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Hl. Peter - Julian EYMARD Der Priester
FÜNFTER
TEIL Der priesterliche Dienst |
I
"Die Lippen des Priesters
bewahren die Erkenntnis"
Mal 2,7
Das Studium der für seinen
heiligen Dienst notwendigen oder nützlichen Gegenstände stellt für den
Priester eine Gewissenspflicht, eine Standespflicht dar.
Jesus Christus hat zu den
Aposteln gesagt: "geht hinaus, lehret",
bevor er ihnen jedoch diesen Auftrag erteilt hatte, versprach er die Sendung des
Hl. Geistes, um ihr apostolisches Wissen zu vervollständigen.
Um es zu vermeiden, nur sich
selbst zu predigen und den Seelen lediglich eine oberflächliche und
verweltlichte Lehre zu vermitteln, muss sich jeder Priester an die Empfehlungen
des hl. Paulus halten: "Lies ihnen
eifrig <aus der Schrift> vor, ermahne und belehre sie" 1.
"Bewahre, was dir anvertraut ist"
2.
Das fortgesetzte Studium ist
notwendig, um sicher zu sein, dass es sich in der eigenen Lehre tatsächlich um
das wahre Glaubensgut handelt, ohne falsche Lehrmeinungen einzuflechten oder
einige Teile zu verlieren.
Die Lektüre, d.h. die
Kenntnis der Bibelkommentare, der theologischen Traktate ist nötig, um die
Lehrreichtümer des Glaubensgutes zu schätzen.
Man kann hinzufügen, dass das
Studium eine Quelle geistlicher Stärkung ist. "Unser
Trost sind die heiligen Bücher, die wir besitzen" 3.
- "alles, was einst geschrieben worden ist, ist zu unserer Belehrung
geschrieben, damit wir durch Geduld und durch den Trost der Schrift Hoffnung
haben" 4.
Die Lektüre ist auch ein
Heilmittel gegen gefährliche Versuchungen: "multam
malitiam docuit otiositas - der Müßiggang hat viel Schlechtigkeit
hervorgebracht" 5.
- "Der Teufel soll dich immer beschäftigt antreffen" 6.
* * *
Aber das gesamte Studium des
Priesters darf nur zu dem einen Zweck geschehen, sich geistlich zu
vervollkommnen und seinen Dienst nützlicher zu gestalten.
Nicht alle Erkenntnisse sind nützlich;
es gibt mehr als eine, die schädlich ist. Es gibt eine Wissenschaft, die aufbläht
und unnütz bleibt: "vielleicht hätten
sie Notwendiges entdeckt, wenn sie nicht auch ganz Überflüssiges gesucht hätten"
7.
Der Priester soll sich nur zur
Selbstheiligung dem Studium widmen und nach Mitteln suchen, die anderen zu
heiligen.
* * *
Nach dem Gesagten ist es
wichtig, gewisse Regeln anzuwenden, welche dieses Ziel verfolgen.
1. Mit der Freiheit des
Geistes und dem Frieden im Herzen studieren, sodass man imstande ist, das
Studium ohne Bedauern aufzugeben, wenn uns der Wille Gottes anderswohin ruft.
Diese Haltung beweist, dass wir nur studieren, um wirksamer zu handeln; die
Praxis wird der Theorie folgen. Es ist wertvoller, für das Heil seiner Brüder
zu arbeiten, als sich mit Studien zu beschäftigen.
Nie möge uns das Studium
tyrannisieren, sondern es bleibe dem Hauptgedanken der Liebe zu Jesus Christus
und den Seelen unterworfen. Das Studium soll in uns nicht den Eindruck erwecken,
dass das Gebet an die zweiten Stelle kommt.
"Es ist eine große Weisheit, nicht so vorschnell und wie in blinder
Hitze zu handeln, auch nicht so fest und unbeugsam auf eigenem Sinn und Dünkel
zu bestehen" 8.
- "Lass ab von der überspannten Wissbegier: denn es ist viel Zerstreuung
und viel Trug dabei" 9.
2. Alles auf unser persönliches
Heil anwenden, als wären wir nur für uns da. Dies ist das radikale Gegenmittel
gegen die Zerstreuung des Geistes und die Verwirrung des Herzens, die alles auf
die anderen anwenden wollen.
3. Sich pünktlich an die
Arbeit machen, aber es soll eine geregelte Studienzeit sein, die im vorhinein
nach einem methodischen Plan festgelegt wurde.
Wie viel verlorene Zeit
entsteht sonst einmal durch diese Unterbrechung, dann durch jene
Unentschlossenheit des Willens; es besteht auch die Gefahr, dass man sich einem
nutz-losen oder gar schädlichen Studium zuwendet.
4. An sich trocknet nämlich
das Studium die Frömmigkeit aus und lässt die innere Salbung verloren gehen;
daher muss man dafür Sorge tragen, diese wieder durch Rückbesinnung und einen
Gedanken an Gott zu nähren; den Anstoß zu dieser Kurzbesinnung kann ein Punkt
oder der studierte Gegenstand als Anstoß ergeben.
Ein zu ausgedehnter Schlaf führt
zur Abgestumpftheit anstatt zur Erholung; eine zu üppige Nahrung überfordert
den Magen und verdinglicht selbst den Geist, der durch die Verdauungsarbeit gehemmt wird. Ein zu intensiv betriebenes Studium, besonders über
abstrakte Fragen, ermüdet den Geist und erschwert die Aufmerksamkeit. Man muss es von
Zeit zu Zeit durch Ruhepausen im Herrn, unserem Zentrum und unserem Ziel, unterbrechen.
5. Sich hüten vor dem hartnäckigen
Willen, einen studierten Gegenstand, den man in Angriff genommen hat, in einer
bestimmten Zeit abzuschließen, damit man ihn früher loswird, um sich gleich in
andere Gegenstände zu werfen. Man muss sich vielmehr üben, eine angefangene
Arbeit, wenn es möglich ist, eine bestimmte Zeit lang unvollendet zu lassen
oder zu unterbrechen: "Strebt danach,
besonnen zu sein" 10.
Sich also auch hüten vor dem Ehrgeiz der Bibliomanie.
"Wie die Liebe ohne vernünftige Lebensweise hochmütig
macht, so ist ein Leben ohne Lehre unnütz" 11.
* * *
Vom hl. Augustinus wird erzählt,
dass er "Jesus in den Büchern
gesucht hat". Dies ist das Ideal des Priesters, "dass
er das Unvollkommene der Wissenschaft durch die Vollkommenheit
der Liebe
ersetzen kann" 12.
Eines der größten
Hindernisse im religiösen Erfolg der Gelehrten besteht darin, dass sie sich allzu sehr
auf ihre Begabung und ihr Genie und nicht genug auf den Geist Gottes
verlassen, den sie nicht zu Rate ziehen. Auch Gott schenkt ihnen keine
Beachtung, wenn er seine großen Pläne ausführt; er bedient sich nur
schwacher, aber menschlicher Werkzeuge, wie es die ganze Kirchengeschichte
beweist. "Töricht waren von Natur
alle Menschen, denen die Gotteserkenntnis fehlte" 13.
Wir
beten immer wieder: "Herr... lehre
mich Erkenntnis und rechtes Urteil" 14.
Um welche Erkenntnis handelt
es sich? "Dedit illi scientiam
sanctorum" 15,
die Erkenntnis heiliger Dinge.
"Wohl
dem Mann, den du, Herr, erziehst, den du mit deiner Weisung belehrst" 16.
Erbitten
wir inständig vom Vater die Einsicht, dass es auch bei uns so sei.
II
Der Dienst
am Wort
A) Gründe der Vorsehung für die Verkündigung.
Wenn man den Plan unseres
Heiles und dessen Mittel prüft, die unserem Denken so fremdartig anmuten, und
die Gott ausgewählt hat, um der Welt den Glauben und die Gnade mitzuteilen,
dann drängt sich die Frage nach den Gründen dieser göttlichen Vorgangsweise auf.
Warum
hat Gott den Dienst der Verkündigung bevorzugt, um die Menschen zu bekehren?
Die Weisheit und Güte dieser
Wahl, welche die Gläubigen mit Dankbarkeit und Begeisterung erfüllen sollen,
können es nicht unterlassen, auch den Respekt und den Seeleneifer des
Priesters hinsichtlich des Wortes Gottes anzuspornen.
* * *
Über den Weg der Verkündigung
geht Gott wiederum daran, den Plan des Teufels im irdischen Paradies und im
Laufe der Jahrhunderte zu zerstören.
Satan hat Eva durch den
Gebrauch des Wortes und den Missbrauch der Wirkung, welche das Wort auf den
menschlichen Willen ausübt, verführt. Eva handelte ebenso mit Adam.
Ebenfalls durch die schlechten
Ratschläge der Eltern, der Lehrer, durch die Ärgernisse der Großen und
gottlosen Fürsten verführt Satan die Jugend, verdirbt die Völker und
Generationen. Wie sind seine Apostel in ihrer höllischen Mission mit Eifer bei
der Sache, wie geschickt verbreiten sie das Böse, wie mächtig sind sie durch
ihre Zusammenarbeit!
Nun gut! Gott hat sich
ebenfalls zur Abwehr dieser satanischen Schlachtreihen gleichstarke Kräfte
ausgesucht, auserlesene Männer, eine Truppe von Priestern, die von ihm
beauftragt wurden, für seine Sache und seine Ehre zu kämpfen, den Triumph der Wahrheit
und der Tugend zu sichern.
Diese zwei Schlachtfelder
stehen sich immerfort einander gegenüber. Die Feindseligkeiten werden erst mit
dem letzten Auserwählten und den letzten Verworfenen ein Ende nehmen.
Gott hätte die Schlechtigkeit
der Bösen mit eigener Macht vernichten können. Er hätte seine Gerechtigkeit
über sie auslassen können, wie er es im Himmel gegen die aufständischen Engel getan hatte. Aber in seiner Barmherzigkeit hat er es nicht gewollt. Um
seine Rache auszuführen und den Triumph der Wahrheit zu sichern, will er mit
ebenbürtigen Waffen und gleichen Mitteln kämpfen. Er hat Männer beauftragt,
seine Rechte geltend zu machen und mündlich die Offenbarung zu lehren.
Der gestürzte Engel hat den
Menschen an seiner Sünde Anteil nehmen lassen; er ließ ihn gleich wie er zum
Abfall kommen; und mehr noch: er macht aus ihm seinen Komplizen. Der Mensch
verdirbt seinerseits die anderen Menschen; und während seine Opfer dabei eine
Entschuldigung finden, macht sich der Mensch manchmal daraus einen Ehrentitel.
Gott bedient sich sündiger
Menschen für sein Werk der Wiederherstellung und macht aus ihnen auserwählte
Gefäße; er wandelt sie in Werkzeuge für seine Aktion um, und sie erwecken
durch ihr Wort und ihren Dienst die Seelen zu neuem Leben mit Heilung und
Rettung.
Auf diese Weise bringt er die
Kraft seiner Gnade zum Ausdruck und offenbart gleichzeitig seine göttliche
Weisheit und seine unsagbare Güte.
* * *
Dies geht ebenfalls aus der
Tatsache hervor, dass die Verkündigung das einfachste und eines der
verdienstvollsten Mittel ist, zum Glauben zu gelangen.
1. Das einfachste Mittel. - Die erleuchtete und zum
Katholizismus bekehrte Welt ist dafür gewiss ein guter Beweis. Man vergleiche
diese erstaunliche Umwandlung mit dem Zustand der Unwissenheit, Abgestumpftheit
und Verdummung, in dem noch immer Völkerstämme leben, welche dieser Wohltaten
des Evangeliums noch beraubt sind. Was bewirkt praktisch die Propaganda der
protestantischen Missionare, die sich vor allem für Philanthropie einsetzen,
oder der Bibelgesellschaften, die beauftragt sind, mit großen Unkosten Bibel-Exemplare
unter den Leuten zu verteilen, die nicht lesen können oder unfähig
sind, die Hl. Schriften zu verstehen?
Aber wenn ein katholischer
Missionar kommt, um das Evangelium Jesu Christi zu verkünden, dann hören
diese wilden Völker auf ihn, die hl. Lehre dringt über alle Sinne in ihre
Seele ein; ja, dann und nur dann können sie die Hl. Schrift lesen und lieben,
aber zu Füßen der Eucharistie, wie die Kinder vor ihrem Meister, denn der
Buchstabe an sich ist tot; es braucht das Wort des Apostels, um den Buchstaben
zu verlebendigen und fruchtbar werden zu lassen.
2. Eines der verdienstvollsten Mittel. -
Aufgrund der Opfer, die von
den Gläubigen verlangt werden:
a) Das Opfer des menschlichen
Stolzes, der sich niemandem unterordnen will, selbst Gott nicht. Um den Menschen
dieses Stolzes zu strafen und gleichzeitig zu heilen, verpflichtet ihn Gott, den
Dienst des Priesters in Anspruch zu nehmen, der ein Mensch ist wie er,
wenngleich ausgerüstet mit einem heiligen Merkmal. So sind alle, König oder Untergebener, Gelehrter oder Unwissender, Reicher oder Armer, genötigt, aus
dem Mund des Priesters das Wort Gottes und aus seiner Hand die Gnade der
Sakramente zu empfangen, wenn sie in den Genuss der Wohltaten der Erlösung
kommen und ihr Heil sichern wollen.
Allein das Priestertum ist nämlich
der Hüter des Glaubensschatzes und der Verwalter der Geheimnisse Gottes; dieses
Priestertum besteht vor allem aus der Gesamtheit der Bischöfe und stellt die
lehrende Kirche dar; deren einfache Priester sind ihre geheiligten Sachwalter.
b) Sogar das Opfer des
Glaubens wird gefordert; denn der Priester wird durch seine Beschränktheit und
Lebensführung nicht immer selber das beobachten, was er predigt. Trotzdem
bleibt er der bevollmächtigte Wortführer Jesu Christi, und die Gläubigen müssen
das Hindernis der ungünstigen äußerlichen Gegebenheiten überwinden, um an
die Wahrheiten zu glauben, welche er im Namen des Glaubens verkündet.
* * *
Im Bewusstsein seiner Schwäche
und seiner Autorität wird der Priester mit größter Sorgfalt und mit Hilfe der
Gnade Gottes alles vermeiden, was durch sein Verhalten die Gläubigen von der
Erbauung abhalten könnte. Er wird sich auch gewissenhaft und fleißig darauf
vorbereiten, bevor er die Seelen, wie es sich geziemt, gemäß dem Alter und der
Situation seiner Zuhörer unterrichtet.
Möge er in der Lage sein,
sich durch sein Wort jenes Zeugnis zu geben, das Jesus Christus von ihm
erwartet: "Licht der Welt, Salz der
Erde", ein Feuerherd der göttlichen Liebe zu sein: "Ich bin gekommen, das Feuer auszusenden... was will ich anders, als dass es schon brenne".
B) Allgemeine Voraussetzungen und Regeln
Weil das Predigtsamt ein
heiliger Dienst ist, gehört es sich, dafür entsprechende Voraussetzungen mitzubringen; aber weil es auch eine religiöse Kunst darstellt, müssen bei
dessen Ausübung zweckdienliche Regeln beobachtet werden.
* * *
Die
wichtigste Voraussetzung ist der Glaubensgeist.
Selbst unter den katholischen
Laien sind Menschen des Glaubens sehr selten. Die religiöse Unwissenheit, die
Sorgen um weltliche Dinge, die vergiftende Berührung mit der religiösen
Gleichgültigkeit in der Welt, der verderbliche Einfluss der rationalistischen Wissenschaft, der kalte oder offene Krieg gegen das Übernatürliche, all das führt
dazu, die Religion in ein natürliches Gefühl und eine standesgemäße Haltung
umzuwandeln. Diese Einstellung bedient sich dann einer Sprache, welche ihren
Prinzipien entspricht. Das ist die Situation der heutigen Gesellschaft.
Wie kann sie wieder zum
wahren, lebendigen und übernatürlichen Glauben zurückgeführt werden? durch
den absoluten Glauben: "Wer
glaubt..., wird gerettet; wer nicht glaubt, wird verdammt werden" 1.
Man muss das Übernatürliche
und Wunderbare des Glaubens, das Herausfordernde des Glaubens predigen. "Daran
nehmt ihr Anstoß?" 2
- "Das Wort vom Kreuz ist denen, die
verloren gehen, Torheit..." 3.
- "Wir dagegen verkündigen
Christus als den Gekreuzigten, für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden
eine Torheit...." 4.
- "Gott beschloss, alle, die glauben,
durch die Torheit der Verkündigung zu retten" 5.
Man möchte beim Natürlichen
und Einsichtigen beginnen, das den Glauben begleitet oder umgibt, um dann
stufenweise zum Glauben an das Göttliche zu führen.
Dies ist eine leider zu häufig
befolgte Methode, die aber gefährlich ist und oft - wenn ich es so sagen kann -
den übernatürlichen Glauben tötet.
Ach, wie viel Prediger gibt es,
die über die guten Sitten, die Schönheit des Christentums, die
philanthropische Liebe und die soziale Religion reden! Man glaubt auf diese
Weise die Pharisäer, die Schriftgelehrten und Gesetzeslehrer zu Christus zu führen.
Irrtum!
Wenn der Stolz das Gesetz des
Geistes ausmacht, hört man und will man nur hören, was diesen Stolz begünstigt.
Man muss also auf die Gnade
des Glaubens, auf das Leben und die Kraft vertrauen, welche in diesem Verbum
fidei verborgen ist, auf dieses Wort, das die Seelen erneuert: Dixit et facta
sunt - er sprach und es geschah.
Seht die Apostel an! Studieren
wir die Reden des Petrus am Pfingsttag; die Reden des Paulus auf dem Areopag in
Athen!
Hat nicht der Herr den
wankenden Glauben der Jünger von Emmaus durch Zitate und Erklärungen der Hl.
Schrift gestärkt?
Der Beweis des Glaubens liegt
in der Gnade des Glaubens, wie dies das Feuer selber beweist: "Wer
an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt" 6.
Ist es also so, dass der
Glaube die Argumente der Vernunft ausschließt und verwirft? Nein, nein. Aber
der Glaube stützt sich nicht auf sie. Die Vernunft verhält sich zum göttlichen
Glauben so, wie die Bestätigung zur Wahrheit, zur Autorität, zur Göttlichkeit;
die Vernunft ist das Mittel, um den wahren Sinn der Offenbarung zu vermitteln.
Oh, dies ist nur allzu wahr.
Ein Priester, der seine Karriere machen will, eine Berühmtheit werden will, wie
man so sagt, der modern sein will, hat nur ein Bestreben: lernen, um
aufzufallen; nur das zu lernen, was ihm zur Krone verhilft. Ergebnis? Akademische, hoch-strebende, aber fruchtlose Predigten.
Stellt euch diese
hochtrabenden Redner vor einem Zuhörerkreis von Arbeitern und Bauern vor! Diese
Prediger sind zu hoch, um so tief herabzusteigen. Ihre Intelligenz hat mit dem
Auffassungsvermögen dieser kleinen Leute nichts mehr zu tun. Sie sind gar nicht
mehr fähig, ihre Sprache zu reden und noch weniger ihr Herz zu rühren. Sie
gleichen Adlern, die in den Wolken kreisen; sie sind Apostel des Planetariums,
die die gewöhnlichen Sterblichen das Gras abweisen lassen wie das Tier und
dann sterben.
Das heilige Bestreben des
wahren Priesters sei es, "nichts zu
wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten" 7,
um ihn von allen kennenlernen und lieben zu lassen.
Heutzutage wird über unseren
Herrn nicht mehr genug gepredigt. Nun muss er aber gepredigt werden, um die
Seelen zu nähren. Heute werden immerfort Abführkuren durchgeführt, die
sogar das Blut angreifen. Die Predigt ist zu negativ geworden. Es ist leicht,
auf der Kanzel gegen die Irrtümer und Laster zu wettern. Man muss aber die
Seelen nähren.
Wie viele Prediger stellen
alles in Zweifel, um alles zu beweisen! Sie haben nicht mehr genug Glauben an
das Wort Gottes; sie stellen es vor, sie empfehlen es nicht, sie drängen es
nicht auf.
Um gut zu predigen, muss man
auch beten. Aber was geschieht? Man hält seine Rede, umgeben von Büchern; man
prägt sich den Text ein und... hört sich selber; dann wird die Rede
abgewickelt; man lamentiert vor den Gläubigen, die den Prediger anhören müssen,
weil es so geschrieben steht.
Von den Aposteln wird
berichtet, dass sie das Amt der Diakone eingesetzt haben, weil sie Gefahr
liefen, durch die zunehmenden materiellen Bedürfnisse der Gläubigen ganz in
Anspruch genommen zu werden: "Wir
aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben" 8.
Ihre erste Beschäftigung war das Gebet, um sich dann dem Dienst am Wort zu
widmen.
Dies will nicht heißen, dass der Priester gewisse Stilregeln außer acht lassen und gewisse Kenntnisse der
profanen und bürgerlichen Wissenschaften geringschätzen darf. Es wäre jedoch
tadelnswert, wenn der Priester den größten Teil seiner Zeit mit rein
literarischen oder abstrakten Fragen verbringen würde, aus dem Verlangen
heraus, darin zu glänzen auf Kosten seiner priesterlichen Pflichten.
* * *
Ohne auf die Einzelheiten
einer Abhandlung über die Kunst des Predigens einzugehen, ist es nützlich, wenigstens
einige allgemeine Regeln dafür aufzuzeigen.
1. Man muss vor allem eine
bestimmte und klare Vorstellung über das Ziel haben, das man zu erreichen
beabsichtigt, damit man zu diesem Zweck die geeigneten Mittel einsetzt.
2. Die Wahl der Mittel muss nicht nur durch die Natur des Predigtinhaltes, sondern auch vom Charakter des
Zuhörerkreises her bestimmt sein.
3. Bei der Darlegung der
biblischen Wahrheiten muss man dem natürlichen Gang des menschlichen Geistes
folgen, indem man vom Bekannten zum Unbekannten, von der äußeren Tat zur
inneren Einstellung, von den Beweisen aus der Wirklichkeit zu jenen der Vernunft
fortschreitet.
4. Bei der Darlegung einer
Glaubenswahrheit muss man stets damit beginnen, das einfache und reine Dogma in
klarer Form zu bekräftigen, um von Anfang an einen Akt des Glaubens an die
Wahrheit zu erwecken, von dem gesprochen werden soll.
Dieser Akt des Glaubens ist
eine besondere Gnade für alles Folgende; er beeinflusst in günstiger Weise den
Willen, die Glaubenswahrheit aufzunehmen und daraus Nutzen zu ziehen.
5. Bei der Predigt über eine
Tugend muss man zuerst die Tugend mit einer einfachen und geläufigen Definition
bestimmen, um nachher deren Wesen und Wirkungen zu erfassen.
Bezüglich der Ausführungen
über eine Tugend muss man im allgemeinen mit den bejahenden und positiven
Aspekten beginnen, um sie bekanntzumachen; in der Folge soll die Tugend in sich
selbst ohne Verdunkelung noch Kampfstimmung dargelegt werden.
Es ist besser das Gute durch
das Gute als durch das entgegengesetzte Laster kennenzulernen.
Die erstere Methode nährt die
Seele, die zweite reizt und verwirrt sie. Man soll also erst dann den negativen
Teil - die Zurechtweisung und Widerlegung - in Angriff nehmen, wenn zuvor die
Prinzipien der Wahrheit oder der zu folgenden Tugend erklärt worden sind.
Wenn es darum geht, ein Laster
direkt zu bekämpfen, darf man keine Persönlichkeiten anführen und nicht jene
öffentlich anprangern, die sich unglücklicherweise im betreffenden Laster
schuldig machen. Es ist besser, das Laster als eine Krankheit hinzustellen,
unter der die Betroffenen sehr zu leiden haben, z.B. ein Dieb, der in verräterischer
Weise jene beraubt, auf deren Güter er eifersüchtig ist, soll hingestellt
werden als Feind, der das Unglück der Seelen anstrebt.
Nachdem man das Laster in
seinen Wirkungen auf den Menschen überlegt hat, soll man es dann als eine
Beleidigung hinstellen, die Gott oder Jesus Christus zugefügt wird; es soll
dabei aber offen bleiben, dass die Schuldigen dabei nicht an eine solche Bosheit
und Undankbarkeit gedacht haben.
Grundsätzlich muss man bei
der Verwerfung eines Lasters immer das Herz des Priesters spüren, das die
Person und die Seele des armen Sünders schätzt und liebt.
6. Bezüglich des Fortschritts
in den Tugenden muss man der natürlichen Entwicklung und den Phasen des Lebens
folgen.
Es soll also zuerst das
vorgeschlagen werden, was einfacher und leichter zu praktizieren ist; erst im
weiteren Verlauf, wenn Schwierigkeiten und Opfer auftauchen, soll man ermutigende
und liebenswerte Beweggründe hinzufügen.
Jenen, die immer fürchten, zu
viel zu tun und überall unüberwindbare Hindernisse sehen, soll gezeigt werden,
dass dies nicht der Wirklichkeit entspricht; dass in Wirklichkeit von ihnen
wenig verlangt wird. Die Ängstlichen heilt man damit, dass man sie wie die
Kinder das anschauen und berühren lässt, was sie erschreckt.
So soll man den sinnlichen
Seelen vor Augen führen, dass das wahre Glück nur in der Tugend liegt; diese
ist ein Mittel, das zum ewigen und vollkommenen Glück führt.
Den zu eifrigen Seelen, die
die Vollkommenheit in einem Tag erreichen wollen, soll man aufzeigen, welch
hoher Wert schon in den ersten Stufen der Tugend liegt, und wie jeder Grad durch
sein Höhersteigen bereits zur Übung der höchsten Grade führt.
Das Geheimnis des geheiligten
Predigers liegt darin, dass die behandelte Tugend als etwas Achtbares, Wünschenswertes
und Liebenswürdiges angesehen wird.
7. Was die Überlegungen
betrifft, so sollen sie von einem allgemeinen Gesichtspunkt ausgehen; es soll
die äußere Wahrheit des Gegenstandes beleuchtet werden, sodann seine tieferen
Gesichtspunkte erwogen und schließlich die Beweggründe erläutert werden;
diese werden die Zuhörer in persönlicher Weise berühren.
Aber die unerlässliche Eigenschaft der Überlegungen
muss auf jeden Fall die Einfachheit sein.
Einfach im Ausdruck einer klar
erfassten Idee, indem gesuchte Redewendungen, bildhafte Ausdrücke und zu lange
Gegenbehauptungen vermieden werden.
Einfach soll auch die
Vortragsweise sein, kein theatralischer Vortrag, der Ton sei getragen und ernst
wie ein würdiges Gespräch; wenig Gesten, ausgenommen die Schlussfolgerung, im
negativen wie im positiven Sinn.
Einfach soll die Logik der
Beweisführung, die Verbindung der Aussagesätze sein; die allzu syllogistische
Form, welche einem Professor oder kurz angebundenen Menschen eigen sind. Die
Logik der Gedanken soll jene der Worte überdecken und ersetzen.
8. Was die Zuneigung
angelangt, ist zu bemerken, dass man sich zuerst um die spürbaren Gemütsbewegungen
bemühen soll, wenn man Ergriffenheit erzielen will. Damit hat man bald den
Willen gewonnen, der nicht mehr vor den Hindernissen zurückschreckt, denn der
Mensch lebt mehr mit dem Herzen als mit dem Geist.
Man darf aber nicht dabei stehen bleiben; sonst würde man nur ein Strohfeuer entzünden oder einen
elektrischen Schlag auslösen. Man muss den Willen mit der Vernunft und die
Vernunft mit dem Willen angreifen, sodass man das eine durch Überzeugung des
anderen erschüttert und besiegt. Der Siegesschrei kommt vom Willen und lautet: "Was
willst du,
dass
ich tun soll... Dixi, nunc coepi".
Man wache sorgfältig darüber,
dass die Gefühle religiöser Natur seien, dass sie auf Gott, auf Jesus
Christus, auf die hl. Jungfrau gerichtet seien.
Die große Gefahr der
sinnenhaften Gefahren besteht darin, dass sie lediglich durch natürliche Empfindungen entstehen und sich darauf beschränken. Es ist also wichtig, diese
stets auf die übernatürliche Ebene zu heben; ansonsten verfehlt man ihren
Zweck, man wird der Gnade seines Dienstes untreu, denn man wird selbst der
Gegenstand und der Mittelpunkt dieser natürlichen Gefühle; wenn jedoch Gott
allein das Ziel und der Zweck der übernatürlichen Gefühle ist, tritt der
Mensch in den Hintergrund.
9. Bezüglich der Opfer: wenn
man ein besonderes Opfer fordern will, muss man zuerst das Herz gewinnen. Man
darf niemals bei den Zuhörern einen ersten, ungünstigen Eindruck der Abwehr
und Ablehnung für das hervorrufen, was man vorschlägt. Um das Herz zu
gewinnen, muss man seine Sprache sprechen, in ihm die edelsten Gefühle
wachrufen: man muss es darauf abzielen, dass das Opfer, welches man erreichen
will, geliebt wird. Nachher muss - wie bei den Gefühlen - die Vernunft überzeugt
werden, um den Einwänden des Willens, der sich bessern möchte, zuvorzukommen;
damit bindet sich der Wille selber, er will nicht mehr zurückkehren, weil seine
Ehre auf dem Spiel steht.
10. Das wichtigste Motiv in
der Predigt muss darin bestehen, mehr das Vertrauen als die Furcht zu fördern,
mehr die Güte und Barmherzigkeit Gottes als seine unerbittliche Strenge seiner
Gerechtigkeit hervorzuheben.
Der
Großteil der Sünder verharrt nur aus Verzweiflung in ihrer unglücklichen
Situation.
Übrigens macht die Liebe das
ganze christliche Gesetz aus, sie macht den ganzen Menschen aus. Besser ist es,
ihn durch das Motiv der Liebe zur Tugend zu Gott zu führen, als durch jedes
andere Motiv; nur in dem Maße wird er großzügig und heilig sein, als er die
Liebe pflegt.
Wichtig ist es, die Stärkung
seines Willens, seine Abhärtung anzustreben, ihn in eine Gesinnung des Kampfes
zu versetzen, denn er ist die Zielscheibe der Gnade und der Leidenschaften,
durch Gott und durch den Teufel.
Es gibt wenige Leute mit einem
absoluten Willen; der Großteil entmutigt sich leicht; sie fürchten die
Heimsuchungen, die Kämpfe um die Tugend; sie stellen sich unentwegt vor, der
Dienst an Gott sei mit Traurigkeit verknüpft, und dass dieses Leben ein
fortgesetztes Sterben sei. Man muss solchen Menschen zeigen, dass mit der Gnade Gottes das
Gegenteil der Fall ist, dass sein Joch sanft und seine Bürde leicht
werden.
11. Für die Praxis ist es
wichtig, es sorgfältig zu vermeiden, in den Ruf eines zu strengen Moralisten zu
kommen. Andernfalls kämen zu unseren Unterweisungen und in den Beichtstuhl nur
mehr schwärmerische Geister und Leute, die zur Übertreibung neigen.
Man muss den richtigen
Mittelweg finden zwischen Rigorismus und Laxismus; eher soll man zur
Barmherzigkeit neigen; dann werden wir es erleben, wie sich Herz und Gewissen öffnen; später werden wir alles erreichen, was man zu Beginn nicht versprechen
kann.
Sorgfältig die Einzelheiten
übertriebener Sitten vermeiden, weil man Gefahr läuft, das rechte Maß in den
Verhaltensregeln zu überschreiten, die man erst später festlegt.
Wenn man ein vorbildliches
Sittenleben aufzeigen möchte, soll man als Leitbild einen Mittelstand annehmen
zwischen dem Beginn eines Fehlers, eines Lasters und ihren maß-losen Überschreitungen,
oder einen mittleren Zustand zwischen den ersten Anzeichen einer Tugend und den
höchsten Graden der Vollkommenheit.
So muss man in den praktischen
Einzelheiten des christlichen Lebens, der Frömmigkeit und der Tugend als Regel
das übliche Leben verwenden, das für Menschen guten Willens erreichbar ist,
ohne es freilich zu unterlassen, auf die Formen höherer Tugendgrade anzuspielen
für jene Seelen, die sich dazu berufen fühlen.
Man soll jedoch unbedingt
Abstand nehmen von moralischen Allgemeinaussagen, die niemanden erreichen würden.
Vielmehr sollen praktische, bestimmte und auf die Zuhörer passende Einzelheiten
aufgezeigt werden; diese sollen als durchführbar und zeitgerecht hingestellt
werden; man soll zur sofortigen Inangriffnahme oder wenigstens zur Erweckung eines Aktes zu einem festen Vorsatz anregen und damit schließen,
dass man den
Zuhörern christliche Wünsche für den Erfolg und die Ausdauer, die auf den göttlichen
Verheißungen gründen, aussprechen.
12. Was die rhetorische Form
betrifft, soll man zu unseren Zuhörern in einer einfacheren und gesprächswürdigeren
Sprache reden; zwischen uns und ihnen soll ein direktes Verhältnis hergestellt
werden, damit sie am Predigtgegenstand Interesse finden. Bei schwer
mitzuverfolgenden oder nicht leicht zu begreifenden Punkten soll die Dialogform
angewendet werden; wenn man einen Vorwurf zu machen hat, soll man sich zuerst
bei den Zuhörern entschuldigen; die Dialogsprache ist sehr angezeigt und
wirksam, um die verschiedenen Bewegungen des Herzens und Entschlüsse des
Willens zu fördern.
Es ist nützlich, Beispiele
bereitzuhalten, um zwischendurch den Geist zu entspannen und die Aufmerksamkeit
neu zu wecken, um die Regungen der Gefühle anzubahnen; aber die Beweise für
eine Wahrheit sollen nicht mit Beispielen oder Fallbeschreibungen eingeleitet
werden; dann würde man keine Vernunftbeweise mehr wollen.
Im Rahmen der Beispiele nie
mit dem Beispiel Jesu Christi anfangen! Man könnte nachher nichts weiteres
sagen. Der gesamte Rest der Predigt wäre nutzlos.
Man muss mit einem
dogmatischen Punkt beginnen, um dem Glauben zu huldigen und huldigen zu lassen,
im Anschluss daran das Gesagte begründen. Soviel man kann, aus der Hl. Schrift
zitieren; aber weniger Texte, die einfach die Autorität unterstreichen, sondern
solche, die eine Begründung, ein Bild enthalten und ein zusätzliches Licht auf
die Frage werfen.
* * *
Der Urheber der Nachfolge
Christi hat die Einstellung der christlichen Seele trefflich ausgedrückt, wenn
er zugibt, dass "zweierlei Dinge mir
hienieden notwendig sind,... Speise und Licht... denn das Wort Gottes ist das
Licht und dein Sakrament das Lebensbrot für meine Seele" 9.
Besteht nicht der Dienst des Priesters darin, sowohl das eine als auch das
andere zu vermitteln?
Und der Autor fügt hinzu:
"Aus dem Mund des Priesters, der so
oft das Sakrament Christi empfängt, soll wahrhaft kein anderes Wort hervorgehen
als ein heiliges und erbauliches" 10.
Geschieht es also nicht in der Predigt, wo der Priester seinen größten Einfluss
auf die Eucharistie ausübt?
III
Es gibt in der Welt zwei große
Mächte, die regieren. Im politischen Bereich ist es die Autorität des
Staatsoberhauptes; im religiösen Bereich ist es die geistliche Autorität des
Priesters.
Aber die Macht des Priesters
überragt unendlich jene eines Monarchen, und wäre er auch der mächtigste der
Welt.
* * *
1. Die Autorität eines
Oberhauptes beschränkt sich auf seinen Staat. Die Autorität des Priesters hat
an sich das ganze Universum als Reich. Er übt Autorität auf alle Seelen aus,
sein Reich ist jenes Jesu Christi; er ist dessen Diener und evangelischer
Botschafter bei allen Völkern.
Somit besitzt der Priester als
solcher keine Nationalität; er hat nur die Katholizität, wie sie die Kirche
hat. In seinen Augen gibt es weder Griechen noch Barbaren, weder Juden noch
Heiden, weder freien Menschen noch Sklaven; in allen Menschen erblickt er nur
Gott; durch die Erlösung Jesu Christi sind alle seine Kinder. Er begibt sich überallhin,
alle empfangen ihn mit Respekt, man fragt ihn nicht nach seiner Heimat und
seiner Nation: er ist Priester, er ist für alle Länder und alle Völker da.
2. Die Autorität des
Staatsoberhauptes ist durch die Staatsverfassung eingeschränkt; es gibt
Gesetze, die er nicht abschaffen kann, sondern selber respektieren muss; es gibt
Majestätsbeleidigungen, die er nicht vergeben kann.
Die Vollmacht des Priesters
hat keine Grenzen; sie ist ohne Vorbehalt, ohne Bedingung, weil sie göttlichen
Ursprungs ist. Der Kreditbrief des Priesters kommt von Jesus Christus: "Alles,
was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein"
1.
Es gibt keine Ausnahmen; auch die größten Verbrechen der Welt sind darin
enthalten. Die Kirche hat den Ausschluss gewisser Kategorien von Sündern stets
verurteilt. In Todesgefahr kann jeder Priester jeden getauften Menschen
lossprechen, der bereut.
Hat nicht der Apostel Petrus
den Juden, die Gott getötet haben, die Vergebung verheißen? Und hat nicht der
Apostel Paulus in Rom und Athen die Seelen, welche sich mit den heidnischen
Unsittlichkeiten besudelt hatten, gereinigt?
3. Die Ausübung der obersten
Macht geht für gewöhnlich sehr langsam voran. Wie viel umständliche und
zeitraubende Voruntersuchungen! Wie viel Befürwortungen muss man
zusammenbringen, durch wie viel Hände muss das Gnadengesuch eines Schuldigen gehen? Welch langes Warten..., das oft mit Enttäuschung endet!
Um wie viel
einfacher und rascher ist die Ausübung der Vollmacht des Beichtvaters!
a) Zur Erlangung der Wohltat
braucht es weder mächtige Befürworter noch wendige Advokaten. Es genügt, sich
als Sünder vorzustellen, sich als solcher anzuklagen, und sofort wird das Versöhnungsgericht
aufgerichtet, um die Bitten des Schuldigen anzuhören. Oder besser gesagt: das
Gericht der Vergebung steht immer bereit, tagt ununterbrochen, um die reuigen
Geständnisse entgegenzunehmen.
Und lässt die Gnade der
Vergebung etwa lange auf sich warten? Muss man etwa so lange büßen, wie lange man in der Schuld verharrte? Schließlich wäre dies ja gerecht. Aber
mitnichten. Der Vergebungsspruch erfolgt ebenso rasch wie die Anklage des
reuigen Sünders. Reue ist die einzige Bedingung. Jesus Christus hat keine
andere Voraussetzung gefordert, wie die Begebenheit der Ehebrecherin, oder
Maria Magdalena, Zachäus und der gute Schächer bezeugen.
Ach, wenn die menschlichen
Gerichte so verzeihen, gäbe es weder Gefängnisse noch Schafotte. Wenn die
Menschen die Barmherzigkeit Gottes voll ausnützten, wäre die Hölle unmöglich.
Die Begründung der sofortigen
Wirkung dieser Vollmacht geht aus ihrem Wesen selbst hervor.
Gott hat dem Priester weder
eine bedingte noch eine vorläufige, sondern eine absolute Vollmacht übertragen:
er ist höchster Richter. Sein Urteilsspruch, sagt der hl. Peter Damian, muss jenem des Himmels vorangehen: "Das
Urteil des Petrus geht dem Urteil des Erlösers voraus!" 2.
Gott hat seine Macht dem Willen des Priesters unterworfen; er hat den Priester
damit betraut; er hat auf sein Recht, durch das Bußsakrament zu vergeben -
anders gesagt, durch das Amt des Priesters verzichtet. Dieser braucht also nur
das Wort der Vergebung auszusprechen, und im gleichen Augenblick bestätigt Gott
das rechtmäßige Urteil seines Ministers.
b) Und zur Erreichung einer so
schlagartigen und wunderbaren Umwandlung der Seele genügen einige Worte: "Ego
te absolvo a peccatis tuis - ich spreche dich los von deinen Sünden".
Bei diesen Worten, die machtvoller sind als jene Jesu Christi, als er den
Lazarus zum Leben erweckte 3,
wird eine Seele neuerlich zum Leben der Gnade geboren, der Räuber, der Unzüchtige
und Gottesschänder sind von ihren Missetaten gereinigt.
Umgibt sich vielleicht der
Priester mit äußeren Zeichen von Prunk und Majestät, was eine so außergewöhnliche
Macht zu rechtfertigen scheint? O nein; andernfalls hätten Kinder, Arme und Ängstliche
Furcht. Das Besondere am Bußsakrament ist die Einfachheit. Alles spielt sich im
Schweigen, im unverletzbaren Geheimnis der Beichte ab. Um den Beichtstuhl herum
stehen weder Wächter noch menschliche Höflinge; der Priester trägt nicht
einmal ein feierliches Kleid; es gibt keine Spur von Gepränge, durch seine
Vollmacht ist er reich genug. Nur die Engel sind anwesend, um diesen Triumph der
Barmherzigkeit Gottes und seiner Gnade zu bewundern und zu feiern.
4. Wenn ein Schuldiger nach
dem Freispruch durch ein menschliches Gericht unter das Gewicht einer neuen
Verurteilung fällt, bewertet das Gericht seine Vergangenheit, um seinen Rückfall
mit größerer Härte zu bestrafen.
Nicht so verhält es sich vor
dem Gericht Jesu Christi. Die Gaben Gottes sind unwiderruflich 4.
Die durch Lossprechung einmal vergebenen Sünden sind für immer aus dem Buch
der göttlichen Gerechtigkeit ausgelöscht. "Wenn
der Schuldige sich von allen Sünden... abwendet, ... dann wird er bestimmt am
Leben bleiben und nicht sterben" 5.
Beim Gericht nach dem Tod kommen sie nicht mehr zur Sprache, sie sind wie
vernichtet; die Schrift sagt, Gott hat sie hinter seinen Rücken geworfen 6;
dies deutet klar darauf hin, dass er sie ganz vergessen hat. Wenn man unglücklicherweise
in die schwere Sünde zurückfällt und unbußfertig stirbt, so leben die
vergebenen Sünden nicht mehr auf.
Noch mehr: die Vergebung der Sünden
kann beliebig oft wiederholt werden. Als der Apostel Petrus Jesus fragte, ob man
dem Nächsten bis zu sieben Mal vergeben muss, antwortet der göttliche Meister:
"Nicht siebenmal, sondern
siebenundsiebzigmal" 7,
d.h. immer. Dies ist auch das Maß am Bußgericht, ein Maß, das allein die
richtige Einstellung der bußfertigen Sünder in Betracht zieht.
5. Wenn die bürgerliche
Vollzugsgewalt die Ketten eines Verurteilen bricht, schenkt sie ihm zwar die
Freiheit, nimmt ihm aber oft seine Würde und beschlagnahmt seine Güter. Man rühmt
ihre Milde, wenn man ihn am Leben lässt.
Der Priester, der im Namen
Gottes selber durch die sakramentale Lossprechung vergibt, gibt der Seele das
Leben der Gnade zurück; dadurch gibt er ihr all ihre Rechte als Kind Gottes zurück
und ermöglicht ihr, in den Besitz ihrer Verdienste zu gelangen, die durch den
Zustand der Sünde beschlagnahmt worden sind.
Gott handelt wie die großen Künstler.
Er hat Gefallen daran, die Ruinen seines Werkes in einer noch herrlicheren Weise
wieder herzustellen. Aus dem Verleugner Petrus macht er das Oberhaupt des
Apostelkollegiums und der Kirche. Paulus, der Gotteslästerer und Verfolger,
wird ein auserwähltes Gefäß, der tiefste Erklärer der Lehre Jesu Christi,
der hervorragendste Apostel durch seine Gnade. Aus dem entgleisten und häretischen
Augustinus macht er eines der glänzendsten Lichter der Kirche, den Ruhm seiner Barmherzigkeit.
6. Die höchste Gewalt eines
Staates kann von ihrem schönsten Privileg Gebrauch machen und einen zu Tod
Verurteilten noch am Fuß des Schafotts begnadigen und ihn von einem entwürdigenden
Tod bewahren; aber wird sie jemals imstande sein, begangene Verbrechen, seine
Schande zu tilgen und dem begnadigten Verbrecher seine Gewissensbisse zu
nehmen? Nein, das Verbrechen wird mit dem Namen des Schuldigen verknüpft
bleiben; der Gewissensbiss wird sein heimlicher Henker bleiben und ihn quälen
bis zum Lebensende.
Die Vergebung durch den
Priester rehabilitiert denjenigen, der bei ihm beichtet, er lässt ihn seine
ursprüngliche Würde wiederfinden; bereits die Bußübungen nach der Lossprechung
bringen ihm neue Verdienste, und die Gnade des Bußsakramentes
schenkt seiner Seele das Vertrauen, das die Gewissensbisse verscheucht.
* * *
Ein Priester, der sich diese
Überlegungen zu Herzen nimmt, wird daraus unweigerlich seiner Rolle als Beichtvater
eine große Wertschätzung entgegenbringen und einen entschlossenen Willen schöpfen, dieses Amt in Würde und Liebe auszuführen.
Er möge jedes Mal nachdenken,
wenn ihm das Beichtkind diese einfachen Worte ausspricht: "Ich bekenne Gott... und Ihnen, mein Vater, der Sie den Platz Jesu
Christi einnehmen..."
Ja, er möge diesen Platz
wahrhaftig einnehmen, nicht nur durch die Vollmacht, mit der er bekleidet ist,
sondern auch durch die Einstellung und sein Verhalten zu jenen, die sich an ihn
wenden.
IV
Wenn es nach dem Zeugnis des
hl. Johannes Chrysostomus keine Kunst gibt, die mit der Bildung junger Seelen
vergleichbar ist 1,
so ist gewiss ein Hauptpunkt dieser Erziehung die Formung der Gewissen durch das
Sakrament der Beichte.
Wir
wollen nun einige Regeln über diesen Gegenstand in Erinnerung rufen.
* * *
1. Vor allem gilt es, bei den
Unterweisungen und im Katechismusunterricht den Kindern den Schrecken und die
Furcht vor der Sünde einzuprägen und ihnen andererseits die Tugend als
liebenswert hinzustellen; sie soll ihnen als leicht, angenehm - vorteilhaft für
das gegenwärtige Leben durch die Freude und den Frieden, die jene erfahren,
welche sie üben, - als entscheidend für das andere Leben durch Belohnung, die
im Himmel bereitsteht; man muss den Kindern oftmals vom Glück des Paradieses
und des Platzes erzählen, der auf sie wartet.
2. Versuchen, ihr Vertrauen zu
gewinnen, um ihre Aufrichtigkeit in allem zu begünstigen, hauptsächlich in der
Beichte.
3. Hinsichtlich der Beichte
soll man sie bewegen
a) zu einem großen Glauben,
um der menschlichen Scheu zuvorzukommen;
b) zu einem großen Vertrauen
auf die Beichte, auf die Lossprechung, und nicht auf die Person des
Beichtvaters, mit denen sie es für gewöhnlich zu tun haben; andernfalls besteht
die Gefahr, dass die Kinder nur bei ihm beichten wollen und lieber das
Sakrament der Buße unterlassen als sich an einen anderen Priester zu wenden.
c) Zu einer großen Ehrfurcht
hinführen; infolgedessen soll man über heilige Dinge nie mit ihnen scherzen,
insbesondere was die Beichte betrifft; sie selbst mit einem sanften Ernst
behandeln, ohne ihnen allzu große spürbare Zuneigung und Zärtlichkeit zu
erweisen, denn dies ärgert die Frömmigkeit der Kinder.
4. Im Beichtstuhl harte Worte,
zu lebhafte Zurechtweisungen und zu strenge Strafen vermeiden, weil man sonst
Gefahr läuft, dass sie nicht mehr den Mund auftun und eine immer größere
Abneigung gegen die Beichte entwickeln, die nicht mehr weggebracht wird.
Aber man soll die notwendigen
Bemerkungen nicht unterlassen. Davon hängt nämlich das moralische Empfinden
eines Kindes ab. Es beurteilt seine Sünde je nachdem, ob der Beichtvater darüber
schweigt oder sie tadelt.
5. Bei der Kinderbeichte soll
ein dreifacher Zweck angestrebt werden:
a) die Gewohnheiten und
Neigungen der Kinder kennenlernen;
b) die Gelegenheiten
wahrnehmen, die sie zur Sünde verleiten; denn für gewöhnlich wird ein Kind
nur durch den Einfluss eines Ärgernisses schlecht;
c) ihren Stand im Hinblick auf
die Frömmigkeit einschätzen.
6. Sich sehr davor hüten,
einem Kind etwas von einer Sündenart mitzuteilen, die es nicht kennt, weil man
wissen möchte, ob es diese Sünde begangen hat oder nicht. Daher ist es
notwendig, besonders hinsichtlich des 6. Gebotes, ihre gewöhnliche
Ausdrucksweise, die Bedeutung der Begriffe und die von ihnen verwendeten Ausdrücke
zu kennen.
7. Allgemein gesagt ist es von
Nutzen, die Kinder zur oftmaligen Beichte zu ermutigen, um sie daran zu gewöhnen
und ihnen dadurch diese Bürde zu erleichtern; um sie vor schlechten Gewohnheiten zu schützen und sie vielmehr zur gewohnheitsmäßigen Übung der
theologischen Tugenden anzuleiten, um sie von früh auf durch die Einstellung
und feste, aber leichte Übung zur Frömmigkeit zu gewöhnen. Immerhin soll man
aber durch eine sorgfältige Vorbereitung darüber wachen, die Routine von dem
auszuschalten, was oft als einziges Heilmittel übrigbleibt. Also:
a) Die unschuldigen Kinder:
sie sollen in ihrer Unschuld erhalten werden, indem man ihnen mit der Liebe zu
Gott die Abscheu vor der Sünde einpflanzt und sie mehr mit ihnen zumutbaren Übungen
zur Frömmigkeit erzieht als durch zu häufiges Beichten.
b) Die wankelmütigen Kinder:
ihnen soll man sorgfältigst nachgehen; und es soll die natürliche Ursache
ihrer Unentschlossenheit ausfindig gemacht werden: ihr Charakter; der religiöse
Grund: was in ihnen schwach ist, der Glaube, das Gebet; eine äußerliche Ursache: die
Gelegenheiten - sie stets durch irgendwelche neue Übungen in
Spannung halten, während drei oder neun Tagen, indem man die Dinge erklärt und
den häufigeren Empfang der Sakramente während einer gewissen Zeit empfiehlt.
c) Die Gewohnheitssünder:
ach, sie sind ein Kreuz! Es gibt sehr junge Leute, die bereits dem Laster
verfallen sind. 18-20-Jährige sind oft schon seit einigen Jahren gebunden und sündigen
mit anderen.
Zuerst
einmal viel für jene beten, die zu uns kommen. Dann
- oft ihre Beichte hören; es
zu erreichen versuchen, dass sie nach jedem Rückfall kommen;
- nach der geringsten
Besserung sie ermutigen, sobald sie gleich zurückkommen;
- nie für ein Kind oder einen
jungen Mann die Hoffnung aufgeben; sich immer gut und aufnahmebereit zeigen; sie
nie abweisen; sollte man sie einmal aus irgendeinem Grund nicht empfangen können,
mit ihnen eine andere Stunde vereinbaren.
- ihnen also Mut machen und sie
überzeugen, dass sie sich noch bessern können; es ihnen versichern; was die
Jugend an der Sünde festhält und an das Übel bindet, ist die Entmutigung,
die Verzweiflung.
- Ihnen versuchsweise ein
bestimmtes Mittel verschreiben, z. B. anlässlich eines Marienfestes sie gut
darauf vorbereiten, ihnen sagen: ihr werdet ganz neu beginnen; ist dieses Fest
gekommen, für sie daraus einen besonderen Tag gestalten, ein Ereignis, an das
man immer wieder erinnert.
* * *
Das Wesentliche ist: dass das
junge Beichtkind zuversichtlich ist, sich bessern zu können; und mit gutem
Willen wird es bald geheilt sein.
V
Beichte und Seelenleitung der
Frauen
Die Haltung des Priesters den
Frauen gegenüber ist ein delikates Problem! Er ist in vielen Dingen auf ihre
Mithilfe angewiesen, aber es muss ein richtiges Maß an Abstand und
Zurückhaltung gegeben sein, um die Tugend zu
schützen. Als allgemeines Prinzip kann genannt werden:
- die Frauen nicht missachten;
- sie nicht eigens suchen;
Drei Gruppen von Frauen sollen besonders gut betreut werden:
- die zu bekehrenden
Beichtkinder sollen mit großer Liebe behandelt werden.
- Den Familienmüttern mit
Ehrfurcht und Hingabe begegnen.
- Den Frauen mit Kummer soll
ein aufrichtiges Mitgefühl entgegengebracht werden.
* * *
Bei der Beichte von Frauen
sind drei Tugenden notwendig:
1. Der
Respekt vor der Person und vor der Gnade. Manche Priester verstehen es
nicht, die Frau ernstzunehmen und beurteilen sie zu sehr nach ihrer natürlichen
Psychologie; daraus entsteht eine fehlende Achtung, welche ihre christliche
Bildung vernachlässigt.
2. Die
Liebe, welche es versteht, ihre Charakterschwäche, ihre Fehler, ihre eigentümlichen
Sünden und die besonderen Prüfungen, welche aus ihrer
Situation oder aus ihrem Lebensstand entstehen, zu begreifen.
3. Die
Klugheit bezüglich des Vertrauens, das man ihnen schenkt, und in den äußerlichen
Beziehungen, die man mit ihnen unterhält.
Im Beichtstuhl soll ein
Priester zu einer Frau nie über sich selber sprechen oder zulassen, dass sie über
ihn spreche.
* * *
Bei der Seelenleitung von
Frauen muss man zuerst aufmerksam und geduldig folgende Dinge studieren:
1. Die guten und schwachen Seiten, um ihren Tugendgrad
oder ihre Neigung zum Bösen kennenzulernen.
2. Den Charakter, um die richtigen Mittel auszuwählen,
die ihnen nahegelegt werden sollen, und die
anzuwendende Ausdrucksweise.
Eine Frau kennt sich oft
selber nicht; es ist Sache des Seelenleiters, ihr zur Selbsterkenntnis zu
verhelfen und sie entsprechend zu führen.
Das Ziel muss sein:
a) Eine Seele in ihre Berufung
und Lebensgnade zu führen, um in ihr den inneren Frieden zu festigen.
b) Ihr zu einem Verhalten und
Kampfgeist für die Tugend gegen das Übel an sich zu verhelfen; also einen
Geist des Opfers und der inneren und äußeren Abtötung.
c) Ihre Tugend auf die Liebe
gründen: die Liebe zu Gott, zu Jesus Christus - im verborgenen Leben oder in
seiner Passion oder in der Eucharistie - eine Liebe, die das Zentrum, die Nährquelle
und der Herd ihres Gnadenzuges ist, wie immer dieser auch sein mag.
VI
Der Priester darf nicht nur an
seine eigene Heiligung denken; es ist seine Aufgabe, sich auch um die Heiligung
der anderen zu sorgen. Von daher wird die Erfüllung dieser Pflicht für ihn zu
einem Mittel, sein eigenes Heil zu sichern.
Er ist also angehalten, am
Wohl der Seelen mit allen verfügbaren Mitteln zu arbeiten im Rahmen der Tätigkeit,
die ihm die kirchliche Autorität zuteilt - für den äußeren Bereich - nach
dem Maß, das ihm die Liebe eingibt - im inneren Bereich.
Untersuchen
wir nun die Beweggründe und Eigenschaften des priesterlichen Seeleneifers.
* * *
Beweggründe. Sie können auf
drei zusammengefasst werden: Das Bedürfnis der Seelen, der Sinn unserer
Berufung, die Liebe Jesu Christi zu den Seelen.
Wie viele Seelen sind in der
Welt unglücklich, weil sie Jesus Christus nicht kennen! Ich als Priester kenne
ihn. Und ich soll in dieser Situation einfacher Zuschauer bleiben?
Auf der Straße wird jemand
Opfer eines Unfalles, oder jemand fällt ins Wasser; die Zeugen beeilen sich,
Hilfe zu leisten.
Aber die Seelen sind Opfer der
Sünde und laufen Gefahr in die Hölle zu fallen; oder sie verkommen in der
Lauheit; andere wieder bleiben auf dem Niveau der Mittelmäßigkeit, weil ihnen
niemand hilft, vielleicht heilige Männer oder Frauen zu werden.
Und ich sollte die Grausamkeit
haben, sie in ihrem unglücklichen Zustand zu verlassen und ihnen die Hilfe
meines Dienstes zu verweigern?
Man erwidere nicht: das Übel
ist zu groß. Sehen Sie die Feinde Jesu Christi; sie sind niemals weder
befriedigt noch entmutigt; sie arbeiten mit Verbissenheit, um möglichst viele
Seelen in den Abgrund des Verderbens zu reißen.
Der Dämon, ihr Oberhaupt, er
kennt den teuren Preis, der durch das Blut Jesu Christi losgekauften Seelen.
Von diesem göttlichen Blut,
das ich bei der hl. Messe verwandle, bin ich der Besitzer; ich bin der Verwalter
seiner unendlichen Verdienste, die ich den Seelen zuwenden kann, um sie zu
erneuern und zu heilen. Und ich sollte es den Seelen, welche ein Recht darauf
haben, vorenthalten, wo sie ohne diese Verdienste verloren gingen? Ich würde
den Leviten und den Priester nachahmen, die am tödlich verwundeten Landsmann
gleichgültig vorüberzogen, anstatt dem Beispiel des barmherzigen Samaritans zu
folgen?
Ist das denn so schwierig?
Viele verwirrte Seelen haben keinen schlechten Willen. Sie kennen nur nicht die
Mittel, es besser zu machen; sie verstehen und wagen es nicht, den Priester
aufzusuchen. Der Priester muss zu ihnen gehen, ihr Herz erobern und sie zu Gott
zurückführen. Welchen Dank werden sie ihm ewig im Himmel erweisen?
Was ist der Priester? "Der
Priester ist der Führer des Heeres des Herrn" 1.
Nun muss der General einer Armee als erster sich dem Kampf stellen und sich der
Gefahr des Todes aussetzen.
Was ist ein Priester? "Verwalter
von Geheimnissen Gottes" 2.
Der hl. Paulus hat durch sein Leben den klaren Kommentar zu den folgenden Worten
gegeben: "Wehe mir, wenn ich das
Evangelium nicht verkündige!" 3.
Ich kann mich deswegen nicht rühmen, denn ein Zwang liegt auf mir; ich verdiene
keine Belohnung, ich verkünde das Evangelium im Auftrag, der mir anvertraut
worden ist 4.
Was ist ein Priester? Der
Gehilfe Gottes bei der Heilsarbeit für die Seelen. "Wir sind Gottes Mitarbeiter" 5.
- "Der Priester ist gleichsam der gemeinsame Vater der ganzen Welt"
6.
Der
Herr wollte, dass die Priester die Erlöser der Welt sein sollten 7.
"Bei der Erschaffung der Welt gab es niemand, der dem Geist Gottes
half...; beim Geheimnis unserer Erlösung wollte er aber Mitarbeiter und sagte:
tut dies zu meinem Gedächtnis" 8.
Aber wäre ich nicht ohne die
Übung eines brennenden Eifers eher ein unnutzer Knecht, der einem guten
Arbeiter des Evangeliums den Platz wegnimmt?
Bin ich nicht übrigens vor
der Gerechtigkeit Gottes wegen meiner vergangenen Sünden tief schuldig
geworden?
Die beste Genugtuung, die ich
dafür Gott anbieten kann, ist, dass ich mich dafür einsetze, die anderen davor
abhalte, ihn zu beleidigen; mein bester Dank und mein süßester Trost ist es,
die schuldigen Seelen zu ihm zu führen.
Ja, vielleicht sind
meinetwegen Seelen verlorengegangen oder wenigstens in ihrem Eifer erlahmt; oh,
dann: Seele für Seele; mein Eifer darf keine Grenzen kennen; dies bedeutet für
mich eine strengere und ganz persönliche Pflicht, andere Seelen zu retten.
3. Die Liebe Jesu Christi für die
Seelen:
Was hat dieser gute Hirt,
dieser göttliche Erlöser doch alles getan, um die Seelen zu retten! Wie teuer
sind sie ihm! Und dennoch wählt er Priester aus, um das endgültige Ergebnis
seines Werkes sicherzustellen. Er selbst hat zu diesem Zweck das Priestertum
eingesetzt. Welches Zeichen des Vertrauens von seiner Seite! Aber welche Verantwortung
lastet auf unserem Gewissen!
Der Beweis unserer Liebe zu
ihm liegt in unserem Eifer. "Simon,
Sohn des Johannes, liebst du mich?... Weide meine Schafe!" 9.
* * *
Eigenschaften. Unser Herr hat sie selbst durch die Art des Wortlautes für
den Auftrag an seine Apostel aufgeführt: "Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; seid daher klug
wie die Schlangen und arglos wie die Tauben" 10.
Dieser Eifer muss folgende
Tugenden aufweisen:
1. Gehorsam. - "wie Schafe".
Es ist der Gehorsam, welcher den Erfolg des Priesters im heiligen Dienst
garantiert: der Gehorsam zur Kirche, zum Papst, zu seinem Ortsbischof. Er kann
nur so Erfolg haben, denn Gott gibt nur dafür seine Gnade und hat nur dafür
einen Sinn.
Der Priester soll also nur auf
seinem Arbeitsgebiet tätig sein und sich mit Werken abgeben, die ihm
anvertraut worden sind. Und dann wird er dort in bester Weise nach den Methoden
und dem Ziel arbeiten, die von der kirchlichen Autorität bestimmt worden sind: "Einfach
wie die Tauben".
2. Demut und Vertrauen. - "Ich sende euch". Angesichts des göttlichen Dienstes, mit dem
er betraut ist, kann der Priester ein Gefühl der Unwürde und des Misstrauens erfahren.
Aber die Demut wird ihn
erleuchten und bestärken. Sie wird ihm zeigen, nicht auf seine Wissenschaft,
seine Arbeit und den empfundenen Eifer seines Einsatzes sein Vertrauen auf den
Erfolg zu setzen. Dies alles ist nur eine notwendige Vorbereitung, welche Gott
dann Früchte tragen lässt.
"Die Menschen können hochklingende Worte sprechen; aber den Geist geben
sie nicht. Lieblich dem Ohr ist, was sie sprechen; aber das Herz des Hörenden
bleibt kalt dabei, wenn du nicht mitsprichst" 11.-
"Wenn nicht der Herr das Haus baut..." 12.
Der Apostel Petrus sagte:
"Meister, wir haben die ganze Nacht
gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze
auswerfen". Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass
ihre Netze zu zerreißen drohten 13.
Hat nicht Jesus Christus erklärt:
"Aus mir selbst tue ich nichts?"
14
- "Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke" 15.
Auch uns hat er gewarnt:
"Getrennt von mir könnt ihr nichts
tun" 16.
- "Ich werde euch die Gedanken und Worte eingeben, so dass alle eure Gegner
nicht dagegen aufkommen und nichts dagegen sagen können" 17.
Daraus zog der hl. Paulus
folgenden Schluss: "So ist weder der
etwas, der pflanzt, noch der, der begießt, sondern nur Gott, der wachsen
lässt"
18.
Die Demut wird ihm Vertrauen
einflößen. Als Moses zu Gott sagte: "Wer
bin ich, dass
ich zum Pharao gehen und die Israeliten aus Ägypten herausführen
könnte?" 19,
da antwortete der Herr: "Ich bin mit
dir" 20.
Jenen Priestern, die in aller
Demut wie Jeremias zu Gott sagten: "ach,
mein Gott und Herr, ich kann doch nicht reden", wird er antworten:
"Fürchte dich nicht... denn ich bin
mit dir... Hiermit lege ich meine Worte in deinen Mund" 21.
Der hl. Paulus bekräftigte:
"Ich kann alles in dem, der mich stärkt"
22.
- Jesus Christus hat diese Gewähr gegeben: "Wenn
du kannst? Alles kann, wer glaubt" 23.
David ging Goliath entgegen,
als Waffen besaß er lediglich eine Schleuder und fünf Steine; aber er näherte
sich ihm mit dem Ruf: "Ich komme zu
dir im Namen des Herrn der Heere" 24.
Der Priester soll seine Kraft
auf das Kreuz mit den fünf Wunden des gekreuzigten Jesus legen: "Wir
sind also Gesandte an Christi Statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir
bitten an Christi Statt: lasst
euch mit Gott versöhnen"
25.
3. Geduld.
- Gott hat die Welt durch bloße Willensakte erschaffen; für
seine Macht bedeutete dies ein Spiel. Als aber der Sohn Gottes Fleisch geworden
ist, um die Seelen zu erlösen, hat er 33 Jahre lang gelebt als eine Zeit der
Vorbereitung, bevor er für sie am Kreuz gestorben ist. Noch heute arbeitet er
in der Welt und wird es tun bis zum Ende der Welt. Dies ist die Arbeit seiner
Barmherzigkeit, und die Barmherzigkeit ist geduldig: "Der
Herr ist geduldig mit euch, weil er nicht will, dass
jemand zugrundegeht,
sondern dass
alle sich bekehren" 26.
- "Du aber, unser Gott, bist gütig, wahrhaftig und langmütig: voll
Erbarmen durchwaltest du das All" 27.
Wir müssen also wie Gott für
die Seelen arbeiten: in Geduld. Sie sind schwach wie Kinder; ihre Empfängnis
ist langsam, ihre Geburt beschwerlich, ihre Kindheit oberflächlich; das reife,
vollkommene Alter der Heiligkeit ist die Frucht einer langen Geduld.
Man muss dem Lauf und den
Stufen der Gnade folgen; ihnen zuvorkommen heißt alles verlieren.
Auch Jesus Christus hat diesen
Grundsatz aufgestellt: "Wenn ihr
standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen" 28.
Der Erfolg ist das Erbteil der Geduld: "Fruchtbringen
in Geduld" 29.
Eine sanfte Geduld. - Wir
behandeln vergiftete Wunden und geschwürige Herzen durch die Sünde; es sind
Geister, die man sanft zur Demut Jesu Christi zurückführen muss; sie kennen
ihren Wert nicht genug, um sie ersehnen und lieben zu können.
Eine ermutigende Geduld. -
Der Dämon
versucht mehr mit Entmutigung und Verzweiflung als durch Vermessenheit Beute zu
machen. Die Anmaßung ist meistens nur die erzwungene Frucht der Verzweiflung
des Herzens.
Eine tröstende Geduld. -
Der
Dienst an Gott, die äußere Treue zum Gesetz Gottes kostet manchen Seelen viel:
Demütigungen und Verfolgungen. Gott verlangt manche Opfer für seine Liebe. Er überlässt
uns die Aufgabe sie zu trösten. Sie sind sehr der Gefahr ausgesetzt, sie brauchen Kraft. Der Priester sei für sie "ein Engel vom Himmel", der sie tröstet 30
(30); er möge ihnen zeigen, alles zu lassen, um die gefährdete Sache des göttlichen
Oberhauptes zu verteidigen.
4. Klugheit. - "Klug wie
die Schlangen" - Die Klugheit der Schlange besteht darin, dass sie
Gefahren voraussieht und dass sie mitten in der Gefahr eine besondere Sorgfalt
anwendet, um ihren Kopf zu schützen.
Der priesterliche Dienst
bringt seine Gefahren mit sich. Er ist ein Kampf, in dem seine Feinde ihm Fallen
stellen und versuchen, ihn zu überrumpeln; also vorsichtige Beobachtung und
Klugheit im Handeln, wenn uns die Gefahr anfällt!
Der Teufel gewinnt durch
unsere Unvorsichtigkeit das zurück, was ihm unser Eifer abgenommen hatte.
Klugheit auf der Kanzel. Hier
beginnen wir mit der Belehrungsarbeit. Ein unvorsichtiges, vielleicht verletztendes
Wort gefährdet die Frucht der besten Predigt.
Klugheit im Beichtstuhl, vor
allem unter gewissen Umständen. Nicht alle Beichtkinder kommen als reuige Zöllner.
Es gibt darunter Herodianer, die uns überraschen wollen; Pharisäer und
Schriftgelehrte, um uns Unannehmlichkeiten zu bereiten. Es gibt auch Männer und besonders Frauen, die es wagen herzukommen, um uns zu versuchen.
Ja, die Klugheit der Schlange;
sie ist notwendig. Aber sie muss heilig sein: "neige
dein Herz der Einsicht zu... Besonnenheit wacht über dir, und Einsicht behütet
dich" 31.
5. Übernatürlichkeit. -
"Wie mich der Vater gesandt hat, so
sende ich euch" 32.
Die Sendung, welche Jesus Christus zu erfüllen hatte, war gewiss eine übernatürliche,
und er hat sie auch als solche erfüllt. Die Sendung, welche wir von Jesus
erhalten haben, sollte also rechtlich und tatsächlich nicht denselben Charakter
haben?
Man muss also im
priesterlichen Dienst nur die Seelen ins Auge fassen, die durch das Blut Jesu
Christi losgekauft worden sind, die Kinder Gottes, die Glieder des menschgewordenen
Gottessohnes, die Tempel des Hl. Geistes. Somit ist es also
wichtig:
a) Alle Seelen mit Ehre zu
behandeln. Sie verdienen es oder werden es verdienen. Oft sind jene, die als
unachtbar galten, große Heilige geworden. Jede Seele verbirgt in sich eine
Gnade, deren Tragweite für Gottes Pläne wir nicht kennen.
b) Die Seelen mit Respekt
behandeln. Der alte Diener Abrahams verhandelte mit äußerster Zurückhaltung
das Heiratsansuchen für Isaak, den einzigen Sohn seines Meisters, an Rebekka;
und nur durch seine Kunst und sein Taktgefühl kam diese Vereinigung mit der
Bereitwilligkeit Rebekkas und der vollen Zufriedenheit ihrer Familie zustande.
Sind denn die Seelen nicht die
Bräute Jesu Christi, des einzigen Sohnes Gottes, der für sie anstatt natürlicher,
kostbarer Geschenke und Schmuckstücke sein ganzes Blut und ihnen durch seine
Gnade sein Leben hingegeben hat? Der Priester wird sich mit Respekt und Zartgefühl
dafür einsetzen, um diese geheimnisvolle Vereinigung zu vertiefen und zu
befruchten.
c) Sie ohne Unterschied und
demütigende Bevorzugung behandeln. Es gibt ohne Zweifel zu berücksichtigende
Gesichtspunkte für die Erziehung, für gewisse Forderungen der Situation, wie
es die Armseligkeiten von empfindsamen und herrschsüchtigen Kranken sein können!
Aber dies stellt keine Bevorzugung dar, es ist vielmehr ein Mittel, sie für
Jesus Christus zu gewinnen.
Wenn eine Unterscheidung
getroffen werden müsste, dann wären es die Armen, die unsere Brüder und die
privilegierten Freunde Jesu Christi sind; es wären ebenso die verachteten und
gemiedenen Sünder, auf die man mit Güte zugehen soll, wie Jesus Christus auf
Levi und Zachäus, wie der gute Hirt auf der Suche nach dem verlorenen Schaf.
d) Sie in uneigennütziger
Weise behandeln. "Ich suche nicht
meine eigene Ehre" 33.
Wir sind ausreichend geehrt, dass uns Jesus Christus würdigt für sein
hervorragendstes Werk, das alles Geschaffene überragt, arbeiten zu dürfen.
Denn der hl. Augustinus schreibt: "Damit
aus einem Gottlosen ein Gerechter wird, diese Arbeit halte ich für durchaus größer
als es Himmel und Erde sind" 34
.
Worauf hätten wir übrigens
ein Anrecht außerhalb des geistlichen Gewinnes? "Umsonst
habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben" 36.
- "Geben ist seliger als nehmen" 36.
Wie der hl. Apostel Paulus müssen
wir eifersüchtig sein auf unsere Unabhängigkeit: "Als ich zu euch kam und in Schwierigkeiten geriet, bin ich niemand zur
Last gefallen... und euch das Evangelium Gottes verkündete, ohne etwas dafür
zu nehmen!" 37
Die Ehre des Priesters besteht
in seiner geistigen Freiheit. Also:
- keine persönlichen
Geschenke annehmen noch erbitten;
- keine persönliche Sympathie
oder persönliches Wohlgefallen, das in sinnenhafter Weise bezeugt wird;
- keine Bindungen an Menschen,
die uns im Falle einer Abwesenheit oder offiziellen Versetzung folgen würden.
Wie
groß und schön wird dann aber unser Lohn sein!
"Die Männer, die viele zum rechten Tun geführt haben, werden immer und
ewig wie die Sterne leuchten" 38.
- "In vollem, gehäuften, überfließendem Maß wird man euch beschenken" 39.
Mit welcher Freude wird uns
Jesus Christus zurufen: "Sehr gut, du
bist ein tüchtiger und treuer Diener... komm, nimm teil an der Freude deines
Herrn!" 40.
Und wo wird das Geheimnis, der
Feuerherd, das Zentrum des priesterlichen Seeleneifers sein, wenn nicht im Sakrament
der Liebe, in der Hlst. Eucharistie?
Das Feuer, welches Christus
gekommen ist, auf der Erde anzuzünden, und von dem er wünscht, dass es überall
brenne, ist natürlich die göttliche Liebe. Was ist nun der Herd dieser Liebe?
Es ist das Herz Jesu Christi, das lebt in der Eucharistie!
Das Feuer hat drei
Eigenschaften: es ist Licht, Wärme und Leben. Die Sonne ist ein intensiver und
unerschöpflicher Herd, den der Schöpfer entzündet hat, um die Welt zu
erleuchten, zu erwärmen und zu beleben. Was würde unser schönes Universum
ohne die Sonne sein? Eine vereiste, unfruchtbare und im Schrecken der Finsternis
eingehüllte Er-de.
Die Sonne der Seelen, der
geistigen Welt, ist Jesus Christus; und durch die Eucharistie, wo er lebt und
wirkt, bietet er dem Priester:
- ein Licht, das ihn tiefer erleuchtet über die
Motive und
Eigenschaften seines Seeleneifers;
- eine Hitze, die ihn erfasst,
eine Liebe, die ihn
drängt, sich voll einzusetzen für das Wohl der
Seelen.
- Einen Reichtum übernatürlichen Lebens, dessen
Bedürfnis und Glück darin besteht, sich ohne zu
zählen, auszugeben für das Reich desjenigen, dem
alle Ehre und Herrlichkeit gebührt, unserem Herrn
Jesus Christus.

Bemerkungen:
1 1 Tim 4, 13.
2 1 Tim 6, 20.
3 1 Makk 12, 9.
4 Röm 15, 4.
5 Eccles. 23, 29 (Zitat konnte vom Übers. nicht gefunden werden.
6 Hieron. Epist. 125, 11.
7 Seneca, Ep. 45 ad Lucilium.
8 Nachf. Chr., 1. B., 4. Kap., Nr. 2.
9
Nachf. Chr., 1. B., 2. Kap., Nr. 2.
10 Röm 12, 3.
11 Isid. hisp. Citatus a Conc. Aquisgr. cap. 20.
12
Innoc. III.
13 Weish 13, 1.
14 Ps 119, 66.
15 Weis 10,10 (Dieses Zitat konnte vom Übers. nicht gefunden werden).
16 Ps 94, 12.
1 Mk 16, 16.
2 Joh 6, 62.
3 1 Kor 1, 18.
4 1 Kor 1, 23.
5 1 Kor 1, 21.
6
Joh 11, 25.
7 1 Kor 2, 2.
8
Apg 6, 4.
9 Nachf. Chr., 4. B., 11. Kap. Nr. 4.
10 Nachf. Chr., 4. B. 11. Kap. Nr.6.
1
Mt 18, 18.
2 Serm. 26.
3
Joh. Chrys. Hom. 40 in 1 Cor ante med.
4 Vgl. Röm 11, 29.
5 Ez 18, 21.
6 Is 28, 17 (An der angegeb. Stelle konnte der Übers. das Zitat nicht finden).
7 Mt 18, 22.
1
Hom. 60, in cap. 18 Matth.
1 1 Petr. Damian. Opusc. 25, c. 2. .
2 1 Kor 4, 1.
3 Kor 9, 16.
4 Vgl 1 Kor 9, 17.
5 1 Kor 3, 9.
6 Joh. Chrys. Hom. VI sup. 1 Tim, in princip.
7 Hieronymus, In Abdiam 31.
8
Petr. Bles. Serm. 42 post med.
9 Joh 21, 17.
10
Mit 10, 16.
11 Nachf. Chr., 3. B., Kap. 2, Nr.2.
12 Ps 127, 1.
13 Lk 5, 5.
14 Vgl Joh 8, 28.
15 Joh 14, 10.
16 Joh 15, 5.
17 Lk 26, 15.
18 1 Kor 3, 7.
19 Ex 3, 11.
20 Ex 3, 12.
21 Jer 1, 6-9.
22 Phil 4, 13.
23 Mk 9, 23.
24 1 Sam 17, 45.
25
2 Kor 5,
20.
26 2 Petr 3, 9.
27 Weish 15, 1.
28 Lk 21, 19.
29 Lk 8, 15.
30
Vgl Lk 22, 43.
31 Spr 2, 2. 11.
32
Joh 20, 21.
33 Joh 7, 50 (an dieser Stelle vom Übers. nicht gefunden).
34 In Evang. Joan. tract. 72.
36 Mt 10, 8.
36 Apg 20, 35.
37 2 Kor 11, 7. 9.
38 Dan 12, 3.
39 Lk 6, 38.
40 Mt 25, 23.