HL. PETER JULIAN EYMARD S.S.S.
Gründer der Eucharistiner und der Dienerinnen vom Hlst. Sakrament
Aus der "Neue Serie" Nr. 4
DIE HL. EUCHARISTIE
FESTE UND FESTGEHEIMNISSE
I. Temporale
FRONLEICHNAM
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INHALT:
Librairie
Eucharistique Paris-Montreal-Brüssel
1951 übersetzung
aus dem Französischen: P.Walter
Marzari SSS |
FRONLEICHNAM:
DIE FEIERLICHKEIT DES TAGES
1
Dies ist der Tag, den der Herr
wir wollen jubeln
Ps 118,24.
Alle Tage stammen von Gott; davon gibt er sechs dem Menschen und behält
sich nur einen vor. Im neuen Gesetz ist dieser Tag der Sonntag.
Der heutige Sonntag ist aber ein ganz besonderer Tag des Herrn. Seine Bezeichnung
verkündet es sehr laut, er nennt sich Fronleichnam. Es ist ein Tag der Freude
und des Glückes, "ein Fest für Gott
und für uns" 2.
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+ +
I. Ein Fest
für Gott.
Es ist der einzige Tag, den die Kirche zur Verherrlichung der lebendigen
Gegenwart Unseres Herrn mitten unter uns bestimmt hat.
a) Die anderen Feste ehren ein vergangenes Geheimnis; sie sind schön und
ehrenvoll für Gott und für uns fruchtbar an Gnaden. Aber schließlich lassen sie
nur die Vergangenheit wieder aufleben; Unser Herr ist darin nur durch seine Gnade
und unsere Frömmigkeit zugegen 3. Im
Gegensatz dazu ist hier alles aktuell, weil sich alles auf die lebendige Person
Unseres Herrn bezieht, der in unserer Mitte gegenwärtig ist.
Dazu hat dieses Fest einen besonderen Feiercharakter. Es werden nicht Reliquien
oder religiöse Darstellungen ausgesetzt, sondern der Gegenstand des Festes
selbst, der lebt und daher anwesend ist.
Seht, wie daher in gläubigen Ländern, wo der Gottesdienst frei gestattet
ist, alle Leute seine Gegenwart verkünden und wie man sich vor ihm niederwirft.
Selbst die Gottlosen erzittern und verneigen sich. Hier ist Gott! Es ist das
Bild dessen, was im Himmel ständig geschieht; nur ist die Liebe, die auf
unserer Welt der Verbannung tätig ist, in gewisser Hinsicht schöner, weil sie
die Frucht des Glaubens und daher verdienstvoll ist.
b) Dieses Fest ist das ehrenvollste für Unseren Herrn; es ist aber außerdem
das liebenswerteste für uns. Wir waren
bei den anderen Geheimnissen, die gefeiert werden, nicht dabei; wir haben
Freude daran, weil diese Gedächtnisse Gott Ehre bereiten, und auch wegen der
Gnaden, die uns daraus fließen. Hier jedoch nehmen wir am aktuellen Geheimnis
teil. Wir sind es, die dieses Fest durch die Kirche gegründet haben.
Es besteht zwischen uns und dem Gegenstand dieser Feierlichkeit eine Beziehung
gegenseitigen körperlichen Daseins. Auch seine Bezeichnung bestätigt diese
Tatsache . Der Name, den ihm nämlich die Kirche gibt, um unsere Frömmigkeit zu
erbauen, berührt uns näher: es ist das Fest des Leibes Jesu Christi (Corpus
Domini). Durch diesen Leib wurde er unser Bruder, unsere Nahrung und unser
Tischgenosse con viva et con
vivium 4.
Wie viel Liebe schließt diese Bezeichnung ein, weil der Herr hier demütig
und unserer Armseligkeit nahe ist! Unser Herr wollte dieses persönliche Fest,
um sich uns noch mehr zu nähern, so wie ein Vater darauf Wert legt, dass ihm
sein Kind zu seinem Fest gratuliert, auf dass er selbst ihm dann seine
väterliche Liebe bezeugen und ihm die eine oder andere Sonderbegünstigung
erweisen kann. Dieser Tag sei also für uns ein Fest der Freude; erwarten wir
uns davon auch reichlichere Gnaden! Die Lieder dieser Festlichkeit drücken den
Gedanken aus, dass sich Unser Herr mehr als sonst wohlwollend erweist 5.
II. Ein Fest
für uns.
1. Auch für die Kirche ist Fronleichnam ihr großes Fest. Sie hätte sich
scheinbar mit dem Gründonnerstag, dem Jahrestag der Einsetzung der Eucharistie,
zufrieden geben können. Aber dieses Fest ist wegen des Gedankens an das Leiden
und den Tod Jesu, der in der Karwoche vorherrscht 6,
nicht freudig genug.
Am Gründonnerstag begeht die Kirche das Gedächtnis des eucharistischen Geheimnisses,
sie betet es im Schweigen der Ruhealtäre an, sie feiert es nicht mit vollem
Glanz.
Es war auch angebracht, dieses Fest auf die Zeit nach Christi Himmelfahrt
zu verlegen, um der Wohltat der wirklichen Gegenwart Jesu Christi trotz seines
Wegganges in den Himmel größere Bedeutung beizumessen; es wurde sogar auf die
Zeit nach Pfingsten verlegt, damit wir nach dem Beispiel der Apostel, die mit
den Gnaden und der Freude des Hl. Geistes erfüllt wurden, das Geheimnis der
Eucharistie besser verstehen und feiern können 7.
Zu Pfingsten ging die Kirche aus ihrer
Wiege hervor und trat sofort ihr öffentliches und aktives Leben an; nach diesem
Fest kann sie also ihren göttlichen Bräutigam, der in ihr lebt, glanzvoll
feiern.
Ja, Fronleichnam ist eines der größten Feste in der Kirche. Die Kirche ist
nämlich die Braut des verherrlichten und auferstandenen Herrn. Bei seiner
Geburt bereitete Jesus die Kirche bereits vor; und die Kirchenväter sagen, dass
sie geheimnishaft am Kreuz aus der geöffneten Seite Unseres Herrn geboren wurde
8. Aber sie existierte erst als Keim und
Entwurf. Ohne Zweifel wollte sie ihrem Bräutigam in seinen Geheimnissen folgen;
es werden ihr daran aber nur die Erinnerung, die Reliquien, also nichts
Lebendes zurückbleiben; sie wird deren Gedächtnis neu beleben und daraus Gnaden
schöpfen. Auch jene, die nie in ein christliches Gotteshaus eingetreten sind,
betrachten die Kirche als eine Witwe und einen Leichnam und ihre Kultgebäude
als Orte, wo nur von Leiden gesprochen wird und wo man nur den Tod spürt.
Heute aber sehen sie selbst jene, die nicht an ihren Gottesdiensten
teilnehmen, als schön und reich; schön sogar in irdischer Hinsicht; und Gott
wird sie durch seine Gegenwart noch schöner machen. Welch glanzvolle Prozession
rollt da ab! Wie sich die Gläubigen niederwerfen! Ach, wer kann an diesem Tag
die Kirche eine Witwe nennen? Sie zeigt allen ihren Bräutigam in der
strahlenden Monstranz. Ihre Freunde beten an, ihre Feinde zittern 9. Jesus zeigt sich allen, segnet die Guten,
blickt mitleidig auf die Sünder, ruft sie auf und zieht sie an sich.
Das Konzil von Trient nennt dieses Fest den Triumph des Glaubens
10. Ich bin davon ganz überzeugt; und
darin liegt sogar der Triumph der Kirche in ihrem göttlichen Bräutigam.
Wunderbar! Unser Herr bleibt bei seiner Kirche, im Hlst. Sakrament, aber er
verbirgt sich, um der Kirche die Arbeit und auch die Ehre ihrer Sendung nicht
zu nehmen. Er lässt sie dadurch teilnehmen an den äußerlichen Ehren, die er
empfängt. Seht ihr nicht, dass der
Priester in gewissen Fällen mehr als Unser Herr geehrt wird, der sich
seinem Willen in diesem sakramentalen Dasein anpasst. Und ist nicht auch der
Papst, der Stellvertreter Jesu Christi, Gegenstand königlicher Huldigung? In
Sankt Peter brennen ständig bei 100 Kerzen vor dem Altar der Confessio, unter
der Leib des ersten Papstes ruht. Hat denn Unser Herr vor seinem Tabernakel
irgendwo ebenso viele Lichter?
Jesus Christus wird durch die Anbetung seitens der Engel und Menschen die
Herrlichkeit des Himmels zuteil, und die Kirche erlangt ebenfalls dadurch äußerliche
Ehren der Welt.
2. Für die Anbeter
der Eucharistie ist Fronleichnam wirklich ihr Fest.
Die Gesellschaft vom Hlst. Sakrament existiert nur durch und für
Fronleichnam: der auf das ganze Jahr ausgedehnte Kult dieses Festes, das ist
das Gesetz unseres Lebens und unseres Glückes. Wir überlassen es anderen
Kindern der Kirche, die Kranken zu pflegen, die arme Menschheit zu heilen und
die Sakramente zu spenden; wir sind nicht dazu berufen 11. Wir müssen Fronleichnam zeitlos
feiern. Ohne Zweifel ist heute unsere ganz kleine Kapelle nicht schön. Aber
dieser bescheidene Anfang ist ein Pfand künftiger Herrlichkeit. Unser Abendmahlssaal
wird sich umsomehr vergrößern, je länger seine Grundmauern klein und verborgen
bleiben.
Meine Brüder! Fronleichnam ist auch euer Fest. Ihr seid beständig mit
unserem Anbetungsdienst vereinigt. In der Nacht zieht ihr euch zurück. So will
es die Schicklichkeit. Aber ihr lasst euer Herz zu Füßen Unseres Herrn; und man
kann sagen, dass sich euer Leben hier abspielt.
Übrigens, bildet ihr nicht bei eurer Kommunion in eurem Herzen ein wahres
Fronleichnam? O ihr wisst, welche Freuden und welches Glück Jesus mit sich
bringt. Ich möchte sogar sagen, dass es für jene Seelen, die gut kommunizieren,
nur ein Fest gibt: die Kommunion empfangen. Die Seelen finden darin den Gegenstand
aller Geheimnisse, während die anderen Geheimnisse nur eine Erinnerung
enthalten.
Mehr noch; ich behaupte, dass, wenn Unser Herr nicht im Sakrament der
Eucharistie leben würde, alle christlichen Feste wie ein Stempel der Trauer
wären. Aber das Hl. Sakrament ist die Sonne der kirchlichen Feste; es leuchtet
sie an, gibt ihnen Freude. Man hätte
recht, das Leben einer
Seele, die oft kommuniziert, iuge convivium
12, ein ewiges Fest zu nennen. Mit Jesus
in sich leben, von Jesus und durch Jesus, das ist ein lebender Tempel, ein
lebendes Ziborium. O wie groß ist doch die Freude dieser Seelen, eine reine und
unveränderliche Freude!
+++
Wohlan denn, versteht es, diese Tage von allen anderen zu unterscheiden.
Unser Herr hat seine Tage des Königtums. Heute ist ein solcher, und zwar der größte,
ein König will nur seine Freigebigkeit verbreiten. Bringt ihm also eure
Huldigungen dar; als Gegenleistung wird er euch alles geben: er wird sich
selbst mit einer noch reicheren Ausgießung von Gnaden schenken, denn selbst die
Freundschaft hat ihre Abstufungen.
Was ich von euch wünsche, ist nicht, dass ihr Heilige seid. Wann werdet ihr
solche sein? Jene, die euch das wünschen, würden euch beschimpfen. Ich wünsche
euch, dass ihr im Dienste Gottes überaus glücklich seid, dass Unser Herr sich
euch noch milder und zugeneigter mitteile. Wenn ihr euch mehr geliebt fühlt,
werdet ihr euch noch vollständiger ihm schenken; und am Ende dieser zwei
Liebesformen wird die vollkommene Vereinigung stehen. Darin besteht die
Vollkommenheit und Heiligkeit.
Bittet mit Vertrauen, dass ihr dieses Ziel erreicht. Schenkt ihm euer
ganzes Herz: Jesus ist ein Vater, seid ihm liebevolle Söhne! Er ist ein milder
Freund, verkostet seine Liebe! Wer niemals die Güte Gottes verkostet hat, um
dessen Heil zittere ich. Oh! Dringt ein in diese ungeheure und stets
anbetungswürdige Güte!
FRONLEICHNAM:
FÜR DEN SONNTAG IN DER
OKTAV
1
Erinnern wir uns heute an das Gleichnis Unseres Herrn, das der hl. Matthäus
aufgezeichnet hat 2.
Ein König bereitete die Hochzeit seines Sohnes vor und rief über seinen
Mittelsmann zahlreiche Gäste herbei. Aber alle weigerten sich zu kommen, die
einen aus diesem, die anderen aus jenem Grund, alle aber aus eitlen Gründen.
Darauf wurde der König wegen dieser Beleidigung zornig und ließ die Armen, die
Blinden und Lahmen, die sich auf den öffentlichen Plätzen der Stadt befanden,
holen und sagte zu seinem Diener: zwingt sie hereinzukommen.
Die ersten Eingeladenen stellten die Juden dar, die weder an den göttlichen
Erlöser glauben, noch ihn lieben wollten. Daraufhin lud Jesus Christus Heiden
ein; diese symbolisieren die Armen und Gebrechlichen. Alle wurden unter der
einen Bedingung zugelassen, dass sie das Hochzeitskleid anzogen, welches ihnen
am Eingang des Festsaales angeboten wurde.
So haben unsere Ahnen, unsere Väter im Glauben, am Festmahl des Königs des
Himmels teilgenommen. Auch wir sind dazu eingeladen. Welche Güte von seiten
desjenigen, der dazu einladet! Und was für ein Fest, zu welchem wir zugelassen
sind!
+
+ +
Bemerken wir zuerst, dass Unser Herr bei seiner Fleischwerdung sich mit der
menschlichen Natur vermählt hat 3. Er hat
die nämliche Natur angenommen wie die unsrige, aber sie war rein und ohne
Sünde. Deshalb nannte er sich so gern
Menschensohn; und mit dieser Natur wollte er alle Menschen erlösen.
1. Aber vor seinem Sterben hat er das Brot und den Wein in seinen Leib und
sein Blut gewandelt, um sie uns als Nahrung zu reichen und so mit jedem von uns
eine Vereinigung der Gnade einzugehen 4,
die noch enger ist als jene der menschlichen Hochzeit; dabei stellt die
Eucharistie selbst das Festmahl dar.
Welche Überraschung stellt seine Einladung zu einer derartigen geistlichen
Hochzeit dar! Was unsere Seele betrifft, so sind wir arm, sogar blind.
Aber durch die Beichte gibt er uns das hochzeitliche Kleid; er verlangt nur
den Willen zu kommen. Er spricht zu uns wie der Bräutigam im Hohen Lied: "Freunde, esst und trinkt, berauscht euch an
der Liebe" 5. Und er
sagt dies alle Tage; er ladet uns zu seinem Fest in sein Haus, das er gebaut
hat, und wo sein Tisch bereitet ist zu unserem Empfang 6. Er konnte uns keine größere Ehre
bereiten.
Für einen Untertanen gibt es keine größere Ehre, als eingeladen zu werden,
im Familienkreis seines Königs Tischgemeinschaft zu pflegen. Das ist echte
Freundschaft! So handelt auch Unser Herr mit uns.
Ich weiß wohl, dass nicht alle kommen, selbst unter denen, die an der Messe
teilnehmen. Indes genügt es, den guten Willen mitzubringen und bereit zu sein,
uns selber hinzuschenken.
Wenn wir nicht zur Kommunion gehen, sollten wir wenigstens den Wunsch haben,
es zu tun, und glücklich sein festzustellen, dass Unser Herr bei jenen, die kommunizieren,
nicht verweilt, ohne Früchte zu bringen. Wenn wir das Fest der anderen sehen,
sollen wir an das denken, was kommen wird, sobald wir können oder wann wir es
wollen.
2. Bei einer Hochzeit steht nur eine Person im Mittelpunkt, nämlich die
Vermählte; die Gäste nehmen nur an den Zeremonien und am Mahle teil. In der
Kommunion vereinigt sich Jesus Christus mit jeder einzelnen Seele, die ihn
empfängt. Es handelt sich um einen unaussprechlichen Bund, um einen Vertrag
zwischen zwei freien Personen, um eine einzige moralische Person zu bilden. Es
ist ein von seiner Natur her zeitloses Vertrag; niemals wird ihn Jesus Christus
von sich aus brechen, denn er vereinigt sich in der Wahrheit und in der Liebe;
er soll auch im Willen der Seele zeitlos sein durch das Feingefühl des
Gewissens und die Treue in der Zuneigung.
Dieser Vertrag überragt alle anderen Verträge und verlangt eine größere Entschlossenheit
in der Verbundenheit. Sicher ist man versucht, davor zurückzuweichen, wenn man
sich geistig dazu fühlt, wie die zweite Gruppe der Eingeladenen im Gleichnis,
die Armen, Gebrechlichen, Blinden und Lahmen. Weil uns aber der Herr einladet, muss
man trotzdem kommen und seinem Ruf in Demut folgen. Dadurch entsteht in uns die Dankbarkeit; und im
Feuer der Liebe gibt die Seele das Versprechen ab, verpflichtet sich und bindet
sich für immer. Niemand würde wagen zu sagen: heute bin ich dir treu, morgen
werde ich dich verlassen. Nein. Alle versprechen, hoffen und wollen daran
festhalten. Das ist der Vertrag: Jesus wird ihn niemals brechen, es sei denn,
er wird dazu gezwungen. Brecht auch ihr ihn nicht durch eure Fehler!
3. Die hochzeitliche Vereinigung bedeutet für die Braut der freiwillige
Verzicht auf ihre Unabhängigkeit, irgendwie die Entsagung ihrer Person: sub viri
potestate eris 7. Auch in der Kommunion vereinigt sich die Seele mit Jesus Christus
nicht, um Herrin ihres Lebens zu bleiben. Sie kommt, unterwirft und schenkt
sich ihm; sie sucht den Willen ihres göttlichen Bräutigams zu erforschen, ihm
bei seinem Erlösungswerk zu helfen und ihm überallhin zu folgen, wohin er sie
in seinem Gefallen ruft; sie muss imstande sein zu wiederholen: Nicht mehr ich
lebe, sondern Christus lebt in mir 8.
Manche Seelen meinen, dieser Titel der Braut sei für sie zu schön; sie
ziehen jenen der Dienerinnen vor. Das zeugt häufig von Lauheit. Oh, die
Dienerin isst doch nicht mit dem Bräutigam, mit dem Meister. Also dann, bleibt
zu seinen Füßen! Nein, befürchtet nicht, dass ihr euch mit Jesus Christus
erhebt. Nicht ihr erhebt euch aus eigenen Kräften, sondern Jesus Christus
erhebt euch. Adel verpflichtet! Lasst euch erheben. Fürchtet diesen Titel der
Braut nicht! Verbannt seine leibliche Bedeutung! Ehrt Jesus Christus als euren
Bräutigam, weil er sich gewürdigt hat, euch so mächtig zu ehren, dass er eure
Seele zur Braut genommen hat. Ach, tut also nicht so, als hätte sich Jesus
Christus getäuscht, wenn er sich so innig mit euch vereinigen wollte.
4. Diese sakramentale Vereinigung ist in der Tat höher als jede andere
menschliche Vereinigung. Die leibliche Vereinigung kann nicht mit ihr
verglichen werden; die Freundschaft erzeugt lediglich eine Einheit der Gefühle
und des Wollens. Ohne Zweifel verbindet man sich sogar in der Ehe zuerst im
Willen und in der Zuneigung einer Person, aber diese Person bleibt oft im
ungewissen, und der Körper gewinnt die Oberhand.
Unter Freunden gibt es nur eine moralische Verschmelzung; und es ist
selten, dass diese vollkommen ist.
In der Kommunion vereinigt sich Jesus Christus gänzlich und persönlich mit unserer
Seele und bewirkt in ihr die Ausgießung von heiligmachender Gnade, die sogar am
Leben Gottes teilhaben lässt. Das Fleisch ist nur das materielle Mittel dieser
Vereinigung; es wird wie die Sinne ein heiligendes Abbild darstellen. Aber die
Seele ist das eigentliche Ziel des Kommens Jesu Christi; er nährt sie mit seiner
Substanz wie mit einem Brot des Lebens; er bildet sie mehr oder weniger
vollkommen nach seinem Bild, je nachdem, ob ihre Liebe feuriger und das Herz
reiner ist.
Zwei Wachsstücke verschmelzen umso besser zu einem einzigen, je mehr sie
durch dieselbe Hitze verflüssigt werden. Wenn unser Herz durch die Liebe gut erwärmt
und für die Wirkung der Gnade mehr geöffnet ist, wird uns Jesus Christus mit
sich verschmelzen, in etwa so wie ein Wassertropfen, der sich im Ozean verliert
und selbst zum Ozean wird.
Jesus Christus hätte sich damit begnügen können, uns seine Gnaden zu schenken,
um das Gesetz des Heiles zu erfüllen. Aber er hat im voraus gewusst, dass ihm
großherzige Seelen mit der Hingebung von wirklichen Bräuten lieben wollen; und
so hat er es ihnen ermöglicht.
Man wird einwenden: wenn jede Kommunion dieses Bündnis zwischen der Seele
und Jesus Christus herstellt, genügt doch eine einzige Kommunion. Warum also
häufig die Kommunion empfangen?
Ja, an sich könnte es so sein
9. Aber
wir sind so wenig von uns losgelöst, so wenig rein, uns mit unserem Herzen zu
verschmelzen, dass er immer wieder kommt, um die Arbeit der ersten Kommunion zu
vollenden; er kommt, um den damals mit ihm
geschlossenen Bund zu stärken, ihn reiner und enger zu machen. Sicher,
er kommt nie mit Knauserigkeit, wir sind vielmehr nicht bereit genug und
zögern, uns in ihm zu verlieren.
+
+ +
Verehren wir also tief Jesus, den Bräutigam unserer Seelen, indem wir
seinem Ruf folgen. Es ist der himmlische Vater, der die geistliche Hochzeit
seines vielgeliebten Sohnes im eucharistischen Mahl feiern wollte. Er ladet uns
trotz unserer Armseligkeiten dazu ein, wenn wir nur das hochzeitliche Kleid
anziehen, das er uns anbietet. Und wir weigern uns, an diesem Tisch Platz zu
nehmen? Was? Eine Braut, die gesündigt hat und untreu gewesen ist, die aber
trotzdem ihren Gatten liebt und der wieder ihre Rechte herstellen will und sie
einladet, durch die Feier eines großen Festmahles in seinem guten Einvernehmen
zurückzukehren, eine solche Braut sollte nicht denjenigen lieben, der ihr auf
solche Weise verzeiht?
Wenn wir so denken, handeln wir wie jene unwürdigen Frauen, die sich mit
den nachsichtigen Prinzen vermählt hatten, aber zu früh und zu hoch erhoben
wurden, ohne Tugend für einen solchen Rang, und hochmütig geworden sind und das
Unheil über die Völker gebracht haben.
Antworten wir auf die Liebe, den Reichtum
und die Ehre, mit denen uns Jesus überhäuft hat. Geben wir ihm alles
zurück, als käme alles von ihm ohne ein Verdienst von unserer Seite.
Dächten wir daran, würden wir nur noch von der Liebe
reden!
FRONLEICHNAM:
DER ÖFFENTLICHE KULT
1
Es genügt nicht, Unserem Herrn in der Eucharistie individuell einen Kult
des Glaubens und der Liebe, verbunden mit der Ehrfurcht durch den Leib,
entgegenzubringen. Darin liegt nicht alles. Der Glaube begrüßt und betet an;
die Liebe erreicht ihre Erfüllung und verschenkt sich. Aber all dies reicht
nicht aus. Es braucht auch eine öffentliche Huldigung, einen Kult, der in den
Augen aller ein Bekenntnis des Glaubens und der Liebe sein soll. Unser Herr hat
ein Recht darauf aufgrund seiner Würde und der Opfer, die er durch die
Einsetzung der Eucharistie auf sich genommen hat. Es genügt nicht zu sehen und
zu erklären: hier ist mein Wohltäter! Man muss ihm danken für seine Wohltaten,
sie veröffentlichen und darauf antworten.
Unser Herr ist von Rechtswegen das Zentrum und das Leben der Gesellschaft.
Er bedarf eines öffentlichen Kultes; und dieser gesellschaftliche Kult
geschieht am besten durch die Feierlichkeit zu Fronleichnam. Alle wahren
Christen und insbesondere die frommen Seelen, welche kommunizieren, anerkennen
diese Notwendigkeit.
+++
Nun muss dieser Kult in Beziehung stehen zu dem, was Unser Herr in sich
selbst und für uns ist.
1. Der Himmel verlässt
sich auf uns, um Jesus
die ihm schuldige Ehre zu leisten.
Auf der Welt hatte er seine Mutter und jenen, der vor dem Gesetz seinen
himmlischen Vater vertrat, um gepflegt zu werden. Wenn Gott es zulässt, dass er
gedemütigt wird, so verherrlicht er ihn gleichzeitig. Als Jesus in Bethlehem in
einer Krippe geboren wurde, ehrten ihn die Engel, die Hirten und die Weisen.
Wenn er im Jordan zusammen mit den Zöllnern und Sündern die Bußtaufe empfängt,
erklärt sich Johannes der Täufer unwürdig, sogar sein Sklave zu sein, und der
himmlische Vater bestätigt, dass er sein vielgeliebter Sohn ist. Als er auf dem
Kalvarienberg in Schande und Verachtung stirbt, erzittert die Erde, und die
Sonne verfinstert sich.
So war seine Demütigung immer mit einer Verherrlichung begleitet. Hier ist
dies nicht mehr der Fall. Bei der konsekrierten Hostie gibt es keine englischen
Konzerte mehr, es ist keine schwebende und geheimnisvolle Taube mehr zu sehen;
die Stimme des himmlischen Vaters schweigt; die Natur ignoriert seine Gegenwart.
Unser Herr will gewiss sein ganzes Sein hinschenken, aber er erwartet von uns
das, was er für seine Gegenwart und seine Ehre braucht. Wir schulden es ihm.
Erhält nicht ein König von seinen Untertanen und seiner Nation den Palast, wo
er seine Residenz hat? die Armee, die ihm Ehre erweist? die Einkünfte, die ihm
eine angebrachte Lebensführung sichern?
Jesus ist der König der Könige. Wir sind seine Untertanen, sein Volk. Und
wir sollten ihm nicht einmal das schulden, was man den Oberhäuptern auf der
Erde erweist?
Ist es notwendig, dass Engel kommen, um ihm ein Gotteshaus zu bauen und ihm
eine sichtbare Ehrengarde zu bilden? Das wäre für uns eine Schande und eine
Beleidigung.
Nein. Seht, was man tut, wenn man Glauben hat. Man erbaut ihm Kathedralen;
und sein Haus ist das Haus aller, wohin alle, ohne Unterschied des Ranges und
des Lebensstandes, herkommen zu seiner Ehre.
2. Aber in diesem
Gotteshaus braucht es einen
und ein
dies erfordert einen Kult mit geweihten Dienern; er braucht dazu einen
Tabernakel und einen Thron, weil er ein König mit bleibendem Aufenthalt ist und
an bestimmten Tagen feierlichere Audienzen gibt.
Nun gut! Es liegt an uns, ihm alle diese Geschenke zu geben, die er
braucht. Ein gewöhnlicher König würde seinen Sturz befürchten, wenn er mit
seinen Untertanen so umginge. Unser Herr hatte keine Furcht, sich in unsere
Pflicht zu begeben. Er nimmt von seinen Kindern alles an: den Altar, die
Hostien, die hl. Gefäße und die Wäsche. Alles kommt ihm von den Menschen zu!
Liebe es also, Unseren Herrn durch einen äußerlichen Kult zu ehren, zu dem
ihr beitragt. Ist es in Wirklichkeit nicht er, der euch ehrt, wenn er annimmt,
was ihr ihm anbietet? Es ist der Tribut des Glaubens und der Liebe.
Auch ist es die Schönheit des Kultes, an dem man den mehr oder weniger
großen Stellenwert erkennt, den Unser Herr in einer Nation einnimmt. Sehr zu
bedauern ist ein Land, das nur ärmliche Kirchen hat: sehr oft ist der mangelnde
Glauben daran schuld. Die materielle Not der Einwohner spielt dabei keine
Rolle. Seht euch den Libanon und andere Missionsländer an. Sind nicht die
schönen Kirchen des Mittelalters oft von Bevölkerungen in bescheidenen
Verhältnissen erbaut worden? Der Glaube gab dabei den Ausschlag.
+
+ +
Ehren wir Unseren Herrn mehr als alles andere. Man schmückt den Altar der
seligsten Jungfrau; das ist sehr gut, wenn es aus Liebe und Frömmigkeit geschieht;
aber bisweilen mischt sich dabei die Eitelkeit hinein. Der Hochaltar hat
nichts; man hat Mühe zu glauben, dass Unser Herr dort ist. Man ehrt all die
kleinen Altäre, und Unser Herr kommt als Letzter an die Reihe. Das ist
unvernünftig. Man muss logisch vorgehen, d.h. von oben nach unten schreiten und
beim Hlst. Sakrament beginnen.
Übrigens bringt nichts größeres Glück ein, als dem Herrn etwas geschenkt zu
haben. Das zeigt die Erfahrung in diesem Leben, und noch mehr wird es im
anderen Leben der Fall sein. Wenn der oberste Richter versprochen hat, ein
Almosen, das man einem Armen gibt, zu vergelten, als wäre es ihm gegeben
worden, wie schön wird der Anteil jener sein, die Jesus persönlich ihre Gabe
geschenkt haben für den eucharistischen Kult und oft mit Opfern gemischt!
Ehren wir schließlich Unseren Herrn, weil er sich im Hl. Sakrament so
demütigt 2. Preisen wir ihn mit
Worten und Liedern. Zeigen wir ihn, er soll aus seiner Zurückgezogenheit
hervortreten; bilden wir überall um seine wirkliche Gegenwart herum ein Bündnis
der Herzen. Das also ist die öffentliche Ehre unseres Herrn, welche die in Bewegung bringen und die Gesellschaft
zu ihn hinlenken wird.
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Bemerkungen:
1 Von P. Eymard gepredigt in Paris, am 20. Juni 1867.
2 Dom Guéranger, Année liturg., Bd. X.
3
Vgl. Enzykl. Mediator Dei, Teil
III, § 2, Ende, A.d.H.
4 Hieron., Epist. 28 ad Helib., qu. 2a.
5 Z.B. Ant. O quam suavis, Invit.
6
Thom. v. Aq., Lect. 4a in 2
a die Oct. Corp. Dom.
10
Sess. XIII, Kap. 5.
11 Eymard sprach nicht in einem absoluten und ausschließlichen Sinn, wie es sein eigener Seelsorgsdienst beweist; wohl aber bekräftigt er den Vorrag des eucharistischen Kultes und der Anbetung in der Ordensgesellschaft, die er im Jahr 1856 gegründet hatte. A.d.H.
12 Spr 15, 15.
1 Von P. Eym. gepredigt in Paris am 19. Juni 1868.
2 Mt 22, 2 ff.
3 Greg.d. Gr., hom. 38 in Ev.
4 Ephräm, Hom. de die iudicii.
5 Hld 5, 1.
6 Vgl. Spr 9, 15.
7 Gen 3, 16.
8
Gal 2, 20.
9 Papst Pius XII. hat diesen Gedanken im Breve der Seligsprechung der hl. Maria Goretti ausgesprochen.
1 Von P. Eymard gepredigt in Paris, am 15. Juni
1868.
2 Bonav., In IV Sent., dist. 10, art, 1, qu. 1: Weil die Verdemütigung in sichtbaren äußeren Zeichen liegt, gibt es in diesem Sakrament ein Beispiel vollkommener Demut von seite Christi.