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Hl.
Peter - Julian EYMARD Der
Priester
Teil III. Priester-Exerzitien
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Zweiter
Teil der Exerzitien
Vereinigung mit Gott und
Fortschritt
1. Betrachtung
Die Liebe Gottes im Umgang mit
den Geschöpfen
Wir wissen, dass
Gott bei denen,
die ihn lieben, alles zum
Guten führt
Röm 8,28
Wir kennen unser Ziel. Es ist
Gott. Ihn kennen, um ihn zu lieben und ihm zu dienen mit unserem ganzen
Verstand, aus ganzem Herzen, mit all unseren Kräften und mit unserer ganzen
Seele: dies ist das Gesetz unseres Lebens, die Gewähr für unser Glück in
dieser Welt und in der anderen.
Wir haben also dabei nichts zu
verlieren, aber alles zu gewinnen: "suchet
zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und alles andere wird euch
hinzugegeben werden" 1.
Es ist die Liebe Gottes,
welche - in die Tat umgesetzt - uns aus allem Nutzen ziehen lässt: aus den
Geschöpfen, aus den Übeln des Lebens und den verschiedenen Prüfungen.
Studieren
wir aufmerksam diese trostreiche Wahrheit.
* * *
1. Die
Geschöpfe. Der hl. Bernhard hat
folgendes algemeinsames Prinzip aufgestellt: "alles
wurde uns zu irgendeinem Nutzen geschenkt; aber einiges zu unserer Stütze,
etwas anderes zu unserer Erziehung, schließlich nicht weniges zur
Besserung".
Die Liebe Gottes lässt uns
Gott überall finden, und in allen Dingen lässt sich Gottes Liebe preisen.
Unter den geschaffenen Wesen
gibt es solche, die ich s e h e.
Ich bewundere diese herrlichen Sterne, welche das Firmament zieren, und sage
mir: es ist Gott, der sie geschaffen hat; wie mächtig ist er! - Er lenkt deren
Bahnen, wie weise ist er! Er hat sie für mich geschaffen, wie gütig ist er!
Dann rufe ich mit dem
erleuchteten Sänger aus: "preiset
den Herrn, Sonne und Mond, preiset den Herrn, ihr Sterne am Himmel!"
2.
Ich bewundere diese Berge,
ihre Majestät, ihre Nützlichkeit, ihren Reichtum. Ich verfolge mit meinem
Blick diesen vorüberströmenden Fluss, der sich in den Ozean ergießen wird.
Darin erkenne ich das Bild meines Leibes; ich entferne mich jeden Tag mehr vom
Ufer dieser Welt; mein Ozean ist Gott, der in der Ewigkeit wohnt: "Berge und Hügel,... Quellen.. Meere und Flüsse, lobet den Herrn!"
Wie schön ist die Natur zur
Zeit des Frühlings, im satten Grün der Hoffnung, mit dieser Vielfalt von
Blumen; sie sind Bilder der Schönheit Gottes; wie reich ist die Natur mit den
vielfältigen Arten von köstlichen Früchten. Es ist die Hand Gottes, die sie
zu meinem Gebrauch und zu meiner Freude befruchtet: preiset den Herrn alle
Werke des Herrn! Es gibt kein Ding, welches nicht die Macht und Güte Gottes für
mich kundtut.
Unter den geschaffenen Wesen
gibt es solche, die ich h ö r e.
Es ist das wunderbare Vogelkonzert, das mein irdisches Exil erleichtert; das -
zwischen Himmel und Erde gestellt - an die Konzerte der Engel und an meine
himmlische Heimat denken lässt: preiset den Herrn, ihr Vögel des Himmels. Es
ist die laute Stimme der Gewitter mit Blitzen und Donnern, des unterirdischen Dröhnens,
das die Erde in ihren Grundfesten erzittern und die Bewohner erschauern lässt.
Darin erscheint Gott in seiner Größe und er sagt mir, dass er der Herr des
Lebens ist; und er lässt den Tod über meinem Kopf oder unter meinen Füßen
hinwegziehen: Blitze und Wolken, lobet den Herrn! Lobet den Herrn, Feuer und
Sturmwind, die sein Wort ausrichten! 3
Es gibt geschaffene Wesen, die
mir dienen als Bekleidung, als Nahrung, als Wohnung, um mich zu tragen, mich zu
verteidigen. Dies sind die treuen Begleiter meines Lebens, die Diener, welche
mir Gott zu diesem Zweck gegeben hat. Ich soll dies benützen, um in Liebe Gott
dafür zu danken. Ihre so geheiligte Verwendung wird mich nach der himmlischen Wohnung und das Kleid der Herrlichkeit lechzen lassen, nach dem geheiligten
Festmahl, wo Gott selbst unsere Nahrung sein wird: "Am himmlischen Mahle lasse uns teilhaben der König der ewigen
Herrlichkeit" 4.
Und was soll gesagt werden über
die menschlichen Wesen, welche existieren, um uns sowohl der Seele als auch dem
Leibe nach, in der Familie und in der Gesellschaft zu dienen?
Somit werden für denjenigen,
der Gott liebt, alle seienden Wesen zu Stufen, um zu ihm zu gelangen. Das ist
die mystische Leiter Jakobs. So versteht man die Worte der Schrift: "Gott
sah alles an, was er gemacht hatte: es war sehr gut" 5.
- "Denen, die Gott lieben, gereicht
alles zum Guten" 6.
Aber für denjenigen, der Gott
nicht liebt, bleiben die geschaffenen Dinge ein Geheimnis, denn er begreift
ihren wahren Seinsgrund nicht; sie stellen eine Gefahr dar, denn er läuft
Gefahr, sich allzu sehr an sie zu hängen, aus ihnen ein Ziel zu machen - wie der
Geizige, der Ehrgeizige, der Wollüstige - anstatt deren Nutznießer zu sein,
wie es von Gott, ihren obersten Eigentümer, bestimmt ist, macht er sich zu den
Sklaven oder Tyrannen.
Nun denn, liebe ich Gott in
seinen Werken oder liebe ich mich in ihnen? Gelange ich durch die Dinge zu Gott
oder zu meinen bösen Neigungen?
Welche
Undankbarkeit und Gottlosigkeit wäre dies!
Gewissenserforschung
und fester Vorsatz.
* * *
2. Die Übel der Welt. Der Mensch lebt in einem Tal
der Tränen, auf einer Welt der Sühne; das Leiden ist mit seiner Situation
unzertrennlich.
Wer
Gott liebt, weiß diese Gegebenheit des menschlichen Lebens auszunutzen.
Die
Geschichte des hl. Mannes Job ist in dieser Hinsicht sehr lehrreich.
Job verliert seine Güter,
preist aber Gott, der es so wollte; er liebt diesen göttlichen Willen über
alles.
Er verliert seine Freunde und
seine Kinder; er spürt diesen Schlag sehr lebhaft. Aber Gott hat ihn gewollt -
"Der Herr hat gegeben, der Herr hat
genommen; gelobt sei der Name des Herrn"
7.
Er wird an seinem Leib hart
getroffen, dieser ist nur mehr eine einzige Wunde; er muss sich auf einen
Misthaufen zurückziehen und sich mit einer Scherbe den Bluteiter abkratzen,
der aus seinen Geschwüren hervorquillt. Er murrt nicht: "Nehmen wir das Gute an von Gott, sollen wir dann nicht auch das Böse
annehmen?" 8.
Diese Heimsuchung kann sich in
unserem Leben wiederholen, vielleicht ist dies schon eingetroffen, wenigstens
teilweise. Wie werden wir uns dabei verhalten, wenn wir Gott lieben?
Gott prüft uns an Hab und
Gut. Er sagt zu Satan: Gehe, suche ihn heim, aber rühre seine Seele nicht an!
Anstatt zu murren, das
Vertrauen an Gott zu verlieren, preisen wir ihn. Ich hätte Gott beleidigt,
vielleicht wäre ich dann verloren gegangen. Gott wollte mich auf die Probe stellen. Ihm sei dafür gedankt. Ich werde ihm bezeugen,
dass ich ihn mehr
liebe als seine Geschenke.
Gott sagt weiter zu Satan:
geh, nimm ihm seine Freunde, seinen guten Ruf weg. Und jeder zieht sich von uns
zurück; wir werden verleumdet, man kennt uns nicht mehr.
Aber wir verlieren nicht den
Mut. Die Liebe zu Gott lässt uns sagen: dies ist eine Gnade. Ich war ein Sklave
in diesen Beziehungen: der Name des Herrn sei gepriesen! Ich werde Gott mehr
lieben als meine Freunde, mehr als meine Ehre. "Gott
hat sie geprüft und fand sie seiner würdig" 9.
Schließlich hat Gott zu Satan
gesagt: geh, prüfe ihn und triff ihn an seinem Leib. Und wir sind mit der
Krankheit vertraut worden, die Gebrechlichkeit hat sich auf uns gestürzt. Wir
aber haben sie in Glauben und Liebe angenommen. Wir haben gesagt: dies ist eine
Gnade. Ich hatte es nötig, die unterlassene Abtötung meiner Sinnlichkeit zu sühnen;
nun bin ich von mehr als einer gefährlichen Versuchung befreit: der Name des
Herrn sei gepriesen! Ich will Gott mehr lieben als die Gesundheit und die freie
Verfügung über meinen Leib.
Wer im Gegensatz dazu Gott
nicht liebt, regt sich gegen ihn und gegen die Menschen auf; er geht nicht nur
des Verdienstes seiner Leiden verlustig, sondern vermehrt sogar noch ihre Qual;
er kommt soweit, dass er das Leben nicht mehr aushält, er verzweifelt und nimmt
sich schließlich das Leben.
* * *
3. Öffentliches
Unheil. Die Liebe Gottes zeigt, dass es von ihm kommt; sie
lässt es uns annehmen mit einem Frieden, der eine Quelle
von Verdiensten ist.
Warum dieses Unheil? Um die
Verbrechen eines Volkes zu strafen oder eine öffentliche Sühne dafür zu
erhalten. Dieses Unheil ist für die wahren Kinder Gottes auch die Gelegenheit zu großen Tugenden, von Nächstenliebe, Seeleneifer, Hingabe, Buße, Gebet. So
stellt man in Zeiten der Hungersnot, der Seuchen, Erdbeben, Überschwemmungen
auch fest, dass die Leute Geduld und heroische Hingabe üben, während die
Volksmenge an den öffentlichen Gebeten teilnimmt.
* * *
4. Verschiedene
Heimsuchungen.
a) Die
Verfolgungen.
Die Liebe zu Gott ermöglicht
uns, ihn in solchen Zeiten besonders zu verherrlichen. Niemals wurde Gott mehr
verherrlicht als in Zeiten der Verfolgungen, wie sie in den ersten drei
Jahrhunderten der Kirche geschahen.
Heutzutage verherrlicht ihn
China in den Gefängnissen, unter den Schandpfählen und durch das Blut seiner Märtyrer.
Überall ist übrigens die
Religion dem Hass und den Gewalttaten eingefleischter Feinde ausgesetzt.
Gott erlaubt es, um die Liebe
seiner Diener zu prüfen; er will nur gute Diener um sich. Nun ist die Liebe im
Krieg heroischer als im Frieden.
b) Die
Versuchungen.
Der hl. Hieronymus hat
zugegeben, dass er aus den Versuchungen, die ihn gequält haben, großen Nutzen
gezogen hat. Der hl. Antonius hat darin die Gelegenheit zur Übung seiner höchsten
Tugenden gefunden. Der hl. Paulus hat in ihnen den Beweggrund und die Quelle
seines Vertrauens auf Gott gefunden.
Eine Seele, die Gott liebt,
weiß, dass er die Versuchung nur für das geistliche Wohl des Betroffenen zulässt.
"Und weil du angenehm vor Gott warst,
musste
die Versuchung
dich prüfen"
10.
Die Versuchung deckt unsere
schwachen Seiten auf, aber sie wird begleitet mit der Gnade für den Sieg. Sie
zeigt uns hiermit den Willen Gottes, dass wir zur Erlangung der entgegengesetzten
Tugend arbeiten sollen.
c) Die
Misserfolge im Seelsorgedienst. Vielen gelingt nichts trotz Einsatz aller Mittel.
Die Heiligen beunruhigen sich
jedoch darüber nicht. Sie verherrlichen Gott in ihrer Gebrechlichkeit und Armseligkeit
mehr als bei ihren Erfolgen, und sie preisen ihn dafür.
Wie herrlich ist das Zeugnis
des hl. Paulus! "Viel lieber also
will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich
herabkommt. Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen
und Nöte,
Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach
bin, dann bin ich stark" 11.
d) Geringe Begabung. Erinnern wir uns an das
Gleichnis der Talente, die auf ungleiche Weise unter den Dienern verteilt worden
waren. Die Liebe lässt uns den hl. Willen Gottes anbeten und mit unserem Anteil
zufrieden sein. Ob es sich um 10, 5 oder 2 Talente handelt, wichtig ist, dass wir sie Früchte tragen lassen. Nun bewegt uns die Liebe,
dass wir unseren
bescheidenen Anteil so pflegen, als handelte es sich um einen großen Schatz,
und dadurch wird unser erreichtes Verdienst mit der Verherrlichung Gottes verhundertfacht.
* * *
Lesen wir das unvergleichliche
Kapitel aus der Nachfolge Christi mit der Überschrift: "Die Gottesliebe in ihrer Macht und Herrlichkeit" 12:
"Lieblicher, mächtiger, erhabener, umfassender,
seliger, vollkommener, edler als die Liebe ist nichts im Himmel und auf Erden,
denn sie ist aus Gott geboren und kann darum, weil sie aus Gott geboren ist, über
alle Geschöpfe sich schwingend nur in Gott ruhen.
Herr, mache mein Herz weit und fülle es aus mit Liebe...
lieben möchte ich dich mehr als mich und mich nur um deinetwillen, und alle,
die dich lieben, möchte ich in dir lieben können, wie es das Gesetz der Liebe
gebietet, das du lichthell in unsere Seele geschrieben
hast".
2. Betrachtung
Die Vollkommenheit durch
die Standespflichten
Dass der Priester gerade
aufgrund seiner Berufung verpflichtet ist zu einem vollkommenen Leben, bestätigt
die ganze katholische Tradition klar, nachhaltig und ohne jeden Zweifel.
Dies ist die Folge einer
ersten Wahrheit, die wir jetzt betrachten: die Vollkommenheit ist in jeder
Berufung möglich. Ist nun aber der Priester nicht zur gewissenhaften Erfüllung
der Pflichten seiner Berufung angehalten? Er befindet sich daher in der besten
Situation, um zur Heiligkeit zu gelangen, die Gott von ihm erwartet.
* * *
1. Die Heiligkeit ist in jeder Berufung
möglich.
a) Die Begründung dieser Möglichkeit
liegt im Wesen der Vollkommenheit selbst.
Das Wesen der Vollkommenheit
liegt in der erhabenen Liebe Gottes; in der vollkommenen Erfüllung seines
besonderen Willens über uns.
Nun ist dies in jeder
Situation, in jeder Lebenslage möglich, denn Gott lässt sich darin über alles
lieben, dadurch dass man das Böse, welches ihn beleidigt, vermeidet, und indem
man getreu seinen hl. Willen erfüllt.
Die Liebe Gottes hat ihr Leben
und ihre Vollkommenheit nicht in einem bestimmten Stand noch in bestimmten
Taten, sondern in unserer Seele, in unserem Willen. Das äußere Leben ist also
nur deren Anwendung und Ausübung. An sich haben die verschiedenen Lebensstände
keine eigenständige Vollkommenheit; sie besitzen in der Tat nur jene Vollkommenheit, die wir ihnen geben.
Man kann über die
verschiedenen Lebensstände das sagen, was der hl. Hieronymus von den heiligen
Stätten gesagt hat: "Non
Hierosolymis fuisse, sed Hierosolymis bene vixisse laudandum est - nicht in
Jerusalem gewesen zu sein, sondern in Jerusalem ordentlich gelebt zu haben, ist
lobenswert" 1.
Ebenso ist es auch nicht das
Priestertum an sich, das vervollkommnet und heiligt. Nein. Man kann im
Priestertum wie in jeder anderen Berufung verloren gehen; es ist vielmehr der
Priester, der sich in seinem Stand heiligt; es ist die Treue zu seiner
Berufsgnade, zu den Tugenden seines Standes, die ihn zum vollkommenen Menschen
machen.
Vom Standspunkt der
Vollkommenheit her sind alle Berufungen gleich. Alle haben ihre je eigenen
Gnaden. Gott liebt sie alle, sie sind sein Werk. Er hat sie festgelegt, ausgewählt
und für jeden von uns bestimmt.
Es
ist der Herr, den jemand reich oder arm, groß oder klein, gesund oder krank
macht 2.
b) Ist es nicht durch das
Leben der Heiligen belegt, dass die Vollkommenheit in allen Lebensständen möglich
ist? Alle sozialen Schichten, von den niedrigsten bis zu den höchsten, besitzen
Helden der Heiligkeit.
Eigenartig! Jeder Heilige
weist eine besondere Art, eben s e i n e Art
von Heiligkeit auf; er hat an Tugend und Verdiensten nicht seinesgleichen.
"Er hat an Ruhm nicht seinesgleichen;
er hielt das Gesetz des Allerhöchsten und stand im Bunde mit ihm"
3.
Dies
will heißen, dass es ebenso viele Gnadenarten gibt als Auserwählte;
c) Somit ist auch die
Vollkommenheit eine einzige, aber eine vielfältige. Sie ist einzig in ihrem
Wesen, aber vielfältig in den äußerlichen Taten der christlichen Tugend.
Der hl. Paulus redet ausdrücklich
von dieser wunderbaren Vielfältigkeit: "Wie
wir an dem einen Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder denselben
Dienst leisten... so haben
wir unterschiedliche Gaben, je nach der uns
verliehenen Gnade" 4.
An seinen Schüler Timotheus
schrieb derselbe Apostel: "In einem
großen Haus gibt es nicht nur Gefäße aus Gold und Silber, sondern auch aus
Holz und Ton, die einen für Reines, die anderen für Unreines. Wer sich nun
von all dem rein hält, gleicht einem Gefäß für Reines; er ist geheiligt, für
den Herrn brauchbar, zu jedem guten Werk tauglich" 5.
Was immer also der Platz sein
mag, den uns Gott in der Kirche zuweist, jeder kann, wenn er seiner besonderen
Gnade treu ist, die höchsten Grade der Heiligkeit erlangen.
Der Priester, welcher kraft
seiner Berufung mitten in der Welt tätig sein muss, soll sich darüber nicht
beunruhigen, sondern vielmehr Gott dafür danken, dass er auf diese Weise zu
einer hohen Heiligkeit gerufen wurde.
* * *
2. Die Vollkommenheit ist außerhalb der Standespflichten
unmöglich
Folgende Gründe seien
genannt:
a) Das Fundament der
Vollkommenheit - alle Meister des geistlichen Lebens lehren es - besteht darin, dass
man das tut, was Gott von uns will, und wie er will, dass wir es tun. Nun
zeigt sich dieser göttliche Wille in den Pflichten des Berufes und des Standes;
und zu deren Erfüllung - nur dafür - gibt uns Gott die nötigen Gnaden; diese
Pflichten stellen also keine bloßen allgemeinen Gesetze dar, sondern sind ihre
Anwendung in unserer besonderen Berufung. Wie kann man dann von Heiligkeit
sprechen und wie kann man behaupten, diese außerhalb unserer Pflichten und
ohne die Gnade, die sie begleiten, zu erreichen?
b) Die Vollkommenheit setzt außer
den gewöhnlichen Gnaden wenigstens unter bestimmten Verhältnissen besondere
Gnaden voraus, denn in jedem Stand begegnet man Versuchungen, die schwer zu
besiegen sind; Tugendakte, die schwieriger ausführbar sind, und Opfer, die mit
mehr Großmut zu bringen sind. Wenn sich aber eine Seele durch eigene Schuld der
gewöhnlichen Gnaden beraubt, wie kann da Gott bereit sein, ihr außer-ordentliche
Gnaden zu geben?
Glücklich der Priester! Er
wird begünstigt durch die Ausübung seines heiligen Amtes, das ihn immerfort in
Beziehung zu Gott bringt und ihn daher die Werke seiner Gnade in den Seelen
bewundern lässt und ihn einladet, von seiner Liebe zu leben. Notwendig ist aber
noch das Wollen: "Wenn du vollkommen
sein willst" 6.
Für dieses Wollen muss man die Gnade erbitten: "Gib, was du forderst, und fordere, was du willst!"
7
3. Betrachtung
Die christliche Vollkommenheit
ist nicht eine Aufgabe, die der Initiative jedes einzelnen überlassen bleibt,
indem man einer persönlichen Vorstellung folgt, die man sich über die
Vollkommenheit macht und dabei das allgemeine Gesetz der Nächstenliebe
beachtet.
Jesus sagt: "Niemand kommt zum Vater außer durch mich" 1;
und dies ist in dem Sinne zu verstehen, dass Jesus gleichzeitig der Meister, das
Vorbild und die Quelle der Heiligkeit ist: "Ich
bin der Weg, die Wahrheit und das Leben"
2.
Nun ersieht man beim Studium
des Evangeliums, dass Jesus eine immerwährende Einstellung besaß, eine
allgemeine Tugend, die für den Priester äußerst wichtig ist und die man
Selbstbeherrschung nennt, welche die Meister der Askese aber einst als Milde bezeichneten.
Der hl. Johannes Climachus hat
sie so definiert: "ein unveränderlicher
Geisteszustand, der sich in allen Schicksalen gleichmütig verhält";
er vergleicht sie mit einem Felsen, der sich am Ufer des Meeres befindet und
alle gegen ihn anstürmenden Wogen zerbrechen lässt
3.
Es handelt sich dabei mit
anderen Worten um die Lehre Jesu Christi selbst: "Lernet von mir, denn ich bin sanft und demütig von Herzen"
4.
Die Selbstbeherrschung oder
mansuetudo zeigt sich in drei Formen, je nachdem, ob sie unter dem Gesichtspunkt
zu Gott, zum Nächsten oder zu sich selbst gesehen wird.
* * *
I. In Beziehung zu Gott. Sie besteht in der
Selbstverleugnung und vollständigen Unterwerfung unter den Willen Gottes.
Jesus
sagte: "Meine Speise ist es, den
Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat" 5.
a) Prompt. Ohne sich aufzuhalten bei Überlegungen über
Bequemlichkeit oder Ärger, über persönliche Ehre oder Demütigung; es genügt,
dass die Weisung oder der Wunsch bekannt ist, um ausgeführt zu werden. "Darum
spricht Christus bei seinem Eintritt in die Welt 'ja, ich komme, um deinen
Willen zu tun, o Gott' " 6
- "Steht auf, wir wollen weggehen von hier" 7
- "die Stunde ist gekommen, jetzt wird der Menschensohn den Sündern
ausgeliefert... steht auf, wir wollen gehen" 8.
b) Großherzig. Diese Promptheit setzt einen großherzigen Willen voraus,
alles zu opfern, sogar das Leben, um Gott zu gehorchen. Dies hat auch Jesus von
seinen ersten Jüngern verlangt: "Er
rief sie, und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten
Jesus" 9
- "folge mir nach, lass die Toten ihre Toten begraben!"
10.
c) Rein von jeder Beimischung. Dies ist die Bedingung für
eine großzügige Hingabe und prompte Ausführung. Eine solche Reinheit gab es
in der hervorragendsten Form bei Jesus. Nicht nur, dass er frei war von jeder
eitlen Ehre, von jeder rein natürlichen Zuneigung und aller Eigenliebe, er war
als menschgewordenes Wort sogar dazu unfähig. Der hl. Paulus sagt: "Ein
solcher Hohepriester
war für uns in der Tat notwendig: einer, der heilig ist,
unschuldig, makellos, abgesondert von den Sündern und erhöht über die Himmel" 11.
d) Allumfassend. "Ihr werdet erkennen, dass ich nichts im eigenen Namen tue" 12
- "Der Sohn kann nichts von sich aus tun" 13.
Das ist ganz sicher die tiefste Unterwerfung, die man sich vorstellen kann. So
versteht man die bewundernswerte Bedeutung dieses Wortes Jesu am Kreuz: "Consumatum est - es ist vollbracht".
Der Priester hat es nötig,
diese Beispiele Jesu Christi eindringlich zu betrachten, denn sein Beruf bringt
ihn mit den verschiedensten und unerwartetsten Willenskundgebungen Gottes in Berührung.
Ohne eine übernatürliche Selbstbeherrschung wird er zögern und knausern vor
der Pflicht, die sich in einer dringlichen Form, in einem vollen Verzicht auf
seine Ruhe und vielleicht seine Gesundheit erweist. Sich beherrschen, um sich
Gott, seiner Sache und seinen Belangen hinzugeben: welche Aufgabe!
* * *
II. In Beziehung zum Nächsten.
Der hl. Johannes Climachus
sagt: "Die Sanftmut bedeutet:
anderen, die dich kränken, nicht mit Gegenkränkung zu begegnen oder ihnen gram
zu sein".
Sie ist somit das Tor und sogar die Quelle der Nächstenliebe:
"caritatis ianua, immo vero parens - das Tor zur Nächstenliebe, ja sogar
deren Mutter" 14.
Wie schön und rührend steht
hier das Beispiel Jesu Christi! Welch volle Selbstbeherrschung seiner selbst
bei den Auseinandersetzungen der Pharisäer, beim Unverständnis der Menge, bei
den selbstsüchtigen Ansichten seiner Apostel, die Beschimpfungen seiner Henker!
Seine Richter werden durch die Ruhe und Schlagfertigkeit seiner Antworten aus
der Fassung gebracht. Der hl. Ambrosius nennt sein Schweigen vor Pilatus und
Herodes einen Triumph 15.
Der gute Schächer wird durch die Haltung des gekreuzigten Jesus erobert. Der
Hauptmann erklärt ihn zum Sohn Gottes.
Der Priester sieht bei
zahlreichen Gelegenheiten seine Selbstbeherrschung auf dem Prüfstand. Die
geduldige Stützung des schwierigen Charakters derjenigen, mit denen er verhandeln
muss; ihre Reizbarkeit, ihre Taktlosigkeit und Undankbarkeit; die
stille oder offene Feindseligkeit gewisser Gruppen; die mehr oder weniger
wohlwollende Kritik selbst von seiten einiger Mitbrüder.
Er hätte gelegentlich die
Einsamkeit lieber, um sich persönlich mit Lektüre, Studium und Gebet zu
befassen. Er wird aber ganz unvorhergesehen zu einem Kranken gerufen, er erhält
einen Besuch, um einen guten Rat zu hören, in einer materiellen Angelegenheit,
die bedeutungslos ist, aber nicht aufgeschoben werden kann.
Es braucht eine große Tugend,
um diese tägliche Entsagung zu üben; sie bedeutet ein wohlduftendes Ganzopfer,
der aufbegehrenden Selbstliebe und des gekränkten Stolzes.
Wer Jesus Christus liebt,
liebt auch den Nächsten, wer immer er sei, ohne Unterschied der Person, wie
Gott selbst 16,
und nach dem Beispiel Jesu, das seine Feinde beeindruckt 17.
Jesus Christus ist sein einziges Ziel, alles und alle sind ihm Mittel dafür. Er
lebt in einer Haltung gänzlicher Hingabe: "Herr,
was willst du, dass
ich tun soll?" 18
- "Herr, sprich, dein Diener hört!"
19
- "Hier bin ich, du hast mich gerufen" 20.
Das angestrebte Gut wandelt
sich durch die Liebe in ein besseres Gut, auch wenn äußerlich das Gegenteil
einzutreffen scheint. In dieser Anpassung am Wohlgefallen und an den Bedürfnissen
des anderen findet sich die Vollkommenheit der Liebe, weil sie das ununterbrochene
Opfer der Eigenliebe darstellt.
* * *
III. In Beziehung zu sich
selbst.
Jesus Christus hat ohne zu
klagen, aber mit Liebe alles angenommen, was sein himmlischer Vater für seine
persönliche Lage entschieden hat. Er ist in einem Stall geboren, er hat 30
Jahre lang in Nazaret gelebt, er wirkte 3 Jahre als Wanderprediger, ohne ein
Daheim zu haben - "Der Menschensohn
aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann" 21.
- Er hat die Erfahrung mit Gethsemani gemacht, er ist gestorben, angenagelt an
einem Kreuz, nachdem er die Schrecken der Passion erduldet hatte.
Der Priester wird aus Liebe zu
Jesus Christus dem Weg des Gehorsams zur kirchlichen Autorität bezüglich
seines Postens, seiner Ämter und Beschäftigungen, die sie ihm festlegt,
folgen. Die Selbstbeherrschung besteht für ihn im Vergessen seiner selbst.
"Alle suchen ihren Vorteil, nicht die
Sache Jesu Christi" 22.
Er wird stets eine Aufgabe wählen, die den Interessen Jesu Christi am meisten
dient. Sein Losungswort wird dasjenige des hl. Paulus sein: "Ich
will mit keinem Wort mein Leben wichtig nehmen, wenn ich nur meinen Lauf
vollende und den Dienst erfülle, der mir von Jesus, dem Herrn, übertragen
wurde: das Evangelium von der Gnade Gottes zu bezeugen" 23.
4. Betrachtung
Die Nachfolge Jesu Christi
Als Jesus alle seine Zuhörer
einlud, sich zu seinen Jüngern zu machen - "lernet
von mir" - weil er im Gegensatz zu den Gesetzlehrern ein sanfter und im
Herzen demütiger Meister war - "denn
ich bin sanft und demütig von Herzen" -, lehrte er alle Priester,
seine Diener, die unterscheidenden Merkmale ihres Apostolates: Die Demut und
Barmherzigkeit.
Betrachten
wir einige für unseren priesterlichen Dienst nützlichere Gesichtspunkte.
* * *
I. Die Demut. In Jesus zeigt sich die Demut in einer dreifachen Form:
in der Auswahl der evangelischen Mittel, im Ausstehen von Widerwärtigkeiten und
im Zuschreiben der Erfolge an Gott.
1. Die Auswahl der
Mittel. Abgesehen von vielleicht
Nathanael und dem hl. Paulus waren die Apostel keine studierte Leute, sondern
Handwerker mit einem gewissen Wohlstand; Matthäus gibt seine ertragreiche aber
ziemlich verdächtige Funktion auf. Sie besitzen eine mittelmäßige
Intelligenz und fordern von Jesus geduldige Wiederholungen und ganz genaue Erklärungen.
Im dritten Jahr der evangelischen Arbeit und Vertrautheit ist Jesus gezwungen,
ihnen zu erklären: "seid auch ihr
noch immer ohne Einsicht?" 1;
dann lässt er sich herab, seine Worte wirklich anschaulich zu erklären.
Aber dies sind die Hilfskräfte,
die der himmlische Vater für ihn ausgewählt hat. Jesus nimmt sie an, er liebt
sie, formt sie, obwohl er weiß, dass ihn Judas verraten wird, dass ihn Petrus
verleugnen wird, und dass alle, sogar Johannes, ihn für einige Zeit verlassen werden.
Dies ist eine wichtige und nützliche
Lektion für den Priester! Wie beschaffen sind die Mitarbeiter, welche die Diözesanautorität
ihm zur Seite stellen wird? Was wird er in der Pfarre, für die er bestimmt ist,
vorfinden? Die Geduld, die Gewandtheit, aber vor allem die hingebungsvolle Liebe,
verbunden mit einer aufrichtigen Demut werden ihn lehren, den größten Vorteil
aus denen zu ziehen, mit denen er zusammenarbeiten muss; er wird sie
heranbilden, um ihm für das Wohl der Seelen den größten Nutzen zu bringen.
Und wie es bei Jesus Christus der Fall war, werden auch seine Arbeitsmittel
einfach und übernatürlich sein; wie das Wort des göttlichen Meisters wird
auch das seine allen Gläubigen, besonders jenen mit nicht übermäßigem
Verstand angepasst sein - "Den Armen
wird das Evangelium verkündet" 2;
- er wird das gottlose Geschwätz und die falschen Lehren der sogenannten "Erkenntnis"
3
vermeiden, die niemanden erbauen.
2. Die Einwände. Jesus sagt: "Dem Himmelreich wird Gewalt angetan, die Gewalttätigen reißen es an
sich" 4.
Jesus war selbst dem
heftigsten Widerspruchsgeist ausgesetzt. Gleich nach seiner Geburt muss er nach
Ägypten fliehen; später musste er sich außerhalb Judäas in Sicherheit bringen; sogar in Galiläa entgeht er nur durch ein Wunder dem Mordanschlag
durch die Einwohner von Nazaret. Sein Tod auf Kalvaria ist das Endergebnis des
unerbittlichen Hasses seiner Feinde.
Im Laufe seiner Seelsorgearbeit
wird der Priester unzählige Male unbeugsamen Vorurteilen begegnen; selbst Gläubige mit guter Absicht glauben sich berechtigt, nicht
ihrem Hirten zu folgen. Was soll man tun? Wie Jesus Christus diese Demütigungen
annehmen und sein Vertrauen auf das Gebet und Gutsein setzen.
3. Die Erfolge. Jesus ist begeisterten
Bewunderern begegnet: "noch nie hat
ein Mensch so gesprochen" 5
- "Alle Leute staunten" 6.
- "Selig, der Leib, der dich getragen
hat" 7.
Er hat Augenblicke des Triumphes erlebt, wie jene im Tempel inmitten der
Schriftgelehrten oder am Eingang zur Stadt Jerusalem.
Aber bei solchen Anlässen
entzog er sich, wenn es ihm möglich war, den Ehrungen, wie damals, als er sich
allein auf einen Berg flüchtete, um den Juden zu entgehen, die ihn zum König
ausrufen wollten; oder aber er verwies die ganze Ehre auf seinen Vater und pries
ihn dafür, dass er sich seiner bediente, um sich zu verherrlichen.
Wie schwer ist es doch, nicht
mit Genugtuung den Weihrauch des Lobes und den Rauch eitler Ehre einzuatmen!
Der Priester wird sich aus Rücksicht
auf Jesus Christus, seinem Meister, und auch um die Freiheit seines Amtdienstes zu bewahren, davor hüten.
Die Demut, welche die ganze
Ehre Gott überlässt, wird ihm sein wirksames Wohlwollen einbringen: "Gott
tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade" 8.
II. Die Barmherzigkeit.
Gott, der unendlich
Barmherzige, wollte durch Jesus Christus, seinen menschgewordenen Sohn, diese
Barmherzigkeit offenbaren und ausüben: "Darum
musste
er in allem seinen Brüdern gleich sein, um ein barmherziger und treuer Hohepriester
vor Gott zu sein" 9.
Jesus Christus seinerseits übt
seine Barmherzigkeit in der katholischen Kirche durch den Dienst der Kirche aus.
Am Eingang des christlichen
Gotteshauses steht der Taufbrunnen, wo die erste Berührung der Seele mit dem
Übernatürlichen als Frucht der Erlösung stattfindet; wenn man im Gotteshaus
weiter nach vorne schreitet, erblickt man die Kanzel, auf der der Priester die
geoffenbarte Wahrheit lehrt und die Gläubigen zur Buße und Umkehr von ihren Sünden
aufruft, deren Vergebung sie durch ihr Bekenntnis vom Priester, dem Diener der göttlichen
Barmherzigkeit, erlangen; ganz vorne im Gotteshaus steht der Altar, über dem
das Kreuz emporragt und davor die Kommunionbank steht; dort vollendet sich durch
die hl. Messe und Kommunion das Werk der barmherzigen Liebe zum sündigen
Menschen.
Besonders bei der Spendung des
Bußsakramentes muss der Priester in einer mehr persönlichen Weise den Plänen
Jesu Christi Antwort geben.
Betrachten
wir daher etwas eingehender sein Verhalten in diesem Punkt.
a) Jesus Christus erklärt
ausdrücklich, dass er nicht in diese Welt gekommen ist, um die Gerechten,
sondern die Sünder zu berufen 10.
Und zu den Pharisäern, die sich über seine wohlwollenden Beziehungen zu den Zöllnern
und den Leuten mit lockerem Lebenswandel ärgerten, sagte er: "Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer"
11.
Er versichert auch, dass im Himmel mehr Freude herrscht über einen Sünder, der
umkehrt, als über 99 Gerechte, die der Umkehr nicht bedürfen 12.
b) Jesus Christus ruft alle Sünder,
ohne jemanden auszuschließen, zu sich: "kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt;
ich werde euch Ruhe verschaffen" 13.
Wie rührend fleht er in ganz zurückhaltender Form Judas vom Tag der Verheißung
der Eucharistie an bis zur Warnung im Abendmahlssaal und zum Vorwurf in
Gethesemani.
c) Jesus Christus macht sich
auf die Suche der Sünder, er kommt ihnen zuvor. Er unternimmt eine lange und
gefährliche Reise, um der Samariterin zu begegnen; seine Ermüdung gibt ihm
Gelegenheit, am Jakobsbrunen auf diese Sünderin zu warten. Er trifft Petrus,
der ihn eben verleugnet hatte, mit einem barmherzigen Blick. Mit den Zügen des
Vaters des verlorenen Sohnes hat er sich selbst gemalt.
Er nannte sich der gute Hirte,
der seine Herde stehen lässt, um sich auf die Suche nach dem verlorenen Schaf
zu machen; sobald er es gefunden hat, legt er es voll Freude auf seine
Schultern; als er damit zu Hause angekommen ist, versammelt er seine Freunde und
Nachbarn mit den Worten: "freut euch
mit mir, denn ich habe mein verlorenes Schaf wiedergefunden" 14.
Alle heiligmäßigen Priester
haben dieses Beispiel Jesu Christi nachgeahmt. Anstatt sich zu beschränken,
eine Elite von Gläubigen aufzubauen, die sich leicht und in angenehmer Weise führen
lassen, haben sie ihr Herz bevorzugt den Sündern, den Widerspenstigen und
unangenehmsten Leuten zugewandt. Wie viel heiligen Erfindergeist haben sie entwickelt, um diese Menschen zu erreichen!
Wie viel heroische Buße haben sie
getan, um von Gott siegreiche Gnaden zu erlangen! Welche Freude herrschte, als
eine dieser verlorenen Seelen zu Gott zurückgefunden hatte!
Glücklich jener Priester, der
sich in Dankbarkeit für die göttliche Barmherzigkeit, die er selber erfahren
hat, und aus Liebe zu Jesus Christus, allzeit geduldig und liebenswürdig, zu
allen Gläubigen im Beichtstuhl zeigt! Noch glücklicher aber ist jener, der
sich einsetzt für die Bekehrung der Seelen, die es am notwendigsten haben!

Bemerkungen:
1
Mt 6, 33.
2 Dan 3 passim.
3 Vgl. Ps. 148, 8.
4 Kurzer Tischsegen.
5 Gen 1, 31.
6
Röm 8, 28.
7 Hiob 1, 21.
8
Hiob, 2, 10.
9
Weish 3, 5.
10 Tob 12, 13 (alte Übersetzung).
1 Epist. 13, ad Paulin.
2 Vgl 1 Sam 2, 6. 7.
3 Sir 44, 20 (alte Übers.)
4 Röm 12, 4. 6.
5
2 Tim 20, 21.
1 Joh 14, 6.
2 Joh 14, 6.
3 Scala Parad. grad. 24.
4 Mt 11, 29.
5 Joh 4, 34.
6 Hebr 10, 5.
7 Joh 14, 31.
8
Mt 26, 45 f.
11 Hebr 7, 26.
12 Joh 8, 28.
13 Joh 5, 19.
14
Scala Parad. grad. 24.
15 Expos. Evang. sec. Luc. 10, 97.
16 Röm 2, 11.
17 Mt 22, 16.
18 Apg 9, 6.
19 1 Sam 3, 10.
20
1 Sam 3, 9.
21 Mt 8, 20.
1 Mt 15, 16.
2 Mt 11, 5.
3 1 Tim 6, 20.
4 Mt 11, 12.
8 Jak 4, 6.
9
Hebr 2, 17.
10 Mt 9, 13.
11 Mt 9, 13.
12 Vgl Lk 15, 7.