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Eymard Index | Unsere Sendung

hl. Peter-Julian
 
EYMARD

Der Mensch,
der Heilige
und
seine Kongregation

Englische Originalarbeit von
P. Robert Rousseau SSS

übersetzt von:

P.  Walter Marzari sss
 Bozen 1989

 

INHALT:

Steckbrief von Peter-Julian EYMARD
Jugendjahre (1881-1839)
Der hl. Peter-Julian als Marist 1839-1856
Die S.S.S. - Jahre 1856-1868

Eucharistiner in der heutigen Zeit
Wer sind die Patres und Brüder vom Hlst. Sakrament?

 

 

 

 

 

 

 

Steckbrief von Peter-Julian EYMARD

Geboren am:   4. Februar 1811
                in:  La Mure d'Isère, Frankreich  

Diözese:         Grenoble
Körpergröße: 1,78 m
Gewicht:        68 kg
Augenfarbe:   hellbraun-nußbraun
Haarfarbe:     braun bis "Salz-und Pfeffer"-grau

Berühmte Zeitgenossen:
Viktor Hugo, Schriftsteller
Louis Pasteur, Naturwissenschaftler
Auguste Rodin, Bildhauer
Johannes-Maria Vianney, Pfarrer von Ars

sein bester Freund:
Jesus Christus in der Hl. Eucharistie

Priesterweihe: 20. Juli 1834

Referenzen:
Provinzoberer der Maristen im Jahr 1845, im Alter von 34 Jahren.
Gründer der Kongregation der Eucharistiner im Jahr 1856, mit 45 Jahren und der Dienerinnen vom Heiligsten Sakrament

Gestorben am: 1. August 1868
Erreichtes Lebensalter: 57 Jahre
Todesursache: Massiver Hirnschlag und physische Erschöpfung

Heiliggesprochen am 9. Dezember 1962, am Ende der 1. Session des II. Vat.Konzils durch Papst Johannes XXIII.

Internationale Kurzbezeichnung der Kongregation der Eucharistiner:

     S. S. S. = Societas Sanctissimi Sacramenti
                  = Kongregation vom Heiligstes Sakrament

 

Es ist mir ein Vergnügen, dir Peter-Julian Eymard vorzustellen, welcher am 13. Mai 1856 die Kongregation vom Heiligsten Sakrament (deutsch "Eucharistiner") gegründet hat. Während seines Lebens war Peter-Julian fasziniert von der Gegenwart Jesu in der Hl. Eucharistie. Wie wir alle lebte auch Peter-Julian im damaligen kulturellen und sozialpolitischen Zeitgeist.

Das Leben in Frankreich während der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, aus dem die schrittweise Entwicklung in der Lebensgeschichte Peter-Julians zu verstehen ist, hatte ein anderes Gesicht als heute.

Wir möchten zuerst einige geschichtliche Ereignisse streifen und aufzeigen, wie Peter-Julians Leben und Gedanken von diesen Zeiterscheinungen geprägt worden sind. Dieser stichwortartige Aufriß soll uns dann zur zweiten Phase in unserer Begegnung mit Peter-Julian führen.

Um Peter-Julian leichter zu verstehen, müssen wir für sein einmaliges Eucharistieverständnis ein offenes Herz haben. Seine Auffassung vom Hlst. Altarssakrament überschreitet alle vorangegangenen Epochen der Geschichte und zeigt klare Richtlinien auf, nach denen die Eucharistiner, Priester und Brüder, ihr Leben gestalten.

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I.

Der hl. Peter-Julian
Jugendjahre (1881-1839)

Peter-Julian Eymard wurde im Jahr 1811 in Südfrankreich geboren. Etliche Jahre früher hatte die französische Revolution von 1789 die politischen, juridischen, sozialen und religiösen Strukturen des Landes radikal verändert. Im folgenden Jahr fiel Napoleon Bonaparte in Rußland ein. Als Peter-Julian ein Jüngling war, wandelte die industrielle Revolution das Gesicht Europas. Als junger Mann erlebte er den Niedergang des Romantizismus in Kunst, Musik und Literatur. Diese Umwälzungen prägten wesentlich die soziokulturelle Wirklichkeit, während welcher der junge Peter-Julian den Ruf vernahm, Priester zu werden. Die Zeit Peter-Julians war von einem tiefen Umbruch der Gesellschaft gekennzeichnet. Sein Leben und seine Sendung wurden zur Quelle eines bedeutsamen Wandels in der Kirche.

Peter-Julians Weg zum Priestertum und auch sein Priesterleben selbst waren von mancherlei Kreuz begleitet. In Frankreichs Gesellschaft herrschte ein ausgeprägter Antiklerikalismus; zudem lebte die Familie Eymard in ärmlichen Verhältnissen; Peter-Julians Vater zögerte, der Berufswahl seines Sohnes, der übrigens der einzige war, zuzustimmen.

Julians erster Versuch, Priester zu werden, scheiterte an einer ernsthaften Erkrankung. Er versuchte es wieder. Am 20. Juli 1834 wurde der 23 Jahre alte Peter-Julian Eymard zum Diözesanpriester von Grenoble geweiht.

Heute, nach dem II. Vat. Konzil, ist es für uns schwer, den religiösen und kirchlichen Geist zur Zeit Peter-Julians zu verstehen. Es gab damals in Frankreich eine religiöse Bewegung mit der Bezeichnung "Jansenismus". Diese Geistesrichtung ging aus vom Gedanken menschlicher Sündhaftigkeit und Unwürdigkeit vor der Gegenwart einer transzendenten und vollkommenen Gottheit. Diese Lehre blühte in katholischen Kreisen und führte zu einer Spiritualität der Sühneleistung, die Männern und Frauen leibliche und geistige Bußwerke auferlegte; diese Bußwerke wurden als notwendiger und wesentlicher Ausdruck christlichen Lebens angesehen.

In seinen frühen Jahren als Seminarist und später als Priester stand Hochw. Eymard unter dem Einfluß dieser Sühnementalität; er sollte sein ganzes Leben lang ringen mit dem Versuch nach innerer Vollkommenheit, die es ihm nicht ermöglichte, sich Gott in einer totalen Selbsthingabe anzubieten.

Vielleicht war die Zunahme dieses geistlichen Kampfes zusammen mit dem Verlangen Eymards, für Gott große Taten zu vollbringen, der Beweggrund, sich für das Ordensleben zu entschließen.

Am 20. August 1839 wurde Pfarrer Eymard Mitglied der Kongregation der Maristen und legte die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ab.

 

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Der hl. Peter-Julian als Marist
1839-1856

Während seines ganzen Lebens pflegte Peter-Julian eine innige Verehrung zur Gottesmutter Maria. Er wußte Bescheid über die Erscheinung Unserer Lb. Frau von La Salette und pilgerte gern zu verschiedenen marianischen Wallfahrtsorten in seiner Umgebung.

Es war die Seelsorgsarbeit in der Gesellschaft der Maristen, die ihn in Kontakt mit den verschiedenen Strömungen religiöser Frömmigkeit brachte, welche sich damals in der Kirche Frankreichs ausbreiteten.

Trotz seiner schwachen körperlichen Gesundheit war Peter-Julian ein ungewöhnlich reger und arbeits-eifriger Ordensmann. Viele seiner früheren Biographen stellten P. Eymard vorwiegend als kontemplativen Menschen dar, um seine Heiligkeit in ein volleres Licht zu setzen. Tatsächlich entspricht aber dem Großteil seines Lebens das gerade Gegenteil der Wahrheit. Freilich besaß er ein ständiges Verlangen, in das beschauliche Leben einzudringen; aber die viele Arbeit seiner Korrespondenz, Predigten, geistlichen Seelenführung, seiner Reisen und seiner verantwortlichen Verpflichtungen als Provinzial der Maristen boten ihm weder die Atmosphäre noch die Zeit, diesem Wunsche nachzukommen. Diese Spannung in P. Eymard zwischen Seelsorgsarbeit und beschaulichem Gebet bildete einen weiteren Kampf, der den Rest seines Lebens kennzeichnet. Vielleicht lag der Grund daran, daß er nie von seinem langjährigen Wunsch loskommen konnte, daß es ihm doch gelingen sollte, das auszusprechen, was viele als seine tiefste Einsicht betrachten, nämlich die vorbehaltlose Selbsthingabe an Christus.

Was machte P. Eymard als Marist?

Er war ein hervorragender Organisator von Laiengruppen, galt als eifriger Erzieher und gut vorbereiteter Prediger; er war eine Art Prophet für seine Mitbrüder und auch seine Ordensobern. P. Eymard hatte als Prediger eucharistischer Veranstaltungen wie des 40stündigen Gebetes ganz große Erfolge. Sicherlich waren seine Erfahrungen auf diesem Gebiet und die tägliche Feier der hl. Messe Schlüsselelemente für sein immer tieferes Eindringen in die Wahrheit der grenzenlosen Liebe Gottes im Heiligsten Sakrament.

Wir wissen, daß P. Eymard eine Neigung besaß, Satzungen für Laienorganisationen zu verfassen. Er kam - nach einer starken religiösen Erfahrung, die er im Marienheiligtum von Fourvière erlebt hatte - zur Überzeugung, daß sich Priester wie Laien vielfach dem Reichtum der Liebe Gottes, die ihnen durch die eucharistische Gegenwart Jesu zugänglich war, gleichgültig zeigten.

In der Folge bat er seinen Generaloberen P. Jean-Claude Colin, um die Erlaubnis, für den Dritten Orden der Maristen, dessen Leiter P. Julian war, eine eucharistische Regel verfassen zu dürfen. P. Colin sagte nein. Trotzdem war der Gedanken für eine solche Regel im Geist und Herzen P. Eymards bereits geschrieben.

In diesem Zusammenhang ist eine kritisch-historische Überlegung angebracht. Die Regel, welche P. Eymard schreiben wollte, sollte seiner Gründung dienen, u. zw. so wie dies im 19. Jahrhundert in der französischen Mentalität verstanden wurde. Was P. Eymard anstrebte, war eine Elite von Männern und Frauen, die Jesus im Hlst. Sakrament anbeten und ihm Sühne leisten sollten. - Nun können wir besser verstehen, warum P. Colin nein gesagt hat. P. Eymards Regel hätte die Richtung und das Ziel des Dritten Ordens in wesentlichen Punkten abgeändert. Vielleicht formte dieser ernsthafte Konflikt mit P. Colin, den P. Eymard bewunderte, zusammen mit der religiösen Indifferenz des Klerus und der Laien zur Gegenwart Christi in der Eucharistie, den geistlichen Weg, den P. Eymard bewog, das zu verwirklichen, wozu ihn Gott berufen hatte, nämlich eine neue religiöse Kongregation ins Leben der Kirche zu rufen.

 

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II.

Der Hl. Peter-Julian
Die S.S.S.-Jahre

1856-1868

Die Gründung der Kongregation vom Hlst. Sakrament war für P. Eymard keine leichte Angelegenheit. Dem Geiste Gottes folgend, geriet der Stifter in Konflikt mit seinen Vorgesetzten, brachte ihn in persönliche Schwierigkeiten und finanzielle Probleme und zehrte an seinen Energien bis zur körperlichen Erschöpfung. Die erste Hürde zur Gründung der Kongregation bestand darin, daß sie vom Ortsbischof genehmigt werden mußte. Als er diese endlich am 13. Mai 1856 mit der entscheidenden Zustimmung durch den Erzbischof von Paris erhielt, eröffnete P. Eymard in der Rue d'Enfer in Paris seine erste Gemeinschaft.

Kaum hatte er wenige Männer als Mitglieder gewonnen, mußte er dieses Haus wieder schließen und sich anderswo umsehen. Dies geschah nicht nur einmal, sondern zweimal im Lauf von nur wenigen Jahren. Diese frühen Gemeinschaften Eymards lebten so arm, daß bei mehreren Gelegenheiten ein Nachbarkloster von Schwestern die Patres verköstigte. Daß P. Eymard nicht imstande war, seinen Gemeinschaften das Allernötigste an Nahrung und Obdach zu verschaffen, war eine der Ursachen, warum er anfänglich wenige Berufe gewinnen konnte.

P. Eymard gründete die Kongregation vom Hlst. Sakrament nicht isoliert. Er besaß im Lande viele treue Freundschaften unter Männern und Frauen. Es wäre unmöglich, alle Leute aufzulisten, die P. Eymard bei der Gründung seiner ersten S.S.S.- Gemeinschaften unterstützt haben. So sollen nur drei erwähnt werden: der Graf Raimund de Cuers, Schwester Maria Theresia Dubouché und die Schwester Margarete Guillot.

P. Raimund de Cuers war Peter-Julians erster Gefährte bei der Gründung der Kongregation. Als Aristokrat und ehemaliger Fregattenkapitän hatte de Cuers viele große Ideen, wie die neue Kongregation gebildet werden sollte. Nach P. Eymards Tod wurde P. de Cuers Generaloberer.

Es scheint historisch sicher zu sein, daß P. de Cuers den Eifer P. Eymards für die Betrachtung und Anbetung des Hlst. Sakramentes zum Nachteil der apostolischen Werke stark betonte. Auf diesem Weg führte P. de Cuers das innere Leben und die Sendung der Kongregation von der ursprünglichen Auffassung P. Eymards in eine etwas andere Richtung. Trotzdem stand er geschlossen hinter P. Eymard und trug die Last vieler praktischer Verantwortungen, während P. Eymard auf Predigten oder Neugründungen und Exerzitien abwesend war.

Schwester Maria-Theresia Dubouché war die Gründerin der Sühne-Anbetungsschwestern. P. Eymard hatte für diese Stiftung von Mutter Dubouché großes Interesse; es war ja ein Werk, das das Gebet vor dem Hlst. Sakrament betonte. Einmal versuchte P. Eymard, eine Filiale der Sühne-Anbetungsschwestern in Lyon, Frankreich, zu errichten. Es besteht wenig Zweifel, daß der Briefverkehr und die Gespräche, welche zwischen Maria-Theresia und Peter-Julian geführt wurden, einen nicht geringen Enfluß gehabt haben auf den Stil, mit dem P. Eymard die Regel seiner eigenen Kongregation geschrieben hat.

Mutter Margarete Guillot war die Frau, welche Gott P. Eymard zuführte, um den weiblichen Zweig der S.S.S.- Kongregation zu gründen. Peter-Julian begegnete Margarete zum erstenmal im Jahr 1845, als er Provinzial der Maristen war. Von dieser ersten Begegnung bis zu seinem Tod, 23 Jahre später, half Margarete P. Eymard sehr großmütig bei der Errichtung seiner eucharistischen Gemeinschaften. Von Anfang an teilte Margarete die begeisterte Liebe P. Eymards zu Jesus im Hlst. Sakramente. Beide teilten einander ihre geistlichen Erfahrungen und Gedanken mit; (wir besitzen über 400 Briefe von ihnen).

Am 9. Dezember 1962, am Ende der 1. Session des II. Vatik. Konzils, sprach Papst Johannes XXIII. P. Peter-Julian heilig. Margarete Guillot würde darüber nicht verwundert gewesen sein; seit ihrer ersten Begegnung mit P. Eymard war sie von dessen Heiligkeit überzeugt.

Peter-Julian starb am 1. August 1868 im Alter von 57 Jahren. Am Ende seines Lebens erhielt P. Eymard die endgültige Approbation vom Hl. Stuhl für seine Kongregation vom Hlst. Sakrament und für die Dienerinnen vom Hlst. Sakrament. Seine eigene eucharistische Spiritualität reifte und erreichte einen hohen Grad. Schon seit 1845 begann er sich von der Sühne-Spiritualität abzuwenden, um mehr und mehr der christusbezogenen Liebe in der Eucharistie sein Hauptaugenmerk zu schenken.

Drei Jahre vor seinem Tod machte P. Eymard in Rom lange Exerzitien (d.h. geistliche Übungen). Während dieser Exerzitien wurde er mächtig getroffen von der Kraft der Liebe Jesu zu ihm - eine Liebe, von der er spürte, daß sie seine ganze Person erfaßte. Getroffen von der Liebe Gottes, die sich in der Selbsthingabe Jesu in der Eucharistie zeigt, wollte nun P. Eymard alles Menschenmögliche dafür einsetzen, seine Gefährten und Zeitgenossen für diese Liebe zu entflammen. Schon vor der kirchlichen Erneuerung durch die vatikanischen Konzilien I und II sah P. Eymard das Leben der Priester und Ordensschwestern sowie der Männer und Frauen in der Welt als vollen Einsatz für die geistigen Werte, die beim eucharistischen Opfer und im Gebet vor dem ausgesetzten Hlst. Sakrament gefeiert und betrachtet werden. Welche Freude wird Peter-Julian im Himmel empfunden haben, als während des II. Vat. Konzils erklärt wurde, daß die Eucharistie in der heutigen Zeit "Quelle und Höhepunkt des Lebens in der Kirche" ist. (Konstit. über die Liturgie, II. Vat. Konzil).

 

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III.

 Eucharistinerpatres und -brüder
in der heutigen Zeit

P. Eymard war an seinem Lebensende überzeugt, daß sein Charisma und seine besondere Begeisterung für das Geheimnis der Hl. Eucharistie auf viele Männer und Frauen eine mächtige Anziehungskraft ausüben werden. P. Eymard konnte sich aber nicht vorstellen, daß seine Kongregation in weniger als 100 Jahren in jedem Erdteil der Welt Niederlassungen haben werde. Ausgehend von Frankreich, verbreitete sich die Kongregation zuerst in anderen Ländern Europas: Belgien, Italien, Österreich, Deutschland, Schweiz, Holland, Spanien und Tschechoslowakei. An der Jahrhundertwende war die Kongregation bestrebt, Heiligtümer zur Ewigen Anbetung des Hlst. Sakramentes in Großstandzentren zu eröffnen. Mit dem Zunehmen der Volkstümlichkeit der Internationalen Eucharistischen Kongresse und der eifrigen Verbreitung der eucharistischen Frömmigkeit durch viele Bischöfe und Kardinäle erhielten die Eucharistiner Einladungen, auch in nord- und südamerikanischen Städten Häuser zu eröffnen. Einer solchen Einladung antworteten unsere Religiosen in Frankreich und errichteten eine S.S.S.- Gemeinschaft in Montreal, Kanada. Von dort aus war der Sprung in die Vereinigten Staaten nicht weit. Eine Gründung folgte der anderen, bis die Eucharistiner in Amerika im Jahr 1931 eine eigen-ständige Provinz wurden.

Kaum hatten französischsprechende Religiosen das Charisma Eymards in die Vereinigten Staaten gebracht, trugen amerikanische Eucharistiner die Hoffnung der Kongregation nach Australien und auf die Philippinen. Die Australier ihrerseits drangen nach Asien vor und eröffneten in Indien und Sri-Lanka Gemeinschaften. Alle Eucharistiner auf der ganzen Welt hoffen auf das wunderbare Überleben der Patres und Brüder der Eucharistiner in Vietnam.

Es ist wichtig, daran zu erinnern, daß die eucharistische Sendung P. Eymards sich nicht auf Männer beschränkt. Es ist nicht überraschend, daß in vielen Ländern die Ankunft der Eucharistinerpatres und -brüder zur Gründung von Gemeinschaften der Dienerinnen vom Hlst. Sakrament geführt hat. Seit dem Beginn der Kongregation spielten Frauen bei der Entwicklung und Pflege unserer eucharistischen Spiritualität eine zentrale Rolle.

   

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IV.

Wer sind die Patres und Brüder vom Hlst. Sakrament?
- Was tun die Eucharistiner?

Die Eucharistinerpatres und -brüder bilden eine welt-weite Gemeinschaft. Sie zählt heute eine Mitglieder-zahl von ca. 1000 in 34 Ländern.

"Es ist unser Ideal, das Geheimnis der Eucharistie in seiner Fülle zu leben (Lebensregel, Nr.1). Wir glauben, daß die Eucharistie die Kraft besitzt, uns und unsere Gesellschaft radikal zu verwandeln in Personen und Gemeinschaften, wo das Reich Gottes offenkundiggemacht und gelebt wird. Unsere Spiritualität konzentriert sich auf die Feier der Eucharistie und im Leben des Ostergeheimnisses: Leben, Leiden, Tod, Auferstehung, Himmelfahrt und Sendung des Hl. Geistes.

Wir versuchen, unsere Persönlichkeit und gemeinschaftliche Identität in unserer Erfahrung in der Feier und Betrachtung der Eucharistie zu entdecken. Kurz: "Wir versuchen, jede menschliche Wirklichkeit im Licht der Eucharistie zu verstehen". (Lebensregel, Nr.34).

Wir setzen die Eucharistiefeier und das Gebet vor dem ausgesetzten Hlst. Sakrament in die Mitte unseres persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens. Der hl. Johannes sagt uns: "Niemand hat Gott je geschaut... aber wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns (1 Jo 4,12). Wir, die wir unser Leben auf das Sakrament der Einheit bauen, geben dem gegenseitigen Erfahrungsaustausch im Alltagsleben unserer Gemeinschaften einen hohen Stellenwert. Alle unsere Religiosen, ob jung oder alt, Kleriker oder Nicht-kleriker, sind volle und gleichwertige Mitglieder unserer Kongregation.

Alle S.S.S.- Mitglieder, Priester wie Brüder haben eine gemeinsame Sendung, nämlich:

Die E u c h a r i s t i e  als  - Verkündigung
                                         - Befreiung
                                         - Vereinigung

  

Die Eucharistie als Verkündigung

Wie unser Gründer Peter-Julian sind viele unserer Religiosen als Prediger, Lehrer und Seelenführer tätig. Ob nun unser Fachwissen in der Hl. Schrift, in der Geschichte oder in der Psychologie liegt, so verinnerlichen wir alle die Frohbotschaft, die wir bei der Eucharistiefeier hören, und verkünden sie in unseren Schriften, Lehren und Therapien.

Ebensowichtig erscheint uns, das Geheimnis der Liebe Gottes im Zeugnis unserer Selbsthingabe an die anderen weiterzugeben.

Wir glauben, daß das verkündete Wort während der Eucharistiefeier eine einmalige Form der Gegenwart Christi in der christlichen Feiergemeinde darstellt. Wir sind ebenso der Überzeugung, daß die Gegenwart Christi in Brot und Wein der Eucharistie das beste Symbol der Liebe Jesu zu uns ist. Denn wegen der innigen Beziehung zwischen Wort und Sakrament erziehen und üben wir uns ganz entschlossen in allen liturgischen Diensten.

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Die Eucharistie als Befreiung

Unsere Religiosen bemühen sich, die Not der Armen, Unterdrückten und Leidenden zu lindern. Seit Jahr-zehnten haben die Religiosen vom Hlst. Sakrament den eucharistischen Frieden und das Heil Christi in Krankenhäuser und Pflegeheime gebracht. Mit dem zunehmenden Bedürfnis nach der Theologie der Befreiung im Leben der Kirche suchen immer mehr Religiosen, ihre eigene Dienstbereitschaft in den un-gerechten Sozialstrukturen der Gesellschaft, welcher Männer und Frauen ihrer persönlichen Würde und Menschenrechte berauben, zu entdecken. So wie unser Stifter, dem die Lumpensammler und Gassenjungen nicht unbekannt waren, möchten wir unser Leben den Außenseitern und an der Gesellschaft Zerbrochenen widmen.

Wir sind der Meinung, daß die Gegenwart Christi in der Eucharistie uns herausfordert, Propheten für unsere Zeit zu sein. Seine Gegenwart im verkündeten Wort gibt eine Antwort auf die religiöse Unwissenheit, von der unsere Zeitgenossen gekennzeichnet sind.

Seine Gegenwart in Brot und Wein spornt uns an, gegen die Übel des Hungers und des Materialismus anzukämpfen. Seine Gegenwart unter den Gläubigen während der Eucharistiefeier verbietet es uns, irgendjemand auszuschließen oder unsere Brüder und Schwestern in stereotyper Weise zu behandeln.

Die Befreiung der Unsrigen in Christus ermutigt uns, einander zu ertragen, wenn wir mit Ungerechtigkeiten konfrontiert werden. Unsere Eucharistiefeiern rufen uns auf zum Kampf gegen die Übel des Rassismus, Hädonismus und Sexualismus.

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Eucharistie als Vereinigung

In mehreren Ländern der Welt pflegt die Kongregation der Eucharistiner in Kirchen, die in Stadtzentren gelegen sind, die eucharistische Frömmigkeit. Diese Gotteshäuser bieten Gelegenheit zu geistlichen Aussprachen, zu Ratschlägen in schwierigen Situationen und zum Sakrament der Versöhnung mit Gott, mit sich selbst und untereinander.

In anderen Gebieten, wie z.B. in den Vereinigten Staaten, arbeitet die Kongregation vorwiegend in Pfarreien und Glaubensgemeinschaften in Wohnvierteln. Wiederum andere Religiosen sind für spezielle Dienste eingesetzt, wie z.B. als Lehrer, Krankenhausseelsorger und Betreuer von benachteiligten ethnischen Randgruppen; wieder andere arbeiten in den liturgischen, ökumenischen und missionarischen Bereichen usw.

Welcher Art unsere Einsätze immer auch sein mögen, so leisten wir diese im Licht und im Charisma unseres Stifters. Unsere Lebensregel leitet uns an, das Anliegen unseres Gründers neu zu entdecken: die vielfältigen Reichtümer der Eucharistie zur Erneuerung von Kirche und Gesellschaft auszuschöpfen, und zwar im Geiste unserer Berufung. Viele Bischöfe in den Vereinigten Staaten und auch in Europa und anderswo rufen uns in ihre Diözesen, um diese Anliegen wahrzunehmen. Das ist unsere Berufung in der heutigen Zeit: der Kirche durch ein eucharistisches Apostolat zu dienen.

Die Lebensregel beschreibt unsere Lebensweise als prophetische Sendung, sozialen Einsatz und als Zeugnis für die Einheit (Lebensregel 36-38). Sie betrachtet diesen Einsatz als Dienst für die Welt (1), um dem Menschen bei der Ausrichtung seines Lebens nach den christlichen Grundsätzen zu helfen; als Einsatz zur Gestaltung lebendiger Eucharistiefeiern (2), zur Heranbildung lebendiger Pfarreien (3), zur Errichtung von Gebets- und Exerzitienhäusern (4), zum Dienst an Priestern in ihren geistlichen Nöten, um in ihnen ein eucharistiekonzentriertes Leben zu fördern (5), sowie als Presseapostolat (6) - Lebensregel  NNr.39-45.

Die Kongregation für Religiosen und Säkularinstitute fügte bei der Genehmigung unserer erneuerten Lebensregel folgenden Wunsch hinzu:

"Wir drücken unseren Wunsch aus, daß diese Darstellung des reichen geistigen Erbes und der Glaubensfülle in dieser Lebensregel die Religiosen der Eucharistiner kraft der Eucharistie zu authentischen Zeugen zur Erneuerung für Kirche und Gesellschaft machen möge".

Es war uns eine Freude, dich mit Peter-Julian Eymard und seine Kongregation vertraut zu machen. Das Charisma unseres Stifters lebt weiter in unseren Patres, Brüdern und Schwestern und bietet eine große Hoffnung für die Kirche und die Welt. Wenn du spürst, daß dich Gott zu einem Leben des Dienstes und Gebetes berufen hat, dann erinnere dich an uns!

 

Die Eucharistie ist unser Geschenk!

Die Eucharistie ist unser Leben!

 

A. R. T. E.

 Adveniat Regnum Tuum Eucharisticum  
Dein eucharistisches Reich komme!

(Wahlspruch der Eucharistiner)

 

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©2000 Kongregation vom Heiligstes Sakrament, Email: chrast@katolik.cz
Tel. (0043) 1 597 81 17 ( + Klappe - P. Provinzial 42)