Hl. Peter Julian Eymard S.S.S.

Ö S T E R L I C H E   Z E I T

 

 

INHALT

 

OSTERN:

-         DIE  AUFERSTEHUNG  JESU  CHRISTI UND  UNSERE  AUFERSTEHUNG

-         SICH  IN  DEN  GLAUBEN  VERSETZEN - EINE  BETRACHTUNG

Die Anwendung der dargestellten Begebenheiten ist folgende

 

CHRISTI   HIMMELFAHRT

-         DIE  BEGEBENHEITEN  DES  GEHEIMNISSES

- Wir müssen uns in den Abendmahlssaal begeben und von dort aufbrechen

- Aber lasst uns vom Abendmahlssaal wie Jesus zum Ölberg gehen!

- Schließlich steigt man durch die Nachfolge Christi in den Himmel auf

-         DER  HIMMEL  UND  DIE  EUCHARISTIE

 

 

 

 

 

 

OSTERN:

DIE  AUFERSTEHUNG  JESU  CHRISTI

 UND  UNSERE  AUFERSTEHUNG1

 

Dies ist der Tag, den

der Herr gemacht hat.

 

Ps 118,24.

 

 

Es ist wirklich der Tag des Herrn. Dieser Tag nimmt unter allen Sonntagen den ersten Platz ein, wie Maria unter allen Frauen den ersten Rang einnimmt. Jubeln wir also heute in lebhaftester Freude; sogar die Natur ladet uns dazu ein, denn die Sonne scheint in einem reineren Glanz, und die gesamte Schöpfung scheint mir in ganz heiliger Freude zu erbeben.

 

Heute hat Jesus Christus die Ketten der von der Sünde gefangenen Menschheit gesprengt; und er hat uns den bis dahin versperrten Eingang des Himmels geöffnet. Heute sagt er zu den Engeln: "Öffnet mir die heiligen Pforten, damit ich eintrete, um dem Herrn zu danken." Seit seinem Vorübergang bleiben diese geheimnisvollen Pforten für alle wahren Glaubenden geöffnet; die Apostel haben sie durchschritten und nach ihnen die Märtyrer; jetzt noch öffnen sie sich den heiligen Seelen, die auf allen Teilen des Universums verstreut sind. Dem auferstandenen Jesus Christus verdanken wir diese Wohltat, da uns seine Gnade durch die Taufe in die heilige Kirche eintreten ließ; sie ist wie der Vorraum zum Himmel.

 

Sehen wir also die Wichtigkeit der Auferstehung Jesu Christi mit Bezugnahme auf die katholische Religion und auf unsere eigene Auferstehung; darüber  hinaus werden wir an den Eigenschaften, die sie aufweist, erkennen, wie wahr und sichtbar unsere geistliche Auferstehung sein muss.

 

 

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Die Auferstehung Jesu Christi ist der wichtigste Grundsatz unseres Glaubens, "weil sie der gesamten Religion als Grundlage dient. Allein dieser Glaube unterscheidet und trennt die Christen von den übrigen Menschen. Die Heiden und die Juden sind gezwungen, darin übereinzustimmend, dass Jesus Christus gelitten hat, dass er gestorben ist und begraben wurde. Aber nur die Christen legen das Bekenntnis seiner Auferstehung ab" 2. Auch der hl. Paulus schrieb den Gläubigen von Korinth: "Ich erinnere euch, Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht. Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe... Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; ... Als letzten von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der Missgeburt! Denn ich bin der geringste von den Aposteln ... Ob ich nun verkündige oder die anderen: das ist unsere Botschaft, und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt"  3.

 

Diese Argumente müssen für jede Seele guten Willens entscheidend sein. Somit wunderte sich auch der Apostel zu vernehmen, dass sogar unter den Christen einige behaupteten, dass es keine Auferstehung von den Toten gäbe. Daraufhin unterstrich der hl. Paulus die Wichtigkeit der Auferstehung Jesu Christi durch die strengen Forderungen, die er daraus zieht.

 

"Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos. Wir werden dann auch als falsche Zeugen Gottes entlarvt, weil wir im Widerspruch zu Gott das Zeugnis abgelegt haben: Er hat Christus auferweckt. Er hat ihn eben nicht auferweckt, wenn Tote nicht auferweckt werden. Denn wenn Tote nicht auferweckt werden, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos, und ihr seid immer noch in euren Sünden, und auch die in Christus Entschlafenen sind dann verloren. Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen" 4, da unsere Religion lehrt, fern jeden Vergnügens und in Ausübung der Buße zu leben und wir dann für soviele Opfer gar keinen Lohn erhielten.

 

In der Tat, selbst in unserer Zeit, nach 18 Jahrhunderten Christentum, begegnet man noch Menschen, welche die Auferstehung leugnen und ein so ehrwürdiges Dogma ins Lächerliche ziehen.

 

Sie sagen: Niemand ist noch aus der anderen Welt zurückgekommen, um uns zu sagen, was sich dort ereignet. Wenn einer unserer Ahnen zu uns käme, würden wir daran glauben. - Das ist die arglistige Redeweise, welche die guten Sitten zerstört, indem sie den Glauben in Zweifel zieht. Diesen Ungläubigen kann man antworten: würdet ihr eurem Vater glauben, wenn er aus seinem Grab hervorginge? Also warum  glaubt ihr nicht eurem Gott, der aus dem Grab erstanden ist? Jesus Christus ist von den Toten auferstanden. Und ihr habt den Mut, daran zu zweifeln? Fragt die ganze Welt, die diesen Glauben bezeugt und die ihn sicher nicht angenommen hätte, wenn er falsch wäre. Also haben wir von Jesus Christus selbst, von diesem auferstandenen Gottmenschen, vernommen, dass es nach diesem Leben noch ein anderes gibt, und dass wir selbst auferstehen werden, damit wir es besitzen werden.

 

Wer könnte sich nämlich unserer Auferstehung widersetzen? Ist nicht Gott mächtig genug, um dieses Wunder zu wirken? Ist er nicht fähig, uns das Leben zurückzugeben, nachdem er es uns gegeben und es uns weggenommen hat? Er, der den ersten Menschen erschaffen und unseren Leib im Schoß unserer Mutter geformt hat, soll nicht imstande sein, von neuem unsere Seele mit dem Leib, dessen Rest mit der Erde vermengt und aus unserer Asche neugebildet wird, zu vereinigen?

 

Sicher kann er das, und so schuldet er es seiner Ehre, dies auch zu tun. - Ihr  glaubt, nicht wahr, dass eure Seele durch den Tod nicht vernichtet wird; warum soll der Körper vernichtet werden? Er teilt auf dieser Welt das Los unserer Seele; er ist ihr Werkzeug für die guten gleich wie für die bösen Werke. Ist es nicht gerecht, dass ihn Gott wiederherstelle, um ihm eines Tages endgültig das zu geben, was er verdient hat? Ja, dieser Leib, der bei den Anstrengungen seinen Anteil hatte , muss wieder hergestellt werden als ein treuer Begleiter in der Gemeinschaft der Herrlichkeit.

 

Oh! Es ist zweifelsohne traurig, durch den Tod von denen getrennt zu werden, die man liebt; und diese Trennung scheint unwiederbringlich, um so mehr als die Verwesung im Grab dazukommt. Aber das ist nur ein vorübergehender Verlust, man muss geduldig auf das Ende warten. Was würdet ihr von einem Menschen sagen, der nach der Aussaat seines Samens sich beklagte, dass er ihn nicht mehr in seinem Speicher sehen kann, wo er ihm einige Zeit vorher Freude bereitet hatte? Was würdet ihr sagen, wenn ihr ihn über das Schicksal dieses Samenkorns, das in der Erde verwesen und seine ganze Schönheit verlieren wird, wehklagen hört? Warte, würdet ihr ihm zurufen, in einigen Monaten wirst du dieses Samenkorn über der Furche emporsteigen sehen, noch viel besser und in reichlicherer Menge.

 

So ist es auch mit unseren Leibern. Man muss sie betrachten wie ein Saatgut, das der Erde anvertraut wurde, und die es uns am letzten Tag zurückgeben muss.

 

Das ist wahr, werdet ihr mir entgegnen, aber ich sehe jedes Jahr den Weizen aus der Erde emporsprießen, während die Leiber, die darin begraben werden, für immer in der Verwesung des Grabes verbleiben. Mensch mit schwachem Glauben! Du willst also nicht auf den Zeitpunkt Gottes warten? Du findest, dass die Auferstehung zu lange auf sich warten lässt, und verlierst die Hoffnung. Aber weißt du denn nicht, dass Gott ewig ist, und dass alles, was uns, die wir so kurzsichtig sind, lang erscheint, in den Augen des Herrn sozusagen nichts ist? Ist es übrigens nicht auch beim Samenkorn so, dass es erst nach mehreren Monaten nach seiner Aussaat aus der Erde emporsteigen kann? Was würdet ihr von einem Kind sagen, das wünscht, es schon nach einigen Tagen emporsprießen zu sehen?... Wir sind Kinder. Wir möchten, dass sich die Auferstehung während unseres Lebens ereigne, um daran zu glauben, während es Gott gefallen hat, dass Jahrhunderte vorübergehen, bevor er sie geschehen lässt. Es genügt zu wissen, dass sie stattfinden wird; und der Beweis ist, dass Jesus Christus bereits von den Toten erstanden ist, eben um uns über unsere eigene Auferstehung zu versichern.

 

 

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Aber es genügt nicht, an die Auferstehung Jesu Christi zu glauben und auf den Zeitpunkt unserer Auferstehung zu warten. Wenn wir wirklich aus der Auferstehung Christi Nutzen ziehen wollen, müssen wir unsere Auferstehung vorbereiten, damit sie glücklich und fruchtbar werde.

 

Das ist die Lehre des hl. Paulus: "Wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben ...  Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt... So sollt auch ihr euch als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Jesus Christus." 5 Der durch die Taufe wiedergeborene Christ soll also eine Kopie der Auferstehung Jesu Christi sein6.

 

Welches sind nun die Merkmale dieser Auferstehung? Es gibt deren zwei: sie ist wahrhaftig und sie ist sichtbar.

 

So soll es auch mit der geistlichen Auferstehung des Christen sein. Wenn sie nicht wahrhaftig ist, wäre sie nur Heuchelei; wäre sie nicht sichtbar, würde sie die menschliche Rücksicht oder den Eigennutz triumphieren lassen.

 

a) Nach seiner Auferstehung entledigte sich Jesus Christus aller Schwachheiten und Gebrechlichkeiten, die er auf sich genommen hatte, um uns damit als Beispiel zu dienen und für unsere Auferstehung beizutragen. Das Schweißtuch, das er im Grab zurückgelassen hat, war das Symbol dieses Wandels und dieser Erneuerung.

 

So muss der Christ kraft und durch die Gnade seiner Taufe den bösen Neigungen seines Wesens absagen und mit den schuldbaren Gewohnheiten, die er sich angeeignet hat, brechen.

 

Jenen, die ihn von einem wahrhaft christlichen Leben abbringen möchten, könnte er wie der Engel den Frauen am Grabe entgegnen: Warum sucht ihr denjenigen unter den Toten, der lebt? Die Toten sind die Sünder, die in den gröbsten oder schändlichsten Lastern versinken; der Lebendige ist der auferstandene Mensch, welcher der Gnade und den Pflichten seiner Taufe treu ist.

 

b) Nach seiner Auferstehung hat sich Jesus Christus während vierzig Tagen unter verschiedensten Formen und Umständen gezeigt. Warum? Um die Apostel von der Wahrheit seiner Auferstehung zu überzeugen, von der er wusste, dass sie die Grundlage seiner Religion ist.

 

So, sagt der hl. Thomas7, muss der Christ als der erscheinen, der er ist. Dies ist er schuldig:

 

 

1. Mit Rücksicht auf Gott, aus Dankbarkeit für die Wohltat der Taufe und was daraus entspringt, oder aus Sühne, wenn er untreu gewesen ist. Seht Petrus, wie er gleich am Morgen des Pfingsttages mit Feuereifer predigt; die Erinnerung an seine Verleugnung trieb ihn an zu dieser öffentlichen Wiedergutmachung. Übrigens hat unser Herr gewollt, dass alle Apostel, die ihn verlassen hatten, seine ersten Zeugen sein sollten.

 

Will der Christ, dass man an die Echtheit seines Glaubens und an den Wert seiner Religion nicht zweifelt, muss er sichtbar für Jesus Christus Zeugnis geben.

 

 

2. Mit Rücksicht auf den Nächsten, um durch sein Beispiel die Guten zu stärken und die Entgleisten auf den rechten Weg zurückzuführen. Zu welchem Zweck hat Jesus Christus seine Erscheinungen vervielfacht? Nicht wahr, um jene zu trösten, die seinen Tod beweinten, um die Ungläubigkeit einiger seiner Jünger zu besiegen und sie alle zur Treue gegen ihn zurückzuführen?

 

 

3. Mit Rücksicht auf seine eigene Seele. Das ist das einzige Mittel, die menschliche Rücksicht zu überwinden und sich von den selbstsüchtigen Interessen zu befreien. Man fürchtet sich, als echter Christ zu gelten, weil man weiß, dass man auf diesem Weg, den man einmal eingeschlagen hat, durchhalten muss, auf die Gefahr hin, sonst in Misskredit zu geraten oder ins Lächerliche gezogen zu werden. Und man hat Angst vor der Verpflichtung, an diesem Ideal festzuhalten. Oder aber man befürchtet, gewisse Sympathien zu verscherzen, welche unseren Ehrgeiz und unsere materiellen Interessen begünstigen können. Muss man sich aber nicht, um ausdauernd zu bleiben, auf die Gnade Jesu Christi stützen? Und warum soll man nicht sein Wort in Erwägung ziehen: "Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? " 8

 

Ach, hätten wir einen lebendigen und erleuchteten Glauben, wären wir aufmerksam auf das, was sich in uns und in der Natur ereignet. Jede Nacht geben wir uns dem Schlaf hin, - dieses Bild des Todes - in der Hoffnung, dass wir am nächsten Morgen ausgeruht erwachen werden. Und Gott ließe uns für immer im Schlaf der Dahingeschiedenen? Über unseren Köpfen strahlt während des Tages die Sonne und gibt uns Licht; aber wenn der Abend hereinbricht, wird sie stufenweise schwächer und verschwindet. Die Kinder stellen sich vor, dass die Sonne tatsächlich nicht mehr existiert; aber welche Überraschung und Freude erleben sie am nächsten Morgen, wenn sie dieselbe wieder aufgehen sehen! - Seht die Pflanzen während des Winters, sie stellen nur mehr ausgetrocknete Holzstücke ohne Blätterwerk und sogar ohne Rinde dar. Kommt aber der Frühling, leben diese Pflanzen wieder auf und bedecken sich im Herbst mit Früchten.

 

Und nun sollen ausgerechnet wir, die wir nach dem Bild Gottes erschaffen sind und aus seinem Leben da sind, nicht zu einem neuen Leben erstehen? Nein, nein. Nicht umsonst sagen wir jeden Tag: "Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches." Nicht umsonst hat Jesus Christus gesagt: "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt" 9.

 

Lasst uns also ein Leben der Gerechten führen, damit wir es beim letzten Gericht verdienen, mit einer unsterblichen Glorie bekleidet zu werden. Streben wir danach, uns dieses Glück zu verschaffen, indem wir das Böse bis in seinen letzten Wurzeln aus unserer Seele reißen und uns in der Übung der Tugenden bemühen!

 

Wer könnte es verweigern, gut und tugendhaft zu sein? Wir wollen, dass alles, was uns gehört und umgibt, von guter Qualität und guter Leistung sei, lassen aber dabei unsere Seele in einem bejammernswerten Zustand! O nein. Arbeiten wir darauf hin, uns im Guten zu vervollkommnen; heiligen wir uns zur Ehre Gottes und zu unserem eigenen Vorteil!

 

Wir sind auferstanden in Christus und werden am Glück des Auferstandenen ewig eingebunden sein.

 

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OSTERN:

SICH  IN  DEN  GLAUBEN  VERSETZEN

   EINE  BETRACHTUNG1

 

Weil der Mensch den unsichtbaren Gott vergessen und sich geschaffenen Idolen zugewandt hatte, hat Jesus Christus, der Sohn Gottes, Fleisch angenommen und hat sich sichtbar gemacht, um die Menschen wieder zu Gott zurückzuführen.

 

Indes entäußerte er sich gern der Blicke, um uns zu lehren, durch den Glauben zu handeln; uns in den Glauben zu versetzen, welcher eine Erklärung für die unsichtbaren Wirklichkeiten darstellt2.

 

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Jesus wurde in einem Stall in Betlehem geboren und verbrachte sein Leben bis zum Alter von dreißig Jahren in einer bescheidenen Behausung in Nazaret, von allen unbeachtet und für den Sohn Josefs, des Zimmermanns, gehalten. Während seines öffentlichen Lebens entschwindet er häufig vor den Augen der Volksmenge, die ihn begierig sucht; er führt seine Apostel in die Einsamkeit der Wüste und er entzieht sich ihrer Begleitung, um allein auf irgendeiner Anhöhe die Nacht im Gebet zu verbringen.

 

Nach seiner Auferstehung zeigt er sich seinen Aposteln und Jüngern, um ihren Glauben zu festigen. Aber seine Erscheinungen sind kurz und von mancherlei Zurückhaltung gekennzeichnet. Die heiligen Frauen und Magdalena müssen sich zufrieden geben, ihm die Füße zu küssen; die Apostel wagen es nicht, ihn zu berühren; nur Thomas sollte ihn berühren, weil er durch seine Herausforderung den Glauben der anderen erschütterte. Geschah dies von seiten Jesu aus Rücksicht auf seine Würde, aus Respekt, den er verdiente? O nein! Er erscheint und verschwindet plötzlich, um seine Apostel zu gewöhnen, an ihn zu glauben, in seinem Wort und seiner Gnade zu bleiben, ihn mit den Augen des Glaubens zu sehen, weil es die äußere Anmut mit sich bringt, dass man beim Sinnenhaften und Oberflächlichen stehen bleibt.

 

Um über eine Wahrheit nachzudenken, müssen zwei Weise sich selbst abstrahieren, um sich gänzlich auf ihr Studium zu konzentrieren.

 

Ebenso ist das Denken zweier Freunde, die sich treffen, darauf gerichtet, sich über ihr Beisammensein zu freuen; und in dieser Freude verbringen sie miteinander die Zeit; wenn sie voneinander getrennt sind, denkt der eine an den anderen; sie möchten beisammensein und stellen sich im Geist das Bild des jeweils  anderen vor, der geliebt wird; beide erinnern sich, was der andere gesagt und getan hat.

 

So geht auch unser Herr mit seinen Aposteln um. Nachdem er ihnen erschienen war, verlässt er sie wieder, um sie zu zwingen, sich an  seine Worte zu erinnern; er lehrte sie, nun selber den Weg des Evangeliums von vorne zu beginnen, in seine Wahrheit, seine Güte und seine Liebe einzudringen, sich seine einst als Gesamtheit und ohne große Überlegung erhaltene Lehre zu eigen zu machen. So drang das Reich Gottes tiefer in ihre Seele ein und ergänzte das, was sie zur Zeit des sterblichen Lebens Jesu gelernt hatten. Das war das Werk unseres Herrn, der in der Mitte seiner Apostel gegenwärtig, aber häufig unsichtbar war.

 

Am Tag der Himmelfahrt durchquerte er mit ihnen Jerusalem, ohne dabei von der Volksmenge gesehen zu werden; und als er entschwand, waren die Apostel derart in der Schau des sich eben abgespielten Ereignisses versunken, dass die Engel sie auf die Wirklichkeit aufmerksam machen mussten, dass ihr Meister fort sei, und sie versichern, dass er am Ende der Zeit wiederkommen werde.

 

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Die Anwendung der dargestellten Begebenheiten ist folgende:

 

Jesus, der von den Toten auferstanden war, hat sich auf der Welt nicht verabschiedet. Durch die Eucharistie  bleibt er in der Mitte der Seinen. Um uns aber in den Glauben zu versetzen und uns zu gewöhnen, geistlich zu leben, entschwindet er gänzlich. Das Verhalten Jesu nach seiner Auferstehung war eine Vorbereitung auf den eucharistischen Glauben.

 

Beim Abendmahl hat er gesagt: Das ist mein Leib. Diese Worte garantieren uns, dass er unter der Gestalt des Brotes gegenwärtig ist, aber wir sehen ihn nicht. So wollte es Jesus Christus, damit wir in ihm, in seiner anbetungswürdigen Person und in seiner Liebe bleiben. Würde er sich uns zeigen, und wäre es auch nur vorübergehend, so würden wir an seiner Erscheinung haften bleiben und den Rest vergessen. Aber das Fleisch, an sich genommen, nützt nichts; es dient nur als Stufenleiter, um zu seiner Seele zu gelangen und von ihr zu seiner Gottheit. Nun will uns der Herr nicht durch sein Fleisch, sondern durch seine Liebe, welche unseren Glauben entdeckt, zu ihr hinführen. Und dies ist auch der Beweggrund des eucharistischen Schleiers. Er ist kein Hindernis, sondern vielmehr ein Anreiz3. Man braucht sich nicht zu sehen, um miteinander zu reden; ja mehr noch: man ist nie aufmerksamer als dann, wenn man nicht sieht, aber dennoch alles hören will.

 

Während einer großen Angst oder einer hellen Freude sind alle Fähigkeiten unserer Seele auf das gerichtet, was diese verursacht; die äußerlichen Dinge berühren diese Fähigkeiten nicht, obwohl alle unsere Sinne aufmerksam sind.

 

Diese Überlegung liefert einen Hinweis auf die eucharistische Schau. Im Leben des Leibes gibt es immer den einen oder anderen Sinn, der vorherrscht, weil er mehr vom Leben der Seele empfängt. Ebenso verhält es sich im innerlichen Leben. Durch den Glauben erlangt die Seele Gewissheit, dass sie von unserem Herrn geliebt wird; und so setzt sie sich in Beziehung zu ihm. Je größer der Glauben umso inniger ist die Beziehung. Die Sinne selber sind durch das Mittel der  Seele, die ganz in unserem Herrn lebt, von ihm in Anspruch genommen. Es ist wie eine Aufhebung des niedrigeren Lebens zugunsten des höchsten Lebens der Seele.

 

Wie schön ist dieser Gedanken! Unser Herr wollte uns dazu erziehen, mit ihm von Geist zu Geist, von Seele zu Seele zu verkehren. Man ist übrigens umso glücklicher, je weniger man den Sinnen gemäß lebt und mehr nach der Seele, denn Gott ist reiner Geist und das Glück schlechthin; je tiefer man zu ihm vordringt, umso glücklicher ist man.

 

Gewiss, unser Herr weiß, dass er uns durch diese seine Vorgangsweise ein Opfer abverlangt; aber seine Liebe, die unseren Glauben vergeistigen will, wird es auch vermögen, dass wir die Herrlichkeit vorausahnen, die dessen Lohn sein wird.

 

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CHRISTI   HIMMELFAHRT

DIE  BEGEBENHEITEN  DES  GEHEIMNISSES1

 

Die Himmelfahrt ist der Tag der Glorie unseres Herrn. Es war wohl gerecht, dass er seinen Tag der Herrlichkeit erlebte, nachdem er vom Himmel herabgestiegen war, gearbeitet und sich bis zum Tod am Kreuz gedemütigt hatte.

 

Wir können in diesem Geheimnis drei Hauptgedanken feststellen: unser Herr verlässt den Abendmahlssaal, um auf den Ölberg zu steigen und sich von dort aus zum Himmel zu erheben; er zieht in die Glorie ein und setzt sich zur Rechten seines Vaters - schließlich deutet er uns damit den Weg an, dem wir folgen sollen, um eines Tages wie er zu triumphieren.

 

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I. Unser Herr verlässt den Abendmahlssaal, nachdem er mit seinen Aposteln das Stück gebratenen Fisches und die Honigscheibe, die sie ihm gereicht hatten, gegessen hatte2. Es war der Freund, der ein letztesmal die Nahrung mit seinem Freund teilt. Es war das Abschiedsmahl im Glauben und in der Liebe. Auch die Apostel werden aus dieser Begegnung eine neue Kraft schöpfen, um die Empfehlungen ihres Meisters zu befolgen und sich gut vorzubereiten, um am  Pfingsttag den Hl. Geist zu empfangen.

 

Aber vom Abendmahlssaal aus begibt sich Jesus auf den Ölberg. Warum ist er nicht vom Abendmahlssaal aus, wo er sich befand, in den Himmel aufgefahren? Das wäre doch offenbar ganz natürlich gewesen. Nein, er wollte es nicht. Der Abendmahlssaal war der Ort, wo er die Macht seiner Liebe am innigsten gezeigt hat. Hätte er den Anschein erwecken können, diese Liebe aufzugeben, wo er sie doch im Gegenteil durch die Eucharistie auf die ganze Welt bis zum Ende der Zeiten ausdehnen wollte? Er wollte den Gedanken des Abschieds nicht mit jenem des Bleibens vermischen.

 

Und warum ist er nicht vom Kalvarienberg aus in den Himmel aufgefahren? Ist nicht das Kreuz der Weg zum Himmel? Und ist es nicht der auf Kalvaria geopferte Christus, der voll Herrlichkeit und Majestät die Völker richten wird? Unser Herr hat dies nicht gewollt.

 

Wenn der Kalvarienberg auch der wichtigste Ort seines Leidens ist, so ist er doch nicht der einzige, wo er gelitten hat. Zu Füßen des Ölberges, im Garten von Gethsemani, dem Zeugen seines Todeskampfes und seines blutigen Schweißes war das Leiden gewollt und angenommen; dort wäre unser Herr am Übermaß seines Schmerzes gestorben, bevor er auf dem Kalvarienberg verblich. Sagt er doch selber: "Meine Seele ist zu Tode betrübt" 3.

 

Damit lehrt uns der Herr eine große Wahrheit: die Annahme eines Kreuzes ist vor Gott wertvoller als das Leiden selbst, das man beim Kreuztragen auf sich nimmt. Es anzunehmen genügt. Wenn euch Gott nachher die Prüfung erspart, so habt ihr trotzdem dessen Verdienst.

 

Jesus wird also vom Ölberg aus, den er durch seine Gebete und sein Fiat geheiligt hat, in den Himmel einziehen. Er wird sein herrliches Postament sein.

 

Er hat auch nicht den Tabor gewählt. Dort war er groß und strahlend und zeigte mehr seine Majestät als seine Liebe.

 

Auf dem Ölberg ist er ganz Liebe. Als er nach dem Abendmahl seinen Abschied ankündigte, sprach er: "Euer Herz lasse sich nicht verwirren...  Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten im Hause meines Vaters"  4.

 

Der Freund geht als erster voraus, um den Durchgang zu eröffnen, um seinem Freund  den Weg zu ebnen. Mehr noch: unser Herr redet wie ein Diener, denn es ist gewöhnlich die Aufgabe eines Knechtes, seinem Herrn den Platz vorzubereiten.

 

Ach! Gott liebt nämlich nicht nur in Worten, sondern in der Tat. Nun erniedrigt sich die Liebe und opfert sich für den geliebten Gegenstand. Schämt sich denn die Mutter, die Wiege ihres Kindes oder das Zimmer für ihren Sohn vorzubereiten? Die Liebe ist größer als der Preis des Opfers; sie beeilt sich das zu tun, was Gefallen bereitet.

 

Wie liebenswert war doch Jesus, als er sich von den Seinen entfernte! Er redet mit ihnen über ihr eigenes Glück und flößt ihnen Hoffnung auf die zu erwartende Belohnung ein. "Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin" 5.

 

Diese Worte, die Jesus beim Abendmahl gesprochen hatte, wiederholte er auf dem Weg über Betanien6  auf die Anhöhe des Ölberges, wohin er sie führte.

 

Dort erhob er seine Hände und segnete sie 7.

 

Alle Heiligen segnen, bevor sie sterben. Seht die Patriarchen. Abraham und Jakob segnen ihre Kinder, und dieser Segen wurde vom Himmel bestätigt. Warum? Weil der Segen eines sterbenden Vaters eine göttliche Kraft in sich enthält.

 

Aber der Segen des auferstandenen und verherrlichten Erlösers hat eine andere Kraft als jener der Patriarchen. Er schöpft seine Stärke und seine Bestätigung aus sich selbst.

 

Dieser Segen Jesu ist seine letzte Handlung auf Erden, seine letzte Geste, um zu bekräftigen: Ich liebe euch. Er ist gleichzeitig ein Zeugnis der Zuneigung und eines Wunsches.

 

Während er sie segnete, trennte er sich von ihnen und erhob sich zum Himmel 8. Dies geschah aus seiner eigenen Kraft, welche glanzvoll die Glorie seiner Auferstehung offenbarte. Gewiss, die Apostel hatten bereits Beweise der Eigenschaften seines verherrlichten Leibes erfahren; sie hatten es immer wieder erlebt, wie er bei verschlossenen Türen in den Abendmahlssaal eintrat; diese überraschenden Kundmachungen behielten indes den Charakter der Vertraulichkeit, wobei Jesus die Apostel als Freunde behandelte und sich auf ihre Stufe stellte. Aber zu dieser majestätischen und strahlenden Stunde erhebt er sich in die Luft bis in den Himmel.

 

Oh! Kein Maler, Bildhauer oder anderer Künstler  kann das wiedergeben, was sich dort ereignet hat.

 

Wie haben sich die Zeugen dieses Geheimnisses verhalten? Hat es dabei Tränen gegeben? Und warum nicht? Jede Trennung lässt solche fließen. Das hätte unseren Herrn nicht beleidigt. Die Liebestränen entehren nicht. Es ist jedoch sicher, was uns die Hl. Schrift sagt: "Sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie voll Freude nach Jerusalem zurück"  9.

 

Der Trennungsschmerz ist also gemildert; die Hoffnung erwacht wieder in ihren Herzen; sie folgen Jesus allein in der Liebe. Sie verharren in seiner Schau und sind ganz entrückt in dieses bestaunenswerte Geheimnis, bis sie die Engel aus ihrer verzückten Bewunderung herausholen. Welch ein Tag!

 

 

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II. Stieg unser Herr allein zum Himmel empor oder war er sichtbar begleitet von der Schar derer, die er aus der Vorhölle befreit hatte?

 

 

Die Kirche spielt darauf im Breviergebet dieses Festes häufig mit einem Text des hl. Paulus an: "Christus stieg hinauf zur Höhe und erbeutete Gefangene" 10. Der hl. Maximus bemerkt: Wenn die siegreichen Könige nach alter Sitte eine Gruppe von besiegten Fürsten an ihren Triumphwagen hängten, so war es billig, dass der Triumph Christi von den Gefangenen, die durch den Sieg über Satan befreit worden waren, begleitet wurde11.

 

Und welche Rolle spielten dabei die Engel? Dem hl. Gregor von Nyssa gefällt es, in diesem Zusammenhang den Dialog des Psalms 24 heranzuziehen12. Eine Gruppe von Engeln, die von der Welt kamen, stellten bei den Engeln des Himmels eine Anfrage; zweimal bitten sie diese, die ewigen Pforten zu öffnen, um dem König der Herrlichkeit den Weg zu bahnen; und auf die Frage: "Wer ist der König der Herrlichkeit?" antworten sie: "Der Herr, stark und gewaltig, der Herr, mächtig im Kampf, er ist der König der Herrlichkeit" 13. Die Kirche ihrerseits wendet jenen Vers 6 des Psalms 47 auf Jesus Christus an; dieser schildert das Jubilieren der englischen Chöre: "Gott stieg empor unter Jubel, der Herr beim Schall der Hörner" 14.

 

So wird Jesus in die Wohnung der ewigen Herrlichkeit geleitet und er nimmt Platz zur Rechten des Vaters: er ist der Sohn Gottes, und die Völker sind durch Recht und Eroberung sein Erbe.

 

Halten wir hier inne, weil wir über die Geheimnisse im Jenseits nichts wissen. Es bräuchte eine engelsgleiche Intelligenz und eine himmlische Sprache, um selbst eine entfernte Ahnung zu gewinnen von der Liebe und dem Glück, mit denen Gott die Auserwählten erfüllt. Wenn wir dort angelangt sind, werden wir erleben, was sich dort ereignet! Bis dahin seien wir wachsam, uns diesen Triumph abzusichern!

 

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III. Hiezu müssen wir dem Weg folgen, den uns Jesus Christus vorgezeichnet hat.

 

ER ist der Weg; wir müssen uns von ihm leiten lassen. ER ist die Wahrheit; entzünden wir an seiner reinen Flamme die brennende Fackel unseres Glaubens. ER ist das Leben; nehmen wir es aus seiner Hand entgegen.

 

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1. Wir müssen uns in den Abendmahlssaal begeben und von dort aufbrechen.

 

 

Warum? Weil man sich vor Antritt einer Reise Kraft holen muss, um nicht auf dem Weg zu ermatten. Das wusste unser Herr genau; daher wollte er, als er eine Menge hungriger Leute sah, die ihm folgten, diese nicht  nach Hause schicken, ohne ihnen vorher etwas zu geben, ihren Hunger zu stillen.

 

Einige Autoren, die das Wort  c o n v e s c e n s 15 kommentierten, meinten, dass Jesus im Laufe des letzten gemeinsamen Mahles im Abendmahlssaale das eucharistische Abendmahl erneuert habe, bevor er in den Himmel aufgestiegen ist. Dieses Wort besitzt zumindest eine symbolische Bedeutung.

 

Ja, um die Reise von der Erde zum Himmel zu unternehmen, muss man das Brot des Lebens, das Brot der Starken essen; jenes Brot, das die Apostel während der Eroberung der Welt gestützt hat; jenes Brot, wodurch sie die heidnischen Völker, die unter ihren Irrtümern und Lastern begraben waren, zum neuen Leben zu erwecken.

 

Hier schöpfen die heiligmäßigen Seelen die Kraft und das Leben. Jene, die es nicht tun, kommen auf dem Weg zu Fall. Warum? Weil sie nicht ihre Wegzehrung, d.h. das Brot des Reisenden, gegessen haben.

 

Somit ist die Eucharistie der Ausgangspunkt für den Himmel.

 

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2. Aber lasst uns vom Abendmahlssaal wie Jesus zum Ölberg gehen!

 

Wir müssen stets vom Abendmahlssaal zum Ölberg gehen; dies ist der einzige Weg zum Himmel; das Kreuz ist dabei die königliche Straße. Hat nicht unser Herr gesagt: "Wer mir nachfolgen will...nehme sein Kreuz auf sich" 16? Hier liegt das Prinzip unserer Rechtfertigung; um aber diesen Weg zu bewältigen, muss man zu-erst im Abendmahlssaal Kraft geschöpft haben.

 

Es gibt Seelen, die sagen: ich werde vom Kreuz erdrückt. Aber wie glücklich seid ihr doch! Wäret ihr schwach, würde man euch weniger belasten.

 

Die Erstellung der Grundmauern eines Gebäudes wird gewöhnlichen Maurern anvertraut, vorausgesetzt, dass sie ihr Handwerk beherrschen; die Ausführung von Kunstwerken übergibt gibt man jenen, die eine Fachausbildung genossen haben. - Viel leiden bedeutet ein Pfand für das Heil und die Heiligkeit. Sobald Gott einen Baum sieht, der zahlreiche und gute Früchte tragen kann, schneidet er ihn zurück und reinigt ihn nach seinem Belieben.

 

Ach! Wenn wir unter dem alten Gesetz der Gerechtigkeit stünden, würde ich es verstehen, dass man die Strafe in diesem Leben fürchtet; zu jener Zeit sah man im allgemeinen im Leiden ein Zeichen der göttlichen Bestrafung. Wir aber befinden uns nicht mehr dort; die Gnade Jesu Christi ist gekommen, und unsere größten Leiden bedeuten uns ein Pfand dafür, dass wir sehr geliebt werden.

 

Auch muss sich eine Seele, die alle Tage zur hl. Kommunion geht, darauf gefasst machen, alle Tage auf den Ölberg geführt zu werden. Wenn dem nicht so wäre, wozu wäre es dann nützlich, in den Abendmahlssaal zu gehen, um unserem Herrn zu begegnen und ihn dann allein auf den Ölberg gehen zu lassen? Die Arbeit des Leidens, die euch aufgetragen wird, ist ein Kennzeichen des Vertrauens, denn eine große Mühe bezeugt die Wertschätzung, die man dem entgegenbringt, der damit belastet wird.

 

Im Prinzip kann man sagen: Gott bemisst die Versuchung und Prüfung nach unserer Kraft und unserer Gnade. Nun gibt es notwendige Kreuze und Kreuze der Vollkommenheit. Die ersten sind unvermeidlich, Gott legt sie auf; die zweiten bietet er an. Eine großherzige und nach Heiligkeit strebende Seele umarmt beide; wenn man aber nicht zur Kommunion geht, kann man weder die einen noch die anderen ertragen.

 

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3. Schließlich steigt man durch die Nachfolge Christi in den Himmel auf.

 

Oh! Wie gut ist es zu sterben, wenn man gut gelebt hat! Dann ist der Weg ganz geebnet und vorgezeichnet; man kann nur mehr mit Jesus Christus zusammentreffen.

 

Geht also dann und wann im Gedanken der Hoffnung zum Himmel! Denkt nicht immer an die Buße. Der Himmel wird unsere Krone sein. Die Hoffnung soll uns durch die feste Zuversicht stützen, dieses Ziel zu erreichen.

 

Spielt übrigens nicht die Starken! Sagt nicht: ich liebe ganz selbstlos; ich liebe, um zu lieben. Dies ist erhaben, vorausgesetzt, ihr schließt nicht für das andere Leben den Himmel aus, den ihr als euren Lohn ersehnen sollt.

 

Die Apostel waren stärker als wir, und dennoch hat der Erlöser zu ihnen gesagt: wenn ihr verfolgt werdet, freut euch, denn euer Lohn im Himmel wird groß sein 17. Auch der hl. Paulus, der alles und jeden zum Wettstreit herausforderte, rühmte sich, weil er den guten Kampf gekämpft hatte und daher nur mehr die Krone der Gerechtigkeit zu empfangen hatte, die ihm der Herr geben werde18.

 

Wenn unser Herr die Abtötung verherrlicht hat, hat er immer als Lohn den Himmel versprochen; Leset die Bergpredigt!

 

Ohne die Hoffnung auf den Himmel gäbe es keine heroischen Tugenden; das Ordensleben wäre unhaltbar; die Gemeinschaften wären viel eher Galeeren als Vorräume zum Himmel.

 

Vielleicht werdet ihr sagen: aber haben wir nicht die Eucharistie? - Ja, das  genügt; weil aber Gott, der sich darin schenkt, der Gott der künftigen Verherrlichung ist, bildet er auf dieser Welt den Vorgeschmack und das Pfand des Himmels, wo er sich voll und für immer ausliefern wird.

 

Fasst also an diesem schönen Tag den Vorsatz, ganz selbstverständlich an den Himmel zu denken! Dass wir lau sind, kommt daher, weil wir viel zu wenig an den Himmel denken. Wenn wir den Lohn, den wir verdienen können, nicht genug schätzen, werden wir schlechte Arbeiter und am Werk wenig interessiert sein. Nun kann man in dieser Sache behaupten: wie die Arbeit, so der Lohn.

 

Es gibt Leute, die den Demütigen spielen und erklären: ich werde mit dem letzten Platz im Himmel zufrieden sein! Das hat aber keinen Sinn. Im Himmel bilden alle eine einzige Familie. Nein! Es zeugt von Lauheit, wenn man sagt: wenn ich nur hineinkomme. Nein, nein, verschafft euch Flügel und fliegt! Wenn unsere Hoffnung stärker wäre, würden wir heiliger sein.

 

 

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Wiederholen wir mit dem erleuchteten Schreiber: "Zieh mich her hinter dir" 19. Unser Herr ist das stärkste Anziehungszentrum für die Seelen. Sehnen wir uns danach, ihm anzugehören, und er wird unseren Wunsch erfüllen.

 

Gehen wir also heute und oft auf den Ölberg. Betrachten wir lange wie die Apostel, wie Jesus in sein Reich aufsteigt. Dieser Gedanke wird uns in den Schmerzen stützen und die Entmutigung von uns fernhalten. Und eines Tages werden wir Jesus, nachdem wir ihm ordentlich gedient haben, in seine Herrlichkeit folgen: dort ist der Treffpunkt des Glaubens und der Liebe.

 

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CHRISTI   HIMMELFAHRT

DER  HIMMEL  UND  DIE  EUCHARISTIE1

 

Heute, am Oktavtag von Christi Himmelfahrt, stellt uns die Kirche das Festgeheimnis vor acht Tagen in der gleichen Weise und mit denselben Gebeten vor.

 

Jesus steigt also in den Himmel auf. Er begibt sich zur Rechten seines Vaters und nimmt seinen Platz als Richter der Lebenden und der Toten ein: alle Macht ist ihm übergeben worden.

 

Aber er steht in seinem Triumph nicht allein. Unser Herr arbeitet nie für sich allein, ohne auch für uns zu arbeiten. Er ist hingegangen, um uns einen Platz zu bereiten.

 

Unter diesem doppelten Gesichtspunkt ist also dieses Fest sehr schön, weil sich dabei  unser Herr sehr gütig und voll Liebe zeigt. - Er tritt in den Besitz seines Glücks, aber unser Glück beginnt mit dem seinen; denn die Himmelfahrt Christi gibt uns nicht nur die Hoffnung, sondern die Sicherheit, dass wir in den Himmel kommen; es handelt sich dabei nicht um eine Sicherheit, die er uns persönlich gegeben hätte - dies zu behaupten, wäre häretisch, es sei denn durch eine Offenbarung -, sondern es geht um eine sichere Verpflichtung von seiten Gottes. Wenn ihr am Willen festhaltet, nicht zu sündigen. Wenn ihr eure Sitten den Lehren des Heiles anpasst, wird eure Hoffnung, in den Himmel zu kommen, zur moralischen Gewissheit. Das hält die Christen aufrecht, ob sie nun in der Ebene kämpfen oder auf dem Berge beten.

 

Die Himmelfahrt ist für uns der angefangene Himmel: die Gewissheit von seiten Gottes, die Sicherheit der Mittel als Pfand. Jesus Christus wird uns nie abhanden kommen; die Mittel werden sogar überreichlich sein. Der Himmel wird zu unserem Anteil, wenn wir ihn verdienen und mit den erforderlichen Voraussetzungen erbitten.

 

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Aber auch die Eucharistie ist eine Himmelfahrt: die Auffahrt unserer Seele zu Gott.

 

Allzuviele Christen sehen den Himmel nur von ferne und haben kein Verlangen, daran zu denken. Nun ist die Eucharistie ein vorweggenommener Himmel, um uns den anderen Himmel ersehnen zu lassen und uns zu ihm zu geleiten. Wie geschieht dies?

 

 

a) Die Eucharistie ist der triumphierende Jesus, der vom Himmel auf die Erde niedersteigt, um uns eines Tages mit sich zu nehmen. Hier ist er verherrlicht, nicht mehr leidensfähig wie in den Tagen seines sterblichen Lebens; er ist hier mächtig und selig. Wenn wir ihn empfangen, empfangen wir also den Himmel, nicht direkt und wie eine neue Seinsweise, sondern weil wir Jesus besitzen, in dem das Glück und die Herrlichkeit des Himmels sind.

 

Wer einen König zu Gast hat, rühmt sich und sagt: ich habe einen König bei mir gehabt! Wir können ebenfalls sagen: wir empfangen den König des Himmels. Er kommt, damit wir unsere wahre Heimat nicht vergessen; oder aber: damit wir beim Gedanken daran nicht vor Verlangen und Langeweile sterben. Er kommt uns bleibt leibhaft in uns, solange das Sakrament bestehen bleibt.

 

b) Die Eucharistie setzt die Himmelfahrt fort, weil uns Jesus Christus darin die Früchte und Blüten des Paradieses mitteilt. Was sind das für Früchte und Blüten? Ich weiß es nicht, man sieht sie nicht, aber man empfindet ihren Duft. Er bringt uns seine gekrönten Verdienste, sein siegreiches Schwert im Krieg gegen Satan; er bringt es uns, damit wir uns dessen bedienen und damit unsere eigenen Verdienste dazufügen.

 

Im geheimnisvollen Sinn: Jakob sah im Traum die Engel auf und niedersteigen; das ist das Symbol ihrer Vermittlerrolle zwischen Himmel und Erde. In Wirklichkeit steht Jesus Christus selbst uns ganz zu Diensten. In den Himmel aufgefahren, ist er zur Rechten des Vaters unablässig als unser allmächtiger Anwalt tätig; und durch die Eucharistie steigt er bis zu uns herab, um sich uns zu schenken und bei uns zu bleiben.

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Nun erfreut man sich im Himmel vor allem dreier Güter, die uns auch durch die Eucharistie geschenkt werden.

 

 

1. Vor allem die Glorie. Ohne Zweifel ist die Ehre der Heiligen eine Blume, die sich nur an der Sonne des Paradieses unter den Blicken Gottes an der Sonne entfaltet; diese Ehre können wir auf Erden nicht genießen: man würde uns anbeten. Aber wir erhalten den in ihr enthaltenen Keim, so, wie eine Ursache ihre Wirkungen enthält. Der hl. Paulus schrieb: "Was gesät wird, ist verweslich, was auferweckt wird, ist unverweslich; was gesät wir, ist armselig, was auferweckt wird, herrlich" 2. Die Eucharistie ist es, die uns die Kraft der Auferstehung Jesu Christi verleiht3. Sie ist das geheimnisvolle Ferment, dessen Kraft sich auf besondere Weise in unserem auferstandenen Leib zeigen wird.

 

 

2. Sodann das Glück. Durch die Auffahrt in den Himmel wird unsere Seele ohne Verwirrung oder Bedenken in den Besitz des Glückes Gottes eintreten. Nun gut! Spüren wir nicht durch die Eucharistie einen gewissen Vorgeschmack? Empfangen wir nicht dabei gewisse Teile dieses Glückes? Welch ein Friede und welche Freude empfinden wir nach der hl. Kommunion! Je mehr die Seele losgelöst ist vom Menschlichen, umso stärker spürt sie diese Wirkung. So gibt es Seelen, die nach der hl. Kommunion so glücklich sind, dass auch deren Körper die Auswirkung wahrnehmen.

 

3. Schließlich die Macht; sie gibt der Seele die Kraft, all das zu missachten, was ihrer Zuneigung unwürdig ist. Wer mit dem großen Verlangen die Kommunion empfängt und sich mit Christus vereinigt, strebt nach nichts Irdischem mehr. Dann bewirkt die Kommunion, dass seine Seele zu Gott emporsteigt. Man definiert das Gebet als Erhebung der Seele zu Gott; dies ist das einzige Mittel, sich mit ihm zu vereinigen. Aber was ist das Gebet schon, verglichen mit der Kommunion? Wie weit ist es von dieser sakramentalen Auffahrt mit Jesus, der uns bis zum Himmel erhebt, entfernt!

 

Der Adler gewöhnt seine Jungen zum Fliegen so, dass er ihnen die Nahrung weit über ihnen entfernt anbietet; jemehr sich diese nähren, umso höher erhebt er sich und bewirkt damit, dass sie, ohne es zu merken, bis zu den höchsten Regionen des Raumes steigen.

 

So kommt auch Jesus, der göttliche Adler, zu uns, um uns die nötige Nahrung zu bringen; er ladet uns ein und zieht uns an, ihm zu folgen und mit seiner Hilfe bis zu den Höhen der Tugend aufzusteigen. Sakramental bleibt er höchstens eine Viertelstunde in uns. Aber die Süßigkeit, die er uns verkosten lässt, vermittelt uns die Sehnsucht, uns aufzumachen, um ihn bis im Himmel zu suchen. Er macht uns mit dem Gedanken an den Himmel vertraut - das ist der richtige Ausdruck.

 

Merkt ihr nicht, dass ihr unseren Herrn in eurem Herzen besitzet, euch nach dem Paradies sehnt und alles übrige missachtet? Ihr  möchtet auf der Stelle sterben, um ehestens und für immer mit Gott vereint zu sein. Wer nur selten die Kommunion empfängt, kann sich nicht lebhaft danach sehnen, Gott zu schauen; er fürchtet sich vor dem Tod. Im Grunde ist diese Angst nicht schlecht; aber wenn ihr sicher wäret, in den Himmel zu kommen, ach, dann würdet ihr keine Viertelstunde mehr hier auf Erden bleiben wollen: während einer Viertelstunde werdet ihr Gott im Himmel mehr lieben als während eures ganzen Lebens.

 

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So bereitet uns die Eucharistie auf den Himmel vor. Welche Gnade ist es, mit der hl. Wegzehrung zu sterben! Ich weiß, dass die vollkommene Reue ausreicht, um in den Himmel zu kommen. Aber wie viel besser ist es, unter dem Geleit Jesu Abschied zu nehmen und von jenem gerichtet zu werden, der kommt, um sich uns zu schenken im Sakrament seiner Liebe.

 

So empfiehlt auch die Kirche den Priestern, selbst im letzten Augenblick die Wegzehrung zu reichen, vorausgesetzt, der Kranke ist noch fähig, sie zu empfangen, selbst wenn man voraussehen würde, dass er sofort nach dem Empfang dieses Sakramentes sterben werde.

 

Wie sehr besteht doch die Kirche, diese Mutter, darauf, dass ihre Kinder mit gutem Proviant ausgerüstet ihre letzte Reise antreten!

 

Erbittet eifrig diese Gnade, mit der hl. Wegzehrung zu sterben. Dies wird euch zum unvergleichlichen Pfand für das ewige Glück werden.

 

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1 Von Eymard wahrscheinlich im J. 1838 oder 1839 gepredigt, als er Pfarrer in Mont-eynard war.      

2  August., Sermo 214, 6; Sermo 133, c.1, 1.      

3 1 Kor 15, 1-11. 

4 1 Kor 1, 13-19.

 

5 Röm 6, 4. 9. 11.  

6 Vgl. August., Enchir. XIII, 42; XIV, 52.  

7 Summ. Theol. II-II ae, q. 124, a. 5 in corp.

 

8 Mt 16, 26.  

9  Joh 11, 25.

1 Von P. Eymard gehalten in Paris, am 23. April 1868, Donnerstag in der Osteroktav.  

2  Hbr 11, 1.

    

3 Vgl. Bonavent., in IV Sent., dist. XII, art 1, q. 2.

1 Von P. Eymard gepredigt in Paris, am 25. Mai 1865.  

2 Lk 24, 43 (Vulgata).      

3 Mt 26, 38.

 

4  Joh 14, 1-2.   

5  Joh 14, 3.   

6 Lk 24, 50.   

7 Lk 24, 52.  

  8  Lk 24, 51.

  9  Lk 24, 52.     

10  Eph 4, 8.     

11  Feria III infr. Oct., lect. VI.     

12  Ferie IV infr. Oct. II noct.    

13  Ps 24, 8. 10.     

14  Respons. ad Tert. in fest. Ascens.    

15  Apg 1, 4.

    

16  Mt 16, 24.

   

17  Vgl. Mt 5, 12; Lk 6, 23.    

18  Vgl. Rm 8, 35; 2 Tm 4, 7. 8.     

19  Hld 1, 4.

1  Von P. Eymard gepredigt in Paris, am 6. Juni 1867.

  

2  1 Kor 15, 42 ff.   

3  Vgl. Jo 6, 40.