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Hl.
Peter - Julian EYMARD Der
Priester
Teil III. Priester-Exerzitien
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5. Betrachtung
Die Betrachtung ist in der
Sprache der Asketen eine religiöse Übung, die Anwendung der Fähigkeiten der
Seele auf eine göttliche Wahrheit und von dieser Wahrheit auf unser Leben.
Ist die Betrachtung notwendig?
Ja, wenn die Übung selbst gemeint ist; nein, wenn es um die dabei anzuwendende
Methode geht. Die Betrachtungsmethoden sind vielfältig und alle lobenswert;
keine ist jedoch absolut notwendig; für gewisse Gruppen von Seelen kann eine
Methode jedoch in bedingter Hinsicht notwendig werden, z.B. für die Ordensleute
hinsichtlich der von ihrem Gründer empfohlenen Methode.
Das innerliche Gebet ist mehr
ein Zwiegespräch der Seele mit Gott und von Gott mit der Seele; praktisch kann
es von der Betrachtung nicht getrennt werden, denn jede Betrachtung muss, um
vollständig zu sein, im innerlichen Gebet münden; und die betrachtende Seele muss
immer gewillt sein, die Stimme Gottes zu hören.
Bei der Betrachtung sind die Fähigkeiten
der Seele aktiv: der Geist überlegt, das Herz verkostet und liebt, der Wille
entschließt sich.
Überlegen wir, was man von
der Notwendigkeit der Betrachtung, von ihrer Vorzüglichkeit, von den erforderlichen
Eigenschaften zur fruchtbaren Übung der Fähigkeiten denken
soll; schließlich wollen wir die Regeln für die Betrachtung festlegen.
* * *
I. Notwendigkeit der Betrachtung.
Sie
erstreckt sich auf alle Verfassungen der Seele im christlichen Leben.
a) Zur Bekehrung.
"Der Sünder gibt entweder die Sünde
oder die Betrachtung auf" 1.
Die hl. Theresia von Avila
schrieb: "Ich halte es für sicher, dass
derjenige, welcher ernsthaft
trotz der Versuchungen, Sünden und anderer
Hindernisse, die ihm der Dämon in den Weg legt, in der Betrachtung durchhält,
durch die Gnade Gottes zum Hafen des Heiles gelangen wird"
2.
Die Begründung liegt darin, dass
die Seele bei der Meditation wieder zu neuer Kraft erstarkt, indem sie sich
ihrer Selbsttäuschungen und Gefahren bewusst wird, mit denen sie ihre Ewigkeit
aufs Spiel setzt.
b) Zum Fortschritt in der
Tugend. - "Das Gebet ist die
Wurzel der fruchtbringenden Rebe" 3.
- Durch das Gebet wird die Versuchung in die Flucht geschlagen, die
Traurigkeit weicht, die Kraft wird wieder hergestellt, der Eifer wird
angetrieben und die Flamme der göttlichen Liebe erstarkt 4.
- "Jeder geistliche Fortschritt entspringt aus der Betrachtung" 5.
Ohne Übung der Betrachtung erreicht niemand den schnurgeraden Maßstab der
christlichen Religion, es sei denn durch ein besonderes Wunder Gottes, imo vix
se componit 6.
c) Zur Vollkommenheit.
- Die Betrachtung ist deren Wurzel und deren Entfaltung durch die Überfülle der
Gnaden, die sie verdient. Als Gott dem Ananias ein untrügliches Zeichen der gänzlichen
Verwandlung geben wollte, die sich in der Seele des Paulus ereignet hatte, sagte
er zu ihm: "Steh auf und geh zur
sogenannten Geraden Straße... er betet gerade... Dieser Mann ist mein auserwähltes
Werkzeug: er soll meinen Namen vor Völker und Könige
und die Söhne Israels
tragen. Ich werde ihm auch zeigen, wie viel
er für meinen Namen leiden muss"
7.
Übrigens bestätigt die
Erfahrung diese beglaubigten Zeugnisse. Alle jene, welche die Kirche heiliggesprochen hat, waren in einer hervorragenden Weise Menschen des Gebetes.
Die Betrachtung ist das erste
Bedürfnis der Seele, die in besonderer Weise von der Gnade berührt wurde; sie
ist ihr bester Trost, das göttliche Zeichen des Rufes zur Vollkommenheit und
Heiligkeit.
* * *
II. Vorzüglichkeit der Betrachtung.
Diese
ergibt sich aus dem Wesen der Betrachtung selbst sowie aus ihrer praktischen
Verwirklichung.
a) Die Betrachtung bietet die
Gewähr für die Heiligkeit der Seele, weil sie die Übung aller Tugenden
verlangt; sie nährt sogar den apostolischen Eifer, der aus einer Seele der Betrachtung
entspringen muss, um aufrichtig und fruchtbar zu sein.
b) Die Betrachtung ist als
inneres Gebet die Erziehung der Seele durch Gott. Der Hl. Geist ist der wahre
innere Meister der Seelen, die er erleuchtet, leitet und antreibt. Auch sind
Seelen, die betrachten, an ihrer Weisheit, Klugheit und übernatürlichen
Erhebung erkennbar und von den anderen zu unterscheiden.
c) Die Betrachtung ist die
vollkommenste und fruchtbarste Übung der Liebe: "Das Gebet ist familiäres Gespräch und die Verbindung des Menschen mit
Gott" 8.
Gott spricht zum Geist durch
sein Licht und zum Herzen durch seine Eingebungen, sobald es die Seele wünscht
und Gott anruft, sobald sie sich dafür durch die Reinheit des Lebens würdig
erweist und sich in der gesammelten Stille des inneren Gebetes darauf
vorbereitet. Eine tröstliche Unterredung, eine unsagbare Verschmelzung.
* * *
III. Geforderte Eigenschaften.
Diese sind je nach der Fähigkeit,
die in Tätigkeit tritt, verschieden.
a) Der Geist. Die Überlegung
soll natürlich sein, d.h. dem Charakter des Betrachtenden, dem gerade
vorhandenen Zustand seiner Seele entsprechen; sie soll sogar der Neigung des
Geistes entsprechen, der instinktiv vom Bekannten zum Unbekannten fortschreitet;
sie muss eine besondere Note erhalten, denn das Schöne ergreift nur, wenn es
individuell ist, und eine Glaubenswahrheit erscheint nur dann bedeutungsvoll,
wenn sie sehr genau dargestellt und konkretisiert wird, - dann folgt daraus die
Schau der Bewunderung, des Wohlgefallens und der Sehnsucht; die Betrachtung muss
eine persönliche Verarbeitung werden: das ist die ergreifendste, verbindlichste
und bestimmendste Bedingung. "Simon,
Sohn des Johannes, liebst du mich?" 9
- "Er hat mich geliebt und sich für mich hingegeben" 10.
b) Das Herz. - Die
Anmutungen sollen in natürlicher Weise aus dem betrachteten Gegenstand fließen
wie die Flamme aus dem Feuerherd.
Um diesen Anmutungen einen
spontanen Charakter zu verleihen, muss man in einer positiven Art vorgehen,
also das Gute vor dem Übel sehen, die Güte und Liebe vor der Undankbarkeit;
der negative Aspekt, das Bedauern und der Schmerz sollen erst nachher erwogen
werden.
Auch Moses beginnt in seinem
Gesang "Hört ihr Himmel, ich will
reden" damit, dass er alle Wohltaten Jahwes in Erinnerung ruft, bevor
er dem Volk seine Untreue vorwirft 11.
Des-gleichen Nathan mit David 12.
Die Anmutungen sollen auch
persönliche Züge tragen, d.h. dem Bedürfnis nach Antwort und Gegenseitigkeit
zum Herrn entgegenkommen; sie sollen ein Beweis der persönlich empfundenen
Liebe sein. "Wir wollen lieben, weil
er uns zuerst geliebt hat" 13.
- "Herr, du weißt, dass
ich dich liebe" 14.
c) Der Wille. - Die Vorsätze
müssen die natürliche Frucht der Überlegungen und Anmutungen sein; genau
festgelegt und sogleich anwendbar kommen sie einem konkreten Bedürfnis der
Seele entgegen; es soll sich um besondere, also wenig zahlreiche Vorsätze
handeln und noch besser um einen einzigen, die mit einer Buße belegt sind, wenn
man deren Nichterfüllung feststellt oder befürchtet.
* * *
IV. Zu befolgende Regeln,
je nachdem, ob es sich um
eine Betrachtung im strengen Sinn des Wortes oder um das innere Gebet handelt.
1. Für die Betrachtung.
a) Sich nie dem Wirken der
Gnade und der Eingebung des Hl. Geistes widersetzen. Aus Respekt vor Gott muss man den Betrachtungsgegenstand nach den oben ausgeführten Eigenschaften
vorbereiten, aber man darf sich nicht hartnäckig im eigenen Ideenkreis
vergraben, wenn die Gnade uns vorübergehend in eine andere Richtung lenkt.
b) Von einem allgemeinen
Gedanken zu einem besonderen Punkt fortschreiten; dazu soll man analysieren und
Einzelheiten behandeln. Beispiel: Jesus wird in Bethlehem geboren. Aber: wann, in
welcher Umgebung, unter welchen Umständen ist er dort geboren? Sich die Szene
vorstellen. Diese Beschäftigung mit den Sinnen macht die Betrachtung interessant, verlebendigt sie und prägt sie ein. Hernach vereinigt man die
betrachteten Einzelheiten und gelangt dadurch natürlicherweise zu einer
Gesamtschau, die als Frucht daraus hervorgeht.
c) Von Besonderen zum Persönlichen
fortschreiten, und von Persönlichen zum Aktuellen, das etwas Praktisches sein muss. Das ist der Zeitpunkt der Auseinandersetzung von Mann zu Mann, zwischen
der betrachteten und geliebten Wahrheit und meinem egoistischen Ich: "er
hat mich geliebt"... und ich, was tue ich für ihn? ... Dies ist nicht
für ihn... was werde ich tun?
d) Alle Zerstreuungen und
Ausschweifungen des Geistes einfach durch einen Akt der Sammlung, der Rückkehr
zum Betrachtungsgegenstand, durch eine Erhebung zu Gott bekämpfen; den Zustand
der Unfruchtbarkeit und Machtlosigkeit bekämpfen durch einen Akt der Annahme
dieses Zustandes, weil ihn Gott zugelassen hat; diese Prüfung reißt sogar die
Betrachtung heraus; es gibt keine bessere, niemals ist man sich des Willens
Gottes sicherer.
a) Zuerst ausgehen von der
Gesinnung der Dankbarkeit durch die Erinnerung an die Güte Gottes im
allgemeinen und für unsere Belange, um das Herz zu öffnen und zu entfalten. So
geht Gott uns gegenüber vor.
b) Sobald man dann bei einem
bestimmten Punkt stehen bleiben will, muss man den Gegenstand zuerst von der
positiven und nicht von der negativen Seite her angehen; überlegen, was der
betreffende Punkt an Schönem aufweist, sei es auf seiten Gottes, sei es auf
seiten von uns selber; zuerst das Licht betrachten, bevor man sich ins Dunkel begibt; das Gute bewundern und erst nachher über das Übel trauern.
Man
soll nicht damit beginnen, dass man sich erhitzt und vor Gott in Verwirrung gerät.
Man soll stets einen ganz
ruhigen und gelassenen Kopf bewahren und das Herz schenken. Der Kopf ermüdet
und wird durch die Fülle der Gedanken und die Anstrengung des Studiums, während
das Herz durch die Übung der Anmutungen lebt und erstarkt.
Ist es notwendig, die
Notwendigkeit der Betrachtung und des inneren Gebetes im Leben des Priesters zu
unterstreichen? Ist er nicht zur Übung der hohen Tugenden und zur Heiligkeit seines Standes verpflichtet?
Wo wird er Licht und Trost
inmitten der Schwierigkeiten seines Dienstes finden, wenn nicht bei den regelmäßigen
Betrachtungen und den herzlichen Gesprächen mit Jesus Christus, dem ewigen
Hohenpriester?
Erbitten wir von ihm die
Einsicht des Bedarfes und das Interesse für das innere Gebet. Er selbst möge
uns beten lehren: "Herr, lehre uns
beten!" Dann wird unser Leben heilig und unsere Ewigkeit gesichert
sein.
Die Eucharistie, das Zentrum
des Priesters
Um in der guten Einstellung,
die wir durch die Exerzitien erlangt oder wiedergewonnen haben, auszuharren und
sie somit fruchtbar werden zu lassen, brauchen wir ein Lebenszentrum; dieses
Zentrum wird das Leben unseres Herzens, unserer Frömmigkeit und unserer Tugenden bilden.
Um
welches Zentrum geht es?
Weil die Eucharistie der
Seinsgrund des Priesters, sein Zweck ist, ist es darum nicht mehr als
angebracht, dass die Eucharistie auch sein Zentrum ist?
Für Jesus Christus hat uns
Gott zum Priesterstand berufen; für ihn hat er uns natürliche und übernatürliche
Gaben vorgesehen, die uns befähigen, unserer Berufung zu folgen. Wir sind vor
allem deshalb Priester, um die Eucharistie zu konsekrieren und auszuteilen, wie
der hl. Thomas von Aquin lehrt 1.
Warum sollen wir also nicht Jesus Christus in der Eucharistie zum Zentrum
unseres ganzen Lebens machen?
Betrachten
wir, auf welche Weise wir dies verwirklichen können.
* * *
I. Das Zentrum unseres Herzens.
Der Mensch kann ohne Liebe
nicht leben. Zweimal brandmarkt der hl. Paulus die Heiden, indem er sie Menschen
ohne Herz nennt: "sine affectione"
2.
Nun prägt die Liebe das Leben mit ihrem Abdruck. Ist die Liebe edel und göttlich,
macht sie das Leben würdig und heilig, ist sie irdisch und animalisch, so
entsteht daraus ein materialistisches und lasterhaftes Dasein.
Der Priester hat Gott als
Partner gewählt; wenn er auf die menschliche Zuneigung, auch die erlaubte,
verzichtet hat, dann nur deshalb, um in Gott das Zentrum der Liebe zu finden,
dessen sein Herz bedarf.
Aber wo anders wird er Gott
suchen, wenn nicht in der Eucharistie, wo Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer
Mensch, aus Liebe zu uns wirklich gegenwärtig ist?
Der Priester wird sich zuerst
einmal eine tiefe und fromme Überzeugung bilden, dass die Eucharistie wirklich
den glänzendsten Beweis für die Liebe Jesu Christi für ihn ganz persönlich darstellt, den ergreifendsten
Vorschuss an Freundschaft, die Jesus Christus mit
ihm unterhalten will. Dann wird er unwiderstehlich hingezogen sein - wenn die
Sorgen des Alltags und die apostolischen Werke seine Kräfte schwächt, seine
Seele ausgetrocknet und seine Frömmigkeit abgekühlt haben - zu Jesus in der
Eucharistie zu gehen, um sich zu seinen Füßen zu erholen, seine freundliche
Stimme zu hören, seinen Mut aufzufrischen und seinen Eifer wiederzubeleben für
seine eigene Heiligung und das Heil der Seelen.
Er wird selbst in dieser
geistlichen Kommunion die Wahrheit der Worte genießen, die in der Nachfolge
Christi stehen: "In diesem Sakrament
wird uns neue Geisteskraft mitgeteilt, der verlorene Tugendsinn erneuert, und
die Schönheit der Seele, die durch die Sünde verunstaltet ward,
wiederhergestellt.- Denn dieses Sakrament ist eine heilschaffende Arznei für
die Gebrechen der Seele und des Leibes... es gießt neue größere Gnaden ins
Herz, rüstet zu mutigerem Tugendkampf, befestigt den Glauben, stählt die
Hoffnung, entzündet und erweitert die heilige Liebe" 3.
Tatsächlich besteht die
besondere Gnade der Eucharistie darin, dass sie die göttliche Liebe in unserer
Seele nährt und entwickelt. "Wer
mein Fleisch isst
und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in
ihm". Sie erzeugt also diese Lebensgemeinschaft, welche die
vollkommenste Form der Liebe darstellt.
* * *
II. Das Zentrum unserer Frömmigkeit.
Der Priester wird sich gerne
daran erinnern, dass alle Geheimnisse im Leben Jesu Christi in der Eucharistie münden
sollten. - Auch bei der hl. Messe feiert die Liturgie deren gegenwärtige Erneuerung, und aus der Eucharistie schöpfen die Priester die Gnaden für die
Gläubigen unserer Zeit.
Wie gerne legten die Kirchenväter
ihren Seelsorgekindern diese für die Frömmigkeit so nützlichen Zusammenhänge
dar! Hier einige Beispiele 4.
Für Weihnachten:
"Dieser Altar nimmt die Stelle
der Krippe ein, in der Christus geboren wurde; denn auch hier wird der Leib des
Herrn hingelegt, nicht in Windeln gewickelt wie damals, sondern ringsum mit dem
Hl. Geist bekleidet" 5.
Für Epiphanie: "Die
Magier taten nichts anderes als anbeten; dir aber erlauben wir, wenn du mit
reinem Gewissen herantrittst, dass
du isst
und nach dem Essen nach Hause gehst"
6
- "Es schmerzt mich, gewiss,
es schmerzt mich, wenn ich lese, dass
die Weisen die Wiege Christi mit Gold
geschmückt haben, und wenn ich sehe, dass
die Christen den Altar des Leibes
Christi leer zurückgelassen haben"
7.
Für Ostern: "Was ist das Besondere jener, die das Brot essen und den Kelch des Herrn
trinken? Das ewige Gedächtnis desjenigen zu bewahren, der für uns gestorben
und auferstanden ist. Was ist das Besondere derjenigen, welche ein derartiges
Gedächtnis bewahren? Dass sie nicht mehr sich selbst leben, sondern für den,
der für sie gestorben und auferstanden ist" 8.
Für Christi Himmelfahrt:
"Der Adler ist Christus; die Jungen,
welche das Blut lecken, sind die Seelen der Heiligen, welche vom Blut, das aus
der Seite Christi fließt, genährt werden" 9.
Für Pfingsten: "Nach
dem Empfang des Hl. Geistes begannen die Jünger in allen Sprachen
zu reden.
Durch dieses Wunder erschüttert, erbaten die Juden von den Aposteln einen Rat für
ihr Leben. Darauf kündigte ihnen Petrus an, sie sollten denjenigen anbeten, den
sie gekreuzigt hatten, damit sie gläubig sein Blut trinken, das sie wütend
versprengt hatten" 10.
Somit
münden in der Eucharistie alle Gnaden der anderen Geheimnisse wie in ihrem
Ziel.
Die Eucharistie ist wie ein
Ozean, der aus allen Flüssen von Bethlehem, Nazaret und Kalvaria gebildet wird,
wohin die Seele mit stets neuer übernatürlicher Kraft und frischem Schwung
hineintauchen kann.
Die Verehrung der Eucharistie
ist also die königliche Frömmigkeit, der sich alle anderen unterordnen müssen
wie unter ihrem natürlichen Zug und ihrer notwendigen Ergänzung. Selbst das
Herz Mariens will uns nur deswegen an sich ziehen, um uns zum Herzen Jesu zu führen.
* * *
Als Unser Herr sich anbot,
unser Meister und unser Weg zu sein, hatte er nicht nur sein sterbliches Leben
vor Augen; seine Worte, die in der Gegenwart gesprochen sind, gelten für immer.
Wir können folglich Jesus in der Eucharistie zu unserem gegenwärtigen Vorbild
machen, indem wir uns an den sakramentalen Wirklichkeiten inspirieren, auch wenn
wir die Seinsweise seines verherrlichten Lebens berücksichtigen.
Wenige christliche Seelen, die
wirklich gläubig sind, und sogar wenige Priesterseelen schenken diesem
Gesichtspunkt gebührende Bedeutung.
Während unserer Exerzitien
haben wir den Vorsatz gefasst, ein Leben der Buße zu führen, um unsere Sünden
zu sühnen und vor allem, um den gekreuzigten Jesus nachzuahmen. Ist aber dieser
göttliche Erlöser nicht immer unser Opferlamm auf dem hl. Altar? Was
Anziehenderes und Hinreißenderes gibt es, als uns im Laufe des Tages mit
demjenigen zu vereinen, welchen wir während des hl. Opfers dargebracht haben,
um so durch unsere Bußakte seinen leidensfähigen Zustand zu vervollständigen?
Wir haben über die
Notwendigkeit der Liebe zum Nächsten im priesterlichen Leben nachgedacht. Sehen
wir Jesus Christus auch, wie er durch die Eucharistie allen alles wird. Er
schenkt sich zur Gänze jedem einzelnen Kommunionempfänger; er begibt sich
sogar zu den Kranken und Gebrechlichen oder anderswie Verhinderten, die sich
nicht in die Kirche begeben können. Er wohnt immerfort dort und empfängt in Güte
jeden, der ihn besucht, um Rat fragt oder um Licht und Trost bittet.
Wir haben begriffen, dass der
Priester der Kirche seinen rechtmäßigen Obern Gehorsam schuldet, dass er von
den Gütern dieser Welt losgelöst sein soll, dass er sein Selbst, insbesondere seine Sinne beherrschen soll. Diese Tugenden zu üben, schien uns ohne
Demut nicht verwirklichbar.
Nun gut, ist Jesus Christus
nicht dem Willen und Gutdünken jener ausgeliefert, die sich ihm nähern, "der
mit dem Vater im Himmel thront, er gibt sich allen, die ihn in Liebe umarmen und
empfangen wollen" 11,
- erträgt er nicht die Gewalttätigkeit der Schänder - "so
gibt er das Beispiel für Sanftmut und Demut" 12.
Ist Jesus Christus in der
Eucharistie nicht losgelöst von allem Geschaffenen, von dem er nicht Gebrauch
macht? Alles, was den Kult betrifft, wird ihm geschenkt. Er lässt nur jene
Seelen zu seinem Tisch zu, die wenigstens frei von jeder Todsünde sind; seine Vertraulichkeit
behält er den jungfräulichen und nach Vollkommenheit
strebenden Seelen vor.
Was seine Demut betrifft, ist
sie nicht wunderbar in seinem Opfer aller äußerlichen Ehre, aller menschlichen
Gestalt, damit sich die Menschen seiner bedienen können? "Wenn er nicht demütig wäre, würde er sich nicht essen noch trinken
lassen. Blicke auf seine Hoheit: im Anfang war das Wort und Gott war das Wort...
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Schau also auf
seine Demut, weil der Mensch das Brot der Engel gegessen hat"
13.
Aber mehr noch als für diese
besonderen Tugenden der Bildung, des Dienstes und der Hingabe gibt uns Jesus
Christus ein leuchtendes Beispiel der Liebe zu Gott und zum Menschen. Die
eucharistische Liebe muss folglich auch die königliche Tugend sein, welche alle
anderen dirigiert und stützt. Ein Akt der Tugend, wie immer er auch sein mag,
wird immer ein Akt der Liebe sein, der von der Eucharistie ausgeht und wieder zu
ihr zurückfließt.
* * *
O Priester, möge es dein
Ideal sein, Jesus in der Eucharistie innig zu lieben. Dein Apostolat bestehe
darin, die dir anvertrauten Seelen zu ihr hinzuführen. Dein Glück sei es, für
sie zu leben und in der letzten Begegnung mit der hl. Wegzehrung zu sterben!

Bemerkungen:
1 Alph. v. Lig.
2
Vita, Kap. 8.
3 Joh. Chrys.
4 Laur. Just. De car., c. 22, nr. 4.
5 Rufinus in Ps. 36.
6 Gerson. De Medit. consid. VII.
7 Apg 9,11.15.16.
8 Joan. Clim. Scala Parad., Grad. 28.
9 Joh 21, 16.
10 Gal 2, 20.
11 Deut 32, 1.
12 2 Sam 12, 7 ff.
1 Summ. theol. III, q. 83, a. x corp.
2 Röm 1, 31; 2 Tim 3, 3.
3
Nachf. Chr., 4. B., 1. Kap., Nr. 11; Kap. 4,Nr. 2.
4 Die hier zitierten Texte finden sich in den Manuskripten des Heiligen nur angedeutet oder verstreut. Durch deren Ergänzung und Zusammenlegung sollen seine Gedanken deutlicher gemacht werden (Anm. des Herausgeb.).
5 Joh. Chrys. De S. Philogonio.
6 Joh. Chrys. Hom. 6 contra Anomaeos.
7 Petr. Chrys. Serm. 130.
8 Basilius Caes. Sent. moral. reg. 80.
9 Ephräm, Explan. in Job, c. 39, v. 27.
10
August. De paen., Serm. 352.
11 Joh. Chrys. De Sac., lib. III.