|
|
Hl.
Peter - Julian EYMARD Der
Priester
Erster Teil Die
Würde des Priesters
|
I
Nemo sumit
sibi honorem,
sed
qui vocatur a Deo tanquam Aaron.
Keiner nimmt sich
eigenmächtig
diese Würde, sondern er wird von
Gott berufen, so wie Aaron
Hbr 5,4
Das katholische Priestertum ist etwas Göttliches:
In
seinem Ursprung: der menschgewordene Gott hat es eingesetzt.
In
seinen Funktionen: die Macht Gottes ist am Werk.
In
seinen Früchten: es heiligt und rettet die Welt.
Wer könnte es dann aber
wagen, nach dieser erhabenen Würde zu streben? Wer hielte sich dafür würdig?
Niemand; und besäße er auch die Reinheit eines Engels und die Liebe eines
Seraphs.
Andererseits braucht es
Priester, und zwar Priester, die unter den Menschen ausgewählt werden.
Die Kirche hat die Aufgabe
erhalten, jene auszuwählen und heranzubilden, die zum Priestertum Jesu Christi
gerufen sind.
* * *
Ohne Berufung von Gott das
Priestertum zu ergreifen, ist eine frevelhafte Vermessenheit, heißt sein Heil
aufs Spiel setzen und der Verdammung in die Arme laufen.
Die folgenden Worte stammen
vom hl. Ephräm: "Wenn es jemand
gewagt hat, unwürdig die Würde des Priestertums an sich zu reißen, der zieht
äußere Finsternis und ein gnadenloses Gericht auf sich" 1.
a)
Es bedeutet eine Vermessenheit, sich Gott aufdrängen zu wollen. In der Tat, man
nötigt Gott nicht, um sein Vertreter, sein Diener und Verwalter seiner Gaben zu
werden.
Hat nicht der Herr zu seinen
Aposteln gesagt: "Non vos elegistis -
nicht ihr habt mich erwählt" 2.
Und sagt nicht der hl. Paulus von Jesus Christus selbst: "So hat auch Christus sich nicht selbst die hohepriesterliche Würde
beigelegt" 3.
Haben sich etwa die Heiligen
aufgedrängt, sie, die bis in die Wüste flüchteten, um sich dieser
Verantwortung zu entziehen?
Was soll man demnach von einem
Kandidaten denken, der einen Ruf zu erzwingen sucht, indem er den Einfluss von
Befürwortern als Mittel dazu einsetzt?
Hier gibt es keine Begünstigung,
sondern es ist allein zu prüfen, ob eine Berufung von Gott vorliegt.
Die Begabung bedeutet kein
Recht; die Verwandtschaft noch weniger; die menschlichen Fähigkeiten bedeuten
nur ein förderndes Element.
Es sei erinnert an die Strafe
der Anhänger von Korach, die von der Erde verschlungen wurden, weil sie das
Priesteramt von Mose und Aaron an sich reißen wollten 4.
Erwähnt sei auch, dass Saul
deswegen verworfen wurde, weil er ohne Auftrag Jahwe ein Opfer dargebracht hatte
5.
b)
Sich aufdrängen bedeutet auch eine Gefahr, ewig verloren zu gehen. Warum? Weil
nach dem Zeugnis der Heiligen das Heil von der Treue zur Berufung abhängt
6.
Die Berufung ist nämlich der
gewöhnliche Weg, den Gott wählt, um uns die Gnaden zu schenken, die er für
uns vorbereitet hat, und mit deren Hilfe wir die Pflichten erfüllen, die er uns
nach seinem Willen aufgetragen hat.
Hat aber jemand, der ohne
seinen göttlichen Willen den Priesterberuf ergreift, ein Recht auf diese
Gnaden? Nein. Wenn er aber diese Gnaden nicht hat, wie kann er dann seine
Pflichten erfüllen und in den Prüfungen und Gefahren des Priesterlebens
durchhalten? Wie kann ein solcher Mensch im Hause Gottes ein treuer Verwalter
sein? Was ist er wirklich? Ein Dieb. Wer nicht durch die Tür - mit der echten
Berufung durch Gott - in den Schafstall tritt, sondern anderswie einsteigt, der
ist ein Dieb und ein Räuber 7.
Der hl. Kyrill v. Alexandrien kommentiert es als Diebstahl, wenn sich jemand ein
Amt aneignet, das ihm nicht von oben bestimmt ist 8.
Was wird aus einem solchen
Menschen? Ein untreuer und furchtsamer Knecht, ein Schänder, ein Verräter Jesu
Christi, ein Seelenhenker.
Überdies: welchen Trost wird
ein solcher Priester in seinen Leiden und Opfern erfahren? Wird er sich sagen:
Gott will sie? Wie kann er sich bei seinen Arbeiten überzeugen und feststellen,
dass sie Gott annimmt?
Ach es ist besser, der
Geringste in einem gottgewollten Beruf in der Welt zu sein als ein Priester ohne
Berufung. Besser ist es, sein Brot zu betteln, als in sakrilegischer Weise die
Krone des Priestertums zu tragen.
Wenn man jedoch auf der
anderen Seite die Gewähr hat, wirklich gerufen zu sein, dann soll und muss man
in Demut, gestützt auf einem großmütigen Vertrauen und einer heiligen Freude,
diesen Beruf ergreifen.
Der Priesterberuf ist der schönste
aller Berufe; er bietet die Mittel zum Heil und trägt vor allem zur
Verherrlichung Gottes am meisten bei.
* * *
An welchen Merkmalen erkennt man eine echte Berufung zum Priester?
Man kann drei Merkmale nennen:
die Neigung, eine christliche Lebensweise und die richtige Absicht.
1. Die innere Neigung zieht
uns zum Dienst an den Seelen. Sie besteht in einer innersten Sympathie zu allem,
was den hl. Dienst betrifft. Diese kommt von Gott; er gibt die Freude daran, oft
bereits in der Kindheit.
Wie gut ist doch Gott, uns auf
solche Weise darauf vorzubereiten, dass er in uns Neigungen aufkommen lässt,
die mit den Ratschlüssen seiner göttlichen Vorsehung harmonieren. Er hätte
doch das Recht, uns kraft seiner Autorität seine Bestimmung aufzuzwingen! Aber
nein, er behandelt uns mit Herablassung und Achtung 9,
wie die Schrift sagt.
Er arbeitet auf unser Glück
hin, bereitet uns seine Gnaden vor und ebnet uns den Weg zu unserer ewigen
Freude; und so führt er uns mit Milde und Kraft zu jener Berufung, die er uns
ausgedacht hat: "Die Welt umspannst
du von einem Ende zum anderen, in Kraft und Milde orndnest du alles"
10.
Diese religiöse Neigung weist drei Eigenschaften auf:
a) Sie ist mild und friedlich
wie alle Eingebungen Gottes. Diese Eigenschaft beseelt unsere Frömmigkeit, sie
wird der Beweggrund ihrer Opfer und legt den Grund für die Tugenden, welche die
Berufung verlangt; er beginnt, in uns das Bedürfnis wachzurufen, Gott die Ehre
zu geben.
b) Sie ist stark. Sie
widersteht der Unentschlossenheit und den Zweifeln, den Beunruhigungen und Ängsten.
Sie hält den Verlockungen des Fleisches und der Welt stand. Sie entlarvt die
Vorgaukelungen des Fürsten der Finsternis.
Er
wird zur maßgeblichen, ich würde sogar sagen, zur alles besiegenden Kraft.
c) Sie ist beständig. Es
handelt sich dabei nicht um ein Strohfeuer, eine sprunghafte Begeisterung, die
am selben Tag entsteht, anwächst und auch schon erlöscht.
Verdruss oder Widerwille sind
nicht deren Entstehungsursache. Sie beginnt vielmehr in der Gesinnung,
entwickelt sich mit dem Verstand, stärkt und vervollkommnet sich anhand des
Glaubens und nährt sich von der Frömmigkeit. Sie erstarkt fortwährend in
Respekt, Liebe und Seeleneifer für alles, was mit dem Dienst etwas zu tun hat.
Die Leute haben dafür ein
feines Gespür; wenn sie jemand mit einem solchen Charakter sehen, sagen sie:
"Aus diesem jungen Mann wird einmal
ein Priester."
2. Eine christliche
Lebensweise: ohne die Unbescholtenheit im Leben bleibt die Neigung
bedeutungslos.
Um die erhabene Würde des
Priesters und die Heiligkeit der Dienste, die er ausüben wird, zu ehren, muss der
zukünftige Priester bereits tugendhaft leben.
Wer am Altar dient, die
heiligen Gefäße tragen und bei Bedarf das Allerheiligste berühren, ja sogar
reichen darf, der muss ein reines Leben führen.
Wer täglicher Tischgenosse
des Herrn in der Eucharistie ist, der muss das hochzeitliche Kleid tragen.
Auch der hl. Isidor von
Sevilla empfiehlt dem Klerikeraspiranten folgendes: "Wer den Priesterberuf anstrebt, soll sich zuvor prüfen, ob sein Leben
dieser Ehre entspricht" 11.
Wenn der hl. Paulus von allen
Christen verlangt, "sich vor seinem
Angesicht heilig, tadellos und unverklagbar" 12
zu zeigen, um wie viel mehr müssen sich dann die angehenden jungen
Priester dieses Programm aneignen.
Man kann auf sie das Wort des
Apostels anwenden: "Jeder soll sich
selbst prüfen, erst dann..." 13.
Diese Erprobung soll während der Bewährungszeit des Klerikers erfolgen.
Die Kirche, die eifersüchtig
auf die Ehre ihres Bräutigams bedacht ist, verlangt von jenen, die sie in den
Rang ihrer heiligen Streitmacht beruft, die bewahrte oder wenigstens durch
strenge und aufrichtige Buße wiederhergestellte Unschuld. "Mehr als das Greisenalter wiegt ein Leben ohne Tadel" 14.
Ach, könnten doch alle
Priesterkandidaten mit dem Psalmisten sagen: "Mich aber hast du in meiner Unschuld erhalten..." 15.
- "Ich habe lieb die Stätte deines Hauses ... ich aber bin in meiner
Unschuld eingetreten" 16.
Mit wie viel Sorgfalt schreibt
doch der hl. Hieronymus dem jungen Rusticus: "Besudle
deine Jugendzeit mit keiner Makel, damit du jungfräulich zum Altare Christi
schreiten kannst" 17.
Aber leider! Wenn man das Unglück
hatte, wenigstens eine gewisse Zeitlang, die Übungen des christlichen Lebens
aufgegeben zu haben, so erfordern es die Klugheit ebenso wie der Anstand, nicht
den Priesterberuf anzustreben.
Es gibt hier jedoch Ausnahmen,
die sich durch eine besondere Veranlassung der Vorsehung rechtfertigen lassen.
Einem feinen Herrn, der zu den
hl. Weihen geleitet wurde, der aber ein Schuldgeständnis über sein vergangenes
Leben ablegte und sich überdies aufrichtig bessern wollte, antwortete der hl.
Bernhard: "ich bin entsetzt,
wahrlich, ich gestehe, ich bin entsetzt, wenn ich überlege, von woher und wofür
du berufen bist, insbesondere weil keine Zeit der Buße darauf gefolgt ist, während
welcher sich ein auf jeden Fall äußerst gefährlicher Übergang vollziehen
kann. Fürwahr, die vernünftige Ordnung erfordert es, dass
du zuerst dein
eigenes Gewissen, dann erst das von anderen Leuten heilst"
18.
Was hätte er von einem jungen
Mann gesagt, der sich erst aus einem ganz verweltlichten Leben herausarbeitet
und vielleicht noch stöhnt unter der Last seiner eben erst begangenen Schwächen?
Würde es ein solcher Mensch für
böse ansehen, wenn man seinem drängenden Wunsch, zu den hl. Weihen vorzurücken,
zügelte?
Der Unglückliche! Er macht
sich keine Gedanken darüber, es im traurigen Zustand seiner Seele zu wagen,
sich als Mittler zwischen Gott und den Menschen auszugeben!
Wie streng sind diesbezüglich
die Warnungen der Väter und Lehrer der Kirche! "Wehe den untreuen Priestern, die ohne selbst versöhnt zu sein,
darangehen, andere Menschen versöhnen zu wollen! Wehe den Söhnen des Zornes,
die sich selber zu Vermittlern der Gnade erklären! Wehe denen, die Gott nicht
gefallen können, weil sie dem Fleische dienen und sich dennoch anmaßen, Gott
besänftigen zu wollen!" 19.
Aus diesem Grund empfiehlt der
hl. Paulus dem Timotheus, keinen Neubekehrten zum Bischof zu bestellen, "damit
er nicht aufgeblasen werde und dem Gericht des Teufels verfalle"
20.
Man erwähne nicht als
Gegenargument den Fall eines Matthäus, eines Saulus, eines Ambrosius oder
Augustinus; denn es ist gewiss, dass diese außergewöhnlichen Persönlichkeiten,
nachdem sie zu Aposteln erwählt oder zu Bischöfen geweiht worden waren, sich
im Guten durchsetzten oder auf eine unwiderrufliche Weise in den höchsten Tugenden
festigten.
Dies hat noch weit größere
Bedeutung, wenn die Prüfung vorwiegend von außen kommt; und dies ist
unvermeidbar.
Müssten die jungen Priester
nicht das Seminar verlassen, um die Funktionen ihres priesterlichen Dienstes auszuüben, würde die Kirche weniger anspruchsvoll vorgehen, weil sie sich auf
sie verlassen könnte. Im Seminar führt alles zur Tugend, selbst die Mauern erinnern
an sie, die Frömmigkeitsübungen fördern sie, das gute Beispiel reißt
mit; von den persönlich empfangenen Gnaden gar nicht zu reden.
Aber kaum sind die Theologen
zu Priestern geweiht, werden sie mitten in die Welt hinein-geworfen; sie ist
voll von Verführungen und Feindseligkeiten.
Wenn sie nicht in den Kämpfen
für den Herrn gut eingeübt und mit den geistlichen Waffen ausgerüstet sind;
wenn ihre Liebe nicht stark in Jesus Christus fest verankert und verwurzelt ist,
müssten sie dann nicht befürchten, dass sie beim ersten Angriff besiegt
und nach der ersten Niederlage zu Sklaven würden?
Sie müssen also ihre
Schwachheit erproben und bereits in der Seminarszeit an ihrer Heiligung
arbeiten, denn sie werden nur aufgrund ihrer Heiligkeit gute Priester und
eifrige Seelenhirten werden.
Eine schreckliche Versuchung
kann gelegentlich über die Priesterkandidaten hereinbrechen: nämlich ihrem
Rektor ihren Seelenzustand zu verstellen und zu verbergen aus Furcht, dass ihre
Weihe hinausgezögert würde und sie einer Bewährung unterzogen würden.
Was? Sie möchten also eine
derartige Verantwortung auf sich nehmen? Und wenn sie sich täuschen?
Sie sehen sich als unwürdig
und fürchten eine Verschiebung, vielleicht sogar eine Abweisung und wollen
trotzdem vorwärtskommen. Welch eine Inkonsequenz und Gefahr für ihr ewiges
Heil!
Nein, der Rektor will sie
nicht strafen, er möchte sie nur gut einstellen. Sie sollen ihr Verhalten ändern
und zu Männern der Tugend werden; dann wird ihnen der Rektor sagen: kommt, in
Gottes Namen!
3) Die Reinheit der Absicht.
Sie besteht darin, dass jemand die hl. Weihen nur deshalb anstrebt, um das Reich
Gottes zu fördern, sein eigenes Heil zu sichern und die Seelen zu retten.
Dies
war die Absicht Jesu Christi, als er das Priestertum eingesetzt hat.
Wenn er selbst die Funktionen
ausübt, erstrebt er nichts anderes als die Verherrlichung seines Vaters und die
Rückkehr der verlorenen Schäflein im Hause Israel.
Er setzt Apostel ein, damit
sie die evangelische Saat überall aussäen - "ich
habe euch eingesetzt, damit ihr hinausgeht" - dass sie sie mit ihrem
Schweiß begießen, sie mit ihrer Arbeit befruchten, um dann deren Früchte einzusammeln
- "und Frucht bringet
und eure Frucht bleibe" 21.
Dies war der Beweggrund,
welcher die Heiligen nach vielen Kämpfen bewog, ihre Zustimmung zu geben, um
zu Priestern geweiht zu werden.
Mit anderen Absichten
herantreten zu wollen, stellt eine verbrecherische Fehlhaltung dar und bedeutet
einen Ausschluss für immer: "Wenn
jemand aus Eigeninteresse sucht, dass
ihm die Seelsorge anvertraut werde, der
macht sich durch diese Erwartung selbst unwürdig!" 22
Das Priestertum anstreben vor
allem wegen des Ansehens in der Gesellschaft, weil es ein ehrenvoller
Lebensstand ist, heißt als Söldner diesen Beruf ergreifen.
Sich zum Priestertum
verpflichten, um ehrsüchtigen Eltern einen Gefallen zu erweisen, heißt als
Dieb diesen Beruf ergreifen.
Das Priestertum anstreben, um
sich zu erheben, zu bereichern, ein angenehmes Leben zu führen, heißt als reißender
Wolf diesen Beruf ergreifen.
Nur derjenige, der mit einer
großen Reinheit in der Absicht Priester wird, entspricht der Erwartung des
Heilandes.
Ja, was denn! Sollte Jesus
Christus nur deswegen in die Welt gekommen und nach einem armen und opferreichen
Leben auf den Kalvarienberg gestiegen sein, um ein laxes und selbstsüchtiges
Priestertum ohne Ideal und ohne Tugend zu begründen?
* * *
Der hl. Paulus konnte sich nur
bekümmert von seinem Schüler Timotheus trennen, weil sich, wie er schreibt, um
ihm herum niemand aufrichtigen Herzens um das Wohl der Seelen kümmert: "denn
sie suchen alle das Ihre, nicht das, was Jesu Christi ist! Wie er sich aber bewährt
hat, das wisst
ihr, dass
er nämlich wie ein Kind dem Vater, mit mir Dienst
getan hat für das Evangelium" 23.
Ist dies nicht das Ideal für
jeden Seminaristen im Hinblick auf seine Obern, auf seinen Bischof? Er wird sich
in einer Weise vorbereiten, wie es das Losungswort des hl. Paulus verlangt:
"Von Verwaltern aber verlangt man, dass
sie sich treu erweisen" 24.
II
Göttliche
Größe und
apostolische
Tätigkeit
Homo Dei
Ein Mann Gottes
(1 Tim 6,11)
Ein Mann Gottes! Darin liegt
das ganze Wesen des Priesters, das macht seine göttliche Größe und seine
ganze apostolische Tätigkeit aus.
Er ist nicht ein Mann wie die
Großen dieser Welt, sondern ein Mann für den Himmel. Durch ihn wirkt Gott auf
der Welt, spricht zu den Menschen und tut ihnen seinen anbetungswürdigen Willen kund; durch ihn vermittelt er ihnen seine Gnaden und Wohltaten.
Er ist nicht mehr ein Mann nur
für eine Familie, eine Nation, sondern der Diener aller, wie Gott für alle da
ist; er ist nicht mehr der Anhänger irgendeiner Partei oder irgendeiner
Meinung; der Priester kennt nur eine Partei und nur ein Programm: die Liebe zu
allen.
Durch
den Priester schenkt sich Gott dem Menschen und der Mensch Gott.
Er ist der Mann von Gott
Vater, der ihn an seiner Macht und Barmherzigkeit teilhaben lässt; er ist der
Mann des menschgewordenen Wortes, dessen Verwalter und Helfer im Erlösungswerk;
er ist der Mann des Hl. Geistes, mit dem er zum Heiligmacher der Seelen wird.
Zur Erschaffung der Welt nützte
Gott allein seine eigene Kraft; um das Wunder der Wesensverwandlung zu vollziehen,
bedient er sich des Willens und Wortes des Priesters. Auch der hl. Paulus nennt
die Priester: "Mitarbeiter Gottes"
1.
Zur Schaffung einer neuen
Welt, um den gefallenen Menschen in den übernatürlichen, göttlichen Zustand
zu erheben, wollte Gott Gehilfen, Mitwirkende, eben Priester; denn durch sie
weht er über die Felder, die - geistig gesehen - von ausgetrockneten Gebeinen
und toten Seelen übersät sind, und gibt ihnen das Leben zurück: das sind die
Leistungen der großen Missionäre in den entchristlichsten Ländern und mitten
unter den heidnischen Völkern; die alltägliche Arbeit des Priesters unter den
Massen, die zivilisiert und noch mehr oder weniger gläubig sind.
Der Priester nimmt in gewisser
Hinsicht teil an der Rolle und Autorität des himmlischen Vaters über seinen
Sohn, denn er will, dass der Sohn Gottes auf das Wort des Priesters hin auf den
Altar herabsteigt. Er verwirklicht durch seinen Dienst hier auf Erden das Wort
des himmlischen Vaters: "Dieser ist
mein vielgeliebter Sohn, ihn sollt ihr hören!"
* * *
2. Der
Mann des fleischgewordenen Wortes.
Jesus Christus will die Welt
durch den Priester retten; um die Priester zu schaffen, ist er auf die Erde
gekommen und auf den Kalvarienberg gestiegen. Er hat sie mit seinem Blut
geheiligt und hat ihnen das Opferlamm ihres Priestertums geschenkt.
Auch Jesus Christus setzt sich
mit dem Priester gleich, er personifiert sich mit ihm: "Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir, und ich bin in euch"
2.
- "Wer euch aufnimmt, der nimmt mich
auf" 3
- "Wer euch hört, der hört
mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab" 4.
Christus lässt den Priester an der Sendung teilhaben, die er vom Vater erhalten
hat: "Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch"
5.
Auch der hl. Paulus zögert
nicht zu schreiben: "Wir sind also
Gesandte an Christi Statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt" 6.
In der Tat: durch seine
apostolische Handlung erfüllt der Priester dieselbe Aufgabe wie das
menschgewordene Wort: er rettet die Welt, indem er sie mit Jesus Christus vergöttlicht.
Damit sich nun die Welt auf
diese übernatürliche Ebene erheben kann, braucht sie drei Dinge: die Wahrheit,
die Tugend und die Liebe. Und der Priester ist beauftragt, sie ihr zu
vermitteln.
a) Die
Wahrheit.
- Jesus Christus hat den
Priestern gesagt: "Ihr seid das Licht
der Welt!" Aber, Herr, hat nicht der Apostel Johannes erklärt, dass du
allein das wahre Licht bist, das jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt
kommt? Ist dies nicht ausschließlich deine Aufgabe, da du allein die Wahrheit
bist, der wir folgen müssen, um nicht in der Finsternis zu wandeln?
Ja, antwortet Jesus, dies
hatte bis in den Abendmahlssaal Gültigkeit. Aber dort habe ich durch das
Priestertum auch euch zum Licht der Welt gemacht, weil von euch alle Strahlen
der göttlichen Wahrheit ausgehen sollen, die ich weiterhin bleibe.
Welch wunderbare Früchte sind
durch dieses priesterliche Apostolat der Welt bereits zugeflossen! Der Priester
tat es in der Vergangenheit und fährt immer noch fort, Gott, Jesus Christus,
den Menschen, sein Wesen und seine Bestimmung zu verkünden. Und womit? Mit der
Predigt, denn Jesus hat gesagt: "Geht
hinaus und lehrt!" 7.
b) Die Tugend: Jesus hat weiters zu den Priestern gesagt: "Ihr
seid das Salz der Erde!" Wer würde die Verdorbenheit der Welt
bezweifeln? Der Priester soll sie reinigen und heiligen. Er ist auch der göttliche
Kulturbringer über das Mittel der christlichen Tugenden. Das Laster widersteht
ihm nicht, es verschwindet aus der Gesellschaft.
Überall, wo das Priestertum
auf den Plan tritt, stellt man immer zwei Folgen fest: die Zivilisation der
Gesellschaft und die Heiligung des Menschen. Entfernt das Priestertum, und die
Laster leben wieder auf, die Barbarei kehrt wieder.
Wie erfüllt der Priester
erfolgreich diese Aufgabe? Durch das Sakrament der Buße: "Wem ihr die Sünden nachlasset..." 8.
Dies ist das Geheimnis seiner Aktion: es ist die fortdauernde Taufe der zweiten
Wiedergeburt.
c) Die
Liebe
- Bis zur Ankunft Christi hat der Egoismus meisterhaft
regiert. Aber Jesus hat erklärt: "Ich
bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde
schon brennen!" 9.
Jesus will durch die Priester diese göttliche Flamme der Liebe entzünden,
welche das Feuer überall in der Welt ausbreiten soll. Mit welchem Mittel wird
der Priester diesen Auftrag erfüllen? Durch die Eucharistie: "Tut dies zu meinem Gedächtnis!" Auf diese Weise lässt er einen immerfort brennenden Herd
der Liebe in die Herzen seiner Pfarrkinder einziehen, der die Erneuerung der
Welt bewirkt.
Der hl. Paulus nannte die
Priester "die Verwalter der
Geheimnisse Gottes". Die ganze Frucht der Erlösung liegt in den Händen
des Priesters, er ist deren göttlicher Schatzmeister; aus diesem Grund ist er
der Botschafter Christi, der mit den Belangen Gottes und der Menschen betraut
ist.
* * *
Die Aufgabe dieses göttlichen
Geistes ist die Heiligung der Seelen, und zwar mittels der Priester Jesu
Christi.
Unser Herr hat ausdrücklich
diese Beziehung dargestellt: "Ich
werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für
immer bei euch bleiben soll" 10.
- "Wenn aber jener kommt, der Geist
der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen"
11.
- "Macht euch keine Sorgen, wie und
was ihr reden sollt... denn der Geist eures Vaters wird durch euch reden"
12.
- "Der Heilige Geist wird euch in der gleichen Stunde eingeben, was ihr
sagen müsst" 13.
Ein kraftvolles Wort lautet:
"Das Wort Gottes ist lebendig,
kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert" 14.
Es bricht die Zedern des Libanon und alle Hindernisse des menschlichen Stolzes
und beugt die Seelen zu Füßen des Priesters.
Aber wehe denen, die die
Wahrheit und den Glauben nicht aus dem Mund des katholischen Priesters hören
wollen!
Sie nehmen Anteil am
Verbrechen und der Strafe der Pharisäer, weil sie zu stolz sind, um an das Wort
Jesu Christi zu glauben. Sie sind in der finsteren Unwissenheit und im Irrtum
verblieben. Die Wahrheit konnte nicht bis zu ihrem Grab vordringen. Pechschwarze
Finsternis bedeckt sie; sie aber bezeichnen die Finsternis als das Licht und
ihre Zeit als das Jahrhundert des Lichtes!
Ja, es ist wie das Licht der römischen
Philosophen: "Sie verfielen in ihrem
Denken der Nichtigkeit" 15
; sie können auch verglichen werden mit jenen Grablichtern, welche nur den
Toten leuchten!
O unglückliches Asien, du Stätte
des christlichen Lichtes, wie konntest du in dieses Grab aller Wahrheit
hinabsteigen? Völker von Germanien und Helvetien, Kinder der Insel der
Heiligen, nun aber Opfer des Irrtums, wie konntet ihr das göttliche Licht in
eurer Mitte auslöschen? Es gab dort kein katholisches Priestertum mehr, die
Priester waren vertrieben oder umgebracht worden. Es gab keine Fackel, keinen
Glauben, keine Wahrheit mehr. "Sie
sitzen in der Finsternis und im Schatten des Todes".
a) Der Hl. Geist ist folglich auch ein Geist
der Wahrheit. Diese Wahrheit ist der Glaube an Jesus Christus und seine Geheimnisse.
Die Aufgabe des Priesters ist
es, den Seelen die wichtige Tugend des Glaubens zu schenken; durch die Taufe
wird der Glaube eingegossen, und der neugeborene oder erwachsene Mensch wird ein
Kind Gottes, ein künftiger Bürger des Himmels, ein Erbe des göttlichen
Reiches.
Der Priester ist somit ein
Mann des christlichen Standesamtes; durch das Merkmal der Taufe schreibt er den
neuen Christen in die Kirche ein und gibt ihm darin das Bürgerrecht. Er ist es,
der "dieses auserwählte Geschlecht"
begründet, neben dem es nur die menschliche Rasse des ersten Adam gibt.
Aber seine Aufgabe besteht
auch darin, den vorhandenen Glauben in der Seele der Getauften zu festigen und
zu entwickeln. "Der Glaube gründet
in der Botschaft, die Botschaft
im Wort Christi. Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt?"16
.
Die Feinde der Religion wissen
das gut. Die ersten Schläge galten daher den Priestern. "Ich werde den Hirten erschlagen, dann werden sich die Schafe der Herde
zerstreuen" 17.
Der Glaube erlöscht und verschwindet, wo es keine Priester mehr gibt.
b) Noch mehr ist der göttliche
Geist ein Geist der Heiligkeit. Er ist es, der durch den Priester in den Gläubigen
den Geist Jesu formt; jenen Geist der Annahme an Kindes Statt, den sie durch
ihre Teilhabe an der göttlichen Natur kraft der heiligmachenden Gnade erlangen.
Der Hl. Geist spornt den
Priester an, die Christen zum Verständnis ihrer unvergleichlichen Würde zu führen.
Aufgabe des Priesters ist es, die Sünder in sich gehen zu lassen; er erweckt
die im Laster Verstrickten und gibt ihnen neues Leben für die christliche Gesellschaft
und den Himmel.
Und wie viele Bekehrungen
bestaunt die Welt! Sie sind die unwiderlegbare Frucht der priesterlichen Arbeit
in Verbindung mit der Tätigkeit des Hl. Geistes. Niemals wird es menschlicher
Kraft gelingen, einen Stolzen zur Demut, einen Unzüchtigen zur Keuschheit,
einen Geizigen zur Großherzigkeit, einen Wollüstigen zur Buße zu bewegen.
Dies ist das Werk des Geistes Gottes und seines Dieners.
Der Hl. Geist lehrt den
Priester auch, die Seelen zu den erhabensten Tugenden bis zur vollkommenen Liebe
zu führen.
Der Priester ist für die
Seele wie Mose in Ägypten und in der Wüste, der Josua des Gelobten Landes. Er
nährt sie mit dem göttlichen Manna der Eucharistie, diesem Brot der Starken.
Er nimmt sozusagen die ihm anvertraute Seele bei der Hand und bringt sie in den
Besitz des wahren verheißenen Landes. Er zeigt ihr, wie sie ihre Feinde bekämpfen
und über alle Hindernisse triumphieren kann. Er beendet seine Arbeit erst dann,
wenn er die Seele in den Himmel geleitet hat.
O göttliche Größe, o
erhabene Mission des katholischen Priesters! Priester, im Anbetracht dieser Größe,
nimm dich in acht vor dem Stolz. Sieh auf Jesus Christus, der unter den
sakramentalen Gestalten verborgen ist. Vor deiner übermenschlichen Macht vergiss
nicht deine Schwäche.
Am Altar bist du Jesus
Christus; zu Füßen des Altares bist du ein Sünder. Während der Wandlung bist
du ein Gott auf Erden; bei der Kommunion bist du ein Mensch.
III
Es gibt eine Größe des
Priesters, die man als menschlich betrachten kann. Sie entspringt der persönlichen
Heiligkeit.
Die göttliche Größe des
Priestertums bringt an sich kein Verdienst und keine Auszeichnung in der Tugend.
Sie gereicht den anderen zum Nutzen; auch kann sie ein unwürdiger Priester
besitzen, der mit dem priesterlichen Merkmal gekennzeichnet ist.
Sich etwas einbilden wegen
seiner Größe hieße für den Priester, einen Botschafter oder Minister
nachahmen, der seine Ehre und Macht von jener seines Königs trennen wollte, dem
er sie zur Gänze verdankt; dies hieße jenen Engeln gleichkommen, die wegen
ihres Stolzes gestürzt wurden.
Die wirkliche Größe des
Menschen, der Priester ist, liegt vor Gott in seiner persönlichen Heiligkeit.
Nur diese schätzt und belohnt Gott, nur diese wünscht er von seinem Priester;
und Gott will, dass diese Heiligkeit wenigstens dem Grad seiner Würde, seiner
Gnaden und seiner heiligen Tätigkeiten entspricht.
1. Heiligkeit,
die seiner Würde entspricht.
Diese Würde ist unter allen
anderen die größte. Sie hat unter allen den Vorrang und kommt sogar vor jener
der Engel; sie ist gleichwertig mit der Würde der seligsten Jungfrau
hinsichtlich des Zweckes, der darin besteht: Jesus Christus auf Erden zu vergegenwärtigen
und so die Menschwerdung zu verlängern.
Der Priester muss also
heiliger und vollkommener sein als die Gläubigen, wie immer ihr Lebensstand
oder ihr Rang auch sein mag. "Zwischen
einem Priester und jedwedem Rechtschaffenen muss
eine so große Reichweite sein", sagt der hl. Isidor von Pelusa, "wie
der Himmel von der Erde entfernt ist" 1;
er muss die Reinheit Mariens nachahmen; von ihr sagt die Kirche, dass es das
Wort nicht gescheut hat, in ihrem Schoß Mensch zu werden, denn sie ist trotz
allem ein Geschöpf, auch wenn sie unbefleckt war. "Weil
er den Leib des Herrn im Tempel des jungfräulichen Schoßes wachsen ließ, so
verlangt er nun auch von seinen Dienern die Reinheit der enthaltsamen
Keuschheit" 2.
Die Heiligkeit Jesu Christi
selbst, des Hohenpriesters, muss sein Ideal sein, weil er ein "alter Christus - ein zweiter Christus" ist.
Eine große Würde ohne die
entsprechenden Eigenschaften erweckt in der Welt nur Verachtung.
Die priesterliche Würde ohne
die Heiligkeit wäre ein Monstrum. "Wer
das Verdienst der Heiligkeit verloren hat, soll wissen, dass
er auch den Namen des Priesters verloren hat" 3.
* * *
2. Die
Heiligkeit, die den empfangenen Gnaden entspricht.
Der Priester braucht viel mehr
Gnaden als der Gläubige; Gnaden, die seiner Würde entsprechen: "Und
ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast"
4.
Wer könnte die Gnaden des
Priesters zählen? Der größte Teil der Gnaden Jesu Christi fließen dem
Priester zu. "Ich heilige mich für
sie" 5.
Er
empfängt den ersten Anteil der geistlichen Güter der Kirche, deren Diener er
ist.
Die Übereinstimmung mit
seinen Gnaden wird von ihm verlangt, um die Pflichten der Weihe, die von Gott
gegeben wurden, zu erfüllen, und zwar bereits von den Priestern des Alten
Bundes wurde dringend gefordert: "Seid
heilig, weil ich heilig bin" 6.
Jeder Christ muss nach
Vollkommenheit streben. Der Priester muss auf jene Heiligkeit hinarbeiten, die
seine Würde erfordert.
Es ist ein großer Irrtum, den
manche Priester begehen, indem sie die Vollkommenheit dem Ordensstand überlassen.
Sie teilen die Meinung jener, die sich sagen: die Gebote genügen mir, um
gerettet zu werden.
Fünf Talente müssen
wenigstens fünf weitere erbringen. "Wem
viel gegeben wurde, von dem wird auch viel zurückgefordert werden" 7.
* * *
3. Die Heiligkeit, die den Funktionen entsprechen.
Der
Priester, der zum Altar schreitet, um Jesus Christus als Opfer darzubringen, und
als Vermittler zwischen dem beleidigten Gott und den schuldigen Menschen
handelt, muss heilig sein. "Wer darf hinaufziehen
zum Berg des Herrn, wer darf stehen an seiner heiligen Stätte? Wer reine Hände
hat und ein lauteres Herz" 8.
Der Priester, der heiligt, muss
selber heilig sein, damit er nicht dem Taufwasser gleicht, wie Gregor der Große
sagt, "das die Sünden der Getauften
abwäscht... selbst aber dann in den Abguss
rinnt" 9.
Er muss heilig sein, damit er
sich nicht den Aussatz der Sünde zuzieht, den er bei den anderen heilt, und nur
durch seine Tugend den Teufel aus den Seelen vertreibt.
Ohne Zweifel kommt die
Wirksamkeit der Sakramente von ihrer Einsetzung her und hängt nicht von der
persönlichen Heiligkeit des Priesters ab. Diese Heiligkeit ist jedoch für ihn
selbst und die Seelen notwendig, u. zw. um die ihm notwendigen Gnaden sicherer
und reichlicher zu erlangen und um seinem Amt mehr Wirksamkeit zu verleihen:
"Für den Leib Christi, die Kirche,
ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch
fehlt. Ich diene der Kirche durch das Amt, das Gott mir übertragen hat"
10.
Immer noch gilt die moralische
Mahnung des hl. Paulus an seine Schüler Titus und Timotheus: "Sei den Gläubigen ein Vorbild in deinen Worten, in deinem Lebenswandel,
in der Liebe, im Glauben, in der Lauterkeit. Dafür sollst du sorgen, darin
sollst du leben, damit allen deine Fortschritte offenbar werden. Wenn du das
tust, rettest du dich und alle, die auf dich hören" 11.
Der hl. Chrysostomus hat erklärt:
"Es gibt viele Priester, aber wenige
sind Priester: viele dem Namen nach, wenige in ihren Werken" 12.
Auch Gregor der Große meint: "Siehe,
die Welt ist voller Priester, und trotzdem findet sich bei der Ernte Gottes sehr
selten ein Arbeiter, weil wir zwar das priesterliche Amt auf uns nehmen, aber
die mit diesem Amt verbundene Arbeit nicht erfüllen..."
13.
Ein heiligmäßiger Priester
übt auf die Seelen die gleiche Kraft aus wie die Apostel. Genügt es nicht, an
das Beispiel des Pfarrers von Ars zu erinnern? 14
Schließlich soll man das
Priestertum nur dann auf sich nehmen, wenn man ein Heiliger werden will, und
zwar ein größerer Heiliger, als man in der Welt werden könnte.
IV
Die Menschwerdung ist die
Wiederherstellung der gefallenen Menschheit. Sie wurde vollzogen durch das
fleischgewordene Wort, jedoch unter Mithilfe der Frau und des Mannes.
Die Frau wurde durch Maria,
die Gottesmutter und Königin der Engel und der Menschen, wieder zu Ehren
gebracht.
Der
Mann erlangt seine verlorene Ehre durch das Priestertum, das ihm vorbehalten
ist.
Sowohl Maria als auch der
Priester schenken der Welt Jesus Christus. Um zu Jesus Christus zu gelangen, muss
man den Weg über Maria und den Priester gehen.
Maria und der Priester stellen
die zwei großen Wunderwerke Gottes unter den einfachen Sterblichen dar.
Betrachten wir die Beziehungen, die sie verbinden unter den Gesichtspunkten
ihrer Berufung, ihrer Würde, Macht, Sendung, Seelenverfassung und Pflichten.
* * *
1. Die
Berufung.
- Diese Berufung umfasst eine
Vorherbestimmung und einen ausdrücklichen Ruf.
a) Vorherbestimmung. Maria wurde von Ewigkeit her
von Gott für die Gnaden, die Heiligkeit und Ehre ausgewählt, die er ihr
zugedacht hatte. Sie wurde durch eine angepasste Erziehung darauf vorbereitet:
durch ihr untertäniges Leben im Tempel vom Tag ihrer Darstellung und seit ihrem
Gelöbnis ewiger Keuschheit an.
Auch der Priester ist von
aller Ewigkeit her auserwählt, die Funktionen des Priestertums auszuführen -
er erhält in der Welt und im Seminar eine bevorzugte Erziehung; durch das Gelöbnis
der Keuschheit bindet er sich vom Empfang der ersten hl. Weihe an und beobachtet
den kirchlichen Zölibat.
Erst im Himmel wird er alle
Einzelheiten dieser göttlichen Vorherbestimmung erfassen; aber bereits jetzt
kann er deren Grundzüge und gewisse Merkmale aufdecken.
b) Der entscheidende Ruf. Die Jungfrau Maria hat ihn
durch die Botschaft des Erzengels Gabriel erhalten; er beseitigte die Verwirrung
ihrer Demut und nahm im Namen Gottes ihre großherzige Zustimmung entgegen.
Der zukünftige Priester wird
in seiner Berufung durch den Ruf der Kirche vergewissert. Wie eine Mutter bestärkt
sie ihn: "Fürchte dich nicht!",
durch die Spendung der niederen Weihen ermutigt sie ihn: "Du hast Gnade gefunden"; sie kleidet ihn mit dem Banner
Jesu Christi, rüstet ihn mit seinen Verdiensten aus und nimmt mit Freuden seine
endgültige Verpflichtung durch die Eingliederung in den Klerusstand entgegen.
* * *
2. Die
Würde.
- Ihre Würde hat einen gemeinsamen Ausgangspunkt: die göttliche
Allmacht.
a) Bei Maria. Hier stellt sich die Frage: Wie kann eine Jungfrau Mutter
sein ohne aufzuhören, Jungfrau zu bleiben? Wie kann sie Mutter Gottes werden?
Es ist das göttliche Geheimnis, das große vorausgesagte und versprochene
Wunder: die jungfräuliche Mutterschaft Mariens, welche den wahren Sohn Gottes,
der Mensch wurde, gebären sollte. So spricht der Glaube, gestützt auf die Hl.
Schrift und die mündliche Überlieferung.
Durch das Ereignis der göttlichen
Mutterschaft wird Maria zur erhabensten Würde emporgehoben, die man sich für
ein einfaches Geschöpf vorstellen kann. Hat nicht der Erzengel gesagt: "Einen
Sohn wirst du gebären... Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt
werden. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft
wird kein Ende haben"? 1
Maria wird über alle
irdischen Würdenträger und Himmelsgeister emporgehoben. Sie trat in eine außergewöhnliche
Seinsordnung, nämlich in die hypostatische Union ein; und dies begründet den
ihr eigenen Kult der Hyperdulie.
Dies ist das große
Wunderwerk, das der hl. Johannes bestaunt: "Dann
erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der
Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem
Haupt" 2.
Als Mutter Jesu Christi
erwirbt sie über ihn eine Autorität in der Familie: "Er war ihnen untertan"; aber dieses Verhältnis ließ seine
Unabhängigkeit als Sohn Gottes mit seiner göttlichen Sendung unberührt:
"Ich muss
in dem sein, was meinem
Vater gehört..." 3.
- "Was willst du von mir, Frau?" 4.
Maria war also auch die
Dienerin - "Siehe, ich bin die Magd
des Herrn" - die Jüngerin - "Sie
bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen" 5
- der Apostel ihres göttlichen Sohnes - "Was
er euch sagt, das tut" 6.
b) Beim
Priester.
- Das Problem ist folgendes:
Wie kann ein Mensch den Sohn Gottes unter den sinnenhaften Gestalten von ein
wenig Brot gegenwärtigsetzen?
Die Antwort darauf liegt in
der Verheißung Jesu Christi, die Hl. Eucharistie einzusetzen; und auch in der
Vollmacht der Apostel, das Wunder der Transsubstantiation, das er eben bewirkt
hatte, zu erneuern: "Tut dies zu
meinem Gedächtnis!" So lautet auch bei diesem Problem die Sprache des
Glaubens, der von der Kirche definiert wurde.
Damit wird der Priester mit
der höchsten Autorität in der übernatürlichen Ordnung ausgestattet: "Es
gibt nichts Hervorragenderes in dieser Welt, der Priester kann nichts Erhabeneres
aufweisen" 7.
- "Es gibt gewiss nach der göttlichen Macht keine größere als die des Priesters, mit
der nichts weder im Himmel noch auf Erden verglichen werden kann, nämlich den
Leib und das Blut des Herrn zu konsekrieren" 8.
Der Priester übt seine Macht
"in persona Christi" aus;
und Jesus Christus ist ihm im gewissen Sinn unterworfen, denn es ist der
Priester, der die Zeit und den Ort der Konsekration bestimmt und ebenso die
Menge der zu konsekrierenden Hostien; er begrenzt oder vermehrt durch das Maß
seiner Tätigkeit und seinen apostolischen Eifer die Wirksamkeit der Erlösung.
Der Priester nimmt Anteil an
der Souveränität Jesu Christi; er ist der geistige König der Seelen, ihr
Orakel, ihr Heiligmacher; die Gnade und die Verdienste Jesu Christi liegen in
seiner Hand, er teilt sie aus, er ist der göttliche Verwalter: "O
unsagbare Macht! O furchtbares Geheimnis des Priesters!“ 9
3. Die
Macht.
- Bei der Menschwerdung erweckt Maria den Eindruck, eher
passiv als aktiv zu sein: "Der Hl.
Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten...
Deshalb wird auch das Kind ... Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe..."
10.
Aber nach ihrer Aufnahme in
den Himmel ist sie die mächtige Jungfrau, die Vermittlerin aller Gnaden durch
Jesus Christus; sie ist die fürbittende Allmacht.
Bei der Konsekration ist der
Priester aktiv und befiehlt. Es ist der Wille Jesu Christi, das Gesetz seines
Priestertums, dass dies so geschieht. Er sagte: "Tut dies... das ist mein Leib". Auch die Nachfolge Christi
sagt: "Der Priester gebraucht das
Wort Gottes nach der Ordnung und Einsetzung Gottes" 11.
Man kann also sagen, dass sich die Konsekration vollzieht, "indem
Gott der Stimme des Menschen gehorcht" 12.
Aber die Nachfolge Christi sagt weiter: "Gott ist es eigentlich, der hier als der vornehme Urheber handelt und
unsichtbar wirkt" 13.
Das Amt des Priesters hat
Jesus Christus genau bestimmt und dessen Vollmachten mit folgenden Worten zusammengefasst:
"Wie mich der Vater gesandt hat, so
sende ich euch" 14;
und er setzt ihn zum Richter über die Gewissen ein: "Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Darum geht zu allen
Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern, tauft sie... und lehrt sie
alles zu befolgen, was ich euch geboten habe" 15.
* * *
4. Die Sendung. Es bestehen zwischen dem Auftrag Mariens und jener des
Priesters Verschiedenheiten, die einer Überlegung wert sind.
Maria
war und konnte auch nur ein einziges Mal Mutter Jesu sein.
Der Priester hingegen erneuert
jeden Tag das Wunder der Transsubstantiation; seine Vollmacht ist unerschöpflich
und dauert fort bis zu seinem Tod. Wenn er gewöhnlich nur täglich einmal
zelebriert, so liegt dies nicht an einem Mangel gültiger Vollmacht, sondern
weil es die Kirche so geregelt hat.
Maria gebiert das
fleischgewordene Wort in einem Zustand der Schwachheit, Armut und Leidensfähigkeit.
Der Priester wandelt die
Substanz des Brotes in die auferstandene, unsterbliche und verherrlichte
Menschheit Jesu Christi 15.
Maria gebiert Jesus, damit er
eines Tages zum Opferlamm für die Sünden der Menschen werde. Bethlehem ist die
Ankündigung und der Beginn des Kalvarienberges. Auch ist Jesus in einem Stall
geboren worden; Maria wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, auf
Stroh, mitten unter die Tiere. War das nicht das Bild des traurigen und unglückseligen
Zustandes, in dem sich damals die gefallene und im Laster versunkene Menschheit befand
und den vernunftlosen Wesen ähnelte, deren Leben sie nur allzu sehr nachahmte?
Der Priester lässt Jesus
Christus in eine ehrenvolle Kirche, auf einen prachtvollen Altar
herniedersteigen; er legt ihn in eine Wiege aus Silber oder Gold, geschmückt
mit Juwelen, mitten im Duft von Blumen und Weihrauch, vor einer Gläubigenschar,
die ihm mit dem Kult der Anbetung huldigt und ihn mit Triumphgesängen ehrt.
Jesus Christus kommt nämlich nicht mehr, um zu leiden; der Priester setzt ihn
nur deswegen in der Eucharistie gegenwärtig, um die Früchte seiner Passion zur
Heiligung der Seelen einzusetzen und ihn als Erlöser regieren zu lassen.
Schließlich hat sich die
Sendung Mariens auch in der Gestalt geändert. In Nazaret wachte Maria über das
physische Leben Jesu und sorgte für seine Erziehung; auf dem Kalvarienberg hat
sie am Erlösungsopfer mitgewirkt; im Himmel nimmt sie ihre Rolle als
Vermittlerin aller Gnaden bis zum Ende der Zeiten wahr.
Der Priester übt eine unveränderliche
Aufgabe aus, die jedoch nicht über das Ende seines eigenen Lebens hinausreicht.
Er wird das priesterliche Merkmal zwar ewig beibehalten, aber hier auf Erden
wird nur das katholische Priestertum für immer bestehen.
* * *
5.
Seelenzustand.
- Hier zeigen sich die
Kontraste besonders stark und lassen die Weisheit und Barmherzigkeit Gottes
hervortreten.
Maria ist bei ihrer Empfängnis
unbefleckt; sie blieb stets frei von jedem Fehler oder persönlicher
Unvollkommenheit; sie blieb in ihrem Leben stets heilig und vollkommen in allen
ihren Werken. Sie war der Himmel der Menschwerdung.
Der Priester wird als Kind des
sündigen Adam geboren, mit der Erbsünde behaftet; er ist der Gefahr
ausgesetzt, eine ganze Reihe persönlicher Fehler zu begehen; er kann leider bis
zu den schlimmsten Fehltritten absinken.
Warum dieser Unterschied?
Maria musste unbefleckt sein, um die Muttergottes zu werden; sie musste heilig
und vollkommen sein, um am Geheimnis der Erlösung mitzuarbeiten. Wie Jesus
selbst musste auch sie, aber durch Angemessenheit und Gnade, ganz frei von Sünden
und in strahlender Vollkommenheit leben.
Gott hätte durch die Macht
seiner Gnade den Priester von eigenen Sünden fernhalten und ihn mit allen
Tugenden schmücken können. Liefert uns nicht das Leben der Heiligen einige
Beispiele für ein derartiges Privileg? Wäre dann aber der Priester, das
Priestertum als Ganzes, eine religiöse Einrichtung, die dem konkreten Zustand
der Menschheit angepasst ist? Die göttliche Weisheit hatte ihre Pläne. Kann
man nämlich nicht sagen, dass Gott wollte, der Priester solle groß sein und
durch seine Anstrengungen in der Tugend dieser Größe gerecht werden? So wird
er vor dem Stolz bewahrt bleiben und in der Demut vertieft werden.
So ist der Priester "fähig,
für die Unwissenden und Irrenden Verständnis aufzubringen, da auch er der
Schwachheit unterworfen ist" 17
.
Der Glaube kann sich ebenfalls
auf die göttliche Wirksamkeit der Sakramente ruhigen Herzens verlassen, ohne
auf die persönliche Heiligkeit des Amtsträgers Rücksicht zu nehmen.
Hinge übrigens eine solche
Wirksamkeit von dieser Heiligkeit ab, würden dann nicht die besten Priester am
ehesten zurückscheuen, ihr Amt auszuüben und zu zelebrieren?
Nein. Jesus Christus wird umso
mächtiger, heiliger und liebender erscheinen, je schwächer und weniger
vollkommen der Priester als sein Instrument dastehen wird.
Ist die Sonne nicht schöner,
sobald sie aus den Wolken heraustritt oder nach einem Sturm? So wie die
Einsetzung des Priestertums erfolgt ist, stellt es einen Triumph der Macht und
Liebe Jesu Christi dar.
* * *
6. Pflichten.
- Diese weisen lediglich Ähnlichkeiten auf. Maria hatte
wie jede Mutter die Pflicht, Jesus aufzuziehen. Gewiss bleibt die Art und Weise,
wie sie diese Aufgabe erfüllte, ein unaussprechbares Geheimnis. Wenn aber der
Sohn Gottes in der vollen Wahrheit der Sohn Mariens war, dann muss diese in
ihrer Beziehung zu ihm und in den Augen der Leute die Haltung einer wahren
Mutter eingenommen haben.
Maria begleitet Jesus auch in
allen Phasen und Situationen seines Lebens. Sie war arm mit ihm in Bethlehem,
verborgen in Nazaret, verfolgt während seines evangelischen Lebens, hingeopfert
in der Stunde seines Leidens; sie wird sich später vereinigen mit seinem
eucharistischen Leben, dem Ziel und der Krönung aller Geheimnisse Jesu.
Auch der Priester muss Jesus
in den Seelen nähren, damit er in ihnen lebe und wachse. Aber wie könnte ihm
das gut gelingen, wenn er nicht selber von Jesus lebt, wenn er sich nicht seinen
Geist und sein Herz in der Vertraulichkeit mit Jesus Christus, dem Hohenpriester,
nährt?
Eine seiner Hauptsorgen muss
es sein, Priesterberufe zu entdecken und zu formen, sowie die Neugeweihten des
Priesteramtes zu leiten.
Er möge darin mit der
Jungfrau Maria zusammenarbeiten; er vertraue der Liebe Mariens besonders für
den jungen Priester.
Sie hat ihn in der Jugendzeit
vor dem Bösen bewahrt, um in ihm die Tugend zu erhalten, welche den Priester
kennzeichnet: indem sie seine Frömmigkeit nährte, seine Liebe anregte, ihn
gleichsam an der Hand bis in die Nähe des Altars, bis zu Füßen des Hohenpriesters
führte und ihn wie einstmals ihren Sohn im Tempel ihm vorstellte; indem sie ihn
in den tausend Opfern des Studiums, der Kämpfe und Ängste zum Priesterberuf ermutigte.
O wie herrlich: ein Priester,
der durch Maria geformt wurde! Dies ist ein guter und heiliger Priester, Jesus
wird ihn freudig aufnehmen und in ihm seine Mutter bleiben.
V
Der
Priester und
die eucharistische
Sühne
Bereits unter dem Alten Gesetz
waren die Priester in besonderer Weise damit beauftragt, vor Gott die Sünden
des Volkes zu beweinen; die Barmherzigkeit und Vergebung Jahwes herabzuflehen
war eine ihrer offiziellen Funktionen 1.
Muss sich nicht der Priester
des Neuen Bundes als Konsekrator der Eucharistie besonders dafür verwenden,
aufgrund dieses Titels Jesus Christus einen Kult der Wiedergutmachung für die
Fehler anzubieten, die gegen das anbetungswürdige Altarssakrament begangen
werden?
Die größte aller Sünden in
dieser Hinsicht ist sicher die Leugnung der Eucharistie durch die willentliche
Verweigerung zu glauben, was die katholische Kirche auf diesem Gebiet definiert
hat, ob es sich nun um die reale Gegenwart, um das Messopfer oder die hl.
Kommunion handelt. Es gibt leider eine Menge Leute, die vorsätzlich jeden
Glauben an die Eucharistie zurückweisen, ob sie nun der Häresie oder dem
frevelhaften Atheismus ergeben sind.
Was aber im allgemeinen die größte
Aufmerksamkeit auf sich lenkt, sind die eucharistischen Profanationen.
Untersuchen wir ihr Wesen und die Pflicht und Form, wie der Priester dafür
Genugtuung leisten kann.
* * *
1.
Die Genugtuung: ihr
Wesen und die Pflicht dazu.
Wenn auch von seiner Natur her
das Sakrileg nicht die schwerste Sünde ist, die es im Hinblick auf die
Eucharistie gibt, so weist es doch ein besonderes Gewicht auf, weil es um die
reale Gegenwart Jesu Christi geht; und es hat einen ausgesprochen verachtungswürdigen
Charakter wegen der konkreten Seinsbedingungen seiner anbetungswürdigen Person.
a) Als die ungläubigen
Soldaten des Kaiphas und Pilatus mit Jesus ihren Spott trieben, da kümmerten
sie sich nicht darum, wer er sei, aus Verhöhnung jedoch, und vielleicht auch
aus Angst verhüllten sie ihm das Gesicht.
Der Schänder der Eucharistie,
der ein Christ oder ein Gläubiger sein kann, nützt es, dass sich Jesus
Christus selber verhüllt hat, um ihn zu ergreifen oder in sakrilegischer Weise
zu empfangen.
Unser
Herr ist hier als unser Erlöser und unser Wohltäter.
Wäre er auch nur auf unseren
Altären wie auf einem Thron der Majestät und Herrlichkeit, so hätte er das
Recht auf unseren vollen Respekt und unsere Anbetung. Aber welche Gefühle der
Dankbarkeit müssen uns doch beseelen, wenn wir alldas in Erwägung ziehen, was
seine Liebe auf dem Altar zu unseren Gunsten tut?
Auf Erden war Jesus Christus
wie eine Sonne, die ihre Bahn lief und allen Gutes tat: "Er zog umher und tat Gutes"
2.
Auf dem Altar ist diese göttliche
Sonne stehengeblieben, sie bleibt dort, um uns, und zwar jeden einzelnen, mit
seinen Gaben zu überhäufen und uns vor allen Übeln zu bewahren.
Haben wir der göttlichen
Gerechtigkeit Genüge zu leisten? Jesus ist auf dem Altar unser Opferlamm,
dessen göttliches Blut Barmherzigkeit erwirkt. Haben wir es notwendig, in uns
das übernatürliche Leben der Gnade zu pflegen? Jesus gibt sich uns als Nahrung
und Trank; er hat einen Zustand angenommen, um mit uns eins zu werden und damit
die innerste Vereinigung anzuzeigen, die er mit unserer Seele vollzieht. Haben
Begierlichkeit und Sünde in uns eine heillose Verwüstung angerichtet? Jesus
Christus erneuert für alle Christen das, was er in Judäa nur für einige
Privilegierte vollzog: "Ich will
kommen und ihn gesund machen" 3;
er ist das Heilmittel für unsere Mängel, das souveräne Gegengift für die Sünde.
Müssen wir kämpfen? Dieses Sakrament ist unsere Kraft. Dieses Brot des
Verstandes und der Wahrheit war es, welches die Lehrer der Kirche erleuchtete
und stützte im Kampf gegen die Irrlehrer; mit diesem Schwert der Macht haben
die Märtyrer triumphiert; dieser Wein der Reinheit hat die Herzen der
Jungfrauen entflammt. Schließlich sind wir Pilger auf dem Weg in die Ewigkeit,
und Jesus wird unsere geistige Wegzehrung. Mit einem Wort: Jesus ist in diesem
Geheimnis inmitten seiner Kirche, um für alle ihre Bedürfnisse dazusein, ihr
alle Gnaden mitzuteilen und ihr bis zum Ende der Zeiten auf vielfältige Weise
seine Liebe zu bezeugen.
Nun wird Jesus mitten in
seinen Wohltaten, auf dem nicht mehr überbietbaren Höhepunkt seiner Güte
geschmäht! Man bedient sich seiner Gnaden gegen ihn selbst.
Wie kann man es nur wagen, den
Sohn einer makellosen Jungfrau in ein unzüchtiges Herz einkehren zu lassen! In
einem hasserfüllten Herzen denjenigen aufzunehmen, der seinen Henkern vergeben
hat? Ihn in einem stolzen Herzen einzulassen, der sich vernichtet hat bis zum
Tod am Kreuz!
b) Kann man nicht einen
Schritt weitergehen und sagen, dass die Beleidigungen, die ihm in der
Eucharistie angetan werden, noch mehr kränken, weil er sich in einem
verherrlichten Zustand befindet?
Die schmachvolle Behandlung,
die Jesus Christus in seinem Land angetan wurde, war gewiss verbrecherisch; aber
sie stand nicht im Gegensatz zu seiner leidensfähigen und sterblichen
Daseinsweise.
Wer die Eucharistie schändet,
beleidigt den auferstandenen Jesus, der nach dem Gesetz seiner verherrlichten
Seinsweise nur mehr wie im Himmel Lob und Ehre erhalten sollte.
Ohne Zweifel leidet Jesus
Christus durch diese Profanationen nicht, nicht einmal moralisch; sie erreichen
nämlich nur die hl. Gestalten, weil er auferstanden ist; andererseits aber
wurde die Eucharistie eingesetzt, um das lebendige und ewige Gedächtnis der
Leiden seiner Passion fortzusetzen: "Ihr
werdet den Tod des Herrn verkünden, bis er wiederkommt" 4.
Aber wenn auch die Person Jesu
durch die Profanierungen nicht angetastet wird, so beleidigen sie diese
trotzdem, weil sie ihrem Willen widersprechen, ihre Rechte verletzen und ihre äußerliche
Ehre herabmindern. Es ist übrigens nicht erforderlich, dass Jesus Christus
selbst jetzt noch leiden muss, damit das wahre Gedächtnis des Erlösertodes
zustandekommt; es genügt, dass das gewählte äußere Zeichen deutlich auf die
Leiden und den Tod der Vergangenheit hinweist.
c) Wenn aus dem Gesagten
hervorgeht, dass alle Christen unter diesen eucharistischen Entweihungen leiden
sollen, um wie viel mehr dann der Priester, der privilegierte Freund Jesu
Christi?
Es wird vom Hohenpriester Heli
berichtet, dass er, durch einen Botschafter von der Entwendung der Bundeslade
durch die Philister in Kenntnis gesetzt, dadurch so erschüttert wurde, dass er
von seinem Stuhle fiel und sofort nach seinem Sturz verstarb 5.
Wie schmerzvoll muss doch der
Priester die Nachwirkung der eucharistischen Sakrilegien empfinden!
Er soll beherzigen, dass indirekt gerade seine Vollmacht Jesus Christus der Gefahr
aussetzt, diese
Beleidigungen zu erdulden. Würde er nämlich keine Hostien konsekrieren, diese
bei der hl. Kommunion nicht austeilen oder in den Tabernakel zurückstellen, wären
solche Sakrilegien unmöglich.
Freilich gehorcht der Priester
lediglich Jesus Christus, wenn er Brot und Wein verwandelt. Auch
Pseudo-Dionysius stellte fest, der Priester solle nie das hl. Opfer darbringen,
ohne sich immer wieder an die erhaltene Weisung zu erinnern: "Der
Priester soll sich vom Opfer, welches seine Würde übertrifft, reinigen, während
er die Worte sagt: Tut dies zu meinem Gedächtnis"
6.
Aber das Herz des Priesters
wird ergriffen von Traurigkeit und Dankbarkeit im Angesicht der Liebe Jesu
Christi.
Der hl. Augustinus rief aus:
"Herr, du hast vorausgesehen, was
sich ereignen wird, und hast alle Hindernisse überwunden, die dich von der
Einsetzung der Eucharistie hätten abhalten können: In Güte hast du dein
Vorauswissen besiegt".
Wie muss sich der Priester
befleißigen, alle Beleidigungen des Unglaubens, der Gleichgültigkeit, der
Ehrfurchtslosigkeit und des Sakrilegs durch seinen Feuereifer und seine
Bereitschaft zur Sühneleistung wieder gutzumachen!
Der hl. Bernhard wünschte
sich, Jesus Christus wie ein Schild gegen die Geschosse, die Schläge der Bösen
zu dienen: "es wäre mir recht, wenn
sich Christus würdigte, mich als Schild zu verwenden, damit die giftigen Pfeile
der Gotteslästerer ihn nicht erreichten"
7.
Was für eine ehrenvolle Rolle
ist es für die Priester, ihr Oberhaupt Jesus Christus zu umgeben, um ihm mit
ihren Herzen einen Schutzwall aufzustellen und ihn vor den Beleidigungen zu schützen.
* * *
2.
Möglichkeiten zur
Wiedergutmachung.
Man kann zweckmäßigerweise
die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft ins Auge fassen.
a) Die Beleidigungen aus der
Vergangenheit können durch Gebet und Opfer gesühnt werden. Gott will
Barmherzigkeit üben, er will vergeben, aber er wartet auf die eingesetzten Vermittler durch Jesus Christus, damit sie sich zwischen seine Gerechtigkeit und
die Schuldigen stellen.
Daher soll der Priester nach
dem Beispiel Jesu Christi nicht sosehr die begangenen Sünden beklagen, sondern
eher ihre Strafe auf sich nehmen, sie sozusagen sich zu eigen machen, um sie
durch seine Gebete und Sühneleistungen zu tilgen. "Der Priester soll die Sünden des Volkes, von Mitleid ergriffen, als
seine eigenen Vergehen beweinen" 8.
Wenn der Autor des Buches
Kohelet Noe loben will - und nach ihm die hl. Kirche, einen ihrer Päpste, -
nennen sie ihn den Friedensvermittler Gottes mit den Menschen: "Und zur Zeit des Zornes wurde er zur Versöhnung"
9.
Auch war es das flehentliche
Gebet des Mose, das den Zorn Jahwes, der zur Zerstörung des hebräischen Volkes
entschlossen war, ablenkte: "Da
versuchte Mose, den Herrn, seinen Gott, zu besänftigen... Da ließ sich der
Herr das Böse reuen, das er seinem Volk angedroht hatte" 10.
Durch das Gebet - das in
Gegenwart der Eucharistie verrichtet wird - "zwischen
Vorhalle und Altar" - wird der Priester, mit Jesus Christus vereint -
zum Vermittler insbesondere für jene, die auf welche Weise auch immer sich
gegen die Eucharistie schuldig gemacht haben.
b) Die gegenwärtigen Vergehen
werden durch die persönliche Heiligung gesühnt. Dazu zelebriert der Priester
jeden Tag, außer es ist ihm nicht möglich.
Die hl. Messe ist der
vollkommenste Kult, die unendliche und souveräne Huldigung, die Gott durch den
menschgewordenen Gott dargebracht wird. Wie groß und mächtig ist der Priester
am Altar! Somit wendet der Teufel alle seine Anstrengung darauf an, um den
Priester davon abzubringen und ihn am Zelebrieren zu hindern.
Wer es aus eigener Schuld unterlässt, das hl. Opfer darzubringen, begünstigt die Pläne der Hölle. Der
hl. Bonaventura fügt hinzu, "dass er
die Dreifaltigkeit der Ehre, die Engel der Freude, die Kirche der Gnaden und
sich selbst des höchsten Gutes, nämlich der Vereinigung
mit Jesus Christus
beraubt" 11.
Es wäre aber unzureichend, dass
das hl. Opfer gefeiert werde, wenn es nicht durch heilige Amtsträger
dargebracht wird. Was für ein Verdienst hat doch ein Mensch, der Tag für Tag
Jesus Christus auf den Altar herniedersteigen lässt, ihn berührt, ihn in
seinen Händen hält und sich mit ihm ernährt? Muss er nicht an Reinheit und
Heiligkeit die Engel übertreffen, so wie er sie durch die Würde seiner
Amtshandlung übertrifft?
"Auch größer als die Engel ist der Priester, es haftet ihm eine gewisse
Göttlichkeit an, und er macht andere zu Göttern" 12.
Die Engel haben das Kommen
Jesu Christi auf Erden angekündigt; der Priester lässt ihn jeden Tag auf den
Altar herniedersteigen. Die Engel in Bethlehem brachten die Kunde vom
menschgewordenen Gott; der Priester unterweist die Gläubigen, dann reicht er
ihnen das Brot vom Himmel zur Nahrung. Die Engel umgeben mit Ehren den gegenwärtigen
Herrn und sind die Beschützer der Gläubigen; der Priester konsekriert die
Eucharistie und lässt die Sünden nach.
Auf eine solche Größe und
Macht kann man nur mit einer leuchtenden Heiligkeit antworten.
Das Priestertum ist im
eigentlichen Sinn das große Weihesakrament Jesu Christi. Die Priester sind die Religiösen
Jesu Christi, wie er selbst der "Religiöse
seines himmlischen Vaters" war
13.
Welche Vollkommenheit müssen sie daher aufweisen?
Sie muss so beschaffen sein, dass
ein Priester jederzeit in allem, was er tut, ein zweiter Jesus Christus
sei. Die Gläubigen können zu Recht einen Stand wählen und sich mit Dingen beschäftigen, die nicht in den Rahmen des Lebens Jesu Christi einzuordnen sind;
sie schließen Ehen, sie treiben Handel und gehen weltlichen Angelegenheiten
nach. Es genügt, dass ihnen Jesus Christus die Gnade erworben hat, dass sie
diese Dinge in christlicher Weise vollziehen. Der Priester soll Jesus Christus
in unmittelbarer Nähe nachfolgen und sich dessen enthalten, wovon er sich
enthalten hat.
Leider ist es keine
Seltenheit, dass Amtsträger Jesu Christi zu Weltleuten und Geschäftemachern,
zu Ränkeschmieden und Strebern werden, ja noch mehr: sie können zu untreuen und sogar gotteslästerlichen Dienern herabsinken.
Tertullian machte den Heiden
darüber Vorwürfe, dass sie sich mit der Untersuchung der Eingeweide der
Opfertiere unterhalten, anstatt sich über die innere Einstellung ihrer gewinnsüchtigen
und verdorbenen Priester Sorgen machten: "Ich
wundere mich, wie von den lasterhaftesten Priestern bei euch die Opfertiere
befunden werden, warum eher die Eingeweide der Opfer als die der Opfernden
selber untersucht werden" 14.
Die Genugtuung des treuen
Priesters wird darin bestehen, die Gefühle seiner Seele zu heiligen und dazu
mit Feinfühligkeit die Regungen seines Herzens und die Triebe seiner Sinne zu
reinigen. "Haltet euch rein, denn ihr
tragt die Geräte des Herrn" 15.
Dies wurde den Leviten des Alten Bundes empfohlen. Der Priester Jesu Christi
wird sich von allem trennen, was sein Leben besudeln und die Sympathie zu seinem
göttlichen Meister einschränken könnte.
c) Die zukünftigen Fehler
werden durch den Seeleneifer zur Verehrung der Hl. Eucharistie gesühnt. Der
Priester wird durch sein persönliches Verhalten und durch seine geforderte
Achtung auf Sauberkeit, wenigstens aber auf Angemessenheit im Gotteshaus und bei
allem, was den göttlichen Kult betrifft, sein gutes Beispiel des Respektes
geben.
Er vermeide alles Knausern in
den Belangen des hl. Opfers und für die Instandhaltung des Ewigen Lichtes im
Heiligtum.
Er setze sich ein, das Bewusstsein
der Kinder bezüglich des Umganges mit der Hl. Eucharistie richtig zu bilden,
damit so ungültige Beichten vermieden werden. Er unterrichtet die Gläubigen über
die Kennzeichen der Ehrfurcht, welche von der hl. Kirche für die Hl.
Eucharistie vorgeschrieben sind, je nachdem, ob sie ausgesetzt oder im
Tabernakel verschlossen ist.
Er bewirke bei allen Gläubigen
eine tiefe Frömmigkeit zur anbetungswürdigen Eucharistie durch die Mitfeier
der hl. Messe, den häufigen Kommunionempfang und die Anbetung.
Er lade sie ein zu Sühnewerken
für die Eucharistie, wobei er sein Priesterherz sprechen lasse.
VI
Die folgenden Seiten stellen die Ansprache des Heiligen
dar, als er im Juli 1837 im Alter von 26 Jahren als Weltpriester die Pfarre
Monteynard in der Diözese Grenoble übernahm. Er war am 2. Juli zum Pfarrer
ernannt worden; wahrscheinlich hielt er die Antrittspredigt am darauffolgenden
Sonntag, dem 9. Juli.
_________
Als die Apostel die Länder in
der Welt festlegten, in denen jeder von ihnen den Glauben des Evangeliums zu
verkünden hatte, beriefen sie sich zur Begründung ihrer Sendung allein auf die
Tatsache, von Jesus Christus gesandt worden zu sein; sie genossen keine andere
Ehre als die Tatsache, an den erhabenen Funktionen seines ewigen Priestertums
teil zu haben.
Der Heiland der Welt hatte sie
beauftragt: "Wie mich der Vater
gesandt hat, so sende ich euch" 1.
Ich rüste euch mit meiner ganzen Vollmacht aus und übertrage euch meine Macht.
Von jetzt an werdet ihr mit mir ganz eins sein; euer Amt wird meines sein, und
eure priesterlichen Handlungen werden für immer mit dem Siegel meiner Gottheit
ausgestattet sein.
Jesus hatte gesprochen; und
die Apostel ziehen ohne andere Waffe als das Schwert des Wortes Gottes, ohne
andere Verteidigung als das Holz des Kalvarienberges, ohne andere Stütze als
die Armut des gekreuzigten Jesus Christus, freimütig hinaus, um die
Froh-Botschaft des Heiles 2
zu verkünden und die Taufe zur Vergebung der Sünden 3.
Beim Ertönen ihrer Stimme
gibt sich die Hölle geschlagen, Satan verliert seine Eroberungen und wird
wieder zum Sklaven.
Die heidnische Welt bewaffnet
sich mit allen verfügbaren Kräften, um Gottes Werk zu verrichten und jene
auszurotten, die es aufbauen. Sie erhebt sich umsonst. Das Heidentum stürzt in
seinen Grundfesten zusammen. Die Henker halten machtlos inne. Die Herrscher bekehren sich zum Christentum und rechnen es sich zur Ehre an, zur Jüngerzahl
der armseligen Fischer zu gehören, die ebenso große Apostel sind. Dies ist der
Grund, warum ihnen nichts widerstehen kann: ihre Sendung ist göttlich.
Wie die Propheten den Völkern
und Königen zugerufen haben: "Ich
komme als Gesandter Gottes, ich rede in seinem Namen zu euch", so kündigte
sich auch der hl. Paulus als Mitarbeiter und Stellvertreter des Sohnes Gottes an
und verlangte von den Gläubigen nichts weniger als ein zweiter Jesus Christus
aufgenommen zu werden.
Die Sprache, welcher sich die
Apostel bedienten, sprechen wir heute zu euch, denn nicht aus eigener Vollmacht
kommen wir, um unter euch Seelsorgearbeit zu leisten. Abgesehen davon, dass ein
solches Vorgehen vermessen und unsinnig wäre, so würde unsere Sendung noch
zusätzlich den Charakter der Ablehnung und des Todes an sich tragen. Aber Gott
würde es niemals billigen, dass uns eine so auflehnende Absicht hierher geführt
hätte. Es ist der Familienvater, der uns wie damals den Aposteln gesagt hat:
"Arbeitet auch ihr in meinem
Weinberg!" Ja noch mehr, er hat uns die Verantwortung über eure
Seelenleitung übertragen trotz unserer Jugend, Schwachheit und Befürchtungen.
Wie zum Apostel Petrus hat er zu uns gesagt: "Weidet
meine Schafe", ich vertraue sie eurer Sorge an und übertrage euch ihre
Führung.
Was hatte bei einem solchen
Befehl zu geschehen? Sich zu unterwerfen und zu gehorchen. Unter einer so
schweren Last fürchten wir erdrückt zu werden. Aber euer alt-bekannter Glaube,
euer Eifer für unsere hl. Religion, der sich besonders in der Schmückung und
Verschönerung eurer Kirche bestätigt, die Seelsorgearbeit unserer ehrwürdigen
Vorgänger, die sich mit soviel Begeisterung abgemüht haben, diese teure Herde
Jesu Christi zu erhalten und sie vor der Verderbnis der Welt zu verschonen: all
das, liebe Brüder, schien unsere so großen Ängste zu erleichtern und zu besänftigen.
Hinzufügen wollen wir noch
vor allem den Titel des Gesandten Jesu Christi, das gegebene Versprechen, uns
zu stützen und zu helfen, bei uns zu sein alle Tage unseres Lebens.
Im Hinblick so vieler
trostreicher Beweggründe und beim Gedanken an soviel machtvolle Hilfe, haben
wir wie Jesus Christus zu seinem Vater gerufen: Hier bin ich, um deinen Willen
zu erfüllen.
Ja,
hier bin ich, meine Brüder, um für euch dazusein, und zwar ganz.
Wie ein Amtsdiener Jesu
Christi und bestimmt, ihn zu vertreten, bringen wir euch also sein Wort und
werden euch seinen Willen kundgeben.
Alle himmlischen Schätze
wurden für euch in unsere Hände gelegt. Als Kanal und Werkzeug der Gnaden
bringen wir euch im Namen Jesu Christi und mit der Autorität, die wir von ihm
empfangen haben, das hl. Wasser, welches das durch Adam schuldiggewordene Kind
wiederherstellt; die Heilmittel für euere geistlichen Wunden, hilfsbereite
Mahnungen mit der Vergebung eurer Fehler; die stärkende Salbung für die
Kranken in Todesgefahr, die Spendung des Leibes und Blutes des hl. Opferlammes
auf dem Altar und endlich die geistlichen und reichlichen Segnungen, welche das
sakramentale Band der Ehepartner festigen.
Was werde ich noch hinzufügen?
Alle Gnadenströme der Liebe der Kirche, dieser zarten Mutter, all die Tröstungen
durch die Einheit der Gläubigen untereinander; alles das kommt von unserer Seelsorgearbeit
und all das gehört euch.
Wenn doch auch wir selbst Gott
gehören könnten! Ihr wisst ja, meine Brüder, dass unser Amt erhaben und göttlich
ist, dass aber ebenso die Verpflichtungen und die damit verbundenen Aufgaben
gewaltig sind. Ich kann nicht besser meinen Dienst beginnen, als dass ich euch
die priesterlichen Pflichten erkläre, damit ihr mich hierin beurteilen und maßregeln
könnt.
Sollte ich darin vergesslich werden, wird euer Glaube mein Begutachter und eure
Frömmigkeit mein Führer
sein.
* * *
Bei der Einsetzung des
Priestertums hatte Jesus Christus zwei Ziele vor Augen: seinen Vater
verherrlichen und das Heil der Welt sicherstellen. Müsste man für solch edle,
erhabene Ziele nicht wie er Gott sein? Es ging darum der höchsten Majestät das
zu leisten, was ihre Gerechtigkeit und unsere Anerkennung verlangen, nämlich
Anbetung und Huldigung, und zwar nicht nur teilweise und mit der Gunst der
Nachsicht, sondern als gleichwertige Gegenleistung. Nun war Jesus Christus
allein befähigt, Gott als Gott zu behandeln. Auch wurde Gott durch Jesu Tod am
Kreuz volle Genugtuung geleistet, die Menschen waren erlöst, die Hölle wurde
gesperrt, der Himmel eröffnet.
Wenn aber Christus allein dazu
fähig war, was geschieht dann nach seinem Tod? Wird sein Werk der Ehre und des
Heiles unvollendet bleiben? O nein! Durch ein Wunder der Liebe und der Macht ist
zwar Jesus Christus gestorben, aber er lebt noch auf Erden. Er ist im Himmel und
predigt noch immer hier unten den Menschen guten Willens das Evangelium des
Friedens. Er ist gestorben, er ist auferstanden und trotzdem opfert er sich
jeden Tag auf dem Altar. Nur ein Kalvarienberg sah sein Blut fließen, aber noch
jetzt setzen Tausende von Messen sein Ganzopfer fort.
So brauchen wir also die glückliche
Epoche des Kaisers Augustus, die Jesus lebendig in Palästina bewundern konnte,
und die Juden, unter denen er gelebt hat, nicht mehr zu beneiden. Wir besitzen
Jesus Christus mitten unter uns, er feiert mit uns das eucharistische Pascha, er
spricht auf den Kanzeln der Kirchen und vergibt im Gericht der Versöhnung
unsere Fehler.
Und wie gelangen so viele
Gunsterweise und Gnaden bis zu uns? O meine Brüder, ihr selbst seid der Beweis.
Würde Jesus Christus nicht in unserer Mitte wohnen, bliebe euch die Einheit und
die Liebe unbekannt, denn diese Tugenden sind das Werk des Friedens Gottes in
euch. Die Dankbarkeit und das Verlangen würde euch nicht zum Himmel führen, zu
jenem Himmel, den euch die Hoffnung anbietet und der Glaube zeigt; denn der Gegenstand
eures Glaubens und die Gewissheit eurer Hoffnung ist der
auferstandene Jesus Christus, der gesagt hat: "Wer mich isst, der hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am
letzten Tag". Somit ist er selbst das gesicherte Pfand eurer eigenen
Auferstehung und die beständige Quelle eures Lebens nach dem Evangelium.
"Aber was ist der Sinn dieser sonderbaren Sprache?" würde ein
Heide fragen, ich sehe Jesus Christus nicht". - Der Christ antwortet:
"Ich sehe ihn in den Aposteln und er
lebt in seinen Priestern: sie haben dieselbe Macht wie er".
Um uns zu erlösen, wurde er
Mensch, dann hat er sich der Sicht der Sterblichen entzogen. Als es aber darum
ging, die Aussaat des Evangeliums Früchte tragen zu lassen und die Verdienste
seines Leidens den Seelen zuzuwenden, dann unternahm er noch mehr. Er wurde in
gewisser Hinsicht bei jeder Priesterweihe von neuem Mensch, er beließ den
Neugeweihten alle seine menschlichen Armseligkeiten und Begierden, schenkte ihm
aber alles, was er an Göttlichem und Übernatürlichem brauchte, d.h. seine
Vollmacht und seine Sendung.
Diese Vollmacht und Sendung
wird vom Priester als Delegierten mit allumfassender Befugnis wahrgenommen und
nicht als einer, der nur ein einfacher Vertreter, ein Bild darstellt; sie werden
ausgeübt von jenen, der Jesus Christus selbst ist - in seinem Wesen - im
Hinblick auf seine Sendung; der als Person er selbst ist bei der Ausübung
seiner Macht. "Wer euch hört, der hört
mich" 4.
In dieser Weise handelt ein
Priester beim Vollzug seines Amtes nicht als Privatperson, sondern als Jesus
Christus, weil es Jesus Christus ist, der in ihm und durch ihn wirkt.
Als Vermittler zwischen Himmel
und Erde setzt der Priester tagtäglich das erhabene Kreuzesopfer fort. Auf dem
Altar befindet sich dasselbe Opferlamm und derselbe Opfer-Priester wie auf dem
Kalvarienberg; denn im Verlauf des letzten Abendmahles, als Jesus Christus den
Aposteln seinen Leib und sein Blut, welche mit seiner Gottheit vereinigt waren,
reichte, da hat er hinzugefügt: "Tut
dies zu meinem Gedächtnis!" d. h. was ich eben getan habe - diese
Wandlung des Brotes und Weines - dafür gebe ich euch die Vollmacht, dasselbe zu
vollziehen und dieses Wunder bis zum Ende der Welt zu wirken.
Daraus folgt, dass der
Priester am Altar und Jesus Christus beim Abendmahl dasselbe sind, wie es das
Konzil von Trient lehrt: "Auf die
gleiche Weise opfert er sich heute durch den Dienst der Priester wie er sich
damals am Kreuz geopfert hat" 5.
Der hl. Johannes Chrysostomus
sagt: "Seht nicht nur den Priester,
der das Opfer darbringt, sondern auch die unsichtbare Hand Jesu Christi, die
sich über dem Altar des Opfers ausstreckt" 6.
Hier leiht der geweihte Priester seinen Willen und seine Zunge Jesus Christus,
der sich damit bedient, um zu konsekrieren und zu segnen.
Beachtet auch, dass der
Priester in diesem bedeutendsten Augenblick, wo der Sohn Gottes auf den Altar
herabsteigt, nicht sagt: "Dies ist
der Leib Jesu Christi, dies ist sein Blut", sondern er spricht in der
ersten Person und sagt: "Dies ist
mein Leib, der für euch hingegeben wird, dies ist mein Blut, das für euch
vergossen wird", wie sich der griechische Text des Evangeliums ausdrückt;
wäre also Jesus Christus nicht auferstanden, würde noch immer sein Blut fließen
und sein Leib am Kreuz sterben.
Wie erhaben ist also diese
Amtshandlung des Priesters auf dem Altar! Diese allein kann als wirklich großartig
bezeichnet werden, weil nur diese durch die Wirkung seiner Macht für Gott würdig
ist.
"Denn Gott der Herr sprach, und sogleich geschah es, er gebot, und alles
war da" 7.
Sein Wille gebietet dem Nichts gleich wie dem, was ist. Aber o Wunder, was noch
erstaunlicher ist: beim Messopfer spricht der Priester, und auf sein Wort hin
wird aus dem einen Wesen unmittelbar ein anderes, die Substanzen des Brotes und
Weines werden in jene des Leibes und Blutes Jesu Christi gewandelt.
Wer würde so etwas glauben,
wenn es uns der Glaube nicht klar anzeigen würde? Wer könnte es hinnehmen, dass
ein Mensch, ein Sünder, ein aus dem Nichts gezogenes Wesen ein solches Wunder
vollbringen und als Meister seinem Gott befehlen kann und dem jeden Tag unverzüglich
Gehorsam geleistet wird? 8
Man ist erstaunt, dass Josua der Sonne befohlen hat, still zu stehen; und die
Hl. Schrift selbst bewundert diese Herablassung Gottes, der sich der Anweisung
eines menschlichen Wesens beugt: "Der
Herr hörte auf die Stimme eines Menschen" 9.
Aber beim Anblick eines Priesters, der Jesus Christus befiehlt, auf den Altar
herabzusteigen, um das Opferlamm des hl. Messopfers zu werden, kann man nur
schweigend einen so wunderbaren Plan der göttlichen Barmherzigkeit, anbeten.
Ja, was denn! Wenn die Kirche
über das Geheimnis der Menschwerdung spricht und dabei glaubt viel zu sagen,
wenn sie dem Sohn Gottes dafür dankt, dass er sich nicht gescheut hat, im Schoß
einer Jungfrau Fleisch anzunehmen, was muss man dann erst vom Priester denken,
der selber nur ein Häuflein Elend und Sünde ist? Die heiligen Handlungen, die
er ausübt, erfordern hervorragende Tugenden. Diese stellen den Vorbehalt und
die Bedingung des Priestertums dar, zu welchem weder Vererbung noch die Geburt
ein Anrecht bieten. Die Apostel waren Leute aus bescheidenen Verhältnissen,
aber sie waren reich an Tugend.
Erbittet diese priesterlichen
Tugenden von ihnen für uns, euren Hirten. Ihr habt davon ebenso einen Nutzen
wie wir, da wir ja für euch Priester sind und für euch zum Altare schreiten.
Es ist freilich richtig, dass unsere Unwürdigkeit nichts vom Wert des hl. Opfers wegnimmt;
dass wir durch die
hl. Messe Gott die gleiche Ehre erweisen, wie sie ihm Jesus Christus auf dem
Kreuz dargebracht hat.
Ja, der zelebrierende Priester
erweist Gott eine unendlich größere Ehre, indem er Jesus Christus opfert, als
alle Menschen durch das Opfer ihres eigenen Lebens. Was sage ich? Mit einer
einzigen hl. Messe lässt der Priester der erhabenen Majestät mehr Ehre zukommen, als alle Heiligen im Himmel im Verein mit den Engeln und die seligste
Jungfrau leisten oder jemals leisten werden. Der Grund liegt darin, dass alle
zusammen Gott nur einen Kult mit beschränktem Wert erweisen, während der
Priester Gott Jesus Christus darbringt; dieser aber besitzt eine unendliche Würde
10.
Sein Opfer ist an Verdienst und Genugtuung dem Opfer am Kreuze ebenbürtig:
"die Feier der hl. Messe ist soviel wert wie der Tod Christi am Kreuze"
11.
Aber warum braucht es dann
jeden Tag und jede Stunde soviel Messen? Wir müssen die unendliche Güte Gottes
richtig verstehen. Jetzt, wo durch die Erlösung alle Sünden der Welt gesühnt
und vernichtet sind, bezwecken die überall und jederzeit gefeierten Messen, dass
den reumütigen und gläubigen Menschen die Früchte zukommen. Sie dienen, uns
zu bekehren, uns mit himmlischem Segen zu erfüllen, uns an Tugend und
Heiligkeit wachsen zu lassen, Gottes Gunst zu erlangen und die Strafen für
unsere Sünden von uns abzuhalten.
Ohne die hl. Messe hätte Gott
die Schuldigen schon längst geschlagen und die Welt vernichtet 12.
Aber im Anbetracht des geopferten Jesus erwirkt uns sein göttliches Blut auf
den Altären weiterhin Gnade und Barmherzigkeit.
Dies hatte Jakob im Bild der
geheimnisvollen Leiter zwischen Himmel und Erde gesehen - er sah auch, wie die
Engel fortwährend auf- und niederstiegen.
Dies ist das Bild für den
Dienst, den wir nun in eurer Mitte auszuüben beginnen, und auch für die
notwendige Heiligkeit, um ihn würdig zu vollziehen.
Ja, wir werden eure Namen am
hl. Altar erwähnen, wir werden eure Herzen zu Füßen des Thrones des
geschlachteten Lammes hintragen, wir werden alle ein einziges Opfer darbringen,
das Opfer des Vaters und seiner Kinder, des Hirten und seiner Schafe; wir sind
bereits durch den Glauben vereint, aber am Altare vereinigen wir uns noch enger
durch die göttliche Liebe, die uns an Jesus Christus bindet, dem Ursprung und
Ziel jeder Vereinigung und jeder Liebe.
2. Das
Heil der Seelen.
- Wir haben gesagt, dass der
Zweck des Priestertums die Verherrlichung Gottes und dann das Heil der Welt ist.
Als Gott das All erschuf, hat
er es allein und nur durch einen Willensakt erschaffen. Aber als er den durch
die Erbsünde verlorenen Menschen loskaufen wollte, da hat er sich - als wäre
er auf Hilfe angewiesen - Mitarbeiter, eben die Priester, ausgewählt; er hat
sie abgesondert, unterrichtet und für diesen so großen und so schwierigen
Dienst geweiht 13.
Er hätte Engel auswählen können,
die die Menschen durch die Vollkommenheit ihres Wesens übertreffen. Indem Gott
ihnen jedoch Menschen, sündige Menschen vorgezogen hat, beschämte er Satan
durch die Opfer seiner Hinterlist und streckte ihn durch die Trophäen seines
Sieges zu Boden. Dadurch zeigte er seine Macht, da er sich so schwacher und
armseliger Geschöpfe bediente, um sie zu seinen Stellvertretern einzusetzen,
seinen Bevollmächtigten, zu einem anderen Christus bei ihren Brüdern. Dadurch
bewies er der Welt, dass er sich mit der irdischen Weisheit spielt und tun kann,
was er will und durch wen er will.
Jesus Christus wollte also
seine Priester an der ehrenvollen Sendung, die er von seinem Vater erhalten
hatte, beteiligt wissen: die Erlösung und das Heil des Menschenge-schlechtes
vollziehen. Und betrachtet seine Vorgangsweise:
Während der drei Jahre seines
öffentlichen Wirkens bemüht er sich, seine Apostel zu schulen; er unterrichtet
sie über die Bedeutung und das Geheimnis des Himmelreiches, während er darüber
zu anderen Zuhörern in Gleichnissen spricht 14;
später erklärten dann die Apostel den genaueren Sinn davon. Freilich hat Jesus
die Sakramente des neuen Bundes eingesetzt, aber er hat sich mit deren
Einsetzung beschränkt und überließ seinen Aposteln die Anweisung und Sorge,
dieselben den Gläubigen nach dem Ritus, mit den von ihm von vornherein
festgelegten Elementen zu spenden. Ja, beim Letzten Abendmahl hat er den
Aposteln die hl. Kommunion gereicht, weil das neue Pascha diese Ergänzung der
eucharistischen Konsekration verlangte.
Es genügte ihm, seine
Religion auf dem unerschütterlichen Fundament seiner Gottheit zu gründen, sie
klar in seinen Predigten zu veröffentlichen und durch seine Wunder
unbestreitbar zu bezeugen. Dann gab er sein Blut und sein Leben als Lösegeld für
die Welt, nachdem er einen priesterlichen Stamm, eine Gesellschaft bevorzugter Männer
gegründet hatte, welche die Treuhänder seiner Lehre sein sollten, die
unfehlbaren Ausleger seines Gesetzes, die Väter und Hirten der Seelen, die er
durch seinen Tod zum Leben der Gnade erwecken sollte, die Ärzte und Aussöhnen der Sünder, die Richter über Himmel und Hölle 15.
Gleichfalls hat Jesus Christus
seinen Priestern das Recht und die Pflicht hinterlassen, dass sie ihn als
Opferlamm zur Verherrlichung seines himmlischen Vaters darbringen; damit hat er
ihnen auch den Schatz seiner unendlichen Verdienste reserviert, um daraus je
nach den Bedürfnissen der Menschen zu schöpfen, um sie im rechten Glauben zu
bewahren, sie die Hindernisse zum Heil überwinden zu lassen und in der Tugend
und Heiligkeit zu erhalten.
Wie man daher nicht ohne den
Glauben an Jesus Christus und seine Kirche gerettet werden kann, so kann man
auch nicht zu Jesus Christus kommen, noch seiner Kirche angehören, ohne dabei
durch den Dienst der Priester geleitet und unterstützt zu werden.
Die christliche Vernunft macht
es daher den Gläubigen zur Pflicht, dass sie mit den gleichen Gefühlen und
demselben Vertrauen sich an die Priester wenden wie an Jesus Christus.
Überlegen
wir uns jedoch im einzelnen den Gegenstand ihres priesterlichen Dienstes.
* * *
Vor allem ist der Priester der
Verkünder des Glaubens: "Ihr seid
das Licht der Welt!" Jesus Christus hat zu den Aposteln gesagt: "Geht
hinaus und lehret alle Völker", geht und verkündet die göttliche
Lehre, welche ihr aus meinem Mund vernommen habt! Macht bekannt meine Gebote
und meinen absoluten Willen, dass ich sie gelebt und respektiert sehen möchte.
Ich übertrage euch meine Autorität. Wer euch hört, der hört mich. Unterstreicht
mein Gesetz durch das Versprechen von Gütern, sogar auf dieser
Welt: Frieden, Freude, Glück, gewährt in diesem Leben als ein sicheres
Unterpfand der ewigen Belohnung, welche den treuen Dienern vorbehalten ist. Wer
glaubt, wird gerettet werden.
Aber vielleicht zieht sich der
Priester durch die Armut und Einfachheit seines Dienstes Verachtung und
Verwirrung zu von Seiten der Großen dieser Welt, die nur nach äußerem Prunk
streben, wie auch den Neid der Kleinen, welche auf seine Würde, seine
Privilegien eifersüchtig sind und sich in ihrer Mittelmäßigkeit schämen.
Jesus Christus hat dafür
vorgebeugt, indem er ihn mit Respekt ausgerüstet hat. Der priesterliche
Charakter des Geistlichen hat bewirkt...
Hier endet das Manuskript,
aber man kann es ergänzen durch weiterführende Gedanken, die man nachlesen
kann in der Konferenz: „Göttliche Größe
und apostolische Tätigkeit des Priesters"; diese ist gleich aufgebaut
wie der dargestellte Entwurf; auch der zweite Teil dieses Bandes kann als
Vervollständigung des Gesagten betrachtet werden.

1 De sacerd. ante fin., S. 3.
2 Joh 15, 16.
3 Hebr 5, 5.
4 Num 26, 10.
5 1 Sam 15, 22-26.
6
Z.B. Greg. d. Gr.; Alph. v.
Lig.: 'Übung der Liebe Jesu Christi'.
7 Vgl. Joh 10, 1.
8 In Joan. lib. X, 1.
9
Vgl Weish 12, 18.
10 O-Antiphon, vgl Weish 8, 1.
11 De Summo Bono, c. 34, sent. 3.
12 Kol 1, 22.
13 1 Kor 11, 28.
14 Weish 4, 9.
15 Ps 40(41), 13.
16 Ps 25(26), 8 u. 11.
17 Epist. 125.
18
Epist. 8.
19 Bernh. De conv. ad Cler., c. 19, 68.
20
1 Tim 3, 6.
21 Joh 15, 16.
22
Thom. Aquin. II-IIae, q. c, art. 5 ad 3.
23 Phil 2, 20-22.
24 1 Kor 4, 2.
1
1 Kor 3, 9.
2 Joh 14, 20.
3 Lk 10, 16.
4 Mt 10, 40.
5 Joh 20, 21.
6
2 Kor 5, 20.
7 Mt 28, 19.
8 Joh 20, 23.
9
Lk 12, 49.
10 Joh 14, 16. 17.
11 Joh 16, 13.
12 Mt 10, 19. 20.
13 Lk 12, 12.
14 Lk 12, 12.
15 Röm 1, 21.
16 Röm 10, 17.14.
17 Mt 26, 31.
1 Epist. lib. ep. 2.
2
Petr. Damasc. Op. 18, dissert. I, c.1.
3 Isid. hisp. Epist. ad Hellad. episc.
4 Joh 17, 22.
5 Joh 17, 19.
6 Lev 11,44 und mehrmals ibidem.
7 Lk 12, 48.
8
Ps 23, 3.
9 Hom. 17 in Evang.
10 Kol 1, 24. 25.
11 1 Tim 4, 12. 15. 16.
12 Hom 43 sup. Math. 9, 5.
13 Hom. 17 sup. Evang.
14 Das ist eine rührende Huldigung an seinen Freund und Wetteiferer in der Heiligkeit (Anm. des Herausg.)
1 Lk 1, 31-33.
2 Offb 12, 1.
3 Lk 2, 49.
4 Joh 2, 4.
5 Lk 2, 51.
6
Joh 2, 5.
7 Ambr. De dign. sac. cap. 3 (inter ejus opera).
8 Bern. Serm. de conv. ad cler., c. 30.
9 Cypr. De sac. p. I, tit. 2.
10 Lk 1, 35.
11 Nachf. Chr. IV. B., Kap. 5, Nr. 1.
12 Jos 10, 14.
13 Nachf. Chr, ibidem.
14 Joh 20, 21.
15 Mt 28, 18 ff.
15
Vinz. Ferr., Sermo I in festo Corporis Christi; Bernh. v. Siena, Sermo 20.
17 Hebr 5, 2.
1
Vgl Joel 1, 13; 2, 17.
2 Apg 10, 38.
3
Mt 8, 7.
4 1 Kor 11, 26.
5 1 Sam 4, 18.
6
De Eccles. hierar., c. 3.
7 De consid. lib. II, G.
8 Isid. hisp. De summo Bono, lib. 3, c. 31, sent.7.
9 Koh 44, 17.
10 Exod 32, 11. 14.
11 De Missa, c. 5.
12 Greg. Naz., orat. I, Nr.125.
13
De Condren, de Bérulle.
14 Apolog.
15 Is 52, 11.
1 Joh 20, 21.
2 Lk 1, 69.
3
Vgl Mk 1, 4.
4 Lk 10, 16.
5 Sess. 22, c. 2.
6 Hom. 60, ad pop. Antioch.
7
Ps 33, 9.
8 Molina, Instr. sac. trac. I, c. 13.
9 Jos 10, 14.
10 Alf. v. Lig., Selva, lect. I, n.2.
11
J. Herold, De Sanct., s. 48.
12 Léonhard de Port. Maurice, Le Trésor caché, Kap. 1, art. 2.
13
In opere creationis non fuit qui adiuvaret spiritum Dei, in mysterio vero
Redemptionis nostrae voluit habere coadiutores - Petr. Serm. 47.
14 Mk 4,11.
15 An einer ähnlichen Stelle erklärte der Heilige seinen Gedanken so: "Kann der Priester verurteilen? Nein, aber dadurch, daß er von seiner Vollmacht Gebrauch macht, die Fehler der unbußfertigen Sünder nicht zu vergeben, entzieht er ihnen das gewöhnliche Mittel, der Hölle zu entgehen; er vermag nichts anderes,als sie der unendlichen Barmherzigkeit Gottes zu überlassen" (Anm. des Herausg.)