Die Liebe Jesu Christi zu den Menschen

Man muss  häufig auf die Liebe Jesu Christi zu uns in der Eucharistie zurückkommen, nie aufgeben, sie zu durchdenken und zu betrachten, um ihre Größe immer mehr zu schätzen.

Betrachten wir noch einige Merkmale dieser Liebe.

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1. Es ist eine großmütige Liebe

Die Großmütigkeit ist die Seele und der Beweis der Liebe. Eine Liebe, die hergibt, was sie besitzt, ist groß; aber sie ist noch nicht vollkommen. Man muss sich selber hingeben. Eine Mutter gibt etwas von ihrer Substanz her, um den Körper ihres Kindes zu formen.

Ein Vater setzt sich nicht nur mit seiner Arbeit und seinen Mühen ein, sondern er opfert auch - wenn es notwendig ist - seine Gesundheit, ja sogar sein Leben.

Jesus Christus geht noch weiter: Er schenkt seine ganze Person: seinen Leib, sein Blut, seine Seele, seine Gottheit. Er wird das Gut und die Nahrung des Menschen.

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2. Es ist eine einfache Liebe

An der Art, wie ein Geschenk dargereicht wird, und an seiner Form beurteilt man seine Qualität.

Die wahre, reine Liebe zeigt nur das Geschenk und verbirgt die Hand, die es reicht.

Die einfache Liebe verpackt das Geschenk, um den Freund, für den es bestimmt ist, zu überraschen.

Eine Liebe, die nicht einfach ist, stellt eine Nächstenliebe dar, die ihre Rangstellung auf Distanz hält und ihre Würde und ihren Edelmut anmerken lässt.

Wie einfach ist doch die Liebe Jesu Christi in der göttlichen Eucharistie!

a) Einfach im Menschen, der ihn schenkt, im Priester, seinem Diener, dem er seine Armseligkeit und Schwächen der Natur, die zur Sünde neigt, belässt; den er meistens aus den niedrigen Schichten der Gesellschaft auswählt, unter Handwerkern, selbst aus den Reihen der Armen.

Müsste er nicht aus Rücksicht auf seine Herkunft, seine Würde und Herrlichkeit als himmlischer König mit einer Engelschar dem Menschen entgegengehen? Oder für seinen Dienst alles das aussuchen, was am auserlesensten, reichsten und größten auf Erden zu finden ist? Nein. Das schickt sich für die Könige dieser Welt; sie brauchen dieses äußere Ansehen, um ihre menschlichen Schwächen zu bedecken.

Jesus Christus hat so etwas nicht nötig

b) Einfach in ihrer Form.- Er verschleiert seine Majestät, seine Macht, seine Ehre, ja selbst die Größe seiner Tugenden, um einzig seine Liebe zu zeigen, damit man es wagt, an ihn heranzutreten.

c) Einfach im Gegenstand des Geschenkes. - Es ist ein wenig Brot und etwas Wein, das er in sich selbst verwandelt und dabei noch die äußeren Gestalten erhalten lässt. So fällt er niemandem zur Last. Um ihn aufzunehmen, genügt ein Tabernakel, ein Speisekelch und ein Korporale. Der Platz, den er einnimmt, entspricht den Maßen einer konsekrierten Hostie, ja sogar eines Bruchstückes einer Hostie, die man einem Kind oder Kranken reicht.

Die Herrlichkeit Gottes erfüllte einst den von Salomo erbauten Tempel derart, dass niemand es wagte noch vermochte, in ihn einzutreten.

In der Eucharistie gibt es keinen äußeren Glanz, außer den ergreifenden Eindruck einer Einfachheit, die uns anzieht und ins Staunen versetzt.

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3. Es ist eine treue Liebe. 

Die Lebensgemeinschaft ist das Glück der Liebe. Je stärker diese ist, umso mehr sucht sie, diese aufrechtzuerhalten und zu festigen; umso mehr weigert sie sich, trotz allem auf sie zu verzichten.

Jesus Christus bleibt allzeit unter uns, nahe bei uns; er erwartet uns.

Ludwig XIV. beklagte sich eines Tages, dass er so lange habe warten müssen.

Jesus Christus ist Tag und Nacht ansprechbar; aus Liebe zu uns hat er diese Einsamkeit, dieses ausgedehnte und gar oft unvermeidliche Warten auf sich genommen.

Aber er harrt sogar aus in schuldbarer Verlassenheit, in der Verachtung und Schmähung.

Seine Treue ist vergleichbar mit der treuen Liebe einer Mutter, die ihrem Kind verbunden bleibt, auch wenn es undankbar und vom rechten Weg abgeirrt ist.

Ist es möglich, dass  der Wert eines Menschen in den Augen Jesu Christi einen so hohen Preis hat? Dass er in seinem Herzen soviel Platz einnimmt?

"Herr, was ist der Mensch", fragt sich der Psalmist, "dass du dich um ihn kümmerst!"

Legt auf die Schale einer Waage auf der einen Seite die Ehre und das Leben Jesu Christi, auf der anderen die Armseligkeiten und Bedürftigkeiten des Menschen: der Mensch wiegt mehr.

Sein natürliches Leben? Jesus Christus hat es für ihn auf dem Kalvarienberg geopfert.

Sein verherrlichtes Leben? Jesus Christus verschleiert für ihn dessen Glanz im hlst. Sakrament.

Oh! Mit der Eucharistie verstehe ich auch die Hölle: sie ist die Strafe, welche die göttliche Gerechtigkeit für seine verschmähte Liebe verhängt: er ist die Belohnung durch die göttliche Liebe, die glücklich ist, auf Erden geliebt worden zu sein.

  

 

Wie man Jesus Christus im Hlst. Sakrament lieben soll (N)

Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen.  (Joh 12,32)

Unser Herr hat vor allem durch das Kreuz die Seelen bis zu sich erhoben, aber er hatte auch seinen eucharistischen Thron im Auge.

Er hat sie erhoben durch die Anziehungskraft seiner Liebe. Diese Liebe ist aber erst dann mächtig, wenn sie zu einer übernatürlichen Leidenschaft geworden ist.

Jeder Gedanke und jede Tugend, die nicht zur Leidenschaft wird, bleibt eine Spielerei. Auch die Zuneigung eines Kindes ist noch keine volle Liebe.

Es gibt wohl die Tugend der Liebe oder die Liebe zur Tugend. Aber auch diese Liebe bleibt noch unvollkommen. Sie ist lediglich die Erfüllung des Gesetzes.

Die Liebe triumphiert erst dann, wenn sie zur Leidenschaft wird, weil die Leidenschaft die hingebungsvolle Zuneigung ist. Ohne diese bleibt die Liebe vermischt mit Eigenliebe; sie befähigt nur zu vereinzelten Akten der Hingabe und handelt, weil sie angelernt ist. So tut gewöhnlich ein Hausdiener.

Solange wir für die Eucharistie keine leidenschaftliche Liebe empfinden, haben wir nichts getan.

Die Leidenschaften im christlichen Sinn laufen gleich ab wie die natürlichen Leidenschaften.

Die Leidenschaft spannt den Menschen an. Ich spreche von den menschlichen Leidenschaften, unabhängig von Laster und Übel.

Betrachtet den Menschen, der bestrebt ist, eine ehrenvolle und gehobene Stellung zu erreichen. Er arbeitet nur darauf hin, dieses Ziel zu erreichen: zehn oder fünfzehn Jahre lang, das macht ihm nichts aus. - So etwas ist schön.

Die Leidenschaft bringt Einheit zustande: alles dient ihren Plänen und hilft zur Verwirklichung ihres Zieles; alles ist nur Mittel, um ans Ziel zu gelangen.

Denke an jemand, der ehrlichen Herzens einen Ehebund schließen möchte. Er wird so vorgehen wie Jakob mit Rachel vorgegangen ist: ich liebe sie, ich werde sie bekommen, und sei es erst nach zwanzig Arbeits- und Dienstjahren. - So etwas ist edel.

Ein Mensch, der keine Leidenschaft besitzt, hat sein Leben noch nicht begonnen.

In der Tat, jeder Mensch hat eine Leidenschaft. Sie kann schlecht sein, ein ständiges Verbrechen werden; sie kann aber auch ehrenvoll und wohltuend sein. Soweit sind alle Menschen gleich. Man geht nicht ziellos herum, solange man noch bei Sinnen ist.

Auch im übernatürlichen Bereich braucht es eine Leidenschaft. Ohne sie werdet ihr nichts erreichen.

Liebt dieses Geheimnis oder jene Tugend aus Leidenschaft. Ohne sie werdet ihr Tagelöhner bleiben, aber niemals ein Held werden. Nun gut! Habt eine Leidenschaft für die Eucharistie! Liebt sie, wie ein Mensch eine sympathische Person leidenschaftlich liebt, aber mit übernatürlichen Beweggründen!

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Nun muss  aber eine Leidenschaft beim Geist beginnen. In der Welt beginnt sie beim Herzen; daher verdunkelt sich der Geist; er überlegt nicht mehr, während sich das Herz entschleiert und sich preisgibt.

Im christlichen Leben läuft es nicht so ab. Man muss  mit dem Geist beginnen; man muss  sich eine große Idee, eine hingerissene Betrachtung Unseres Herrn im Hl. Sakrament formen.

Dann wird die Liebe beständig, weil sie einen Herd hat. Ein junger Mann sagt: ich liebe dich, ich liebe dich bis zum Tod, ohne zu wissen, was er sagt. Ein Genie sieht im Geist ein Meisterwerk, er liebt es im voraus, er will es mit allen Mitteln zustandebringen, weil er es kennt. Un der wird es schaffen.

Wer Unseren Herrn im Hl. Sakrament kennt, wer ihn sieht und von ihm hingerissen ist, der wird nur mehr an Unseren Herrn denken; er wird ihn betrachten, er wird seine hingebende Liebe sehen; von Verwunderung getroffen, möchte er in die Tiefe dieser Liebe vordringen; er wird sich ein Bild davon machen und zum Ausruf gedrängt werden: wie soll ich darauf antworten? Und siehe: die Liebe des Herzens nimmt Gestalt an.

Mit Recht sagt ein philosophisches Sprichwort: Was man nicht kennt, liebt man auch nicht.

Wenn man die Liebe Unseres Herrn im Hl. Sakrament erfasst hat und darin eingedrungen ist, springt das Herz auf ihn zu; es bringt nicht die Geduld auf, nur auf ihn zuzugehen. Der Geist sagt: Er liebt mich! Das Herz will sich mit ihm vereinigen und ihn zum Gegenstand seiner großen Liebe machen.

Diese Kenntnis der Liebe Jesu Christi zu uns wird zur Mitte, zum Herd, der unsere Liebe nährt und unsere Arbeit trägt.

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Alle können soweit kommen. Gibt es jemand, der in der Welt nicht liebt?

Mütter! Liebt Unseren Herrn wie einen Sohn!

Ehepartner! Liebt ihn, wie ihr einander liebt!

Kinder! Liebt ihn wie einen Vater!

Es gibt nur eine Liebe in der Welt; sie wird aber durch verschiedene Beweggründe angetrieben.

Es gibt so viele Leute, die Menschen bis zur Verrücktheit lieben, die aber in der Liebe zu Gott dumm sind. Das, was für ein Geschöpf bis zu einem gewissen Grad zu tun möglich ist, kann man für Gott endlos tun.

Eine Seele, die fortwährend an Unseren Herrn denkt, hat nur mehr eine einzige Kraft, ein einziges Leben. Sie sagt sich: Er ist hier; und sofort entsteht eine Verbindung des Gedankens und der Liebe; es entsteht Gemeinschaft des Lebens.

Warum soll man nicht dorthin gelangen?

Man geht 18 Jahrhunderte zurück! Man sucht Unseren Herrn auf dem Kalvarienberg, wo er sich für unsere Sünden geopfert hat; man geht zurück zur Krippe, um ihn in der Süße der Kindheit zu finden. "Warum", so könnte uns eines Tages der Herr fragen, "warum warst du nicht beim hlst. Sakrament, wo ich wirklich zugegen war?" Ihr müsst nur hingehen! Ach, welche Vorwürfe könnte er uns machen!

Beim Gericht werden uns nicht unsere Sünden niederdrücken: sie sind verziehen und - wenigstens zum Teil - gesühnt. Gott hat uns Jesus gegeben als Sühnopfer. Aber Unser Herr wird uns darüber Vorwürfe machen, dass  wir seine Liebe zu wenig geschätzt haben: "Ihr habt mich weniger geliebt als ihr die geschaffenen Wesen geliebt habt; ihr habt aus mir nicht euer Lebensglück gemacht; ihr habt mich nur soweit geliebt, dass  ihr nicht mehr gesündigt habt, aber nicht soweit, dass  ihr aus mir gelebt habt, wo ich euch doch sosehr geliebt habe. Und dessen ungeachtet gibt es das Gesetz des Herzens zu lieben, wenn man geliebt wird." Was mich erschreckt, ist dies: es gibt Christen, die an alle Geheimnisse und an alle Heiligen denken, nur nicht an Unseren Herrn.

Warum das? Weil man ihn nicht ansehen kann ohne zu sagen: ich muss  Liebe mit Liebe vergelten; ich kann ihn nicht allein lassen, ich muss  ihn besuchen.

Der Rest ist leicht, es ist Geschichte und Bewunderung. Aber hier muss  man bei Unserem Herrn verweilen, in ihm leben, sich hingeben und aus ihm die edle Leidenschaft unseres Herzens machen.

Es wird eingewendet: Das ist Übertreibung! Aber die Liebe ist nichts anderes als Übertreibung. Übertreiben heißt das Gesetz überholen; so ist es: die Liebe muss  übertrieben werden. Ist die Liebe Unseres Herrn zu uns nicht übertrieben? Aber daran denkt man nicht.

Also! Gehen wir mit Unserem Herrn! Lieben wir ihn seinetwegen und nicht unsertwegen. Lernen wir uns zu schenken, uns zu vergessen, uns für ihn zu opfern. Warum sollten wir nicht wie die Kerzen sein, die zu seiner Ehre brennen, bis sie sich ganz verzehrt haben? Welch schönes Opfer der Liebe? Wir können dann mit dem hl. Paulus sagen: "Ich bin mit Christus gekreuzigt worden, nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir".

  

Die Liebe und der Kult der Eucharistie

Ehre den Herrn mit deinem ganzem Vermögen! (Spr 3,9)

Gott möchte vom Menschen geehrt werden. Als Herr und Meister hat er ein Recht darauf.

Aber welche Art von Ehre möchte er von seinem Geschöpf erfahren?

Im Alten Testament hat Gott von den Israeliten, einem noch primitiven und nachrechnerischen Volk, die Darbringung ihrer irdischen Güter, die Erstlingsfrüchte oder fehlerlose Tieropfer verlangt.

Zu den Christen spricht Christus nicht so. Er verlangt weder ihr Geld noch ihre irdischen Güter. Und trotzdem sind die Christen noch freigebiger für den eucharistischen Kult an Jesus Christus, als es die Juden für den mosaischen Kult waren.

Der Jude war eher wie ein bezahlter Diener. Sein Gesetz war ein Gesetz der Furcht und des sklavischen Respekts, seine Religion bestand in bildhaften Riten und prophetischen Zeichen, die der hl. Paulus "schwache und armselige Elementarmächte" nennt.

Der Christ hingegen ist beseelt mit einem kindlichen Geist: sein ganzes Gesetz besteht in dem einen Wort: L i e b e! Jesus Christus gibt ihm kein anderes. Dieses Gesetz zielt auf einen aufrichtigen, uneigennützigen und großzügigen Kult zu Gott, seinem Vater, hin.

So soll es auch hinsichtlich des göttlichen Kultes, der für die Hl. Eucharistie gefeiert wird, gelten.

Die Liebe ist das höchste Gesetz des göttlichen Kultes, sie gibt dem eucharistischen Kult sein Leben, seine Vollkommenheit und seine Beglückung.

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1. Das erhabenste Gesetz des Kultes

Seht nach im Alten Testament! Abel opfert, ohne jedes andere Gesetz als das seines Herzens, seinem Schöpfer die besten Früchte der Erde und die schönsten Tiere. Und Gott nimmt die Opfergaben mit Genugtuung an und segnet ihn.

Als Noe aus der Arche stieg, bringt er Gott zum Dank ein Brandopfer mit Tieren dar, die als rein galten; und Jahwe nimmt es als Opfergabe mit angenehmen Geruch an.

Abraham schickt sich an, Gott seinen einzigen Sohn Isaak zu opfern; und er wird wunderbar belohnt für seinen heroischen Gehorsam.

Mose will zur Ehre Gottes auf dem Sinai ein Zelt aufschlagen und einen Tabernakel errichten; er beruft sich auf den religiösen Geist seines Volkes; und die Frauen bringen mit Freuden ihren Schmuck herbei; die Männer opfern Gold und kostbare Gegenstände.

David spendet für den göttlichen Kult die Beute seiner Siege.

Der König Salomo setzt all seine Weisheit und Herrlichkeit ein, um den Tempel des Herrn zu erbauen.

Man kann also behaupten, dass  es keine wahre Liebe ohne Kult gibt.

Die Liebe verlangt danach, Gott, ihren Wohltäter, zu ehren, so wie man unter Freunden und Mitgliedern einer Familie das Bedürfnis zu teilen spürt.

Nichts geben heißt nicht lieben!

Die Liebe macht nicht halt vor der Bedürftigkeit.

Eine arme Witwe warf eine kleine Münze in den Opferkasten des Tempels. Unser Herr hat es bemerkt und ist davon hingerissen; er ruft seine Jünger herbei und erklärt ihnen: "Amen, ich sage euch: diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle anderen; denn sie alle habe nur etwas von ihrem Überfluss hergegeben; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt" 2. Dies tat sie, weil sie Gott mehr liebte als alle anderen.

Magdalena empfand für Unseren Herrn eine große Liebe. Der Beweis? Jesus selbst hat ihn geliefert. Sie hat ihn mit dem Opfer eines kostbaren Parfüms, welches sie über ihn goss, geehrt.

Treten wir jedoch in die Geschichte des christlichen Volkes ein. Betrachten wir im Geist alle Wunderwerke des religiösen Kultes: diese herrlichen Kathedralen und Basiliken samt alldem, was die Kunst an Schönheit besitzt, was die Größe an Reichtum aufweist, was die Frömmigkeit an zarten oder erhabenen Einfällen bietet. Wer hat sie geschaffen und aufgestellt? Die Liebe - und sagen wir es sehr laut - die Liebe des Volkes, des christlichen Arbeiters, das Scherflein des Armen wie die Großherzigkeit des Reichen.

Die Liebe wirkt Wunder und merkt es dabei gar nicht.

Um den religiösen Wert eines Volkes, eines Menschen sowie das Ausmaß seiner Liebe kennen zu lernen, schaut auf die Opfergaben ihres Kultes!

Die Flamme steht im Verhältnis zum Herd, der sie erzeugt und ernährt; der Respekt steht im Verhältnis zur Wertschätzung; das Geschenk im Verhältnis zur Liebe.

Besucht eine Familie mit patriarchalischen Gepflogenheiten. Welch kindliche Verehrung und liebevoller Gehorsam wird dem Vater oder dem geliebten Greis entgegengebracht! Welch zarte Zuneigung erfreut das Herz einer ständig einsatzbereiten Mutter! Gibt es einen König, der mehr geehrt, eine Königin, die mehr geliebt wird, selbst zu ihren Lebzeiten? Nein, nein. Das, was die Liebe in Angriff nimmt, gilt mehr als alles, was die königliche Majestät aufbietet; mehr als alles, was der Ehrgeiz oder das Eigeninteresse verlangt.

Unsere Vorfahren haben also Jesus Christus in ihrem Glauben wirklich geliebt, haben sie doch überall zur Ehre seines Kultes unvergleichliche Denkmäler errichtet.

Wie erbaulich mussten doch an ihren hohen Feiertagen die Zeremonien des Kultes unter den hochstrebenden und majestätischen Gewölben ihrer Kirchen gewesen sein!

Wie ergreifend und eindrucksvoll mussten wohl die Gesänge eines gläubigen Volkes gewesen sein!

Wie glühend wird die Liebe aus ihren Herzen, aus diesen Feuerseelen, die die Familie, den Hofstaat des großen Königs in der Eucharistie bildeten, hervorgetreten sein!

Leider! Wie viele dieser Kirchen, die von unseren Vätern besucht wurden, stehen heute gewöhnlich verlassen da! Der göttliche Tabernakel bleibt oft vereinsamt.

Die Liebe hat aufgehört, königlich zu sein.

An uns liegt es, die schönen Traditionen der vergangenen Glaubensepochen neu zu beleben und zu erneuern.

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2. Vollkommenheit der Liebe

In der Eucharistie kommt Jesus Christus uns entgegen ohne Güter, ohne Ehre, ohne Herrlichkeit. Er wird nur das haben, was die Menschen ihm geben. Er ist ein König ohne Palast, ohne Thron, ohne Leibgarde; das alles erwartet er von den Gläubigen. Er kommt zu uns, wie ein Freund zu seinem Freund. Er nimmt nur seine Liebe und seine Gnaden mit. Mit dieser Vorgangsweise sieht er sich geehrt durch den Schwung der Liebe, die wir für ihn haben.

Jene, die ihn lieben, werden auch geben: die einen den Palast, andere den Tabernakel, wieder andere seine Wäsche, die liturgischen Gewänder, die hl. Gefäße oder die Gaben für das hl. Opfer; schließlich werden ihm andere ihre Arbeit, ihre Kunst, ihre Stimme, seine königliche Ehrenwache anbieten.

Welche Ehre ist es für einen Menschen, Jesus Christus, dem König der Könige, etwas zu geben; zu sehen, dass  sein Geschenk angenommen und gesegnet wird; das Recht eines Wohltäters oder wenigstens eines treuen Dieners für Jesus zu erwerben! Das bedeutet eine Teilnahme an den Ehren Mariens, der Mutter Jesu, die für alles sorgte, was das Leben und die körperliche Entwicklung ihres göttlichen Kindes erforderte.

a) Denn man soll sich wohl vor Augen halten, dass  der eucharistische Kult in diesem Sinn absolut ist, dass  er an die Person Jesu Christi selbst gerichtet ist. Nicht durch vermittelnde Handlungen, durch bildhafte Zeichen, auch nicht durch ein vergangenes Geheimnis ehrt unser Kult Jesus Christus, sondern durch seine reale Gegenwart und durch das Königtum seiner immerwährenden Liebe.

 

b) Überdies ist der eucharistische Kult die unerlässliche Ergänzung zum inneren Kult, den wir Jesus Christus schulden. Gott ist der Urheber der Natur und der Gnade, des Leibes und der Seele, der Belohnende des einen wie des anderen; jeder Teil unseres Seins soll ihn also auf seine Weise ehren: die Seele durch den Glauben, die Hoffnung und die Liebe; der Leib durch die Ehrfurcht und die gesellschaftlichen Beziehungen, die ein Beschenkter seinem Wohltäter schuldet; ein Diener oder Untergebener seinem Meister oder König; ein Losgekaufter demjenigen, der ihm die Freiheit wiedergegeben oder das Leben gerettet hat.

Da nun Gott durch seinen Sohn Jesus Christus den Menschen mit Wohltaten überhäuft hat, ist er es, Jesus, dem der Mensch alle Huldigungen, zu denen in der Gesellschaft Lebende verpflichtet sind, erweisen muss .

Wenn also ein Gläubiger Jesus Christus im Hlst. Sakrament nur mit einem innerlichen Kult anbeten würde, wäre dieser unvollständig.

Der Leib Christi würde des feierlichen Kultes, welchen ihm die Christen mit ihrem Leib erweisen können, beraubt werden. Jesus Christus würde nicht als Oberhaupt der christlichen Gesellschaft in Erscheinung treten; sein Königtum würde in den Augen der Menschen als nicht existent angesehen.

Übrigens braucht der innere Kult eine Ausweitung, sonst würde er wie ein Herd ohne Tätigkeit Schaden leiden und schließlich erlöschen.

Auch die Kirche will mit den Gläubigen an der Ehre teilnehmen und ihren Beitrag zum eucharistischen Kult leisten. Sie könnte sich die Kultpflege selber vorbehalten, aber sie begnügt sich mit der Festlegung der Wahrheit und der Sicherung der harmonischen Frömmigkeit.

Somit kann der einzelne Gläubige für Jesus Christus im hlst. Sakrament Sorge tragen, ihm Geschenke bringen in der Sicherheit, dass  sie angenommen und wohlwollend empfangen werden, da er sich an die Vorschriften und Wünsche der Kirche, die Braut Christi, hält.

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3. Das Glück der Liebe

Das Herz hat das Bedürfnis zu geben, um sich zu freuen und die Bürde seiner Dankbarkeit zu erleichtern. Eine Liebe, die nichts geben kann, leidet.

Das Wort sagt zwar etwas aus über die Gefühle des Herzens, aber es genügt nicht. Wenn aber die Liebe mit einem Geschenk verbunden ist, wenn dieses Geschenk von der geliebten Person das Geschenk verwendet, wie ehrenvoll empfindet dies der Schenkende; oh, jetzt ist die Liebe glücklich.

Nun ist es nur im eucharistischen Kult möglich, dass  unsere Geschenke der anbetungswürdigen Person Jesu Christi selbst dienen können. Unsere Liebe begegnet auf diese Weise seiner Liebe, die im Geschenk der Selbsthingabe stets weiterlebt.

Aber man könnte sich fragen: können denn diese materiellen Gaben, die äußeren Opfergaben zur Verherrlichung Jesu Christi etwas beitragen?

Für sich genommen nicht; aber was sie wertvoll machen, sind die inneren Gefühle, die sie aufbrechen lassen: der Glaube, der für Unseren Herrn nicht zu schön erachtet; die Liebe, welche mit Freude auf etwas verzichtet und mit Vergnügen der Person Jesu Christi etwas schenkt.

So wird die Eucharistie zum Gedächtnis alles dessen, was der Mensch Jesus Christus gegeben hat.

Und wie Unser Herr seine Liebe verewigt hat, indem er in der Eucharistie weiterlebt, so lebt auch der Christ sozusagen neben der Eucharistie weiter durch die Geschenke, die er zum Kult des hlst. Sakramentes dargebracht hat.

Setzen wir uns also ein für diesen Kult!

Legen wir große Sorgfalt auf die liturgischen Zeremonien, welche das gemeinsame Geschenk, das gemeinsame Gebet der christlichen Gesellschaft an die Hl. Eucharistie sind.

Nehmen wir teil an den öffentlichen Anbetungen des Hlst. Sakramentes, an den Werken, die einen regelmäßigen und organisierten Anbetungskult sicherstellen.

Tragen wir großherzig zur Schönheit, zum Glanz und zum Reichtum des eucharistischen Kultes bei. Wenn wir keine Mittel besitzen, bieten wir unsere Arbeit an.

Durch den eucharistischen Kult dient der Christ Jesus Christus, so wie der himmlische Hofstaat ihm in seiner Herrlichkeit dient.

Wenn man es schon als Ehre ansieht, einer hochgestellten Persönlichkeit dieser Welt, einem weltlichen Oberhaupt, dienen zu dürfen, welches Glück muss  es dann für uns bedeuten, Jesus Christus, dem König der Könige, zu dienen! Er hat sich arm gemacht, um von unserer Liebe alles zu empfangen!

  

 

Der Besuch beim Heiligsten Sakrament

Weil es die Liebe war, die Jesus Christus veranlasst hat, unter uns zu bleiben, ist es gerechtfertigt und sinnvoll, ihn zu besuchen.

Weil es ein Freund, ein Bruder, ein Vater ist, der im Hlst. Sakrament unter uns wohnt, macht es Freude, ihn zu besuchen. Sein Zustand und die Opfer, die er für uns gebracht hat, um uns glücklich zu machen, verdienen es.

Weil er hier zu unserem Wohle bleibt und dieses Sakrament als Mittel gewählt hat, uns seine Gnaden auszuteilen, ist es von unserem Nutzen, ihn sehr oft zu besuchen.

Wie soll man aber diesen Besuch gestalten?

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Auf dem Weg zur Kirche soll man denken, wohin man geht und warum; ebenso, wie man sich dort verhalten wird. Man soll sich dabei an das Wort des verlorenen Sohnes erinnern: ich werde zu meinen Vater gehen; oder sich vom Wort des Hauptmannes leiten lassen: Herr, ich bin nicht würdig, in dein Haus einzutreten, aber sprich nur ein Wort und meine Seele wird gesund.

Nach der Ankunft soll man einen Akt des Glaubens an die Wahrheit der realen Gegenwart erwecken; dann nehme man Platz und erweise durch eine äußere ehrfurchtsvolle Haltung einen Akt der Huldigung.

Um das Gespräch mit Unserem Herrn zu erleichtern, möge man sich der Vorstellungskraft bedienen und sich Jesus Christus in irgendeiner sinnenhaften Form vor Augen halten: als Gott, umgeben von seiner ganzen Herrlichkeit; als König, mit einem himmlischen Hofstaat; als Vater voller Milde; als göttlichen Meister, so vollkommen, aber auch so herablassend für seine Jünger; als einen Freund, einen Bruder und schließlich als einen Richter, der gerecht und voll Erbarmen ist.

Wir sollen an unseren Schutzengel denken, ebenso an die Engel, die den Altar umgeben.

Dandach kann man den einen oder anderen Grund dieses Besuches festlegen, ohne aber etwas auszuschließen:

a) Um Unseren Herrn kennenzulernen: seine Gottheit und Menschheit; seine Weisheit und Macht; seine Güte und Milde; seine Lehre, seine Liebe zu sich selbst und zu uns. Hernach bewundere man ihn oder man lobe und preise ihn.

b) Um ihm zu huldigen mit den hier angeführten Gesichtspunkten: innerlich durch die Anbetung, äußerlich durch die praktische Hingabe aller unserer Kräfte.

c) Um ihm für seine Gnaden zu danken, vor allem für jene der Einsetzung des Hl. Sakramentes.

d) Um ihm alle unsere Armseligkeiten offenzulegen.

e) Um sich seiner Gegenwart in vollkommener Ruhe zu erfreuen durch Akte der Dienstbereitschaft und des Wohlwollens.

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Um den Besuch beim Hl. Sakrament fruchtbarer zu gestalten, muss  man sich jeden Tag eine bestimmte Meinung vornehmen, die unseren Geist beschäftigt und unser Herz beseelt.

Sonntag: Jesus Christus in seiner souveränen Stellung als Gott anerkennen; Hingabe seiner selbst, bereuen, bitten.

Montag: Jesus Christus, betrachtet als Erlöser, seine Liebe; absolute Hingabe unseres Herzens; Reue wie Maria Magdalena, Bitte wie der gute Schächer.

Dienstag: Jesus Christus, angesehen als Meister, aus Liebe; Huldigung durch Unterwerfung und demütigen Gehorsam, wie es sich für einen Jünger ziemt; bereuen und bitten.

Mittwoch: Jesus Christus, betrachtet als Vater; seine Güte, seine Milde; kindliche Huldigung mit Ergebenheit; bereuen wie der verlorene Sohn; bitten.

Donnerstag: Jesus Christus, betrachtet als Arzt für unsere Seele; sein Wissen in der Heilkunst; Huldigung durch Eröffnen all unserer Armseligkeiten; Danksagung wie der zum Leben wiedererweckte Lazarus; bereuen, so lange von ihm ferngeblieben zu sein; bitten.

Freitag: Jesus Christus, betrachtet als Richter; nun läuft noch die Zeit der Barmherzigkeit; Vorteil, noch auf dieser Welt Genugtuung zu leisten; die Vergangenheit bedauern; Bitte als zahlungsunfähige Schuldner in dem Gleichnis des Evangeliums.

Samstag: Jesus Christus, gesehen als Belohner, der sich für uns opfert und uns den Himmel verdient; Huldigung durch Sehnsucht und Hoffnung; Bedauern, noch nichts getan zu haben; bitten wie Petrus auf dem Tabor.

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Bei jedem Besuch soll man die geistige Kommunion empfangen. Dazu genügt die Bildung eines Gedankens über die Liebe Jesu Christi, der sich den Menschen hingibt; einen Akt der Reue, der Demut, des Vertrauens, der Sehnsucht und der Nächstenliebe erwecken, zusammen mit einem Gedanken der Danksagung. Jesus Christus ist bereitwillig, sich zu jeder Zeit den reinen Seelen hinzugeben; sich wünschen, ihn geistig zu empfangen.

Hören wir das Wort unseres Herrn, der uns zuruft: "Kommet alle zu mir, die ihr meiner bedürft!" Und sprechen wir mit dem hl. Paulus: "Lasst uns also voll Zuversicht hingehen zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe zur rechten Zeit".

  

 

 

Der Einfluss der Eucharistie auf die Einzelmenschen und auf die Gesellschaft

 

Das Sakrament des Lebens

Das ist die meistgebrauchte Bezeichnung der Eucharistie. Jesus Christus selbst hat sie das lebendige Brot genannt, denn in ihr ist ein lebendiges Sein, Jesus Christus selbst gegenwärtig. Er sagt: "Ich bin das lebendige Brot, das Brot des Lebens", das Brot, das Leben ist und Leben gibt.

Man hat niemals ein lebendiges Brot gesehen, da ja das Weizenkorn sterben muss , damit das Brot entstehen kann; es muss  zermahlen werden und durch den Heizofen gehen; aber das eucharistische Brot ist lebendig unter den leblosen Gestalten. Der Beweis? Weil es Leben geben kann.

Ja, die Eucharistie ist das Leben für jeden Gläubigen, für die Pfarreien, für die Kirche und für die Völker.

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1. Das Leben der Gläubigen

Die Eucharistie ist das Leben des Verstandes des Christen. Seht das Kind vor seiner ersten Kommunion; es besitzt den Text des Katechismus; wenn es frühzeitig und häufig zur Kommunion geht, gibt ihm die Eucharistie den Geist.

Welch ein Unterschied der Auffassung, der Gefühle und der Sprache gibt es zwischen einem Christen, der häufig kommuniziert, und einem, der nie oder nur selten zur Kommunion geht! Die Eucharistie ist das Leben des Herzens des Gläubigen. Das Herz ist wie eine schöne Blume, die sich nur vor den Strahlen der Sonne entfaltet. Das Herz des Christen entfaltet und dehnt sich nur aus unter der machtvollen Tätigkeit der Liebe, die man von Jesus Christus empfängt. Und was das für eine Liebe ist! In der Tat: sie ist die hingebungsvolle Liebe, weil sie sich als Ganzgeschenk hingibt; die stärkste Liebe, weil sie dem Menschen mehr gibt, als er empfangen könnte; die vollkommenste Liebe, weil sie alles überwindet, um das arme, schwache und gedemütigte Menschenherz zu erreichen.

Mit den Zeugnissen und unter der Aktion so großer Liebe verspürt das Herz des Kommunikanten das Verlangen und den Willen, darauf mit einer Liebe zu antworten, die bis zur feurigsten Begeisterung, den höchsten Gefühlen und zur herrlichsten Ergebenheit reicht.

Die Eucharistie ist das Leben des Willens, weil sie ihm eine übernatürliche Kraft als Frucht der göttlichen Wahrheit und erbarmenden Liebe verleiht, die sich während der Danksagung nach der Kommunion entwickelt. Die tatsächlichen Beweise fehlen nicht: angefangen mit der Genesung des Sünders und der Großherzigkeit der Christen, der die Gelegenheiten zur Sünde meidet und die Gefahren des Bösen flieht bis zum Heldenmut des Glaubensbekenners.

Wie das Brot, so das Leben!

Die Eucharistie ist das Leben des Leibes. Sie bildet seine Würde und Ehre; durch die Bewegungen der Seele entfaltet sich in ihm ein größerer Frieden der Sinne und eine tiefere Ruhe in den Leidenschaften. Es entsteht eine Art Verklärung, aus der das ganze menschliche Sein Nutzen zieht.

In wunderbarer Weise lebten einige Heilige nur von der hl. Kommunion, die ihre Seele nährte und ihren Leib stützte.

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2. Das Leben der Pfarreien

Die Kirche ist der Ort für die Begegnung der christlichen Familien, die gemeinsam zur Anbetung und zum Empfang Jesu Christi kommen.

Die Eucharistie ist die Mitte und die Verbindung in der Pfarrei.

Um am hl. Ruhetag in die Kirche zu gehen, zieht man sich festliche Kleider an. Man kommt ja, dem göttlichen Heiland zu huldigen.

Wie schön ist doch ein Sonntag, an dem alle christlichen Seelen rund um demselben Altar geschart sind, wo Jesus Christus sein Opfer darbringt; dieses Fest, das die Eltern und Kinder, die Diener und Meister am selben Tisch versammelt.

Es ist das Fest der Familie Jesu Christi, es ist das neue eucharistische Abendmahl.

Alle sind voll des Glückes, das ein Gottloser niemals kennen wird, und das ein Gleichgültiger nicht einmal ahnt; denn Jesus ist es, der durch die Eucharistie die Einheit und Ausweitung der Herzen bewirkt.

Wie schön ist doch die Kirche am Tag des königlichen Festes vom Hlst. Sakrament! Die Kirche verwendet ihre schönsten Messkleider, die Häuser sind mit Girlanden und Blumen geschmückt; die Kinder und Jugendlichen, die Mitglieder der Bruderschaften und Zivilbehörden, alle geben dem König in der Hostie das Geleit.

Wie muss  der himmlische Vater mit Freude die Menschenmenge betrachten, die beim Vorübergang ihres göttlichen Sohnes auf die Knie fällt, ihm mit Glauben und Liebe huldigt und ihm ihre Familien und Kranken vorstellt!

Die Könige besitzen nichts, was der Prozession am Fronleichnamsfest gleichkäme.

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3. Das Leben der Kirche

Ein ganzer Stamm Israels war für den Dienst im Tempel zu Jerusalem bestimmt. Dort wurde der Heilige der Heiligen, früher die Bundeslade, aufbewahrt. Dieser levitische Kult besaß seine von Gott vorgeschriebenen Gesetze. Man sang die Psalmen und Hymnen Davids und der Propheten. Die Künste hatten zur Ausschmückung des Hauses des Herrn beigetragen. Alle Juden zahlten eine Ehrensteuer als Huldigung für den Kult Jahwes.

Aber den Tempel gibt es nicht mehr. Die christlichen Kirchen haben dieses zeichenhafte Heiligtum ersetzt; die Eucharistie hat das Heilige der Heiligen abgelöst; das Priestertum Jesu Christi ersetzte jenes von Aaron.

Die Kirche hat die Gesetze des göttlichen Kultes beim hl. Opfer und beim öffentlichen Gebet bis ins Kleinste festgelegt; hier erneuert sie alle Geheimnisse aus dem Leben des Erlösers; sie feiert zur Ehre des Erlösers aller das Fest Allerheiligen. Und wie ist die Kirche darauf bedacht, die Gegenwart Jesu Christi im hl. Tabernakel in lebendiger Weise zu ehren! Die brennende Lampe sagt aus, dass  hier jemand wohnt und lebt; die Tücher, Blumen und Teppiche sind die Vorbereitung zum erlesenen Fest der Kommunion. Sie besteht auf Reinlichkeit in den Kirchen wie in einem gepflegten Wohnhaus; sie wünscht rund um der Eucharistie eine lebendige Wache von Gläubigen und religiöse Ordensgemeinschaften.

Welch ein Unterschied zwischen den protestantischen Kirchen und unseren Gotteshäusern, wo dank der realen Gegenwart Jesu Christi alles lebendig ist.

 

4. Das Leben der Völker

Die Eucharistie gibt ihnen eine Lebensmitte. Alle können einander begegnen, ohne Schranken von Rasse und Sprache, um die Feste der Kirchen zu feiern. Sie gibt ihnen ein Lebensgesetz, jenes der Nächstenliebe, deren Quelle sie selbst ist; so formt sie unter ihnen ein gemeinsames Band, eine christliche Verwandtschaft. Alle essen dasselbe Brot, alle sind Tischgenossen Jesu Christi; sie schafft unter ihnen in übernatürlicher Weise eine Sympathie brüderlicher Sitten.

Lest in der Apostelgeschichte! Sie bestätigt, dass  die Gemeinschaft der ersten Christen, bekehrte Juden und getaufte Heiden, die aus verschiedenen Regionen stammten, "ein Herz und eine Seele" bildeten. Warum? Weil sie unermüdlich die Lehre der Apostel anhörten und mit Ausdauer an der Brechung des Brotes teilnahmen.

Ja, die Eucharistie ist das Leben der Seelen und der Gesellschaften, so wie die Sonne das Leben des Körpers und der Welt ist.

Ohne Sonne bliebe die Erde unfruchtbar; sie ist es, die sie fruchtbar, schön und reich werden lässt. Sie gibt den Körpern die Gewandtheit, die Kraft und die Schönheit.

Angesichts dieser wunderbaren Wirkungen ist es nicht verwunderlich, dass  sie die Heiden als Weltgott angebetet haben.

In der Tat, der Tagesstern gehorcht einer höchsten Sonne, dem göttlichen WORT, Jesus Christus, der jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt; er handelt persönlich durch die Eucharistie, das Sakrament des Lebens, im Innersten der Seele, um so christliche Familien und Völker zu bilden.

Oh! Glücklich und tausendmal glücklich die treue Seele, welche diesen verborgenen Schatz gefunden hat! Die am Brunnen des lebendigen Wassers trinkt und häufig dieses Brot des ewigen Lebens isst!

  

 

Das intime Leben mit Jesus Christus

Seht, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Mt 28,20)

So schließt der hl. Matthäus sein Evangelium. Er lässt Jesus Christus geboren werden, leben, sterben und auferstehen. Dann endet er, als ob er ein anderes Leben, eine andere Sendung und ein anderes Evangelium ankündigen wollte, mit den Worten Jesu Christi während seines endgültigen Abschieds von seinen Aposteln.

Unser Herr hat nämlich ein zeitliches und ein unsterbliches Leben; ein sichtbares, sinnenhaftes und ein unsichtbares Leben im Hl. Sakrament.

Das erste wurde auf dem Kalvarienberg vollendet. Das zweite wird erst am Ende der Welt aufhören. Wir leben im Reich des zweiten Lebens, im Reich auf der Erde, im Reich des eucharistischen Lebens Jesu, und dieses wird kein Ende haben. Es wird sich schrittweise über die ganze Welt ausbreiten. Das Blut des Erlösers muss  die ganze Erde begießen; es darf kein Volk, keine Familie und keinen Menschen geben, der nicht die Möglichkeit gehabt hätte, seinen Erlöser kennenzulernen.

Aber was ist nun dieses eucharistische Leben?

Der Großteil der Christen weiß es nicht und denkt auch nie darüber nach. Man fürchtet sich, sich darin unterrichten zu lassen, daran zu denken, als ob sie das eucharistische Leben Jesu nicht betreffen würde; als ob sie darauf kein Recht hätten. Sie geben sich damit zufrieden, an das Dogma der Realpräsenz Jesu im Hlst. Sakrament zu glauben. Aber weiter gehen sie nicht. Sie sagen: Ich glaube, dass  Unser Herr Jesus Christus in der hl. Hostie ist. Aber w i e er darin ist, w a s er darin tut, f ü r w e n er soviel Opfer der Liebe bringt: diese Fragen stellen sie ihrem Glauben nie.

Nun gut! Wir müssen ganz im Gegenteil aus diesen Fragen unsere Betrachtung, unser Glück machen und so lernen, das größte Wunder der Liebe Jesu Christi zum Menschen zu verstehen.

* * *

Das eucharistische Leben Jesu Christi im Hlst. Sakrament ist seiner Natur nach ein intimes Leben der Liebe, und dieses Leben äußert sich durch Einzelbeziehungen und individuelle Begegnungen der Liebe. Es trachtet danach, eine persönliche Lebensmitte der Liebe herzustellen.

Die Liebe hat nämlich zwei Leben: ein öffentliches und ein privates.

Die Liebe Unseres Herrn zeigte sich in seinem öffentlichen Leben, als er alle aufnahm, um sie zu unterweisen, zu heilen und ihnen Gutes zu tun.

Aber vor diesem und weitaus mehr als dieses hatte seine Liebe ein privates Leben: in Nazareth mit Maria und Josef; während seiner evangelisierenden Arbeit mit seinen Aposteln in einer fortwährenden Form, in seltenen Zeitabständen mit einigen Freunden, wie z.B. jenen von Bethanien.

In der Eucharistie liefert sich Jesus Christus ebenfalls aus Liebe allen jenen aus, die zu ihm kommen; die Feier der hl. Messe, der Empfang der hl. Kommunion, das 40stündige Gebet sind Akte seines öffentliches Lebens.

Aber es gibt auch ein Privatleben, wo Jesus seine Liebe auf eine besondere Weise den religiösen Familien, allen Seelen und allen Christen zuwendet, die - wie z.B. Marta, Maria und Lazarus - in seiner Intimität leben wollen.

Das ist dann ein Leben zu zweit, das unabhängig von anderen und äußerlich ganz geheimnisvoll, vergleichbar mit der Gegenwart eines königlichen Freundes in einer Familie, der aber in der Öffentlichkeit unbekannt und fremd ist.

Die ganze Ausdehnung dieses intimen Lebens ist nichts anderes als eine sinnenhafte Form der Liebe Jesu wie die eucharistischen Gestalten, welche es im Hl. Sakrament einhüllen. Jesus ist der einzige Vertraute: es ist die Liebe in ihrer göttlichen Einheit. Dieses intime, individuelle Leben steht über der heiligmachenden Gnade, über den Gnaden des öffentlichen Lebens Jesu; es ist deren Ziel.

Die Liebe strebt nach individueller, persönlicher und vollzogener Vereinigung. Solange die Liebe nicht diese Einfachheit des vereinigten Lebens erreicht hat, befindet sie sich noch in der Ausbildung und Vorbereitung.

Nun gut! Die Eucharistie ist die Liebe Jesu Christi in ihrem intimen Leben mit dem Menschen.

Sie ist es, die die persönlichen, vollständig geistigen Beziehungen zwischen beiden herstellt, und deren Zweck die Verschmelzung des Lebens in einer gemeinsamen Liebesmitte ist.

Da Jesus Christus wirklich und gänzlich in der Eucharistie gegenwärtig ist, so treten wir von Person zu Person mit ihm in Beziehung, wenn wir ihn in der hl. Hostie erbeten und vor allem, wenn wir ihn in der hl. Kommunion empfangen.

Aber diese Beziehungen sind ganz geistiger Natur. Sein Körper ist verdunkelt. Seine Sinne haben nach außen kein Leben mehr, und unsere Sinne nehmen ihn nicht mehr wahr, erreichen ihn nicht mehr. Das ist das Inkognito der Liebe, wie jenes eines Königs, der nicht öffentlich erkannt werden möchte, wenn er einen Freund besucht und ganz und gar mit ihm allein sein will.

Warum aber dieser absolut und dauernde Spiritualismus der Liebe Jesu Christi? Um unsere Liebe zu vergeistigen und sie zu zwingen, sich auf das zu konzentrieren, was ihre Vollkommenheit ist, nämlich auf die Liebe der Seele, die von den Sinnen losgelöst ist.

So kann sich zwischen Jesus Christus und uns diese individuelle und persönliche Vereinigung vollziehen; diese ist eines der Ziele der Eucharistie.

Unser Herr hat nämlich gesagt: "Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm; wie ich durch meinen Vater lebe, so wird auch derjenige, der mich isst, durch mich leben". Das ist wirklich die Verschmelzung des Lebens in einer gemeinsamen Liebesmitte.

Aber dazu hat Jesus Christus äußerlich die verborgene Gegenwart gewählt; sie fördert die Ruhe der Sinne und führt innerlich die Seele in die Einsamkeit, in das Schweigen außerhalb der menschlichen Beziehungen, damit sie ganz mit ihm, und er ganz mit ihr sei.

  

 

Das Reich der Eucharistie im Christen

Er wird herrschen über das Haus Jakob und sein Reich wird kein Ende haben. (Lk 1,32)

Die Prophezeiung des Erzengels Gabriel hat sich zu Lebzeiten Jesu Christi nicht verwirklicht, wohl aber nach seinem Tod. Das ist eine augenscheinliche Tatsache.

Die Zeit ist ein strenger Richter über berühmte Persönlichkeiten. Die Völker bejubeln und verherrlichen nur jene, die sie gesehen, bewundert und geliebt haben.

Die Zeit ist das Grab der Vergangenheit. Der Kult für einen bedeutsamen Mann hört gewöhnlich auf mit seinem Leben, mit seinen Bewunderern, mit jenen, die leidenschaftlich zu ihm standen, sich miteinander durchs Leben geschlagen haben; die ihre Güter, ihre Freiheit und ihr Leben für ihn geopfert haben. So ist es bei Alexander dem Großen, bei Cäsar, Napoleon.

Wenn einem die Gleichgültigkeit ihnen gegenüber vorgeworfen wird, antwortet man: sie sind gestorben. Ihr Reich ist zu Ende. Öffnen wir die Augen: vor mehr als 18 Jahrhunderten ist Jesus in einem Winkel der Welt gestorben. Heute bildet das Volk, unter welchem er gelebt hat, keine Nation mehr oder es ist ein verachtetes Volk. Und dennoch wiederfuhr dem Namen Jesu Christi nicht dasselbe Schicksal wie jenem großer Männer: dieser Name wird verehrt, angebetet und geliebt. Nichts von ihm ist zugrunde gegangen. Seine Worte sind noch lebendig; seine Beispiele, seine Tugenden, seine Werke, sein Tod, alles, was von Jesus Christus gekommen ist, wurde mit Hilfe der Kirche aufbewahrt und unter den Nationen und Völkern erneuert; alles wird gleich respektiert, alles behält dieselbe Kraft wie in den Tagen seines sterblichen Lebens.

Wie kann man sich dieses einmalige Phänomen erklären, das über die Traditionen der Menschheit hinausgeht und die Gesetze der Geschichte übersteigt?

Hier liegt die Antwort: Jesus Christus blieb ständig gegenwärtig und lebendig im Hlst. Sakrament. Hier verbietet er sich Vergessenheit und Gleichgültigkeit; hier lässt er seine Geheimnisse wieder aufleben; hier hat er das Leben seines Evangeliums und die Kraft seines Gesetzes.

Es gibt eine doppelte offensichtliche Tatsache nach 18 Jahrhunderten:

Jesus Christus wird geliebt; man liebt ihn, ohne ihn je gesehen noch gekannt zu haben.

Man wird leidenschaftlich von seiner Liebe erfasst; man bringt für ihn die größten Opfer ohne Eigeninteresse, ohne Hoffnung auf Vergeltung in dieser Welt.

Nun ist aber dieses Empfinden für einen Menschen nicht natürlich. Man liebt keinen Unbekannten, keinen Abwesenden, kein irreales Wesen.

Die Liebe nimmt Liebe an. Die aktive Liebe setzt die Gegenwart des geliebten Wesens voraus, die erfahrene Liebe setzt deren Besitz voraus.

Jesus Christus ist also in unserer Mitte gegenwärtig. Er selber ist der Herd und die Sonne seiner Liebe. Er selbst ist der Bogenschütze der Herzen und der Entführer der Seelen: die lebendige Liebe.

O ja! Jesus Christus lebt in der Eucharistie; er lebt hier wie im Himmel, glorreich wie nach seiner Auferstehung; unsichtbar und sichtbar; unberührbar und berührbar; lokalisiert und vervielfacht durch die sakramentalen Gestalten.

Er ist hier wirklich gegenwärtig, weil er das einzige Brot des Lebens für den Christen ist. Hier zeigt er sich als solcher. Er ist hier, um uns das Leben zu geben, um unsere Liebe zu nähren, um uns zu heiligen.

* * *

Durch die Menschwerdung machte sich Jesus Christus zu unserem Bruder; zu unserem Gesetzgeber durch seine Predigt; zu unserem Erlöser am Kreuz. In der Eucharistie ist er unser König. Ein König hat einen Palast. Jesus Christus hat überall dort einen solchen Palast, wo es eine Kirche und einen Tabernakel gibt.

Ein König hat seine Minister. Jesus Christus hat seine Priester.

Ein König hat eine Armee. Jesus Christus hat so viele Soldaten als gefirmte Gläubige.

Ein König regiert über ein Territorium, über ein Volk. Jesus Christus regiert über die ganze Welt und über alle Völker. Er ist der König der Könige, die kommen, ihn anzubeten, und - einstmals - um an der Fronleichnamsprozession teilzunehmen.

Ein König hat einen Hofstaat zu seinen Diensten. Seht den Hofstaat, welcher die eucharistischen Throne umgibt!

Nur im Himmel hat Jesus einen schöneren Hofstaat. Dort aber ist er der König der Herrlichkeit; hier ist er der König der Liebe.

Auch muss  gesagt werden, dass  Jesus Christus vor allem dadurch regieren will, dass  er sich in der Kommunion selbst hingibt. Durch die Kommunion nimmt er persönlich Besitz vom Leib, vom Geist, vom Herzen, vom ganzen Menschen. Und trotzdem ist er der Meister!

Wie bewundert man einen König, der sich in herablassender Güte zu einem seiner Minister begibt, oder einen Herrn, der einen seiner Diener besucht! Jesus Christus kommt zu uns in der Kommunion. Auf diese Weise möchte er jeden seiner Gläubigen, jeden seiner Soldaten ausbilden.

* * *

Jesus Christus ist ein Eroberer, der ständig am Werk ist. Auch heute sagt er: "Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert".

So empfahl der hl. Paulus, als gute Soldaten Christi zu arbeiten.

Jesus hat den Kampf begonnen, er hat ein erstes Losungswort ausgegeben: Folgt mir!

Dieses Losungswort soll bis zum Ende des Kampfes gelten, bis zum Ende der Welt.

Dann wird er das zweite Losungswort verkünden: "Kommt, ihr Gesegneten meines Vaters, und nehmt das Reich in Besitz, das euch von Anbeginn der Welt bereitet war".

Ein König, der kämpft, bleibt gewöhnlich im Generalquartier, im Zentrum der Unternehmungen.

Jesus hat im Hlst. Sakrament sein Aktionszentrum. Von hier aus schaut er den Kämpfenden zu, er schickt ihnen seine Engel, seine Priester; er ruft sie auf, das Brot der Starken zu empfangen; und immer wieder ruft er sein erstes Losungswort aus: Folgt mir, liebt mich bis zum Tod!

Dieses Losungswort, das von ihm selbst in der Eucharistie ausgesprochen wird, wirkt sanft und angenehm.

Jesus Christus ist selbst die Milde und Macht seines Gesetzes. Er spricht geheimnisvoll, und seine Stimme dringt in uns ein. Er befiehlt mit Sanftmut, und seine Gnade lässt Großherzigkeit und Hingabe entstehen.

  

 

Die Eucharistie - unser Leben

Als Unser Herr sagte: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben", sollten diese Worte nicht nur für die Zeit seines sterblichen Lebens gelten; ihre Wirksamkeit setzt sich fort. Er bleibt in einer andauernden Weise durch seine Gnaden das Leben der Seelen, die Wahrheit durch die erhabenste Wirklichkeit seiner Liebe; der Weg als Vorbild zur Heiligkeit.

Diese Worte wiederholt und verwirklicht er in einer besonderen Weise dort, wo er für uns auf Erden lebt: im Hlst. Sakrament, unter dem eucharistischen Schleier.

Betrachten wir besonders, wie er in der Eucharistie unser Weg ist.

* * *

Es gibt im christlichen Leben unechte Wege und solche, die nur für eine bestimmte Zeit gut sind. Unser Herr ist der wirkliche und feste Weg, weil er notwendig ist. "Niemand", sagt er, "kommt zum Vater außer durch mich". Aber der Vater ist im Himmel. Wer wird uns dorthinführen? Unser Herr selbst; er hat uns wohl den Weg angegeben, aber das reichte nicht aus. Er muss  uns hinführen, er selbst ist der Weg.

Er ist das Mittel und das Vorbild. Man gelangt nur durch die Teilhabe am Leben Jesu Christi zum Himmel. Dieses Leben wurde uns in der Taufe vermittelt, es wird in uns durch die Sakramente gefestigt, welche die Anwendung seiner Gnaden sind; aber dieses Leben besteht auch in den Tugenden, die seine Gebote ausführen.

Die Tugenden haben erst in Gott ein Ende - jede Vollkommenheit kommt von ihm und muss  zu ihm zurückkehren - und Unser Herr bestätigte mit dem Wort, dass  er der Weg sei, auch die Tatsache, dass  er unser Vorbild ist.

Jede Kunst hat ihre Regeln. Die Gebote des Evangeliums finden ihre Anwendung in den Tugenden und ihre Regel bei Unserem Herrn. Die Einzelheit ihrer Durchführung stellt die Vollkommenheit dar, nach einem Ausspruch des hl. Bernhard: "Man gelangt nur dadurch zur Vollkommenheit, indem man sich etwas Einzelnes vornimmt." Auf dem Gebiet der Tugenden muss  man ein Fachmann werden! Einfach sagen: "Ich will heilig sein" ist eine Spielerei, wenn man nicht weiterschreitet. Die Heiligkeit findet man nur in der Anstrengung und in der Aneignung der einzelnen Tugenden.

* * *

In Gott sind die Tugenden seine Eigenschaften, seine unendlichen Vollkommenheiten. Dann wäre es aber ohne die Menschwerdung, genau genommen, unmöglich, vollkommen zu sein, wie der himmlische Vater vollkommen ist.

Sehen wir in Unserem Herrn diese Vollkommenheiten, die uns zugänglich und nachahmbar gemacht worden sind? Dafür hat er unsere Tugenden auf sich genommen, selbst jene, die Gott nicht haben kann, wie die Demut, die Armut, die Geduld in der Bedrängnis und den Verzicht. Er machte sich zum Arbeiter, er hat die Werkzeuge des Menschen in die Hand genommen und hat die menschlichen Tugenden gelebt, auch jene, die eine gefallene und sich wieder erhebende Natur voraussetzen.

Einmal in den Himmel aufgefahren in Herrlichkeit, kann er diese Tugenden nicht mehr üben; aber dadurch, dass  er sich zur Eucharistie machte, hat er ein ebenso einfaches wie richtig angepasstes Mittel gefunden, fortzufahren, unser Vorbild zu sein, und zwar wenn dies möglich wäre, in einer noch vollkommeneren Weise als in den Tagen seines Erdendaseins.

Hier also müssen wir alle Tugenden wiederfinden. Einstmals hatte er nicht nur jene hl. Gewohnheiten, die man Tugenden nennt, sondern er machte daraus Taten. Jetzt behält er die dauernde Gesinnung dafür bei, aber wir müssen die Taten vollbringen und so diese Tugenden seines sterblichen Lebens ergänzen.

Jesus wollte mit uns einen mystischen Leib bilden: er ist dessen Haupt, der Kopf, das Herz; wir aber bilden seine aktiven Glieder, sodass er sagen kann: Ich lebe noch sichtbar auf Erden. Wir verlängern und führen dieses Leben in uns zu Ende3. Der hl. Paulus sagte: "Für den Leib Christi ergänze ich in meinem irdischen Leben, was am Leiden Christi noch fehlt" 4.

Hatte er nicht alle losgekauft? Ja, im Prinzip, aber zur Anwendung der Erlösung muss  jeder dazu beitragen. Die Arznei ist vorbereitet, jetzt muss  man sie einnehmen. Ebenso die Nahrung, jetzt muss  man sie essen.

Auch sagte Unser Herr: "Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?" Er sagte "mich" und nicht "meine Glieder", die Gläubigen von Damaskus.

Als er sagte: "Folgt mir!" wollte er nicht einfach, dass  wir ihn auf dem Weg begleiten, sondern dass  wir seine Jünger werden: Ahme mich nach! Jetzt sagt er zu uns: Ich bin der Weg; das bedeutet nicht nur, dass  er der Weg ist, sondern wie dieser Weg ist: Ich bin euer Vorbild, folgt mir!

* * *

Dort also, wo Jesus Christus für uns wohnt, müssen wir die Lehre der Tugend, die er erteilt, sehen und studieren. Nichts ist schöner als Jesus Christus im Hl. Sakrament.

Wie wunderbar ist seine Demut: er betet seinen Vater im Schweigen und in der Herabfassung in der Hostie an; er legt alle Herrlichkeit ab, um uns zu empfangen; er verzichtet auf jede menschliche Erscheinung, um sich uns zu schenken!

Wie rührend ist seine Armut, die von unserer Nächstenliebe alles erwartet, wessen sein Kult bedarf. Wenn er in seiner Majestät und in königlichem Pomp käme, gäbe es keine Liebe mehr; denn man liebt nur dadurch, dass  man sich herablässt zu jenen, die in bescheidenen Verhältnissen leben, weniger begabt und ärmer sind.

Seine Geduld und Barmherzigkeit sind größer als auf dem Kalvarienberg. Dort kannten ihn seine Henker nicht; hier aber kennt man ihn; seine Gottesräuber und jene, die in sakrilegischer Art die Kommunion empfangen, glauben an ihn. Aber so wie am Kreuz betet er für sie, für die Städte, die Länder, wo er verboten ist, für die Seinen, die ihn verleugnet haben, nicht nur dreimal, sondern tausendfältig; er wiederholt ohne Unterlass: Vater, verzeih' ihnen, ich bin ihre Kaution. Ohne diese Bestürmung der Barmherzigkeit würde die göttliche Gerechtigkeit die Schuldigen bald treffen.

Wenige Christen, selbst fromme Seelen, denken an die Tugenden, an den Stand Unseres Herrn im Hl. Sakrament. Man behandelt ihn, als wäre er nur da, uns zu trösten, unsere Gebete anzuhören; oder aber, man zwingt sich, 19 Jahrhunderte zurückzugehen, um das Evangelium zu lesen und selbst zu ergänzen, was die persönlichen Einzelheiten betrifft. So beraubt man sich der Milde dieses wichtigen Wortes: Ich bin der Weg.

Ohne Zweifel geht die Wahrheit des Evangeliums nicht unter. Aber welche Anstrengung bereitet doch dieser ständige Rückzug in die Vergangenheit durch die Vorstellung, wo man doch der Wirklichkeit so nahe ist.

Unsere Tugenden müssen sich auf die Eucharistie hinorientieren; sie ist es auch, die unsere Tugenden stärkt. Hier erhalten sie ja ihre volle Kraft.

Unser Herr ist in der Eucharistie nicht nur da, um seine Gnaden auszuteilen. Dafür ist der Priester da. Sicher gibt sie Jesus jedem, der ihn darum bittet; das ist aber nicht sein einziges Ziel. Er ist auch dort, um unser Lehrer und unser Vorbild zu sein5.

Dazu aber muss  man ihn kennen und sehen, man muss  den Glauben und die Liebe haben. Ohne dies bewundert und billigt man ihn zwar, aber um ihn nachzuahmen, braucht es die Liebe; man folgt nur nach, wenn man liebt.

Seht! Die Erziehung in der Familie beruht auf der Liebe. Die Stimme der Mutter lässt das Herz ihres Sohnes vibrieren und formt es zur Gleichheit der Gedanken und Zuneigungen, sodass das Familienleben zustande kommt.

So will Unser Herr durch die Hl. Eucharistie vorgehen.

* * *

Niemand anderer ist der wahre Erzieher unserer Seelen. Man kann einwenden: beobachtet und studiert euer Vorbild!

Aber keiner hat die Berechtigung, uns nach den Tugenden zu bilden, uns diese zu geben und unsere innerste Erziehung auszuüben. Mose und Josua führten das hebräische Volk, sie selbst wurden aber durch die Feuersäule, das Instrument der Tätigkeit Gottes, geleitet.

Ein Seelenführer muss  in den Seelen Jesus suchen, um sie recht zu führen: seine Gnade und Anziehungskraft. Um die Seelen kenenzulernen, braucht er einen Ausgangspunkt, eine Verbindungslinie: diese ist Jesus Christus in ihnen. Der Seelenleiter gibt ihnen Ratschläge, hört sie an und wiederholt ihnen seine Weisungen.

Nun denn! Unser Herr ist im Hl. Sakrament, um durch seine Tugenden und seine Gnaden das Vorbild, der Führer, der Weg aller Seelen zu sein, die zu ihm kommen, um ihn zu studieren und um Rat zu fragen.

* * *

Alle Tugenden müssen vom Hlst. Sakrament ihren Ausgang nehmen. Wenn nicht, bleiben sie unvollständig.

Wollt ihr euch die Demut aneignen, betrachtet Unseren Herrn im Hl. Sakrament! Zieht weg und begebt euch zur Krippe in Betlehem, wenn ihr wollt; ihr werdet euch leichter tun. So schreitet ihr fort vom Bekannten zum Unbekannten.

Macht es genauso bei allen evangelischen Tugenden. Die Ableitung ist einfach, wenn man von einem guten Prinzip ausgeht. Woher kommt es, dass  man auf dem Weg des Gebetes stecken bleibt? Weil man von einem fehlerhaften Prinzip ausgeht.

Jesus Christus hat sein eigenes Licht, seine eigene Erkenntnis, so wie die Sonne sich selbst beweist; kein zweitrangiges Licht vermag sie zu beleuchten: sobald sie erscheint, verblasst alles vor ihr.

Unser Herr zeigt sich innerlich, aber nur dem, der bereits seine Stimme kennt, dessen Herz schon vibriert und mit ihm sympathisiert.

Die Liebe lässt die Liebe vibrieren, je brennender sie ist, umso stärker wird ihr Rufen. Es ist eine eigentümliche Erscheinung, welche die anderen nicht kennen. "Wer mich liebt", sagt Jesus, "wird von meinem Vater geliebt werden; und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren", und zwar in einer persönlichen und intimen Weise.

Das göttliche Licht dringt aufgrund der Liebe in die Seele ein.

Was bedeuten vor Unserem Herrn die flackernden Lichter der Menschen? Seht Magdalena! Ein Wort: Maria! Und sie erkennt ihn sofort, weil sie ihn liebt.

Auch Johannes erkennt Jesus am Ufer des Sees von Tiberias als erster: seine Liebe war brennender, reiner.

Auch uns sagt er, wenn er in unserem Herzen lebt, wenn er zu uns herniedersteigt, nur ein Wort: Ich bin es selbst! Und man spürt, dass  es wahr ist.

Diese eucharistische Offenbarung muss der Ausgangspunkt des ganzen geistlichen Lebens sein.

Sie lässt das Evangelium besser verstehen. Das Evangelium ist das Wort Jesu. Wer anderer, welcher Dolmetscher könnte besser erklären, was er gesagt hat, als Jesus selbst? Durch ihn hat man die Eignung, ihn zu verstehen. Man sucht nicht mehr die Mine, sondern man beutelt sie aus.

* * *

Die Eucharistie ist also der richtige Ausgangspunkt auf dem Weg zu Gott. Um es richtiger zu sagen: Unser Herr formt uns nicht, sondern er formt sich in uns.

Um zu einer Tugend anzuspornen, zeigt man uns unsere Fehler, ihre Abscheulichkeit, die Vorteile der Tugend und die Nachteile des Fehlers. Das ist nicht der richtige Weg.

Seid ihr jähzornig? Bessert euch mit dem Blick auf die Geduld Unseres Herrn. Seht, wie das Evangelium gegen euch redet. Wie viel Zeit geht verloren mit den alten Grundsätzen: Prüfe dich ständig! An sich ist dies eine gute Methode; viele Bücher lehren sie. Aber hört her: wenn ihr wirklich die wahre Tugend wollt, so handelt nicht so! Während zehn Jahren kannte ich in einem Erziehungshaus Professoren, die ihre Schüler damit bessern wollten, dass  sie ihnen unablässig ihre Unfähigkeit vorwarfen. Sie haben sie damit nur verschlimmert. Die guten Professoren suchen das Gute, welches tatsächlich oder wenigstens in der Möglichkeit in ihren Schülern steckt. Du hast das damals gut gemacht, jetzt geht es schon besser, aber du könntest es noch besser machen.

So geht man bei den Tugenden vor.

Man zeigt immer nur das Böse an sich. Es ist wahr: die Sünde Adams ist gewaltig, und man könnte Jahre damit verbringen, sich die eigenen Sünden vorzusagen. Diese Seelen fallen aber immer wieder zurück, denn die gebrechliche Natur will sich nicht selbst ins Auge sehen.

Unser Herr geht nicht so vor, er schlägt den Weg der Wahrheit, den positiven Weg ein. Diese Methode nährt und bessert zugleich. Dies ist auch der Grundsatz der Erziehung in der Familie. Je größer die Liebe ist, desto inniger wird auch die Zuneigung sein und manchmal sogar erhaben werden.

Die Furcht lässt nur Sklaven entstehen.

Nun also! Warum soll man nicht so handeln wie Unser Herr, der unser Vater ist?

Man wird einwenden, das Kind habe ein Herz, wo sich lediglich ein Keim, der in ihm versorgen ist, entfaltet. Das ist wahr. Aber haben wir denn nicht übernatürlicherweise denselben Keim in uns, der uns durch die Taufe eingegossen wurde, sowie die Gaben des Hl. Geistes, die durch die Firmung über uns ausgegossen wurden? Wir haben also die Grundsätze einer göttlichen Erziehung in uns; diese haben eine unglaubliche Kraft in sich. Jene, die diesem Weg nicht folgen, vertauschen die Rollen. Sie wollen in uns Jesus Christus, den neuen Adam, formen, indem sie den alten Adam korrigieren. Das ist ein falscher Weg. Man kann nicht aus einem Steinblock eine Marmorstatue entstehen lassen. Man muss  sich der göttlichen Möglichkeiten bedienen, welche in uns liegen; nicht dadurch, dass  man Jesus Christus irgendwie an unsere Bosheiten bindet, damit er sie vertreibt; man soll ihn mit dem neuen Samen arbeiten lassen, den er in uns hineingelegt hat und den er durch die Kommunion befruchtet.

Der hl. Paulus sagte zu jenen, die er gewonnen und gleichzeitig getauft hatte: "Meine Kinder, ich erleide für euch immer neue Geburtswehen, bis Christus in euch Gestalt annimmt" .

Mit wie viel mehr Anrecht kann Unser Herr so sprechen, er, der nach unserer Neugeburt durch die Taufe unsere Speise wird, damit er in uns wachse und in unserer Seele die Form des vollendeten Christen, die Heiligkeit erlange.

Sagt also nicht immerfort: Ich bin nicht demütig, nicht mitleidig, nicht abgetötet oder geduldig. Man sieht immer nur das, was uns fehlt, nie aber das, was Unser Herr für uns getan hat. Man geht nicht vom alten Menschen zu Gott - man beschäftigt sich immer nur mit dem alten Menschen - man muss  vielmehr umgekehrt von Jesus Christus ausgehen, um den alten Menschen zu töten.

Die Beichte löscht die Sünde aus und lässt die guten Werke, die man im Stand der Gnade vollbracht hat, neu aufleben. Ein Unwetter hat unsere Seele verwüstet; die Beichte lässt die Ruinen, die es verursacht hat, verschwinden und gibt der Seele ihre frühere Schönheit wieder. Ohne Zweifel bleiben wir unvollkommen, es wird immer noch in uns die eine oder andere Spur des alten Menschen zurückbleiben. Sehen wir aber auch das Gute, das wir vollbracht haben. Auch wenn es noch so wenig ist, geben wir es sofort Unserem Herrn, damit er es uns verwahre, es wachsen und Früchte tragen lasse.

Zu diesem Zweck empfanget die hl. Kommunion! Nur durch die Gnade könnt ihr den alten Menschen beherrschen, durch die Kraft des neuen Adam; die Niederlagen euerer gefallenen Natur könnt ihr nur durch die Siege Jesu Christi bewältigen. Aber vor dem Kampf sollt ihr essen und euch nähren mit Brot und Wein. Und sollte es euch dadurch auch nur gelingen, die Kraft zu empfangen zur Erhaltung des göttlichen Lebens, den Zustand der heiligmachenden Gnade; ist das nichts?

Arbeitet jedoch immer auf diesem Fundament, geht vom Positiven zum Negativen. Ist das nicht Stolz? Nein, denn jemand, der mehr liebt, ist weniger stolz als derjenige, der weniger liebt.

* * *

Betrachtet also oft die Worte: "Ich bin der Weg". Ahmt von Jesus Christus das nach, was ihr seht, was ihr im Evangelium lest; bringt es zuerst zur Eucharistie heran, bevor ihr es zu euch nehmt. Dann vereinigt euch mit Unserem Herrn durch die hl. Kommunion und bittet ihn, er möge in eurer Seele sein göttliches Wort verwirklichen: "Wer in mir bleibt, und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht" .

  

 

Die Eucharistie als Verbindung der Gesellschaft mit Gott

Die Gemeinschaft Gottes mit dem Menschen bestand seit der Erschaffung der Welt. Gott liebte den Menschen, und der Mensch liebte Gott. Aber die Sünde trennte den Menschen von Gott, trieb ihn vom Paradies seiner reinen und heiligen Schöpfung hinaus.

Gott wollte indessen keine absolute Trennung. Er trat mit den Menschen durch Engel in Verbindung; und einige Male trat er auch selbst in Form von Spuren oder in Bildern mit der Menschheit in Verbindung.

Jesus Christus ist gekommen, um diese Gemeinschaft wieder herzustellen. "Durch ihn, mit ihm und in ihm" hat er sie hergestellt.

Die Hl. Eucharistie ist dazu das wunderbare Mittel. Durch sie vollzieht sich die Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch: eine persönliche Gemeinschaft der Familie und des Volkes.

Beschränken wir uns hier auf die erste; sie interessiert uns im höchsten Maße; sie ist die Ausweitung der Menschwerdung in jedem einzelnen von uns.

Eine Gemeinschaft erfordert nun drei Arten von Beziehungen: persönliche, leichte und häufige Beziehungen - eine Gemeinsamkeit des Lebens - eine lebendige Einheit.

Die Beziehungen machen das Leben einer Freundschaft aus; die Gemeinsamkeit des Lebens ist wie das Fließen und Zurückfließen der gegenseitigen Gefühle; die lebendige Einheit ist das Ziel und der Triumph dieser freundschaftlichen Gemeinschaft.

* * *

1. Die Beziehungen

a) Sie müssen persönlich sein. Die Freundschaft will keinen Sachwalter, keinen fremden Vermittler, wie auch die Sonne keine Schutzwand haben darf, um die ihr dargebotenen Gegenstände mit ihren Strahlen zu beleuchten.

Es ist eine wunderbare und trostreiche Tatsache, dass  Jesus Christus im Hl. Sakrament ganz für jeden persönlich da ist, so als wäre er allein auf der Welt; diese Gunst war zur Zeit des sterblichen Lebens des Erlösers nicht gewährt worden; damals genoss jeder einzelne nur ganz selten seine Gegenwart. Die persönlichen Beziehungen waren also schwierig.

b) Hier kann sie niemand verhindern. Und wie natürlich, ohne äußeren Apparat und ganz einfach sind sie doch: je nach Alter des Gläubigen, ob er nun ein Kind oder ein Erwachsener ist, - je nach seinem Zustand, seiner Sprache, seinen Zuneigungen; denn Jesus kennt alle Zustände, er antwortet in gefälliger Weise auf alle Zeichen der Zuneigung!

c) Wie häufig können überdies diese Beziehungen mit Jesus im Hl. Sakrament sein! Die Freundschaft erfordert dies. Wie leicht ist es für den Christen, Jesus Christus zu finden! Jesus Christus hat sich ein Zuhause neben dem seines Jüngers ausgesucht; oft lebt er unter einem Dach. Die Kirche ist das Haus Gottes, sein dauernder Tabernakel in der Mitte seines auserwählten Volkes; dies verwirklicht die Vision der Apokalypse: "Seht die Wohnung Gottes unter den Menschen. Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein".

Wie der Himmel sind auch die Pforten des Gotteshauses stets offen. Welcher König, welcher Vater oder welche Mutter ist wie Jesus Christus stets bereit, ihre Kinder zu empfangen? Danken wir für eine solche Güte! Beantworten wir eine so große Liebe. Nützen wir diese göttliche Sonne, die die Zeit erhellt und befruchtet, um die Ewigkeit zu verherrlichen.

d) Aber in welcher Form laufen diese persönlichen Beziehungen mit Jesus im Hl. Sakrament ab? Sie sind wegen des sakramentalen Schleiers geistiger Art. Die körperlichen Formen sind zu grob als Mittel und Ausdruck der so göttlichen Verbindungen. Sie erbrachten nie ein glückliches Ergebnis. Seht die Apostel zusammen mit Unserem Herrn, der sichtbar, berührbar, ein vermenschlichter Gott war. Selbst Adam und Eva in ihrem Zustand der Unschuld haben trotz des familiären Verhältnisses, das ihnen Gott gewährte, gesetzwidrig gehandelt. Die Beziehungen durch die Sinne begünstigen oder erzeugen eine irdische, häufig fleischliche Freundschaft, denn was aus dem Fleische geboren ist, ist Fleisch. Aber die geistigen Beziehungen - Geist zu Geist - durch unsere Seele, unsere edelste Substanz, sind viel reiner, wie jene der glücklichen, reinen Geister, denn Gott ist Geist, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist 3.

Durch die sakramentale Form, mit der sich Jesus Christus bekleidet, werden unsere Beziehungen zu ihm vergeistigt. Um das zu erreichen, muss  der Christ im Geist des Glaubens handeln; und dieser Glaube gibt ihm eine größere Sicherheit und mehr Kraft als die Sinne. Auch seine Liebe vergeistigt sich, um sich besser mit der Menschheit Jesu, dessen Liebe selbst verhüllt ist, zu vereinigen.

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2. Die Gemeinsamkeit des Lebens

Jede wahre Freundschaft ruht auf der Sympathie und der Gemeinsamkeit des Lebens.

Man muss  notwendigerweise mit den Gefühlen und Situationen eines Freundes leben: wenn er arbeitet, arbeitet man mit; wenn er leidet, leidet man mit; wenn er sich freut, teilt man sein Glück. Das ist die erste Bedingung des Lebens in Freundschaft.

Nun ist diese Gemeinsamkeit des Lebens zwischen Jesus Christus und dem Christen vollkommen durch die göttliche Eucharistie, in der Jesus uns alle seine Gnaden und alle seine Verdienste mitteilt, welche die Stärke des Menschen, das Fundament der Gemeinschaft mit Jesus Christus ausmachen. Der Mensch leistet freiwillig seine übernatürliche Arbeit, aber ohne Jesus Christus können wir nichts tun. Derjenige, der in Jesus Christus bleibt, bringt viele Früchte; und um in ihm zu bleiben, muss  man dessen Fleisch essen und dessen Blut trinken. Die Eucharistie bewirkt also, dass  die Vereinigung mit Jesus Christus so fruchtbar macht.

Diese gemeinsame Arbeit erfordert vom Christen und lässt in ihm folgendes entstehen:

- eine Gleichheit der Gefühle

- einen übereinstimmenden Zustand durch die Übung der christlichen Tugenden

- ein Mitleid der Liebe, die durch Huldigungen und freiwillige Opfer die Fehler gutmacht, durch die sich so viele Menschen gegen die Eucharistie schuldig machen.

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3. Die lebendige Vereinigung

Sie ist das Gesetz, die Kraft und das Ziel der Freundschaft.

Die Vereinigung irdischer Interessen ist nur der Ausdruck von Eigenliebe. Auch die einfache, fleischliche Vereinigung ist nur die Frucht der egoistischen Liebe. Aber die Vereinigung der Seelen in der übernatürlichen Liebe ist dauerhafter als die Zeit und stär-ker als der Tod. Es ist eine Vereinigung, wo Gott die Verbindung und das Leben ist. Indessen hat diese Vereinigung, so heilig sie auch sein mag, eine schwache Seite, d.h. sie kann nur zwischen zwei endlichen Wesen zustandekommen. Es sind zwei parallele Linien, zwei Flammen, die nebeneinander aufsteigen; wenn sie sich vereinigten, würden sie ihr eigenes Sein und ihre Eigenkraft verlieren: sie sind zwei in einem Fleisch.

Die wahre einzige, große, heilige und beseligende Vereinigung in Gemeinschaft ist die Vereinigung mit der heiligmachenden Gnade, welcher die hl. Kommunion ihre höchste Vollkommenheit hier auf Erden gibt.

Der hl. Petrus sagt ausdrücklich, dass  wir durch die Gnade an der göttlichen Natur teilhaben.

Der hl. Paulus versichert, dass  durch sie der Christ in Christus und Christus im Christen lebt.

Es handelt sich also um mehr als eine moralische Vereinigung, die eine Vereinigung der Gedanken, der Zuneigung oder gemeinsamer Interessen ist. Diese könnte zwischen uns und Jesus Christus auch ohne die Eucharistie bestehen. Es würde genügen, Jesus, seine Wahrheit und seine Tugenden zu lieben.

Es handelt sich aber um keine körperliche Vereinigung, weil - auch wenn Jesus mit seinem geheiligten Leib zu uns kommt - unsere Sinne ihn als solchen nicht erreichen können; unsere Sinne nehmen nur die sakramentalen Gestalten wahr. Jesus spielte darauf an, als er die körperhafte Bedeutung zurückwies, welche die Leute von Kapharnaum in die verheißenen Worte der Eucharistie hineinlegten.

Es handelt sich um eine unaussprechliche Vereinigung, die gleich nach der hypostatischen Union kommt, mit dem Unterschied, dass  bei der hypostatischen Union die menschliche Natur, die das WORT angenommen hatte, ihre Personalität verloren hat; in der hl. Kommunion bleibt die unsere erhalten.

Es handelt sich um das Gegenteil dessen, was mit der Nahrung geschieht, denn Jesus assimiliert uns und lässt uns in ihm leben; oder diese Vereinigung kann mit dem Holz verglichen werden, das vom Feuer durchdrungen wird und in Feuer verwandelt wird.

Es handelt sich um eine lebendige Vereinigung, die sich in der rein menschlichen Ordnung nicht verwirklichen lässt; denn eine solche Vereinigung bedeutete die Zerstörung der Persönlichkeit oder ihre demütigendste Entwertung; sie würde nämlich bei der einen oder bei der anderen oder bei beiden zur schändlichen und schuldhaften Sklaverei, wie die unreine, götzendienerische Liebe uns eine Idee davon gibt.

Mit welch hl. Begeisterung haben doch die Kirchenväter und Doktoren der Kirche diese sakramentale Vereinigung hochgepriesen!

Der hl. Zyprian: Diese Einheit kommt zwar nicht an die Wesenheit heran, aber sie ist eine tief wahrhaftige Gemeinschaft mit Christus.

Der hl. Cyrill von Jerusalem: "Bei der Kommunion werden wir von Jesus Christus erfüllt, dessen Leib und Blut sozusagen allen unseren Gliedern mitgeteilt wird".

Hat nicht Unser Herr selbst mit Nachdruck erklärt: "Mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank... wer mich isst, der wird durch mich leben; wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm".

Warum wollte Jesus Christus eine solche Vereinigung mit uns festlegen? Um uns durch seine Freundschaft zu trösten; um uns mit seinen Gnaden und seinen Verdiensten zu bereichern. Vor allem aber wollte er durch seine Vereinigung des Lebens uns vergöttlichen und so den Wunsch seines himmlischen Vaters verwirklichen, dass  Jesus auch in uns, seinen Gliedern, gekrönt werde.

  

 

Die Eucharistie und die christliche Gesellschaft

Jesus Christus ist gekommen, um eine christliche Gesellschaft aufzurichten. Diese braucht die Eucharistie, um auf das Gesetz ihrer Existenz eine Antwort zu geben: Jesus Christus ist ihr Oberhaupt, die Mitte ihres Kultes, die Verbindung seiner Glieder, ihre Kraft für das Gesetz der Nächstenliebe.

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1. Die christliche Gesellschaft hat zur Erfüllung des Ehrenkultes, den sie Jesus Christus schuldet, ihm gegenüber zwei Pflichten:

Diese Huldigungen erweist sie ihm durch die Feier religiöser Feste, die gekennzeichnet sind durch die Darbringung des hl. Messopfers oder durch die feierliche Aussetzung und Anbetung des Hlst. Sakramentes oder auch durch die äußerlichen Zeremonien, wie z.B. die Prozessionen. Alle Mitglieder der Gesellschaft nehmen daran teil, die Autoritäten ebenso wie die einfachen Gläubigen.

Aber sie schuldet ihm noch zusätzlich einen Kult der direkten und persönlichen Liebe. Diesen hat sich Jesus Christus für sich selbst vorbehalten. Er nimmt ihn selbst entgegen, er will keine Zwischenperson. Dieser Kult stellt seine königliche Steuer dar, die von jedem einzelnen Untertanen entrichtet wird.

Er wusste, dass  seine Amtsdiener, wenn er abwesend gewesen wäre, selbst gegen ihren Willen seine Stelle eingenommen hätten; dass  er im besten Fall vergessen worden wäre. Aber er ist in der Eucharistie wie auf einem Thron der Liebe und der Ehre: eine Sonne, die alle Sterne verfinstert, der König der Könige, der Herr aller, die regieren.

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2. Die christliche Gesellschaft ist zudem eine Familie

Das Bindeglied unter ihren Gliedern ist Jesus in der Eucharistie. Er ist der Vater, der den Familientisch gedeckt hat. Die christliche Brüderlichkeit wurde beim Abendmahl mit der Vaterschaft Jesu Christi verlautbart; er nennt seine Apostel:"filioli" (= meine Kindlein); und er gebietet ihnen, einander zu lieben, wie er sie geliebt hat 1 .

Auch die Kirche wendet im Breviergebet zum Fest des Hl. Sakramentes diesen Text auf ihn an: "Wie junge Ölbäume sind deine Kinder rings um deinen Tisch".

Am Tisch des Herrn sind alle Kinder, die die gleiche Nahrung empfangen; der hl. Paulus zieht daraus den Schluss, dass  sie eine einzige Familie, einen einzigen Leib bilden, weil sie alle teilhaben an dem einen Brot, das Jesus Christus ist.

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3. Schließlich schenkt die Eucharistie der christlichen Gesellschaft die Kraft, das Gesetz der Achtung und der Nächstenliebe hinsichtlich der Mitmenschen zu üben.

Jesus Christus will, dass  man seine Brüder achtet und liebt. Daher nimmt er in ihnen Person an: "Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan".

Und er schenkt sich jedem einzelnen in der Kommunion. Auch das Kind, das die hl. Kommunion empfangen hat, ist groß; der Diener ist ehrwürdig.

Es ist wie im Himmel: es gibt keinen Unterschied außer dem Maß und der Ehre der Verdienste, deren Quelle die Eucharistie ist durch die Liebe, die sie in den Herzen ausbreitet.

  

 

Der Triumph Jesu Christi durch die Eucharistie

Auf dem Obelisken am Petersplatz in Rom ließ Sixtus Quintus folgende Inschrift eingravieren: Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat; ab omni malo plebem suam defendat; - Christus Sieger, Christus König, Christus Herrscher; er verteidige sein Volk gegen alles Böse.

Diese Worte sind in der Gegenwart, nicht in der Vergangenheitsform geschrieben; dies, um anzudeuten, dass  der Triumph Jesu Christi stets aktuell ist. Nun geschieht es durch die Eucharistie, dass  sich diese Worte erfüllen.

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1. Christus vincit

Jesus Christus hat gekämpft und er ist auf dem Schlachtfeld Sieger geworden. Er hat dort seine Fahne aufgepflanzt: das Kreuz; und seine Wohnstatt aufgeschlagen: die Eucharistie.

Jesus Christus hat das Judentum besiegt. Auf dem Kalvarienberg hat er einen Tabernakel, wohin sich alle Nationen zur Anbetung begeben.

Er hat das Heidentum besiegt. Er hat Rom, die Stadt der Kaiser, als Hauptstadt auserwählt. Er hat auf dem Kapitol seine Fahne aufgepflanzt; er hat seinen Tabernakel im Pantheon, der einst allen Göttern des Reiches geweiht war.

Er hat die falsche Weisheit der Philosophen besiegt. Der Areopag in Athen ist ein historisches Denkmal, die berühmten griechischen Tempel sind Ruinen. Die christlichen Kirchen haben sie ersetzt. Vor der göttlichen Eucharistie haben die Irrtümer die Flucht ergriffen, wie die Finsternis vor der Sonne; die Götzenstatuen sind umgestürzt; die Menschenopfer sind abgeschafft.

Jesus Christus ist ein Eroberer, der nie haltmacht, er geht immer vorwärts; das ganze Universum muss  sich seinem Reich unterwerfen. Er rückt vor zu den heidnischen Völkern; er greift sie an mit seiner Wahrheit, mit der Kraft seiner Gnade und seiner Liebe.

Bei jeder neuen Eroberung handelt er wie ein siegreicher König: er lässt seine Standarte aufrichten: das Kreuz; er lässt sich eine Wohnstätte vorbereiten: eine Kirche mit einem Tabernakel. Die reale Gegenwart ist die Besitzergreifung seines neuen Reiches.

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2. Christus regnat

Jesus Christus regiert aber nicht auf Territorien, sondern in den Seelen; und zwar durch die Eucharistie.

Ein König herrscht mit der Gewalt der Gesetze und mit der Liebe zu den Untertanen.

Jesus Christus ist das Gesetz des Christen; und sein Gesetz der Liebe wurde im Abendmahlssaal veröffentlicht und es wird der Seele durch die Eucharistie geoffenbart. Es wurde für die Apostel beim letzten Abendmahl geoffenbart und für die Jünger von Emmaus im Laufe des Gespräches und Mahles mit dem auferstandenen Jesus.

Von den ersten Gläubigen wird berichtet, dass  sie eifrig bestrebt waren, die Predigt der Apostel zu hören und das Brot zu brechen.

Nun ist das Gesetz Christi einzig, heilig und unveränderlich. Nichts wird ihm hinzugefügt und nichts weggenommen. Der Katholizismus ist überall und immer derselbe.

Es ist die Liebe, welche dieses Gesetz in die Herzen der Christen eingraviert. Der Gesetzgeber leistet diese geheimnisvolle Arbeit.

Ja, Jesus Christus regiert durch die Liebe. So regieren die Könige der Welt gewöhnlich nicht.

Nur Jesus Christus gelingt dies. Sein Reich ist sehr stark und gleichzeitig sehr sanft. Und jene, die ihn lieben, sind ihm ergeben im Leben und im Tod.

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3. Christus imperat

Kein König herrscht über das ganze Universum. Das ist einzig bei Jesus Christus der Fall. Der himmlische Vater hat zu ihm gesagt: "Ich lege dir die Nationen als Erbteil unter die Füße". Und Jesus Christus selbst hat den Häuptern seiner Kirche gesagt: "Alle Macht ist mir gegeben im Himmel und auf Erden. Also geht hinaus und lehrt alle Nationen". Diesen Auftrag gab Jesus, nachdem er den Aposteln, die im Abendmahlssaal versammelt waren, seine letzten Anweisungen gegeben hatte, am Tag seiner Himmelfahrt.

Jetzt gehen die Anordnungen des Königs der Könige vom Tabernakel aus, der gleichsam sein Generalquartier ist; aber auch die Gnaden, die zu deren Erfüllung notwendig sind.

Alle beten Jesus Christus in der Eucharistie an und gehorchen ihm: angefangen beim Papst bis zum letzten Gläubigen, wie es die Regierungschefs der Völker bis zum letzten ihrer Untertanen tun müssten.

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4. Christus ab omni malo plebem suam defendat

Die Eucharistie ist der göttliche Blitzableiter, der seinen Schutz über die schuldiggewordene Erde ausbreitet.

Um einen ihrer Söhne vom gerechtfertigten Zorn des Vaters abzuhalten, verbirgt ihn eine Mutter an ihrer Brust und umschließt ihn mit ihren Armen.

So hat auch Jesus seine Gegenwart auf der ganzen Welt ausgebreitet, um uns von den göttlichen Strafen fernzuhalten. Die Eucharistie ist wie das Blut des Paschalammes, das den Würgengel vorüberziehen ließ. Der hl. Leonhard von Port Maurice war überzeugt, dass  die Welt ohne die Hl. Eucharistie schon seit langem unter dem Gewicht ihrer Bosheiten erdrückt worden wäre.

Im Mittelalter gab es Zufluchtsorte für die Schuldiggewordenen, die von der Justiz verfolgt wurden. So verbot es das Gesetz, jemanden festzunehmen und abzuführen, dem es gelang, sich in eine Kirche zu flüchten und sich am Altar festzuklammern. Das ist eine ergreifende Huldigung, die der Eucharistie erwiesen wurde; ihre Aufgabe ist es ja, all das von den Christen fernzuhalten, was ihnen an Leib oder Seele, für die Zeit oder für die Ewigkeit schädlich sein könnte.

 

 Inhalt   Teil 1/1  | Teil 1/2 Teil 1/3 |  Teil 1/4

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