hl. Peter - Julian EYMARD SSS.

PETER - JULIAN
E Y M A R D

UND

DER PFARRER
 v o n  A R S 

hl. Johannes Maria Vianney


Englischsprachige Originalarbeit von
P. Maurice Rouleau, s.s.s.,  
 1950

Ins Deutsche übertragen von
P. Walter Marzari, s.s.s.
Dublin, August 1990

 

Zitate des heiligen Pfarrer von Ars
über P.Eymard und Eucharistiner

 

 

P. Eymard wurde am 12. Juli 1925 seliggesprochen. An diesem Tag wurde die offizielle Bulle von Papst Pius XI. verlesen. Pius XI. sagte:

"...Die Heiligkeit seines Lebens und den Nutzen der von ihm gegründeten Werke für das Wohl der Kirche bestätigte öffentlich der hl. Johannes Maria Vianney, den wir am Pfingstfest feierlich in das Verzeichnis der Heiligen aufgenommen haben. Kein Wunder, dass der Ruf der Heiligkeit, den der Diener Gottes wegen seiner glänzenden Tugenden bereits zu seinen Lebzeiten besaß, seit seinem Tode bis auf den heutigen Tag ständig wuchs..."

Auch die Heiligsprechung Eymard's durch Papst Joh. XXIII. am 9. Dezember 1962 bezieht sich auf den Pfarrer von Ars, freilich nur indirekt; dabei wird eine persönliche Beziehung erwähnt:

"Neben dem hl. Vinzenz v. Paul, dem hl. Johannes Eudes und dem Pfarrer von Ars nimmt P. Julian Eymard einen Platz ein in den Reihen jener leuchtenden Sterne, welche dem Lande, in dem sie geboren wurden, zum unvergleichlichen Ruhm gereichen, deren wohltuender Einfluss sich jedoch weit darüber hinaus erstreckt, nämlich auf die ganze Kirche."

 (Gegen Ende der Homilie des Papstes während der Heiligsprechung).

Die nun folgenden Gedanken sind so aufgegliedert:

    1.    Historischer Hintergrund und Zusammenhänge

    2.   Ereignisse und Beziehungen zwischen Eymard und Vianney

       A) Der III. Orden der Maristen und die hl. Philomena

       B) Unsere lb. Frau von La Salette

       C) Die Kongregation vom hlst. Sakrament

       D) Die persönliche Begegnung beider Heiligen

    3. Ereignisse nach dem Tode Vianney's

A) P. Eymard's Sarkophag

B) Das Breve der Seligsprechung P. Eymard's

C)  Gebet zum hl. Joh. Maria Vianney um die Heiligsprechung P. Eymard's

     4. Schlussfolgerungen

1. Historischer Hintergrund und Zusammenhänge
   Ars liegt 35 km nordwestlich von Lyon. (Landkarte sh. Nunez: Textus, Bd. 4, S. 392.)

   Zitierte Diözesen:

Grenoble

Eymard als Knabe, Diakon, Priester.

Lyon

Eymard als Marist

Paris

Eymard als Eucharistiner

Belley

vor 1823 gehörte Belley zur Diözese von Lyon, nach 1823 wurde daraus eine eigene Diözese.

Ars

vor 1823 gehörte Ars zur Diözese von Lyon, nach 1823 gehörte Ars zur neuen Diözese von Belley.

 

Vianney geb. in Dardilly, am 8. Mai 1786
Eymard

geb. in La Mure, am 4. Februar 1811    
Ein Altersunterschied von 25 Jahren!  

Vianney war Privatstudent in Belley's Pfarrei Ecully. Er wurde in Grenoble von Bischof Simon am 13. August 1815 zum Priester geweiht. (Eymard war damals 4 Jahre alt)

Vianney seit 13. Februar 1818 Pfarrer in Ars; er blieb dort bis zu seinem Tod, am 4. August 1859 (41 Jahre.)

 

 

Priester

Alter

Vianney

44 Jahre

73 Jahre

Eymard

34     "

57     "

   
Eymard's Kontakte mit ihm ab 1846.

                   

Wann hörte P. Eymard zum erstenmal von Vianney?

Anfang 1838, als er Pfarrer in Monteynard war.

P. Touche, O.M.I. (Oblate), rät Eym., Vianney zu besuchen. Dieser Missionar lobt den Pfarrer v. Ars als Katecheten und Beichtvater. Er erzählt Eym. auch von der eben gegründeten Kongregation der Maristen durch P. Colin am 24. Sept. 1836. Diese Nachrichten über die Maristen ließ Eym. aufhorchen. Im August des folgenden Jahres (1839) wollte Eym. als Novize bei den Maristen in Lyon eintreten. (Trochu, 58).

Wann hörte der Pfarrer v. Ars zum erstenmal von P. Eymard?

Keine klare Antwort möglich; wahrscheinlich, als Eym. zum Spiritual des Seminars in Belley ernannt wurde (nach seinem verkürzten Noviziat kam Eym. im Febr. 1840 dorthin und blieb bis Sept. 1844). Dies ist deshalb wahrscheinlich, weil Ars in derselben Diözese beider Priester lag, und weil dort beide Priester gut bekannt waren.

 

2. Ereignisse und Beziehungen zwischen
    Eymard und Vianney

A) Der III. Orden der Maristen

Geschichtlich gesichert ist: Eym. wurde im Dez. 1845 zum Direktor des III. Ordens ernannt und nahm am 8. Dezember 1846 den Pfarrer von Ars als eines der ersten Mitglieder dieses gerade gegründeten Zweiges für Priester in den III. Orden auf. (Trochu, 119; Troussier, I, 284).

Vianney war im III. Orden gern gesehen, und viele Seelen wurden von ihm zum III. Orden geschickt mit den Worten: "Gehen Sie zum III. Orden und lassen Sie sich aufnehmen, er ist eine Quelle des Friedens."

Als Eym. begann, durch eingerichtete Zweige den III. Orden auf andere Pfarreien auszudehnen, war Vianney der Erste, der Eym. um die Erlaubnis dafür bat, die zur Gründung eines solchen Zweiges notwendig war. Eym. beeilte sich, ihm folgenden Brief, der im Kirchenarchiv von Ars gefunden wurde, zu schreiben:

 

"Lyon, 25. September 1854  
    Guter Pfarrer und teurer Mitbruder in Maria!

Mit Freuden sende ich Ihnen das Diplom, das Ihnen alle Vollmachten erteilt zur Aufnahme von Anwärtern in den III. Orden Mariens vom Innerlichen Leben. Unser Generaloberer hat es mit einer wahren Genugtuung unterschrieben.

Verlangen Sie von den aufzunehmenden Personen, soweit es möglich ist, wenigstens eine Viertelstunde Betrachtung. Heute fahre ich nach La Seyne bei Toulon ab. Segnen Sie mich und beten Sie für mich. Ich habe Vertrauen, dass die hl. Philomena meinen empfindsamen Kopf heilen wird; aber seit dem Ende der Novene ging es mir gut.

Leben Sie wohl, guter Pfarrer und verehrter Bruder!

Im Herrn verbleibe ich Ihr ergebenster

                                                  EYMARD  
                                                 Maristenpater"

 

(Unveröffentl. Briefe P. Eymard's, Teil A, S. 151)

Anmerkung bzgl. der hl. Philomena:

Trochu schreibt (S. 420), daß es der Pfarrer von Ars war, der Eymard gelehrt hat, diese kleine Heilige zu lieben. Zudem kannten beide das Fräulein Pauline Jaricot sehr gut; diese trug zur Verbreitung der Verehrung der hl. Philomena in Frankreich bei. Sie gab dem Pfarrer Vianney eine echte Reliquie dieser Heiligen und half höchstwahrscheinlich auch Eymard, eine solche zu erhalten. Eym. schenkte diese Reliquie der Familie Guillot, kurz bevor er die Gesellschaft der Maristen verließ; jetzt besitzen die Dienerinnen vom hlst. Sakrament diese Kostbarkeit. (Troussier, I,192 f.; S. 538).

Erst später, im Jahr 1974, wurde ein Brief gefunden, der vom Pfarrer v. Ars geschrieben wurde. Herr Robert Morel, ein Experte von Vianney's Briefen, prüfte das Schreiben und erklärte, der Brief sei Ende 1854 oder Anfang 1855 geschrieben worden. Er war an P. Eym. adressiert. (Vgl. Ensemble, Juli 1974, Nr. 13, S. 31-33). Der Brief lautet:

 

    "Mein sehr geehrter P. Superior!

Wie haben Sie darunter leiden müssen, wenn ich an diese große Liebe denke. Dass ich beinahe zu Ihren Kindern gehöre, lässt mein Herz vor Freude überlaufen; dies vermittelt mir eine tiefe Hochachtung Ihrer Demut, wo ich doch so armselig bin, wie Sie wissen.

Ich wünsche Ihnen also zusammen mit allen Ihren Kindern ein schönes Fest, nicht nur, um Ihnen ein langes Leben zu wünschen, sondern auch eine Liebe gleich jener des Aloisius von G. und einen ausgedehnten Seeleneifer wie jener des hl. Paulus. Was mich betrifft, so habe ich nur den einen Wunsch, mich in einen Winkel zu verkriechen, um mein armes Leben zu beweinen und zu versuchen, Gottes Vergebung für meine Unwissenheit, Scheinheiligkeit und Gaumenlust zu erlangen. Wie viel Arbeit! Wie viel Buße bleibt noch zu tun, wie viel Tränen zu vergießen! Verzeihen Sie, verehrter Pater Superior, dass ich Ihre Zeit in Anspruch nehme; sie ist für das Heil der Seelen kostbar. Nehmen Sie lediglich aus Nächstenliebe meine innigsten Glückwünsche und Gebete entgegen. Möge mir Jesus verzeihen, und preisen wir Maria, die sündenlos Empfangene.

                            Joh. M.B. Vianney  
                             armer und alter Pfarrer von Ars"

 

B) Unsere lb. Frau von La Salette (weinende Madonna über die Blasphemien der hl. Messe)

Eine solche Zusammenarbeit mit dem hl. Pfarrer v. Ars hat P. Eym. in seinem Werk sicher ermutigt. Aber stimmten denn die beiden Männer über die Ereignisse in der damaligen Zeit über-ein?

Da ist z. B. die Angelegenheit der Erscheinung U. Lb. Frau von La Salette. Die hl. Jungfrau erscheint im Sept. 1846 zwei Kindern (Maximin und Melanie) in La Salette, Diözese von Grenoble.

P. Eymard wurde für den Glauben an die Erscheinung sehr aktiv und war von der Erscheinung überzeugt.

Anfangs glaubte auch Vianney sehr fest daran. Aber eines Tages (24. Sept. 1850) wurde Maximin von einigen politisch interessierten Beamten zu Vianney gebracht, um ihn bezüglich der Berufung des Knaben um Rat zu fragen; aber ihre Absichten waren nur politisch motiviert. Der Knabe gab dem Pfarrer sehr ausführliche Antworten und erweckte in ihm den Eindruck, dass die Erscheinung nicht echt wäre.

So hörte Vianney seitdem auf, an die Erscheinung Unserer Lb. Frau von La Salette zu glauben. Er griff zwar das Ereignis nicht öffentlich an, handelte aber insofern negativ, als er sich weigerte, darüber zu reden und Medaillen zu segnen; er riet jedem, das Urteil der kirchlichen Behörde abzuwarten.

P. Eym. hörte von diesem Umschwung Vianney's und wurde darüber ärgerlich. (Troussier, I,383). Am 6. März 1851 schrieb Eym. seinem Freund, dem Kanonikus Rousselot, Direktor des Seminars in Grenoble):

"Ich habe in Lyon viele Leute gesehen, die stöhnen über all diese Leichtfertigkeit in Ars; da man die Haltung des Herrn Pfarrers und sein Zaudern kennt, ging man von der Wahrheit über La Salette ab. Heute aber glaubt man daran wie vorher, ich würde sogar sagen, noch stärker als früher. Die Sieger von Ars schweigen oder missachten die Tatsache. Jetzt kann ich sagen, dass das Feuer erloschen ist und lediglich ein wenig Rauch übrigbleibt..." (Briefe A, 155).

Ist es möglich, dass Vianney eines Tages wieder an die Erscheinung glauben werde?

Der Bischof von Grenoble erkannte die Erscheinung als echt an (19. Sept. 1851 in einem Hirtenbrief; formales Breve am 1. Mai 1852). Somit glaubte Vianney wieder an das Ereignis, war aber für lange Zeit nicht in der Lage, seine frühere Begeisterung zurückzugewinnen und ausführlich auf entsprechende Fragen zu antworten.

Der Pfarrer von Ars kehrte im Oktober 1858, 10 Monate vor seinem Tod, zur früheren Überzeugung aus ganzem Herzen zurück. Das folgende Ereignis bekräftigt seine neuerliche Überzeugung: Fräulein Adele Julhien, welches P. Eym. im Jahr zuvor (25. Okt. 1857) durch U. lb. Frau v. La Salette von einer Rückenmarkskrankheit wunderbar geheilt hatte, machte ihre versprochene Wallfahrt zu diesem Heiligtum und ging dann nach Ars. Mit ihren eigenen Worten schildert sie:

"Es wurde mir die seltene Gnade zuteil, mit dem hl. Pfarrer von Ars zu sprechen; dieser rief mich gleich zu sich, obwohl er mich zuvor nie gesehen hatte, und sagte: 'Also, mein liebes Kind, du bist von Unserer Lb. Frau von La Salette verwöhnt worden...' Er hatte meine wunderbare Heilung erkannt und unterhielt sich mit mir eine ganze Weile darüber. Dann fügte er hinzu: 'Es ist P. Eymard, der für dich diese Novene gehalten hat. Er ist ein Heiliger'. Wie glücklich war ich, eine so schöne Lobrede über den Pater zu hören, den ich verehren und lieben gelernt hatte."

N.B. Der Autor erklärt das anfängliche Bedenken des Pfarrers über La Salette mit folgender Erklärung: Freunde des Thronanwärters von Ludwig XVII. (Baron v. Richemont) brachten Maximin nach Ars. Im Laufe der Unterredung sagte Maximin dem Pfarrer von Ars, dass er die hl. Jungfrau nicht gesehen habe.

Maximin erzählte später einem Freund, dass er unmittelbar vor seiner Ankunft in Ars einige Kirschen gestohlen und dies abgeleugnet hatte. Als er sich beim Pfarrer von Ars wegen dieser Lüge anklagte, glaubte der Pfarrer, er klage sich über die Erscheinung an. (Corte-ville F.: Le Pape Pie IX et N.D. de La Salette, 1978, S. 19).

N. B.  P. Peter-Josef Rousselot kam im Jahr 1811 ins Große Seminar nach Grenoble und lehrte dort 54 Jahre lang. P. Eymard hatte großes Vertrauen zu ihm. Fräulein Adele Julhien stammte von Marseille.

C) Die Kongregation vom hlst. Sakrament

Und nun kommt die wichtige Frage: Hat der Pfarrer von Ars irgendetwas mit unserer Kongregation zu tun? Die Antwort lautet: "Ja", weil Vianney P. Eymard dazu ermutigt und bestärkt hat, weil er viel für die Kongregation gebetet und deren Erfolg prophezeit hat.

Im September 1856, nur 4 Monate nach der Gründung seiner Gesellschaft, schrieb P. Eymard dem Pfarrer von Ars; aus diesem Brief können wir sehen, dass P. Eymard zuvor um die Meinung über seine eucharistische Berufung bei Vianney angefragt hat:

     "Alles aus Liebe zu Jesus in der Hostie

                                          Paris, rue d'Enfer 114,  
                                              24. September 1856.

Verehrter Mitbruder im Herrn!

Ich glaube, Ihre Verehrung unseres Herrn in der hl. Eucharistie mit der Mitteilung zu erfreuen, dass der Gedanken, von dem Ihnen P. Hermann erzählt hat, den Sie gesegnet und wofür Sie gebetet haben, heuer verwirklicht werden konnte.

Die Gesellschaft vom hlst.Sakrament ist vor vier Monaten in Paris gegründet worden; ihr Ziel ist es, Jesus im hlst. Sakrament bekanntzumachen, zu lieben und ihm von ganzen Herzen zu dienen; es geht darum, ihm einen Hofstaat von treuen Anbetern und eine Ehrenwache heranzubilden, die ohne Unterlass zu seinen Füßen wacht. Gott segnet diese kleine Gesellschaft.

Ich habe vor zwei Jahren das Glück und die Ehre gehabt, Sie in den III. Orden Mariens aufzunehmen. Ich bitte Sie also, zu Ehren unseres guten Meisters Ihre Gebete um den Segen dieses kleinen Senfkorns fortzusetzen und für uns beten zu lassen.

Der Hl. Vater hat uns mit großem Wohlwollen ermutigt und er nennt unsere Gesellschaft das Werk der Gnade für die heutige Zeit.

Der vorzügliche Herr............

Mit Hochachtung verbleibe ich in der göttlichen Liebe Ihr ergebenster

 

                                             EYMARD
                                            Priester vom hlst. Sakrament

An Herrn Vianey, Pfarrer von Ars, Ain"

(Brief im Band A, S. 151, zum Großteil zitiert in: Trochu, S.190)

 

Der damals 70jährige Pfarrer v. Ars hatte aufgehört, Briefe zu beantworten, obwohl gelegentlich sein Assistent P. Toccanier an seiner Stelle geantwortet hat. In diesem Fall konnte keine schriftliche Beantwortung aus Ars gefunden werden. Aber von seiner Kanzel aus hat Vianney uns bedeutsame Worte hinterlassen, wie Rémy Rajeaut, der später versuchte, bei uns Laienbruder zu werden, bezeugt. Dieser berichtet:

"Ich wohnte in der Nähe von Ars und setzte alles in Bewegung, den hl. Pfarrer aufzusuchen. Ich trat in die Kirche und nahm in seiner Nähe Platz, um seine Unterweisung um 11 Uhr zu hören. Während er über die Werke sprach, die zur Ehre Gottes unternommen werden, sagte er: 'Der liebe Gott bereitet seine Werke lange früher vor. Er geht dabei bedächtig, aber stets sicher vor. Er scheut vor Prüfungen nicht zurück; wir haben dafür einen Beweis bei einem heiligmäßigen Priester, der Ordensmann ist. Der Herr hat damit begonnen, dass er ihm eine große Liebe zum hlst. Sakrament geschenkt hat. Diese Liebe folgt ihm überallhin, er kann sich nicht von ihr lösen. Er wird gewiss das erreichen, was unser Herr von ihm wünscht.

Dieser Ordensmann ist P. Eymard. Er wird viel zu leiden haben, selbst von seiten seiner größten Freunde. Er soll sich jedoch nicht entmutigen lassen: dies ist ein Beweis dafür, dass Gott sein Werk will; und was es auch kosten mag, er wird ans Ziel gelangen.

Die Kongregation, die er gründen wird, wird eine große Blüte erleben. Sie wird sich allen und jedem zum Trotz in allen Ländern ausbreiten... Aber es bedarf stets großer Geduld und Ergebenheit, denn diese braucht es, wenn man ein Werk Gottes ins Leben ruft; die Freunde werden nämlich zu Feinden. Sobald diese jedoch merken, dass Gott trotz allem das Werk gelingen lässt, kommen sie zurück. Das wird auch ihm passieren." (Zit. aus: Trochu, S.191).

Diese von diesem heiligen Pfarrer stammenden Worte sind sehr ermutigend. Aber Gott, der die ausdauernde Liebe P. Eymard's prüfen wollte, erlaubte ihm nicht, daraus Ermutigung und Kraft zu schöpfen, weil er erst viel später von dieser prophetischen Ansprache erfuhr.

Der Kontakt von Fräulein Guillot mit dem Pfarrer von Ars bringt mehr Licht in diese Frage. Wie es ihre Gewohnheit war, ging Guillot im Februar 1858 nach Ars, um unter der Leitung des hl. Pfarrers Exerzitien zu machen; dieser Pfarrer interessierte sie schon seit langer Zeit. Ihre Mitgliedschaft im III. Orden Mariens und ihre freundliche Beziehung zu P. Eym. stärkte die Hochschätzung und das besondere Interesse, das Vianney der Direktorin des III. Ordens entgegenbrachte.

Als Margarete feststellte, dass Eym. mit seinem eucharistischen Werk entschlossen voranschritt, fand sie es leicht, Eym. die Frage über ihre eigene Berufung zu stellen. Es darf nicht vergessen werden, dass Eym. sie gebeten hat, ihm bei der Gründung der Kongregation der Anbetung für die Frauen zu helfen.

Fräulein Guillot hatte nur selten über Eym. und sein Werk gesprochen, als der gute Pfarrer ausrief: "Wie schön ist dieses Werk! Wie groß ist es!...Die Anbetung durch die Priester!...O wie schön!..." Er wiederholte diese letzten Worte und begann zu weinen. Dann sprach er weiter: "Er wird sogar von jenen Leuten verfolgt werden, die das Werk unterstützen sollten; der Welt ist es unbekannt." (Zit. aus Trochu, S. 240; Troussier, II, 115).

Dann wandte er sich Fräulein Guillot zu und sprach: "Und was Sie anbelangt, mein Kind, so ist es Gottes Willen, dass Sie sich P. Eymard in Paris anschließen, denn Ihre Berufung ist es, eine Schwester vom hlst. Sakrament zu werden. Da darf nicht gezögert werden: Sie sollen sich beim ersten Zeichen, das Ihnen mein heiligmäßiger Freund gibt, auf den Weg machen." (Trochu, S. 240).

Als Margarete dieses erwartete Zeichen drei Monate später (im Mai 1858) erhalten hatte, ging sie wiederum nach Ars, um den Segen des Pfarrers Vianney zu erhalten, bevor sie sich  nach Paris begab (sie kam dort am 25. Mai 1858 an). Pfarrer Vianney fragte sie gleich: "Wie geht es P. Eymard?". - "Danke, Herr Pfarrer, es geht ihm gut". - "Und wie schreitet sein Werk voran?" - "Ich höre, dass es nicht gut geht." - "Die Welt behindert es", erwiderte Vianney, "aber es wird gelingen, es wird überleben. Oh, was für eine Gnade und welchen Segen bedeutet es für Sie, dass Sie Gott dorthinruft. P. Eymard, mein Kind, ist ein großer Heiliger. Sobald Sie ihn sehen, erzählen Sie ihm in meinem Namen alles, was man sich unter Freunden sagen kann, und dass wir uns alle im Himmel wiedersehen werden. Alle Tage werde ich für das Werk beten... Nur Mut, gehen Sie vertrauensvoll auf den Herrn zu. Ich will Ihre Reise segnen, und Gott ebenso. Die gute Mutter wird Sie ermutigen. Jesus will, dass Sie sich seiner Liebe und allem, was ihm gefällt, weihen..." (Troussier, II, 117).

 

D) Die beiden Heiligen begegnen sich

Und nun bleibt noch das Ereignis zu schildern, wie Eymard persönlich zum Pfarrer von Ars ging. Dies geschah in den frühen Tagen des Monats Mai 1859 (Troussier, II,165; Trochu, 274).

Damals hatte P. Eym. Probleme, neue Berufe für seine Kongregation zu finden. In einem Brief an eines seiner Beichtkinder (Frau Gourd), geschrieben im Mai 1859 in Paris, berichtet P. Eymard:

"....Ich habe Lyon um 10.45 Uhr verlassen und kam glücklich um 1.15 Uhr in Ars an; ich kehrte um ca. 5 Uhr zurück...Ich danke Gott für meine Reise; er hat seine Pläne und seine Zeitpunkte der Barmherzigkeit" (Briefe,V,41).

Frau Gourd gegenüber erwähnte P. Eymard nichts über das  Gespräch mit Pfarrer Vianney. Aber P. Tesnière hat aufgrund seiner vertraulichen Gespräche mit P. Eym. das Interview mit Vianney in Ars beschrieben. Daraus schließen wir auf die Bedeutsamkeit, die P. Eym. selbst der Rolle des Pfarrers Vianney für die Kongregation beimaß. P. Eym. soll zu Vianney folgendes gesagt haben:

"Ich fürchte, dass wir uns in der Gründung dieses Werkes getäuscht haben, und dass uns dies Gott dadurch anzeigt, dass er uns keine Berufe schickt, die das Werk stützen und wachsen lassen. Oh, Herr Pfarrer, Sie haben mich zu diesem Unternehmen gedrängt, das so heilig schien: bitten Sie doch unseren Herrn, er möge selber zahlreiche und gute Anbeter für sein göttliches Sakrament schicken." P. Eym. sprach mit Rührung, meist unter Tränen. Als Pfarrer Vianney diese Klagen der Entmutigung vernahm, entgegnete er mit Entschiedenheit: "Mein Freund, mein Freund, du möchtest, dass ich den guten Meister für dich bitten soll; aber du hast ihn doch allzeit vor dir!" P. Eym., der selber durch die Tränen des hl. Pfarrers gerührt war, versuchte nun seinerseits, diesen zu trösten, indem er erwiderte: "Verzeihen Sie mir, Herr Pfarrer, bitte, vergeben Sie mir!" Und sie umarmten sich. (Nach: Trochu, S. 275; Troussier, II, 165).

Diese rührende Szene fand in der kleinen Sakristei von Ars statt. Es war die letzte Umarmung, denn 3 Monate später (am 4. Aug.1859) starb der Pfarrer v. Ars.

Ohne Zweifel brachte er die Bitte seines lieben Freundes, den er zurückgelassen hatte, vor den Thron des Lammes.

Ist dies das einzige Mal, dass sie sich begegneten? Es gibt bisher keinen historischen Beweis für eine weitere Begegnung.

 

Chronologische Liste der Begebenheiten

Die sich abspielenden Ereignisse wurden thematisch zusammengestellt. Es kann aber nützlich sein, diese Begebenheiten in ihrer zeitlichen Reihenfolge darzustellen.

1) P. Eymard hörte von Pfarrer Vianney im Jahr 1838, als P. Touche nach Monteynard kam.

2). Die erste und zeitlebens fortdauernde Beziehung zwischen beiden Männern ereignete sich am 8. Dez. 1846, als P. Eym. den Pfarrer von Ars in den III. Orden Mariens aufnahm.

3) Am 6. März 1851 schrieb P. Eym. dem Kan. Rousselot über den Pfarrer v. Ars und die Begebenheit von La Salette.

4) Am 25. September 1854 sandte ihm P. Eym. brieflich die Erlaubnis, in der Pfarrei v. Ars eine Gruppe des III. Ordens zu gründen. Der Pfarrer v. Ars schickte Eym. einen Brief; Eym. war damals in La Seyne-sur-Mer.

5) Im September 1856 schrieb ihm P. Eym. über die Gründung der Gesellschaft und bat ihn um sein Gebet.

6) Um dieselbe Zeit hielt der Pfarrer v. Ars seine prophetische Ansprache über P. Eymard und seine eucharistische Kongregation.

7) Damals fanden zwei Begegnungen des Fräuleins Guillot mit dem Pfarrer v. Ars statt: im Februar und im Mai 1858.

8) Der Besuch des Fräuleins Julhien fand im Oktober 1858 nach ihrer Heilung durch U. lb. Frau von La Salette statt.

9) Schließlich verwirklichte sich der persönliche Besuch Eymard's beim Pfarrer v. Ars im Mai 1859.

* * *


3. Ereignisse nach dem Tode Vianney's

A) Der Sarkophag P. Eymard's

Der Pfarrer v. Ars starb 1859. Die Freundschaft zwischen Vianney und Eymard ging über Vianney's Tod hinaus. P.Eymard's Leichnam wird nun in einem Glasschrein verwahrt, der vorher für die sterblichen Überreste des Pfarrers v. Ars verwendet wurde.

Seit dessen Seligsprechung im Jahr 1905 (genauer vom April 1905 bis Sept. 1925) ruhte der Leichnam des Pfarrers v. Ars in einem Glasschrein; nachdem er 1925 heiliggesprochen wurde, erhielt er einen neuen Sarkophag.

Als P. Eym. im Aug. 1868 starb, wurde er in La Mure begraben. Im Juli 1877 erhielt er in unserer neuen Kirche in Paris (Avenue Friedland) ein neues Grab. Nach seiner Seligsprechung im Jahr 1925 wurde er in den Glasschrein gelegt, der vorher Vianney gedient hatte; dieser steht jetzt in unserer Kirche (auf der rechten Seite) in Paris. Trochu hat treffend erklärt: "Ein Freund hat von seinem Freund geerbt" (Trochu, S. 485).

 

B) Das Breve der Seligsprechung P. Eymard's

Wir haben dargestellt, wie Papst Pius XI. im Seligsprechungsbreve den Pfarrer v. Ars als Zeugen für die Heiligkeit Eymard's und den Nutzen der von ihm gegründeten Werke anführte.

 

C) Gebet zum hl. Joh. Maria Vianney um die Heiligsprechung P. Eymard's

Es wurde auch hingewiesen, dass der Pfarrer v. Ars ein mächtiger Fürsprecher sei und neuerdings helfen kann, und zwar zur Erlangung der Heiligsprechung von Peter-Julian. Das Generalkapitel unserer Kongregation fasste in einer Versammlung am 21. Oktober 1949 den Beschluss, dass alle Häuser ein öffentliches Gebet an Pfarrer Vianney richten sollen. Dies taten wir jeden Tag beim Besuch des Allerheiligsten nach dem Mittagessen: "Heiliger Johannes Vianney, bitte für uns!" Der sel. Peter-Julian Eymard wurde am 9. Dezember 1962 heiliggesprochen.

 

Schlussfolgerungen

Das sind die Tatsachen. Welche praktischen Früchte ergeben sich aus dem Gesagten?

1. Eine größere Liebe zu unserer eucharistischen Berufung, die von einem zeitgenössischen Heiligen zu Lebzeiten Eymard's so hochgepriesen wurde, und für die er während seines Lebens soviel dafür gebetet hat.

2. Eine tiefere Wertschätzung unseres Gründers, der vom hl. Pfarrer v. Ars oft mit der Ehrenbezeichnung "ein Heiliger" geehrt wurde.

3. Ein festeres Vertrauen auf unseren mächtigen Freund, den Pfarrer v. Ars, der gewiss noch immer das Gedeihen unserer Kongregation und die Entwicklung unserer eigenen Berufung wünscht.

+++

N.B.  Ein paar Zusätze:

1) In der neueren Ausgabe der Schriften Eymard's findet sich eine Stelle, die aufzeigt, wiesehr P. Eymard den Pfarrer v. Ars schätzte. Er betrachtete ihn als lebendiges Beispiel eines heiligmäßigen Priesters. (Ecrits spirituels: Le prêtre, 34).

2) Wir besitzen eine Kopie der Bestätigung, die P. Eymard den Priestern übergab, wenn er diese unsere Kongregation angliederte. Er selbst erlebte die Freude, ein solches Zertifikat (Diplom) seinem Freund, dem hl. Pfarrer v. Ars, wenige Monate vor dessen Tod zu übersenden. (Jean du Cenacle, Fleurs d'Autel, Kap. 8, S. 71, Fußnote 1).

3) P. Tesnière schrieb am 24. Febr. 1868:  
"Ich vergaß, etwas sehr Interessantes zu erwähnen, worüber der Pater (Eym.) in Gegenwart von Friedrich, Marius und mir gesprochen hat. Der Pfarrer v. Ars war gestorben. Er erschien einer sehr heiligmäßigen Person und sagte: 'Gehen Sie zu P. Eymard und bitten Sie ihn, für mich 20 Messen zu zelebrieren, denn ich bin für 3 Monate im Fegfeuer, weil ich auf Erden vergessen habe, diese Messen zu feiern.' P. Eymard zelebrierte diese Messen und sagte uns, dass ihm darauf der Pfarrer erschienen sei, um ihm seine Erlösung mitzuteilen. 'Ich war sein Freund während seines Lebens auf Erden und er wollte mich nicht anders bezeichnen' "

(Donald Cave, Eymard, the years 1845-1851, S.361, Fußnote).

 

Der Pfarrer v. Ars und der Priester:

Papst Joh. Paul II. "Ecce nunc", 16. März 1986, Gründonnerstag.

Papstansprache v. 31. Nov.1986.

Eymard's Briefe I, 59: Brief 46 an de Cuers:

       "Paris, 17. Aug. 1859  

...Sie wissen sicher, dass dieser gute Pfarrer von Ars gestorben ist; wir müssen viel für ihn beten."

   

+++  A. R. T. E. +++

 



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