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Hl.
Peter - Julian EYMARD Der
Priester
Teil IV. Exerzitien vor der Priesterweihe
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Exerzitien vor der Priesterweihe
Diese Exerzitien predigte P. Eymard den Diakonen im Großen
Seminar von Beauvais im Mai 1861. Der Heilige war also seit fünf Jahren Gründer
der Priester vom Hlst. Sakrament. Dies spürt man schon am Plan der Exerzitien.
Während er in Digne als Marist noch dem traditionellen
System folgte, ist er in Beauvais bereits voll in seiner eigenen Gnade. Von der
ersten Betrachtung an arbeitet er das grund-legende Prinzip seiner Spiritualität
heraus: die Liebe; diese verknüpft er dann in ganz selbstverständlicher Weise
mit der Liebe Jesu Christi in der Eucharistie.
Bezüglich der Konferenzen hielt er sich an jene von Digne,
denen er ohne Zweifel mündlich
eucharistische Anwendungen
hinzugefügt hat
(Anm. des Herausgeb.).
Diese
Exerzitien sind die notwendige Vorbereitung auf die Priesterweihe.
1. Jesus hat sie seinen
Aposteln als Bedingung für die Gnade des Hl. Geistes aufgetragen. "Bleibt
in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet" 1.
Es geschieht bei den
Exerzitien, dass sich die Seele von ihren Sünden reinigt; hier sieht sie diese
besser und spürt das Übel mehr; die Exerzitien sind der wahre Spiegel des Gewissens: man sieht sich darin, wie man ist.
Während der Exerzitien
geschieht es, dass Gott zur Seele spricht, dass er sich ihr im Licht seiner
Gnade und in der Kraft seiner Liebe zeigt: "Ich
will sie in die Wüste hinausführen und zu ihrem Herzen sprechen" 2.
Während der Exerzitien
bereitet Gott die Seelen darauf vor, im Hinblick auf eine göttliche Sendung
seine höchsten Gnaden zu empfangen.
So verbleibt Moses 40 Tage auf
dem Sinai, in Wolken gehüllt, bei Fasten und Gebet, bevor er Jahwe sah und hörte
3.
Die
Propheten zogen sich in die Wüste und in Höhlen zurück 4.
Der hl. Benedikt, der hl.
Franziskus von Assisi, der hl. Ignatius von Loyola, alle Gründer der großen
Orden haben sich in Exerzitien in der Einsamkeit mit Gott allein auf ihre Sendung
vorbereitet.
Jesus, unser guter Meister, verlässt
seine hl. Mutter und geht in die Wüste und während vierzig Tagen
bereitet er sich in der Einsamkeit und im Gebet auf seine göttliche Sendung vor
5.
So muss sich auch der
Weihekandidat in Exerzitien begeben mit den Aposteln in Vereinigung mit Maria,
der Mutter Jesu, mit Jesus selbst, weil er an seiner göttlichen Sendung, an
seinem Priestertum teilhaben wird. Er hat es nötig, sich so würdig wie möglich
zu machen für die besondere Gnade, die er empfangen wird, und die man nur
einmal erhält.
Ich
will also gute Weiheexerzitien machen.
2. An welchem Ort haben die Apostel ihre Exerzitien
gemacht? Im Abendmahlssaal.
Jesus hatte ihnen nicht ausdrücklich
den Ort ihrer Exerzitien angegeben; er hatte ganz einfach gesagt: "in
der Stadt". Aber ihr Herz geht geradewegs auf den Abendmahlssaal zu, wo
Jesus die Hl. Eucharistie eingesetzt hat, wo er aus ihnen seine ersten Priester gemacht
und wo er ihnen seine ganze Milde bezeugt und seinen Abschied
ausgesprochen hat.
Der eucharistische
Abendmahlssaal, dort ist der Ort, wo ich die meiste Zeit meiner Exerzitien zubringen werde; mit Jesus, zu Füßen Jesu, in Jesus. Ist denn Jesus im
Hlst. Altars-Sakrament nicht immer der Meister, die Gnade und der Zweck der
Exerzitien?
Der eucharistische
Abendmahlssaal ist der Sinai des Gesetzes der Gnade, der Tabor der Liebe, das
Paradies des menschgewordenen Gottes, der göttliche Eden für die Neuschöpfung
des gefallenen Menschen in der Gnade Jesu Christi.
Der Abendmahlssaal ist nun
meine Wohnung. Durch meinen Aufenthalt im Seminar bin ich dessen Gast, das
bevorzugte Kind. Die Exerzitien werden mir hier also wohl tun und angenehm sein.
3. Wie muss man diese
Exerzitien halten? In der Nachahmung der Apostel: "Als
sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig
blieben... zusammen
mit Maria, der Mutter Jesu" 6.
a) Sie verweilen fortwährend
in Exerzitien, im Schweigen, in der Bereitschaft für den Hl. Geist, ohne den
Tag noch die Stunde seines Kommens zu kennen; sie sind in allem treu und
aufmerksam, was die Worte ausdrücken: "im
Gebet". Soviel zur Situation und zur Einstellung für die Exerzitien.
b) "Sie verharrten im Gebet", sie beteten ohne Unterlas. Dies sei
die einzige Beschäftigung der Exerzitien.
c) Sie beten vereint in der
Liebe: "Sie verharrten alle.."
Das ist die Vereinigung ihrer Willenskräfte, die Gemeinsamkeit ihrer
Anstrengungen.
d) Sie beteten mit Maria,
"mit Maria, der Mutter Jesu".
Hier ist die gute Mutter, die hlst. Lehrmeisterin der Exerzitien.
Glücklich der Weihekandidat,
den Maria vorbereitet hat und zum Bischof führt, zu Jesus Christus, den ewigen
und erhabensten Hohenpriester des katholischen Priestertums.
Der
Tag der Himmelfahrt des Herrn war ein großer Tag für die Apostel.
Jesus verlässt sie segnend,
nachdem er ihnen neuerlich das Kommen des Hl. Geistes angekündigt und ihnen die
ehrenvolle Sendung, die sie erwartete, zugesichert hatte. So beteten sie ein
letztes Mal ihren Meister, der sich zum Himmel erhob, an und kehrten dann mit
großer Freude nach Jerusalem zurück 1,
um den obersten Auftrag Jesu auszuführen und sich nicht von der Stadt zu
entfernen; er hatte ihnen ausdrücklich gesagt: "Geht
nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr
von mir vernommen habt" 2.
"Sedete - bleibt": das war der Auftrag, sich in einem Warteraum
aufzuhalten. "quoadusque - bis":
das war die Bestimmung der Dauer dieser Vorbereitung. "Induamini":
das ist das Versprechen der Frucht für ihre Treue.
Die Kirche stellt die
Weihekandidaten unter dasselbe Gesetz; sie setzt die Zeit fest, wie lange ihre
Exerzitien dauern sollen, um sie zu einem würdigen Empfang der Priesterweihe vorzubereiten.
Sie weiß nämlich, dass die
Exerzitien die gewöhnliche Bedingung für die Berufs- und Heiligungsgnade ist.
* * *
Um
diese Notwendigkeit festzustellen, gibt es
a) Tatsachenbeweise... im
Alten wie im Neuen Testament... Die Erfahrung zeigt deutlich anhand täglicher Beispiele,
dass man durch Exerzitien die Gnade seiner Berufung in einem
Lebensstande erkennt oder in der Treue zu dieser Gnade bestärkt wird.
b) Rechtsbeweise. Gott fordert
die Exerzitien als Bedingung, um seinen Willen erkennen zu lassen: "in
solitudinem, ibi loquar ad cor" 3.
Dort spricht er, weil er
allein gehört wird. Das Herz des Menschen ist frei. Dort arbeitet Gott in der
Seele, um darin die Tugenden aufblühen zu lassen wie in einem Wonnegarten:
"Der Herr macht seine Wüste wie
Eden, seine Öde wie den Garten des Herrn" 4
- "Exultabit solitudo et florebit
sicut lilium - da frohlocket die Einöde und blüht wie eine Lilie"
5.
c) Vernunftbeweise. Um Gott zu
hören, muss man sich sammeln: "Ich
will hören, was in mir der Herr redet"
6.
Die Exerzitien versetzen uns in die notwendige Sammlung.
Man muss auch mit dem Wirken
Gottes mitarbeiten; er folgt bei der Bildung einer Gnade des Berufes oder einer
Tugend der Natur, wo ein menschliches Wesen ab seiner Empfängnis sich bis zu
seiner Geburt und dann weiterentwickelt, bis er nach und nach seine Reife
erlangt.
Die Exerzitien sind die
Werkstatt Gottes, die Schule der geistlichen Bildung des Menschen. Sie sind
seine Rüstkammer, oder sagen wir besser, sein Abendmahlssaal, wo er für seine
Seele den Tag des neuen Pfingsten erwartet.
Aus diesen Exerzitien
entspringen drei Gefühle: die Ehrfurcht, die Furcht und das Vertrauen.
* * *
II. Gnaden der Heiligung und
Vollkommenheit
a) Wenn Gott einer Seele eine
besondere Gnade gewähren will, so führt er sie in die Einsamkeit.
"Ducam eam": er ist es, der die Seele dorthinführen will, um
ihr zu begegnen.
"Loquar":
er ist es, der reden wird, nicht sie oder jemand anderer.
"ad cor ejus": Nicht in erster Linie zum Geist, zum Verstand
will er reden, sondern zu seinem Herzen, denn vom Herzen hängt das Leben ab.
"Schweigen und Ruhigsein - das bringt
die andächtige Seele im Guten weiter... damit sie mit ihrem Schöpfer desto vertraulicher
umgehen könne, je weiter sie sich vom Getümmel der Welt
entfernt hat" 7.
"Meine Worte sind Geist und Leben" 8.
Deshalb wollen seine Worte "in der
Stille des Geistes gehört und mit aller Demut und Inbrunst des Herzens
aufgenommen werden" 9.
Was wird Jesus euch während
dieser Exerzitien sagen? Das bleibt ein Geheimnis, aber um euch darauf
vorzubereiten, ist es für euch nützlich, die Verse 12, 18 und folgende des 1.
Kapitels aus dem 2. Korintherbrief nachzulesen und zu betrachten.
Es ist gewiss, dass Jesus zu
euch in dem Maß spricht, als ihr dafür aufgeschlossen seid: "Wer mich liebt..., den werde auch ich lieben und mich ihm
offenbaren" 10.
Er wird sich im innerlichen Gebet, im Lichte seiner Gnade, in der Milde seiner Güte
und in der Kraft seine Liebe offenbaren.
Licht:
"Er erleuchtet die Augen eures
Herzens" 11.
Güte:
"Kostet..., wie gütig der Herr ist"
12.
Kraft:
virtute ex alto - Macht aus der Höhe..
Dies waren die Wirkungen der
Gnade in der Seele der Apostel, die im Abendmahlssaal versammelt waren.
b) Erst an den Besinnungstagen
stellt sich der Mensch ganz Gott zur Verfügung.
Die Tugenden, Werke und Gnaden
des Lebens, die nicht ihren Ursprung in den Exerzitien haben, halten gewöhnlich
nicht lange an. Sie gleichen einem Baum ohne tiefe Wurzeln, der auf einem
ausgetrockneten Boden gepflanzt ist.
Die Heiligkeit ist etwas
Geistliches mit einer Empfängnis, einer Geburt und einem Wachstum, das bis zum
Himmel fortschreitet. Sie ist ein göttliches Gebäude, für das Gott den Plan
und das Baumaterial liefert, während der Mensch durch seine Mitarbeit beiträgt.
Die Exerzitien stellen die
Zeit der übernatürlichen Erziehung des Menschen dar. Sie sind sein glorreiches
Schlachtfeld gegen sich selbst, die Werkstatt, wo er das Meisterwerk seiner Vollkommenheit nach Jesus Christus entwirft.
1. Tag
1. Betrachtung
Die Liebe, das Prinzip des
christlichen und priesterlichen
Lebens
1. Die Gründe.
a) Es liegt im Wesen des
Menschen, auszugehen von seinem Herzen: "trahit
sua quemque voluptas - jeden zieht seine Lust" 1.
Der Mensch ist geschaffen nach dem Bilde Gottes, der die Liebe ist: "Gott
ist die Liebe" 2.
Auch Gott gibt ihm nur ein Gebot: "Du
sollst lieben!" Was er über alles fordert, ist sein Herz: "Gib
mir dein Herz, mein Sohn!" 3.
Auch der hl. Augustinus hat
geschrieben: "Ein kurzlautendes Gebot
wird dir vorgeschrieben: Liebe, und tue, was du willst!"
4
Die Gnade der übernatürlichen
Wiedergeburt ist eine Gnade der Liebe, der angenommenen Kindschaft. Das beste
Gebet beginnt mit diesen Worten: Pater noster - Vater unser.
b) Die Beziehungen Gottes zum
Menschen sind Beziehungen der Liebe: "Mit
ewiger Liebe habe ich dich geliebt" 5
- "Sosehr hat Gott die Welt geliebt, dass
er seinen einzigen Sohn hingab" 6.
Jesus Christus ist die Liebe
des menschgewordenen Gottes: "Wie
mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt"
7.
Jesus Christus geht von der
Liebe aus und gibt sich aus Liebe sosehr hin, dass er schließlich die Hl.
Eucharistie einsetzte.
Das Apostolat von Petrus,
Paulus, den anderen Aposteln und allen Heiligen war beherrscht von der Liebe zu
Jesus Christus und zu den Seelen.
a) Die Liebe ist der erste
Beweggrund jeglicher Tat; sie schließt kein anderes aus; und selbst nach Bedarf
greift man darauf zurück, aber dies erfolgt, um sich den eigenen Triumph über
das Böse oder im Guten sicherzustellen.
b) Die Liebe ist die erste
Richtschnur des Lebens. Was die Liebe will und wünscht, darin liegt das ganze
Gesetz des Herzens.
Was will die Liebe Jesu von
mir? Dies ist die entscheidende Frage für jemand, der ihn liebt. Die Antwort
ist einfach: ihn niemals willentlich, wissentlich beleidigen; bereit sein, eher
alles zu erleiden als ihn zu beleidigen; seinem Gesetz sehr treu bleiben: "wenn
ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben" 8.
c) Die Liebe ist die Gnade für
die Tat; sie gibt ihr die Kraft, die Salbung, die Ausdauer in der Gnade Gottes.
Im letzten Grund ist die Liebe
das Prinzip in Aktion; so wie der Dampf eine Maschine in Bewegung setzt oder wie
der elektrische Strom, der einen Motor anspringen und laufen lässt; sie ist stärker
als der Blitz, ohne Gewalt bricht sie die Hemmnisse des Willens; sie ist
vergleichbar mit dem Wasserstrahl, der die Frische und Fruchtbarkeit in einem
Blumengarten erhält.
3. Praktische Regel zur Selbstüberprüfung
In jedem Menschen befindet
sich eine vorherrschende Liebe: entweder ist es die Liebe zu Gott oder die Liebe
zu sich selbst. An welchen Zeichen lässt sie sich erkennen?
Die Liebe zu Gott herrscht in
uns vor, wenn:
- die Pflicht unser oberstes
Gesetz ist
- der Wille Gottes der höchste
Beweggrund unserer Taten ist
- die Verherrlichung Gottes
unser erhabenstes Ziel ist.
An
diesen drei Kriterien erkennt man unfehlbar die vorherrschende Liebe.
Die Spontaneität der
Einstellung und des Gedankens zeigen darin den Vollkommenheits-grad an, ebenso
wie der Aufschub, das Zögern und Ausredensuchen deren Schwäche offen legen;
desgleichen offenbart in der natürlichen Ordnung das erste Gefühl die innerste
Bereitschaft und deren Grad an Fertigkeit oder an Unvollkommenheit 9.
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Konferenz über das innerliche
Leben
Siehe Seite 46-49
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2. Betrachtung
1. Jede Art von Liebe braucht eine
Mitte, und zwar aus
drei Gründen:
a) Der Mensch schöpft seine
Liebe durch die Tat selbst, die ihn leben lässt; um sich zu erhalten, muss er
sich dauernd Nahrungsmittel zuführen.
b) Das Wesen der Liebe besteht
darin, alles zu geben und sich nichts vorzubehalten. Sie neigt von sich aus zum
Ganzopfer für das Wesen, welches geliebt wird.
c) Und Gott, der die Liebe
schlechthin ist, ist sich selbst sein eigenes Zentrum.
Worin besteht dieses Zentrum für
die Liebe und das Herz des Menschen? Es ist Jesus Christus, die Liebe des
menschgewordenen Gottes: "Bleibt in
mir, bleibt in meiner Liebe!" 1.
In ihm, dem göttlichen
Zentrum, hat Gott die Gnade, die Kraft und den Erfolg des Priesters, des
Apostels und des Märtyrers hineingelegt.
Er selbst ist dieses göttliche
Feuer, das er auf die Erde gebracht hat, damit sie von ihm erfasst werde.
Er ist die übernatürliche
und unerschöpfliche Sonne, der Feuerherd des Lichtes, der Kraft und der
Fruchtbarkeit, dessen die Seelen bedürfen; er ist das Zentrum, um das alles zu
kreisen hat.
2. Die
Liebe zu Jesus Christus, das dauerhafte und persönliche Zentrum
Diese Liebe verlangt, dass ihr
Zentrum überdies ein dauerhaftes sei, leicht zugänglich und stets verfügbar
sei; was die Liebe aber ergreift und packt, ist die Feststellung, dass dieses
Zentrum wirklich für ihn da ist, als ob niemand anderer davon einen Nutzen
ziehen sollte.
Ist es nicht das, was Jesus
Christus, unser göttliches Zentrum, in der Hl. Eucharistie verwirklicht? Er
gab sich nicht damit zufrieden, persönlich im Himmel zu sein und mit der Hl.
Dreifaltigkeit in uns durch die Gnade zu leben. Er hat seine bleibende Wohnung
im Tabernakel und kommt in der Hl. Kommunion zu uns. Unsere Seele wird zum
Himmel der Hl. Dreifaltigkeit auf Erden. Wir empfangen ihn, wir besuchen ihn,
wir reden mit ihm, ohne dass die anderen Gläubigen unseren persönlichen Anteil
seiner Gnaden schmälerten.
Schließlich braucht die Liebe
ein Zentrum, wo sie sich erneuern und die im Lebenskampf geschwächten Kräfte
zurückgewinnen kann, sich trösten kann, die Wunden ihres Herzens verbinden
und sich mit neuem Mut aufrüsten kann.
Jesus Christus in der
Eucharistie ist dieses Rehabilitationszentrum: "kommet
alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde
euch Ruhe verschaffen" 2.
Das Leben des Christen, des
Priesters, ist eine Zeit des Kampfes: "Ich
bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert" 3.
Sie können sich dabei
verwunden, sie brauchen Ruhe und Nahrung. Dies alles finden sie in der
Eucharistie, zu Füßen Jesu Christi, und im Genuss dieses Lebensbrotes.
"Wer leben will, hat, wo er leben will, woraus er leben will. Er trete
herzu und glaube, er lasse sich eingliedern, um Leben zu schöpfen; er hänge
dem Leib an, er lebe für Gott, von Gott" 4.
2. Tag
1. Betrachtung
Die Sammlung, Vorbedingung und
Mittel
1. Die Bedingung, um dieses Zentrum zu erreichen.
a) Die Sammlung, welche hier
gemeint ist, besteht nicht darin, dass man einige Akte der Rückbesinnung auf
Gott in systematischer Weise setzt, um einen Vorsatz oder eine Lebensregel zu
beobachten. Es geht auch nicht um eine durch regelmäßige Übung erworbene Tugend, die an den Akten der Sammlung treu festhält.
Es
ist vielmehr ein innerlicher Zustand, der uns in der Liebe Jesu Christi
verweilen lässt.
Um dies zu erreichen, genügt
es, in sich den Gedanken Jesu Christi und seine Liebe zu einer milden und
starken Gewohnheit werden zu lassen, sodass dieser zur göttlichen Leidenschaft unseres Herzens wird; ohne Jesus ist dieses Herz traurig und unglücklich.
Es kommt wesentlich darauf an,
diesen Gedanken durch alles, was sich im Leben ereignet, aufrechtzuerhalten,
die Zuneigung zur Gewöhnung und den Blick dafür dauerhaft zu machen.
b) Jesus Christus ist das
Modell dieser Sammlung. Um sich dieser Tatsache bewusst zu werden, muß man
gewisse Kapitel des Evangeliums nach Johannes betrachten. Einige Texte daraus
genügen für die folgende Betrachtung.
"Ich richte, wie ich es höre" 1.-
"Ihr werdet erkennen, dass
ich nichts
im eigenen Namen tue, sondern nur das sage, was mich der Vater gelehrt hat"
2.
- "Und der, der mich gesandt hat, ist bei mir, er hat mich nicht
alleingelassen, weil ich immer das tue, was ihm gefällt" 3
- "Es geht mir nicht um meinen Willen, sondern um den Willen dessen, der
mich gesandt hat" 4
- "Amen, amen, ich sage euch: der
Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, wenn er den Vater etwas tun
sieht" 5.
Welches Ideal der Sammlung in
Gott! Dies ist gewiss der ständig auf Gott gerichtete Blick, die volle Übereinstimmung
der Liebe in den Urteilen, den Taten und Worten mit dem Vater.
2. Mittel, in diesem Zentrum zu
leben.
Die Sammlung ist das
unfehlbare Mittel, seine Taten ordentlich auszuführen. Dafür muss jede Tat
sein:
- rein in ihrer Absicht;
- treu in der Ausführung;
- übernatürlich in ihrer Zielsetzung.
Die Sammlung garantiert ihr
diese drei Vorteile. Sie wird in ihrer Absicht rein sein, weil man vor dem
Handeln immer Gott um Rat fragt; sie wird treu sein, weil man während der Tat
darauf wacht, dass die Reinheit der Absicht nicht gefährdet oder abgeändert
werde; sie wird übernatürlich sein, weil es ein Bedürfnis der Liebe ist,
alles zur Verherrlichung Gottes zu tun.
So sagt das Evangelium von
Jesus, dem Vorbild der Sammlung in Gott, wie eine öffentliche Huldigung der
Zeugen seines Lebens: "Bene omnia
fecit - er hat alles gut gemacht"
6.
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Konferenz über die
Betrachtung
Siehe S. 112-116
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2. Betrachtung
Die Liebe und die Reinheit des
Lebens
1. Notwendigkeit:
Die göttliche Liebe will vor
allem die Reinheit des Lebens; denn die Liebe strebt nach Vereinigung des Lebens
und der Gefühle. Um nun dorthin zu gelangen, muss sie vorher erleuchten und
reinigen.
Gott ist Licht: "Das
wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt" 1.
Die Liebe muss die Finsternis des Geistes und des Herzens desjenigen
verscheuchen, der sich mit ihr vereinigen will; denn "was haben Licht und Finsternis gemeinsam?" 2
Dieses Licht bringt dem Menschen selber, seiner Nichtigkeit und seinem sündhaften
Zustand Licht; es schenkt ihm die Erkenntnis der Reinheit Gottes.
Gott ist auch ein verzehrendes
Feuer: "Denn unser Gott ist ein
verzehrendes Feuer" 3.
Nun ergreift das Feuer einen feuchten Gegenstand nicht sofort, sondern bereitet
ihn darauf vor, sich zu entzünden. Bevor sich Gott mit einer Seele vereinigt,
hilft ihr Gott mit seiner Gnade, sich vom Sauerteig der Sünde zu befreien. Er
reinigt sie wie das Feuer Gold und Silber von den Beimischungen und Schlacken
trennt.
Auch als Jesus erklärte:
"Ich bin gekommen, um Feuer auf die
Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen" 4,
da war er fest entschlossen, keine Beimischung mit der Sünde zuzulassen: "Wer
nicht für mich ist, der ist gegen mich" 5.
2. Das Wesen
Was bedeutet also diese
Reinheit des Lebens, die von der göttlichen Liebe verlangt wird? Es ist Gott,
der einziges Ziel der Liebe selbst geworden ist; diese Liebe kann sich nur mehr
im Willen, Wohlgefallen und Verherrlichen Gottes selbst gefallen.
Es ist die Liebe Gottes, das
alleinige Ziel des Geistes, des Herzens und des Willens des Menschen:
- ein reiner Zweck, ohne
bezahlte Interessen.
- ein pflichtbewusster Zweck,
ohne andere Belohnung als Gefallen bereitet zu haben.
Das ist ein frei gewählter
und erworbener Zustand, der demjenigen eines Kindes gleicht, das etwas tut, ohne
bereits die Eigenliebe zu kennen.
Dies ist der Reiz der Frühlingsblume,
die ihren Duft ausströmt und ihre Farben erglänzen lässt ohne anderes Ziel
als den Schöpfer zu verherrlichen und die anderen zu seiner Liebe hinzuführen.
Dritter Tag
1. Betrachtung
"Bewahre dich rein!" 1.
Dies ist die Empfehlung des hl. Paulus, aus der die Kirche eine strenge
Verpflichtung gemacht hat, die vom Subdiakonat an mit dem feierlichen Gelübde
der Keuschheit verbunden ist.
1. Die Keuschheit ist für
denjenigen notwendig, der zum Priestertum strebt; sie ist sogar eine Bedingung
dafür, dass er zu den Weihen zugelassen wird.
"Niemandem werde es erlaubt, zur hl. Weihe heranzuschreiten, der nicht
jungfräulich ist oder eine bewährte Keuschheit aufweist" 2.
Es ist nur gerecht, dass Gott
Mitarbeiter hat, die über die Armseligkeiten und Besudelungen des Fleisches
hinausragen: "Halte dich keusch wie
ein Geschenk Gottes, einen Tempel
Christi, ein Werkzeug des Hl. Geistes"
3.
Es ist nur gerecht, dass Jesus
Christus mit der Reinheit gezierte Diener hat: "Alle
haben die Keuschheit sehr nötig, am meisten aber brauchen sie die Diener des
Altares Christi; es geziemt sich, dass
der Herr solche Diener hat, die.. durch
keusche Enthaltsamkeit aufstrahlen" 4.
Die Keuschheit ist die königliche
Tugend des Priesters. Ohne diese ist er nichts: "Möge ein Priester demütig und fromm sein; wenn er nicht keusch ist,
ist er nichts" 5
.
"Durch sie ist er in der Welt König, er ist Apostel, er ist heilig. Die
Welt weiß dies sehr zu schätzen. Die Schamhaftigkeit ist der Schmuck der
Kirche Gottes, die glanzvolle Krone der Priester" 6.
2. Die Keuschheit muss kämpferisch
sein. Alles verschwört sich gegen sie: die Aufstachelungen des Fleisches, die
Verführungen und Feindseligkeiten der Welt, die Versuchungen des Teufels.
a) Das Fleisch. "Unter
allen Kämpfen der Christen sind nur die Gefechte um die Keuschheit hart; hier
gibt es tägliche Schlachten und seltene Siege" 7.
Daher heißt es wachsam sein und beten: "Es
ist auffallend, wie leicht sie jene verlieren, die zu deren Bewahrung nicht
wachen" 8.
b) Die Welt. Ihre
Feindseligkeit gegen den Priester kommt daher, dass er der geborene Zensor über
Laster und vor allem gegen die Sittenlosigkeit ist. Somit versucht sie durch die
Weltlichkeit und die Sinnlichkeit den Priester zu verführen, der gezwungen ist,
mitten in der Welt zu leben.
Wie muss der Priester den vom
Evangelium vorgezeichneten Regeln folgen! "Liebet
nicht die Welt und was in der Welt ist! Wer die Welt liebt, hat die Liebe zum
Vater nicht. Denn alles, was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches, die
Begierden der Augen... ist nicht vom Vater, sondern von der Welt" 9
- "Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der
Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt" 10.
Somit kann der Priester sein
ganzes Vertrauen auf das Gebet Jesu für seine Apostel, seine ersten Priester,
setzen: "Ich bitte nicht, dass
du sie
aus der Welt nimmst, sondern dass
du sie vor dem Bösen bewahrst"
11.
c) Der Dämon. - Er kennt den
ganzen Preis dieser Tugend, das übernatürliche Ansehen, welche sie dem
Priester zusichert. Er versucht mit allen Mitteln, den Priester von der Treue zu
dieser schweren Verpflichtung abzubringen, indem er ihm Illusionen vorgaukelt,
die manchmal gefährlich sein können 12.
"Euer Widersacher, der Teufel, geht
wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann" 13.
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Konferenz über die
lässliche
Sünde
Siehe S. 87-91
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2. Betrachtung
Um sich in der Übung der
Keuschheit zu mühen, darf man nicht nur ihre Notwendigkeit und ihren kämpferischen
Charakter sehen, sondern auch ihre Schönheit, ihre Stärke und das Glück, das
sie der Seele bereitet.
1. Die Keuschheit nennt sich
die schöne Tugend, die englische Tugend
"Wie liebenswert ist die Schönheit der Keuschheit" 1.
- "Die Keuschheit macht Engel, wer sie befolgt hat, ist ein Engel, wer sie
verloren hat, ein Teufel" 2
- "Die Keuschheit ist ein
engelsgleiches Leben; sie verbindet den Menschen mit dem Himmel und macht ihn
zum Mitbürger der Engel" 3
- "Der Engel und der schamhafte
Mensch unterscheiden sich gewiß, nämlich am Glück, nicht aber an der Tugend;
denn wenn die Keuschheit des Engels" beseligender erkannt wird, so wird
die Keuschheit des Menschen als stärker angesehen 4.
- "Die Schamhaftigkeit macht den Menschen Gott sehr ähnlich" 5.
Wie lässt sich die Keuschheit
erhalten? - Durch die Bescheidenheit, die der natürliche Schleier für die
Keuschheit ist; diese beiden Tugenden sind untrennbar. Die Bescheidenheit ist
die Verteidigung der Keuschheit, wie die Dornen die Zartheit der Lilie behüten;
"eine Lilie unter den Disteln"
6.
Die Keuschheit jagt selbst den
Lüstlingen Respekt ein, sie hält den vertrauten Umgang mit der Welt auf
Distanz.
"Die priesterliche Schamhaftigkeit meint nicht nur,
dass
man von unreinen Werken abstehen
soll, auch von Blicken durch die Augen
und vom Fehler des Gedankens, damit der Geist, der den Leib Christi entstehen
lassen soll, frei sei" 7.
Wenn auch die äußere
Bescheidenheit ganz besonders mit den Blicken beobachtet werden muss - "einen
Bund
schloss
ich mit meinen Augen, an eine Jungfrau nicht einmal zu denken"
8
- so ist sie doch eine allgemeine Tugend. "Durch diese Tugend hält jemand in den äußeren Belangen Maß, damit er
nicht das Aussehen von jemand beleidige" 9.
Es handelt sich dabei um die
unangenehmsten Abtötungen für die Natur. Aber: "In der Bescheidenheit liegt die größte Ruhe des Geistes, das Bestreben
nach Sanftmut und die Gnade der Mäßigung wird erwartet" 10.
Auch der hl. Gregor von
Nazianz hat geschrieben: "Wo die
Bescheidenheit ist, dort ist auch Christus anzutreffen" 11.
2. Eine mächtige
Tugend. - Dem
übernatürlichen Reiz der Keuschheit widersetzt sich nichts.
Gott begünstigt besonders das
Gebet des keuschen Menschen. "Wer die
Lauterkeit des Herzens liebt... wird den König zum Freund haben" 12.
- "Ein schamhafter Mensch ist ein Freund Gottes und ein geliebter Bürger
der Heiligen" 13.
Die Keuschheit übt eine Macht
aus über die Welt, denn der Priester ist durch seine Aufgabe "das Salz der Welt". Die Welt bewundert und respektiert einen
keuschen Menschen, auch wenn sie ihn fürchtet; sein Wort durchdringt die
Seelen wie ein zweischneidiges Schwert "Die Keuschheit lässt sowohl die Menschen als auch die Engel liebenswürdig
und ehrenvoll erscheinen" 14.
- "Die Tugend der Keuschheit ist so lobenswert, dass sie selbst die
Unenthaltsamen in ihrer Verlegenheit preisen und ehren" 15.
Die Dämonen hassen und fürchten
den Priester, weil er die Vollmacht hat, gegen sie die Gewalt des Exorzismus
auszuüben; aber die Keuschheit des Priesters ist eine Art fort-gesetzter
Exorzismus gegen die Verderbnis der Welt, deren Urheber die Dämonen sind.
"Secura mens, quasi iuge convivium - 16
"So ist es also die Keuschheit, die die Sicherheit des Geistes und die
Gesundheit des Leibes" ausmacht. Man muss sie üben, um die Erfahrung
zu machen, dass sie die Quelle einer Sanftheit - "fructus suavitatis" 17
- ist, welche unvergleichlich höher steht über die Vergnügungen des
Fleisches: "deren genossene Freude
intensiver empfunden wird als jene des Fleisches" 18.
- "Die Tröstungen, die wir von dem
Geist, der sie genießt, geistliche nennen, übertreffen alle Freuden der Welt
und alle Wollüste des Fleisches... die geistlichen Freuden allein sind zugleich
edel und eigentliche Freuden, weil sie von Gott in eine reine Seele gesenkt sind"
19
.
4. Tag
1. Betrachtung
Die Eucharistie, das Sakrament
der Liebe
Wenn auch alle Sakramente
Beweise der Liebe unseres Herrn sind, so sagt das Evangelium von der
Eucharistie allein, dass sie das höchste Zeichen seiner Liebe ist: "Da er die Seinen liebte... liebte er sie bis zur Vollendung".
Mit welcher Sorgfalt, mit wie viel
Feingefühl und Großherzigkeit hat die Liebe die Eucharistie vorbereitet - eingesetzt, - und verewigt! 1.
1. Vorbereitung.
- Sie geschah zuerst in einer
entfernteren Weise mit vielfältigen Figuren, wie dem Osterlamm, dem Brot des
Elias und vor allem dem Manna, das Jesus selber als Symbol benützt hat.
Dann hat unser Herr durch die
Wunder zu Kana und die Vermehrung der Brote darauf hingewiesen; bei der
Brotvermehrung hat er die Gelegenheit benützt, um formell das Brot des Lebens
anzukündigen.
Schließlich ereignete sich
die unmittelbare Vorbereitung. Jesus hat selbst den Ort für die Einsetzung
festgelegt und ihn durch einen wunderbaren Hinweis bestimmt; und er hat dafür
seine Apostel durch den symbolischen Ritus der Fußwaschung gereinigt.
2. Einsetzung.
- Jesus Christus stellt sich bis zum Ende der Welt den
Menschen zur Verfügung, und zwar bedingungslos, ohne andere Verteidigung als
seine Liebe. Er kann gelästert und geschändet werden. Äußerlich
unterscheiden sich die Bösen nicht von den Guten.
Warum setzt sich Jesus solcher
Gefahr aus? Weil die Liebe nur schenken und ohne Hintergedanken der Entschädigung
geben will. Er überlässt der geliebten Person die Sorge, seine Ehre zu gewährleisten
und ihm Dankbarkeit zu bezeugen.
Somit ist die Eucharistie die
Ganzhingabe und das Testament Jesu Christi. Das Testament der Liebe, wodurch er
noch zu seinen Lebzeiten jedes seiner Kinder in den Besitz seiner ganzen Person
bringen möchte; dies ist das größte Wunder seiner Macht, und nur er selbst
konnte es verwirklichen.
Wie bewundernswert sind auch
die damit verknüpften Umstände! Es ist der Vorabend seines Leidens, zum
Zeitpunkt, als die Menschen mit Hilfe des Komplizen Judas seinen Tod planen.
Und zu welch unaussprechlichem
Zweck tut er dies! Um in jedem einzelnen von uns mit einem reicheren,
fruchtbareren Leben zu wohnen; um das Werk der Sünde Adams zu zerstören, um
auf jeden von uns das Geheimnis der Menschwerdung auszudehnen.
3. Zeitlosigkeit.
- Die Liebe strebt von Natur
aus zur Beständigkeit, sie möchte sich verewigen, auf diese oder andere Weise
unsterblich werden. Desgleichen wollen die Eltern ihre Kinder lieben. Jesus lebt
in der Eucharistie auf Erden weiter, er verewigt seine Gegenwart für alle
Zeiten und an allen Orten; er schenkt sich ganz an alle und jeden einzelnen.
Zu diesem Zweck hat er das
Priestertum eingesetzt. Jeder Priester besitzt die Vollmacht zur Konsekration
der Eucharistie, ohne andere Bedingung als die Gültigkeit seiner Priesterweihe.
Wenn die Kirche die Zeit, den Ort und die Art dieser Konsekration festgelegt
hat, so nur aus Gründen der geziemenden Ehrfurcht.
Somit ist die Liebe Jesu
Christi zufriedengestellt. Er konnte nicht mehr tun. Und so wartet er und wünscht
die Antwort mit unserer Gegenliebe.
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Konferenz: Über die Abtötung
und die Eigenliebe.
Siehe S. 59-60
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2. Betrachtung
Die Eucharistie, das Sakrament
der geistlichen Bildung
Es gibt zwei Lehren, die zur
Bildung und Formung des Christen beitragen; die eine ist äußerlich, die andere
innerlich.
Die äußerliche Lehre ist
jene Jesu Christi zur Zeit seines sterblichen Lebens und jene der Kirche durch
den Katechismus und die Predigt.
Dieser Dienst Jesu Christi
erlebte nur ein angefangenes Ergebnis; zu dessen Vollendung bedurfte es des
Kommens des Hl. Geistes und der innerlichen Wirksamkeit durch die Eucharistie.
Diese Wirksamkeit der
Eucharistie ist wirklich ein außergewöhnliches Werk, das ihm ganz zu eigen
ist. Hier zeigt sich Jesus Christus im Licht und in der Milde seiner Liebe.
1. Durch die Eucharistie zeigt
Jesus Christus seine volle Wahrheit. - Hat unser Herr nicht in der Vertrautheit
der eucharistischen Danksagung im Abendmahlssaal eine seiner bedeutendsten
Reden zur Offenbarung seiner Gottheit und seiner Lehre an seine Apostel gerichtet?
Mehrere Kirchenväter haben
zugegeben, dass die Jünger von Emmaus den auferstandenen Jesus durch die
Brechung des Brotes erkannt und an ihn geglaubt haben.
Andere hl. Kirchenlehrer haben
die Eucharistie verherrlicht als ein Brot des übernatürlichen Lichtes: "Wir
sollen nicht wie die Juden auf Christus zugehen, um ihn zu vernichten, sondern
um seinen Leib und sein Blut zu empfangen. Jene wurden vom Gekreuzigten
verfinstert, wir aber werden durch den Genuss
des Gekreuzigten und den Trank
seines Blutes erleuchtet" 1.
Es besteht ein großer
Unterschied zwischen einem häufig Kommunizierenden und demjenigen, der es nur
selten oder überhaupt nicht tut. Unser Herr schenkt nicht nur die Gnade zu
einem einfacheren und festeren Glauben, sondern er weckt auch das Bedürfnis und
das Verlangen nach der evangelischen Wahrheit.
2. Durch die Eucharistie formt
uns Jesus Christus für das Leben in Liebe. - In der natürlichen Ordnung trinkt
das Kind mit der Milch die Liebe seiner Mutter; durch sie gewöhnt es sich an
die Sitten seiner Familie, dieser Gemeinschaft der Empfindungen, die deren Geist
ausmachen.
Jesus Christus vermittelt uns
über die Eucharistie, vor allem durch die hl. Kommunion, seinen Geist, seine
Sitten und seine Tugenden. - "Wer mein
Fleisch
isst
und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm"
2.
Die Hl. Eucharistie zeigt uns
auf, das Leben Jesu im Hinblick auf seinen Vater, das eine vollendete
Gemeinschaft des Lebens in der Liebe war, nachzuahmen: "... wie ich durch den Vater lebe" 3
.
Dadurch lässt er den Geist
und Sinn Jesu Christi in uns eindringen; die Eucharistie führt uns hin, nach
den Lebensregeln Jesu Christi zu leben, welche die Frucht einer beständigen Einheit und des vertraulichen Umgangs mit ihm bewirken.
3. Durch die Eucharistie
bewegt uns Jesus Christus zur hingebenden Liebe. - Die Hingabe hat ihre Quelle in
einer tiefen und reinen Liebe. Für gewöhnlich ist diese Hingabe eine
Gegenleistung, eine Antwort auf die empfangene Liebe, mit Ausnahme der
Elternliebe, die instinktmäßig und spontan ist; aber das Kind versteht es noch
nicht, diese Liebe als erstes zu erweisen.
Nun ist die Eucharistie das
vorzüglichste Geschenk der Liebe Jesu Christi, die mildeste Gnade, die seinem
Herzen entsprungen ist, der glänzende Beweis seiner Hingabe für das Wohl
unserer Seelen.
Nachdem er so viele Opfer
gebracht hatte, um auf diese Weise zu uns zu gelangen, kann er sich dann nicht
eine großherzige Antwort von unserer Seite erwarten?
Durch die Wirkung der
Eucharistie, die wir in der Kommunion empfangen haben, befindet sich das Herz
des Menschen wie unter einer Liebespresse, und es kann nur das Wort des hl.
Paulus wiederholen: "Die Liebe
Christi drängt uns" 3.
Das Herz braucht diese
Hingabe, es sucht nach Möglichkeiten, sich für Jesus Christus zu verzehren, es
opfert sich bis zur Ganzhingabe seiner selbst, bis zum Tod.
Vom Altar aus schreitet der Märtyrer
zur Todesfolter, die christliche Jungfrau zum Kampf gegen die Verlockungen der
Welt; der Priester zu den Opfern für das Heil der Seelen.
5. Tag
1. Betrachtung
Der Priester: seine Würde und
seine Macht
Um sich vorzubereiten, das
Priestertum in angemessener Weise zu empfangen, muss man die Würde, die es
verleiht, und die Unwürdigkeit, welche trotz des Priestertums bestehenbleibt,
gut kennen 1.
1. Würde.
- In der Welt ist die Würde eines Standes begründet in
seiner Nähe zum Oberhaupt und in der Wichtigkeit der Ämter, die ihm übertragen
werden.
In der übernatürlichen
Ordnung wird kein anderes menschliches Wesen sosehr mit Jesus Christus, dem Sohn
Gottes und König der Könige, gleichgestellt wie der Priester, und zwar durch
das priesterliche Merkmal und durch die heiligen Funktionen, die er ausführt:
"Die Priester verwalten auf Erden
sogar die Person Gottes" 2.
Weder die Engel noch die
Jungfrau Maria haben die Vollmacht empfangen zu konsekrieren, die Sünden zu
vergeben oder die Seelen zu leiten.
Die Vollmacht des Priesters
ist zu vergleichen mit der Macht Gottes. Mit ein paar Worten erweckt der
Priester eine Seele zum übernatürlichen Leben, wandelt er die Substanz des
Brotes und Weines in jene des Leibes und Blutes Jesu Christi. Sofort nach den gesprochenen
Worten ist das Wunder der Transsubstantiation vollzogen, wie auch
gleich nach seiner gültigen Absolution die Sünden vergeben worden sind. "Ganz
und gar großartig und bewundernswert ist die Würde der Priester; die größte
Vollmacht ist ihnen übertragen" 3.
- "Christus übertrug den Priestern die Macht, seinen Leib zu konsekrieren
und ihn anderen auszuteilen. O wahrlich große Freigebigkeit, o unerhörte Großmut,
o alles überragende Liebe!“ 4.
2. Unwürdigkeit.
- Der
Priester, selbst der eifrige und heiligmäßige, bleibt stets ein Kind des
sündigen Adam. Er ist nicht geschützt vor dem Aufbegehren der Sinne, der Versuchungen,
ja selbst der täglichen Fehler. Dies ist eine fürsorgliche Anordnung, die den
Priester zur Wachsamkeit und zur Demut verpflichtet und ihn Mitleid empfinden lässt
für die anderen.
Der hl. Paulus empfand in sich
den Kampf der zwei Menschen: der alte Mensch mit dem Stachel des Fleisches, die
Ohrfeigen des zum Teufel gewordenen Engels, und der neue Mensch, der seine Kraft
des Widerstandes aus der Gnade schöpft. Er zitterte um sein Heil trotz seiner
heldenhaften Arbeiten im Apostolat.
Gott
gebührt also die Ehre, uns aber die Demütigung, verbunden mit dem
Vertrauen.
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Konferenz: Über die Nachfolge
Christi
Siehe S. 108 - 111
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2. Betrachtung
Der Priester, ein Mann Gottes
und der Kirche
1. Homo Dei - Mann
Gottes.
- Dies ist die Definition des
Priesters, die der hl. Paulus formuliert hat.
Aus sich selbst ist der
Priester ein Mensch wie die anderen. Er unterliegt der dreifachen
Begierlichkeit, er hat seine Charakterfehler, seine Lücken und seine Schwächen.
Seine Tugend misst sich an seinen persönlichen Anstrengungen, so wie es bei den
anderen Christen auch der Fall ist.
Aber
als durch die Priesterweihe Geheiligter ist er der Mann Gottes.
- Ganz von Gott, dies ist
seine Herkunft.
- Ganz durch Gott, dies sind
seine Arbeitsmittel.
- Ganz für Gott, dies ist
sein Ziel.
2. Der Mann der
Kirche.
- Er ist ihr Diener. Die Kirche
sagt zu ihm, wie Jesus zu Petrus: "Weide
meine Schafe!" Dieses Wort "weide"
deutet auf drei Aufgaben hin:
a) Der Prediger der
Wahrheit.
- Der Priester muss die Seelen
mit den Wahrheiten des Glaubens nähren: "Der
Priester muss... predigen" 1.
Die Kirche wacht mit eifersüchtiger Sorgfalt darüber, dass er anhand von
Fachstudien den Schatz des Glaubens und seinen wahren Sinn beherrscht. Seine
Predigtarbeit bringt eine besondere Gnade mit sich. Der Schöpfer sprach am
Anfang der Welt: "Fiat lux et facta
est lux - es werde Licht, und es wurde Licht" 2.
Diese
göttliche Wahrheit muss er mit Heiligkeit, mit Freude und mit Starkmut verkünden.
b) Der
Hirte.
- Wenn ein Hirt eine Herde zu überwachen hat und seine
Rolle gewissenhaft erfüllt, so geht er vor der Herde her, um sie auf gute
Weidegründe zu führen; er verteidigt sie selbst auf eigene Gefahr und bis zum
Opfer seines Lebens gegen die wilden Tiere und andere Gefahren 3
.
Der Priester muss seine Schäflein
lieben, sich für sie mit einem reinen und uneigennützigen Interesse
einsetzen. Er muss ohne Unterlass für sie beten.
c) Der Verwalter der Geheimnisse
Gottes.
- Er ist
Schatzmeister der Gnaden Jesu Christi und der Begünstigungen der Kirche. Er ist
der Spender und Verwalter der Sakramente. Er soll der "kluge
und treue Knecht" sein, der es den Gläubigen möglichst erleichtert,
zu den Sakramenten zu gehen; der aber auch wachen soll, dass sie diese in der
best-möglichen Einstellung empfangen.
6. Tag
Grundsätzlich sollten diese
Exerzitien nur 5 Tage dauern - vom 21. bis 25. Mai. Trotzdem hat der
Heilige Stoff für Betrachtung und Konferenzen für einen 6. Tag verfasst,
vielleicht noch länger. (Anm. des Herausgebers)
___________________________________________________
1. Betrachtung: Der Priester
und Maria
Siehe S. 21-26
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Konferenz über die
Seelenleitung
Der hl. Vinzenz Ferrier sagt:
"Es ist eine große Gnade für eine
Seele, einen guten Seelenführer zu haben" 1.
Der Priester soll sich also
die Fähigkeit aneignen, den Gläubigen diesen Dienst zu leisten; er soll sich
darauf vorbereiten, wenn die Zeit seiner Priesterweihe herannaht.
* * *
1. Regel: Jede Seele muss geführt werden nach ihrer natürlichen
Veranlagung, ihrer Bildung, ihren Standespflichten und ihrer bevorzugten Gnade -
wenn sie mit Gewissheit eine solche hat.
2. Regel: Das Innere und Äußere müssen durch die Tugend geführt
werden.
a) Die Frömmigkeit. -
Sie nach den Bedürfnissen regeln; die äußere Frömmigkeit, das innerliche
Leben, die gewöhnlichen Übungen der Abtötung, die außergewöhnlichen Buß-Werke.
b) Die Tugenden. - Die
Standestugenden bilden - die äußerlichen zuerst - sie sind die Nahrung und
der Beweis der echten Liebe: "Wer
meine Gebote hält, der ist es, der mich liebt".
Es gibt zwei Arten von
Tugenden: die einen sind natürlicherweise sympathisch und man soll es erlernen,
sie übernatürlich werden zulassen. Die anderen sind natürlicherweise antipatisch, sie können aber die edelsten und vollkommensten werden.
Jede Tugend besitzt ebenso
zwei Übungen: die eine ist negativ, die andere positiv; sie geben den Inhalt ab
für äußerliche und innerliche Opfer.
Es gibt im Leben einer Seele
entscheidende Augenblicke für ihre volle Bekehrung oder für ihre
Vollkommenheit. Es gibt Zeitpunkte, wo der Seelenführer verstehen muss zu erklären:
"nach vorne" und somit
irgendwie das Risiko übernimmt, alles zu gewinnen oder zu verlieren. Diese
Zeitpunkte muss man ergreifen und ausnützen.
c) Der Seelenzustand. -
In den Versuchungen Anleitungen geben - es gibt vier große Versuchungen: Stolz,
Ehrgeiz, Geiz, Sinnlichkeit 2.
- Während der inneren Prüfungen stützen; die Leidenschaft auf Leben und Tod
bekämpfen, ebenso den Hauptfehler; verpflichten, die fortdauernden
Herzensprobleme zu äußern.
d) Die übernatürlichen Frömmigkeitszüge
zu einem bestimmten Geheimnis, einem oder einer bestimmten Heiligen. Daraus ein
Mittel zur Vereinheitlichung der Frömmigkeit machen, wenn dieser Zug sicher
ist und sich dafür eignet.
Schluss:
Die Eucharistie, das
Lebenszentrum des Priesters
Siehe S. 116-120

Bemerkungen:
1 Lk 24, 49.
2 Hos 2, 16.
3 Ex 24, 12.
4
Hebr 11, 38.
1 Lk 24, 49-52 und Apg 1.
2
Apg 1, 4.
3 Hos 2, 14. Alte Übers.: "Ich will sie an mich locken und in die Wüste führen und zu ihrem Herzen sprechen".
4 Is 51, 3.
5 Is 35, 1.
6
Ps 84(85), 9.
7 Nachf. Chr., 1. B., 20. Kap., Nr. 6.
8 Joh 6, 64.
9 Nachf. Chr., 3. B., 3. Kap., Nr. 1.
10 Joh 14, 21.
1 Virgil ab August. citatus. In c. IV Joan. tract. 26.
2 1 Joh 4, 16.
3 Spr 23, 26.
4 In Ep. Joan. tract. VII, 3.
5 Jer 31, 3.
6 Joh 3, 16.
7
Joh 15, 9.
1
Joh 15, 4. 9.
2 Mt 11, 28.
3 Mt 10, 34.
4
Aug. In VI Joan. tract. 26.
1 Joh 5, 30.
2 Joh 8, 28.
3 Joh 8, 29.
4 Joh 5, 30.
1 Joh 1, 9.
2 2 Kor 6, 14.
3 Hebr 12, 29.
1 1 Tim 5, 22.
2 Innoc. III, De act. et qual. Ord.
3 Ignat. M., Ep. ad Her. diac.
4 August. Serm. 291.
5
Thom. v. Villan. De d. Aug. conc. 3.
6 Hieron.
7 August. De honest. nul., c. 2.
8 Card. Borrom. ad aliquem sacerd.
9 1 Joh 2, 15.
10 Joh 15, 19.
11 Joh 17, 15.
1 Isid. hisp. De Summo Bono, lib. II, c. 39.
2 Ambros. De Virgin., lib. I, post med.
3 August. Serm. I, dom. 25 post Trin.
4 Bern. De mor et off. Episcop., c. 3.
5 Basil. De vera virginit.
6 Hld 2, 2.
7 Hieron. in Epist. ad Titum, c. I.
8 Ijob 31, 1.
9 Thom. v. Aquin, sup. ep. ad Titum, c. 3, lect.1.
10 Ambros. lib. I offic. c.43.
11 Ep. 193.
12 Spr 22, 11.
13 Thom. a Kemp., Hort. rosar. IX, sect. 3.
14 Bonav. De perfect. relig., lib. II, c. 53.
15 Thom. a Kemp. Sermo 12 ad novit., divis. 6.
16 Prov 15, 17.
17 Isid. hisp., De Summo Bono, lib. II, c. 39 et 40.
1 Nähere Ausführungen dazu in: Die reale Gegenwart, Bd.I, S. 215.
1 August. Enarrat. 2 in ps. 33.
2 Joh 6, 56. 58.
3 2 Kor 5, 14.
3 2 Kor 5, 14.
1 Für weitere Ausführungen vgl. weiter oben S. 22.
2 Katech. Conc. Trid., P. II, tit. de sacr. Ord.
1 Pontificale Romanum, De ord. presb.