V.
Im Geist der
Reue und Genugtuung

 

1. Station: Jesus wird zum Tod verurteilt.
Ich habe ihn in seiner inneren Gnade und seiner äußeren Wahrheit verurteilt.

2. Station: Jesus trägt sein Kreuz.
Ich habe es mit Widerwillen, Aufbegehren und Murren getragen; wie oft habe ich es liegen lassen!

3. Station: Erster Fall Jesu.
Akt der Reue über die Sünden in meiner Kindheit, vor meiner Erstkommunion.

4. Station: Begegnung mit der Gottesmutter. 
Wie oft habe ich den Herzen Jesu und Mariens durch meine Sünden Schmerzen zugefügt!

5. Station: Der Zyrenäer wird gezwungen, das Kreuz Jesu zu tragen.
Wie oft habe ich es abgelehnt...! Und Gott hat es mir zu meinem Wohl dennoch auferlegt.

6. Station: Veronika.
Bitte um Vergebung meiner Sünden, die ich aus Menschenrücksicht oder Schwäche, Jesus Christus zu be-kennen, begangen habe.

7. Station: Zweiter Fall.
Bitte um Vergebung der Sünden, die ich seit der Erstkommunion begangen habe.

8. Station: Jesus tröstet die frommen Frauen.
Bitte um Vergebung meiner Herzenshärte gegen den leidenden Jesus.

9. Station: Dritter Fall.
Bitte um Vergebung für den Mißbrauch der Gnaden und Sakramente.

10. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt.
Bitte um Vergebung für alle ungeregelten Anhänglichkeiten und Zuneigun-gen, für meine Eitelkeit.

11. Station: Jesus wird gekreuzigt.
Bitte um Vergebung meiner Sinnlichkeit im Leben.

12. Station: Jesus stirbt am Kreuz.
Ehrenvolle Sühne für alle Glie-der der heiligen Menschheit Jesu, die in irgendwelcher Weise ge-kreuzigt werden: sein Geist, sein Herz, sein Leib. Meine Sünden überdenken, die seinen Gliedern, seinem Geist und seinem Herzen Schmerzen verursacht haben. Hier muß ich mich hinstellen: in seine Wunden, um meine Fehler wegzuwaschen und um zu Füßen des Kreuzes um die Absolution zu bitten. 

13. Station: Jesus wird in die Arme seiner Mutter gelegt.
Gefühle des Erschauderns im Anblick der Gottesmutter. Ich bin es, Maria, ich habe die Wunden deines göttlichen Sohnes verursacht. Aber es ist auch seine Liebe für mich, die diese Wunden gewollt hat. Ich erbitte bei deinem Sohn und bei dir meine Gnade.

14. Station: Jesus wird begraben.
Bitte um die Gnade der Samm-lung und des Absterbens für die Welt, um ein mit Jesus Christus in Gott verborgenes Leben zu führen.
Inhalt

 


VI.
Eucharistischer Kreuzweg

1. Station: Jesus wird zum Tod verurteilt.

Die Sünden lassen Jesus zum Tod verurteilen, obwohl er die Güte selbst und sogar die Heiligkeit ist. Sie verurteilen ihn zum schmerz-lichsten und schändlichsten Tod.

Jesus nimmt dieses Todesurteil mit Liebe an; er will für uns sterben, damit wir für ihn leben.

Im Hlst. Altarssakrament wird Jesus Christus, das Brot des Lebens, durch jene Glaubenslosen verurteilt, die seine Gegenwart leugnen; von jenen schlechten Christen, die ihn vergessen; von den Bösen, die ihn verachten; durch die sakrilegischen Menschen, die ihm die Leidenschaften und Laster vorziehen und ihn dem Dämon, der in ihren Herzen regiert, ausliefern. Soweit also geht die Boshaftigkeit der Menschen! 

Jesus nimmt diese ungerechten Verurteilungen schweigend an, damit seine Liebe zum Menschen bedingungslos und ohne Reserve sei. War seine Liebe nicht größer, als er es zuließ, daß ihn Judas in der hl. Kommunion empfing, als er sich Petrus und Johannes schenkte?


2. Station: Jesus trägt sein Kreuz.

Die Juden laden Jesus das schwere und schändliche Kreuz auf die Schultern, auf dem er angeheftet werden sollte.

Er nimmt dieses Kreuz bereitwilligst entgegen, er küßte es in Liebe und trägt es mit Freude. Durch dieses Kreuz will er uns heiligen und erlösen.

Anstatt daß Jesus im göttlichen Sakrament die ihm schuldige Ehr-furcht, Anbetung und Liebe entgegengebracht wird, erfährt er oft nur Ehrfurchtslosigkeit und Verachtung. Aus Menschenfurcht schämt man sich, ihn zu grüßen, wenn er auf der Straße in Prozession oder als Wegzehrung zu Kranken getragen wird. Man traut sich nicht, ihm öffentlich äußerliche Ehrenbezeugungen zu erweisen; man wagt es nicht, ihn anzubeten und ihn zu bitten, wie er es verdient. Wenn er sich nähert, geht man ihm aus dem Weg: man fürchtet sich vor seiner Güte und seiner Liebe.

Was für ihn aber noch beleidigender und demütigender ist, das sind die Ehrfurchtslosigkeiten an heiliger Stätte, das ist die Lauheit in seinem Dienst; daß er verlassen wird, selbst von seinen intimsten Freunden.

Warum beantworten wir soviel Liebe mit soviel Undankbarkeit?


3. Station: Jesus fällt das erstemal.

Durch die drei Stunden Agonie und den Blutschweiß im Ölgarten war Jesus so geschwächt, durch die grausame Geißelung so zer-martert und durch so viele Mißhandlungen so ermattet, daß er nach wenigen Schritten unter der Last seines Kreuzes niedergedrückt wird und fällt. Hat er in diesem Moment nicht an die erste Todsünde gedacht, die unsere Seele besudelt hat?

Was ihm aber vor allem gegenwärtig war und was ihn in seiner Liebe in der Eucharistie besonders entehrt, sind die Fälle, die er in den jungen Herzen erleidet, die ihn bei ihrer Erstkommunion un-würdig empfangen.

Er muß in diesem vereisten Herzen einkehren, das seine Liebe nicht erweichen kann; er muß die Nachbarschaft dieses stolzen und heuchlerischen Geistes ertragen, ohne ihn rühren zu können; er muß in diesem Leib verweilen, der durch schwere Mißetaten des Fleisches oder durch andere Laster besudelt ist.

Ach, so etwas! Der junge Kommunikant wandelt das Brot des Le-bens in tödliches Gift, denn er ißt und trinkt die eigene Verurteilung; er tritt die Gnade Gottes mit Füßen und liefert seinen Heiland dem Dämon aus!

O Gott, so jung und schon so schuldig! So früh anfangen, ein Judas zu sein! Leider! Muß denn der Mensch so böse sein, daß er es wagt, noch unwürdig seinen Gott zu empfangen, nachdem er ihn bereits schwer beleidigt hat?


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4. Station: Jesus begegnet seiner heiligsten Mutter

Die Begegnung mit Maria tröstet Jesus und läßt ihn gleichzeitig leiden. Die Tränen Mariens bedeuten ihm Trost, weil er darin einen neuerlichen Beweis ihrer großen Liebe zu ihm sieht; aber sie ver-ursachen ihm auch eine neue Qual, weil sie ihm das Martyrium ihres mütterlichen Herzens offenlegen.

Heute begegnet Jesus auf dem Weg seiner eucharistischen Gegen-wart nur allzuoft in der Mitte seiner Feinde den Kindern seiner Liebe, den von ihm auserwählten Bräuten, den Verwaltern seiner Gnade. Diese müßten wie Maria sein beleidigtes Herz trösten; aber sie verbinden sich lieber mit seinen Feinden, um ihn zu demütigen und zu verachten. Wieviele Abgefallene und Apostaten gibt es unter den Christen, die im Dienste Jesu Christi stehen, sobald dieser liebens-würdige Heiland ein Opfer oder eine Tat des gelebten Glaubens verlangt!


5. Station: Der Zyrenäer hilft Jesus das Kreuz tragen.

Simon von Zyrene mußte zu dieser notwendigen Hilfe gezwungen werden; er kannte deren Preis und Ehre nicht. Aber er unterwirft sich dem Befehl des Hauptmannes, und Jesus gewährt ihm die Gnade, daß sein Herz gerührt wurde und er sich bekehrte. 

In seinem Sakrament der Gnade und Liebe ruft Jesus alle Men-schen zu sich, aber fast niemand antwortet ihm. Er ladet sie zu seinem eucharistischen Gastmahl ein, aber man hat tausend Vor-wände, um seine Einladung abzulehnen. So bleibt Jesus mit seinen Gnaden und seiner Liebe allein. Tatsächlich fürchtet sich der Mensch vor dieser Liebe, weil er vor den heiligen Forderungen zu-rückschreckt.


6. Station: eine fromme Frau trocknet das Antlitz Jesu.

Im Laufe der Passion wurde der Heiland von Schlägen, Verwun-dungen und Anspucken entstellt. Sein anbetungswürdiges Gesicht hat kein menschliches Aussehen mehr. Veronika bahnt sich den Weg durch die Soldaten und trocknet das Antlitz Jesu mit einem Lin-nen, in das der göttliche Verurteilte sein heiligstes Antlitz einprägt.

Im erhabenen Altarssakrament wird Jesus verspottet und profaniert. Aber sehr wenige Veronikas bieten sich an, um so viele Belei-digungen zu sühnen. Im Angesicht so vieler Sakrilegien, welche das Hlst. Sakrament Jesu Christi profanieren, ist man fast noch mehr erschreckt, fast niedergeschlagener, zumindest nicht gerührt. Man könnte sagen, Jesus ist nur ein Fremder, der uns gleichgültig ist und den man sogar für verächtlich hält.


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7. Station: Jesus fällt das zweitemal.

Er fällt trotz der Hilfe des Simon v. Cyrene. Wie ist doch mensch-liche Hilfe nichtig, wenn Jesus nicht hilft!

Wie oft fällt Jesus bei der hl. Kommunion in boshafte und laue Herzen, die ihn ohne Vorbereitung empfangen, ihn ohne Andacht bei sich behalten und ihn ohne einen Akt der Dankbarkeit ziehen lassen. Ihre Lauheit bewirkt im gewissen Sinn beim lebendigen Brot Unfruchtbarkeit, wo es doch in ihnen reiche Früchte hervorbringen sollte.

Wer würde es wagen, einen Großen dieser Welt so aufzunehmen, wie man den König des Himmels empfägt?


8. Station: Jesus tröstet die Frauen Jerusalems.

Zur Zeit seines irdischen Lebens tröstete Jesus die Bedrängten und Verfolgten, wie er z.B. für die Witwe von Naim und die Schwestern des Lazarus oder für seinen Vorläufer Johannes, den Täufer, der ins Gefängnis geworfen wurde, handelte.

Selbst während seines Aufstiegs auf Kalvaria tröstet er die Frauen von Jerusalem, welche über seine Schmerzen und seinen heran-nahenden Tod weinten.

In der Hl. Eucharistie findet Jesus fast niemand, der ihn wegen seiner Verlassenheit von den Seinen entschädigt und die Mißetaten sühnt, die ihm alle Tage zugefügt werden.- Sehr oft ist er hier allein, am Tag und noch mehr bei Nacht. Ach, wenn seine Augen noch weinen könnten, wieviele Tränen würde er vergießen über die Undankbarkeit und die Vergessenheit jener Menschen, die er liebt! Könnte sein Herz noch leiden, wieviele Schmerzen müßte er er-tragen, wo es doch so ignoriert wird, sogar von seinen Freunden und Bevorzugten seiner Liebe!


9. Station: Jesus fällt ein drittesmal.

Wenn es nötig gewesen wäre, hätte es Jesus auf sich genommen, mit seinem Kreuz beladen, die Welt zu durcheilen; aber die Stunde seines Todes, die von Gott festgelegt war, nahte. Die Henker be-eilen sich, ihn zur Strecke zu bringen; sie schlagen ihn, damit er aufstehe und nicht seiner letzten Hinrichtung entrinne.

Welch furchtbare Profanierung, wenn ein Sterbender unwürdig seine letzte Kommunion, die Wegzehrung seines Heiles empfängt! Zu allen seinen Sünden fügt er noch das Verbrechen des Sakrilegs hinzu; er empfängt unwürdig jenen, der über ihn das Urteil fällen wird. Er ist bereits verurteilt, denn er ißt und trinkt sich das Gericht.- Was für eine Demütigung für Jesus in diesem Geist, der ihn ver-achtet, in diesem Herzen, das ihn verschmäht, in diesem Leib und dieser Seele, die dem Dämon ausgeliefert sind!


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10. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt.

Was für eine grausame Pein für unseren Herrn! Alle seine Wunden öffnen sich, ohne daß ihm jemand seinen Schmerz lindert. Welche Schande für seine Bescheidenheit, auf eine solche Art den Blicken der Soldaten und der Volksmenge ausgesetzt zu sein! Welche Ent-blößungen muß Jesus Christus doch in seinem Sakrament der Eucharistie erdulden! Nicht zufrieden damit, daß er selber die Herr-lichkeit seiner Gottheit und seiner auferstandenen Menschheit ver-hüllt, berauben ihn seine Feinde auch der Herrlichkleit seines Kultes, indem sie ihm jede Ehrenbezeugung und äußere Hommage verweigern. Sie wollen ihm weder Gotteshäuser noch Tabernakel lassen. Sie entwenden sogar die hl. Gefäße, die ihn horten; sie überlassen die konsekrierten Hostien dem Gutdünken der Men-schen und Tiere. Jesus hat keinen rechtlichen Anspruch mehr, wo-durch die bösen und sakrilegischen Menschen ihn bürgerlich respektieren müßten. So also wird Jesus in der Eucharistie, der König und Erlöser aller Menschen, wie zur Zeit seiner Kreuzigung entblößt. 


11. Station: Jesus wird ans Kreuz genagelt.

Welche Qualen hat Jesus doch erlitten, als ihn die Henker mit rücksichtsloser Gewalt ans Kreuz schlugen! Ohne ein Wunder wäre er nicht imstande gewesen, alles zu ertragen, ohne dabei zu ster-ben.

Aber am Kreuz wurde Jesus an einem Holz gekreuzigt, das seiner Natur nach leblos und an diesem Verbrechen ganz unschuldig war. Bei der unwürdigen Kommunion wird die hl. Hostie wie an einen sündigen Körper genagelt, an einer mit schwerer Schuld beladenen Seele, so ähnlich wie jene Märtyrer, die an faulende Kadaver ge-bunden wurden.

Auf Kalvaria wurde Jesus durch Fremde gekreuzigt, durch Feinde. In der sakrilegischen Kommunion sind es Christen, seine Kinder, die nach einem Wort des hl. Paulus "für sich selber aufs neue und öffentlich den Sohn Gottes kreuzigen" durch ihre scheinheilige Frömmigkeit.- Während er auf Kalvaria nur einmal gekreuzigt wurde, geschieht dies in der Eucharistie seit Jahrhunderten alle Tage, weil er darin diesen verabscheuungswürdigen Profanationen in Vergan-genheit und Gegenwart unterworfen bleibt.


12. Station: Jesus stirbt am Kreuz.

Als Jesus starb, hat er uns losgekauft. Sein Tod war die Bedingung, der Preis für unser Heil.

Seine letzten Gnaden waren jene der Vergebung für seine Feinde und für den guten Schächer. Seine letzte Liebesgabe: seine heilig-ste Mutter; sein letztes Verlangen: der Durst zu leiden, um unsere Seelen zu erlösen; sein letzter Akt: die Übergabe seiner Seele und seines Lebens in die Hände seines Vaters.

In der Eucharistie setzt Jesus seine Liebe, die er durch seinen Tod bezeugt hat, fort. Jeden Tag opfert er sich für uns im hl. Meßopfer. Er hört erst auf in jedem von uns zu leben, sobald sich die heiligen Gestalten aufgelöst haben. Durch die Eucharistie also bietet er mir den Preis meines Heiles und die Gnaden meiner Erlösung an. Damit ich jedoch daran teilnehmen kann, will er, daß ich geistig sterbe, um aus ihm und für ihn zu leben.


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13. Station: Jesus wird seiner Mutter übergeben.

Der Leichnam Jesu wird vom Kreuz herabgenommen. Er wird den Armen seiner Mutter übergeben und auf das Herz seiner heiligsten Mutter gelegt; und Maria opfert Jesus dem himmlischen Vater für das Heil der Welt.

Auch wir haben die Möglichkeit, Jesus als Opferlamm der Sühne auf dem Altar für uns selber, für die Unsrigen und für alle Seelen auf-zuopfern.

Bitten wir Maria, daß sie mit uns und für uns diese Opferung vornehme.


14. Station: Jesus wird ins Grab gelegt.

Jesus wollte diese Demütigung auf sich nehmen, um soweit zu gehen, als er in seiner Ähnlichkeit mit uns vermochte; und dazu wird er noch seinen Feinden ausgeliefert, die sein Grab bewachen. Jedoch wird er die Auflösung seines Leichnams nicht erleiden, son-dern er wird in herrlicher Weise am dritten Tage von den Toten auferstehen.

Im Tabernakel befindet sich Jesus wie im Grabe; und er wird nicht nur drei Tage darin bleiben, sondern bis zum Ende der Welt. Wir sind es, die er einladet, ihn zu bewachen: er hat sich zu unserem Gefangenen der Liebe gemacht.

Die Kirche nennt das Korporale, auf dem er ruht, ein neues Schweißtuch. Eine Lampe brennt in seiner Nähe, um darauf hin-zuweisen, daß er lebt trotz des Totenschweigens, das um ihn herum herrscht.

Bei der hl. Kommunion kommt Jesus ebenso, sich gleichsam in unserer Brust zu begraben. Bereiten wir ihm ein ehrenvolles Begräbnis und balsamieren wir ihn ein mit dem kostbaren Nardenöl unserer Tugenden!

Kommen wir, ihn in der Eucharistie anzubeten! Ehren wir seine den Augen unseres Fleisches unsichtbare Gegenwart! Möge er uns die Gnade der Sammlung gewähren, um mit ihm ein in Gott verborgenes Leben zu führen!

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