Ein kurzes Vorwort

Die originellen Kreuzweg-Stationen in der Herz-Jesu-Kirche in Bozen konnte der Herausgeber dieses Büchleins bereits im Jahr 1990 fotogra-phieren. Daß der ursprüngliche Gedanke einer eucharistischen Inter-pretation des Kreuzwegs auf den Gründer der Eucharistiner, Peter Julian EYMARD, zurückgeht, war von Anfang an klar. Aber es fehlten die ent-sprechenden Texte aus Eymards Feder. Erst im Sommer 1996 konnte der Verf. bei den Dienerinnen vom Hlst. Sakrament in Lyon (F) eine Zusam-menstellung von Texten P. Eymards zur Kreuzweg-Betrachtung finden. Die Übertragung aus dem Französischen ins Deutsche war bald erledigt. Somit liegen nun Wort und Bild zur Veröffentlichung bereit. Ein Vergelt's Gott allen, die zur Drucklegung beigesteuert haben; auch meinem Neffen Leonhard Marzari, der beim Fotographieren in der Nacht (immer nach 22 Uhr!) stets zur Stelle war, sei herzlich gedankt.

Meran, 25. November 1997 

P. DDr. Walter Marzari s.s.s.

 

Inhalt

 

Erklärung

Wir erklären die in dieser Broschüre enthaltenen Kreuzweg-Betrachtungen (und nur diese) als authentisch. Wenn es sich dabei auch nicht bei allen um Handschriften des P. Eymard handelt, so stammen sie immerhin von Aufzeichnungen oder Abschriften glaub-würdiger Zeugen.

Die verschiedenen Provinzen oder Vizeprovinzen dürfen diese Texte - servatis servandis - unter folgenden Bedingungen veröffentlichen:

1. Der veröffentlichte Text muß absolut mit dem hier vorliegenden übereinstimmen.

2. Wenn es sich um Übersetzungen handelt, soll der Provinzial oder Vizeprovinzial persönlich dieselben nach den jeweiligen Sprachkriterien überprüfen.

3. Es müssen jeweils 2 Exemplare der Publikation ans Generalats-Archiv nach Rom geschickt werden.

Wir sprechen dem R.P. Superior von Barre unseren Dank dafür aus, daß er die Veröffentlichung der vorliegenden Broschüre übernommen hat.

Rom, am 27. Febr. 1951
Fest des hl. Gabriel der Addolorata

Die Schriften-Kommission
des Stifters

 
Inhalt

 

I.
Der Kreuzweg und unser Leben


Vor dem Altar: O göttlicher Meister, wir knien zu Deinen Füßen und bitten Dich: segne diesen Leidensweg, den wir nun betrachten. O Jesus, wir wollen Dir folgen bis in den Tod.

1. Station: Jesus wird zum Tod verurteilt.

Jesus, ich bete Dich an und betrachte, wie Du für die Sünden der Welt - und die meinen im besonderen - verurteilt worden bist. O Jesus, die Verurteilung, die Du für mich und meine Sünden angenommen hast, gibt mir das Leben; bewirke, daß ich nur mehr für Dich lebe!


2. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern.

O Jesus, ich bete Dich an und betrachte, wie Du dieses Kreuz freudig aus Liebe zu mir umarmt hast. O bewirke, daß auch ich das Kreuz aus Liebe zu Dir annehme; daß ich an Deiner Seite gehe, stets beladen mit dieser göttlichen Last.


3. Station: Jesus fällt das erstemal unter dem Kreuz.

O Jesus, ich bete Dich an und betrachte, wie Du unter der Last Deines Kreuzes und mehr noch unter der Last der Sünden, die ich begangen habe, fällst. Ach, mein Gott, kaum hatte ich das Alter des Vernunftgebrauchs erreicht, habe ich bereits das schlechte Beispiel meiner Ureltern nachgemacht und Dich beleidigt. Jesus, verzeih' mir diese ersten Fehler!


4. Station: Jesus begegnet seiner Mutter.

O Jesus, ich bete Dich an und betrachte, wie Du Deiner Mutter begegnet bist, die beim Anblick Deines Kreuzes und Deiner Leiden vor Schmerz und Trauer niedergedrückt wurde. Schenke mir die Gnade, daß ich sie - zusammen mit dem hl. Johannes und den heiligen Frauen - auf dem Kreuzweg begleite, um an Deinen Leiden und Deiner Kreuzigung teilzunehmen. O Jesus, nimm mich an als Dein Kind!


5. Station: Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen.

O Jesus, ich bete Dich an und betrachte, wie Du bereit warst, die Hilfe eines Fremden, der Dir auf dem Weg begegnete, anzu-nehmen. Dabei wären Deine hl. Mutter, der hl. Johannes und die hl. Frauen so gerne zu helfen bereit gewesen. Wie oft habe ich wie Simon gehandelt! Ich habe das Kreuz und die Gnaden, die Du mir schenken wolltest, abgewiesen. O Gott, ich bitte Dich um Verge-bung! Blicke nicht auf meine Widerspenstigkeiten!


6. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch.

O Jesus, ich bete Dich an und betrachte Dein mit Speichel, Schweiß und Blut bedecktes Antlitz; es war so entstellt, daß es kein menschliches Aussehen mehr hatte. Und dies für mich...! O mein Gott, ich bitte Dich innig um Vergebung! Ich möchte Dir denselben Dienst wie Veronika erweisen. Du aber, Herr, stelle Dein durch meine Sünde entstelltes Antlitz in mir wieder her. Reinige und heilige meine Seele, damit sie in Deinen Augen wohlgefällig sei. 


7. Station: Jesus fällt das zweitemal.

O Jesus, ich bete Dich an und betrachte, wie Du neuerlich fällst, um meine Rückfälle in die Sünde zu sühnen. Du siehst, daß ich trotz meiner guten Vorsätze immer wieder in dieselben Armseligkeiten zurückfalle, weil ich lau und unbeständig bin. O Jesus, ich bitte Dich um Vergebung aller meiner Fehler, damit - wenn ich das Unglück eines Rückfalles erleide - dies aus Schwäche und nicht aus böser Absicht geschehe.


8. Station: Jesus begegnet den weinenden Frauen.

O Jesus, ich betrachte, wie Du Deine Güte zeigst! Du bist von allen verlassen: von Deinen Freunden, von Deinen Jüngern, ja sogar von Deinen Aposteln... Und trotzdem tröstet Du diese bedrückten Seelen. O mein Gott, sei Du mein einziger Tröster! Daß ich es ver-stehe zu leiden aus Liebe!


9. Station: Jesus fällt das drittemal.

Warum, o mein Gott, dieser dritte Fall? Ach, weil Du vorausgesehen hast, daß Dich der Mensch trotz Deiner Güte verkennen und nicht lieben wird. Gewähre mir die Gnade, o mein Gott, daß ich niemals Deine Gnade und Deine erhabenen Sakramente mißbrauche, sondern daraus immer Kraft und Liebe schöpfe!


10. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt. 
O Jesus, ich bete Dich an und betrachte, wie Du mit Wunden bedeckt bist und gedemütigt wirst, um die Ärgernisse zu sühnen, die auf der Welt geschehen, wo so viele Menschen gegen die Bescheidenheit sündigen. O Jesus, entblöße meine Seele von aller Zuneigung zu den Dingen dieser Welt!


11. Station: Jesus wird ans Kreuz genagelt.
O Jesus, ich bete Dich an und betrachte, wie Du aus Liebe am Baum des Kreuzes angenagelt wurdest. Ich bete Dich an in den entsetzlichen Schmerzen, weil man das Empfindsamste an Dir wegreißt. Kreuzige mich mit Dir, o Jesus! Kreuzige in mir den alten Menschen! Gib mir den Bußgeist, durch den der fleischliche Mensch vergeistigt wird; wenn ich so mit Dir sterbe, werde ich eines Tages mit Dir auferstehen.


12. Station: Jesus stirbt am Kreuz.

O Jesus, ich bete Dich an und betrachte Dich als Gekreuzigten... Du verzeihst Deinen Henkern, verzeih' auch mir, mein Gott! Mit dem guten Schächer erkenne ich Dich als meinen Erlöser und meinen König an. Schenke mir die Gnade, daß ich eines Tages diese Worte von Dir vernehme: "Heute wirst du mit mir im Paradiese sein!" O Jesus, ich bete Dich an, wie Du nach meiner Liebe dürstest. Ich bete Dich an, o Jesus, und lege meine Seele in die Hände Deines Vaters.


13. Station: Jesus wird vom Kreuz herabgenommen.

O Jesus, ich bete Dich an und betrachte Dich in den Armen Deiner hl. Mutter, die Dich zum letztenmal an ihr Herz drückt. O Maria, welcher Unterschied zwischen Jesu Tod und seiner Geburt! Wie mild war Deine Liebe in Betlehem, und wie stark ist sie auf dem Kalvarienberg...! So liebe mich als Dein Kind!


14. Station: Jesus wird ins Grab gelegt.

O Jesus, ich bete Dich an und betrachte, wie Du vom frommen Josef von Arimathäa, Deinem Jünger, und den frommen Frauen ins Grab gelegt wirst. O Jesus, ich bete Dich in diesem Grab an; nunmehr bist Du nur mehr den Engeln und Heiligen sichtbar; aber mein Herz wird Dich finden und überall dort anbeten, wo Du gegenwärtig bist. O Grab Jesu, Unterpfand meiner Geburt zur Gnade! Aus diesem Grab werde ich wie Jesus zu einem neuen Leben auferstehen; in ihm will ich leben und sterben.

Inhalt

 


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