöhnlichen Menschen, einen Freund so behandeln würden, wie wir Unseren Herrn behandeln.

Wie viele machen sich über die Eucharistie überhaupt keine Gedanken! Ich verstehe nicht, dass Christen, Getaufte, die die Kommunion empfangen haben, in ferne Länder reisen, um dort ihr Glück zu versuchen, ganz ohne sich vorher zu fragen, ob es dort eine Kirche, einen Priester, ob es dort Jesus Christus gibt. Die Unglücklichen! Sie begeben sich freiwillig ins Exil, sie verlassen zusammen mit ihrem häuslichen Herd auch ihr religiöses Zentrum. Anstatt den Reichtum finden sie dort meistens nur bittere Enttäuschungen ohne jegliche geistliche Stärkung. Und müssten die Gläubigen, bevor sie ihre Wohnung wechseln, nicht danach trachten, sich möglichst in die Nähe Unseres Herrn im Hlst. Sakrament zu stellen?

Glücklich jene, die ihn oft besuchen und die Stimme der geweihten Glocken vernehmen können! Und noch glücklicher jene, die im Schatten seines Hauses wohnen; die sozusagen die Luft der Eucharistie atmen!

  

 

Der volle Glaube an die Eucharistie

Der Gerechte lebt aus dem Glauben. (Röm 1,17)

Was den Christen vom Weltmenschen, vom Sünder unterscheidet, ist die Tatsache, dass der Christ aus dem Glauben lebt. Aus dem Glauben leben heißt: denken, lieben und handeln unter der Einwirkung des Glaubens.

Der Glaube hat zwei Lebenselemente: der Glaube an den vergangenen Jesus und der Glaube an den gegenwärtigen Jesus. Man kann an Jesus in Betlehem, in Nazaret oder auf dem Kalvarienberg glauben, ohne an Jesus zu glauben, der in der Eucharistie zugegen ist.

Und dennoch fasst dieser Glaube alle anderen Geheimnisse zusammen und schließt alle geoffenbarten Glaubenswahrheiten in sich ein. Er belebt sie und verherrlicht sie alle. Von daher kommt die Bezeichnung für die Eucharistie: "Geheimnis des Glaubens".

Dieser Glaube muss, um vollständig zu sein, drei Stufen aufweisen: den Glauben an die Wahrheit der Eucharistie. - Den Glauben an die Liebe, welche die Eucharistie eingesetzt hat. - Den Glauben an die Kraft und Wirksamkeit der Eucharistie.

* * *

1. Der Glaube an die Wahrheit

Das ist das Gesetz des Glaubens. Er ist für das Heil notwendig. Er ist mächtig, wie es viele Wunder von Heiligen, Schutz vor materiellen Unglücksfällen, Befreiung von Besessenheit beweisen, und in jeder Epoche der Kirchengeschichte sich ereignet haben, und zwar mit Hilfe der Hl. Eucharistie. Wie viele Städte besitzen ein Denkmal eines öffentlichen Wunders durch das Hl. Sakrament!

Aber dieser Glaube kann unfruchtbar bleiben - und das trifft oft zu - wenn er nicht erleuchtet und überzeugt ist, dann beginnt er zu zögern und untätig zu werden. Warum zögern? Warum zweifeln?

Ist das Wort Jesu Christi nicht klar genug? Ersetzt es nicht alle Beweisführungen?

Über seine göttliche Sendung sprach Jesus zu den Juden: "Ihr forscht in den Schriften; nun geben sie Zeugnis von mir" 1.

Dasselbe kann man von der Eucharistie sagen.

Wenn man auch nicht das anbetungswürdige Geheimnis des Altars beweisen kann, weil sein Wesen unserem Verstand und unseren Sinnen unzugänglich ist, so kann man doch wenigstens unwiderstehlich dessen Wahrheit durch die Zeugnisse im Neuen Testament feststellen.

Leider! Es gibt niemanden unter uns, der nicht seinen mangelhaften Glauben an die Wahrheit der Eucharistie bedauern müsste. Man muss daher ohne Unterlass diesen Glauben beleben, nähren, um die Gleichgültigkeit und Kälte im Angesicht dieser Wahrheit zu vermeiden.

Wie kann das gelingen? Durch die Reue und Sühne für alle Fehler, die wir hinsichtlich der Ehrfurcht vor dem Hlst. Sakrament begangen haben, durch die häufige Erneuerung der Akte des Glaubens an die wirkliche Gegenwart; vor allem durch die Stärkung unseres Glaubens mit dem Beweggrund der Liebe Jesu Christi zu uns und die Überlegung unserer Undankbarkeit.

* * *

2. Der Glaube an die Liebe

Tatsächlich besitzt die Liebe ihren Glauben wie die Wahrheit.

An die Liebe glauben heißt, an ihr Geschenk glauben. An die göttliche Eucharistie glauben heißt folglich, glauben an das größte Geschenk der Liebe Unseres Herrn für uns.

Das heißt, seinem Glauben Leben einhauchen und nach den Gründen dieser Liebe fragen.

Das heißt: in der Eucharistie die Hingabe des ganzen Jesus Christus an den Menschen sehen: des auferstandenen Jesus Christus, seiner Gnade und seiner Herrlichkeit, seiner Tugenden und seiner Verdienste. Das heißt: in der Eucharistie den glänzendsten Beweis der persönlichen Liebe Jesu Christi sehen. "Er hat mich geliebt", sagt Paulus, "und er hat sich für mich hingegeben".

Wenn Gott Vater aus allen Menschen, die schuldig geworden und der Hölle ausgesetzt sind, jemand auswählte und zu ihm sagen würde: "Kind eines schuldigen Vaters, weil er sich gegen mich aufgelehnt hat, ich liebe dich dennoch mit innigster Zuneigung; ich möchte, um dir persönlich meine Liebe zu dir zu beweisen, alle Zeugnisse ausschöpfen, die ich dir geben kann. Ich werde dir meinen einzigen Sohn, der Gott ist wie ich, ausliefern, damit er dein Bruder, dein Freund und dein Erlöser wird. Er wird für dich geboren werden und wird an einem Kreuz sterben, um dich dem ewigen Tod zu entreißen; damit er aber dein ständiger Begleiter in deinem Exil, dein ständig bereiter Erlöser, deine Wegzehrung sei, wird er sich zum Sakrament machen, für dich allein. Und all das unter der einen Bedingung, dass du Jesus Christus vor seinem Feind den Vorzug gibst, dass du ihn liebst als deinen Heiland und ihm dienst als deinem Gott".

Was würdet ihr von Gott und von diesem Menschen denken? Dass dieser Mensch ebenso wertvoll ist wie Jesus Christus, mehr als das natürliche Leben und der verherrlichte Zustand Unseres Herrn, weil er ihn ja für den Menschen zum Opfer bringt, er, der Mensch, ist der Grund dafür.

Und trotz allem liegt hier die Wahrheit. Der hl. Paulus hat sie uns geoffenbart. Der hl. Johannes Chrysostomus erklärt sie: "Jesus Christus hat für jeden Menschen das getan, was er für alle getan hat".

Wir können also sagen: Jesus Christus wäre für mich allein geboren worden, wäre für mich allein gestorben und hätte sich für mich allein zur Hostie gemacht.

Warum dann nicht mit dem hl. Paulus hinzufügen: "Die Liebe Jesu Christi drängt mich". Darauf muss ich mit meiner persönlichen Liebe zur Eucharistie antworten.

* * *

3. Der Glaube an die Wirksamkeit

Es ist die Hl. Eucharistie selbst, die uns dieses Ziel erreichen lässt. Man muss an ihre Kraft glauben: sie ist das Leben der Schwachen wie der Starken. Das Zeugnis Jesu Christi ist klar: "Ich bin das Brot des Lebens; wer mich isst, der wird durch mich leben; wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm" 6.

 

a) Das Leben für die Schwachen.

Die Kommunion bewirkt eine Gnade der Kraft und der Milde. Die erstere ermutigt zum Kampf und zum Opfer; die zweite macht die Tugend erstrebenswert und beruhigt die Seele. Das ist die Erziehung einer noch schwächlichen Seele ähnlich jener einer Mutter für ihr kleines Kind.

b) Das Leben der Starken

In dem Maße, wie die Kommunion immer besser die Güte des Herrn auskosten lässt, ermuntert sie auch zu einer immer reineren und großherzigeren Liebe. Das ist die Arbeit der Liebe Unseres Herrn, um die Seele zur vollen Vereinigung zu führen. Das Gold trennt sich von allen Legierungen, wenn es durch den Schmelztiegel fließt, und das Feuer lässt es mehr und mehr eine feste Einheit werden.

Auch wer die hl. Kommunion empfängt, löst sich immer mehr von der Sünde; er triumphiert über die Leidenschaften, die Versuchungen, die Verführungen und Verfolgungen der Welt. Er schreitet fort von Tugend zu Tugend.

Jesus Christus bleibt in ihm und er in Jesus Christus.

  

 

Das Sakrament der Liebe 

Alle von Jesus Christus eingesetzten Sakramente sind Auswirkungen seiner unendlichen Güte und kostbare Gnaden seiner Liebe. Aber die Eucharistie ist das Sakrament der Liebe schlechthin. Dies ist die Bezeichnung, welche ihr die Kirche und die katholische Tradition gibt.

Die anderen Sakramente verleihen die heiligmachende Gnade, aber die Eucharistie enthält und gibt den Urheber der Gnade selbst; die anderen Sakramente senden einige göttliche Strahlen aus, aber die Eucharistie ist die Sonne der Gerechtigkeit und die Liebe, der glühende Herd dieses göttlichen Feuers, von dem Jesus Christus sagte: "Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, wenn es schon alle Herzen entzünden würde".

Durch die anderen Sakramente zeugt Jesus Christus den Menschen zum Leben der Gnade, er rüstet ihn aus für den christlichen Kampf und heilt ihn von den Wunden der Seele. Aber nur durch die Eucharistie macht er aus ihm einen vollkommenen Menschen, indem er ihn mit seinem eigenen Fleisch nährt.

Überdies schließt die Eucharistie alle Liebe und alle Geheimnisse des Lebens Jesu Christi in sich ein, sie ist sogar deren Ziel. Der hl. Bonaventura sagt: "Sie ist das große Gedächtnis seiner ganzen Liebe und wie eine Abkürzung all seiner Wohltaten".

Die Eucharistie ist das Gedächtnis und das Ziel:

Das ganze Leben Jesu Christi, all seine einzelnen Akte der Liebe, alle seine Geheimnisse vereinigen sich in seinem eucharistischen Leben. Die gesamte Religion, die ganze Heiligkeit liegt in ihr.

Auch der hl. Johannes Chrysostomus bestätigt: "Wenn ich die Eucharistie nenne, zeige und öffne ich euch alle Schätze der Güte Gottes".

Zu diesen Gründen, die bereits eingehend die Bezeichnung "Sakrament der Liebe", die der Eucharistie gegeben wird, rechtfertigen, fügen wir noch die drei folgenden Argumente bei, welche das Gesagte noch besser beleuchten.

Die Eucharistie ist das Sakrament der Liebe, weil sie die Liebe ist,

1. Die Liebe hat die Eucharistie eingesetzt

a) Wann?

Am Vorabend seines Sterbens, in derselben Nacht, in der Jesus verraten wurde 5, als die Menschen ihre Bosheit auf die Spitze trieben durch ihre Verschwörung, ihn töten zu lassen. Jesus Christus setzt sein Sakrament der Liebe für alle Menschen ein, also auch für seine Feinde, seine Henker - die uns alle vertreten - zur Stunde, in der sie gegen ihn die Gräueltaten ersinnen, die von ihrem Hass geprägt waren. Diesen Zeitpunkt hat er ausgewählt, um - gedrängt durch seine Liebe - den Menschen das zur Nahrung zu geben, was er als wertvollstes und göttlichstes besaß: seinen Leib und sein Blut, sein ganzes Selbst!

b) Wie?

Um ihnen ein solches Dauergeschenk zu bereiten, überspringt er die Gesetze der Natur, hebt sie auf, beherrscht sie und siehe da: er schafft einen Seinszustand, abseits von allen Seienden, ohne vor jedwedem Opfer, jeglicher Demütigung, jeglicher Entheiligung zurückzuscheuen.

c) Warum?

Jesus Christus antwortet: die Liebe kennt keine Unmöglichkeit; sie wacht nicht über ihre Würde; sie folgt nur ihrer Zuneigung.

Hört, was ein ehrwürdiger Diener Gottes6, ein erbauliches Vorbild seines Jahrhunderts, gesagt hat: "Wenn mein Glaube bezüglich dieses Geheimnisses erschüttert werden könnte, dann wäre es nicht die unendliche Macht Gottes, die ihn zum Schwanken brächte; sondern es wäre vielmehr seine äußerste Liebe, die er uns darin bezeugt. Wie kann etwas, was Brot ist, Fleisch werden, ohne aufzuhören, als Brot zu erscheinen? Wie kann ein Menschenleib sich gleichzeitig an mehreren Orten aufhalten? Wie kann er in einem fast unsichtbaren Raum eingeschlossen werden? Zu all diesen Fragen gebe ich eine eindeutige Antwort: Gott, der alles vermag, kann dieses Wunder bewirken.

Fragt man mich aber, wie es möglich ist, dass Gott ein so schwächliches, menschliches Geschöpf, das so unvollkommen und so wenig der Liebe würdig ist, liebt und trotz allem aus seiner Liebe zu dieser ärmlichen Kreatur eine Art Leidenschaft, eine Übertragung macht, und zwar mit einer solchen Bereitwilligkeit, wie man sie unter den Menschen niemals antrifft, dann muss ich zugeben, keine Antwort darauf zu wissen und dass ich diese Wahrheit nicht einmal verstehe."

* * *

2. Die Liebe verschenkt sich in der Eucharistie

Geben, sich verschenken: das ist das Bedürfnis und der Beweis einer echten Liebe.

Das Geschenk der Eucharistie weist alle Eigenheiten dieser Liebe auf: es handelt sich um ein totales Geschenk: Jesus Christus hat uns alles gegeben, er hat sich nichts vorbehalten; alles, was er ist und was er hat, alles hat er uns in der Eucharistie gegeben.

"Er hat die Reichtümer seiner göttlichen Liebe zu den Menschen sozusagen ausgeschöpft".

Obgleich er allmächtig ist, mehr konnte er einfach nicht geben8. Übrigens hat auch der hl. Paulus richtig angemerkt, dass "Gott durch die Hingabe seines eigenen Sohnes für uns alles nur denkbar Mögliche hergegeben hat".

Es ist ein ganz spontanes Geschenk: Jesus Christus hat mit großer Sehnsucht verlangt, sich uns mitzuteilen.

Es ist ein universales und dennoch ganz besonderes Geschenk: alle haben darauf ein Recht, alle sind dazu eingeladen, aber ohne sich ein Unrecht zuzufügen und ohne das Geschenk jemals auszuschöpfen.

Es ist ein Geschenk ohne Reue: es wird bis zur Vollendung der Jahrhunderte fortdauern.

* * *

3. Die Liebe will in der Eucharistie geliebt werden

Es ist der Wunsch und das Bedürfnis eines Liebenden, Gegenliebe zu erfahren. Liebe verlangt Gegenliebe. Auch Unser Herr hat gesagt: "Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, wenn es schon in den Herzen der Menschen brennen würde".

Die Eucharistie ist die Nahrung und die Schule der Liebe zu Jesus Christus.

Sie ist seine besondere Gnade, in uns die Nächsten- und Gottesliebe zu entfachen und uns so zu heiligen.

Jesus Christus kann sich mit uns nur durch die Liebe vereinigen; deswegen gibt er uns dazu die Gnade, damit seine und unsere Liebe wie zwei Flammen sind, die sich zu einer einzigen zusammenschließen. "Wer mich isst", sagt er, "bleibt in mir und ich in ihm"; und nach dem Abendmahl betete er zu seinem Vater, dass seine Jünger eins seien untereinander - Vater und Sohn - wie sie eins sind.

Auch der hl. Johannes Chrysostomus lehrt mit Begeisterung, dass "die Eucharistie wie eine glühende Kohle ist, die in uns in Liebe entflammt" für Jesus Christus und uns triumphieren lässt über all das, was in uns die Liebe zu hindern und auszulöschen trachtet. Die Eucharistie, sagt er, macht aus uns sozusagen Löwen, die Feuer ausspeien. Wir treten von diesem Tisch weg und sind dem Teufel ein Schrecken.

* * *

Von daher versteht man die Klagen Jesu an seine Vertraute Margarete-Maria Alacoque: "Sieh dieses Herz, das die Menschen so geliebt hat, dem nichts erspart blieb bis zu seiner Erschöpfung und Verzehrung, um ihnen seine Liebe zu bezeugen. Als Anerkennung erhalte ich von den meisten nur Undank durch Verachtung, Unehrerbietigkeit und Kälte, die sie für mich in diesem Sakrament der Liebe zeigen."

Das ist das Zeugnis Unseres Herrn, der selbst die Eucharistie sein Sakrament der Liebe nennt und auch die Begründung angibt: jene, die wir bereits gesehen haben.

Ja, die Eucharistie kommt vom Herzen Jesu. Sie ist in einem unüberbietbaren Maße sein Geschenk der Liebe. Sie erwartet unsere Liebe wie ein Recht, aber auch wie eine sühnende Genugtuung.

  

 

Der Gott der Güte

Wie gut ist doch der Herr Israels.  (Ps 73,1)

Das ist der Ausruf der Bewunderung, der dem König David für das jüdische Volk eingegeben wurde. Ist es nicht noch mehr für das christliche Volk angebracht, diesen Ruf zu wiederholen?

Die Juden erlebten die Befreiung aus Ägypten mit dem Durchzug durch das Rote Meer, die auf dem Sinai erfolgte Offenbarung und den Einzug in das Gelobte Land mit den zeitlichen Gütern, die es hervorbrachte.

Wir aber besitzen die Wirklichkeiten, welche im Alten Testament versinnbildet waren: wir besitzen die himmlischen Güter, wir haben Jesus Christus, wir haben die Eucharistie.

Ja, wie gut ist doch Gott!

Betrachten wir die Merkmale dieser Güte.

* * *

1. Es ist eine Güte ohne Hervorhebung ihrer Würde

Die Güte der Menschen ist normalerweise von Zeichen begleitet, welche die Würde des Gebers bezeugen; das ist irgendwie nötig, um ihm Respekt und Ehrfurcht zu sichern.

Hier: nichts. Jesus ist derselbe wie im Himmel und trotzdem verbirgt er seine Würde. Es gibt rund um ihm keinen sichtbaren, himmlischen Hofstaat, er verschleiert seinen verherrlichten Leib. Nichts erscheint, nur seine Güte, und auch die ist verschleiert.

Wenn dem nicht so wäre, würde uns seine Würde erschrecken, wie es bei Mose beim Herannahen Jahwes auf dem Sinai der Fall war; seine Herrlichkeit würde uns erdrücken; der himmlische Hofstaat würde uns durch die Vollkommenheit seiner Huldigungen ent-mutigen.

Er verschleiert sich aus Liebe; er demütigt sich, er steigt herab bis an die Grenze der Vernichtung, damit wir vor ihm keine Furcht zu haben brauchen.

Seht auch, wie in den Tagen seines sterblichen Lebens alle zu ihm kommen wollten: die Kinder, die Zöllner, die Aussätzigen, die schuldigen Frauen, alle. Er war so gut!

Schaut nun, was sich in unseren Kirchen abspielt. Keiner fürchtet sich hineinzugehen, alle kommen. Man weiß, dass man einem Vater, einem guten Meister entgegengeht.

Ach, wie gut ist doch der Herr Israels!

 

2. Es ist eine Güte ohne Sorge um ihre Würde

Jesus Christus erwartet den Menschen, den Armen, den Sünder. Er wartet auf uns schon am Morgen. Glücklich jener, der seinen ersten Segen empfängt.

Das Manna fiel vor dem Sonnenaufgang, vor dem Erwachen des Lagers der Israeliten. Jesus Christus, das wahre Manna und die Sonne der Seelen, ist auf dem Altar gegenwärtig, um uns gleich bei unserer Ankunft zu empfangen.

Jesus Christus wird mit offenem Herzen und ausgebreiteten Armen monate-, jahre-, ja ein ganzes Menschenleben lang warten. Er hört nicht auf, durch seine Gnade im Grunde der Seelen zu wiederholen: kommt alle zu mir, die ihr unter der Last eurer Prüfungen und Sünden stöhnt, ich werde euch erquicken!

Oh! Wenn wir Jesus Christus im Hl. Sakramente sehen, dann werden wir feststellen, wie zufrieden und dankbar er ist, dass wir kommen, ihn zu besuchen und zu empfangen; ist er doch allen alles, ohne einen Unterschied zu machen.

Man würde sagen, dass er der Schuldner und Interessierte ist; ebenso, dass er von jenen beleidigt wird, die nicht zu ihm kommen, die von seiner Güte nichts wissen wollen!

Oh! Wie lange schon wartet er auf unser Herz, auf unseren Besuch, auf unsere Kommunion?

Leider! Es gibt Leute, die aus eigener Schuld nicht mehr in die Kirche gehen, bis sie in einem Sarg zu Füßen Jesu Christi getragen werden, der bereits ihr Richter ist!

Wie werden diese Leute in der Ewigkeit erwacht sein?

 

3. Es ist eine ganz unauffällige Güte

Man sieht nicht einmal seine Gaben, die ja geistiger Art sind. Sonst würde man allzu leicht auf den Beschenkenden selbst vergessen. Man würde die schenkende Hand sehen, aber das Herz vergessen, aus dem das Geschenk kommt. Man würde bei seinem Leib stehenbleiben, und nicht bis zu seiner Seele, bis zu seiner Gottheit weitergehen. Er verbirgt sich, um zu geben, damit wir genötigt sind, zur Quelle des Geschenkes, zu seiner göttlichen Person, zu seiner Liebe vorzudringen; und auch um uns zu belehren, selber zu geben und zu danken.

* * *

4. Es ist eine Güte, die sich bis zur Schwachheit herablässt

Oh! Hier nehmen wir keinen Anstoß. Das ist das beste Merkmal der Güte Unseres Herrn. Seht, was die Zartheit einer Mutter vermag selbst zu undankbaren Kindern! Seht, wie ergreifend die Milde des Vaters zum verlorenen Sohn war. Er ging so weit, dass er sich jeden Tag an den Wegausgang begab, um zu sehen, ob der Unglückliche nicht doch zurückkehre.

"Und sofort, als er ihn von der Ferne erblickte, lief er ihm entgegen, warf sich ihm um den Hals und bedeckte ihn mit Küssen".

In der Welt nennt man ein solches Verhalten Schwäche.

Was soll man über Gott in der Eucharistie denken?

O Herr, wir müssten sagen: das ist ein Skandal deiner Güte. Jesus umgibt sich mit Schwachheit, er lässt sich im Sakrament seiner wirklichen Gegenwart entehren, verspotten und entheiligen. Er greift nicht ein! Kein Engel trifft diese neuen Sonnenanbeter, diese Gottesräuber, diese Judase! Nichts passiert! Und der himmlische Vater lässt es geschehen, dass sein Sohn, der Gegenstand seines unendlichen Wohlgefallens, verachtet wird; er verteidigt ihn nicht und gibt keine Zeichen von Trauer! Auf dem Kalvarienberg hat sich wenigstens die Sonne verfinstert, die Erde erzitterte, und die Gräber öffneten sich. Hier tut sich nichts.

So ist es seit dem Abendmahl und so wird es sein bis zum Ende der Welt.

O Gott, warum denn soviel Güte?

* * *

Es ist der Kampf der Liebe gegen die Undankbarkeit. Jesus hat eine größere Liebe, als der Mensch hassen kann; er will den Menschen lieben, auch wenn der Mensch nicht mag; er will ihm gut sein und auf ihn warten bis zur äußersten Grenze.

Er hat sich damit abgefunden, eher alles zu gewähren, als den Menschen auf der Stelle zu bestrafen. Er will den Menschen durch seine Güte sättigen.

Aber wie oft triumphiert in Wirklichkeit nach so vielen Jahren diese geduldige Güte, wenn Jesus einen Sünder, der bisher verstockt blieb, aufsucht und aus ihm ein besiegter Feind oder reuiger Henker wird.

Oh, welches Glück, welche Freude für sein Herz! Das ist die Güte Jesu! Sie liebt keinen äußerlichen Glanz, ist aber voll strahlender Liebe.

Wenn wir nur diese Güte durchdringen und sehen könnten! Unglückselig jener, der sie zu spät sieht!

Glücklich aber jener Mensch, der sie ehrt und liebt: der Herr wird ihn immerdar segnen.

  

 

Die drei Güter der Liebe

Was verlangt die Liebe, um befriedigt zu werden? - Sie fordert drei Dinge: sie will zeitlos sein, sich vervielfachen und sich vereinigen.

Um nun diese Ziele zu erreichen, wird die Liebe erfinderisch und einfallsreich; sie kapituliert vor keiner Schwierigkeit, vor keinem Opfer.

Ebenso verhält es sich mit der Liebe Unseres Herrn. Sie hat das Mittel gefunden, um gleichzeitig im Himmel und auf Erden zu sein. Dieses mächtige Mittel ist die heiligste und anbetungswürdige Eucharistie. Durch sie setzt sich Jesus Christus fort und vermehrt seine Gegenwart hier auf Erden, um dauernd unter uns zu leben und sich mit uns zu vereinigen bis zur Einheit in der hl. Kommunion.

* * *

1. Sich fortsetzen

Jeder liebende Mensch möchte, dass seine Liebe ewig dauere. Das ist natürlich. Daher seine Beteuerung der Treue, seine gegebenen Pfande und seine hinterlassenen Erinnerungen. Aber umsonst. All das vergeht mit dem Menschen und wird im Grab bestattet.

Ach! Gäbe es doch einen dafür begabten Maler, um den Augen eines Menschenbildes Leben zu geben, das Herz schlagen zu lassen und das Leben zurückgeben zu können. Man sagt wohl von einem Porträt, es sei lebendig, eine Statue sei lebensgetreu, aber das ist ja nur eine Redensart. Was würde nicht der Vater oder eine Mutter drangeben, um zeitlos in ihrer Familie leben zu können! Einzig Jesus Christus hat die Macht, uns ein immerwährendes und lebendiges Gedächtnis seiner Liebe zu schenken. Das ist mehr als ein lebensechtes Bild: es ist er selbst, er als Ganzer, mit seiner Menschheit und mit seiner göttlichen Person. Wie das? Durch die Eucharistie.

Er hat beim Abendmahl bei der Wandlung des Brotes und Weines gesagt: "Das ist mein Leib, das ist mein Blut", und er hat den Aposteln die Kommunion gereicht.

Geschah dies aber nur für sie und nur einmal? O nein! Denn er fügt hinzu: "Tut dies zu meinem Gedächtnis!" Das heißt: verwandelt und teilt die Eucharistie aus, wie ich es gerade getan habe; ich bin bei euch bis zum Ende der Zeiten!

Wer wird Jesus Christus die Vollmacht nehmen, das zu erneuern, was er einmal getan hat?

Der Schöpfer hat jedem Lebewesen - Mensch, Tier und Pflanze - die Möglichkeit gegeben, in seinen Nachkommen weiterzuleben, sich in seiner Rasse und seiner Art fortzupflanzen.

Und das Leben Jesu Christi auf Erden sollte mit seiner Himmelfahrt zu Ende gegangen sein? Sollte es der Himmel allein besitzen? Wäre Jesus also nur in unserer Mitte hindurchgegangen? O nein, das ist nicht möglich.

Jesus wird auf Erden weiterleben und sein Dasein fortsetzen: in der Eucharistie! Sie ist die unablässige, ewige Ausdehnung seiner Menschwerdung durch die Amtshandlung des Priesters. Der Mann, der nicht zur Mithilfe bei der Menschwerdung herangezogen worden war, er allein hat die Vollmacht, Diener der Eucharistie zu sein.

Aber der Priester stirbt doch? Ja, der geweihte Mann stirbt, aber das Priestertum ist zeitlos. Es ist wie ein jahrhundertealter Baum, dessen Zweige sterben oder abgeschnitten werden können. Aber der Stamm stirbt nicht ab: so ist das Priestertum Jesu Christi, dessen Vollmacht der Kirche bis zum Ende der Zeiten übertragen wurde. Jeder Priester ist nur ein Strahl, mitten unter anderen Strahlen, Strahl einer unerschöpflichen Sonne.

* * *

2. Sich vermehren

Die menschliche Liebe vermehrt sich und möchte ihre Gegenwart noch mehr auf ihre Kinder ausdehnen. Wohl hat Gott einigen Heiligen die Gabe der Bilokation geschenkt; warum könnte dann nicht Jesus Christus seinem heiligen Leib dieses Wunder ermöglichen, überall dazusein? Hat er nicht versprochen, immer bei uns zu bleiben, ohne Unterschied von Ort und Zeit?

Ohne Zweifel wäre die Fortsetzung seiner Gegenwart durch das Handeln eines einzigen Priesters schon eine sehr große Gnade; der Autor der Nachfolge Christi spielt darauf an1. Aber wie viel Schwierigkeiten und Bedauern würde diese Einschränkung ihrem Urheber bereiten!

Jesus Christus will allen Menschen erreichbar sein. Er hat in der Nähe der Wohnungen seiner Kinder sein Haus, das stets zugänglich ist, und wo er immer bleiben wird. Zu diesem Zweck will er die Priester so vermehren, dass nicht nur jede Stadt, sondern jedes Dorf seine Kirche und seinen Tabernakel hat. Jesus Christus ist wie eine göttliche Sonne, die ihre Strahlen über die ganze Erde ausbreitet; wie ein Saft, der sich im ganzen Baum verteilt.

Oh! Wie genial ist doch seine Liebe!

Der Schreiber der Nachfolge Christi vermerkt es, wenn er sagt: "Jetzt gibt es mehrere Priester, und Jesus Christus wird an mehreren Orten geopfert, damit die Gnade Gottes und seine Liebe zu den Menschen umso mehr in Erscheinung treten kann, jemehr die hl. Kommunion in der Welt verbreitet wird" 2.

 

3. Sich vereinigen

Die Vereinigung ist das Ziel der Liebe, und so lebt sie in ihrer Mitte. Jesus Christus geht mit uns nicht nur eine moralische Verbindung ein - mit Gefühlen, Willen und Tugenden - sondern eine leibliche und lebendige. Sein Leib vereinigt sich wirklich mit uns, und sein göttliches Leben durchfließt uns wie der Saft vom Fuß des Weinstocks aus bis zu den Zweigen, die mit ihm verbunden sind.

Das ist der Höhepunkt seiner Liebe auf Erden. Durch die Eucharistie bleibt er in uns und wir in ihm. Er lebt in uns und wir leben aus ihm und durch ihn.

Als die Israeliten Ägypten verließen, um in das Gelobte Land aufzubrechen, mussten sie das Rote Meer durchqueren. Eine helle Wolke leuchtete ihnen voran und beschützte sie; das Manna nährte sie, und zu Füßen des Sinai tranken sie das lebendige Wasser aus dem Felsen, auf den Mose mit seinem Stab geschlagen hatte. Ägypten bedeutet für uns die Welt, in der wir leben; das Rote Meer versinnbildet das Blut auf dem Kalvarienberg; der Sinai stellt den Zionshügel, den Abendmahlssaal dar, wo das Gesetz der Liebe erlassen wurde; die Wolke erinnert an den eucharistischen Schleier, der die Herrlichkeit Jesu Christi zwar verbirgt, aber umso mehr seine Liebe zeigt; das Manna kündigt die Eucharistie an - Jesus selbst bezeugt es; ebenso symbolisiert das lebendige Wasser die Gnade und Sakramente, deren Wirkkraft von Jesus Christus ausgeht, der nach dem hl. Paulus durch den Felsen des Sinai dargestellt wird.

Wandern wir also mit der Eucharistie hin zum wahren Gelobten Land, zum Gelobten Land der Christen, zum Himmel.

 

 Inhalt   Teil 1/1  | Teil 1/2 |  Teil 1/3 |  Teil 1/4

SSS Links | Home | hl. Peter - Julian EYMARD | Eucharistie



©2000 Kongregation vom Heiligsten Sakrament, Wien, Email: chrast@katolik.cz
Tel. (0043) 1 597 81 17 ( + Klappe - P. Provinzial 42)