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Hl. Peter - Julian EYMARD Der Priester
Teil III. Priester-Exerzitien
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"Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade,
jetzt ist er da, der Tag der Rettung"
(2 Kor
6,2)
Im Laufe des Lebens gibt es
schöne Tage, Tage der Glorie und der Glücksfälle; sie sind spärlich und
kostbar, man vergisst sie nie.
Es gibt auch feierliche Tage,
die das Los eines Menschen entscheiden. Man bereitet sich sorgfältig darauf
vor, man opfert dafür alles.
Auch im Priesterleben gibt es
schöne Tage, feierliche Tage, an denen uns die göttlichen Schatzkammern offen stehen
und die für unsere Ewigkeit entscheidend sind.
Dies sind die Tage der
Exerzitien. Es sind Tage der Gnade und Barmherzigkeit, an denen uns Gott die
absolute Vergebung anbietet.
Es sind Tage der Liebe und des
Glücks, an denen sich Gott der Seele in einer unaussprechlichen Weise zeigt.
Es sind wertvolle Tage, denn
sie allein reichen aus, dass wir uns entschieden auf den Weg der Heiligkeit
begeben.
Wir
sollen sie also ordentlich nützen, denn sie sind kurz.
Ecce nunc... Möge uns Maria,
die Königin des Klerus, die die Exerzitien der Apostel im Abendmahlssaal anführte,
begleiten und uns während dieser hl. Exerzitien beistehen.
* * *
Was
sind Exerzitien?
Jesus wird es uns lehren. Er
spricht zu uns wie zu den Aposteln: venite
seorsum et requiescite pusillum 1.
Betrachten
wir diese Worte.
1. venite - kommt! Es ist
Jesus Christus, der euch ruft. Wohlgemerkt, er selbst ist es, der euch einladet,
denn es geht um etwas Wichtiges.
Ihr fürchtet euch vielleicht
vor einem solchen Ruf? Macht euch euer Gewissen Vorwürfe wegen Untreue? Ihr fürchtet
den Ruf eines Meisters, den Spruch eines Richters?
Seid beruhigt. Es ist ein
Vater, der in seiner Liebe ruft und zu euch sagt: "Kommt,
ihr Kinder, hört mir zu, ich will euch in der Furcht des Herrn
unterweisen" 2.
Es ist Jesus, der euch mit
seiner Liebe ruft und so vielen anderen vorzieht, die vielleicht viel treuer,
aber weniger glücklich sind als ihr.
Kommt mit Freude und werft
euch in seine Arme! Es ist vielleicht schon lange her, dass ihr seine so milde
Stimme nicht mehr vernommen habt.
Kommt
mit einem großmütigen Herzen. Verlasst alles, wie die Apostel.
Kommt
eilends. Oft ruft er nur einmal.
2. Venite seorsum in desertum
locum.-
Aber wohin möchte er euch führen?
Weg vom Lärm und der Hektik der Welt. Seine Stimme, sagt der Prophet, ist wie
ein leises Säuseln 3.
Es bedarf einer großen Ruhe,
um ihn zu vernehmen; und daher ruft er euch ins Schweigen, in die Einsamkeit
der Wüste. Nur hier wird er zu eurem Herzen sprechen: "Ich will sie in die Wüste hinausführen und sie umwerben" 4.
Dies ist eine unverzichtbare
Bedingung: er will euch allein; er will mit euch allein die Be-lange eurer Seele
und eurer Ewigkeit besprechen.
Verlasst also ohne Bedauern für
einige Tage eure Amtdienste, eure Beziehungen mit Familie und Gesellschaft.
Intrate toti - begebt euch
voll hinein 5.
Lasst nichts von euch in der Welt zurück. Bekümmertheit, Projekte usw....,
die euch von eurer einzigen Beschäftigung abhalten würden: überlasst das
alles den Händen Gottes zu Füßen des hl. Berges, den ihr in Freiheit mit
allen euren Fähigkeiten erklimmen müsst.
Manete soli - bleibt allein 6,
wenn ihr wie neue Mensche aus den Exerzitien hervorgehen wollt.
Denn Jesus Christus ruft euch
nur zu den Exerzitien, um euch mehr zu heiligen, um den inneren Menschen in Euch
zu erneuern und euch damit zu würdigen Dienern und zu Aposteln seiner
erhabensten Liebe für die Seelen zu machen.
Das
ist der Zweck seines Rufes, das Ziel eurer Exerzitien.
3. Aber wie wird euch Jesus
heiligen? Mit welchem Mittel wird er euch im Geist eurer erhabenen
priesterlichen Berufung erneuern? Was wird er von euch verlangen, um euch die
wertvollsten Gnaden mitzuteilen? Bewundert an dieser Stelle seine freigebige Güte!
"venite seorsum - et requiescite pusillum - kommt mit
an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus!"
Es ist, als hätte er zu euch gesagt:
a) Ihr habt hart gearbeitet;
ich bin mit euch zufrieden und als Beweis meiner Liebe erlaube ich euch, zu mir,
eurem König und eurem Gott, zu kommen. Komm, du guter und treuer Knecht. Ich
stehe euch ganz zu Verfügung, um euch anzuhören, wie ihr mir eure Freuden und
Leiden, eure Erfolge und Misserfolge erzählt; mit euch werde ich meinen
himmlischen Vater preisen, dem alle Ehre, Verherrlichung und Danksagung gebührt.
b) Aber vielleicht hat euch
die Arbeit ermüdet, eure Kräfte bedürfen der Erneuerung, um wieder den
jugendlichen Schwung zu bekommen, gleich der Wucht des Adlers 7;
eure Seele verschmachtet vor Ermattung, sie bedarf einer reichhaltigeren,
geistlichen Nahrung; um sie mit mehr Gebet, mehr göttlicher Wahrheit zu nähren,
um sie zu einem Leben voller Gesundheit und mit gutem Willen zurückzubringen,
sage ich euch: venite, requiescite
pusillum.
Es ist nicht verwunderlich, dass
ihr einen Zustand großer Schwäche erleidet. Ihr habt mehr gearbeitet, als es
eure Kräfte erlaubten. Der Seeleneifer nach außen hat euch zu sehr
beansprucht; ihr habt ständig aus euch verschenkt und so nach und nach in euch
die Salbung und den Geist des Gebetes verbraucht. Ihr wart der Meinung, dass ihr
eure Seele rettet, indem ihr von Gott redet, erbaut, den Nächsten rettet; das
stimmt; aber mein Sohn, der Priester muss von Zeit zu Zeit eine Verschnaufpause
einlegen, sich neu stärken im Gebet, in der Betrachtung über die ewigen
Wahrheiten, so wie es die Apostel getan haben: "Wir
aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben" 8.
Das habe ich selber getan, um
euch als Beispiel zu dienen, indem ich mich heimlich von der Volksmenge zurückgezogen
habe, um allein auf den Berg zu gehen, und dort die Nacht im Gebet mit Gott zu
verbringen. Fugit in montem ipse solus...
et erat pernoctans in oratione Dei 9.
Kommt also und stellt eure
erschöpften Kräfte wieder her; kommt und füllt den ausgetrockneten Behälter
eurer Seele neu auf, damit ihr aus eurer Überfülle wieder austeilen könnt.
Kommt zu den Exerzitien zur
Erneuerung der Einsatzfreudigkeit und Hingebung eures Seeleneifers. Ihr werdet
zurückkehren wie aus einem Abendmahlssaal, erfüllt mit dem Hl. Geist, mit den
Gnaden und Tugenden eures Standes.
Wenn dir aber, o mein
Priester, in meinem Dienst ein Missgeschick getroffen hat, wenn dir mein Feind
Fallen gestellt hat, wenn deine Seele krank war, wo du doch die Wunden anderer
heilst, die mit Glauben und Vertrauen zu dir kommen, ach, dann verheimliche mir,
deinem göttlichen Arzt, deine Wunden nicht.
Fliehe nicht vor mir aus Scham
oder Furcht, ich bin ja dein Vater. Schiebe es nicht länger hinaus, du leidest
schon lange genug, warte nicht mehr zu; deine Krankheit könnte fatal werden.
Wenn du es auf später, auf das Sterben verschiebst, könntest du mich
vielleicht nicht mehr finden.
Komm jetzt, komme und sage mir
deine Leiden, und ich werde sie lindern; ich werde dich heilen. Venite ad me...
Ihr sollt daher mit Vertrauen
in diese Exerzitien eintreten. Hier weichen die verborgensten Fehler, die
verwurzeltsten Laster, die tyrannisierendsten Leidenschaften, alles weicht hier
unter der Wirkung dieser außergewöhnlichen und beinahe wunderbaren Gnade der
Exerzitien. Sie ist wirklich der Triumph der Gnade Jesu Christi.
* * *
Mehr noch: die Exerzitien
haben den Zweck, die Seele zu einem höheren Tugendgrad zu heben, um ihr größere
Gnaden zu vermitteln und sie inniger mit Jesus Christus zu vereinigen.
Als Gott Abraham zum "Vater
der Glaubenden" machen will, sagt er zu ihm: "Zieh
weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das
Land, das ich dir zeigen werde" 10.
Als er Moses zum Befreier
Israels bestellen will, führt er ihn in die Wüste und spricht zu ihm im
brennenden Dornbusch; später lässt er ihn den Sinai besteigen; dort hüllt er
ihn in eine Wolke und bereitet ihn vor, das Gesetz des Alten Bundes zu
empfangen.
Wenn die Propheten eine
besondere Aufgabe vor sich hatten, zogen sie sich, wie Elias und Jeremias, in
die Einsamkeit, "in die Höhlen und
Schluchten des Landes" zurück, um sich zu stärken.
Ist der Priester nicht der
Vater der Seelen, der Gläubigen, ihr Führer und Befreier in der Heilsordnung;
derjenige, der sie unterrichtet und ihnen im Namen des Herrn befiehlt? Muss sich
nicht auch er in Exerzitien ständig für seine Sendung weiterbilden, die Stimme
Gottes hören, seine Anweisungen vor dem brennenden Dornbusch der Eucharistie in
Empfang nehmen?
Wenn wir zum Neuen Testament
übergehen, sind die Beispiele nicht weniger überzeugend:
Der hl. Johannes der Täufer hält
sich lange Jahre in der Wüste auf als Vorbereitung für einen sehr kurzen
Auftrag, dessen alleiniger Zweck die Ankündigung des Messias war; ecce Agnus Dei - Seht das Lamm Gottes!
Jesus Christus selbst führt während
dreißig Jahren in Nazaret ein verborgenes Leben. Damit nicht zufrieden, zieht
er sich während 40 Tagen in die Wüste zurück, bevor er seine evangelische
Mission begann. Und was für Exerzitien waren doch die drei Stunden des
Todeskampfes in Gethsemani vor seiner Hinopferung am Kreuze!
Auf Anweisung ihres Meisters
schließen sich die Apostel im Abendmahlssaal ein, wo sie den Hl. Geist
empfangen und sich auf die Gründung der Kirche vorbereiten werden.
Ist es nicht die Verborgenheit
der Privatwohnungen oder der Katakomben, in der sich die Bischöfe und Priester
der ersten Jahrhunderte versammelten, um die Hl. Eucharistie zu feiern und sich
für das Martyrium vorzubereiten?
Der Priester hat eine größere
Sendung als jene von Johannes dem Täufer; er ist beauftragt, Jesus Christus
der Welt zu schenken. Wird von ihm zuviel verlangt, sich einige Tage zu erneuern
und in seiner Berufung zu vervollkommnen? Und sind nicht die gegenwärtigen Zeiten für die Kirche ungünstig? Die Verfolgung droht in dieser oder jener
Form überall. Der Priester bedarf einer größeren Kraft, einer großmütigeren
Tugend, die zum Heldentum befähigt. Wo sollen diese Kräfte geschöpft werden
außer in den Exerzitien? Hier formen sich die großen Seelen.
* * *
Im Hinblick auf die so große
Güte unseres Herrn, der uns zum größeren Wohl unserer Seele zu sich ruft, was
wird hier unsere Antwort sein? Es wird eine zweifache Antwort sein: Herr, ich
sehe ein, dass ich die Exerzitien notwendig habe, somit will ich sie halten, u.
zw. gut halten.
a) Sie halten wollen - also
dafür einen entschlossenen und standhaften Willen aufbringen.
b) Sie gut halten - dazu ist
wichtig: Einheit des Zweckes und der Mittel; den Goliath, unseren Hauptfehler,
herausfinden; die für unsere Seele notwendigste Tugend suchen; eine große
Treue zeigen in allen Übungen und in jeder einzelnen; denn sich nachlässig erweisen, würde die Gefahr bedeuten, das Ziel zu verfehlen; oft hängt der
Sieg gerade von einer nochmaligen Willensanstrengung ab; sich die Gefühle
tiefen Vertrauens zu erhalten suchen: der Priester braucht diese mehr als
andere, sei es, um aus einer weniger guten Vergangenheit zurückzukehren, sei
es, um in eine vollkommenere Zukunft fortzuschreiten.
Euge, serve bone et fidelis. Intra in gaudium Domini tui -
du guter und getreuer Knecht, geh ein in die Freude deines Herrn!
Glücklich zu preisen seid
ihr, wenn ihr als neues Geschöpf in Christus 11
hervorgehen, wie die Apostel, als sie den Abendmahlssaal verließen, um
die Welt für Jesus Christus zu erobern.
Wiedergutmachung und Reinigung
1. Betrachtung
Über das Ziel des Menschen
Dies ist eine wichtige und
grundlegende Wahrheit, welche man vielleicht am Beginn der hl. Exerzitien zu
wenig Beachtung schenkt.
Tatsächlich besteht die große
Wissenschaft des Menschen darin, dass er sein Ziel erkennt; hier liegt seine
Vollkommenheit und sein Glück.
Mit allen Kräften und allen
zur Verfügung stehenden Mitteln seinem
Ziel zustreben, das ist für den Menschen eine unabdingbare und gebieterische
Pflicht. Verstand und Glauben bestätigen uns diese Wahrheit.
* * *
A) Der Verstand
1.- Was den Geist des Menschen
besonders trifft, ist die Feststellung, dass die Güter dieser Welt nicht sein
Ziel sind und es nicht sein können.
a) Sie sind es nicht.
Haben sie jemals einen
Menschen glücklich gemacht? Also dann?... Salomo besaß alles: "Was immer meine Augen sich wünschten, verwehrte ich ihnen nicht. Ich musste meinem Herzen keine einzige Freude versagen. Denn mein Herz konnte immer durch
meinen ganzen Besitz Freude gewinnen. Und das war mein Anteil, den ich durch
meinen ganzen Besitz gewinnen konnte. Dann dachte ich nach über alle meine
Taten... Das Ergebnis: Das ist alles Windhauch und Luftgespinst. Es gibt keinen
Vorteil unter der Sonne" 1.
O
wie die Menschen blind sind! Sie laufen dem Windhauch nach.
b) Sie können es nicht
sein. Der Mensch ist vollkommener
und ist daher mehr wert als alles Gold der Welt, das letzten Endes nur ein wenig
Staub ist, dem der Ehrgeiz einen Wert verleiht.
Die menschliche Ehre ist
launisch und ungerecht; sie ehrt oft nur geglückte und kühne Verbrechen.
Die fleischlichen Freuden
unterwerfen den Geist unter die Sinne; sie verderben und degradieren den
Menschen.
Und dennoch: "Alles, was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches, die Begierde der
Augen und das Prahlen mit dem Besitz ... ist von der Welt" 2.
Nun, die Welt geht vorüber und auch ihre Begierde 3.
2) Die vernunftbegabten Geschöpfe
sind ebenso nicht unser Ziel. - Der Mensch kann das Wesen seiner Art nicht
vollkommener und selig machen. "Um
die Liebe zu den Geschöpfen
ist es ein trüglichtes, unstetes Ding... Wer sich
an ein Geschöpf hängt, fällt mit dem Hinfälligen... Traue nicht und stütze
dich nicht auf ein Schilfrohr, das der Wind hin und her bewegt. Denn alles
Fleisch ist Heu, und alle Herrlichkeit des Fleisches fällt ab wie eine Heublume"
4.
Darin aber liegt das
Verbrechen der Welt. "Sie beteten das
Geschöpf an und verehrten es anstelle des Schöpfers, gepriesen ist er in
Ewigkeit" 5.
3. Der Mensch kann nicht
Selbstzweck sein. - Er kommt nicht aus sich selbst, ist also nicht seine
Erstursache; er kommt auch nicht aus eigener Kraft; sein Leben liegt nicht in
seiner Hand; er kann nicht immerfort in sich selbst leben, ständig nur sich
selber zugewandt, denn der Egoismus ist der grausamste Henker des Menschen;
zudem erschrickt der Mensch vor sich selbst, wenn er seine Armseligkeit und
Nichtigkeit betrachtet.
* * *
B) Der Glaube
Er zeigt uns, dass Gott allein
das Ziel des Menschen sein kann. Ihm allein ist es nämlich möglich, den
Menschen auf eine höhere Stufe zu heben, als es seiner Natur entspricht, und
ihn auf vollkommene Weise zu beseligen, nämlich durch den unabänderlichen
Besitz des erhabensten Gutes.
Er
vervollkommnet ihn in diesem Leben; er macht ihn selig in der Ewigkeit.
Der Mensch ist erschaffen,
damit er Gott erkenne, ihn liebe und ihm diene. "Für
dich, o Gott, hast du uns geschaffen und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in
dir" 6.
Daher lautet das göttliche Gebot: "Du
sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen" 7.
Der hl. Augustinus zieht
daraus den Schluss: Der Weise 8
spricht: "Fürchte Gott und achte auf
seine Gebote! Denn darin liegt der Sinn jedes Menschen.
- Was könnte kürzer,
wahrer und heilsamer gesagt werden? ... Wer nämlich das nicht beachtet, ist
nichts" 9.
Der
hl. Johannes sagte: "Wer nicht liebt,
bleibt im Tod" 10.
Und um wie viel wahrer ist dies
in der übernatürlichen Ordnung! ein anderes Zitat: "Erkenne deine Würde, o Christ; als Teilhaber an der göttlichen Natur
geschaffen, kehre nicht mehr zurück zur alten Wertlosigkeit durch entarteten
Verkehr" 11.
Gott erkennen bedeutet die
Vollkommenheit unseres Geistes: "Das
ist das ewige Leben: dich, den einzigen, wahren Gott, zu erkennen und Jesus
Christus, den du gesandt hast" 12.
Gott lieben bedeutet die
Vollkommenheit unseres Herzens; sie erfüllt, erweitert und veredelt unser
Herz. Gott dienen bedeutet die Vollkommenheit unseres Lebens: "Ihm dienen bedeutet herrschen" 13.
Aus dieser allgemeinen
Wahrheit soll man mehrere Überlegungen anstellen und Schlüsse ziehen.
1. Überlegungen.
a) Ich komme von Gott.
Er ist mein Schöpfer, d.h. er hat mich so gemacht, wie ich bin, ohne jegliches
Verdienst von meiner Seite, sondern durch den reinen Beweggrund seiner Liebe zu
mir - eine ewige Liebe. Wie gut ist Gott!
Er hat mich als Menschen
geschaffen, d.h. als oberstes aller irdischen Wesen: "paulo minus ab angelis" 14.
Welches Glück! Durch die menschliche Natur ein Bruder Jesu Christi: "Das
Wort ist Fleisch geworden" 15.
Welche Ehre!
Durch meine Erschaffung hat er
mich so vielen anderen vorgezogen, welche hätten da-sein können; mit allen
meinen Sinnen, allen meinen Fähigkeiten, wo es doch so viele unvollkommene,
kranke Menschen gibt. Welch privilegierendes Wohlwollen!
Er hat mich nach seinem Abbild
geschaffen, ja noch viel mehr: er erschafft mich ohne Unterlass, indem er mir
das Leben erhält, sonst würde ich in das Nichts zurückfallen. Welch väterliche
Obhut!
b) Somit gehöre ich Gott,
ich bin einer von ihm; ihm verdanke ich jeden Augenblick alles, was ich bin. Ich
bin sein Werk, sein Eigentum; er besitzt über mich alle Rechte wie ein
Handwerker über das Werk seiner Arbeit, wie ein Vater über sein Kind, das aus
seinem Fleisch geboren wurde.
Ich gehöre ihm allein und für
immer; niemand kann ihm jemals diese Rechte nehmen, er wird sie in Ewigkeit
behalten.
Infolgedessen muss ich mich in
allem seinem Willen unterwerfen; gleich bei dessen Kundwerden ihn annehmen, u.
zw. so wie er ist, und ihn erfüllen mit gleichbleibender Treue.
Habe ich aber nicht das Joch
Gottes murrend getragen wie die Juden, zitternd vor Furcht wie ein Sklave?
Glaube ich tatsächlich an das Wort: "Ihm
dienen bedeutet Herrschen"?
c) Ich bin da für Gott.
Er wollte für mich ein Ziel, das seiner und meiner würdig ist. Dieses Ziel ist
er selbst. Auch all mein Tun muss so geschehen, dass es zu seiner Ehre
geschieht: "ob ihr also esst
oder
trinkt oder etwas anderes tut: tut alles zur Verherrlichung Gottes!" 16
Jede Sünde ist eine
Verletzung dieses Gesetzes; sie macht ein Werk unfruchtbar und unfähig, Gott zu
gefallen.
Alles, was nicht Gott zum Ziel
hat, ist verloren. Selbst wenn diese Taten an sich die heiligsten und
heldenhaftesten wären, er erkennt sie nicht an: "nescio
vos - ich kenne euch nicht" 17.
Ohne geradlinige Absicht und umsomehr ohne den Stand der Gnade bleibt nichts
davon für den Himmel: magni passus, sed extra viam - große Schritte, aber auf
dem falschen Weg.
Wie steht es diesbezüglich in
meinem Leben? In welchem Ausmaß ist es im Buch des Lebens verzeichnet?
2. Schlussfolgerungen.
- Ich muss also eifrigst darauf hinarbeiten, mein Ziel zu
erreichen, das Heil meiner Seele sicherzustellen.
Jesus Christus will:
a) dass ich vor allem darauf
hinarbeite: "suchet zuerst das Reich
Gottes und seine Gerechtigkeit" 18.
Es ist nichts einsichtiger, als den Himmel der Erde, die ewigen Güter den
verderblichen Gütern vorzuziehen. Nichts ist würdiger, als die Seele dem Leib,
den Schöpfer dem Geschöpf vorzuziehen.
Vor einer Entscheidung mit größerer
Bedeutung sich immerfort fragen: quid hoc
ad salutem? - dient mir dies zum Heil?
b) Ich soll in allem darauf
hinarbeiten. Was mir von ihm gegeben wurde, muss zu seinem Nutzen eingesetzt
werden: "redde rationem villicationis
tuae - gib Rechenschaft über deine Verwaltung" 19,
ich muss unter seinem wohlwollenden Blick arbeiten: "Pater,
qui videt in abscondito, reddet tibi - dein Vater, der auch das Verborgene
sieht, wird es dir vergelten" 20.
c) Ich soll darauf
hinarbeiten, auch wenn ich alles andere opfern muss. Wenn sich die zeitlichen Güter
nur mit dem Preis der ewigen Güter erhalten lassen: "Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber
seine Seele Schaden leidet?" 21.
Ich soll mit Ausdauer arbeiten: "Keiner,
der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das
Reich Gottes"22
.
Wenn sich die Freundschaft,
das menschliche Wohlwollen nur durch Aufgabe der Freundschaft mit Gott
aufrechterhalten lassen: "nemo potest
duobus dominis servire - niemand kann zwei Herren dienen"
23.
Wenn die Anhänglichkeit an
einen Menschen oder einen Gegenstand ein Hindernis darstellt auf unserem Weg zu
Gott: "Si manus tua, vel pes tuus
scandalizat te, abscinde eum et projice abste - wenn dich deine Hand oder dein
Fuß zum Bösen verführt, dann hau sie ab und wirf sie weg!"
24.
Wenn sich das Leben des Leibes
nur um den Preis des Lebens der Seele erkaufen lässt:
„Fürchtet
euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können"
25
- "... wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es retten" 26.
* * *
Herr, wie schwerwiegend und
leuchtend sind diese Wahrheiten! Bewahre meine Seele in der Sammlung, damit ich
ihre Bedeutung und die Notwendigkeit ihrer Anwendung immer tiefer erfasse!
Die Sammlung brauche ich so
unbedingt, dass ohne dieselbe die Gnade der Exerzitien unfruchtbar bliebe.
Hätte am Pfingsttag ein
Apostel aus Langweile oder Zerstreutheit den Abendmahlssaal verlassen, so hätte
er am Kommen des Hl. Geistes keinen Anteil gehabt. Welch ein Unglück wäre
dies für ihn und für die Seelen gewesen!
Während der Exerzitien will
der Hl. Geist meine Seele besuchen. Herr, möge er sie gesammelt antreffen;
dann werde ich sein Wort vernehmen und seiner Wirkung folgen.
2. Betrachtung
Über
das Ziel
des Christen
und des
Priesters
Nachdem wir über das Ziel des
Menschen allgemein betrachtet haben, überlegen wir uns jene andere
Glaubenswahrheit, welche die erste ergänzt: wir sind Christen und Priester, um
für unser Heil in vollkommenerer Weise zu wirken als andere.
* * *
A) Als
Christ. Im folgenden seien einige Gründe genannt.
1. Wir besitzen mehr Gnaden
als andere Menschen, die noch in der Finsternis des Götzendienstes versunken
sind oder sich in den Irrtümern des Protestantismus und des Schismas verirrt
oder aber in einer gottlosen Umgebung aufgewachsen sind.
Wir besitzen die Gnaden des
wahren Glaubens mit allen göttlichen Wahrheiten; Gnaden der Sakramente mit
allen ihren heiligmachenden Wirkungen; Gnaden der Eingliederung in die Kirche
mit allen Vorteilen der Gemeinschaft der Heiligen.
Nun fordert Gott einen
Tugendgrad, der den von ihm geschenkten Gnaden entspricht: "wenn sich die Geschenke mehren, wachsen auch die Beweggründe der
Geschenke!" 1
Unser
Herr hat selber erklärt, dass "viel
gefordert wird von dem, der viel erhalten hat" 2.
Haben wir tatsächlich die
Gnaden Gottes Früchte tragen lassen, wie jener Knecht fünf oder zwei Talente
erhalten hatte? Haben wir nicht vielmehr jenen Knecht nachgeahmt, von dem es heißt:
"er ging, grub ein Loch in die Erde
und versteckte das Geld seines Herrn" 3.
Was werden wir den Schmähungen
der Häretiker und Heiden antworten, die sich mit weniger Gnaden verdammt haben?
Was soll dem obersten Richter auf seine Vorwürfe geantwortet werden, wenn er
uns die Auserwählten des Naturgesetzes und des Judentums zeigt?
2. Wir haben das Glück, Jesus
Christus zu kennen, ihm anzugehören und seinem Dienst geweiht zu sein.
1. Nun ist das Wissen um Jesus
Christus die größte Gnade, die uns der himmlische Vater erweisen kann. Denn
Jesus Christus ist "der Weg"
4,
der zum Vater führt, und "niemand
gelangt zum Vater außer durch mich" 5.
Ein sicherer Weg: "Wer mir nachfolgt,
wird nicht in der Finsternis
umhergehen" 6;
es ist ein leichter Weg: "mein Joch
drückt nicht und meine Last ist leicht" 7.
Jesus Christus ist auch die
Wahrheit: "Ich bin die Wahrheit"
8.
Er ist das Leben: "ego sum vita"
9.
Die Wahrheit, welche er allen geoffenbart hat, brachte er in vertraulicherer
Weise jenen näher, die ihn lieben und seine Gebote beobachten: "ich
werde mich ihm offenbaren" 10.
Das Leben, das er der Welt gebracht hat, gab er in Überfülle jenem, der in ihm
bleibt: "dieser bringt reiche Frucht"
11.
b) Wir gehören zu Jesus
Christus wie zu einem Erlöser, der uns zu Miterben aller Wohltaten des
himmlischen Vaters gemacht hat; wir gehören zu ihm wie die Glieder, die in
einem lebenden Körper mit dem Kopf verbunden sind: "Ihr
aber seid der Leib Christi, und jeder einzelne ist ein Glied an ihm" 12;
also Glieder, die von ihm leben müssen, so wie der Körper von der Seele lebt.
c) Wir sind geweiht für den
Dienst an Jesus Christus. Also: "non
estis vestri - ihr gehört nicht euch selbst" 13.
Wir haben diese Verpflichtung
durch die Taufe auf uns genommen; wir haben sie unzählige Male in Freiheit
bestätigt. Unser Wort wurde angenommen. Wir nehmen es nicht zurück; und wir
werden über unsere Versprechen gerichtet werden.
Wir haben uns verpflichtet,
Jesus Christus wie seine treuen Jünger zu folgen: "Meister, ich will dir folgen, wohin du auch gehst" 14.
Unter dieser Bedingung hat er uns in seiner Nachfolge angenommen.
Leben aus seinem Leben, ein
zweiter Jesus Christus werden. Es gibt keinen anderen Weg zum Heil für uns als
das Ähnlichwerden mit ihm. "Denn
alle, die er im voraus erkannt hat, hat er auch im voraus dazu bestimmt, an
Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben" 15.
B) Als Priester.
Der
Priester muss ein Leben führen, das zu seiner Würde im Einklang steht.
1. Nun ist die priesterliche Würde
die höchste Würde der Welt 16.
Das Priestertum ist umso erhabener als jedes Reich, als es der Unterschied
zwischen Geist und Fleisch andeuten kann 17.
Worin liegt der Grund? Die Könige herrschen über die Körper, die Priester über
die Seelen 18.
Der hl. Thomas v. Aquin lehrt,
dass die Würde des Priesters jene der Engel übersteigt
19.
Sie ist für die Engel Gegenstand der Bewunderung: "Über
ein so feierliches Privileg eurer Würde staunt der Himmel, ist die Erde
verwundert, erzittert der Mensch und gerät die Schar der Engel in höchste
Hochachtung" 20.
Die priesterliche Würde überragt
im gewissen Sinn jene der seligsten Jungfrau aufgrund der Vollmacht zu
konsekrieren und loszusprechen, die dem Priester übertragen wurde. Gewiss,
nichts ist mit der göttlichen Mutterschaft vergleichbar, durch welche Maria mit
ihrer eigenen Substanz ihren Sohn geformt hat, aber dies fand nur einmal statt
und an einem Ort, während der Priester jeden Tag die Substanz des Brotes in
jene des Leibes Jesu Christi verwandeln kann, und zwar wo immer er sich befindet
21.
Die priesterliche Würde macht
aus dem Priester einen zweiten Jesus Christus durch die Übergabe der Amtvollmachten
und durch die Identität der apostolischen Sendung.
Nun verlangt eine hohe Würde
auch eine große Heiligkeit: "In
allem erweisen wir uns als Gottes Diener" 22,
denn schließlich pflegt nicht die Würde, sondern das Werk der Würde die
Priester zu retten 23.
Er soll so heilig sein, dass sie, in den Himmel versetzt, unter den himmlischen Mächten, in der Mitte zu
stehen kommt 24.
2. Der Priester übt
geheiligte Funktionen aus, die zum würdigen Vollzug von ihm eine überragende
Heiligkeit verlangen.
a) Er ist Mittler zwischen
Gott und den sündigen Menschen. Er muss heiliger sein als sie: "Diejenigen, die Mittler zwischen Gott und dem Volk sind, müssen mit
einem guten Gewissen hinsichtlich Gott und mit einem guten Ruf hinsichtlich der
Menschen hervorleuchten" 25.
- "Mit welcher Gesinnung eignet sich
jemand die Stelle des Fürbitters für das Volk bei Gott an, der es nicht
versteht, durch die Verdienste des Lebens mit seiner Gnade vertraut zu sein?“ 26
b) Er ist der Amtsdiener Jesu
Christi; er weiht ihm seine Seele mit all ihren Fähigkeiten, seinen Leib mit
all seinen Sinnen, damit durch ihn Jesus Christus noch immer sein ewiges
Priestertum auf der Erde ausüben kann. Wenn der Priester in Aktion ist, dann
bildet er mit Jesus Christus eine moralische Person, Gott übt durch den
Priester in sichtlicher Weise seine göttliche Vollmacht aus.
Muss aber dann nicht jene
Hand, welche dieses Fleisch zerteilt, glänzender als der Sonnenstrahl sein,...
und ist es nicht nötig, dass der Empfänger eines solchen Opfers reiner sei? 27
c) Der Priester ist der „Verwalter
der Gnadengaben Gottes" 28.
Alles geht durch seine Hände.
Der Glaube mit seinen göttlichen
Wahrheiten; wie Jesus Christus ist er "Licht
der Welt". Und der Meister hat sein Wort erklärt: "So
soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und
euren Vater im Himmel preisen" 29.
Und der hl. Johannes Chrysostomus fügt den folgenden Kommentar an: Der Priester
muss ein so makelloses Leben führen, damit alle in ihm ein hervorragendes
Beispiel erblicken 30.
Alle Gnaden der Erlösung. Er
ist deren Schatzmeister. Sie selbst sind die Sachwalter des königlichen Hauses,
durch deren Bescheid im Saal des ewigen Königs die Titel und Ämter der
einzelnen verteilt werden 31.
Sein Schiedsspruch soll dem
Urteil Gottes vorangehen. "Es geht
das Urteil des Petrus dem Urteil des Erlösers voraus" 32.
- "Der Herr folgt dem Diener" 33.
Er
segnet und Gott segnet; er vergibt, und Gott vergibt; er betet, und Gott erhört.
Das
ist der Priester! Ohne ihn kann man sich nicht retten.
Durch ihn ist Jesus Christus
der Erlöser. Durch ihn ist der Hl. Geist Heiligmacher der Seelen.
Mit welcher Heiligkeit soll
der Priester in der Welt leuchten? "Vom
Glanz des Lebens, wie das Licht, das den ganzen Erdkreis erleuchtet, muss
der
Geist des Priesters strahlen" 34.
3. Der Priester empfängt mehr
Gnaden als die Gläubigen.
Gott schuldet ihm Gnaden, die
seiner Würde und seinen Pflichten entsprechen. "Wer mir Ehre erweist, der wird mir auch Helfer der Verwaltungsaufgaben
sein; wenn er mir die Würde verliehen hat, wird er mir auch die Kraft geben"
35.
"Wer immer durch göttliche Fügung eine Vollmacht erhält, dem wird auch
alles zuteil, was die Ausübung dieser Vollmacht in entsprechender Weise ermöglicht"
36.
Dies ist ein Grundsatz, der
bereits vom hl. Paulus aufgestellt wurde: "Unsere
Befähigung stammt vielmehr von Gott; er hat uns fähig gemacht, Diener des
Neuen Bundes zu sein" 37.
Der Priester besitzt also als
Priester ein besonderes Anrecht auf die Gnaden, die durch seine Hände gehen;
diese göttlichen Gnadenschätze, welche er an die anderen verteilen muss,
stehen in erster Linie ihm zur Verfügung. Wenn er selber daraus Nutzen zieht,
wird ihre Wirksamkeit noch größer, ebenso wie die Bereitschaft in den Seelen
der Gläubigen.
Welch ein Unterschied besteht
also im Amtdienst des Priesters, auch was seine persönliche Heiligung
betrifft, zwischen dem eifrigen Priester und demjenigen, der nach-lässig und
erschlafft ist!
Arbeiten
wir also an unserem Heil, indem wir Heilige werden!
Die allen gemeinsame
Heiligkeit genügt nicht: "bei den
Priestern ist nichts von den Sitten der Allgemeinheit passend" 38.
"Das
Leben des Priesters muss
herausragen, wie seine Gnade herausragt" 39.
Seien wir Heilige, um unter
den Seelen wahre Apostel zu sein. "Ich
heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind" 40.
Werden wir andere Jesus
Christus, um die Werke Jesu Christi zu wirken und eines Tages seine Herrlichkeit
zu teilen!
3. Betrachtung
Die Frucht im Wirken des
Heiles
"Müht euch mit Furcht
und
Zittern um euer Heil!"
Phil 2,12
Man begreift diese Empfehlung
des hl. Paulus. Nicht zum eigenen Heil arbeiten, seine Seele verlieren, bedeutet
ein umgehender, ewiger Verlust: man verliert den Himmel und verdient die Hölle.
Diese Furcht ist auch
notwendig, um uns stets in der Wachsamkeit und Großherzigkeit zu erhalten; die
menschliche Natur strebt unablässig zur Schlaffheit und Ruhe.
Der
hl. Paulus bangte um sich selbst. Wir müssen ihn nachahmen.
* * *
Es
gibt zwei Gründe, welche die Furcht rechtfertigen und gebieten.
1. Der Priester kann sich
verdammen. - Keine Berufung und kein Lebensstand schützen vor dieser Möglichkeit.
Kein erreichter Grad von Heiligkeit sichert uns vor dieser Gefahr. Wir sehen in
der Geschichte dafür traurige Beispiele.
Gewiss, wenn es eine Würde gäbe,
die diese Heilssicherheit böte, dann wäre es jene der Apostel. Trotzdem sagt
ihnen unser Herr: "Fürchtet euch vor
dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann" 1.
Hat nicht der hl. Paulus, als
er in den dritten Himmel entrückt wurde, erklärt: "Vielmehr züchtige ich meinen Leib..., damit ich nicht anderen predige
und selbst verworfen werde" 2.
2. Wahrscheinlich ist eine
gewisse Anzahl von Priestern verdammt oder werden es sein. Man kann dies so
beurteilen, wenn man an das denkt, was sich im Apostelkollegium ereignet hat.
Jesus Christus hat sie alle auserwählt und bei ihrem Namen gerufen; er hat sie
gut unterwiesen, gut behandelt, kein Heilsmittel hat ihnen gefehlt. Aber hat
sich nicht einer von diesen zwölf Bevorzugten selber verdammt? Dies scheinen
die Worte des hl. Petrus zu bedeuten bezüglich des Judas: "Abiit
in locum suum" 3.
Wie verhält es sich dann mit
der Fülle von Priestern, die seit der Gründung der Kirche gelebt haben? Der
hl. Johannes Chrysostomus geht soweit, dass er schreibt: "Ich glaube, dass nicht viele Priester gerettet werden, sondern weit mehr
verloren gehen; und zwar aus keinem anderen Grund, als die Sache einen großen
Geist erfordert" 4.
* * *
Sicher ist es, dass es einen
Weg gibt, der zur Verdammnis führt, so wie es einen Weg zum Himmel gibt.
Dieser Weg des Verderbnisses
hat sicherlich verschiedene Abstufungen. Wenn sich aber einmal eine Seele auf
den fatalen Abhang begeben hat, rutscht sie sehr rasch nach unten. Wo wird sie stehen bleiben?
Hören wir den folgenden
Leitspruch, der leicht einsichtig ist und von Gregor dem Großen formuliert
wurde: "Nulla maior securitas, ubi
periclitatur aeternitas - Keine größere Sicherheit
gibt es, wo die Ewigkeit
gefährdet ist.“
Blicken wir auf unser Leben
zurück. Ist nicht unser Glaubensgeist erstarrt, unsere Frömmigkeit verkümmert,
die Armut des Herzens zu schwach?
Eine hl. Furcht möge uns für
die Gegenwart warnen oder wenigstens für die Zukunft bewahren.

1 Mk 6, 31.
2 Ps 34, 12.
3 Vgl. 1 Kön 19, 12.
4 Hos 2, 16.
5 Hl. Bernh.
6 Ebda.
7 Vgl Ps 103, 5.
8 Apg 6, 4.
9
Joh 6, 15.
1
Koh 2, 10 f.
2 1 Joh 2, 16.
3 Joh 12, 17. So steht es im Original. Das Zitat ist aber eindeutig falsch (der Übers.).
4 Nachf. Chr., 2. B., 7. Kap., Nr. 1, 2.
5 Röm 1, 25.
8 Koh 12, 13.
9 De Civit. Dei, 20. Buch, 3. Kap.
10 1 Joh 3, 14.
11 Leo d. Gr., Serm. I, de nativit. Dom.
12 Joh 17, 3.
13 Postcom. Miss. pro pace.
16 1Kor 10, 31.
17 Lk 13, 25.
18
Mt 6, 33.
19 Lk 16, 2.
20 Mt 6, 2.
21 Mt 16, 26.
22 Lk 9, 62.
23 Mt 6, 24.
24 Mt 18, 8.
1 Greg. d. Gr., Hom. IX in Math. XXV.
2 Vgl Lk 12, 48.
3
Mt 25, 18.
4 Joh 14, 6.
5 Joh 14, 6.
6 Joh 8, 12.
7 Mt 11, 30.
8 Joh 14, 6.
9 Joh 14, 6.
10 Joh 14, 21.
11 Joh 15, 5.
12 1 Kor 12, 27.
13 1 Kor 6, 19.
16 Bernh., Sermo ad Praes. in Syn.
17 Joh. Chrys., De Sacerd., lib. III, tit. 5.
18 Joh. Chrys., Hom. 5.
19 Cf. Summ. theol. p. III, qu. 21, a. I, ad 1mum.
20 Bernh., Sermo in Coena Dom.
21 Bonavent., In IV Sent., dist. X, art. 2, quaest. 2.
22 2 Kor 6, 4.
23 Hieron., Sup. Sophon., 3.
24 Joh. Chrys., De sacerd., lib. III, t.5.
25 Thom. v. Aq., Supplem., qu. 36, a.1, ad 2um.
28 1 Kor 4,1.
29 Mt 5,14.16.
30 Johann. Chrys., Hom. X.
31 Prosper. De vita contempl., lib. II, c.3.
32 Petr. Dam., Sermo 26.
33 Joh. Chrys., De verbis Is. hom. V.
34
Joh. Chrys., De sacerd., lib. VI, c. III.
35 Leo d. Gr., Sermo I, in die Assumpt.
36 Thom. v. Aq., Supp. q. 33, a.1.
37 2 Kor 3, 5.
38 Ambros. Epist. 6.