Hl. Peter - Julian EYMARD

 Der Priester

  Ins Deutsche übersetzt von P. DDr. Walter Marzari SSS.

 

FÜNFTER TEIL

 Der priesterliche Dienst

 

 

INHALT: 5. Teil / Der Priester

    Das Studium
    Der  Dienst  am  Wort
  Gründe der Vorsehung für die Verkündigung
  Das einfachste Mittel
  Eines der verdienstvollsten Mittel
  Allgemeine Voraussetzungen und Regeln
    Das  Sakrament  der  Buße
    Die  Kinderbeichte
   Beichte und Seelenleitung der Frauen
    Der  priesterliche  Seeleneifer
  Das Bedürfnis der Seelen
  Der Sinn unserer Berufung
  Die Liebe Jesu Christi für die Seelen
   Eigenschaften
  Gehorsam
  Demut und Vertrauen
  Geduld
  Klugheit
  Übernatürlichkeit

   

 

 

I

 

Das Studium

 

 

"Die Lippen des Priesters

bewahren die Erkenntnis"

Mal 2,7

 

 

Das Studium der für seinen heiligen Dienst notwendigen oder nützlichen Gegenstände stellt für den Priester eine Gewissenspflicht, eine Standespflicht dar.

 

Jesus Christus hat zu den Aposteln gesagt: "geht hinaus, lehret", bevor er ihnen jedoch diesen Auftrag erteilt hatte, versprach er die Sendung des Hl. Geistes, um ihr apostolisches Wissen zu vervollständigen.

 

Um es zu vermeiden, nur sich selbst zu predigen und den Seelen lediglich eine oberflächliche und verweltlichte Lehre zu vermitteln, muss sich jeder Priester an die Empfehlungen des hl. Paulus halten: "Lies ihnen eifrig <aus der Schrift> vor, ermahne und belehre sie" 1. "Bewahre, was dir anvertraut ist"  2.

 

Das fortgesetzte Studium ist notwendig, um sicher zu sein, dass es sich in der eigenen Lehre tatsächlich um das wahre Glaubensgut handelt, ohne falsche Lehrmeinungen einzuflechten oder einige Teile zu verlieren.

 

Die Lektüre, d.h. die Kenntnis der Bibelkommentare, der theologischen Traktate ist nötig, um die Lehrreichtümer des Glaubensgutes zu schätzen.

 

Man kann hinzufügen, dass das Studium eine Quelle geistlicher Stärkung ist. "Unser Trost sind die heiligen Bücher, die wir besitzen" 3. - "alles, was einst geschrieben worden ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch Geduld und durch den Trost der Schrift Hoffnung haben" 4.

 

Die Lektüre ist auch ein Heilmittel gegen gefährliche Versuchungen: "multam malitiam docuit otiositas - der Müßiggang hat viel Schlechtigkeit hervorgebracht"  5.

 

- "Der Teufel soll dich immer beschäftigt antreffen" 6.

 

* * *

 

Aber das gesamte Studium des Priesters darf nur zu dem einen Zweck geschehen, sich geistlich zu vervollkommnen und seinen Dienst nützlicher zu gestalten.

 

Nicht alle Erkenntnisse sind nützlich; es gibt mehr als eine, die schädlich ist. Es gibt eine Wissenschaft, die aufbläht und unnütz bleibt: "vielleicht hätten sie Notwendiges entdeckt, wenn sie nicht auch ganz Überflüssiges gesucht hätten" 7.

 

Der Priester soll sich nur zur Selbstheiligung dem Studium widmen und nach Mitteln suchen, die anderen zu heiligen.

 

* * *

 

Nach dem Gesagten ist es wichtig, gewisse Regeln anzuwenden, welche dieses Ziel verfolgen.

 

1. Mit der Freiheit des Geistes und dem Frieden im Herzen studieren, sodass man imstande ist, das Studium ohne Bedauern aufzugeben, wenn uns der Wille Gottes anderswohin ruft. Diese Haltung beweist, dass wir nur studieren, um wirksamer zu handeln; die Praxis wird der Theorie folgen. Es ist wertvoller, für das Heil seiner Brüder zu arbeiten, als sich mit Studien zu beschäftigen.

 

Nie möge uns das Studium tyrannisieren, sondern es bleibe dem Hauptgedanken der Liebe zu Jesus Christus und den Seelen unterworfen. Das Studium soll in uns nicht den Eindruck erwecken, dass das Gebet an die zweiten Stelle kommt.

 

"Es ist eine große Weisheit, nicht so vorschnell und wie in blinder Hitze zu handeln, auch nicht so fest und unbeugsam auf eigenem Sinn und Dünkel zu bestehen" 8. - "Lass ab von der überspannten Wissbegier: denn es ist viel Zerstreuung und viel Trug dabei" 9.

 

 

2. Alles auf unser persönliches Heil anwenden, als wären wir nur für uns da. Dies ist das radikale Gegenmittel gegen die Zerstreuung des Geistes und die Verwirrung des Herzens, die alles auf die anderen anwenden wollen.

 

 

3. Sich pünktlich an die Arbeit machen, aber es soll eine geregelte Studienzeit sein, die im vorhinein nach einem methodischen Plan festgelegt wurde.

 

Wie viel verlorene Zeit entsteht sonst einmal durch diese Unterbrechung, dann durch jene Unentschlossenheit des Willens; es besteht auch die Gefahr, dass man sich einem nutz-losen oder gar schädlichen Studium zuwendet.

 

 

4. An sich trocknet nämlich das Studium die Frömmigkeit aus und lässt die innere Salbung verloren gehen; daher muss man dafür Sorge tragen, diese wieder durch Rückbesinnung und einen Gedanken an Gott zu nähren; den Anstoß zu dieser Kurzbesinnung kann ein Punkt oder der studierte Gegenstand als Anstoß ergeben.

 

Ein zu ausgedehnter Schlaf führt zur Abgestumpftheit anstatt zur Erholung; eine zu üppige Nahrung überfordert den Magen und verdinglicht selbst den Geist, der durch die Verdauungsarbeit gehemmt wird. Ein zu intensiv betriebenes Studium, besonders über abstrakte Fragen, ermüdet den Geist und erschwert die Aufmerksamkeit. Man muss es von Zeit zu Zeit durch Ruhepausen im Herrn, unserem Zentrum und unserem Ziel, unterbrechen.

 

 

5. Sich hüten vor dem hartnäckigen Willen, einen studierten Gegenstand, den man in Angriff genommen hat, in einer bestimmten Zeit abzuschließen, damit man ihn früher loswird, um sich gleich in andere Gegenstände zu werfen. Man muss sich vielmehr üben, eine angefangene Arbeit, wenn es möglich ist, eine bestimmte Zeit lang unvollendet zu lassen oder zu unterbrechen: "Strebt danach, besonnen zu sein" 10. Sich also auch hüten vor dem Ehrgeiz der Bibliomanie.

 

"Wie die Liebe ohne vernünftige Lebensweise hochmütig macht, so ist ein Leben ohne Lehre unnütz" 11.

 

* * *

 

 

Vom hl. Augustinus wird erzählt, dass er "Jesus in den Büchern gesucht hat". Dies ist das Ideal des Priesters, "dass er das Unvollkommene der Wissenschaft durch die Vollkommenheit der Liebe ersetzen kann"  12.

 

Eines der größten Hindernisse im religiösen Erfolg der Gelehrten besteht darin, dass sie sich allzu sehr auf ihre Begabung und ihr Genie und nicht genug auf den Geist Gottes verlassen, den sie nicht zu Rate ziehen. Auch Gott schenkt ihnen keine Beachtung, wenn er seine großen Pläne ausführt; er bedient sich nur schwacher, aber menschlicher Werkzeuge, wie es die ganze Kirchengeschichte beweist. "Töricht waren von Natur alle Menschen, denen die Gotteserkenntnis fehlte" 13.

 

Wir beten immer wieder: "Herr... lehre mich Erkenntnis und rechtes Urteil" 14.

 

Um welche Erkenntnis handelt es sich? "Dedit illi scientiam sanctorum" 15, die Erkenntnis heiliger Dinge.

 

"Wohl dem Mann, den du, Herr, erziehst, den du mit deiner Weisung belehrst" 16.

 

Erbitten wir inständig vom Vater die Einsicht, dass es auch bei uns so sei.

 

INHALT

EYMARD

 

 

II

 

"Ministerium Verbi"

Der  Dienst  am  Wort

 

 

A) Gründe der Vorsehung für die Verkündigung.

 

   

Wenn man den Plan unseres Heiles und dessen Mittel prüft, die unserem Denken so fremdartig anmuten, und die Gott ausgewählt hat, um der Welt den Glauben und die Gnade mitzuteilen, dann drängt sich die Frage nach den Gründen dieser göttlichen Vorgangsweise auf.

 

Warum hat Gott den Dienst der Verkündigung bevorzugt, um die Menschen zu bekehren?

 

Die Weisheit und Güte dieser Wahl, welche die Gläubigen mit Dankbarkeit und Begeisterung erfüllen sollen, können es nicht unterlassen, auch den Respekt und den Seeleneifer des Priesters hinsichtlich des Wortes Gottes anzuspornen.

 

 

* * * 

 

 

Über den Weg der Verkündigung geht Gott wiederum daran, den Plan des Teufels im irdischen Paradies und im Laufe der Jahrhunderte zu zerstören.

 

Satan hat Eva durch den Gebrauch des Wortes und den Missbrauch der Wirkung, welche das Wort auf den menschlichen Willen ausübt, verführt. Eva handelte ebenso mit Adam.

 

Ebenfalls durch die schlechten Ratschläge der Eltern, der Lehrer, durch die Ärgernisse der Großen und gottlosen Fürsten verführt Satan die Jugend, verdirbt die Völker und Generationen. Wie sind seine Apostel in ihrer höllischen Mission mit Eifer bei der Sache, wie geschickt verbreiten sie das Böse, wie mächtig sind sie durch ihre Zusammenarbeit!

 

Nun gut! Gott hat sich ebenfalls zur Abwehr dieser satanischen Schlachtreihen gleichstarke Kräfte ausgesucht, auserlesene Männer, eine Truppe von Priestern, die von ihm beauftragt wurden, für seine Sache und seine Ehre zu kämpfen, den Triumph der Wahrheit und der Tugend zu sichern.

 

Diese zwei Schlachtfelder stehen sich immerfort einander gegenüber. Die Feindseligkeiten werden erst mit dem letzten Auserwählten und den letzten Verworfenen ein Ende nehmen.

 

Gott hätte die Schlechtigkeit der Bösen mit eigener Macht vernichten können. Er hätte seine Gerechtigkeit über sie auslassen können, wie er es im Himmel gegen die aufständischen Engel getan hatte. Aber in seiner Barmherzigkeit hat er es nicht gewollt. Um seine Rache auszuführen und den Triumph der Wahrheit zu sichern, will er mit ebenbürtigen Waffen und gleichen Mitteln kämpfen. Er hat Männer beauftragt, seine Rechte geltend zu machen und mündlich die Offenbarung zu lehren.

 

Der gestürzte Engel hat den Menschen an seiner Sünde Anteil nehmen lassen; er ließ ihn gleich wie er zum Abfall kommen; und mehr noch: er macht aus ihm seinen Komplizen. Der Mensch verdirbt seinerseits die anderen Menschen; und während seine Opfer dabei eine Entschuldigung finden, macht sich der Mensch manchmal daraus einen Ehrentitel.

 

Gott bedient sich sündiger Menschen für sein Werk der Wiederherstellung und macht aus ihnen auserwählte Gefäße; er wandelt sie in Werkzeuge für seine Aktion um, und sie erwecken durch ihr Wort und ihren Dienst die Seelen zu neuem Leben mit Heilung und Rettung.

 

Auf diese Weise bringt er die Kraft seiner Gnade zum Ausdruck und offenbart gleichzeitig seine göttliche Weisheit und seine unsagbare Güte.

 

 

* * *

 

 

Dies geht ebenfalls aus der Tatsache hervor, dass die Verkündigung das einfachste und eines der verdienstvollsten Mittel ist, zum Glauben zu gelangen.

 

INHALT

EYMARD

 

1. Das einfachste Mittel. - Die erleuchtete und zum Katholizismus bekehrte Welt ist dafür gewiss ein guter Beweis. Man vergleiche diese erstaunliche Umwandlung mit dem Zustand der Unwissenheit, Abgestumpftheit und Verdummung, in dem noch immer Völkerstämme leben, welche dieser Wohltaten des Evangeliums noch beraubt sind. Was bewirkt praktisch die Propaganda der protestantischen Missionare, die sich vor allem für Philanthropie einsetzen, oder der Bibelgesellschaften, die beauftragt sind, mit großen Unkosten Bibel-Exemplare unter den Leuten zu verteilen, die nicht lesen können oder unfähig sind, die Hl. Schriften zu verstehen?

 

Aber wenn ein katholischer Missionar kommt, um das Evangelium Jesu Christi zu verkünden, dann hören diese wilden Völker auf ihn, die hl. Lehre dringt über alle Sinne in ihre Seele ein; ja, dann und nur dann können sie die Hl. Schrift lesen und lieben, aber zu Füßen der Eucharistie, wie die Kinder vor ihrem Meister, denn der Buchstabe an sich ist tot; es braucht das Wort des Apostels, um den Buchstaben zu verlebendigen und fruchtbar werden zu lassen.

 

INHALT

EYMARD

 

2. Eines der verdienstvollsten Mittel. -

 

Aufgrund der Opfer, die von den Gläubigen verlangt werden:

 

a) Das Opfer des menschlichen Stolzes, der sich niemandem unterordnen will, selbst Gott nicht. Um den Menschen dieses Stolzes zu strafen und gleichzeitig zu heilen, verpflichtet ihn Gott, den Dienst des Priesters in Anspruch zu nehmen, der ein Mensch ist wie er, wenngleich ausgerüstet mit einem heiligen Merkmal. So sind alle, König oder Untergebener, Gelehrter oder Unwissender, Reicher oder Armer, genötigt, aus dem Mund des Priesters das Wort Gottes und aus seiner Hand die Gnade der Sakramente zu empfangen, wenn sie in den Genuss der Wohltaten der Erlösung kommen und ihr Heil sichern wollen.

 

Allein das Priestertum ist nämlich der Hüter des Glaubensschatzes und der Verwalter der Geheimnisse Gottes; dieses Priestertum besteht vor allem aus der Gesamtheit der Bischöfe und stellt die lehrende Kirche dar; deren einfache Priester sind ihre geheiligten Sachwalter.

 

 

b) Sogar das Opfer des Glaubens wird gefordert; denn der Priester wird durch seine Beschränktheit und Lebensführung nicht immer selber das beobachten, was er predigt. Trotzdem bleibt er der bevollmächtigte Wortführer Jesu Christi, und die Gläubigen müssen das Hindernis der ungünstigen äußerlichen Gegebenheiten überwinden, um an die Wahrheiten zu glauben, welche er im Namen des Glaubens verkündet.

 

 

* * *

 

 

Im Bewusstsein seiner Schwäche und seiner Autorität wird der Priester mit größter Sorgfalt und mit Hilfe der Gnade Gottes alles vermeiden, was durch sein Verhalten die Gläubigen von der Erbauung abhalten könnte. Er wird sich auch gewissenhaft und fleißig darauf vorbereiten, bevor er die Seelen, wie es sich geziemt, gemäß dem Alter und der Situation seiner Zuhörer unterrichtet.

 

Möge er in der Lage sein, sich durch sein Wort jenes Zeugnis zu geben, das Jesus Christus von ihm erwartet: "Licht der Welt, Salz der Erde", ein Feuerherd der göttlichen Liebe zu sein: "Ich bin gekommen, das Feuer auszusenden... was will ich anders, als dass es schon brenne".

 

INHALT

EYMARD

 

 

B) Allgemeine Voraussetzungen und Regeln

 

Weil das Predigtsamt ein heiliger Dienst ist, gehört es sich, dafür entsprechende Voraussetzungen mitzubringen; aber weil es auch eine religiöse Kunst darstellt, müssen bei dessen Ausübung zweckdienliche Regeln beobachtet werden.

 

 

* * *

 

Die wichtigste Voraussetzung ist der Glaubensgeist.

 

Selbst unter den katholischen Laien sind Menschen des Glaubens sehr selten. Die religiöse Unwissenheit, die Sorgen um weltliche Dinge, die vergiftende Berührung mit der religiösen Gleichgültigkeit in der Welt, der verderbliche Einfluss der rationalistischen Wissenschaft, der kalte oder offene Krieg gegen das Übernatürliche, all das führt dazu, die Religion in ein natürliches Gefühl und eine standesgemäße Haltung umzuwandeln. Diese Einstellung bedient sich dann einer Sprache, welche ihren Prinzipien entspricht. Das ist die Situation der heutigen Gesellschaft.

 

Wie kann sie wieder zum wahren, lebendigen und übernatürlichen Glauben zurückgeführt werden? durch den absoluten Glauben: "Wer glaubt..., wird gerettet; wer nicht glaubt, wird verdammt werden" 1.

 

Man muss das Übernatürliche und Wunderbare des Glaubens, das Herausfordernde des Glaubens predigen. "Daran nehmt ihr Anstoß?" 2 - "Das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit..." 3.  - "Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten, für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit...." 4. - "Gott beschloss, alle, die glauben, durch die Torheit der Verkündigung zu retten" 5.

 

Man möchte beim Natürlichen und Einsichtigen beginnen, das den Glauben begleitet oder umgibt, um dann stufenweise zum Glauben an das Göttliche zu führen.

 

Dies ist eine leider zu häufig befolgte Methode, die aber gefährlich ist und oft - wenn ich es so sagen kann - den übernatürlichen Glauben tötet.

 

Ach, wie viel Prediger gibt es, die über die guten Sitten, die Schönheit des Christentums, die philanthropische Liebe und die soziale Religion reden! Man glaubt auf diese Weise die Pharisäer, die Schriftgelehrten und Gesetzeslehrer zu Christus zu führen. Irrtum!

 

Wenn der Stolz das Gesetz des Geistes ausmacht, hört man und will man nur hören, was diesen Stolz begünstigt.

 

Man muss also auf die Gnade des Glaubens, auf das Leben und die Kraft vertrauen, welche in diesem Verbum fidei verborgen ist, auf dieses Wort, das die Seelen erneuert: Dixit et facta sunt - er sprach und es geschah.

 

Seht die Apostel an! Studieren wir die Reden des Petrus am Pfingsttag; die Reden des Paulus auf dem Areopag in Athen!

 

Hat nicht der Herr den wankenden Glauben der Jünger von Emmaus durch Zitate und Erklärungen der Hl. Schrift gestärkt?

 

Der Beweis des Glaubens liegt in der Gnade des Glaubens, wie dies das Feuer selber beweist: "Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt" 6.

 

Ist es also so, dass der Glaube die Argumente der Vernunft ausschließt und verwirft? Nein, nein. Aber der Glaube stützt sich nicht auf sie. Die Vernunft verhält sich zum göttlichen Glauben so, wie die Bestätigung zur Wahrheit, zur Autorität, zur Göttlichkeit; die Vernunft ist das Mittel, um den wahren Sinn der Offenbarung zu vermitteln.

 

Oh, dies ist nur allzu wahr. Ein Priester, der seine Karriere machen will, eine Berühmtheit werden will, wie man so sagt, der modern sein will, hat nur ein Bestreben: lernen, um aufzufallen; nur das zu lernen, was ihm zur Krone verhilft. Ergebnis? Akademische, hoch-strebende, aber fruchtlose Predigten.

 

Stellt euch diese hochtrabenden Redner vor einem Zuhörerkreis von Arbeitern und Bauern vor! Diese Prediger sind zu hoch, um so tief herabzusteigen. Ihre Intelligenz hat mit dem Auffassungsvermögen dieser kleinen Leute nichts mehr zu tun. Sie sind gar nicht mehr fähig, ihre Sprache zu reden und noch weniger ihr Herz zu rühren. Sie gleichen Adlern, die in den Wolken kreisen; sie sind Apostel des Planetariums, die die gewöhnlichen Sterblichen das Gras abweisen lassen wie das Tier und dann sterben.

 

Das heilige Bestreben des wahren Priesters sei es, "nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten" 7, um ihn von allen kennenlernen und lieben zu lassen.

 

Heutzutage wird über unseren Herrn nicht mehr genug gepredigt. Nun muss er aber gepredigt werden, um die Seelen zu nähren. Heute werden immerfort Abführkuren durchgeführt, die sogar das Blut angreifen. Die Predigt ist zu negativ geworden. Es ist leicht, auf der Kanzel gegen die Irrtümer und Laster zu wettern. Man muss aber die Seelen nähren.

 

Wie viele Prediger stellen alles in Zweifel, um alles zu beweisen! Sie haben nicht mehr genug Glauben an das Wort Gottes; sie stellen es vor, sie empfehlen es nicht, sie drängen es nicht auf.

 

Um gut zu predigen, muss man auch beten. Aber was geschieht? Man hält seine Rede, umgeben von Büchern; man prägt sich den Text ein und... hört sich selber; dann wird die Rede abgewickelt; man lamentiert vor den Gläubigen, die den Prediger anhören müssen, weil es so geschrieben steht.

 

Von den Aposteln wird berichtet, dass sie das Amt der Diakone eingesetzt haben, weil sie Gefahr liefen, durch die zunehmenden materiellen Bedürfnisse der Gläubigen ganz in Anspruch genommen zu werden: "Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben" 8. Ihre erste Beschäftigung war das Gebet, um sich dann dem Dienst am Wort zu widmen.

 

Dies will nicht heißen, dass der Priester gewisse Stilregeln außer acht lassen und gewisse Kenntnisse der profanen und bürgerlichen Wissenschaften geringschätzen darf. Es wäre jedoch tadelnswert, wenn der Priester den größten Teil seiner Zeit mit rein literarischen oder abstrakten Fragen verbringen würde, aus dem Verlangen heraus, darin zu glänzen auf Kosten seiner priesterlichen Pflichten.

 

 

* * *

 

 

Ohne auf die Einzelheiten einer Abhandlung über die Kunst des Predigens einzugehen, ist es nützlich, wenigstens einige allgemeine Regeln dafür aufzuzeigen.

 

1. Man muss vor allem eine bestimmte und klare Vorstellung über das Ziel haben, das man zu erreichen beabsichtigt, damit man zu diesem Zweck die geeigneten Mittel einsetzt.

 

2. Die Wahl der Mittel muss nicht nur durch die Natur des Predigtinhaltes, sondern auch vom Charakter des Zuhörerkreises her bestimmt sein.

 

3. Bei der Darlegung der biblischen Wahrheiten muss man dem natürlichen Gang des menschlichen Geistes folgen, indem man vom Bekannten zum Unbekannten, von der äußeren Tat zur inneren Einstellung, von den Beweisen aus der Wirklichkeit zu jenen der Vernunft fortschreitet.

 

4. Bei der Darlegung einer Glaubenswahrheit muss man stets damit beginnen, das einfache und reine Dogma in klarer Form zu bekräftigen, um von Anfang an einen Akt des Glaubens an die Wahrheit zu erwecken, von dem gesprochen werden soll.

 

Dieser Akt des Glaubens ist eine besondere Gnade für alles Folgende; er beeinflusst in günstiger Weise den Willen, die Glaubenswahrheit aufzunehmen und daraus Nutzen zu ziehen.

 

5. Bei der Predigt über eine Tugend muss man zuerst die Tugend mit einer einfachen und geläufigen Definition bestimmen, um nachher deren Wesen und Wirkungen zu erfassen.

 

Bezüglich der Ausführungen über eine Tugend muss man im allgemeinen mit den bejahenden und positiven Aspekten beginnen, um sie bekanntzumachen; in der Folge soll die Tugend in sich selbst ohne Verdunkelung noch Kampfstimmung dargelegt werden.

 

Es ist besser das Gute durch das Gute als durch das entgegengesetzte Laster kennenzulernen.

 

Die erstere Methode nährt die Seele, die zweite reizt und verwirrt sie. Man soll also erst dann den negativen Teil - die Zurechtweisung und Widerlegung - in Angriff nehmen, wenn zuvor die Prinzipien der Wahrheit oder der zu folgenden Tugend erklärt worden sind.

 

Wenn es darum geht, ein Laster direkt zu bekämpfen, darf man keine Persönlichkeiten anführen und nicht jene öffentlich anprangern, die sich unglücklicherweise im betreffenden Laster schuldig machen. Es ist besser, das Laster als eine Krankheit hinzustellen, unter der die Betroffenen sehr zu leiden haben, z.B. ein Dieb, der in verräterischer Weise jene beraubt, auf deren Güter er eifersüchtig ist, soll hingestellt werden als Feind, der das Unglück der Seelen anstrebt.

 

Nachdem man das Laster in seinen Wirkungen auf den Menschen überlegt hat, soll man es dann als eine Beleidigung hinstellen, die Gott oder Jesus Christus zugefügt wird; es soll dabei aber offen bleiben, dass die Schuldigen dabei nicht an eine solche Bosheit und Undankbarkeit gedacht haben.

 

Grundsätzlich muss man bei der Verwerfung eines Lasters immer das Herz des Priesters spüren, das die Person und die Seele des armen Sünders schätzt und liebt.

 

6. Bezüglich des Fortschritts in den Tugenden muss man der natürlichen Entwicklung und den Phasen des Lebens folgen.

 

Es soll also zuerst das vorgeschlagen werden, was einfacher und leichter zu praktizieren ist; erst im weiteren Verlauf, wenn Schwierigkeiten und Opfer auftauchen, soll man ermutigende und liebenswerte Beweggründe hinzufügen.

 

Jenen, die immer fürchten, zu viel zu tun und überall unüberwindbare Hindernisse sehen, soll gezeigt werden, dass dies nicht der Wirklichkeit entspricht; dass in Wirklichkeit von ihnen wenig verlangt wird. Die Ängstlichen heilt man damit, dass man sie wie die Kinder das anschauen und berühren lässt, was sie erschreckt.

 

So soll man den sinnlichen Seelen vor Augen führen, dass das wahre Glück nur in der Tugend liegt; diese ist ein Mittel, das zum ewigen und vollkommenen Glück führt.

 

Den zu eifrigen Seelen, die die Vollkommenheit in einem Tag erreichen wollen, soll man aufzeigen, welch hoher Wert schon in den ersten Stufen der Tugend liegt, und wie jeder Grad durch sein Höhersteigen bereits zur Übung der höchsten Grade führt.

 

Das Geheimnis des geheiligten Predigers liegt darin, dass die behandelte Tugend als etwas Achtbares, Wünschenswertes und Liebenswürdiges angesehen wird.

 

7. Was die Überlegungen betrifft, so sollen sie von einem allgemeinen Gesichtspunkt ausgehen; es soll die äußere Wahrheit des Gegenstandes beleuchtet werden, sodann seine tieferen Gesichtspunkte erwogen und schließlich die Beweggründe erläutert werden; diese werden die Zuhörer in persönlicher Weise berühren.

 

Aber die unerlässliche Eigenschaft der Überlegungen muss auf jeden Fall die Einfachheit sein.

 

Einfach im Ausdruck einer klar erfassten Idee, indem gesuchte Redewendungen, bildhafte Ausdrücke und zu lange Gegenbehauptungen vermieden werden.

 

Einfach soll auch die Vortragsweise sein, kein theatralischer Vortrag, der Ton sei getragen und ernst wie ein würdiges Gespräch; wenig Gesten, ausgenommen die Schlussfolgerung, im negativen wie im positiven Sinn.

 

Einfach soll die Logik der Beweisführung, die Verbindung der Aussagesätze sein; die allzu syllogistische Form, welche einem Professor oder kurz angebundenen Menschen eigen sind. Die Logik der Gedanken soll jene der Worte überdecken und ersetzen.

 

8. Was die Zuneigung angelangt, ist zu bemerken, dass man sich zuerst um die spürbaren Gemütsbewegungen bemühen soll, wenn man Ergriffenheit erzielen will. Damit hat man bald den Willen gewonnen, der nicht mehr vor den Hindernissen zurückschreckt, denn der Mensch lebt mehr mit dem Herzen als mit dem Geist.

 

Man darf aber nicht dabei stehen bleiben; sonst würde man nur ein Strohfeuer entzünden oder einen elektrischen Schlag auslösen. Man muss den Willen mit der Vernunft und die Vernunft mit dem Willen angreifen, sodass man das eine durch Überzeugung des anderen erschüttert und besiegt. Der Siegesschrei kommt vom Willen und lautet: "Was willst du, dass ich tun soll... Dixi, nunc coepi".

 

Man wache sorgfältig darüber, dass die Gefühle religiöser Natur seien, dass sie auf Gott, auf Jesus Christus, auf die hl. Jungfrau gerichtet seien.

 

Die große Gefahr der sinnenhaften Gefahren besteht darin, dass sie lediglich durch natürliche Empfindungen entstehen und sich darauf beschränken. Es ist also wichtig, diese stets auf die übernatürliche Ebene zu heben; ansonsten verfehlt man ihren Zweck, man wird der Gnade seines Dienstes untreu, denn man wird selbst der Gegenstand und der Mittelpunkt dieser natürlichen Gefühle; wenn jedoch Gott allein das Ziel und der Zweck der übernatürlichen Gefühle ist, tritt der Mensch in den Hintergrund.

 

9. Bezüglich der Opfer: wenn man ein besonderes Opfer fordern will, muss man zuerst das Herz gewinnen. Man darf niemals bei den Zuhörern einen ersten, ungünstigen Eindruck der Abwehr und Ablehnung für das hervorrufen, was man vorschlägt. Um das Herz zu gewinnen, muss man seine Sprache sprechen, in ihm die edelsten Gefühle wachrufen: man muss es darauf abzielen, dass das Opfer, welches man erreichen will, geliebt wird. Nachher muss - wie bei den Gefühlen - die Vernunft überzeugt werden, um den Einwänden des Willens, der sich bessern möchte, zuvorzukommen; damit bindet sich der Wille selber, er will nicht mehr zurückkehren, weil seine Ehre auf dem Spiel steht.

 

 

10. Das wichtigste Motiv in der Predigt muss darin bestehen, mehr das Vertrauen als die Furcht zu fördern, mehr die Güte und Barmherzigkeit Gottes als seine unerbittliche Strenge seiner Gerechtigkeit hervorzuheben.

 

Der Großteil der Sünder verharrt nur aus Verzweiflung in ihrer unglücklichen Situation.

 

Übrigens macht die Liebe das ganze christliche Gesetz aus, sie macht den ganzen Menschen aus. Besser ist es, ihn durch das Motiv der Liebe zur Tugend zu Gott zu führen, als durch jedes andere Motiv; nur in dem Maße wird er großzügig und heilig sein, als er die Liebe pflegt.

 

Wichtig ist es, die Stärkung seines Willens, seine Abhärtung anzustreben, ihn in eine Gesinnung des Kampfes zu versetzen, denn er ist die Zielscheibe der Gnade und der Leidenschaften, durch Gott und durch den Teufel.

 

Es gibt wenige Leute mit einem absoluten Willen; der Großteil entmutigt sich leicht; sie fürchten die Heimsuchungen, die Kämpfe um die Tugend; sie stellen sich unentwegt vor, der Dienst an Gott sei mit Traurigkeit verknüpft, und dass dieses Leben ein fortgesetztes Sterben sei. Man muss solchen Menschen zeigen, dass mit der Gnade Gottes das Gegenteil der Fall ist, dass sein Joch sanft und seine Bürde leicht werden.

 

 

11. Für die Praxis ist es wichtig, es sorgfältig zu vermeiden, in den Ruf eines zu strengen Moralisten zu kommen. Andernfalls kämen zu unseren Unterweisungen und in den Beichtstuhl nur mehr schwärmerische Geister und Leute, die zur Übertreibung neigen.

 

Man muss den richtigen Mittelweg finden zwischen Rigorismus und Laxismus; eher soll man zur Barmherzigkeit neigen; dann werden wir es erleben, wie sich Herz und Gewissen öffnen; später werden wir alles erreichen, was man zu Beginn nicht versprechen kann.

 

Sorgfältig die Einzelheiten übertriebener Sitten vermeiden, weil man Gefahr läuft, das rechte Maß in den Verhaltensregeln zu überschreiten, die man erst später festlegt.

 

Wenn man ein vorbildliches Sittenleben aufzeigen möchte, soll man als Leitbild einen Mittelstand annehmen zwischen dem Beginn eines Fehlers, eines Lasters und ihren maß-losen Überschreitungen, oder einen mittleren Zustand zwischen den ersten Anzeichen einer Tugend und den höchsten Graden der Vollkommenheit.

 

So muss man in den praktischen Einzelheiten des christlichen Lebens, der Frömmigkeit und der Tugend als Regel das übliche Leben verwenden, das für Menschen guten Willens erreichbar ist, ohne es freilich zu unterlassen, auf die Formen höherer Tugendgrade anzuspielen für jene Seelen, die sich dazu berufen fühlen.

 

Man soll jedoch unbedingt Abstand nehmen von moralischen Allgemeinaussagen, die niemanden erreichen würden. Vielmehr sollen praktische, bestimmte und auf die Zuhörer passende Einzelheiten aufgezeigt werden; diese sollen als durchführbar und zeitgerecht hingestellt werden; man soll zur sofortigen Inangriffnahme oder wenigstens zur Erweckung eines Aktes zu einem festen Vorsatz anregen und damit schließen, dass man den Zuhörern christliche Wünsche für den Erfolg und die Ausdauer, die auf den göttlichen Verheißungen gründen, aussprechen.

 

 

12. Was die rhetorische Form betrifft, soll man zu unseren Zuhörern in einer einfacheren und gesprächswürdigeren Sprache reden; zwischen uns und ihnen soll ein direktes Verhältnis hergestellt werden, damit sie am Predigtgegenstand Interesse finden. Bei schwer mitzuverfolgenden oder nicht leicht zu begreifenden Punkten soll die Dialogform angewendet werden; wenn man einen Vorwurf zu machen hat, soll man sich zuerst bei den Zuhörern entschuldigen; die Dialogsprache ist sehr angezeigt und wirksam, um die verschiedenen Bewegungen des Herzens und Entschlüsse des Willens zu fördern.

 

Es ist nützlich, Beispiele bereitzuhalten, um zwischendurch den Geist zu entspannen und die Aufmerksamkeit neu zu wecken, um die Regungen der Gefühle anzubahnen; aber die Beweise für eine Wahrheit sollen nicht mit Beispielen oder Fallbeschreibungen eingeleitet werden; dann würde man keine Vernunftbeweise mehr wollen.

 

Im Rahmen der Beispiele nie mit dem Beispiel Jesu Christi anfangen! Man könnte nachher nichts weiteres sagen. Der gesamte Rest der Predigt wäre nutzlos.

 

Man muss mit einem dogmatischen Punkt beginnen, um dem Glauben zu huldigen und huldigen zu lassen, im Anschluss daran das Gesagte begründen. Soviel man kann, aus der Hl. Schrift zitieren; aber weniger Texte, die einfach die Autorität unterstreichen, sondern solche, die eine Begründung, ein Bild enthalten und ein zusätzliches Licht auf die Frage werfen.

 

* * *

Der Urheber der Nachfolge Christi hat die Einstellung der christlichen Seele trefflich ausgedrückt, wenn er zugibt, dass "zweierlei Dinge mir hienieden notwendig sind,... Speise und Licht... denn das Wort Gottes ist das Licht und dein Sakrament das Lebensbrot für meine Seele" 9. Besteht nicht der Dienst des Priesters darin, sowohl das eine als auch das andere zu vermitteln?

 

Und der Autor fügt hinzu: "Aus dem Mund des Priesters, der so oft das Sakrament Christi empfängt, soll wahrhaft kein anderes Wort hervorgehen als ein heiliges und erbauliches" 10. Geschieht es also nicht in der Predigt, wo der Priester seinen größten Einfluss auf die Eucharistie ausübt?

 

INHALT

EYMARD

 

 

III

 

Das  Sakrament  der  Buße

 

 

Es gibt in der Welt zwei große Mächte, die regieren. Im politischen Bereich ist es die Autorität des Staatsoberhauptes; im religiösen Bereich ist es die geistliche Autorität des Priesters.

 

Aber die Macht des Priesters überragt unendlich jene eines Monarchen, und wäre er auch der mächtigste der Welt.

 

 

* * *

 

 

1. Die Autorität eines Oberhauptes beschränkt sich auf seinen Staat. Die Autorität des Priesters hat an sich das ganze Universum als Reich. Er übt Autorität auf alle Seelen aus, sein Reich ist jenes Jesu Christi; er ist dessen Diener und evangelischer Botschafter bei allen Völkern.

 

Somit besitzt der Priester als solcher keine Nationalität; er hat nur die Katholizität, wie sie die Kirche hat. In seinen Augen gibt es weder Griechen noch Barbaren, weder Juden noch Heiden, weder freien Menschen noch Sklaven; in allen Menschen erblickt er nur Gott; durch die Erlösung Jesu Christi sind alle seine Kinder. Er begibt sich überallhin, alle empfangen ihn mit Respekt, man fragt ihn nicht nach seiner Heimat und seiner Nation: er ist Priester, er ist für alle Länder und alle Völker da.

 

 

2. Die Autorität des Staatsoberhauptes ist durch die Staatsverfassung eingeschränkt; es gibt Gesetze, die er nicht abschaffen kann, sondern selber respektieren muss; es gibt Majestätsbeleidigungen, die er nicht vergeben kann.

 

Die Vollmacht des Priesters hat keine Grenzen; sie ist ohne Vorbehalt, ohne Bedingung, weil sie göttlichen Ursprungs ist. Der Kreditbrief des Priesters kommt von Jesus Christus: "Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein" 1. Es gibt keine Ausnahmen; auch die größten Verbrechen der Welt sind darin enthalten. Die Kirche hat den Ausschluss gewisser Kategorien von Sündern stets verurteilt. In Todesgefahr kann jeder Priester jeden getauften Menschen lossprechen, der bereut.

 

Hat nicht der Apostel Petrus den Juden, die Gott getötet haben, die Vergebung verheißen? Und hat nicht der Apostel Paulus in Rom und Athen die Seelen, welche sich mit den heidnischen Unsittlichkeiten besudelt hatten, gereinigt?

 

 

3. Die Ausübung der obersten Macht geht für gewöhnlich sehr langsam voran. Wie viel umständliche und zeitraubende Voruntersuchungen! Wie viel Befürwortungen muss man zusammenbringen, durch wie viel Hände muss das Gnadengesuch eines Schuldigen gehen? Welch langes Warten..., das oft mit Enttäuschung endet!

 

Um wie viel einfacher und rascher ist die Ausübung der Vollmacht des Beichtvaters!

 

 

a) Zur Erlangung der Wohltat braucht es weder mächtige Befürworter noch wendige Advokaten. Es genügt, sich als Sünder vorzustellen, sich als solcher anzuklagen, und sofort wird das Versöhnungsgericht aufgerichtet, um die Bitten des Schuldigen anzuhören. Oder besser gesagt: das Gericht der Vergebung steht immer bereit, tagt ununterbrochen, um die reuigen Geständnisse entgegenzunehmen.

 

Und lässt die Gnade der Vergebung etwa lange auf sich warten? Muss man etwa so lange büßen, wie lange man in der Schuld verharrte? Schließlich wäre dies ja gerecht. Aber mitnichten. Der Vergebungsspruch erfolgt ebenso rasch wie die Anklage des reuigen Sünders. Reue ist die einzige Bedingung. Jesus Christus hat keine andere Voraussetzung gefordert, wie die Begebenheit der Ehebrecherin, oder Maria Magdalena, Zachäus und der gute Schächer bezeugen.

 

Ach, wenn die menschlichen Gerichte so verzeihen, gäbe es weder Gefängnisse noch Schafotte. Wenn die Menschen die Barmherzigkeit Gottes voll ausnützten, wäre die Hölle unmöglich.

 

Die Begründung der sofortigen Wirkung dieser Vollmacht geht aus ihrem Wesen selbst hervor.

 

Gott hat dem Priester weder eine bedingte noch eine vorläufige, sondern eine absolute Vollmacht übertragen: er ist höchster Richter. Sein Urteilsspruch, sagt der hl. Peter Damian, muss jenem des Himmels vorangehen: "Das Urteil des Petrus geht dem Urteil des Erlösers voraus!" 2. Gott hat seine Macht dem Willen des Priesters unterworfen; er hat den Priester damit betraut; er hat auf sein Recht, durch das Bußsakrament zu vergeben - anders gesagt, durch das Amt des Priesters verzichtet. Dieser braucht also nur das Wort der Vergebung auszusprechen, und im gleichen Augenblick bestätigt Gott das rechtmäßige Urteil seines Ministers.

 

 

b) Und zur Erreichung einer so schlagartigen und wunderbaren Umwandlung der Seele genügen einige Worte: "Ego te absolvo a peccatis tuis - ich spreche dich los von deinen Sünden". Bei diesen Worten, die machtvoller sind als jene Jesu Christi, als er den Lazarus zum Leben erweckte 3, wird eine Seele neuerlich zum Leben der Gnade geboren, der Räuber, der Unzüchtige und Gottesschänder sind von ihren Missetaten gereinigt.

 

Umgibt sich vielleicht der Priester mit äußeren Zeichen von Prunk und Majestät, was eine so außergewöhnliche Macht zu rechtfertigen scheint? O nein; andernfalls hätten Kinder, Arme und Ängstliche Furcht. Das Besondere am Bußsakrament ist die Einfachheit. Alles spielt sich im Schweigen, im unverletzbaren Geheimnis der Beichte ab. Um den Beichtstuhl herum stehen weder Wächter noch menschliche Höflinge; der Priester trägt nicht einmal ein feierliches Kleid; es gibt keine Spur von Gepränge, durch seine Vollmacht ist er reich genug. Nur die Engel sind anwesend, um diesen Triumph der Barmherzigkeit Gottes und seiner Gnade zu bewundern und zu feiern.

 

 

4. Wenn ein Schuldiger nach dem Freispruch durch ein menschliches Gericht unter das Gewicht einer neuen Verurteilung fällt, bewertet das Gericht seine Vergangenheit, um seinen Rückfall mit größerer Härte zu bestrafen.

 

Nicht so verhält es sich vor dem Gericht Jesu Christi. Die Gaben Gottes sind unwiderruflich 4. Die durch Lossprechung einmal vergebenen Sünden sind für immer aus dem Buch der göttlichen Gerechtigkeit ausgelöscht. "Wenn der Schuldige sich von allen Sünden... abwendet, ... dann wird er bestimmt am Leben bleiben und nicht sterben" 5. Beim Gericht nach dem Tod kommen sie nicht mehr zur Sprache, sie sind wie vernichtet; die Schrift sagt, Gott hat sie hinter seinen Rücken geworfen 6; dies deutet klar darauf hin, dass er sie ganz vergessen hat. Wenn man unglücklicherweise in die schwere Sünde zurückfällt und unbußfertig stirbt, so leben die vergebenen Sünden nicht mehr auf.

 

Noch mehr: die Vergebung der Sünden kann beliebig oft wiederholt werden. Als der Apostel Petrus Jesus fragte, ob man dem Nächsten bis zu sieben Mal vergeben muss, antwortet der göttliche Meister: "Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal" 7, d.h. immer. Dies ist auch das Maß am Bußgericht, ein Maß, das allein die richtige Einstellung der bußfertigen Sünder in Betracht zieht.

 

 

5. Wenn die bürgerliche Vollzugsgewalt die Ketten eines Verurteilen bricht, schenkt sie ihm zwar die Freiheit, nimmt ihm aber oft seine Würde und beschlagnahmt seine Güter. Man rühmt ihre Milde, wenn man ihn am Leben lässt.

 

Der Priester, der im Namen Gottes selber durch die sakramentale Lossprechung vergibt, gibt der Seele das Leben der Gnade zurück; dadurch gibt er ihr all ihre Rechte als Kind Gottes zurück und ermöglicht ihr, in den Besitz ihrer Verdienste zu gelangen, die durch den Zustand der Sünde beschlagnahmt worden sind.

 

Gott handelt wie die großen Künstler. Er hat Gefallen daran, die Ruinen seines Werkes in einer noch herrlicheren Weise wieder herzustellen. Aus dem Verleugner Petrus macht er das Oberhaupt des Apostelkollegiums und der Kirche. Paulus, der Gotteslästerer und Verfolger, wird ein auserwähltes Gefäß, der tiefste Erklärer der Lehre Jesu Christi, der hervorragendste Apostel durch seine Gnade. Aus dem entgleisten und häretischen Augustinus macht er eines der glänzendsten Lichter der Kirche, den Ruhm seiner Barmherzigkeit.

 

 

6. Die höchste Gewalt eines Staates kann von ihrem schönsten Privileg Gebrauch machen und einen zu Tod Verurteilten noch am Fuß des Schafotts begnadigen und ihn von einem entwürdigenden Tod bewahren; aber wird sie jemals imstande sein, begangene Verbrechen, seine Schande zu tilgen und dem begnadigten Verbrecher seine Gewissensbisse zu nehmen? Nein, das Verbrechen wird mit dem Namen des Schuldigen verknüpft bleiben; der Gewissensbiss wird sein heimlicher Henker bleiben und ihn quälen bis zum Lebensende.

 

Die Vergebung durch den Priester rehabilitiert denjenigen, der bei ihm beichtet, er lässt ihn seine ursprüngliche Würde wiederfinden; bereits die Bußübungen nach der Lossprechung bringen ihm neue Verdienste, und die Gnade des Bußsakramentes schenkt seiner Seele das Vertrauen, das die Gewissensbisse verscheucht.

 

 

* * *

 

 

Ein Priester, der sich diese Überlegungen zu Herzen nimmt, wird daraus unweigerlich seiner Rolle als Beichtvater eine große Wertschätzung entgegenbringen und einen entschlossenen Willen schöpfen, dieses Amt in Würde und Liebe auszuführen.

 

Er möge jedes Mal nachdenken, wenn ihm das Beichtkind diese einfachen Worte ausspricht: "Ich bekenne Gott... und Ihnen, mein Vater, der Sie den Platz Jesu Christi einnehmen..."

 

Ja, er möge diesen Platz wahrhaftig einnehmen, nicht nur durch die Vollmacht, mit der er bekleidet ist, sondern auch durch die Einstellung und sein Verhalten zu jenen, die sich an ihn wenden.

 

INHALT

EYMARD

 

 

 

IV

 

Die  Kinderbeichte

 

 

Wenn es nach dem Zeugnis des hl. Johannes Chrysostomus keine Kunst gibt, die mit der Bildung junger Seelen vergleichbar ist 1, so ist gewiss ein Hauptpunkt dieser Erziehung die Formung der Gewissen durch das Sakrament der Beichte.

 

Wir wollen nun einige Regeln über diesen Gegenstand in Erinnerung rufen.

 

 

* * *

 

 

1. Vor allem gilt es, bei den Unterweisungen und im Katechismusunterricht den Kindern den Schrecken und die Furcht vor der Sünde einzuprägen und ihnen andererseits die Tugend als liebenswert hinzustellen; sie soll ihnen als leicht, angenehm - vorteilhaft für das gegenwärtige Leben durch die Freude und den Frieden, die jene erfahren, welche sie üben, - als entscheidend für das andere Leben durch Belohnung, die im Himmel bereitsteht; man muss den Kindern oftmals vom Glück des Paradieses und des Platzes erzählen, der auf sie wartet.

 

 

2. Versuchen, ihr Vertrauen zu gewinnen, um ihre Aufrichtigkeit in allem zu begünstigen, hauptsächlich in der Beichte.

 

 

3. Hinsichtlich der Beichte soll man sie bewegen

 

a) zu einem großen Glauben, um der menschlichen Scheu zuvorzukommen;

 

b) zu einem großen Vertrauen auf die Beichte, auf die Lossprechung, und nicht auf die Person des Beichtvaters, mit denen sie es für gewöhnlich zu tun haben; andernfalls besteht die Gefahr, dass die Kinder nur bei ihm beichten wollen und lieber das Sakrament der Buße unterlassen als sich an einen anderen Priester zu wenden.

 

c) Zu einer großen Ehrfurcht hinführen; infolgedessen soll man über heilige Dinge nie mit ihnen scherzen, insbesondere was die Beichte betrifft; sie selbst mit einem sanften Ernst behandeln, ohne ihnen allzu große spürbare Zuneigung und Zärtlichkeit zu erweisen, denn dies ärgert die Frömmigkeit der Kinder.

 

 

4. Im Beichtstuhl harte Worte, zu lebhafte Zurechtweisungen und zu strenge Strafen vermeiden, weil man sonst Gefahr läuft, dass sie nicht mehr den Mund auftun und eine immer größere Abneigung gegen die Beichte entwickeln, die nicht mehr weggebracht wird.

 

Aber man soll die notwendigen Bemerkungen nicht unterlassen. Davon hängt nämlich das moralische Empfinden eines Kindes ab. Es beurteilt seine Sünde je nachdem, ob der Beichtvater darüber schweigt oder sie tadelt.

 

 

5. Bei der Kinderbeichte soll ein dreifacher Zweck angestrebt werden:

 

a) die Gewohnheiten und Neigungen der Kinder kennenlernen;

 

b) die Gelegenheiten wahrnehmen, die sie zur Sünde verleiten; denn für gewöhnlich wird ein Kind nur durch den Einfluss eines Ärgernisses schlecht;

 

c) ihren Stand im Hinblick auf die Frömmigkeit einschätzen.

 

 

6. Sich sehr davor hüten, einem Kind etwas von einer Sündenart mitzuteilen, die es nicht kennt, weil man wissen möchte, ob es diese Sünde begangen hat oder nicht. Daher ist es notwendig, besonders hinsichtlich des 6. Gebotes, ihre gewöhnliche Ausdrucksweise, die Bedeutung der Begriffe und die von ihnen verwendeten Ausdrücke zu kennen.

 

 

7. Allgemein gesagt ist es von Nutzen, die Kinder zur oftmaligen Beichte zu ermutigen, um sie daran zu gewöhnen und ihnen dadurch diese Bürde zu erleichtern; um sie vor schlechten Gewohnheiten zu schützen und sie vielmehr zur gewohnheitsmäßigen Übung der theologischen Tugenden anzuleiten, um sie von früh auf durch die Einstellung und feste, aber leichte Übung zur Frömmigkeit zu gewöhnen. Immerhin soll man aber durch eine sorgfältige Vorbereitung darüber wachen, die Routine von dem auszuschalten, was oft als einziges Heilmittel übrigbleibt. Also:

 

a) Die unschuldigen Kinder: sie sollen in ihrer Unschuld erhalten werden, indem man ihnen mit der Liebe zu Gott die Abscheu vor der Sünde einpflanzt und sie mehr mit ihnen zumutbaren Übungen zur Frömmigkeit erzieht als durch zu häufiges Beichten.

 

b) Die wankelmütigen Kinder: ihnen soll man sorgfältigst nachgehen; und es soll die natürliche Ursache ihrer Unentschlossenheit ausfindig gemacht werden: ihr Charakter; der religiöse Grund: was in ihnen schwach ist, der Glaube, das Gebet; eine äußerliche Ursache: die Gelegenheiten - sie stets durch irgendwelche neue Übungen in Spannung halten, während drei oder neun Tagen, indem man die Dinge erklärt und den häufigeren Empfang der Sakramente während einer gewissen Zeit empfiehlt.

 

c) Die Gewohnheitssünder: ach, sie sind ein Kreuz! Es gibt sehr junge Leute, die bereits dem Laster verfallen sind. 18-20-Jährige sind oft schon seit einigen Jahren gebunden und sündigen mit anderen.

 

Zuerst einmal viel für jene beten, die zu uns kommen. Dann

 

- oft ihre Beichte hören; es zu erreichen versuchen, dass sie nach jedem Rückfall kommen;

 

- nach der geringsten Besserung sie ermutigen, sobald sie gleich zurückkommen;

 

- nie für ein Kind oder einen jungen Mann die Hoffnung aufgeben; sich immer gut und aufnahmebereit zeigen; sie nie abweisen; sollte man sie einmal aus irgendeinem Grund nicht empfangen können, mit ihnen eine andere Stunde vereinbaren.

 

- ihnen also Mut machen und sie überzeugen, dass sie sich noch bessern können; es ihnen versichern; was die Jugend an der Sünde festhält und an das Übel bindet, ist die Entmutigung, die Verzweiflung.

 

- Ihnen versuchsweise ein bestimmtes Mittel verschreiben, z. B. anlässlich eines Marienfestes sie gut darauf vorbereiten, ihnen sagen: ihr werdet ganz neu beginnen; ist dieses Fest gekommen, für sie daraus einen besonderen Tag gestalten, ein Ereignis, an das man immer wieder erinnert.

 

 

* * *

 

 

Das Wesentliche ist: dass das junge Beichtkind zuversichtlich ist, sich bessern zu können; und mit gutem Willen wird es bald geheilt sein.

 

INHALT

EYMARD

 

 

 

V

 

Beichte und Seelenleitung der Frauen

 

 

Die Haltung des Priesters den Frauen gegenüber ist ein delikates Problem! Er ist in vielen Dingen auf ihre Mithilfe  angewiesen, aber es muss ein richtiges Maß an Abstand und Zurückhaltung gegeben sein, um die Tugend zu schützen. Als allgemeines Prinzip kann genannt werden:

 

- die Frauen nicht missachten;

 

- sie nicht eigens suchen;

 

 

Drei Gruppen von Frauen sollen besonders gut betreut werden:

 

- die zu bekehrenden Beichtkinder sollen mit großer Liebe behandelt werden.

 

- Den Familienmüttern mit Ehrfurcht und Hingabe begegnen.

 

- Den Frauen mit Kummer soll ein aufrichtiges Mitgefühl entgegengebracht werden.

 

 

* * *

 

 

Bei der Beichte von Frauen sind drei Tugenden notwendig:

 

 

1. Der Respekt vor der Person und vor der Gnade. Manche Priester verstehen es nicht, die Frau ernstzunehmen und beurteilen sie zu sehr nach ihrer natürlichen Psychologie; daraus entsteht eine fehlende Achtung, welche ihre christliche Bildung vernachlässigt.

 

 

2. Die Liebe, welche es versteht, ihre Charakterschwäche, ihre Fehler, ihre eigentümlichen Sünden und die besonderen Prüfungen, welche aus ihrer Situation oder aus ihrem Lebensstand entstehen, zu begreifen.

 

 

3. Die Klugheit bezüglich des Vertrauens, das man ihnen schenkt, und in den äußerlichen Beziehungen, die man mit ihnen unterhält.

 

Im Beichtstuhl soll ein Priester zu einer Frau nie über sich selber sprechen oder zulassen, dass sie über ihn spreche.

 

 

* * *

 

 

Bei der Seelenleitung von Frauen muss man zuerst aufmerksam und geduldig folgende Dinge studieren:

 

1. Die guten und schwachen Seiten, um ihren Tugendgrad

    oder ihre Neigung zum Bösen kennenzulernen.

 

2. Den Charakter, um die richtigen Mittel auszuwählen, 

     die ihnen nahegelegt werden sollen, und die

    anzuwendende Ausdrucksweise.

 

 

Eine Frau kennt sich oft selber nicht; es ist Sache des Seelenleiters, ihr zur Selbsterkenntnis zu verhelfen und sie entsprechend zu führen.

 

Das Ziel muss sein:

 

a) Eine Seele in ihre Berufung und Lebensgnade zu führen, um in ihr den inneren Frieden zu festigen.

 

b) Ihr zu einem Verhalten und Kampfgeist für die Tugend gegen das Übel an sich zu verhelfen; also einen Geist des Opfers und der inneren und äußeren Abtötung.

 

c) Ihre Tugend auf die Liebe gründen: die Liebe zu Gott, zu Jesus Christus - im verborgenen Leben oder in seiner Passion oder in der Eucharistie - eine Liebe, die das Zentrum, die Nährquelle und der Herd ihres Gnadenzuges ist, wie immer dieser auch sein mag.

 

INHALT

EYMARD

 

 

 

VI

 

Der  priesterliche  Seeleneifer

 

 

Der Priester darf nicht nur an seine eigene Heiligung denken; es ist seine Aufgabe, sich auch um die Heiligung der anderen zu sorgen. Von daher wird die Erfüllung dieser Pflicht für ihn zu einem Mittel, sein eigenes Heil zu sichern.

 

Er ist also angehalten, am Wohl der Seelen mit allen verfügbaren Mitteln zu arbeiten im Rahmen der Tätigkeit, die ihm die kirchliche Autorität zuteilt - für den äußeren Bereich - nach dem Maß, das ihm die Liebe eingibt - im inneren Bereich.

 

Untersuchen wir nun die Beweggründe und Eigenschaften des priesterlichen Seeleneifers.

 

 

* * *

 

 

Beweggründe. Sie können auf drei zusammengefasst werden: Das Bedürfnis der Seelen, der Sinn unserer Berufung, die Liebe Jesu Christi zu den Seelen.

 

INHALT

EYMARD

 

1. Das Bedürfnis der Seelen.

 

Wie viele Seelen sind in der Welt unglücklich, weil sie Jesus Christus nicht kennen! Ich als Priester kenne ihn. Und ich soll in dieser Situation einfacher Zuschauer bleiben?

 

Auf der Straße wird jemand Opfer eines Unfalles, oder jemand fällt ins Wasser; die Zeugen beeilen sich, Hilfe zu leisten.

 

Aber die Seelen sind Opfer der Sünde und laufen Gefahr in die Hölle zu fallen; oder sie verkommen in der Lauheit; andere wieder bleiben auf dem Niveau der Mittelmäßigkeit, weil ihnen niemand hilft, vielleicht heilige Männer oder Frauen zu werden.

 

Und ich sollte die Grausamkeit haben, sie in ihrem unglücklichen Zustand zu verlassen und ihnen die Hilfe meines Dienstes zu verweigern?

 

Man erwidere nicht: das Übel ist zu groß. Sehen Sie die Feinde Jesu Christi; sie sind niemals weder befriedigt noch entmutigt; sie arbeiten mit Verbissenheit, um möglichst viele Seelen in den Abgrund des Verderbens zu reißen.

 

Der Dämon, ihr Oberhaupt, er kennt den teuren Preis, der durch das Blut Jesu Christi losgekauften Seelen.

 

Von diesem göttlichen Blut, das ich bei der hl. Messe verwandle, bin ich der Besitzer; ich bin der Verwalter seiner unendlichen Verdienste, die ich den Seelen zuwenden kann, um sie zu erneuern und zu heilen. Und ich sollte es den Seelen, welche ein Recht darauf haben, vorenthalten, wo sie ohne diese Verdienste verloren gingen? Ich würde den Leviten und den Priester nachahmen, die am tödlich verwundeten Landsmann gleichgültig vorüberzogen, anstatt dem Beispiel des barmherzigen Samaritans zu folgen?

 

Ist das denn so schwierig? Viele verwirrte Seelen haben keinen schlechten Willen. Sie kennen nur nicht die Mittel, es besser zu machen; sie verstehen und wagen es nicht, den Priester aufzusuchen. Der Priester muss zu ihnen gehen, ihr Herz erobern und sie zu Gott zurückführen. Welchen Dank werden sie ihm ewig im Himmel erweisen?

 

INHALT

EYMARD

 

2. Der Sinn unserer Berufung.

 

Was ist der Priester? "Der Priester ist der Führer des Heeres des Herrn" 1. Nun muss der General einer Armee als erster sich dem Kampf stellen und sich der Gefahr des Todes aussetzen.

 

Was ist ein Priester? "Verwalter von Geheimnissen Gottes" 2. Der hl. Paulus hat durch sein Leben den klaren Kommentar zu den folgenden Worten gegeben: "Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündige!" 3. Ich kann mich deswegen nicht rühmen, denn ein Zwang liegt auf mir; ich verdiene keine Belohnung, ich verkünde das Evangelium im Auftrag, der mir anvertraut worden ist 4.

 

Was ist ein Priester? Der Gehilfe Gottes bei der Heilsarbeit für die Seelen. "Wir sind Gottes Mitarbeiter" 5. - "Der Priester ist gleichsam der gemeinsame Vater der ganzen Welt" 6.

 

Der Herr wollte, dass die Priester die Erlöser der Welt sein sollten 7.

 

"Bei der Erschaffung der Welt gab es niemand, der dem Geist Gottes half...; beim Geheimnis unserer Erlösung wollte er aber Mitarbeiter und sagte: tut dies zu meinem Gedächtnis" 8.

 

Aber wäre ich nicht ohne die Übung eines brennenden Eifers eher ein unnutzer Knecht, der einem guten Arbeiter des Evangeliums den Platz wegnimmt?

 

Bin ich nicht übrigens vor der Gerechtigkeit Gottes wegen meiner vergangenen Sünden tief schuldig geworden?

 

Die beste Genugtuung, die ich dafür Gott anbieten kann, ist, dass ich mich dafür einsetze, die anderen davor abhalte, ihn zu beleidigen; mein bester Dank und mein süßester Trost ist es, die schuldigen Seelen zu ihm zu führen.

 

Ja, vielleicht sind meinetwegen Seelen verlorengegangen oder wenigstens in ihrem Eifer erlahmt; oh, dann: Seele für Seele; mein Eifer darf keine Grenzen kennen; dies bedeutet für mich eine strengere und ganz persönliche Pflicht, andere Seelen zu retten.

 

INHALT

EYMARD

 

 

3. Die Liebe Jesu Christi für die Seelen:

 

Was hat dieser gute Hirt, dieser göttliche Erlöser doch alles getan, um die Seelen zu retten! Wie teuer sind sie ihm! Und dennoch wählt er Priester aus, um das endgültige Ergebnis seines Werkes sicherzustellen. Er selbst hat zu diesem Zweck das Priestertum eingesetzt. Welches Zeichen des Vertrauens von seiner Seite! Aber welche Verantwortung lastet auf unserem Gewissen!

 

Der Beweis unserer Liebe zu ihm liegt in unserem Eifer. "Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?... Weide meine Schafe!" 9.

 

 

* * *

INHALT

EYMARD

 

 

Eigenschaften. Unser Herr hat sie selbst durch die Art des Wortlautes für den Auftrag an seine Apostel aufgeführt: "Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; seid daher klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben" 10.

 

 

Dieser Eifer muss folgende Tugenden aufweisen:

 

 

1. Gehorsam. - "wie Schafe". Es ist der Gehorsam, welcher den Erfolg des Priesters im heiligen Dienst garantiert: der Gehorsam zur Kirche, zum Papst, zu seinem Ortsbischof. Er kann nur so Erfolg haben, denn Gott gibt nur dafür seine Gnade und hat nur dafür einen Sinn.

 

Der Priester soll also nur auf seinem Arbeitsgebiet tätig sein und sich mit Werken abgeben, die ihm anvertraut worden sind. Und dann wird er dort in bester Weise nach den Methoden und dem Ziel arbeiten, die von der kirchlichen Autorität bestimmt worden sind: "Einfach wie die Tauben".

 

INHALT

EYMARD

 

2. Demut und Vertrauen. - "Ich sende euch". Angesichts des göttlichen Dienstes, mit dem er betraut ist, kann der Priester ein Gefühl der Unwürde und des Misstrauens erfahren.

 

Aber die Demut wird ihn erleuchten und bestärken. Sie wird ihm zeigen, nicht auf seine Wissenschaft, seine Arbeit und den empfundenen Eifer seines Einsatzes sein Vertrauen auf den Erfolg zu setzen. Dies alles ist nur eine notwendige Vorbereitung, welche Gott dann Früchte tragen lässt.

 

"Die Menschen können hochklingende Worte sprechen; aber den Geist geben sie nicht. Lieblich dem Ohr ist, was sie sprechen; aber das Herz des Hörenden bleibt kalt dabei, wenn du nicht mitsprichst" 11.- "Wenn nicht der Herr das Haus baut..." 12.

 

Der Apostel Petrus sagte: "Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen". Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu zerreißen drohten 13.

 

Hat nicht Jesus Christus erklärt: "Aus mir selbst tue ich nichts?" 14 - "Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke" 15.

 

Auch uns hat er gewarnt: "Getrennt von mir könnt ihr nichts tun" 16. - "Ich werde euch die Gedanken und Worte eingeben, so dass alle eure Gegner nicht dagegen aufkommen und nichts dagegen sagen können" 17.

 

Daraus zog der hl. Paulus folgenden Schluss: "So ist weder der etwas, der pflanzt, noch der, der begießt, sondern nur Gott, der wachsen lässt" 18.

 

Die Demut wird ihm Vertrauen einflößen. Als Moses zu Gott sagte: "Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehen und die Israeliten aus Ägypten herausführen könnte?" 19, da antwortete der Herr: "Ich bin mit dir"  20.

 

Jenen Priestern, die in aller Demut wie Jeremias zu Gott sagten: "ach, mein Gott und Herr, ich kann doch nicht reden", wird er antworten: "Fürchte dich nicht... denn ich bin mit dir... Hiermit lege ich meine Worte in deinen Mund" 21.

 

Der hl. Paulus bekräftigte: "Ich kann alles in dem, der mich stärkt" 22. - Jesus Christus hat diese Gewähr gegeben: "Wenn du kannst? Alles kann, wer glaubt" 23.

 

David ging Goliath entgegen, als Waffen besaß er lediglich eine Schleuder und fünf Steine; aber er näherte sich ihm mit dem Ruf: "Ich komme zu dir im Namen des Herrn der Heere" 24.

 

Der Priester soll seine Kraft auf das Kreuz mit den fünf Wunden des gekreuzigten Jesus legen: "Wir sind also Gesandte an Christi Statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi Statt: lasst euch mit Gott versöhnen"  25.

INHALT

EYMARD

   

3. Geduld. - Gott hat die Welt durch bloße Willensakte erschaffen; für seine Macht bedeutete dies ein Spiel. Als aber der Sohn Gottes Fleisch geworden ist, um die Seelen zu erlösen, hat er 33 Jahre lang gelebt als eine Zeit der Vorbereitung, bevor er für sie am Kreuz gestorben ist. Noch heute arbeitet er in der Welt und wird es tun bis zum Ende der Welt. Dies ist die Arbeit seiner Barmherzigkeit, und die Barmherzigkeit ist geduldig: "Der Herr ist geduldig mit euch, weil er nicht will, dass jemand zugrundegeht, sondern dass alle sich bekehren" 26. - "Du aber, unser Gott, bist gütig, wahrhaftig und langmütig: voll Erbarmen durchwaltest du das All" 27.

 

Wir müssen also wie Gott für die Seelen arbeiten: in Geduld. Sie sind schwach wie Kinder; ihre Empfängnis ist langsam, ihre Geburt beschwerlich, ihre Kindheit oberflächlich; das reife, vollkommene Alter der Heiligkeit ist die Frucht einer langen Geduld.

 

Man muss dem Lauf und den Stufen der Gnade folgen; ihnen zuvorkommen heißt alles verlieren.

 

Auch Jesus Christus hat diesen Grundsatz aufgestellt: "Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen" 28. Der Erfolg ist das Erbteil der Geduld: "Fruchtbringen in Geduld" 29.

 

Eine sanfte Geduld. - Wir behandeln vergiftete Wunden und geschwürige Herzen durch die Sünde; es sind Geister, die man sanft zur Demut Jesu Christi zurückführen muss; sie kennen ihren Wert nicht genug, um sie ersehnen und lieben zu können.

 

Eine ermutigende Geduld. - Der Dämon versucht mehr mit Entmutigung und Verzweiflung als durch Vermessenheit Beute zu machen. Die Anmaßung ist meistens nur die erzwungene Frucht der Verzweiflung des Herzens.

 

Eine tröstende Geduld. - Der Dienst an Gott, die äußere Treue zum Gesetz Gottes kostet manchen Seelen viel: Demütigungen und Verfolgungen. Gott verlangt manche Opfer für seine Liebe. Er überlässt uns die Aufgabe sie zu trösten. Sie sind sehr der Gefahr ausgesetzt, sie brauchen Kraft. Der Priester sei für sie "ein Engel vom Himmel", der sie tröstet 30 (30); er möge ihnen zeigen, alles zu lassen, um die gefährdete Sache des göttlichen Oberhauptes zu verteidigen.

INHALT

EYMARD

 

 

4. Klugheit. - "Klug wie die Schlangen" - Die Klugheit der Schlange besteht darin, dass sie Gefahren voraussieht und dass sie mitten in der Gefahr eine besondere Sorgfalt anwendet, um ihren Kopf zu schützen.

 

Der priesterliche Dienst bringt seine Gefahren mit sich. Er ist ein Kampf, in dem seine Feinde ihm Fallen stellen und versuchen, ihn zu überrumpeln; also vorsichtige Beobachtung und Klugheit im Handeln, wenn uns die Gefahr anfällt!

 

Der Teufel gewinnt durch unsere Unvorsichtigkeit das zurück, was ihm unser Eifer abgenommen hatte.

 

Klugheit auf der Kanzel. Hier beginnen wir mit der Belehrungsarbeit. Ein unvorsichtiges, vielleicht verletztendes Wort gefährdet die Frucht der besten Predigt.

 

Klugheit im Beichtstuhl, vor allem unter gewissen Umständen. Nicht alle Beichtkinder kommen als reuige Zöllner. Es gibt darunter Herodianer, die uns überraschen wollen; Pharisäer und Schriftgelehrte, um uns Unannehmlichkeiten zu bereiten. Es gibt auch Männer und besonders Frauen, die es wagen herzukommen, um uns zu versuchen.

 

Ja, die Klugheit der Schlange; sie ist notwendig. Aber sie muss heilig sein: "neige dein Herz der Einsicht zu... Besonnenheit wacht über dir, und Einsicht behütet dich" 31.

INHALT

EYMARD

 

 

5. Übernatürlichkeit. - "Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch" 32. Die Sendung, welche Jesus Christus zu erfüllen hatte, war gewiss eine übernatürliche, und er hat sie auch als solche erfüllt. Die Sendung, welche wir von Jesus erhalten haben, sollte also rechtlich und tatsächlich nicht denselben Charakter haben?

 

Man muss also im priesterlichen Dienst nur die Seelen ins Auge fassen, die durch das Blut Jesu Christi losgekauft worden sind, die Kinder Gottes, die Glieder des menschgewordenen Gottessohnes, die Tempel des Hl. Geistes. Somit ist es also wichtig:

 

a) Alle Seelen mit Ehre zu behandeln. Sie verdienen es oder werden es verdienen. Oft sind jene, die als unachtbar galten, große Heilige geworden. Jede Seele verbirgt in sich eine Gnade, deren Tragweite für Gottes Pläne wir nicht kennen.

 

 

b) Die Seelen mit Respekt behandeln. Der alte Diener Abrahams verhandelte mit äußerster Zurückhaltung das Heiratsansuchen für Isaak, den einzigen Sohn seines Meisters, an Rebekka; und nur durch seine Kunst und sein Taktgefühl kam diese Vereinigung mit der Bereitwilligkeit Rebekkas und der vollen Zufriedenheit ihrer Familie zustande.

 

Sind denn die Seelen nicht die Bräute Jesu Christi, des einzigen Sohnes Gottes, der für sie anstatt natürlicher, kostbarer Geschenke und Schmuckstücke sein ganzes Blut und ihnen durch seine Gnade sein Leben hingegeben hat? Der Priester wird sich mit Respekt und Zartgefühl dafür einsetzen, um diese geheimnisvolle Vereinigung zu vertiefen und zu befruchten.

 

 

c) Sie ohne Unterschied und demütigende Bevorzugung behandeln. Es gibt ohne Zweifel zu berücksichtigende Gesichtspunkte für die Erziehung, für gewisse Forderungen der Situation, wie es die Armseligkeiten von empfindsamen und herrschsüchtigen Kranken sein können! Aber dies stellt keine Bevorzugung dar, es ist vielmehr ein Mittel, sie für Jesus Christus zu gewinnen.

 

Wenn eine Unterscheidung getroffen werden müsste, dann wären es die Armen, die unsere Brüder und die privilegierten Freunde Jesu Christi sind; es wären ebenso die verachteten und gemiedenen Sünder, auf die man mit Güte zugehen soll, wie Jesus Christus auf Levi und Zachäus, wie der gute Hirt auf der Suche nach dem verlorenen Schaf.

 

 

d) Sie in uneigennütziger Weise behandeln. "Ich suche nicht meine eigene Ehre" 33. Wir sind ausreichend geehrt, dass uns Jesus Christus würdigt für sein hervorragendstes Werk, das alles Geschaffene überragt, arbeiten zu dürfen. Denn der hl. Augustinus schreibt: "Damit aus einem Gottlosen ein Gerechter wird, diese Arbeit halte ich für durchaus größer als es Himmel und Erde sind"  34 .

 

Worauf hätten wir übrigens ein Anrecht außerhalb des geistlichen Gewinnes? "Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben" 36. - "Geben ist seliger als nehmen" 36.

 

Wie der hl. Apostel Paulus müssen wir eifersüchtig sein auf unsere Unabhängigkeit: "Als ich zu euch kam und in Schwierigkeiten geriet, bin ich niemand zur Last gefallen... und euch das Evangelium Gottes verkündete, ohne etwas dafür zu nehmen!" 37

 

Die Ehre des Priesters besteht in seiner geistigen Freiheit. Also:

 

- keine persönlichen Geschenke annehmen noch erbitten;

- keine persönliche Sympathie oder persönliches Wohlgefallen, das in sinnenhafter Weise bezeugt wird;

- keine Bindungen an Menschen, die uns im Falle einer Abwesenheit oder offiziellen Versetzung folgen würden.

 

Wie groß und schön wird dann aber unser Lohn sein!

 

"Die Männer, die viele zum rechten Tun geführt haben, werden immer und ewig wie die Sterne leuchten" 38. - "In vollem, gehäuften, überfließendem Maß wird man euch beschenken" 39.

 

Mit welcher Freude wird uns Jesus Christus zurufen: "Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener... komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!" 40.

 

Und wo wird das Geheimnis, der Feuerherd, das Zentrum des priesterlichen Seeleneifers sein, wenn nicht im Sakrament der Liebe, in der Hlst. Eucharistie?

 

Das Feuer, welches Christus gekommen ist, auf der Erde anzuzünden, und von dem er wünscht, dass es überall brenne, ist natürlich die göttliche Liebe. Was ist nun der Herd dieser Liebe? Es ist das Herz Jesu Christi, das lebt in der Eucharistie!

 

Das Feuer hat drei Eigenschaften: es ist Licht, Wärme und Leben. Die Sonne ist ein intensiver und unerschöpflicher Herd, den der Schöpfer entzündet hat, um die Welt zu erleuchten, zu erwärmen und zu beleben. Was würde unser schönes Universum ohne die Sonne sein? Eine vereiste, unfruchtbare und im Schrecken der Finsternis eingehüllte Er-de.

 

Die Sonne der Seelen, der geistigen Welt, ist Jesus Christus; und durch die Eucharistie, wo er lebt und wirkt, bietet er dem Priester:

 

- ein Licht, das ihn tiefer erleuchtet über die 

  Motive und Eigenschaften seines Seeleneifers;

 

- eine Hitze, die ihn erfasst, eine Liebe, die ihn

  drängt, sich voll einzusetzen für das Wohl der

  Seelen.

 

- Einen Reichtum übernatürlichen Lebens, dessen  

  Bedürfnis und Glück darin besteht, sich ohne zu

  zählen, auszugeben für das Reich desjenigen, dem

  alle Ehre und Herrlichkeit gebührt, unserem Herrn

  Jesus Christus.

INHALT

EYMARD

 



©2000 Kongregation vom Heiligsten Sakrament, Email: mchrast@surfeu.at
Tel. (0043) 1 597 81 17 ( + Klappe - P. Provinzial 42)


Bemerkungen:


1 1 Tim 4, 13. 

2 1 Tim 6, 20.  

3 1 Makk 12, 9.

4 Röm 15, 4.  

5 Eccles. 23, 29 (Zitat konnte vom Übers. nicht gefunden werden.  

6 Hieron. Epist. 125, 11.  

7 Seneca, Ep. 45 ad Lucilium.  

8 Nachf. Chr., 1. B., 4. Kap., Nr. 2.  

9 Nachf. Chr., 1. B., 2. Kap., Nr. 2.

 

10 Röm 12, 3.   

11 Isid. hisp. Citatus a Conc. Aquisgr. cap. 20.   

12 Innoc. III.

    

13 Weish 13, 1.   

14 Ps 119, 66.   

15 Weis 10,10 (Dieses Zitat konnte vom Übers. nicht gefunden werden).  

16 Ps 94, 12.

1 Mk 16, 16. 

2  Joh 6, 62.   

3 1 Kor 1, 18.  

4 1 Kor 1, 23.  

5 1 Kor 1, 21.  

6 Joh 11, 25.

 

7 1 Kor 2, 2.  

8 Apg 6, 4.

 

9 Nachf. Chr., 4. B., 11. Kap. Nr. 4.  

10 Nachf. Chr., 4. B. 11. Kap. Nr.6.

1 Mt 18, 18.

 

2 Serm. 26.   

3 Joh. Chrys. Hom. 40 in 1 Cor ante med.

 

4 Vgl. Röm 11, 29.  

5 Ez 18, 21.   

6 Is 28, 17 (An der angegeb. Stelle konnte der Übers. das Zitat nicht finden).  

7 Mt 18, 22.

1 Hom. 60, in cap. 18 Matth.

 

1 1 Petr. Damian. Opusc. 25, c. 2. .

2 1 Kor 4, 1.   

3 Kor 9, 16.  

4 Vgl 1 Kor 9, 17.  

5 1 Kor 3, 9.  

6 Joh. Chrys. Hom. VI sup. 1 Tim, in princip.  

7 Hieronymus, In Abdiam 31.  

8 Petr. Bles. Serm. 42 post med.

 

9 Joh 21, 17.  

10 Mit 10, 16.

  

11 Nachf. Chr., 3. B., Kap. 2, Nr.2.

12  Ps 127, 1.   

13 Lk 5, 5.     

14 Vgl Joh 8, 28.   

15 Joh 14, 10.   

16 Joh 15, 5.   

17 Lk 26, 15.  

18 1 Kor 3, 7.   

19 Ex 3, 11.   

20 Ex 3, 12.

21 Jer 1, 6-9.   

22 Phil 4, 13.    

23 Mk 9, 23.   

24 1 Sam 17, 45.   

25 2 Kor 5, 20.

  

26 2 Petr 3, 9.   

27 Weish 15, 1.   

28 Lk 21, 19.   

29 Lk 8, 15.   

30 Vgl Lk 22, 43.

  

31 Spr 2, 2. 11.   

32 Joh 20, 21.

  

33 Joh 7, 50 (an dieser Stelle vom Übers. nicht gefunden).     

34 In Evang. Joan. tract. 72.  

36 Mt 10, 8.   

36 Apg 20, 35.  

37 2 Kor 11, 7. 9.

38 Dan 12, 3.

39 Lk 6, 38.    

40 Mt 25, 23.